Ein Kelch vorrüberging

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Durch diese hohle Gasse mußt du gehen.
Was gibt es denn da nicht zu verstehen?
Das kannste keineswegs noch drehen,
willste den eigentlichen Sinn nicht sehen?

Durch diese hohe Gasse darfst du gehen.
Es nutzet dir kein inniges Flehen,
kein Stottern und erst recht kein Krähen.
Wir ernten doch stets, was wir säen.

Durch diese belebte Straße sollst du gehen.
Klar doch, das ist überhaupt kein Versehen,
mag dein Gegenwind noch so heftig wehen.
Meinetwegen natürlich auch auf Zehen.

Durch Gassen oder Straßen kann man gehen.
Ins Fenster stellen große und kleine Kakteen,
in aller Bescheidenheit regt das kein Aufsehen.
Selbstverständlich gern schöne Orchideen.

Durch diese hohle Gasse muß er kommen,
schrieb einst Friedrich Schiller im Wilhelm Tell.
Manch einer zitiert ganz benommen,
das sei alles andere als aktuell.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Das Märchen vom Konsum bis zum Erbrechen

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Jede Hochkultur zerbricht an ihren sozialen Mißständen

Es war einmal eine Menschheit, die hatte sich in den Kopf gesetzt, bequem, übersättigt ihr Dasein zu fristen ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei war ihr jedes Mittel recht, kein Weg zu mühsam, jedweder Erfindungsgeist gefragt, um erwünschte Träume nebst Illusionen zu verwirklichen.

Somit erfand sie zunächst die Waffe, nämlich eigene Knochen, wie anschaulich Stanley Kubricks Filmszene bei 2001: Odyssee im Weltraum mit den Schimpansen zeigt, wo diese mit Knochen ihre Gegner erschlagen. Gezeigt, gesagt, getan, diesem Muster folgt Menschheit seit eh und je, nur mit dem Unterschied, daß aus Knochen effektivere Waffen entstanden, vom Messer, zum Speer, dem Gewehr bis hin zu Bomben und atomorarer Vernichtung.

Seitdem belauern wir uns, in und zwischen Kriegen, nehmen millionenfache Opfer in Kauf. Von der unsagbar selbstverständlichen Ausbeutung unser aller Mutter Erde mal gänzlich zu schweigen. Was interessieren die machtgeilen Herrscher Tiere und Pflanzen, die Umwelt oder Ressourcen. Hauptsache Profit.

Früher waren die Wege noch mühsam, entweder zu Fuß, später per Pferd und Kutsche. Seit kurzer Zeit per Auto und Flugzeug. Bei Asterix und Obelix läßt sich jemand Erdbeeren liefern, egal wie weit Mühe und Weg auch sei. Das geschieht ebenso in derzeitiger Realität. So Knall auf Fall, Milliardär liefert Essen ins All. Ansonsten mögen weltweit Hungersnöte herrschen, selbst in den reichsten Ländern Obdachlosigkeit. Kein Problem, demnächst gibt es nen Burger auf dem Mars. Fortschritt kennt keine Grenzen.

Humanität hat sie permanent auszuhalten, obwohl inzwischen politische Blender meinen, sie uns allen zu gönnen per Gesetze, Abkommen und andere schriftliche Verträge. Nützen nicht wirklich Hilfebedürftigen, die den Mächten ausgesetzt. Hierzulande im sogenannten goldenen Westen sorgt Ablenkung, uns ruhigzustellen. Per bunten Bildern auf Flatsreens, künstlichen Speisen und allerlei Drogen.

Brot und Spiele haben sich seit Rom stets bewährt. Obwohl Kant schon anmahnte, Mensch möge sich seines Verstandes bemühen, gelingt es Phrasendreschern immer wieder, etliche in deren Bann zu ziehen, um despotische Allmachtsphantasien umzusetzen, Hauptsache wir schlucken jene Kröten.

Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Das wissen offensichtlich manche immer noch nicht. Deshalb hält unser Leid auf Erden an. Doch jede Hochkultur scheitert an ihren sozialen Mißständen. Daran hat sich nichts geändert. Insofern tickt die Zeit, das Ende jenes despotischen Herrschaftsgehabes steht bevor. Und wenn die Menschheit bis dahin nicht gänzlich verstorben sei, erübrigt sich, was zuerst da war: das Huhn oder das Ei.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Der politische Witz

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Friedliche Koexistenz erst recht gefährdet

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Bündnisse ohne wirkliche Entspannung

Mensch lernt nicht aus seinen Schwächen, von Stärken darf man in diesem Kontext ohnehin nicht sprechen, weil Friedenspolitik nur funktionieren kann, wenn alle Beteiligten daran wirken, sie umsetzen. Davon ist die Menschheit weiter entfernt denn je, global betrachtet bieten sich natürlich Chancen, allerdings fast keine angesichts jener harten Fronten.

In Europa spitzt sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu. Während Putin an der ukrainschen Grenze seine Truppen positioniert, da ihm der Westen und die Nato auf die Pelle rücken will, so dessen Argumentation, drohen die G7-Staaten mit erheblichen Sanktionen, sollte es zum Einmarsch und Krieg kommen. Schon ist die Rede von der Vorbereitung für „totalen Krieg“. Unsere Außenministerin Annalena Baerbock beteuert zwar, die Tür für diplomatische Gespräche bleibe offen, aber der Karren ist längst festgefahren trotz des Minsker Abkommens. Mit ein wenig Phantasie darf und muß man sogar eine gewisse gezielte Absicht dem Kreml unterstellen. Obwohl der Warschauer Pakt vor über dreißig Jahren überwunden wurde, hält sich Russland an der Idee fest, die Ostblockstaaten wieder vereinnahmen zu wollen.

Mit Blick gen andere weltweite Brennpunkte schaut es keinesfalls besser aus. Zu Beginn dieses Jahres wollte jener „Blonde Dolle“ doch tatsächlich einen Bürgerkrieg in den USA anzetteln mit dem Sturm aufs Kapitol, in Mittel- und Südamerika tobt die Drogenmafia, während Syrien, Libyen und der Jemen weiterhin kriegerisch zu leiden haben oder in Zentralafrika die Demokratische Republik Kongo. Parallel will die VR China Taiwan sich wieder einverleiben, gleichzeitig zündelt Nordkorea mit dessen Raketentests, droht den USA, diese atomar zu vernichten.

Stichwort China, diese Großmacht scheut nicht davor zurück, trotz despotischer Re-gierungsführung uns Demokratie zu erklären. Unser neuer Bundeskanzler Olaf Scholz kann sich auf Dauer nicht wegducken, Litauen geht uns alle an, weil der Handelskrieg Chinas gegen die Balten verdeutlicht, daß das Reich der Mitte Europa so gar nicht ernst nimmt. Möge das Vorhaben unserer Ampelkoalition nicht bei Lippenbekenntnissen verharren, sondern tatsächlich eine härtere Linie gegen China fahren, selbst wenn Altkanzler Gerhard Schröder meint, er müsse die neue Außerministerin rügen.

Doch was global betrachtet schon für genug schlaflose Nächte sorgen kann, gilt gleichwohl für den inneren Frieden auch hierzulande. Die eskalierenden Proteste, Kontrollverlust mit Ansage, die Jonas Mueller-Töwe für T-Online zum Besten  gibt, entspricht auch meiner Einschätzung, wie sie unschwer auf unserem Blog nachgelesen werden kann. In anderen Worten, die neue Innenministerin Nancy Faeser wäre sehr gut beraten, Taten folgen zu lassen mit ihrer Feststellung, daß rechter Terror unsere größte Bedrohung im Lande darstellt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Schrei Ben

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Schrei, Ben, schrieb sie,
um dem Text persönliches
beizugeben. Dramaturgie.
Leicht in der Hand das Messer,
akkurat geschnittene Stücke,
Köche als Aushängeschild
für herrschaftliches Gehabe,
um Prunk in Szene zu setzen.
Gehalten wie exotische Wesen,
Poeten, Maler, Astronomen,
Musiker, Quacksalber, Narren,
Günstlinge fürs Publikum.
Kunst bezahlt durch Heldentaten,
schreib oder stirb,
übermal die Verbrechen,
berechne die Sternstunden,
sing Fortuna zu Ehren,
beweihräuchere Geister,
große und kleine Narren.
Geschichten gewürzt
mit akrobatischen Tänzen,
choreographiert zum Ablenken,
zur Aufforderung der Suche,
tausendeinhundert Schritte,
zum Gral der heiligsten Reliquie,
schrei, Ben, schrieb sie,
bevor Menschlichkeit vertrocknet,
in den Kehlen gänzlich verrottet.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Träume sind Tropfen im Wasser

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Am liebsten fing sie die kleinen Fische,
die silbrigen, die in allen Farben glänzen,
sie weiß nicht, wann sie das erste Mal träumte,
und ob diese Träume einer Wahrheit entsprangen,
die kleinen Fische gleiten ihr aus den Händen.

Fang mich doch, eins, zwei, drei, hieß das Spiel,
das Wasser schäumte von dem wuseligen Treiben,
dabei hielt sie ihre Hände im Becken ganz ruhig,
liebte das weiche zarte Streicheln der Schuppen,
wenn die Fische zwischen ihren Fingern schwammen.

Träume verdunsten auf der Anlegestelle des Hafens,
während sie auf das Schiff warten oder es betreten,
sie lösen sich auf, manche haben Glück, tropfen zurück
in die Weite des Wassers zu den reflektierenden Splittern
von Licht und Dunkelheit durchfluteten Sequenzen.

Die kleinen silbrig glänzenden in den Farben
des Regenbogens schimmernden Fische
verwandeln sich gerne in winzige Härchen,
wenn die Wahrheit die Träume schwimmen läßt,
das Kind lacht, die Flaumhärchen kitzeln sie.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wenn Jungs hinter verschlossenen Türen Kriege planen

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Nicht gaffen, eher sofort handeln

Modelle haben so etwas herrlich Realistisches an sich, nur daß sie halt ein wenig kleiner sind als die Originale. Das gilt für Faller Häuser genauso wie für die teure unerschwingliche Märklin-Eisenbahn, die ein normalverdienender Arbeiter oder Angestellter, von einem Niedriglohnempfänger mal ganz zu schweigen, sich sowieso nicht leisten kann.

Dennoch schaut es ganz toll aus, wenn Züge durch Tunnel rollen und Kinderaugen leuchten, während die Modellbauer akribisch darauf achten, daß ja niemand ihr Heiligtum auch nur berührt. Und wenn trotzdem, dann gibt es richtig Ärger. Aber wenn Jungs hinter verschlossenen Türen Kriege planen, sollte solch ein Malheur noch dagegen harmlos sein.

Neulich, besser gesagt schon eine ganze Weile lang, lesen aufmerksame Beobachter über gewisse Freihandelsabkommen, die da eine Supermacht wie die USA mit ihren europäischen Brüdern planten, selbstverständlich ebenso hinter verschlossenen Türen. Die Weltöffentlichkeit nebst den eigenen Betroffenen sollte bloß nicht erfahren, was da alles ausgehandelt wurde. Hinterher haben die Menschen sich einfach danach zu richten – basta! So funktioniert Demokratie in Wirklichkeit, und der friedliebende Industrienationenbewohner beugt sich dem Willen seiner Konzernbosse, die eigentlich den wirtschaftspolitischen Kurs bestimmen.

Die Politik plappert nur ein wenig rhetorisch besser geschult in die vorgehaltenen Mikrophone ihre auswendig gelernten Phrasen und Texte schön brav für allabendliche Berieselungsfernsehnachrichten, die der erschöpfte, willenlose Wahlviehbürger zum unverdienten Feierabend gefälligst sich reinziehen möge, damit ein Aufflackern eines möglichen Restverstandes dadurch endgültig zugekleistert werde. Prima, die gutdurchdachte Manipulation trägt weiterhin ihre Früchte, das System schnurrt tadellos wie ein guternährter Kater nach erfolgreicher Mäusebeute.

Wesentlich dramatischer dagegen das planerische Vorgehen möglicher Kriegszenarien. Waren es früher tatsächlich meist aus Sand geformte Landschaften, um strategische Vorgehensweisen naturgetreu wiederzugeben, helfen heute anschauliche 3-D-Programme nebst Ton und Werkzeugleisten, das bösartige Spiel jener Zerstörungswut zu durchdenken. Somit stecken keine doofen Computer dahinter, sondern viel eher clevere  Kreativköpfe, die ihr IT-Handwerk bestens beherrschen, obendrein einen ganzen Stab von Viren-Programmierern beschäftigen, die dafür Sorge tragen, daß die Weltöffentlichkeit in die Irre geführt wird. Wäre ja noch schöner, wenn die Gegner erfahren, was da ausgeheckt auf sie zukommen solle.

Und falls Sie meinen, die Ernsthaftigkeit der Situation mit einer Lachnummer verwechseln zu müssen, dann kann man Ihnen schon gleich gar nicht mehr helfen. Denn real befindet sich unser aller Existenz in den Händen einiger weniger Größenwahnsinniger, die aber heutzutage keine Namen erhalten, wie früher ein Dschingis Khan, ein Stalin, ein Hitler oder manche US-amerikanischen Präsidenten. Letztere haften lediglich mit ihrem Namen, die eigentlichen Taten vollrichten Schattenregierungen. Also, liebe Leute, nicht gaffen, besser sofort handeln. Bloß wie? Das überlassen wir mal lieber Eurer Phantasie.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Mit Nässe malen

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Ich verwische nichts,
auch keine Tränen,
oft bin ich schon durch
diesen Regen gestapft,
keine Pfütze auslassend,
selbst Nebel durfte
mich besprühen,
wie oft bin ich
triefend vor Nässe
in einen Bus gestiegen,
verwischt die Wege,
verwischt die Menschen,
wie schade das ist,
so viel Unklares zu sehen,
ich verwische nichts,
ich male mit Wasser
neue Aussichten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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