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Vermutlich,
ich erkenn dich wieder,
ummantelt
von deiner Verbitterung,
mit sonnengebräunter Haut,
jugendlicher Charme
hinter stierenden
müden Augen,
als Zeichen von Reife,
in Wirklichkeit Schutz
für deine Kleingeistigkeit.
Wahrscheinlich,
ich erkenn dich wieder,
eingeölt
von deiner Arroganz,
mit hämischem Grinsen
hinter übernatürlichem
göttlichen Wissen,
als Zeichen von Macht,
in Wirklichkeit Schutz
für deine Empathielosigkeit.
Immer,
ich erkenn dich wieder,
inmitten
von grölenden Horden,
mit blindem Gehorsam
hinter kameradschaftlichen
strengen Zwängen,
als Zeichen von Mehrheit,
in Wirklichkeit Schutz
von deinen Versagensängsten.
Doris Mock-Kamm
Liebe Frau Mock-Kamm,
vielen Dank für die Veröffentlichung dieses eindringlichen Gedichts. Ihre Verse zeichnen das Bild eines Menschen, der sich hinter Verbitterung, Arroganz und Gruppenzugehörigkeit verbirgt, während Unsicherheit, mangelnde Empathie und Versagensängste die eigentlichen Triebkräfte seines Handelns sind.
Besonders bemerkenswert ist die wiederkehrende Zeile „ich erkenn dich wieder“, die darauf hindeutet, dass die beschriebenen Verhaltensmuster zeitlos und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen immer wieder anzutreffen sind. Die Gegenüberstellung von äußerem Erscheinungsbild und innerer Wirklichkeit verleiht dem Gedicht eine starke psychologische Dimension.
Gleichzeitig regt Ihr Text auch zu einer kritischen Reflexion an. Die dargestellte Person erscheint nahezu ausschließlich durch ihre negativen Eigenschaften definiert. Dadurch entsteht die Frage, ob hinter den beschriebenen Schutzmechanismen nicht auch menschliche Verletzungen, biografische Erfahrungen oder gesellschaftliche Umstände stehen könnten, die eine differenziertere Betrachtung verdienen. Wo endet berechtigte Kritik an Charakterzügen und Verhaltensweisen, und wo beginnt die Gefahr, selbst vorschnell über andere zu urteilen?
Gerade diese Spannung macht das Gedicht für mich interessant. Es fordert dazu auf, hinter Fassaden zu schauen, erinnert aber zugleich daran, dass auch unsere eigene Wahrnehmung von Vorannahmen geprägt sein kann. In diesem Sinne ist „Makadomo“ nicht nur eine Beobachtung anderer Menschen, sondern auch eine Einladung zur Selbstprüfung.
Vielen Dank für diesen nachdenklich stimmenden Beitrag.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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Hallo Gamma Hans,
vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Kommentar.
Wir werden alle nicht umhinkommen, ständig unsere Vorstellungen, Meinungen über Charaktere, Aussehen und Handlungen von Menschen zu hinterfragen. Ich sehe dies in erster Linie als ein ererbtes Mittel, um Gefahren von uns fernzuhalten. Eine hohe Quote an Fehleinschätzungen kann möglicherweise zu Unsicherheiten führen.
Gefährlich erscheinen mir die vorab gefassten Schlüsse in Bezug auf das Aussehen einer Person, obwohl auch ich nicht frei davon bin, manchmal vorschnell auf ein Erfahrungsmuster zugreife, um die Situation scheinbar für mich zu erleichtern.
Trotz aller Vorsicht und aller Versuche möglichst unvoreingenommen auf Personen oder Sachverhalte zu reagieren, kann unser Verstand wohl das emotionale Gespür nicht komplett ausblenden.
In dem Gedicht muß es sich nicht um eine Personenbeschreibung handeln, es kann auch auf mehrere Personen bezogen sein, was sie verbindet, die eigenen Verfehlungen anderen anzulasten, um damit sich über andere zu erheben.
Und ja, solche Einschätzungen von Menschen, die derzeit verstärkt in der Öffentlichen sich präsentieren, sind leider berechtigt, und es ist nötig, dies aufzuzeigen.
„Wer die eigenen Freiheiten dazu benützt, Menschen zu diskreditieren, anstatt sie in ihrer Freiheit zu bestärken, mißbraucht sie, um seine Ängste durch das Leid anderer zu schwächen.“
Nochmals Danke fürs Lesen und liebe Grüße an dich
Doris
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Liebe Doris,
vielen Dank für Deine ausführliche und nachdenkliche Antwort.
Besonders angesprochen hat mich Deine Aussage, dass wir alle unsere Vorstellungen, Meinungen und Einschätzungen über andere Menschen immer wieder hinterfragen sollten. Tatsächlich greifen wir häufig auf Erfahrungen und Muster zurück, um Situationen schneller einordnen zu können. Das mag menschlich und teilweise sogar notwendig sein, birgt aber zugleich die Gefahr, Menschen vorschnell zu beurteilen und ihnen Eigenschaften zuzuschreiben, die sie möglicherweise gar nicht besitzen.
Gerade deshalb halte ich es für wichtig, zwischen berechtigter Kritik an Handlungen und einer pauschalen Verurteilung von Personen zu unterscheiden. Kritik sollte sich nach Möglichkeit an nachprüfbaren Aussagen, Entscheidungen und konkretem Verhalten orientieren. Das äußere Erscheinungsbild, persönliche Sympathien oder vorgefasste Meinungen dürfen dabei nicht zum Maßstab werden. Die Würde des Menschen bleibt auch dann bestehen, wenn wir sein Handeln kritisch betrachten.
Deine Deutung des Gedichts als Beschreibung eines Verhaltensmusters statt einer einzelnen Person finde ich sehr interessant. Tatsächlich begegnet man immer wieder Menschen, die eigene Fehler oder Unsicherheiten auf andere projizieren, um sich selbst aufzuwerten oder Verantwortung abzugeben. Dieses Phänomen ist weder auf bestimmte Gruppen noch auf einzelne Personen beschränkt, sondern Teil menschlicher Schwächen, denen wir alle mehr oder weniger ausgesetzt sind.
Ebenso teile ich die Auffassung, dass öffentliche Personen und deren Aussagen einer kritischen Betrachtung zugänglich sein müssen. Wer Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nimmt, sollte auch Widerspruch und kritische Nachfragen aushalten können. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Kritik stets sachlich bleibt und nicht in persönliche Herabwürdigung oder Ausgrenzung umschlägt. Eine freie Gesellschaft lebt von unterschiedlichen Sichtweisen, aber auch von Respekt gegenüber Andersdenkenden.
Dein abschließender Gedanke hat für mich einen wichtigen Kern: Freiheit gewinnt ihren Wert nicht dadurch, dass sie gegen andere eingesetzt wird, sondern dadurch, dass sie allen Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Würde, ihre Rechte und ihre Stimme zu bewahren.
Vielen Dank für den freundlichen Austausch und die Anregung zur weiteren Reflexion.
Mit herzlichen Grüßen
Hans Gamma
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Hallo Gamma Hans,
vielleicht noch eine weitere Anregung zum Thema Erfahrungen und Muster, die wir täglich einsetzen um Situationen und Menschen einzuschätzen. Es liegt nicht nur an der Gewohnheit oder der Bequemlichkeit nicht nachdenken zu müssen, sondern wohl auch, daß unsere Einschätzung in punkto ähnliche Verhaltensmuster und Aussehen von unserem Gegenüber sehr wohl berechtigt ist, denn nach einer Studie mit Menschen, die fast aussehen wie Geschwister oder sogar wie Zwillinge, wurde folgendes festgestellt: https://www.geo.de/wissen/forschung-und-technik/doppelgaenger–menschen-mit-aehnlichem-gesicht-haben-aehnliche-dna-32664436.html
Liebe Grüße
Doris
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