
Image by Daniel R from Pixabay
Vermutlich,
ich erkenn dich wieder,
ummantelt
von deiner Verbitterung,
mit sonnengebräunter Haut,
jugendlicher Charme
hinter stierenden
müden Augen,
als Zeichen von Reife,
in Wirklichkeit Schutz
für deine Kleingeistigkeit.
Wahrscheinlich,
ich erkenn dich wieder,
eingeölt
von deiner Arroganz,
mit hämischem Grinsen
hinter übernatürlichem
göttlichen Wissen,
als Zeichen von Macht,
in Wirklichkeit Schutz
für deine Empathielosigkeit.
Immer,
ich erkenn dich wieder,
inmitten
von grölenden Horden,
mit blindem Gehorsam
hinter kameradschaftlichen
strengen Zwängen,
als Zeichen von Mehrheit,
in Wirklichkeit Schutz
von deinen Versagensängsten.
Doris Mock-Kamm
Liebe Frau Mock-Kamm,
vielen Dank für die Veröffentlichung dieses eindringlichen Gedichts. Ihre Verse zeichnen das Bild eines Menschen, der sich hinter Verbitterung, Arroganz und Gruppenzugehörigkeit verbirgt, während Unsicherheit, mangelnde Empathie und Versagensängste die eigentlichen Triebkräfte seines Handelns sind.
Besonders bemerkenswert ist die wiederkehrende Zeile „ich erkenn dich wieder“, die darauf hindeutet, dass die beschriebenen Verhaltensmuster zeitlos und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen immer wieder anzutreffen sind. Die Gegenüberstellung von äußerem Erscheinungsbild und innerer Wirklichkeit verleiht dem Gedicht eine starke psychologische Dimension.
Gleichzeitig regt Ihr Text auch zu einer kritischen Reflexion an. Die dargestellte Person erscheint nahezu ausschließlich durch ihre negativen Eigenschaften definiert. Dadurch entsteht die Frage, ob hinter den beschriebenen Schutzmechanismen nicht auch menschliche Verletzungen, biografische Erfahrungen oder gesellschaftliche Umstände stehen könnten, die eine differenziertere Betrachtung verdienen. Wo endet berechtigte Kritik an Charakterzügen und Verhaltensweisen, und wo beginnt die Gefahr, selbst vorschnell über andere zu urteilen?
Gerade diese Spannung macht das Gedicht für mich interessant. Es fordert dazu auf, hinter Fassaden zu schauen, erinnert aber zugleich daran, dass auch unsere eigene Wahrnehmung von Vorannahmen geprägt sein kann. In diesem Sinne ist „Makadomo“ nicht nur eine Beobachtung anderer Menschen, sondern auch eine Einladung zur Selbstprüfung.
Vielen Dank für diesen nachdenklich stimmenden Beitrag.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
LikeGefällt 1 Person