Ob Klingel, Glocke, Schelle

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Während das Ende sich verspätete,
wer kommt schon auf die Idee,
das Ende zu berechnen,
ist es doch unvermeidlich,
falls man den Anfang mitnimmt,
der meistens darauf beharrt,
nie wirklich allein sein zu können,
also sitzt man in der Warteschleife,
weil die Füße bereits kribbeln
vom langen Stehengelassen werden
und versucht sich abzulenken,
da die Gespräche mit dem Anfang
ständig um Anfänge sich drehen,
die kein Ende nehmen wollen,
ist man für jeden Zwischenraum,
mag er noch so klein sein
oder luftleer, ohne Hülle,
ohne jegliche Form von Gestalt
dankbar, obwohl nichts, nichts,
daraus sich erschließen läßt,
man nichts damit anfangen kann,
ob Klingel, Glocke, Schelle,
kein Ton ist mehr zu vernehmen,
weiß aber, deren Klänge zu schätzen,
die sich zur Unendlichkeit bewegen,
und genau da wird einem endlich klar,
dies ist der Anfang, das Ende kann warten,
es liegt an mir, sich zu verspäten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Rot-Rot-Grün eine realitätsnahe Option

Die Union hat längst verspielt

Gut sechs Wochen vor der Bundestagswahl darf die Union sich unter ihrem Kanzlerkandidaten keinesfalls mehr in Sicherheit wiegen, Armin Laschet hat viel Vertrauen verspielt durch seine unprofessionellen Auftritte besonders nach der Flutkatastrophe, von Laissez-faire-Entgleisungen während der Covid-19-Pandemie mal ganz zu schweigen.

Markus Söder sitzt im selben Boot, da hilft auch keine seriös wirkende Präsenz, die Union verliert ihren Vorsprung, je näher der Bundestagswahltermin rückt. Die vorlaute Einstellung der Liberalen verheißt nichts Gutes, sollte mit ihnen eine Koalition zusammen mit den Christdemokraten geschmiedet werden, wobei die Grünen zu überzeugen wären, mitzumischen. Was im Ländle gelingt auch im Bund? Besser nicht!

Jan Korte bringt es auf den Punkt

In seinem Gastbeitrag bei T-Online. Für SPD und Grüne gibt es eine bessere Option. Mit Rot-Rot-Grün die wesentlich bessere, vor allem realitätsnahe Regierung, etlichen Unkenrufen zum Trotz? Dazu bedarf es nartürlich, daß alle drei Parteien sich aufeinander zubewegen müssen, Kompromißbereitschaft signalisieren, ohne in Endlosdiskussionen sich zu verzetteln.

Andererseits liegen genügend Probleme auf dem Tisch, die mit den Christdemokraten und den Liberalen viel eher in der Versenkung verschwinden, wie auch Jan Korte völlig zurecht erwähnt. Das Ende dieser schäbig konservativ-neoliberalen Zeit hat ihren Zenit längst verlassent, letztlich gar unter Kohl. Was Schröder und in Folge Frau Merkel nicht hinbekamen, sollte spätestens jetzt eine Rot-Rot-Grüne Koalition gezielt verbessern.

Umfragewerte kein Garant

Stets täglich auf die Wahlprognosen zu starren, bremst den politischen Willen explizit aus, zumal sie nicht unbedingt zutreffen mögen. Dennoch kann man mit Fug und Recht von Tendenzen reden. Man bedenke, die Grünen erzielten rund vier Jahre vor der jetzigen Bundestagswahl lediglich 8,9 Prozent, können im günstigsten Fall dies Ergebnis gar verdreifachen.

Die Union hingegen muß mit einem Riesenverlust rechnen, am Ende könnte sie zehn oder mehr Prozent verlieren, während die SPD wenigstens ihr altes Wahlergebnis wieder sichert. In diesem Idealfall wären die Linken nicht mit im Boot. Insofern bleibt es spannend, ob der Wähler erneut sich von den Liberalen und Verheißungen jener Union blenden läßt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Freiheit verspielt

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Gezeter ums Wetter,
heute oder später,
Klimaretter.

Gefeilsche der Politik,
gewöhnliches Prinzip,
ewigliche Kritik.

Pressefreiheit in Gefahr,
unberechenbar
schon immer war.

Vertrauensverlust,
auch unbewußt,
führt zu viel Frust.

Macht erneut entfacht,
nicht erst über Nacht.
Wann wird aufgewacht?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Abgeriebene Zeit

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Rauschendes Murmeln
durch gepreßte Luft
zwischen den Massen
von eilenden Menschen.
Viel zu viel Enge
auf dem Bürgersteig,
viel zu viel Nähe,
bewegende Körper,
die sich mühen,
ohne Berührung
dem Tempo
des Strömens
zu entkommen.
Niedergedrückte Zeit
in aufgewühlter Hast,
zu stumpfen Murmeln
geschliffene Menschen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Viel Tamtam ums Klima ohne Sinn und Verstand

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Ära „Weiter so“ neigt sich ihrem Ende

Die Hopi haben’s schon lange vorhergesagt, Edgar Cayce bestätigte dies in den 1940er Jahren, in den 1970ern warnte der Club of Rome neben etlichen anderen eindringlich. Doch die Welt, die Politik, Verantwortliche nahmen zu wenig bis gar keine Notiz davon, meinten, Wachstum und Raubbau an Mutter Erde seien selbstverständliche Notwendigkeiten, die alles ignorierten, was ihnen im Weg stand. Der Klimawandel interessierte nicht wirklich.

Jene Haltung setzte sich bis in unsere Gegenwart fort, obwohl immer mehr beherzte Stimmen warnten und ermahnten. Schließlich traut sich endlich die Jugend noch deutlicher vor, FFF sei Dank. Mit dem Übereinkommen von Paris meint die Menschheit, es ginge voran. Doch tatsächlich entsprachen die Folgehandlungen eher scheinheiligen Alibiveranstaltungen, statt real hilfreiche Konsequenzen zu initiieren, die sich explizit einem 1,5°-Celsius-Soll nähern. Bei gleichbleibender Ignoranz haben die Nachfahren ein extrem bitteres, lebensbedrohliches Szenarium zu erwarten!

Klimanotstand sollte Klimaleugner eigentlich überzeugen

Inzwischen scheint die Zahl derer anzuwachsen, die begriffen haben, was da auf uns alle zukommt, jene sturen Klimaleugner können sich kaum bis gar nicht mehr rechtfertigen, zu deutlich sind die Zeichen, die Indizien. Die Klimakrise ist de facto die größte Bedrohung der Menschheit.

Wer’s immer noch nicht begreifen will, inzwischen haben 14.000 Forschende den Klimanotstand ausgerufen, klagen an, der Ernst der Lage sei vielen Menschen noch nicht klar. Dabei sollte man aber auch ergänzend hinzufügen, daß in vielen Ländern die Bildung dürftig stattfindet, von zu wenig Informations- und Wissensvermittlung durch Medien mal ganz zu schweigen.

„The Day After Tomorrow“ doch kein Hirngespinst?

Wer sich intensiver mit Science-Fiction-Szenarien auseinandersetzt, weiß nur zu genau, daß in vielen Bereichen die Realität uns schneller einholen mag, als manch einer wahrhaben möchte. Das gilt ebenso für Roland Emmerichs Katastrophenfilm The Day After Tommorow, der 2004 erschien, zweifellos als Denkanstoß oder Weckruf gegen die globale Erwärmung, obendrein längst die Wahrscheinlichkeit realer Filmszenarien bestätigt, wenn wir bedenken, daß der Golfstrom sich womöglich einer kritischen Schwelle und dem Zusammenbruch nähert.

Es kann nicht sein, was nicht stattfinden darf? Jene Blauäugigkeit erleben wir tagtäglich vor eigener Haustür hinsichtlich ignoranter Bundespolitiker, allen voran jenem Armin Laschet, der den Ernst der Lage nicht im Ansatz verstanden hat. Solch einer will als Bundeskanzler antreten? Zum Scheitern verurteilt! Empfohlen der kleine Mitschnitt der NDR-Talkshow, in der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer kein Blatt vor dem Mund nimmt, wie wichtig jetziges Handeln seitens der Politik ist.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Marineblauer Tagelöhner

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Schleppend sein Gang,
hager sein Körper,
faltig sein Gesicht,
wie seine Kleidung,
schmutzig seine Schuhe,
wie seine Hände,
arbeitet bei Rebers Fabrik
am Fließband,
wohnt bei Zirrows
in einem Mehrbettzimmer.

Ich fürchte mich
vor dem wankenden Gang,
dem ausgezehrten Körper,
dem runzligen Gesicht,
der wallenden Kleidung.
den schwarzen Händen,
vor Rebers Fabrik,
dem Drill am Band,
vor Zirrows Haus,
den feuchten Matratzen.

Klein bin ich gewesen,
damals als ich ihn oft sah,
nie wirklich vergessen,
wie er schwankend ging
mit seinem gebeugten Körper,
seinen tränenden Augen,
die mit ölverschmierten Händen,
metallenes Blau
auf dem nie ruhenden Band
zusammenschweißten.

Rebers Fabrik existiert
schon lange nicht mehr,
dort stehen Reihenhäuser
mit kleinen Vorgärten,
Zirrows Haus ist Parkfläche
für ein Einkaufszentrum,
sie haben keine Erinnerung,
er hieß Kaspar Giewald,
ich sehe ihn blau gewandet,
Gedanken, die sich lohn‘.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Mitten im Atlantik liegt verborgen auf dem Meeresgrund Golaya – Teil 3

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Zunächst sah sie in der Ferne merkwürdige Steinhaufen, irgendwelche turmartig aufeinandergeschichteten. Beim Näherkommen erfaßte sie erst den Sinn. Sollten dies in etwa Steinmenschen darstellen? Auch erstaunte sie die hohe Anzahl und vor allem, daß kein Stein einfach abrutschte, mittels geschickter Platzierung diese Skulpturen Wind und Wetter trotzten. Auch waren kleine Wege angelegt, so daß man sie aus der Nähe betrachten konnte.

Pelidia war dermaßen fasziniert, daß sie nicht bemerkte, wie sich ein junger Mann ihr näherte, die Augen erstaunt auf sie gerichtet ob ihrer Anmut und Schönheit. Erst als er vor lauter Beobachtung im Begriff war zu stolpern, gerade nochmal sein Gleichgewicht schlimmeres verhinderte, bevor eines dieser steinigen Kunstwerke zusammenfiel, bemerkte die Jugendliche den Menschen. Ihr stockte für einige Momente der Atem, daß er es gewagt hatte, sich ihr einfach so zu nähern. In ihrer Welt war dies keineswegs selbstverständlich, außer daß nur einige vertraute Freunde, Kumpels oder halt ihre Eltern so nah sich mit ihr abgaben, herrschte auf Golaya eine bestimmte Bannmeile, an die sich alle hielten.

Andere Welten, andere Sitten, das war ihr nunmehr ebenso klar. Daher ließ sie den Erstkontakt geschehen, legte ihre anfängliche Angst ab, schaute ihm prüfend entgegen und direkt in dessen dunkelbraune Augen. Ein fröhliches Grinsen erwiderte dieser und streckte ihr freundlich seine linke Hand hin, die sie aber nicht ergriff.

Pelidias Glück sollte nur von kurzer Dauer sein

Gewisse Vorsicht und Instinkt warnten Pelidia vor den Verlockungen menschlicher Nähe zwischen Mann und Frau, zumal sie genug aus ihrer Riesenwelt des Atlantischen Ozeans in Golaya erfahren durfte. Hinzu kam die allgegenwärtige Neugier einer Jugendlichen, welche sich nicht sonderlich von der menschlichen unterschied.

Dennoch berührte sie der forsche, liebevolle Blick des jungen Mannes, der sich als Roja vorstellte und in Menschenjahren gerade mal 17 Jahre alt war. Sie selbst nannte ihren Namen, daß sie zwei Jahre jünger als er sei, weil mit einer 237 Jahren alten Meerjungfrau klarzukommen, das würde wohl eher seinen Verstand überfordern. So beließ sie es dabei, grinste ihn schelmisch an und rannte einfach los.

Selbstverständlich folgte das alte Spiel des sich Fangens, allerdings mit wesentlich mehr Elan, der die Reize des anderen beflügelte, was für Jugendliche allzu typisch so stattfand. Kurzerhand lagen beide im Sand, wobei die ein oder andere leichte Flutwelle sie umspülte. Dabei spürte Pelidia ganz deutlich kleine Botschaften, die ihr Vorsicht signalisierten. So weit reichte der Einfluß von Golaya, immerhin war sie ja bekanntlich die Königstochter von Kalaydia und Oresolio.

Roja bekam von all dem nicht das geringste mit, schaute immerzu verträumt auf sie, streichelte bereits ihre wohlgeformten, langen Beine, die sie selbst wiederum zu schätzen begann. Welch seltsame Eigenschaft, das Rennen auf dem Land, wie sie nunmehr wußte, bis vor kurzem davon gar nichts erahnt hatte. Keine irdische Welt war ihr selbst bekannt, außer von den Andeutungen ihrer Eltern, schon gleich gar nicht das Erleben als Mensch selbst, weil Koriphaius ihr diese Chance gegeben hatte.

Sie lagen am Meer und schauten gebannt dem Sonnenuntergang entgegen, ganz oben auf einer riesigen Palme saß eine Möwe und beobachtete das Himmelsgeschehen, aber ebenso die beiden, die urplötzlich einfach vor Erschöpfung einschliefen.

Am nächsten Morgen erwachte Roja als erster, weckte sie liebevoll, und beide begaben sich landeinwärts, liefen durch Bananen- und Ananasplantagen, genossen die Gerüche der süßen Früchte, schauten sich des Öfteren lachend an, hielten ihre Hände wie zwei typisch Jungverliebte. Für ihn war der Fall klar, während sie nur zu genau wußte, inwieweit ihre gemeinsame Zeit ablief. Nur wie sollte sie es ihm erklären, grübelte die Königstochter, als auf einmal die Möwe von gestern Abend sich auf ihre linke Schulter setzte und laut aufschrie, was Roja irritierte, er gar meinte, diese würde seine neue Liebe angreifen.

Kaum hatte er nach ihr geschlagen, pickte sie ihn ganz kurz am linken Arm, so daß er augenblicklich in eine Ohnmacht fiel. Verdutzt hatte Pelidia zwar zugeschaut, ahnte aber zugleich die eigentliche Absicht. In wenigen Worten gab ihr der Vogel zu verstehen, daß Oresolio sie geschickt habe, den jungen Roja in Schlaf zu versetzen, Pelidia sich durch Koriphaius wieder in ihre ursprüngliche Gestalt verwandeln solle, um zurückzukehren.

Noch einmal schaute Pelidia vom Meer zum Land und sah für einige Augenblicke eine völlig andere Welt, auch stand sie wohl auf einer Anhöhe der Insel, um interessante Behausungen der Menschen zu ersichten, in der Ferne der blaue Ozean. Das mußte ein Stückweit die bevorstehende Zukunft der Menschen sein, die ihre Eltern sie erblicken ließen, die keineswegs in das Weltbild von Meeresnixen paßte. Keine Trauer und Enttäuschung wollte bei ihr aufkommen, ein letztes Mal blickte sie auf den schlafenden Roja, verwandelte sich dank Koriphaius, glitt freudig ins Meer und sollte nie wieder die Kanaren oder ein anderes Land der Menschen aufsuchen, Golaya wartete bereits voller Freude auf die neue Thronfolgerin.

Lotar Martin Kamm

Mitten im Atlantik liegt verborgen auf dem Meeresgrund Golaya – Teil 1

Mitten im Atlantik liegt verborgen auf dem Meeresgrund Golaya – Teil 2

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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