Aus Nonsens wird kein Konsens

Habt ihr sie auch neulich wiedergesehen,
die vielen Menschen, die durch Straßen gehen
mit jeder Menge bunter Schilder in der Hand,
manche mühsam bemalt wie von Kinderhand,
einige lärmen mit Trommeln oder mit Gesang,
um nicht überhört zu werden auf ihrem Gang,
der doch so wichtig für unser aller Überleben,
sie, die Klugen, die uns ihr Wissen weitergeben,
Opfer nehmen sie auf sich für diesen Protest,
damit ihr Ego nicht leidet, steigen sie aufs Podest,
dies ist zudem hilfreich, zu sammeln Spenden,
schließlich will man nicht am Hungertuch enden,
auf den Brettern einer provisorischen Bühne
erklärt man den Leuten, noch ist Zeit zu Sühne
für ihr Verweigern der wahren Erleuchtung,
noch ist Zeit für eine erzkonservative Haltung,
denn wir alle leben in einer linken Diktatur,
als Marionetten hängen wir an einer Schnur,
die Eliten für uns, Teufelswerk, gespannt,
damit wurde uns das Selbstdenken genommen,
aber keine Angst, nun sind wir gekommen,
die Corona-Impfung ist bestückt mit Sendern,
willenlos sagen wir ja zum Sprachgendern,
so öffnet sich Tür und Tor zum Sittenverfall,
geheiligt ist Mutter, Vater, Kind auf jeden Fall,
durch Überfremdung für die Kultur droht Gefahr,
Tradition lebt man in festen Grenzen, wunderbar,
wie wir alle glücklich sind, ohne Sorgen und Nöte,
nur wer nicht spuren will nach unserer Flöte,
dem drohen wir unverhohlen mit unserer Wut,
Strafanzeigen, Verunglimpfung sind dafür gut,
wir stehen ein für Arroganz und Narzißmus,
die Pflichtcharakteren für reinsten Faschismus,
der uns alle wieder in einen Rahmen zwingt,
der Ordnung, Moral, Ehre, Stolz, Treue bringt,
habt ihr auch neulich solche Reden wiedergehört,
diesen Nonsens, der Menschlichkeit zerstört,
Quacksalber, Quertreiber bemängeln Freiheit
für ihre Narreteien, so erzeugen sie Uneinigkeit,
unfähig zu einem Konsens stiften Zwietracht,
bewußt empathielos, dies nennt sich Niedertracht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wohin die Liebe nur fällt

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Blendendweiße Zähne lächeln dich freundlich an,
und du grübelst, was da noch geschehen mag.
Bis nach langen Gesprächen und Blicken irgendwann –
wie soll es anders sein -, sie in deinen Armen lag.

Wohin die Liebe nur fällt, kann kaum jemand bestimmen,
sehr viele Facetten tragen geheimnisvoll dazu bei.
Mal sind wir ganz klar im Kopf, mal wie von Sinnen,
am Ende glaubt man zu wissen: Wir lieben uns, wir zwei.

Verliebte blenden aus die Alltagssorgen,
verschwenden kaum Zeit für andere Gedanken,
was jetzt ist, das zählt. Was interessiert da morgen?
Was heute sich gut anfühlt, könnte morgen schwanken.

Drum halten viele Beziehungen nicht auf Dauer,
weil im Rausch schöner Gefühle die Macken nicht sieht,
wer nicht erkennt, daß neben Sonne, da sind auch Regenschauer.
Auf diese Weise dann schon mal die Liebe entflieht.

Halten wir uns dran, suchend, uns dennoch zu finden,
denn die Liebe gehört zum Leben ohnehin.
Man möcht’ sie nicht missen, dafür gern sich schinden,
und so sich sagt: Liebe hat ihren tiefen Sinn.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Ihr seid ihr

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Schwere in ihren Gesichtern,
die Augen kleine Schlitze,
der Mund ein schmaler Strich,
Steine, ganze Felsbrocken
schleppten sie Tag um Tag,
sogar des Nachts mit sich.

Schweißig ihr Angesicht,
kalte Nässe auf ihren Händen,
auf ihren Stirnen Glanz,
Gewicht belastet ihre Herzen,
der Weg zum Grab noch lang,
Sturzgefahr auf jedem Pflaster.

Und ihr seht nur das Funkeln
der Steine am Armgelenk,
glitzernde Diamanten am Ohr,
Klunker blenden eure Gefühle,
abgestumpft euer Gewissen,
ihr stolpert ohne Herz ins Grab.

Bemerkt ihr wirklich nicht,
es gibt keinen Unterschied
zwischen Leben und Leben,
der Glanz, der immer leuchtet,
entspringt dem Quell der Seele,
das Licht, das Düsternis umfließt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bundestagswahlfieber

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Wahlen stehen an,
mannomann,
wer wohl Kanzler kann?

Kein solides Paket
für jenen Armin Laschet,
dessen Charisma wirkt spät.

Annalena Baerbock mit dabei
oder bereits auf Platz Drei?
Wird sich zeigen, einerlei.

Der Sozi Olaf Scholz
grinst in jede Kamera ganz stolz.
Sein Debüt klopft etwa auf Holz?

Das Land braucht eine Vision,
das wissen natürlich alle schon.
Wer bestimmt am Ende den Ton?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Corona-Pandemie: Die vierte Welle hat uns längst erreicht

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Leichtsinn offenbart eine unerträgliche Verharmlosung

In etlichen Bundesländern neigen die Sommenferien sich ihrem Ende, mit Blick gen Himmel wurde bereits in den letzten Wochen ziemlich deutlich, daß Fliegen fast wieder zur Normalität zurückkehrte, die Schrecken der Corona-Pandemie hinter sich lassend, viele geimpft und dem Trugschluß verfallen, Mensch habe das Virus im Griff.

Davon kann keine Rede sein, die vierte Welle ist da – doch was bedeutet das, fragt die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori, die vierte Welle sei vier Wochen früher dran als die Welle im letzten Jahr. Erstaunlich wie schnell das Corona-Virus besonders per Delta-Variante sich arrangiert hat, die längst dominierend sich hierzulande durchsetzt.

Fußballfieber und Sinnlosdemos pushen die Pandemie erst recht

Der kritisch erstaunte Zuschauer während der Fußball-EM konnte sich nur verwundert die Augen reiben ob des Leichtsinns, dermaßen viele Menschen ins Wembley-Stadion zu lassen. Die Folgen ließen daher nicht lange auf sich warten, EM-Finale im Wembley-Stadion war Superspreader-Event. Die Daten vom Public Health England (PHE) bescheinigten somit, daß bei den beiden England-Spielen im Halbfinale und Finale am 7. und 11. Juli in London sich tausende Menschen mit Corona infiziert haben.

Weiterhin leistet sich Deutschland sogenannte Querdenker, es sind viel eher Querulanten, durch Straßen ziehen zu lassen, als Demo angemeldet und spontan sich an keine Auflagen haltend. Mehr als 100 Festnahmen am Samstag – Polizei erwartet erneute Proteste in Berlin, berichtet die Welt. Allerdings waren weitaus weniger Protestler beteiligt wie im letzten Jahr, als Corona-Chaoten in trauter Allianz mit rechtsradikalem Pöbel die Stimmung anheizten.

Was folgt nach der vierten Welle?

Höchstwahrscheinlich kein Ende jener weltweiten Pandemie, dennoch besteht ein hohes Maß an Zuversicht trotz etlicher Widrigkeiten, Leichtsinn, weil Maskenschutz und Abstandsregeln weichen, Impfbereitschaft sogar nachläßt.

Forscher machen Hoffnung auf Super-Impfstoff. Erstaunlich die wissenschaftliche Leistung, auch wenn Impfskeptiker nicht wahrhaben wollen, wie effektiv die Menschheit inzwischen reagieren kann. Mit Blick gen Spanische Grippe darf man jetzt schon von einem Wunder sprechen. Unerträgliche Verschwörungstherorien können wir getrost in den Wind schießen, wenn es ums nackte Überleben geht. Long-Covid-Betroffene berichten längst über ihre dramatisch folgeschweren Symptome, zehn Monate nach der Corona-Infektion. Die Zahl wird obendrein nicht geringer, sondern viel eher steigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Bruchbude, ihr irrt

 

© Doris Mock-Kamm

Zuhause, ein Hotelzimmer,
ohne Heizung, mit Waschbecken,
Blick auf den See,
ungepflegte Umgebung,
abbruchreif, verwahrlost,
Schandfleck für den Ort,
Blick auf den See,
ständig erstaunte Besucher,
Hochzeiten, Geburtstage,
Silvester, zum Spaß,
Bedauern, schon lange vorbei,
Blick auf den See,
Partys, Feiern, Gelage,
Festlichkeiten, Tanzabende,
Erinnerungen beleben,
Erlaubnis erteilt,
Schranke, kleiner Durchgang,
Blick auf den See,
Führung zur Terrasse,
respektvoller Abstand,
alte Momente nachempfinden,
Umarmungen, Gelächter,
wie schön ist es hier,
nie Geld angenommen,
Blick auf den See,
in der Ferne die Alpen,
jeden Tag diese Sicht,
Gäste singen, Gläser klirren,
Geschirr zerbricht, Türen knarren,
Steintreppe zum Weinkeller,
zu früheren Zeiten herabgestiegen,
eine Bruchbude, ihr irrt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wehmut allerorten

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Manch Randnotiz
ein schlechter Witz,
allzu viel Ehre
läuft ins Leere,
bloß keine Hast,
eh nichts verpaßt.

Zeit läuft davon,
eine Musik ohne Ton,
verlogene Versprechen
sich nunmehr rächen,
Mutter Erde stöhnt,
wurde zu oft verhöhnt.

Wer das Gute nicht sieht,
am Ende alles flieht,
die Gier hat’s vermasselt,
in Talkshows nett gequasselt,
Zerstörung allüberall
kurz vor dem großen Knall.

Lehnt euch mal zurück,
zumindest ein kleines Stück,
es ist niemals zu spät,
obwohl alles durcheinandergerät,
den Faden neu zu knüpfen,
Gedanken freudig hüpfen.

Wer den Tod vor Augen hat,
selbstgefällig, aber dennoch satt,
das Ziel verloren glaubt,
seiner inneren Kreativität beraubt,
dem sei am Ende alles egal.
Hatte er zuvor etwa eine Wahl?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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