Prominenz und öffentliche Wahrnehmung

https://pixabay.com/de/photos/tv-%C3%BCbertragung-prominenz-interview-721546/

Bild von Hebi B. auf Pixabay

Eine zwielichtige Zurschaustellung

Da erscheint sie wieder, die „rettende Meldung“ über den plötzlichen Tod einer berühmten Persönlichkeit, fertig zum wirkungsvollen Ausschlachten fürs Mediengetümmel. Und alle Welt spielt diesen Informationskrimi schamlos mit, meist gewissenlos, weil einzig und allein die Schlagzeile sich rechnet.

Selbst wenn Familien sich berechtigt schützend vor die Toten stellen, eine Nachrichtensperre über die Todesumstände verhängen, beginnt das unbedarfte Herumwühlen in der Vergangenheit, um dennoch mögliche und unmögliche Details ans Tageslicht zu befördern und effektvoll zu veröffentlichen. Dabei fühlen sich selbst nahe Bekannte, Freunde und sogar manche Verwandte dazu berufen, bei Befragung trotzdem Stellung zu beziehen, einzig die eigene Meinungsäußerung verdrängt in solchen Momenten das Gebot des zuvor angekündigten Schweigens. Kein Wunder, daß Unmut und Verärgerung folgt. Hat Prominenz generell eine öffentliche Wahrnehmung zu erdulden, ihr Preis eine zwielichtige Zuschaustellung?

Der kleine Mann, die Diven und Berühmtheiten

Wenn Frau E. Müller oder Herr S. Fischer einen Rosenkrieg führen, sich eine Prügelei im Café Kranzler leisten oder dahinscheiden, lediglich ihre Nächsten, das soziale Umfeld nimmt davon Notiz, mitnichten eine breite Öffentlichkeit. Sie stehen ja auch nicht im Interesse und Rampenlicht sie ständig verfolgender Medien, die mit Klatsch und Tratsch am Tun und Lassen ihrer eigentlichen Klientel verdienen. Andererseits wäre es schon absurd, wenn über alle Menschen berichtet würde, soviel Informationen könnte niemand ertragen, geschweige denn verarbeiten.

Eine Privatsphäre kann sich leicht verschaffen, wer dies ziemlich deutlich nach außen hin unterstreicht, auch wenn der Kampf gegenüber ständig gaffend auflauernder Paparazzi sich schwierig bis unmöglich gestaltet, ein Restrisiko verbleibt. Somit leben die allermeisten weiblichen und männlichen Diven und Berühmtheiten halt mit dem Los öffentlicher Wahrnehmung, die einen angenervt und manche sogar selbstgefällig in der Menge sich badend, ganz so wie jeder mag.

Erfolg und Mißerfolg im Fokus selbstgefälliger Kritiker

Neid, Mißgunst bis hin zur Häme stellen äußerst bösartige menschliche Eigenschaften dar, die allerdings mehr Anwendung finden, als manchen lieb sein wird, tragen obendrein vielfach mit dazu bei, Menschen zu erniedrigen, sie abzuurteilen ohne den Anspruch von Gerechtigkeit oder objektiver Betrachtung. Im Gegenteil, es wird sich erst recht gesuhlt im Hetzen abfälliger Bemerkungen ob entdeckter Schwächen, oftmals auch, um eigene Verfehlungen zu kaschieren. Deutlich zu spüren bekam dies beispielsweise der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke, zu Recht hochverehrt ob seiner unverkennbaren Bühnenpräsenz, bei dem man dennoch seine Alkoholerkrankung insbesondere in der Boulevardpresse bis zum „Erbrechen“ ausschlachtete! Die Namensliste ähnlicher Verfahrensweisen würde diesen Artikel sprengen, hatten Hildegard Knef, Marlene Dietrich, Romy Schneider und noch etliche andere ebenso unter diesen hämisch öffentlichen Druck zu leiden. Sicherlich mag man schnell irgendwelche Schuldzuweisungen finden, weil manche sogar den Versuch wagten, gegenzusteuern, sich zu äußern bis hin zu meist aussichtslosen gerichtlichen Klagen.

Aber auch bei erfolgreichen, weniger spektakulären Künstlern oder Prominenten findet sich ein „Haar in der Suppe“, gibt es Themen und Anläße, die man selbstgefällig herleitend benutzt, um wirkungsvoll zu berichten. Anstatt es beim Stillschweigen der Todesumstände zu belassen, wie bei der verstorbenen Susanne Lothar, wird gar gleich eine Familientragik gewittert und medienwirksam in Szene gesetzt. Die Schauspielerin des Jahres 1988 zusammen mit Jutta Lampe, aus der  Sicht der Zeitschrift Theater heute, ist viel zu früh verstorben, belassen wir es dabei und respektieren den Willen ihres Umfeldes, ihrer Familie.

Die Rolle der Medien – Gratwanderung eines Interessenkonflikts

Das geforderte Aus- und Weglassen einer bestimmten Berichterstattung rückt dem Verdacht einer Zensur, dem Recht der Medienfreiheit unmißverständlich nahe, selbst wenn eine sensationslüsterne Boulevardpresse oder große Teile des Fernsehens die persönliche Privatsphäre umgehen und mißachten. Die Grenzziehung, inwieweit überschritten oder doch noch gewollt, vollzieht sich äußerst wage bis fließend. Das Geschäft der Sensation im Fokus einer gewissen Nachfrage seitens neugieriger Konsumenten rechtfertigt die Haltung, wobei auch dort, was denn zuerst da gewesen soll, das Huhn oder das Ei, hierbei die Frage sich stellt: das gaffende, wissbegierige Volk oder die entsprechenden Medien?

Solange seriös im gegenseitigen Einvernehmen und somit auf Augenhöhe interviewt, gefilmt, photographiert und berichtet wird, leisten Medien einen wertvollen Beitrag, um die Menschen umfassend zu informieren. All das, was zu spekulieren beginnt, hinzuzudichten, wegzulassen und hämisch zu kommentieren, verläuft sich im versandenden Gekicher einer sensationslüstern gaffenden Menschenspezies, die sicherlich bedient werden möchte, worauf aber jeder halbwegs moralisch empfindende Zeitgenosse viel eher gern verzichtet, um sich dem Wesentlichen zuzuwenden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Roter Faden

https://pixabay.com/de/photos/brombeeren-beeren-spinnennetz-faden-4524444/

Bild von calm_lu auf Pixabay

Sie schrieb, roter Faden,
zerfleddert im Burggraben,
verheddert in Brombeeren,
rot, es wäre zu schön gewesen,
schrieb sie an den Fensterladen,
er hätte die Welt so gern umarmt,
mit seiner Heimatlosigkeit umgarnt
die Phantasie der Leichtigkeit,
nun ist er hier hängengeblieben,
laßt seinen Wunsch um die Welt fliegen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ferne Freuden

https://pixabay.com/de/photos/hahn-haube-sulmtaler-tier-gefl%C3%BCgel-4154605/

Bild von Birgit Röhrs auf Pixabay

Es kräht der Hahn,
glücklich war ich irgendwann,
der See ist zugefroren,
in ihm hab‘ ich die Angst verloren,
vor was, ich weiß nicht mehr,
egal, ist ja auch schon lange her,
mein Wunsch ist nun erfüllt,
nein, der Hahn wurde nicht gegrillt,
vor ihm bin ich aufgestanden,
er kräht nun für all die Unbekannten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hanebüchene Lügner nehmen kein Blatt vorm Mund

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2020_Moscow_Victory_Day_Parade_001_(cropped).jpg#/media/File:2020_Moscow_Victory_Day_Parade_001_(cropped).jpg

Wikimedia Commons CC BY 4.0

Diktator Alexander Lukaschenka bestätigt seinen unheimlichen Kurs

Natürlich hat ein Sigmar Gabriel völlig recht, wenn er bei Markus Lanz die Pattsituation der EU anprangert, die viel zu uneinig und somit zu lasch das Regime in Belarus behandelt. Jener wiedergewählte Despot lacht sich ins Fäustchen, obwohl das Volk im Lande ihm so gar nicht folgt, ein Roman Protassewitsch den Finger in die Wunde tatsächlicher Repressalien legt.

Der jetzt in Minsk nach jener unrechtmäßigen Flugzeugentführung inhaftierte Blogger muß minimum mit einem Strafmaß von 18 Jahren Gefängnis oder mehr rechnen, eventuell sogar mit der Todessstrafe als angeblicher Terrorist, die in Weißrussland noch gilt. Lukaschenko verteidigt die Flugzeuglandung, gibt der Spiegel zum Besten. Welch dreiste Lüge, die Mär mit einer angeblichen Hamas-Sprengladung an Bord der Ryan-Air-Maschine. Da hat sich der Diktator etwas Simples zusammengereimt, wo doch die Hamas zurzeit in allen internationalen Medien erwähnt wurde.

Das Ganze mit Absprache seines nachbarlichen Präsidenten Wladimir Putin? Davon dürfen wir ausgehen, daß die beiden Länder nichts dem Zufall überlassen, die alten KGB-Seilschaften noch prima fruchten. Despoten kennen keine weltpolitischen Regeln, Vergleiche mit ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit hinken gewaltig, wer sich vielleicht noch daran erinnert, wie die USA das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales 2013 zur Landung in Wien gezwangen hatten, in der Hoffnung den Whistleblower Edward Snowden zu finden. Das scheiterte allerdings, ändert mitnichten etwas an der Tatsache, daß diesmal ein unliebsamer Gegner in Mink inhaftiert wurde, die Notlüge jener angeblichen Bombendrohung eine größere Tragweite hat.

Der weißrussische Diktator kann sich lässig zurücklehnen, da ihm seitens der EU kaum oder nur halbherzige Sanktionen bevorstehen. Das eigentliche Dilemma beinhaltet genau jene politische Pattsituation, daß in Zukunft unliebsame Gegner einfach entführt werden können, die Politik Europas dies nicht verhindern vermag. Darüberhinaus muß sich dennoch der Westen tunlichst bemühen, Schadensbegrenzung anzustreben. Er kann es sich schlichtweg nicht leisten, den diplomatischen Weg mit Russland zu verscherzen. Deshalb schaut alles gen geplantes Treff am 16. Juni in Genf mit Biden und Putin.

Es wäre ziemlich fatal, wenn die Gespräche mit Russland scheitern sollten, Putin sich mehr zu China hinwendet. Die VR China hat ohnehin Weltmachtsphantasien, lebt diese ungeniert aus. Mit dem Ende der Trump-Ära besteht wieder Hoffnung, daß der Ton zwischen dem Westen und China sich verbessert. Die weltpolitische Lage hat ohnehin komplizierte Wege vor sich, von handfesten Problemen wie dem Klimawandel, der Corona-Pandemie mal ganz zu schweigen. Da muß man andere Wege suchen und finden, um jene Despoten wie Alexander Lukaschenka in die Schranken zu weisen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

Veröffentlicht unter Meinung | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Weiße Schattenumrisse

https://pixabay.com/de/photos/schwarz-und-wei%C3%9F-stra%C3%9Fe-stadt-2322857/

Bild von Engin Akyurt auf Pixabay

Hinter mir, die Kulisse,
weiß war sie, matt,
möglicherweise genauso
erschöpft wie ich,
wer ist schon gerne
ein unbeschriebenes Blatt,
irgendwie unfertig,
ich fühlte mich nicht rein
oder etwa frisch, neu,
eher unbestimmt, leer,
verlassen, ohne Schatten
und doch schattenhaft
mit einem einengenden
Hintergrund verbunden,
unausweichliche Enge,
das Ziel jeder Kontur,
Gestalten zu formen,
begrenzen, benennen,
weiß die Kulisse,
aus der ich schöpf.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Despoten kennen keine weltpolitischen Regeln

Lukaschenkas Regime entführt Blogger Roman Protassewitsch

Da spitzt sich langsam aber zielsicher etwas Ungeheuerliches zu, nämlich die Ausbreitung faschistoider Politik, immer mehr Alleinherrscher bestimmen ihren destruktiven Weg, rücksichtslos, menschenverachtend. Das gilt somit auch für Belarus, die einzige tatsächliche Diktatur Europas. Nach der denkwürdigen Flugzeug-Umleitung der Ryan-Air-Maschine verliert sich die Spur vom entführten Blogger in Minsk.

Man muß davon ausgehen, daß dieser in irgendeinem Verlies ausharrt, womöglich von den Schergen des Regimes gefoltert wird. Eine freie Presse unerwünscht, somit gleichwohl Blogger, die es wagen, Alexander Lukaschenkas Präsidentschaft in Frage zu stellen.

Russlands Verbindungen zu Belarus sprechen Bände

Während ein Gerhard Schröder vom lupenreinen Demokraten Wladimir Putin schwärmte, entpuppt dieser sich tatsächlich als ein Freund von Despoten, ein Steigbügelhalter rechtsradikaler Gruppierungen, schließlich sind AfD-Politiker in Moskau gern willkommene Gäste, fließen etliche Gelder in eine braune Flut im Internet, von Hackerangriffen bis ins Weiße Haus mal ganz zu schweigen.

Weißrussland entpuppt sich nachhaltig als Europas Diktatur, während die EU selbst nahezu ohnmächtig dem Treiben jenes Regimes zuschaut. Ob gewisse Sanktionen tatsächlich fruchten, bleibt mal dahingestellt. Bekanntlich beeindrucken Despoten derartige Maßnahmen nicht im Geringsten, sie schöpfen viel eher daraus, ihren harten Kurs fortzusetzen bzw. zu vertiefen.

EU prangert aggressive Haltung Russlands auf dem Sondergipfel an

Da kommt so einiges zusammen, was die weltpolitische Lage nicht gerade entzücken dürfte. Insofern fragt auch die Tagesschau, wie weiter mit Russland. Schließlich setzt der Kreml ziemlich offensichtlich viel daran, das eigene Regime zu stärken, darüberhinaus andere Despoten tatkräftig zu unterschützen. Keine gute Ausgangslage für ein friedliches Miteinander.

Es schaut viel eher danach aus, an jenem Szenarium eines Wettrüstens festzuhalten, obendrein Demokratien generell in Frage zu stellen. Da wächst zusammen, was den Weltfrieden erheblich gefährdet, obendrein Menschennrechte bishin zur Pressefreiheit. Jedwede Kritik wird hart angegangen, das Wesen des Faschismus sucht bereits wieder neue Spielwiesen, sich auszubreiten, im Hintergrund agieren gezielte Kaptialgeber, um ihren eigenen Reichtum zu vergrößern.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wirklichkeit selten erquicklich

https://pixabay.com/de/photos/dunkel-gruselig-gespenst-unheimlich-4376989/

Bild von Basil Smith auf Pixabay

Über Nächte kann man schreiben,
in denen sich Geister rumtreiben,
die tagsüber über den Weg flanieren,
über die läßt es sich bloß spekulieren,
im Gegensatz zu den Nachtgespenstern
hocken sie hinter blinden Fenstern,
weder ihre Gestalt noch ihre Motivation
sind zweckdienlich, das weißt du schon,
nicht verzaubert, verkleidet sie sind,
drehen sich mit dem kleinsten Wind,
mit ihnen kann man nicht träumen,
nicht wirklich Gedanken säumen,
vertieft mit phantastischen Worten,
verweilen in gruseligen oder schönen Orten,
wer will schon Geschichten in Bücher lesen,
in denen Wirklichkeit nur Qual gewesen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar