Auskehren

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Heute wollte ich still sein
in mich kehren
in der Ruhe baden
schwelgen im Alleinsein
meine Sinne bekehren
meine Sünden ausbaden
da fiel mir ein
ich muß noch kehren
vor dem samstäglichen Baden
jede Woche darf’s sein
die im Ländle verkehren
dürfen im Tratsch baden
kein Schwab mußt du sein
nur die Straße kehren
s’isch des reinste Seelebaden

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Charlottes Reise durch die Unendlichkeit – Teil 1

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Wer noch genug Kind in sich, möge staunend blicken

„Bitte halte mich fest, trage die Gedanken ganz weit weg in eine Welt voller friedlich denkender Wesen, die Gefühle als das zuzulassen, für was sie ein Leben gestalten mögen, anstatt nur zerstörerisch unterwegs zu sein. Bleibe noch eine lange Weile hier, lenke uns ab, bevor der Alltag zurückkehrt, der so schwer erträglich“, waren Charlottes Worte.

Anschließend versank sie in einen tiefen Schlaf, der zunächst nur für eine leere Stille sorgte, ein sorgenfreies Dunkel im unendlichen Raum ewiglichem Nichts. Wer kennt ihn nicht? Ein kurzes Aufflackern wirrer Ahnungen folgte irgendwann, noch war das Bild verschwommen, somit ziemlich  unscharf. Eindringlich bemühten sich die forschend neugierigen Stimmen, die im Kopf sich plötzlich meldeten. Was war geschehen, wo befand sie sich?

Zaghaft und äußerst verunsichert öffnete die 24-Jährige ihre Augen, hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie sich befand. Jedwedes Zeitgefühl war komplett ausgeschaltet, sämtliche Erinnerungen an ihr Leben waren wie erloschen. Einzige Ausnahme, daß sie noch wußte, wie sie hieß. Was hatte Charlotte bloß bisherig durchlebt, wo war sie aufgewachsen, wer ihre Familie? Viele Fragen schossen ihr durch den Kopf, sie staunte, ob ihrer Kleidung, die sie trug. Irgendwie meinte sie zu wissen, diese hätte mit ihr selbst nichts gemein. Zu mehr reichte ihre Intuition nicht aus.

Dann erst registrierte sie ihre nähere Umgebung. Langsam richtete sie sich auf, hatte wohl im Moos geschlafen, wunderte sich über die Eiskristalle, spürte plötzlich die Kälte, die sie umgab, welche vorher ihr wohl keinerlei Beschwerden zugefügt hatte. ‚Wo bin ich nur hingeraten, und vor allem, warum liege ich hier draußen in der freien Natur, mutterseelenallein‘, fragte sich die Schwarzhaarige, strich ein paar Erdpartikel vom violettfarbenen Overall. Gerade wollte Charlotte aufstehen und die Umgebung betrachten, als sie in Ohnmacht sank.

Diesmal flackerte ein Restfunken Bewußtsein auf, gerade soviel, um zu bemerken, was geschah. Sie flog in unvorstellbarer Geschwindigkeit durch einen Raum, den sie keinesfalls einzuordnen vermochte, zumal die Landschaft um sie herum mehr aus grell aufblitzenden Farben bestand, verschwommen dahinsauste. Gleichzeitig fiel ihr eine bestimmte Enge auf, die sie dennoch nicht bestimmen konnte. Befand sie sich in einer Art Fahrzeug, war ihr Körper aufgelöst und nur ihr Geist empfand die Eindrücke?

Charlotte überkam eine gewisse Ratlosigkeit zusammen mit einem kindlichen Erstaunen, welches es hervorragend verstand, eine wachsende Unsicherheit nahezu spielerisch auszugleichen. Das half ihr ungemein, dem Geschehen sich gelassener hinzugeben. ‚Na und, dann ist das halt jetzt so, einfach als Film betrachten, dann kann ich es wohl besser verkraften‘, entschied sie für sich und lehnte sich zurück. Im selben Moment fiel sie ins Bodenlose.

Zeit ist alles andere als relativ

Aber warum nur bodenlos? ‚Ich brauche Halt, wieso spüre ich keinen direkten Kontakt mit irgend etwas Festem? Ich kann doch gar nicht fliegen, und überhaupt, wo bin ich nur, kann nichts sehen?‘, fragte sich Charlotte, um im nächsten Moment offenen Mundes nur noch zu staunen, was ihr da urplötzlich begegnete.

Dabei fiel ihr gleichzeitig ein, so oft schon in Berichten gelesen hatte von Menschen, bei denen sich während des Ablebens ein Teil des eigenen Lebens wie ein Film in Sekundenschnelle vor deren geistigen Augen vorbeiraste. Aber sie lebte doch, es bestand keinerlei Anlaß, der einen herannahenden Tod rechtfertigte, außer diesem Gefühl des bodenlosen Fallens.

Viel länger vermochte sie auch nicht mehr darüber zu grübeln, weil die vorbeiziehenden Ereignisse ihre ganze Aufmerksamkeit beanspruchten. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, daß das Geschehen letztlich eine Art Botschaft bedeuten könnte. Krampfhaft bemühte sich Charlotte, parallel möglichst viel an Einzelheiten im Kopf zu speichern, zwecks Abrufs zu einem späteren Zeitpunkt. Apropos Zeit, die schien hierbei keinerlei Bedeutung zu haben, weil die unterschiedlichen Sprünge ohnehin ihr viel eher näherbrachten, daß Mensch klein-geistig befangen war in seinem Wirken auf Erden.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Geborgen geboren

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Seltsam einsam
die Fee am See
handzahm warm
streichelt sie mich
mit ihrem Schleier
aus kühlen Perlen

weine alleine
die Wellen schellen
kapriziös nervös
ungestört für mich
unendliche Laute
zu meiner fernen Nähe

rötlich tröstlich
ficht das Licht
täglich womöglich
lautlos für mich
dem Kind vom See-End
gegen die Schatten

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Armut und Reichtum Gegensätze menschlicher Schwäche

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Bild von Peter H auf Pixabay

Raffgier verursacht unser aller Leid

Der Letzte macht das Licht aus, endgültig, für immer und ewig, um selbst dem Tode entgegenzublicken. Vielleicht noch wissend, warum es so weit kommen mußte. Mensch, am Ende seiner Tage angelangt, feststellen muß, daß trotz seines Verstandes, seines Genies schließlich eine ureigene, einem Krebsgeschwür gleichende Eigenart sich durchsetzt: die Raffgier. Die wiederum unser aller Leid bedingt.

Daraus entstehend Armut und Reichtum, Gegensätze menschlicher Schwäche, die den Erdenball über Tausende von Jahren in einen lebensbedrohlichen Bann ziehen, maßgeblich und folgenschwer zu Kriegen führt, ein bis heute anhaltender Zustand, ein Kreislauf, der sämtliches Leben ständig gefährdet. Aber Mensch schaut oftmals der Ohnmacht nahe einfach zu, läßt gewähren, die eigene Angst im Nacken ihn lähmend hindert, beherzt einzuschreiten.

Während die große Mehrheit der Menschheit tagtäglich im Hamsterrad der Abhängigkeiten versucht, ein halbwegs erträgliches Leben zu führen, dabei etliche Millionen schlicht verrecken, läßt eine bestimmte Klientel es sich vortrefflich, ausschweifend gutgehen: die Reichen bis Superreichen. Maßlosigkeit zeichnet sie besonders aus, den Blick für die Realität gänzlich verloren in ihrem Rausch materieller Annehmlichkeiten.

Welch blanker Hohn blickt all jenen entgegen, die demutsvoll wispernd Burgen und Schlösser besichtigen, die Rückzugsorte der Herrschenden, die es sich dort fürstlich gutgehen ließen, während das gemeine Volk ihnen dienlich zu gehorchen hatte, schutz- und rechtlos ausgeliefert war. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aus den Schlössern wurden gut geschützte, speziell eingezäunte Villen und Prunkbauten, derselbe Luxus badet und wähnt sich in gewisser Selbstverständlichkeit einer unabdingbaren Berechtigung, die Mitmenschen zu knechten, spüren zu lassen, inwieweit Überreichtum eigenen Gesetzen folgen darf.

Mitten im Ländle, in dem ohnehin viele deutsche Dichter und Denker geboren wurden und der Welt ihre Erkenntnisse hinterließen, ging einst der große deutsche Dichter, Philosoph und Historiker Friedrich Schiller hervor, der sehr zutreffend mal formulierte:

„Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.“

In jenen Worten steckt die ganze Misere einer abgehobenen Herrscherklasse, die keineswegs auch nur ansatzweise bereit ist, ihre langjährige Macht abzugeben, mit dem Volke zu teilen. Im Grunde beinhalten seine Worte die ganze Tragik, die brutale Pattsituation, die gar am Ende in die Zerstörung des Menschseins mündet. Wenn alles zerstört, die Knechte der Reichen gestorben, verlieren jene ihr eigenes, wohlgefälliges Leben.

Die Essenz der Raffgier beinhaltet nämlich exakt jenes Verhalten, was zu so viel Leid auf Erden beiträgt. Erst wenn Mensch einmal verstanden hat, was er schleunigst abschalten, ausmerzen sollte, hat er überhaupt eine Chance zu überleben. Verpaßt er dies, geht der Kreislauf, die Unterjochung erbarmungslos weiter, folgen Krieg und Elend.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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If This President Rules Twice

Trumps zweite Amtszeit längst beschlossene Sache?

Mit Spekulation hat die Frage nahezu nichts zu tun, sondern viel eher mit der Gewißheit, daß hierbei ziemlich schmutzige Hände mit im Spiel sein müssen. Und zwar nicht erst seitdem der heiße Wahlkampf in seiner entscheidenden Phase sich befindet, sondern bereits lange vor der US-Wahl 2016. Etliche hatten gemeint, Hillary Clinton würde die Wahl gewinnen.

The Donald machte dennoch das Unmögliche möglich. Keinesfalls aufgrund seines Charismas, welches man ohnehin vergeblich suchen mag, noch wegen möglicher geistigen Fähigkeiten, die entsprechen eher eines kleinen Jungen, der sich in Größenwahn verstrickt. Genau das scheint so gewollt zu sein, zumal ausgerechnet Russland mitmischt. Von Zufall kann daher keine Rede sein!

Die frappante Macht des Supreme Courts

Dabei kommt gar die Frage auf, wieso die USA eine derartige Entwicklung überhaupt zulassen. Haben die Gründerväter der weltweit mächtigsten Demokratie etwa gepennt? Das oberste rechtsprechende Staatsorgan wird mit dermaßen hohen Stellschrauben ausgestattet, die es dem amtierenden Präsidenten im ungünstigsten Fall erlauben, seine Macht erst recht zu mißbrauchen?

Dies geschieht nämlich jetzt direkt vor unser aller Augen, die Demokraten sind unbedingt am Zug, die Zeit zum Gegenschlag ist somit überreif. Verpassen sie das, könnten die Republikaner auf Jahrzehnte hinaus ihre Macht absichern, wie Ralf Neukirch in seinem Kommentar im Spiegel betont.

Bürgerkriegsszenarien immer wahrscheinlicher

Daß Donald Trump einen Bürgerkrieg in den USA provoziert, wissen all jene, die ihn kritisch beäugen. Auch seine Anhänger lobpreisen ihn dementsprechend, erwarten von ihm hartes Durchgreifen. Malcolm Nance warnte unlängst, inzwischen macht Trump ohnehin keinen Hehl mehr daraus, will friedlichen Machtwechsel in den USA nicht zusagen.  Briefwahlen seien für ihn weiterhin ein Betrug, obwohl er keinerlei Belege anführt.

Trumps Logik verstrickt sich in dem Glauben, sollte er per Wahlergebnis die meisten Stimmen erhalten, sei sie legal vonstattengegangen. Wenn Joe Biden gewinnen würde, wäre das ein Betrug. Basta. Beste Voraussetzung, Gewalt anzuwenden, Bürgerkriegszustände im Anschluß zu initiieren. Jeder halbwegs gebildete, demokratisch denkende Mensch erahnt im Vorfeld autokratische Züge, die man schlichtweg natürlich nicht gutheißen kann. Dann würden die USA sich von legalen Wahlen verabschieden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Verinnerlicht

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Bild von RitaE auf Pixabay

Mit dem Leiterwagen die Straße lang,
Sonne läßt den Teer aufweichen,
begleitet vom knarrenden Holzreifenklang.
Autos fahren selten, nur die Reichen.

Himbeerbüsche, sie wirken wie Dickicht.
Im großen Haus ein Hund bellt.
Die Beeren ins Körbchen, nicht für dich,
jeder Korb fünf Groschen, ein Stück Welt.

Den Hang runter auf dem Hosenboden,
gibt blaue und grüne Flecken am Hintern,
auch durch elterliche Wut austoben.
Striemen tagelang oft Sitzen behindern.

Verloren beim Milchkannenschwenken,
wiedermal nicht zu den Großen gehören,
am Dorfbrunnen Wasser nachschenken,
laß mich wachsen, Gott Liebe schwören.

Auf der Friedhofsmauer langlaufen,
unter dir die, die nicht mehr lachen.
Inschriften lesen auf Steinen in Erdhaufen,
Kindern zuschauen beim Unsinn machen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Anvertrautes erinnern

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Rauchiger Nebel
verbrannter Worte
ja ganzer Buchseiten
verhinderten den Sinn
gebrauchter Sinn
des Verstehens
weil die Asche
in ihrer Freiheit
dem feinsten Hauch
sich anvertraute
möglicherweise
verstand sie den Sinn
ihres Daseins
im rußgetränkten
Schleier
ziellos nach
einer Haftung
getrieben zu werden
um dort ihre Schwärze
als Prägung
zu hinterlassen
in der die Ziffern
mit dem Geruch
einer schwelenden
Wärme
Erinnerung freisetzt
möglicherweise
ergibt das Sinn
und ich staune
über die gebrauchten
Wortfetzen
die an mir kleben
und ich sinniere
über die mir
anvertraute Erinnerung

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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