Im Rausch einer neuen Liebe

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Wohin führt uns ihre Versuchung?

Ein langsames Bemerken der Außenwelt erreichte ihn beim Aufwachen, während seine Arme und Beine aus ungeordneter Stellung zurückfanden in die lärmende Gegenwart, die sich überdeutlich ihm offenbarte, in dem er schlagartig aus dem Bett sprang. Was war geschehen? Wie kam Dave überhaupt hierher? Ahnungsvoll, weit im Hintergrund seines Erinnerungsvermögens kramte er Restmomente des gestrigen Abends hervor, flackerten Bilder auf, die vor seinem geistigen Auge ein paar wenige Details zeigten, mit denen er allerdings nicht wirklich etwas anfangen konnte.

Dave befand sich demnach in einer dieser schrillen Discotheken, wo allein schon die extremen Baßtöne den Brustkorb zusammenschnürten, wer sie nicht gewohnt war, unabhängig von der ohnehin generell zu hohen Lautstärke. Überall der kalte Zigarettenrauch sowie eindeutige Gerüche von Marihuana, menschlicher Schweiß in einem Gemisch, in dem wohltuende Atemluft wohl eher ein sehnlichster Wunsch blieb. Und mittendrin er selbst zusammen mit einer Clique, deren Teilnehmer er nicht erkannte, außer seinem alten Kumpel Mike. Wo hat dieser sich überhaupt hinbegeben, schoß es ihm durch den Kopf bei seiner kurzen Rückerinnerung.

Jetzt realisierte der Mittdreißiger auch deutlicher seine nächste Umgebung, kehrten die ansonsten wachen Geister seines klaren Verstandes zurück. Der Raum entsprach eben nicht einem typischen Schlafzimmer, sondern war relativ weitläufig, nahezu gigantisch in seinen Ausmaßen. Dave versuchte die Länge abzuschätzen, ließ es lieber und lief ihn kurzerhand mit sorgfältig gewählten großen Schritten ab, die seiner Meinung nach in etwa einem Meter entsprachen. Auf diese Weise ermittelte er die Raummaße: sieben mal elf Meter. Dabei bemerkte er auch die hohe Decke, die obendrein mit unzähligen kleinen Punkstrahlern bestückt den großen Raum in ein angenehmes, warmes Licht tauchte. Nach seiner Schätzung hatte er eine Höhe von knapp fünf Metern.

Je länger er sich umsah, umso mehr interessante, innenarchitektonische, leicht verspielt kreative Ideen entdeckte er. Im ersten Moment erschrak Dave dermaßen, daß er sich kurzweilig auf die Bettkante setzen mußte. Da ragte doch eine dreieckartige Plattform, also wie ein Balkon, ein Podest aus der Wand vor ihm hervor, die aber keinerlei Stütze aufwies. Das Unheimliche daran: Jeder halbwegs technisch Interessierte konnte sich so etwas überhaupt nicht erklären, denn die jeweiligen Schenkellängen des Dreiecks betrugen etwa fast sechs Meter, obendrein befanden sich auf diesem Podest, welches in zwei Metern Höhe schwebte, zwei gemütliche Sessel und ein kleiner Tisch, auf dem irgendwelche Magazine lagen. Normalerweise müßte eine solche Konstruktion zusammenbrechen, würde es die Statik nicht zulassen. Deshalb war Dave völlig zu Recht erschrocken.

Aber des Rätsels Lösung erklärte ihm später der Sonnenschein, der plötzlich das überdimensionale Schlafzimmer erhellte. Die rothaarige Joy umarmte Dave innig, der nicht so ganz wußte, wie er darauf reagieren sollte, hatte er doch immer noch gewisse Gedächtnislücken vom gestrigen Discoabend. Jedoch irgendetwas sehr angenehm Vertrautes ließ seine Zweifel verflüchtigen, wobei auch ein bestimmter, sehr verlockender Geruch, der von ihr ausging, ihn an bestimmte Momente erinnerte. Zweifelsfrei hatten sie wohl eine lange Liebesnacht verbracht, dessen war er sich nunmehr sicher, wie er mit einem leichten Grinsen im Gesicht für sich feststellen mußte. Joy verriet ihm, daß die zwei Dreiecksbalken in Wirklichkeit jeder achtzehn Meter lang waren, so daß das volle Mauer-Gewicht auf zwei Dritteln ihrer jeweiligen Gesamtlänge lag. Insofern benötigte das schwebende Podest keinerlei statische Stütze zum Boden.

Als dann noch Mike zusammen mit einer Schwarzhaarigen laut lachend den Raum betrat, fiel es Dave wie Schuppen von den Augen und sein Erinnerungsvermögen war wieder gänzlich hergestellt. Na klar doch, die beiden Freunde hatten in der Disco Joy und Melinda getroffen, die sie schon länger, wenn auch bisherig flüchtig kannten, und zwar noch von der Uni, hatten mit ihnen viel geflirtet, gequatscht und getanzt, um schließlich die beiden Schwestern bis nach deren Zuhause zu begleiten. Dabei war es halt einfach geschehen, sie verbrachten hier die Nacht.

Später stellte sich heraus, daß Mike und Melinda zwar sich viel zu erzählen hatten, fast bis in die frühen Morgenstunden, es dabei aber beließen und getrennt schliefen. Joy und Dave jedoch wußten, daß da etwas wunderbar Schönes geschehen war, nämlich der Beginn einer vielversprechenden Beziehung, die hoffentlich noch lange über das träumerische Verliebt sein hinaus anhalten sollte.

Egal ob wir uns in Discotheken, bei der Arbeit, in der Uni, beim Einkaufen, beim Spazieren, bei  Feierlichkeiten, beim Schwimmen, beim Sport oder einfach auf der Straße begegnen, manchmal uns auf den ersten Blick verlieben, halten wir diese Erlebnisse und Momente fest als eine wunderbar schöne Erinnerung, wer sie denn selbst erlebte. Es kann der Fortgang einer anhaltend langen Beziehung bedeuten und wenn nicht, dann hat auch das stets eine tiefere Bedeutung für uns Menschen. Wir leben allesamt, um in unseren Erfahrungen zu wachsen, sie anzunehmen, wie sie uns begegnen, weil es keinen Zufall gibt, sondern ein tieferer Sinn sich dahinter verbirgt, ob wir diesen nun nachvollziehen können oder nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Eiskalt hinters Licht geführt

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Kalt war’s ihr
im grellen
Sonnenlicht,
Eiskügelchen
in ihren Haaren
leise klirrten,
Erleuchtete
mit Worten
Feuer legten,
bliesen Wissen
als Asche
ihr entgegen,
braune Tonfetzen
ihre Sicht verdunkelte,
Frost überzog die Welt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Destabilisierung westlicher Demokratien hält an

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Wenn Faschisten frohlocken

Noch kann sich die Diktatur in Belarus behaupten trotz anhaltender Proteste, auch per Rückendeckung des russischen Alleinherrschers Putin, der kurzerhand es zuläßt, daß Widersacher vergiftet oder aus dem Fenster geschmissen werden. Gefährliche Zeiten stehen Europa bevor nach über 75 Jahren Frieden,  außer im ehemaligen Jugoslawien.

Während in Portugal, Griechenland und Spanien die letzten Diktatoren abdankten, tummeln sich bereits vor dem Reichstagsgebäude sowohl Rechtsradikale als auch all jene, die behaupten, sie müßten in der Corona-Krise die Gesundheit anderer gefährden, in dem sie sich in ihrer Meinungsfreiheit bedroht fühlen, um genau mit jenen Neofaschisten gemeinsam zu marschieren. Nicht nur ein Paradoxon, sondern obendrein eine klare Ansage gegen unsere gewachsene Demokratie!

Kriegsstimmung nimmt weltweit zu

Ob wir gen USA blicken, wo im Weißen Haus The Donald seinen Rassismus auslebt, der erst recht das Land spaltet, Russland plötzlich Aufnahmen des bisher größten Atomtests veröffentlicht oder aber Erdogan Athen und Paris droht beim Erdgas-Streit im Mittelmeer.

Weder die Konflikte mit Nordkorea oder im Pazifik zwischen der VR China und den USA, erst recht nicht im Nahen und Mittleren Osten sind auch nur annähernd beigelegt, ganz im Gegenteil, der Zündstoff wird genährt, während zu guter Letzt generell Waffenverkäufe mehr denn je boomen, von Abrüstung gar keine Rede mehr sein kann.

Zu den genannten Kriegsschauplätzen noch all jene sich hinzugesellen, die weiterhin anhalten, ob in Sudan, Kongo oder Libyen, von Bandenkriegen in Südamerika ganz zu schweigen, dem weltweiten Terror. Alles beste Voraussetzung, Faschisten zu unterstützen.

Science-Fiction-Szenarien verdeutlichen uns mögliche Wege

Die somit vermieden werden können, wer sich mal die Mühe macht, vertiefter sie zu überdenken. Es reicht keineswegs aus, nur passiv als Konsument jene Stories zu verinnerlichen, sie gar zu genießen, womöglich als simples Vergnügen, wie schrecklich doch die Welt in der Zukunft sein möge, wenn gleichzeitig die brutale Wirklichkeit schlichtweg ausgeblendet wird, weil diese nicht stattfindet in wohlbehüteten Räumen, Gegenden oder scheinbar sicheren Ländern.

Irgendwann betrifft sie uns alle, spätestens dann, wenn Krieg und Zerstörung ungebremst sich entfaltet, womöglich außer Kontrolle gerät, weil manch Ego sich durchsetzen will. Mit Blick zu den eigentlichen Ursachen dürfte jedem halbwegs gebildeten Menschen klar sein, worin der Fehler besteht. Im Zulassen jener faschistischen Kräfte, die ganz besonders im Großkapitalismus sich maßlos entfalten dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Keine Flucht aus der Tretmühle

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Morgens um fünf
schlüpft er in die Strümpf‘,
Kaffee schnell getrunken,
obwohl noch in Träumen versunken,
Stiefel fast vergessen,
kommt vom zu hastigen Essen.
Seine wichtige Arbeit ruft,
obendrein der Chef ein Schuft,
Hauptsache die Kohle stimmt,
man ist halt auf Kommerz getrimmt.
Mist, er hat den Bus verpaßt,
letzten Monat war er noch im Knast,
es folgt dann erneut ein Anschiß,
wenn man ihn doch besser in Ruhe ließ.
Die Kollegen ihn allzu oft mobben,
das könnte er aber noch toppen,
seine Wut wächst mit jedem Satz,
schon bekommt der Erstbeste eine vorn Latz.
Hinzu gesellt sich der fiese Boss,
sitzt wie eh und je hoch zu Roß.
Die Entlassungspapiere in der Hand
knallt er den einfach an die Wand.
Gerechtigkeit ein schnödes Wort,
zurück in den Knast, dem verhassten Ort.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Corona-Chaoten in trauter Allianz mit rechtsradikalem Pöbel

Bilanz einer gerichtlich genehmigten Demo in Berlin

Wann folgt die Premiere, unsere demokratische Grundordnung zu stürmen, die Regierung zu stürzen, obendrein all die Morddrohungen in die Tat umzusetzen, wie ganz besonders Rechtsradikale schon lange fordern, die nunmehr viel Rückendeckung erhalten von Covidioten, Impfgegnern und der Querfront?

Gestern erlebten wir eine mißglückte Generalprobe, die obendrein seitens des Oberverwaltungsgerichts ermöglicht wurde, weil die Kundgebungen gegen Corona-Politik stattfinden durften. Einmal mehr verdeutlichte unsere Justiz, was sie vom Rechtsstaat hält, sie bestätigt ihren Weg, auf dem rechten Auge blind zu sein, während auch der Berliner Innensenator Andreas Geisel sich der Entscheidung dieses Gerichts beugen mußte.

Wer nach Putin schreit, will keine Demokratie

Sondern lechzt nach dem „starken Mann“, letztendlich eine deutliche Sympathie zum Faschismus, den wir doch alle überwinden wollen. In Corona-Zeiten tummeln sich all jene Kräfte unter friedlichen Covidioten, die ihre Chance erkennen, den Rechtsstaat auszuhebeln, natürlich auch per Gewalt.

Während in Berlin gerade mal 3.000 Polizisten rund 38.000 Demonstranten gegenüberstehen, fragt man sich, wie leichtsinnig eine Ordnungsmacht agieren kann. Masken stören mehr als Nazis, faßt T-Online in seinem Bericht über den Protest zusammen. Dabei hebt Jan-Henrik Wiebe zu Recht das Paradoxon hervor, daß jenes Gemisch aus Reichsbürgern und Putinisten „Freiheit statt Willkür“ einfordert, eine Befreiung der Corona-Maskenpflicht und die Duldung des Despoten Putin.

Doch wer den Deutschen Bundestag schützen will, sollte seine Hausaufgaben erheblich besser machen. Das hätte gestern auch gänzlich schiefgehen können, wenn die Gewaltbereiten unter den Demonstranten besser organisiert gewesen wären. Glück gehabt, möchte man anmerken. Allerdings von politischer Weitsicht kaum eine Spur. In Hamburg beim G-20-Gipfel glänzte die Ordnungsmacht, gestern in Berlin bot sie ein klägliches Häuflein auf.

Quertreiber heizen die Stimmung an

Auch wenn diese sich selbst als Querdenker bezeichnen, sie sind es per se mitnichten, fangen unter falschen Namen „Erleuchtete“ ein. Eine ziemlich simple Masche, die erst recht fruchtet, wenn deutsche Stars Verschwörungsmythen befeuern. Dabei bleibt deren Bezeichnung mal dahingestellt, als Stars kann man durchaus andere Personen zählen.

Doch das „Bedürfnis nach Einfachheit“ scheint nach wie vor all jene Verunsicherten zu erreichen. Statt diese Seuche als das hinzunehmen, was gerade weltweit geschieht, blendet man einfach die Realität aus und ersetzt sie durch simple Phrasen. Beste Voraussetzung für den Faschismus und um die Demokratie, unsere Freiheit in Frage zu stellen.

Insofern haben sowohl die Gerichte als auch etliche Politiker, die dieser Demo zustimmten, das eigentliche Anliegen ignoriert. Diese Corona-Chaoten wollten die Provokation, die Verweigerung, Mund- und Nasenschutz zu tragen, keine Abstände halten. Das Gefährliche und Absehbare dabei, jene Rechtsradikalen und Querfrontler gesellen sich hinzu. Mit einer friedlichen Demo hatte das von Beginn an nichts zu tun.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Quertreiber fangen unter falschen Namen „Erleuchtete“ ein

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Auf den Spuren von Edward de Bono

Vor fast fünf Jahren entschieden wir uns mit einer Internetseite online zu gehen. Bei der Namensfindung war uns wichtig, es sollte etwas mit uns beiden zu tun haben, und da wir schon am Frühstückstisch über „Gott und die Welt“ diskutieren, die Themen hin und her, kreuz und quer miteinander verbinden, gegeneinander auf- und abwiegen, nicht um unbedingt zu einem eindeutigen Konsens zu erlangen, der keine Fragen und Antworten mehr benötigt, nicht um einen von uns beiden als den „Besserwisser“ zu krönen, nicht um eine Sachlage wie eine Zitrone auszupressen, um sie dann als für immer und ewig erledigt zur Kompostierung freizugeben, sondern schlicht um der Freude am Austausch von Gedanken und Gefühlen.

Was war da naheliegender als der Name „Querdenkende“?

Querdenken, laterales Denken, lateinisch latus, Seite; ist eine Form von kreativer Vorgehensweise um Probleme zu lösen oder neue Inspirationen zu generieren. Der Begriff als solches wurde von Edward de Bono geprägt und umschreibt die Fähigkeit,  um die Ecke zu denken oder der nichtlinearen Denkweise.

Wikipedia beschreibt laterales Denken folgendermaßen:

Es wird zugelassen, dass vorliegende Informationen subjektiv bewertet und selektiv verwendet werden. Details werden nicht analytisch, sondern intuitiv erfasst.

Gedankliche Sprünge und Assoziationen werden zugelassen, nicht jedes Zwischenergebnis muss richtig sein.

Ja/Nein-Entscheidungen werden vermieden. Auch nicht durchführbare Lösungen können ein Schritt zum besseren Verständnis des Problems sein.

Konventionelle Denkmuster werden in Frage gestellt, indem z. B. bewusst nach der unwahrscheinlichsten Lösung eines Problems gesucht wird.

Ausgangssituation und Rahmenbedingungen werden nicht als unveränderlich hingenommen.

Demgegenüber agiert das vertikale Denken mit altbekannten Mustern, und läßt daher zu wenig Spielraum, Neues zu kreieren, es basiert auf logische, planmäßig und streng rational gerichtete Problemlösungen.

Nun ist es natürlich erlaubt, den Begriff „Querdenken“ als Ausdruck seiner eigenen Denkweise zu gebrauchen. Ich bin weit davon entfernt, den Begriff nur für eine diesem Denkmuster streng verpflichtende ausgewählte Gruppe zuzugestehen. Das wäre meiner Meinung nach nicht im Sinne des „Erfinders“. Was mich aber stört, ist die Vereinnahmung des Begriffes „Querdenker“ von Personenkreisen, die damit ihre politisch rechts gerichtete Gesinnung als legitim und zukunftsweisend darstellt.

Zudem ist ganz offensichtlich, deren Meinungsbildung und Lösungsfindung basiert auf dem Satz: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellt, machst du, denkst du, sollst du, darfst du, kannst du…“ Eindeutiger kann man wohl kaum aus mündigen Bürgern im Handumdrehen Mitläufer generieren, indem ihnen unverhohlen mitgeteilt wird, wenn du nicht willig bist, kommentarlos unsere Ansichten zu teilen, bist du gegen uns, bist du der Handlanger, der nicht für Veränderungen auf die Straße geht.

Hier wird einfach die eigene Unfähigkeit einen Diskurs zu führen, damit gerechtfertigt, daß der Querdenkende die Lösung schlechthin, das Wissen besitzt, das keinerlei Widerspruch duldet, und sie steigern dies mit gezielt offenen Drohungen, nach dem Motto: „Bist du nicht willig, (einsichtig), so brauch‘ ich Gewalt!“

Quertreiber sind Personen, die sich mit voller Absicht gegen jemanden oder gegen etwas stemmen, um Personen oder Dinge zu behindern und zu stören.

Der Begriff aus dem Niederdeutschen, dwarsdryver, entwendet, stammt aus der Schiffahrt. Es ist der Ausdruck für einen Kapitän, Bootsführer, der sein Schiff nicht richtig steuern kann und es querstellt, so daß andere Boote nicht weiterfahren können.

Mir erscheint dieser Begriff weitaus passender für die Personen, die unter dem Motto „querdenken“ zurzeit die Straße als ihre Bühne für verschwörerische Behauptungen benützen und ihre Meinungen, vielmehr Forderungen, als das endgültige Wissen postulieren.

Kann ein „Querdenkender“ seine Sichtweise als der Weisheit letzter Schluß gelten lassen? Nein! Jeder, der sich müht, laterales Denken als Ansatz für Vorschläge zur Lösungsfindung oder zur Ideengewinnung anzuwenden, hat den Respekt vor dem lateralen Denken anderer, denn nur in einem Zusammenspiel vieler Spektren kann querdenken von Erfolg gekrönt sein.

Dies aber ist für die „Quertreiber“ ein No-Go, denn sie wollen eine Meinung, ein Gesetz, eine Regel, eine Einheit, einen Käfig für alle, die nicht gewillt sind, ihrem Willen sich unterzuordnen. Ihr wahres Ziel ist, den sozialen Frieden zu stören, Zwietracht zu säen, Andersdenkende zu denunzieren, um eine Gesellschaftsstruktur aufzubauen, die nichts mehr mit der Gesellschaft, die wir kennen, zu tun haben wird, es wird eine Kameradschaft der Kameraden, die in einem Herrschaftsmodus aufgebaut, dazu führt, in einer diktatorischen Hierachieverwaltung mündet, in der nur Gleichgesinnte und auf „Kurs Gebrachte“ in festgelegten Rahmen zusammenleben.

Jeder, der sich diesen falschen „Querdenkern“ anschließt, sollte sich klar darüber sein, daß nicht er oder sie irgendwann „das Wort haben“, ihre Meinung frei äußern dürfen, außer es ist von den „Vordenkern“ abgesegnet. Und dies hat wahrlich nichts mit querdenken und, oder einer demokratischen Gemeinschaft mehr zu tun.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Leben ein friedliches oder feindliches Miteinander der Kompromisse

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Wie bestimmte Umstände unser Zusammenleben gefährden

Ziemlich oft beobachten wir in Diskussionen das Nichtstehenlassen von Argumenten, weil bekanntermaßen zweifellos zu jedweder These eine Antithese aufgestellt werden kann. Insofern entsteht letztlich eine gewisse Pattsituation, in der darüber hinaus schon das Aus im Raume schwebt. In manchen Kreisen folgt nach einer gewissen Eskalation das Ende der verbalen Ebene, die dann in Handgreiflichkeiten münden bis hin zur überreagierten Gewalt.

Gilt somit das Leben selbst ein friedliches oder feindliches Miteinander der Kompromisse, weil die Grenzen der Argumentationslinien viel eher verschwimmen? Man kann davon ausgehen, obwohl in Sachdiskussionen mit einer Unterscheidung zwischen „friedlich“ und „feindlich“ bereits der Pfad der bewußt inszenierten Provokation betreten wird.

Aber das müssen wir dennoch in Kauf nehmen, weil Menschen nicht nur mit Sachwissen und Erfahrungen bestückt sich begegnen, sondern auf alle Fälle mit all ihren emotionalen Empfindlichkeiten, die je nach Charakter mehr oder weniger deutlich mitschwingen.

Der Mensch geboren zur Beziehungsfähigkeit?

Gerade in partnerschaftlichen Beziehungen, sei es im Liebesleben, in Familien oder im Berufsleben, offenbart sich das ganze Ausmaß, ob gelungen oder eben gescheitert. Dazwischen spielen sich all die Bemühungen ab, im Guten wie in verzweifelten Versuchen zu kitten, was noch möglich sei. Letztlich müssen wir Menschen stets uns eingestehen, daß ein Zusammenleben immer nur mit Kompromissen verbunden sein kann, wobei ein Aufeinander zugehen aller Seiten am ehesten zum Erfolg führt.

In Familien lernt man von klein auf das soziale Verhalten, wer denn nicht in extrem belasteten Konstellationen hineingeboren wurde, die mal hier ausgeklammert seien. Doch wie soll der Mensch sich auf Gemeinsamkeiten besinnen, wenn unsere Zeit das Leben diktiert?

Familienpolitik, bzw. die daran gekoppelte Wirtschaftspolitik sehr viel unternimmt, um eine eigentlich natürlich entstehende Beziehung bis hin zur Familie im Keim zu ersticken, weil sich alles nach den Vorgaben einer nimmersatten Elitegesellschaft richtet und der Doktrin des Profitgedankens unterordnet, in der fast kein Raum mehr für Humanismus vorhanden? Nicht der Mensch ist geboren zur Beziehungsunfähigkeit, sondern die äußeren Umstände erzwingen eine derart gefährliche Entwicklung, weil sie das gesamte Zusammenleben gefährden.

„Lebenskunst besteht zu 90 Prozent aus der Fähigkeit, mit Menschen auszukommen, die man nicht leiden kann.“ (Samuel Goldwyn)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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