Cameron Carpenter – ein Organist der Extra-Klasse

Konzentriertes Steppen auf den Pedalen

Aller guten Dinge sind drei, sagt man ja gern landläufig. Und so ist dies auch in diesem Fall hier, denn zunächst erschienen zwei unterschiedliche Reportagen im Fernsehen. In beiden Fällen war von Beginn an eine große Faszination vorhanden, so daß genau diese Begeisterung Ihnen, liebe Leser, der Funken überspringen sollte, um diesen Musiker näher kennen zu lernen.

Cameron Carpenter wurde 1981 in Pennsylvania (USA) geboren und hielt sich während der Kindheit vorwiegend in der Werkstatt seines Vaters auf, wie er selbst schilderte. Der Ofenbau-Betrieb konnte Cameron keineswegs daran hindern, seine Vorliebe und sein Talent auszubremsen. Ganz im Gegenteil, sein Vater selbst hatte wohl ziemlich schnell die Begabung seines Filius erkannt, und so erhielt dieser eine gebrauchte Orgel, die ihren Platz in der Werkstatt dann ganz selbstverständlich hatte.

Wir alle kennen diese wunderbaren, ziemlich langsam und bedächtig gespielten Orgelstücke, wie zum Sebastian Bachs Toccata, Frédéric Chopins Etüden, George Gershwins Arrangements für Orgel und Orchester oder auch Maurice Ravels Werke. Der gewöhnliche Organist hält sich an die Tempi, an die Gesetzmäßigkeiten, die jahrhundertelang ihre Berechtigung und Dasein hatten. Aber was wäre wohl die Kunst ohne das Genie, den Einfall, das Probieren? Eine selbstgefällige Muße, die irgendwann sich selbst erübrigen würde, oder?

Genauso erging es auch Cameron Carpenter, der schon sehr früh begann, ganz besonders seine Füße zum Einsatz zu bringen. Ein jeder hat mal bei der Orgel diese Pedale gesehen, die bedächtig vorsichtig normalerweise nach unten bewegt werden. Bei Cameron werden jene einer physikalischen Belastungsprobe unterzogen, die deren Erbauer bestimmt nicht vorgesehen hatten. Dabei tritt er die Pedalabfolge in einer steppschrittartigen und somit sehr schnellen Geschwindigkeit, die ein Höchstmaß an Konzentration und Genauigkeit erfordern. Denn dem menschlich geschulten Musiker-Ohr entgehen Mißtöne überhaupt nicht. Er selbst beschrieb normale Orgeln als „schlafende Instrumente“, die irgendwann mal „dick und schwerfällig werden würden“.

Die klassischen Stücke verändert er natürlich, entwickelt Harmonien dazu, die sich einfügen in die ursprünglichen Themen und somit hervorragend ergänzen, um eine eigenwillig, schnell gespielte Interpretation für die Zuhörer zum besten zu geben. Sie sind dermaßen erfrischend, unabhängig von der artistisch sichtbaren Performance, die der Zuschauer in Live-Auftritten zu sehen bekommt, daß dem Zuhörer eine Revolution der Altmeister verpaßt wird, wie sie bisher noch auf keiner Orgel erklang. Vor jedem Konzert vollführt er ganz selbstverständlich eine Abfolge eines durchdachten Trainings, um sich frisch zu halten, und zwar u.a. mit 20 bis 30 Liegestützen, abwechselnd einarmig oder einbeinig, mit einer bewundernswerten Leichtigkeit.

Zunächst wurde man auf ihn aufmerksam, als er im Alter von 11 Jahren seine fußartistische, vollständige Orgelaufführung mit Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier hatte, um zwei Jahre später bereits in Europa aufzutreten. Er studierte fünf Jahre lang an der Juilliard School in New York (master degree) bei Gerre Hancock, John Weaver und Paul Jacobs. Sein Album Revolutionary erhielt 2009 den Grammy.

Wir dürfen ziemlich gespannt sein auf diesen Ausnahme-Orgelspieler, der sicherlich noch viele Experimente haben wird, um ständig seine eigenen Grenzen auszuloten.

Mit Cameron Carpenter hat sich einmal mehr offenbart, welch Potential in uns Menschen stecken kann, wenn wir sie nur mal lassen und ihnen den Raum und die Möglichkeiten  geben, sich zu verwirklichen. Man muß an dieser Stelle daher ausdrücklich seinen Vater für das entgegengebrachte Verständnis loben, weil somit die Musikwelt einen neuen Hörgenuß erhalten hat.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

Hören und schauen Sie mal hier rein:

Frédéric Chopin – Revolutionsetüde, Op.10

Bach Toccata and Fugue in D minor, BWV 565

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Warmer Winter, trockener Frühling 2020

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Fortsetzung der Wetterextreme vorprogrammiert

Aber für all diejenigen, die eine Klimakrise leugnen, verbleibt lediglich der ignorante Kommentar, dies sei alles vollkommen normal, Wetterextreme hätte es schon immer gegeben. Was muß noch alles geschehen, bis auch der Letzte begreift, daß der Klimawandel keiner Hysterie entspricht, sondern uns alle angeht, gar bedroht.

Mit Blick gen Australien sollte das überdeutlich sein. Doch warum in die Ferne schweifen, wo selbst hierzulande das Wetter sich drastisch ändert. Wetterkapriolen sind alles andere als normal, vielmehr ein Alarmsignal, was niemand mehr abtun darf. Schon wird nach äußerst mildem Dezember auch die Prognose für den Januar 2020 viel zu warm, mit rund 4,5° C Durchschnittstemperatur in Deutschland. Obendrein muß mit einer extrem düsteren Prognose für Frühling 2020 gerechnet werden. Überraschend oder etwa nachvollziehbar?

Vegetation und Landwirtschaft geraten in Mitleidenschaft

Das Waldsterben verschwand im Laufe der letzten Jahrzehnte aus dem Bewußtsein, obwohl ein latent vorhandener Bestand ständig erkrankte, nicht für jedermann sichtbar, oftmals von Forstwirten zu wenig angemahnt, aber als drohendes Szenarium stets präsent. Die letzten beiden Jahre haben einen wesentlichen Anteil daran, daß immer mehr Bäume, ganze Wälder erkranken und absterben.

Viel zu trocken, auch die Landwirtschaft klagt längst über erhebliche Verluste, der Grundwasserspiegel sinkt in mancher Gegend dramatisch. Wenn schon im Frühjahr, wo normalerweise länger Regen fällt, dieser ausbleibt, wie gestaltet sich dann der Sommer? Ein dritter, viel zu trockener als Fortsetzung in Aussicht? Obendrein noch höhere Temperaturen als bereits im letztjährigen?

Ignoranz und Verharmlosung kommen uns alle teuer zu stehen

Recht hat die Jugend mit FFF, von Greta Thunberg sei Dank ins Leben gerufen. Aber jetzt haben Taten zu folgen, wie die Bewegung eindringlich fordert. Das stoische Festhalten am Kohle-Projekt seitens Siemens zeigt auf, daß der Konzern eine Chance verpaßt. Man kann dem Siemens-Chef eine gewisse Nachvollziehbarkeit bescheinigen, nur rechtens ist sie allemal mitnichten. Weil eine deutliche Ignoranz gebotener Bedenken gegenüber, wer die desaströsen Buschbrände in Australien sich vor Augen führt.

Das alles zählt für Siemens nicht, der Konzern möchte sein Gesicht bewahren, der Profit steht im Fokus, mit dem mißglückten PR-Gag, Luise Neubauer zum Aufsichtsrat in der Konzerntochter Siemens Energy zu machen, unterstreicht Siemens seine Unfähigkeit, den Ernst der Lage im Ansatz zu begreifen. Im Endeffekt folgt der Konzern der Linie einer Politik, die weiterhin auf Wachstum und globale Ausbeutung setzt, egal ob das Klima in einer Krise steckt und Menschen betroffen sind.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Klima/Wetter

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Im Lichte

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Graublau
wie schön du bist
an diesem Wintermorgen
weißorange
wie leicht mein Kohlestift
über dich streicht
wässriges Lila
wie zart du bist
ein Blick genügt
und du zerbrichst
zerbrichst das Dunkel
das Ungefähre
mir zum Wagnis wird
wie bunt ich Licht färbe

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Instabile Zustände im Mittleren Osten genau so gewollt

Wer ist der Aggressor – Iran oder die USA?

Wobei der Nahe Osten untrennbar verbunden ist, obendrein im Norden Afrikas Libyen mit eine Rolle spielt in kalkulierten Kriegsszenarien. Es bedarf keinerlei Verschwörungstheorien, um anzuführen, daß die Rüstungsindustrie ein Indikator für instabile Verhältnisse wo auch immer in der Welt bedeutet, ganz besonders dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinanderstoßen wie in den just benannten Gebieten. Das weiß der goldene Westen genauso wie alle anderen Interessierten, die ein Stück vom großen Kuchen beanspruchen.

Als vor gut vierzig Jahren der Schah seinen Hut nehmen mußte, Ajatollah Chomeini per Islamischer Revolution obsiegte, die Islamische Republik Iran gründete, hatten die USA selbst ihren nicht unwesentlichen Anteil daran. Ein neues Feindbild ward geschaffen, ausgerechnet im ohnehin desolaten Nahen und Mittleren Osten, denken wir an die Israel-Konflikte, an Saudi-Arabien, zwei unübersehbare Mächte.

Diplomatisches Spitzengefühl wurde seitens Trump über Bord geworfen

Wir wissen doch alle, wie schwer sich der Iran tut, seine Haltung als Unrechtsstaat unterstreicht, dennoch war es eine diplomatische Glanzleistung, nach langen, zähen Verhandlungen endlich den Atom-Deal festzusurren, obwohl weiterhin bei den Iran-Sanktionen sowohl gute als auch schlechte Zeiten eine gewisse Dialektik offenbarten. Was wenigstens ein Barack Obama umsetzen konnte, hat sein Nachfolger zunichte gemacht mit der vorschnellen Aufkündigung des Atom-Deals.

Man darf mit Fug und Recht behaupten, daß Trumps Hardliner im Hintergrund ihriges dazutun, um die brisante Situation gezielt zu verschärfen. Insofern kommt der Militärschlag mit der Todesfolge des Kassem Soleimani keinesfalls zufällig, wenn auch überraschend, weil kaum jemand mit Trumps Entscheidungsfreude gerechnet hatte, wo er doch als Friedenspräsident glänzen wollte.

Proteste ein Willkommensgeschenk

Zumal sowieso absehbar, die Leidensgrenze im Iran ist längst überschritten, ein Volk ohne Rechte, kulturell abgeschnitten, dem Regime ausgeliefert, nimmt jedwede Spannung im Lande sofort auf, um sie zu kompensieren, da kann aus einem kleinen Protest ein Sturm der Entrüstung sich verselbständigen. Das wiederholt sich bereits. Dennoch bricht die Wut sich Bahn, manche bezeichnen die Regierung als „Lügner“. Wasser auf die Mühlen auch der USA? Mit Sicherheit. Trumps vorschnelle Twitterreaktionen verdeutlichen dies.

Tatsächlich ein Willkommensgeschenk, jene Proteste? Da sollte man eher vorsichtig sein mit derartigen Vermutungen. Der Iran gestaltet sich als zu groß, zu komplex, trotz allen Leids. Der Gottesstaat ist geschickt aufgestellt, die Ehrfurcht vor dem Ajatollah-Regime überwiegt trotz präsidialer Republik, dank eines Islam, der alles beherrscht! Obendrein sollte man die Einflüsse von außen nicht unterschätzen, mit im Boot sitzen die VR China und Russland. Zwei mächtige Verbündete.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Habe dauernde Welle

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Ab und an, wirklich nur manchmal, manchmal auch ein wenig öfter, aber im Grund nicht, ich bin nicht nachtragend. Warum sollte ich jemanden die dreckige Wäsche, die er hinterließ, aufbewahren oder auf meine Kosten hinterhersenden, weg damit, ab in den Müll. Und was habe ich schon alles entsorgt, Wäschesäcke voll. Natürlich habe ich sie nicht gewaschen, so weit kommt es noch, es war Abfall, nicht mehr zu gebrauchen, ausgefranst, zerfetzt, versetzt mit stinkender Scheiße. Sorry, oder doch nicht. Das sorry, mein ich. Über das Vernichten gibt es keinen Zweifel, nicht den kleinsten. Man verwahrt doch keine gebrauchte Windel auf!

Und ich werde zudem nie richtig wütend, diese Funktion ist ausgeschaltet, manchmal flackert zwar das kleine Lichtchen auf dem Schalter, trotzdem ist zu wenig Energie vorhanden, die es der Wut ermöglichen würde, sich in ihrer Pracht zu zeigen. Ich gebe es zu, nicht sehr vorteilhaft bei etlichen Situationen, aber was soll ich machen, ein Gewalttraining absolvieren, wie lerne ich wütend zu sein, die Sau rauslassen, auf den Putz hauen, selbst wenn es dieses Angebot gäbe, möglicherweise würde ich gnädigerweise des guten Willens halber eine Teilnahmebestätigung ausgehändigt bekommen, so daß ich nicht das Gefühl hätte, mein Geld komplett verschleudert zu haben. Die Urkunde mein Trostpflästerchen, du hast dich ja bemüht.

Im weitesten Sinne bin ich eine coole Socke. Ja, ehrlich. Zumindest meinen das Personen, die mich kennen, und auch solche, die von mir gehört, oder vielleicht ein Photo gesehen haben, weil sie denken, so eine ist so was von ständig abgekühlt, nicht explizit gemünzt auf meine Entsorgungsart der hinterlassenden Wäsche, auf die Idee, den Dreck einzufrieren, wer käme denn auf so was, auch nicht weil ich so gar nicht richtig in Rage zu bringen bin, sondern weil ich für mich etwas habe, das alles haben, in ein „ich hab“ bündelt.

Kein außergewöhnliches Ereignis hat stattgefunden, als ich im Herbst, es war kein Altsommerwetter, das allgemeinhin als Herbst assoziiert wird, Ende Oktober, die ersten Stürme fegten über das Land, der See aufgewühlt von zackigen Wellen, die sich über das moorige Ufer warfen und den kleinen Weg längst den Schilf überspülten, deren Rhythmus ich spielend auswich und nachfolgte. Da sie nicht bereit waren, mich als Sieger anzuerkennen, weil ich ihnen immer wieder entwischte, änderten wir den Takt, zuerst büßte ich meine nassen Schuhe und Socken ein, ausziehen, die Hose gleich mit, war eh schon naßgespritzt, die Jacke, Pulli und Mütze legte ich etwas später ab, da mir warm wurde vom ständigen Hüpfen. schließlich legte ich mich ans Ufer und überließ mich den Wellen, die nicht aufhören wollten zu spielen und mich abwechselnd überrollten und sich zurückzogen. Das war’s, nicht mehr, nicht weniger.

Meine Mittlere Reife abgeschlossen, Lehre beendet, Liebe begegnet, geheiratet, Kinder, alles weder hot noch cool und jeden Tag zum Wellenspiel, mit kleinen Ausnahmen, Urlaub und so. Was sich geändert hat, ich bin selten alleine, seit der Weg mit Holzplanken befestigt, seit dort ein kleines Häuschen steht zum Umziehen und außen eine Leiste angebracht wurde, um daran Kleider aufhängen, seit das Gequatsche im Dorf ein Zeitungsartikel wert war, Frau Baumann nimmt jeden Tag ein Bad im See, seit ein Professor Doktor in einer Illustrierten die medizinischen Vorteile des ganzjährigen Badens in Freiluft als wertvoll für die Gesundheit gepriesen, seit von einem Hobby-Philosophen, das Wasserbad als Reinigung für sämtliche Streßfaktoren empfohlen wurde, seit auf der Dorfhomepage die großartige Möglichkeit, mit Wegbeschreibung, Übernachtungsmöglichkeiten, mehreren Photos des einstmals verwunschen Plätzchens mit wechselnden Jahreszeiten und nicht zu vergessen ein Video mit lachenden „die Glücklichen“ eine extra Seite erstellt wurde, seither tummle ich mich mit einer etwas unterkühlten Miene zwischen Gleichgesinnten, die mich für eine obercoole Socke halten.

Wie gesagt, ich bin nicht nachtragend, noch leicht in Wut zu versetzen, die Häme, die mir als junger Mensch entgegengebracht wurde, vergessen, das mehrmalige Klauen meiner Kleidung, Mumpitz, man kann auch mit Klamotten ins Wasser, der Vorwurf der Verschrobenheit, Angeberei, der Vernachlässigung durch meine Eltern, bin ich halt vor der Schule ins Wasser gestiegen, das Gerede, ich würde meine ungeborenen Kinder gefährden, lachhaft, denn ich habe Welle. Laß mich treiben vom Wind, mach doch mein eigenes Ding, Energie treibt vor und zurück, entwickle eigene Kraft, ein Haben, ein Geben und Nehmen, das ist das, was ich, ich hab.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Kein Rassismus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Der Club der singenden Metzger – eine Rezeption

Vom Schwabeländle sowie von Hamburg ins unbekannte große Amerika, zwei junge Menschen verschlägt es als Auswanderer in die USA zu Beginn der 1920er Jahre. Zum einen den von den Schützengräben des Ersten Weltkrieges entronnenen Soldaten und Metzgermeister Fidelis Waldvogel und zum anderen die Zirkusartistin Delphine mit ihrem alkoholkranken Vater, dem Zirkusclown Robert.

Der weitere Verlauf des knapp dreistündigen Fernsehfilms, dessen Drehbuch auf dem Roman The Master Butchers Singing Club von Louise Erdrich basiert, spielt sich im kleinen Ort Argus, in North Dakota ab. Auf dem Sterbebett verspricht Fidelis seinem Freund im Schützengraben, sich um dessen schwangere Verlobte Eva zu kümmern. Ihr sagt er vor der Überfahrt nach Amerika, sie rasch nachzuholen, wobei er zunächst beim polnischen Metzger Kozka Arbeit findet, allerdings Fidelis geräucherte Würste nach einem geheimen Familienrezept ihm dauerhaft die Möglichkeit geben, sich von diesem zu trennen, um selber eine Metzgerei zu gründen. Daraufhin reisen Eva, ihr längst geborener Sohn und seine Tante Lore zu ihm.

Delphine hingegen hat zunächst keine Chance, im Zirkus zu landen, lernt aber den Lakota-Akrobaten Cyprian kennen, der sich bald als homosexuell herausstellt, und sie als dessen kleine Schwester betrachtet. Dennoch leben Vater Robert und Eva in dessen Haus, Cyprian und Delphine begeben sich auf Zirkus-Tournee, während Robert das Haus hütet. Dort entdeckt er ein Whiskey-Depot im Keller, welches Cyprian angelegt hatte und trinkt dieses zügig leer, per Saufgelage mit Gleichgesinnten. Dabei schließt er im Suff aus Versehen eine Frau und einen Mann im Kellerverschlag ein, halluziniert im Rausch und verwechselt deren Hilferufe als Dämonen, flieht aus dem Haus. Bei der Rückkehr der beiden Artisten entdecken diese die längst verwesten Leichen. Nur mit Mühe und somit ihren gesamten Einnahmen können sie den verhafteten Robert freikaufen.

Eva erkrankt schwer, nur Morphium kann sie eine kurze Zeit am Leben noch halten, so daß sie schließlich im jungen Alter von 24 Jahren verstirbt. Fidelis steht ohne Frau und mit inzwischen zwei Söhnen vor einem Scherbenhaufen, dessen unversöhnliche, extrem gläubige Tante Lore mißtraute bereits schon während des Siechtums der Ärzteschaft, der längst bei ihm angestellten Delphine, die sich rührend um die schwerkranke Eva gekümmert hatte, erst recht. Es kommt zum Bruch, wobei Fidelis seine Tante kurzerhand zurück ins Schwabeländle schickt.

Den weiteren Verlauf des gekonnt in Szene gesetzten Fernsehfilm belassen wir mal lieber den interessierten Zuschauern. Am 06. Juli hatte er Premiere auf dem Filmfest München, am 27. Dezember konnte man ihn in der ARD verfolgen. Was zeichnet diesen Film besonders aus?

Die Ausstattung geizt nicht nicht mit detailgetreuer Bemühung damaliger Umstände und Widrigkeiten. Regisseur Uli Edel setzt Doris Dörries und Ruth Stadlers Drehbuch gekonnt um, wobei Aylin Tezel als Delphine und Jonas Ney in der Rolle des Metzgermeisters Fidelis ganz besonders brillieren, ihre Hauptrollen glaubwürdig rüberkommen. Die Idee des „Clubs der singenden Metzger“ gibt dem Fernsehfilm eine besondere Note, erinnert ein Stückweit an die Comedian Harmonists, die ja bekanntlich nur ein paar Jahre später reell in Deutschland wirkten.

Obwohl Delphines Vater sich mit der Mutter von Cyprian einläßt, scheint die Gemeinde keinerlei rassistische Ambitionen an den Tag zu legen hoch oben im Norden der USA, in der Nähe zu Kanada. Auch nehmen die Bürger den Tod des Sheriffs gelassen hin, immerhin hatte dieser versucht, die Bestatterin zu vergewaltigen, die sich allerdings mit dessen Colt zu wehren weiß und ihn kurzerhand erschießt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Film

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Angehimmelt

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Angehimmelt zu werden,
wer liebt es nicht,
im Gleißen der Sonne,
der tiefe Blick
hinunter zum Grund,
bedeckt mit Steinen
und Muschelschalen,
gläsernes Rauschen
nur für mich,
über die Tiefe
zarte Wellen fließen,
schunkeln Gräser,
wippen Moos,
kleine Fische
sich darin wiegen,
tanzende Mimik
im Spiegel des Sees,
mein Bildnis umrahmt
vom blauen Baldachin,
mit Schwaden durchwirkt,
die ins Weite ziehen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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