CDU im freien Fall nach Thüringenwahl

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Politikverdrossenheit nützt in erster Linie der Neuen Rechten

Das kalte Grausen sollte man sich schon sehr lange eingestehen, wer tatsächlich mal äußerst kritisch gen Berlin schaut, was dort alles für Verfehlungen den politischen Alltag beuteln. Die GroKo war von Beginn an eben nicht auf verläßlichen Pfeilern gebaut, ganz im Gegenteil, die desaströse Statik etlicher Eventualitäten eines verunsicherten Koalitionspartners, der ohnehin um sein politisches Überleben kämpfen muß, bedeutet nicht gerade ein Fundament, auf das man sich bis zum Ende der Legislaturperiode verlassen sollte.

Einsturzgefahren soweit das geschulte Auge reicht, selbst wenn aus dem Hinterhalt der BlackRock-Mann Friedrich Merz lauert, der die Bundeskanzlerin neben anderen CDU-Politikern scharf angreift, ihr „Untätigkeit“ und „verheerende Fehler“ vorwirft. Das alles war schon lang vorhersehbar, insofern pünktlich nach der Thüringenwahl eintritt.

Kritik am System Merkel bis hin zur Gretchenfrage, ob stützen oder stürzen

In rechtspopulistischen Kreisen erschallt es ohnhin täglich, Merkel müsse weg, selbst wenn jene Krakeeler eher aus dem Bauch heraus tönen, ohne handfeste Argumente vortragen zu können, Hauptsache die Wut rauslassen. Thomas Schmoll blickt für ntv gleichwohl kritisch gen Bundeskanzlerin, das System Merkel kollabiere. Aha, AKK könne es nicht, Merkel sei wie Kohl. Die CDU-Chefin ist in der Tat eine „verkorkste Christin“, die ihren Job nicht kann, außer Frage. Nur der Vergleich mit dem Dicken hinkt gewaltig, aber lassen wir das mal besser.

Dagegen wittert Robert Roßmann in der Süddeutschen eine Chance für Friedrich Merz, dieser solle sich zwischen stützen oder stürzen entscheiden. Hinsichtlich des Werdegangs vom BlackRock-Mann greift eher die Wahrscheinlichkeit des Stürzens, das Stützen mag eine zeitlang als Alibi vorgeschoben werden. Am Ende ein Merz wie Phönix aus der Asche steigt? Wäre ihm ohne weiteres zuzutrauen.

Die neuen Nazis profitieren von den Fehlern einer abgewirtschafteten Mitte

Wobei ihnen zugute kommt, daß generell besonders in Europa ein sichtbarer Hang für die Verlockungen der Neuen Rechten die politische Landschaft durcheinanderwirbelt, selbst wenn in Portugal, Frankreich und zuletzt in Italien die Bevölkerung noch den Versuchungen widersteht.

In Deutschlands Osten darf eine AfD nach drei Landtagswahlen als zweitgrößte Partei im Plenum glänzen, ob man deren Haßbotschaften nun ab kann oder nicht, sie dürfen freiweg plärren, selbst im Deutschen Bundestag hält sich die blaue Partei bekanntlich nicht zurück.

Die alten Parteien wären sehr gut beraten, wesentlich geschlossenr den neuen Albtraum einer rechtsradikalen Zunahme zu verhindern, bevor das Kind gänzlich in den Brunnen gefallen und somit zu spät ist. Oder wollen die Bürger des ehemaligen Nazi-Deutschlands eine historische Wiederholung?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Bajazzo

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Er ließ sich fallen
im Staub und Dreck,
linkisch, absichtlich
machte er sich für
unser Amüsement
zum Depp.

Der Verlierer, Loser,
Hampelmann,
Witzfigur,
der nichts richtig kann,
außer den Spiegel
uns entgegenhalten.

Und wir johlten,
applaudierten,
so lassen wir uns es bieten,
verarscht zu werden.
Ein Narr, der glaubt, Idiotie
mittels Possen zu vermiesen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Zerfall der Gesellschaft nicht wegzudenken

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Wer treibt ihn an oder stoppt den Wahnsinn?

Zunächst befindet ein jeder sich in seiner ganz eigenen Welt, die ohnehin schon schwierig genug es zu meistern gilt, alldieweil mit zunehmendem Sozialabbau, einer deutlich sichtbareren Hackordnung bei der Arbeit und einer scheinbar kürzeren Freizeit sowie mehr Beziehungskonflikten kaum Erleichterung geboten wird.

Vieles läuft auf einen Zerfall der Gesellschaft hinaus, wobei die entscheidenden Fragen sich stellen: Wer treibt ihn an, und wer stoppt den Wahnsinn? Dürfen wir überhaupt eine kritische Hinterfragung gesellschaftlicher Zusammenhänge in Erwägung ziehen angesichts weltweiter Probleme, die allesamt logischerweise zugenommen haben, weil kaum noch Zeit verbleibt, Lösungen im Ansatz zu ersinnen, geschweige denn sie umsetzen zu können?

Gestrige Zeiten eindringliches Mahnmal ohne wirkliche Hilfe

Der Vergleich zu früher hinkt gewaltig, einfach mal diesen heranzuziehen, um die Gegenwart anschaulich zu erklären. Wer solches mühsamst akribisch, obendrein mit historischen Daten und Fakten als Argumentationsbasis aufführt, übersieht ein wichtiges Detail, den jeweiligen Zeitgeist. Je länger die Vergangenheit zurückliegt, desto weniger Informationen vorhanden, das Bild über die damalige Realität unscharf wird, gar wichtige Lücken entstehen, man von fehlenden Puzzle-Teilen sprechen könnte.

Gleichzeitig gab es in allen Zeiten stets mehrere „Wahrheiten“, das bedeutet, niemand kann ernsthaft behaupten, alles belegbar zu wissen, letztlich entstand eine allgemeine Einigung über den äußerst umfangreichen, historischen Ablauf der Menschheitsgeschichte, wobei dennoch kleine offizielle Abweichungen in gewissen Detailfragen existieren.

Doch darf schon nachgefragt werden, ob die vielen eindringlichen Mahnmale gestriger Zeiten eine nennenswerte Hilfe darstellen. Denken wir nur an die zwei dramatischsten Ereignisse des letzten Jahrhunderts, die beiden Weltkriege. Haben diese tatsächlich die Menschheit dazu bewegen können, friedlicher miteinander umzugehen? In Europa mag das schon gelungen sein, wenn wir den Jugoslawienkrieg als Ausnahme hinnehmen. Aber global betrachtet, herrschten noch nie so viele kriegerische Auseinandersetzungen wie im Jahre 2011. Somit muß der Herzschlag, das Seelenwesen einer Gesellschaft wesentlich genauer betrachtet werden, um ihren fortschreitenden Zerfall erahnen zu können.

Die Macht des Kapitals Motor jeder Gesellschaft

Haben all jene am Ende doch Recht, daß die ungezügelte Macht des Kapitals der Motor jeder Gesellschaft zu sein scheint, ohne den sie in sich zusammenfallen wird, wenn es nach den Vorstellungen ihres Wesens geht? Selbstverständlich reagierten bestimmte Familien und ihre unermesslichen Kapitalflüsse im Hintergrund ziemlich empfindlich mit dem Aufkommen der Ideen von Marx und Engels, sahen sie doch ihren langen Kurs des ständig wachsenden Reichtums plötzlich gefährdet.

Allerdings diente dieser selbst hervorragend, um jedweden Widerstand langfristig in Zaum zu halten, wie man unmißverständlich weltweit stets beobachten darf, jedes System, welches sich dem Großkapitalismus in den Weg stellt, letztendlich kapitulierte.

Gleichzeitig entsteht eine tiefe Sehnsucht bei den betroffenen Menschen mit der einsetzenden Erkenntnis, daß es einen Grund geben muß für all das Leid auf Erden, die Massenarmut, die Manipulation und Abhängigkeit als Preis der Zivilisation. Einige wenige Familien bestimmen den Kurs der Kapitalflüsse, der wiederum über das Schicksal von Krieg und Frieden, Armut und Wohlstand entscheidet? Was gern als lächerliche Verschwörungstheorie abgetan, am Ende doch eiskalt berechnende Wirklichkeit, in der somit der Zerfall der Gesellschaft billigend in Kauf genommen wird, damit eigenes Dasein ungestört sich entfalten darf?

Revolutionäre Absichten eine Sackgasse – Widerstand ein Muß

Manchmal entlädt sich eine wachsende Wut, macht sich Luft in gewaltvollen Exzessen, was man ihr auch nicht verdenken mag. Selbst wenn bestimmte Herrschaften exakt mit dieser möglich revoltierenden Entladung rechnen, sie sogar einkalkulieren, viele Indizien sprechen dafür, denken wir an Eurogendfor, an die Zunahme sämtlicher Sicherheitssysteme, an Schutzzonen für Wohlbetuchte, wird dennoch ab einem bestimmten Punkt das Wesen des eigentlichen Mißmutes durch keine Armee der Welt zu stoppen sein. Klar doch, noch werden mit billigen Mitteln wie dem Fernsehen, dem Internet und einer gigantischen Unterhaltungsindustrie Scheinwelten installiert, um die Menschen abzulenken, aber diese Rechnung geht nicht dauerhaft auf.

Widerstand lautet die Devise, und zwar ein stetig wachsender, der aus dem Bewußtsein heraus entstehen muß, damit keine Macht ihn zu brechen vermag. Einmal verinnerlicht, besteht die große Chance, daß die Menschheit an einem Scheideweg sich befindet, den bisherigen Kurs der simplen Unterdrückung durch die Macht des Großkapitals ächtet und stattdessen einen sich ständig selbstkritisch beobachtenden Humanismus nur noch duldet, der im behutsamen Miteinander mit allen Geschöpfen der Erde zusammenlebt.

Durchschauen wir all die bösartigen Zusammenhänge, entwirren sie ähnlich wie den lästigen Knoten eines Bandes, welches uns eigentlich verbinden sollte, und leben endlich genauso, wie uns von Beginn an unsere Bestimmung gegeben wurde, in einem friedlichen Miteinander.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Mir ist so über

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Mir ist so über,
und überhaupt,
nicht gut gelaunt,
bin es überdrüssig,
hören zu müssen,
niemand soll überhören,
fast ein Viertel Wähler
zu Nazis dazugehören,
die nicht überlegen,
was Faschismus bedeutet,
Seelenausbeuter,
mit denen reden,
zuhören,
sogar übernehmen
deren Wortschatz,
überheblich,
arrogant,
mafiös,
ein Vorwand,
allerhand,
denen Sprache überlassen,
überwiegend,
um nicht irgendwann
allein dazustehen.
Mir ist so über,
ich hielt euch
für klüger,
sich zu stellen
gegen antidemokratische
Ideologie,
geschieht aus Überzeugung,
niemals eine Verbeugung
vor machtgeiler Idiotie.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Leise wächst erneut Faschismus

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In Talkrunden sitzen,
um gesprächig zu schwitzen,
Politik schönreden,
egal was für Fehden,
Hauptsache der Geldhahn tropft,
selbst wenn’s Gehirn verstopft.

Trautes Zusammensein,
niemand wirklich allein,
wenn Haß mal wieder gewinnt,
das Blut in den Adern gerinnt,
Rechtsextremen eine Stimme geben,
soweit ist’s bereits hier eben.

Ablenkung funktioniert ganz gut,
kaum jemmand wirklich auf der Hut,
obwohl die Demokratie in Gefahr,
begrüßt man jene blaune Schar,
der man stetig Vertrauen schenkt,
weil sie viele längst abgelenkt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Nahezu ein Viertel wählen in Thüringen Nazis

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Ein Armutszeugnis sondergleichen

Prognosen haben etwas bestechend nüchterndes, wo doch in den letzten Wochen vor der Thüringer Landtagswahl oftmals auf jene AfD hingewiesen wurde, der trotz ihres fragwürdigen Hauptkandidaten Björn Höcke wohl erheblicher Stimmenzugewinn bescheinigt worden war. Darüber hinaus war zumindest von einer CDU die Rede, der man in etwa genauso viele Wählerstimmen zutraute.

Doch der große Wahlverlierer ist eben jene CDU in Thüringen, während die rechtspopulistische blaue Partei ihr Ergebnis von 2014 sogar mehr als verdoppeln kann. Das gelingt im übrigen fast den Liberalen, die damit im Plenum wieder teilnehmen dürfen. Die Linke legt zu, während die Grünen gleichwohl Stimmen verlieren, die Sozialdemokraten als zweitgrößte Verliererpartei sich mit Platz vier begnügen muß.

Die Zahlen im Einzelnen

Ministerpräsident Bodo Ramelows erstes Statement am Wahlabend, die Demokratie habe in Thüringen gewonnen, mag sicherlich zutreffen, obwohl eine AfD sich als zweitstärkste Partei siegessicher mit 23,4% glücklich schätzen darf. Die Linke erreichte immerhin mit 31% ein Plus von 2,8% im Vergleich zur letzten Landtagswahl vor fünf Jahren.

Mit Blick zur CDU ist diese als nunmehr drittstärkste Partei zurückgefallen, sie hat die meisten Stimmenverluste mit einem Minus von 11,7%, so daß sie nur noch 21,8% der Wählerstimmen erhielt. Bei der SPD schaut es ebenso mies aus, gerade mal 8,2% , ein Verlust von 4,2%.

Die Grünen konnten keinen Stimmenzuwachs erreichen, verloren gar 0,5%, während die FDP als drittgrößter Wahlgewinner hervorging, mit einem Plus von 2,5% ihr Wahlergebnis aus 2014 exakt verdoppelte, im Parlament wieder dabei sein darf.

Keine regierungsfähige Mehrheit in Thüringen

Dennoch darf Ramelow weiter im Amt regieren, wie die beschlossene Thüringer Verfassung dies vorsieht, er und auf dessen Ersuchen seien die Minister gar verpflichtet, die Geschäfte bis zum Amtsantritt ihrer Nachfolger oder einer Neuwahl fortzuführen, wobei dabei keine Frist explizit genannt wird.

Es dürfte daher im Lande noch manch Ungereimtes geschehen, unabhängig davon, daß jene rechtsradikale Partei dermaßen an Beachtung seitens der Wählerschaft erhalten hat, ein Björn Höcke trotz etlicher Verfehlungen mit Vorschußlorbeeren bestückt agieren darf, wenn auch als größte Oppositionspartei im Landtag. Schlimm genug!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Letztes Grau schlummern

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Sahniges Grau,
aus der Küche Stimmen,
leise flüsternd beginnt der Tag,
Brötchen mit eingeritzten Kreisen,
Backofenlade knarrt,
knisternde Tüte für Papa,
noch Zeit, viel Zeit
zum Wälzen im warmen Bett,
strecken, gähnen, rollen,
Bettvorleger, so weich,
sich drehend unters Bett trollen,
Kälte spürt man da,
sich winden, leicht schwitzen,
Bettvorleger stellt Insel dar,
erklimmen das verlassene Nest,
Decke hielt Nachtinnigkeit fest,
einmummeln,
das letzte Grau schlummern,
Haare werden aus Stirn gestrichen,
Mutter Küßchen wird draufdrücken.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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