Internationaler Sportgerichtshof Cas zwingt Frauen zu Hormonpräparaten

Der Fall Caster Semenya läßt tief blicken

Zunächst mal vorneweg muß man generell feststellen, daß die Sportwelt mit äußerst fragwürdigen Praktiken agiert, Doping und die damit angeblich verbundenen Vorteile, – gesundheitliche Nachteile werden einfach „ausgeblendet“ -, ist lange schon an der Tagesordnung trotz strengem Prozedere, dies zu kontrollieren.

Aber die nunmehr erfolgte Cas-Entscheidung gegen die südafrikanische Läuferin Caster Semenya muß man als „völlig vermessen“ werten, wie Daniel Reacke im Spiegel-Artikel betitelt. Erneut steht die Stellung des Internationalen Sportgerichtshofs in der Kritik, möge ein regelrechter Shitstorm aufkommen, um der IAAF (Leichtathletik-Weltverband) Einhalt zu gebieten, die schließlich diese Verurteilung gegen Caster Semenya initiiert hatte.

Diskriminierende Praxis tatsächlich gerechtfertigt und gar verhältnismäßig?

Was mag wohl in den Köpfen der Gerichtsbarkeit vorgehen, die nonchalant nicht nur über Caster Semenya derart unqualifiziert entscheidet, sondern darüber hinaus billigend in Kauf nimmt, daß auch andere Betroffene Hormonpräparate einnehmen müssen, um der festgelegten Norm zu entsprechen?

Von den gesundheitlichen Risiken mal ganz abgesehen, daß bis heute nicht sämtliche Einflüsse des Hormonhaushalts im menschlichen Körper bekannt sind, inwieweit sie schädlich sein mögen, Wechselwirkungen hervorrufen können bis hin zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen bei gezielter Manipulation mittels den besagten Präparaten. Zu viele Fragezeichen, somit jede Menge Unsicherheit. Das alles läßt man tatsächlich zu?

IAAF glänzt durch Korruption und Doping-Verharmlosung

Dennoch hat sie dermaßen hohe Machtbefugnisse, über das Leben von Sportlerinnen zu entscheiden wie im Fall Caster Semanya, darüber hinaus auch über etliche andere, um das mal an dieser Stelle zu betonen.

Unabhängig davon, daß generell beim Hochleistungssport Sieger und Opfer auf dem Fuß folgen, scheinen sowohl die IAAF als auch der Cas das seelische und körperliche Leid der betroffenen Sportlerinnen zu ignorieren, Hauptsache man zwingt seine Sichtweise anderen auf. Ein Skandal sondergleichen. Es verbleibt die Hoffnung, daß nicht nur Caster Semanya sich rechtlich wehrt, sondern obendrein noch etliche aufbegehren, um solchen Funktionären die Stirn zu bieten. Das Ganze grenzt an Körperverletzung, an das Recht körperlicher Unversehrtheit, an Ansichten, die an mittelalterliche Zeiten erinnern, wo Frau kaum bis gar nichts zu sagen hatte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Sport

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Verräterisches Blenden

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Ein gülden Armband
am Handgelenk,
glänzend
in der Sonne.

Funkelnde Strahlen
Tränen auslösen,
blenden
leuchtende Augen.

Blitz und Regen
Ängste gebären,
verdunkeln
Himmel und Vertrauen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Urbaner Gartenbau sowie Schulgärten

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Eine sinnvolle Ergänzung zur Landwirtschaft

Manchmal kann man schon zusammenzucken, wenn uns Kinder begegnen, die nicht wissen, wie Erbsen wachsen, keinen Mangold oder Quitten kennen, noch nie Beeren geerntet haben. In einer Zeit des Fastfoods, einer deutlichen Zunahme der Fettleibigkeit, wo gleichzeitig beide Elternteile arbeiten müssen, um zu überleben, verbleibt weder Raum noch entsprechende Möglichkeiten, den Heranwachsenden unsere Natur näherzubringen.

Um so wichtiger, dem Survival (Überleben) eine höhere Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Die Notwendigkeit des Urbanen Gartenbaus sowie des Schulgartens erfährt einen wesentlich höheren Stellenwert, nicht nur weil die Preise ohnehin zu schnell steigen.

Was Platon schon anlegte, setzte Julius Hecker in Berlin fort

Während bereits bei den alten Griechen Platon mit seinen Schülern extra Gärten anlegte, die der Inspiration dienen sollten, in mittelalterlichen Klostergärten Mönchen das Wissen um der Pflanzenkunde vermittelt wurde, Hildegard von Bingen gar in ihrem Werk Physica (Naturheilkunde) mehr als ein halbes Tausend Pflanzen akribisch beschrieb, entstand um 1750 im preußischen Berlin der erste Schulgarten.

Der Theologe und Pädagoge Johann Julius Hecker ließ diesen errichten, nachdem er bereits zuvor von seinem Lehrer August Hermann Francke erste Erfahrungen mit dem angelegten Schulgarten auf einem Gelände der zuvor ins Leben gerufenen Franckeschen-Stiftungen in Halle sammeln konnte.

Inbesondere in der alten DDR besann man sich des Schulgartens, war dort dessen Unterricht fester Bestandteil der ersten vier Grundschuljahre. Müssen wir davon ausgehen, daß jenes Schulfach Schulgarten verschwindet? Nicht ganz, in Thüringen gibt es noch dieses Schulfach. Die vor 17 Jahren gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten, kurz BAGs, setzt alles daran, um dieses förderliche Schulfach am Leben zu erhalten, entwickelt sowohl pädagogische Konzepte als auch Fortbildungsmöglichkeiten, so entand z.B. das Gartentheater mit Tier- und Pflanzenfiguren. Noch sind es nicht viele Schulgärten, aber ein wachsendes Interesse darf man erfreulicherweise dennoch beobachten.

Urbaner Gartenbau erhält neuen Stellenwert

Der Mensch hat schon immer ein Bedürfnis gehabt, sich mittels Bepflanzung selbst zu versorgen, ob im Kleinen wie im Großen, zumindest seit dem er über genügend Kenntnisse verfügt. Das gilt daher genauso für den städtischen Bereich. Was zunächst sich am Rande von Klein- oder Großstädten an landwirtschaftlicher Nutzung abspielte, denken wir dabei an Schrebergärten, erhält inzwischen viel mehr Bedeutung in den Städten selbst, wie man in Andernach längst beobachten kann.

Nicht nur, weil früher in Kriegszeiten die Bevölkerung aufgefordert wurde, überall wo möglich Nutzgärten anzulegen, selbst nach Naturkastrophen wie dem Hurrikan Katrina 2005, wo innerhalb von drei Tagen Engpäße der Versorgung mit Lebensmitteln eintraten, sondern erst recht als wichtiger Bestandteil werden urbane Gärten in naher Zukunft das Überleben in Ballungsgebieten garantieren. Man könnte jetzt spitz formuliert und angedacht einer sozialrassistischen Politik nahelegen, dies viel mehr zu fördern, damit eine verarmende Bevölkerung sich wenigstens selbst versorgen mag. Jedoch scheitern solche Überlegungen sofortigst, wenn man sich die Miet- und Pachtflächenverträge betrachtet, die in Städten zunehmend teurer werden. Hier hat die Politik gefälligst ihre Hausaufgaben zu machen und dafür Sorge zu tragen, daß erst kein soziales Gefälle entstehen kann!

Bewahren wir unser letztes Stück Natur

Und zwar bevor es zu spät ist. Schlimm genug, daß Mensch sich dem Profitdiktat zu Lasten eigener Gesundheit beugt. Ein gesundmachender Ausgleich: Schulgärten und urbaner Gartenbau. Mögen solche praxisnahen Ideen wieder viel mehr Zulauf erhalten, dienen sie nicht nur einer besseren Ernährung, sondern gleichzeitig einer mindestens genauso wichtigen Kommunikation untereinander.

„Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht. Würde der Städter kennen, was er frißt, er würde umgehend Bauer werden.“ (Oliver Hassencamp)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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So schön

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So schön ist sie,
sie fallen vor ihr
auf die Knie,
himmeln sie an,
Göttin gleich,
Baum ohne Stamm.

So schön ist sie,
ihr Antlitz
reinste Poesie,
sie dichten
ihr Sein,
ihre Seele wird Stein.

So schön ist sie,
geprägt
durch Phantasie,
ewiges Gedenken,
Ruhelosigkeit
hatten sie zu verschenken.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Die rosarote Welt der Julia Klöckner äußerst fragwürdig

Tierschutzgerechte Haltung im Zirkus ihrer Meinung nach möglich

Während die Agrarminister der Länder darauf pochen, ein Verbot von Wildtieren wie Bären, Elefanten, Flußpferde, Giraffen und Nashörner im Zirkus endlich zu beschließen, hält die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dagegen, sie würde seit einem knappen Jahr in Kontakt mit Zirkusbetrieben stehen, um ein gemeinsames Konzept zur Tierhaltung und Tiertransporten zu vereinbaren.

Erneut setzt diese Ministerin auf Freiwilligkeit, obwohl schon länger bekannt, daß Sensationslust wider der Tierrechte verstoße, der Deutsche Tierschutzbund seit Jahren darauf hinweist. In welch rosaroter Welt lebt jene Politikerin eigentlich? Die Liste ihrer verantwortlichen Verfehlungen in bestimmten politischen Entscheidungen wird zusehends länger.

Deutschlandweit in über 300 Zirkussen Wildtiere in Aktion

Um auch mal Zuschauer mit in die Verantwortung einzubeziehen, sie selbst tragen dazu bei, daß Wildtiere dermaßen leiden müssen. Wenige Momente befriedigte Sensationslust stehen lebenslange Gefangenschaft jener Wildtiere gegenüber, da werden noch so geschönte Konzepte mit den Zirkusbetreibern nichts ändern.

Anstatt Einsicht walten zu lassen, es gibt schließlich durchaus Zirkusse, die sich längst von jener grausamen Show im Sinne des Tierschutzes verabschiedet haben, hält auch Frau Klöckner daran fest. Kindern wird suggeriert, es sei vollkommen normal, Wildtiere zu züchtigen, sie somit zu zwingen, sie obendrein zu demütigen. Das blendet ebenso die Bundeslandwirtschaftministerin aus!

Hofierung der Lebensmittelindustrie und Chemiekonzerne

Das versteht die gebürtige rheinlandpfälzische Politikerin und Bundeslandwirtschaftsministerin als dringend geboten, anstatt sich kritisch mit etlichen Verfehlungen zu Lasten der Umwelt und Verbrauchern auseinanderzusetzen. Ob die Gefährdung der Schäfer hierzulande, das Setzen auf Freiwilligkeit bei der Haltungskennzeichnung von Fleisch oder keine gesetzliche Maßnahmen für die Lebensmittelindustrie zu beschließen, die Ministerin glänzt durch Untätigkeit und Hofierung Lobbyisten gegenüber.

Auch eine Lebensmittelampel lehnt sie strikt ab. Was folgt nach Kabinett Merkel IV? Mit einer AKK an der Spitze dürfen wir uns mit noch mehr Ignoranz einstellen, alles als „christlich“ abgesegnet, nicht etwa zum Wohl von Natur und Umwelt, sondern viel eher, um erklimmte Pöstchen für eigene Machtbelange zu festigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Objekte der Vertiefung

Vertieft. Immer ist er vertieft in sein Buch, seine Bücher, ich weiß nicht, welches Genre er bevorzugt, er klappt die Bücher immer so schnell zusammen, keine Chance einen Blick auf den Umschlag zu werfen, meinetwegen liest er Trivialliteratur, sie liebt ihn, er ist bereits vergeben, werden sich durch Bekannte vorgestellt, heiße Liebe entflammt, tausende Verwicklungen, bis sie endlich in ihrer innigen Liebe aufgehen können, er der smarte Geschäftsmann, sie die flippige Masseurin, Hochzeitsglocken, romantische Kutschfahrt, Ende, er wird zum unzufriedenen Moppel und sie zur hysterischen Mutterhenne, so what.

Wenn er ihm gefällt, möglicherweise steckt er seine Nase in Fachbücher, nein, kurzsichtig ist er nicht, niemals beugt er den Kopf zum Buch, aufrecht sitzt er da, die Hände geformt zu einem Notenständer taucht er ab in die Tiefen von Worteskapaden oder verbringt die Fahrt in dunklen Schächten des Wissens. Durch nichts läßt er sich stören, in aller Seelenruhe klappt er die Seiten auseinander, ohne ein Lesezeichen zu benützen, steckt das Buch in seinen Rucksack, zeitlich so homogen abgestimmt mit dem Einfahren der U-Bahn in seiner Endhaltestelle.

Unverhohlen kann ich ihn beobachten, er registriert sowieso nur die gedruckten Schriftzeichen auf weißem Grund, hüsteln oder lachen der Mitreisenden, keine Miene verzieht er, kein Blinzeln ist zu erkennen, außer seine Lider gehorchen dem automatisierten Wässern der Augen. Ich bin nicht unattraktiv, groß gewachsen, schlank, leicht rötliche Haare, wenn Licht auf sie fällt, trotz meines Bürojobs leger gekleidet, nicht mit Kostüm und so, und ich muß gestehen, ich bin es gewöhnt, Blicke auf mich zu ziehen. Nicht von ihm. Sicher habe ich mir Gedanken gemacht, ob es daran liegen könnte, keines Blickes von ihm würdig zu sein, dies der Grund wäre, warum ich nicht, nicht eine Fahrt lang die Augen von ihm lassen kann. Ich hasse es, angestiert zu werden und selbst zu stieren, das Aufsaugen des letzten Tropfens und damit nicht genug, die Stelle weiterhin fixieren, auf dem der Tropfen sein Ende gefunden hat, das erinnert an Festhalten von Unabdingbarem, Vergänglichem, aus nackten Tatsachen ein Staubkörnchen ergattern, auf dem dann das Objekt in voller Pracht neu erblüht. Mir blühte, seit ich ihn wahrnahm, vor etwa sechs Wochen, nach meinem Urlaub, die gesamten eingeritzten Vorstellungsrillen in den Gehirnwindungen, die schwindeligen Schleifenkurven der feuchten Wasserrutsche im Bauch, ein nach moosiggrün sandiger Seife schmeckender Identitätskollaps.

Wer ist dieser Mann, wo wohnt er, verheiratet, ledig, Kinder, geschieden, noch bei den Eltern lebend, in einem Vorstadthaus mit Putzhilfe und Gärtner, einer WG, womöglich schwul, introvertiert, lernt auf dem zweiten Bildungsweg Ingenieurwesen, ewiger Student, gibt vor, intellektuell zu sein, in Wirklichkeit liest er gar nicht, wechselt nur öfters die Bücher, um den Anschein zu erwecken, er würde die Texte verschlingen, um sein Allgemeinwissen ständig zu verbessern, ich bin auf dem Weg dies herauszufinden.

Da er bereits gedanklich weit abgeschweift vom Treiben um ihn herum auf einem Platz, meistens in Fensternähe, sitzt, ging ich davon aus, er muß mindestens zwei Stationen früher einsteigen, bevor die U-Bahn an meiner Station hält. Also stehe ich morgens früher auf, fahre zwei Stationen in die entgegengesetzte Richtung von meinem Arbeitsplatz und warte, bis er angehechtet, angeschlichen kommt. Nein, natürlich kam er nicht, und ich verpaßte ihn an diesem Morgen, vermutlich war er krank oder hatte verschlafen, saß in einem anderen Abteil, anstatt im zweiten nach der Zugmaschine, anstatt wie ansonsten immer im ersten Waggon. Hatte er mich eventuell gesehen, also doch einmal von seinem Buch aufgesehen und sich geduckt, damit er von mir nicht gesehen werden konnte?

Nachdem ich täglich die Stationen weiter Richtung Endstation fuhr, oder wie der Anfang einer U-Bahnlinie auch heißen mag, landete ich nach acht Tagen etwas übermüdet, dennoch voller Zuversicht, endlich auf dem Einstiegsbahnhof von ihm, außerhalb der Stadtgrenze. Umsonst. Wer nicht pünktlich zur Bahn kam, war er. Urlaub, Krankheit, er ist weggezogen, hat seinen Arbeitsplatz gewechselt, fährt jetzt nur noch mit dem Auto, einem Arbeitskollegen, -kollegin, hat ein Burnout, weiß, ich lauere ihm auf? Woher? Wer hat es ihm erzählt? Sollte er etwa einer jener Typen sein, die vor Überwachungskameras sitzen und George Orwells „1984“ nacheifern? Braucht er deshalb keinen Augenkontakt mit Mitmenschen, weil er an seiner Arbeitsstelle ständig Menschen beobachtet, sie analysiert, Daten über ihr Verhalten wertet, weitergibt? Hat er mich auf seinem Schirm, kann er nach Lust und Laune Aufnahmen vor- und zurückspulen, ist er an einem Projekt beteiligt, das Fahrgäste nach Alter, welches Geschlecht, ich kann nicht glauben, daß ich das denke, unterteilt, um daraus werbewirksame Strategien zu entwickeln?

Ich sehe ihn, er hüpft leichtfüßig die Stufen zur Station hoch, ein Buch in der Hand, Rucksack unterm Arm, also ist er entweder aus einem Bus oder Auto gestiegen, wohnt demnach auf dem Land. Ein Bauernjunge, der in der Stadt sein Glück macht oder vielleicht ein verwöhnter Arztsohn, der von seiner gelangweilten Mutti zur U-Bahn gefahren wird, bevor sie shoppen geht, eher nicht, dann würde sie ihn in der Stadt absetzen, in der Stadt shoppt man, läßt sich bei Maniküre und Friseur verwöhnen, heute bleibt sie zuhause und dirigiert die Angestellten beim Großputz, weil am Wochenende eine Party steigt, auf der wichtige geschäftliche Verbindungen gefestigt und neu geknüpft werden, ihr Sohnemann feiert auf dem Anwesen der Villa Verlobung, bitte nicht, die Hochzeit findet statt, wer heiratet denn schon am Samstag, zumal im April, viel zu kalt, sie ist schwanger, seine Braut erwartet ein Kind, alles muß schnell gehen, er sieht nicht nach glücklichem Heiratskandidat aus, er wird auf der Party verkuppelt, weiß dies noch nicht.

Jetzt schaut er zu mir rüber, erkennt er mich von seinen Überwachungsvideos her, der stiert hemmungslos, ich kann richtig sehen, er ist in die Untiefen seines Unterbewußtseins abgestiegen, vertieft sich in seinen bisherigen Wissensstand über mich, diesen Blick kenne ich, eindeutig, er versucht gerade, mich nackig zu machen, alles über mich in Erfahrung zu bringen, meine Vorlieben, meine Ängste, meine Gedanken, ich fahre mit dem Taxi zurück in die Stadt, werde mir eine neue Wohnung suchen, auch einen neuen Job, vielleicht ziehe ich um, kannst mich vergeblich auf deinen Monitoren suchen, so leicht werde ich es dir nicht machen, sich in mich zu vertiefen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Trennung ohne Schmerz

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Alles Banane, deine Argumente,
zahl mal besser Alimente.
Klatsch bloß nicht in die Hände,
ich mal’s an Tisch und Wände.
Und warte bestimmt nicht bis zur Rente,
rufe bald mal lieber die Polente.
Auch wenn ich in deinem Bette pennte,
nach manch Liebesnacht flennte,
ich mich dennoch von dir trennte.
Keiner folgt deinem Regimente,
weil’s stört, jenes dekadente,
permanent Turbulente,
fast so wie im Parlamente.
Viel verpennte Elemente,
im Schein vehement Präsente,
am Ende verbleibt nichts vom Fundamente.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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