Ihr Lächeln

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Ein Lächeln hat sie sich bewahrt,
aus vielen aufgespart,
ein Lächeln voller Güte,
daß es stets alles behüte,
ob die Zukunft oder das Gestern,
ob Brüder oder Schwestern,
das Lichtstrahllächeln,
das Angst wegfächeln,
das Frust im Keim erstickt,
vor dem Mut nicht erschrickt,
das Lächeln der Mona Lisa,
Wunschtraum oder Fata Morgana,
dies Lächeln zwischen den Zeiten,
das Lächeln, das den Tod kann begleiten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Dank Kevin endlich mal ne Sozialdebatte

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Keineswegs geht’s um den, der allein zu Haus, mit solch billigen Filmen mag man sich an anderen Stellen auseinandersetzen, die Rede ist von Kevin Kühnert, dem Juso-Chef. Hoffentlich nicht mit selbigem Anliegen wie seine Vorgänger unterwegs. Man erinnere an Mister „Ich will hier rein“, der am Zaun des Kanzleramtes lautstark rüttelte und an die jetzige Chefin der Sozialdemokraten.

Vielleicht hat er auch exakt den richtigen Ton angeschlagen mit seiner Sozialdebatte, um selbstverständlich polemisch zu übertreiben. Das ist nicht nur legitim, sondern dringend notwendig, besonders ablesbar anhand des Aufschreis politischer Kollegen aller Parteien, vorneweg vom Sigi, der gleich eine Methode Trump Kevin unterstellt. Man sollte derart kleingeistige Narzißten wie „Humpty-Trumpty“ nicht zitieren, um damit Kritik zu rechtfertigen. Das paßt so gar nicht als Vergleich. Was haben mafiöse Praktiken mit sozialistischem Gedankengut gemein?

Gleichwohl sollte man die Kirche besser im Dorf lassen, Katrin Budde, der ehemaligen Wirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt, scheint wohl entgangen zu sein mit ihrer Forderung, die Debatte über das rechte Maß an Privatisierung und staatlichen Betrieben im Osten Deutschlands hätte man zu Beginn, also 1990 führen müssen, daß ein einjähriger Kevin sich nicht als Wunder-Baby an solchen Diskussionen beteiligen kann.

Alle Parteien im Deutschen Bundestag fühlen sich angesichts Kevin Kühnerts losgetretenen Argumenten betroffen und angegriffen, außer Die Linke, Katja Kipping stimmt ihm eher zu. Alexander Dobrindt tönt gegenüber der „Bild am Sonntag“ von einem „DDR-Verharmloser“, während im Gegenzug der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Ralf Stegner, der Union vorwirft, sie vertrete die Interessen der Reichen und Topverdiener, Kevin Kühnert würde berechtigterweise explodierende Mieten, den Klimawandel und Profitgier ansprechen.

Der Kapitalismus fährt mit maßlos überhöhter Geschwindigkeit gegen die Wand, applaudierende, ewig gestrige Zuschauer hofieren obendrein dessen nicht zu übersehende Verfehlungen, feiern und baden sich selbst in ihrer stoischen Ignoranz ob des zunehmenden sozialen Elends auf der einen Seite und eines Überreichtums auf der anderen.

Wenn dann ein Kevin Kühnert endlich mal diese Sozialdebatte lostritt, stürzen sich etliche wie die Geier auf dessen Wagemut. Wenigstens aufmerksame Medien belichten das Thema, auch wenn erneut eine „Lügenpresse“ hüben wie drüben des Atlantiks beschimpft wird, die Problematik läßt sich nicht einfach wegdenken, sie artikuliert sich schärfer. Ein dringend notwendiger Prozeß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Puppenleben

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Hinter Panzerglasfenstern
lungern sie, stets adrett,
modern gekleidet, frisiert,
ein Lächeln auf den Lippen,
keinen Frust, keine Wut,
ausgeglichen, steifer Rücken,
beneidenswert diese Ausdauer,
diese Geduld auf diesem Parkett,
vor Publikum, Sehnsüchtigen,
die zweifelnd, gierig, kokett
unerfüllte Wünsche anstarren.

Vor den Panzerglasfenstern
eilt man kurz blickend,
staunend verharrend,
versucht coole Mimik zu imitieren,
Gesten nachzuempfinden,
um puppenhaft, starr,
kalt wie Stein, ohne Regung,
stilsicher kostümiert, bestaunt,
die Welt hinter Glas zu verachten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Welt der Meere in Gefahr

© Lotar Martin Kamm

Mythenrankend verbirgt sie ihre Geheimnisse

Kein Wesen auf Erden handelt dermaßen unklug, arrogant und selbstzerstörerisch wie der Mensch. Dabei wagt Homo sapiens mittels seines Forscherdrangs sich wissenschaftlich  in Gebiete vor, die noch kürzlich unerreichbar galten, denken wir an die Astronomie, die selbst entfernteste Winkel im Universum inzwischen aufzuspüren vermag.

Doch vor eigener Haustür, wenn wir an die Küsten unserer geringen Landmassen herantreten, umspült unsere Füße im Gezeitenwellengang die Meereswelt ihr nasses, salzhaltiges Element, um trotzdem mythenrankend ihre Geheimnisse zu verbergen. Demutsvoll die einen noch deren Sinn erfassen mögen, während die anderen vielfach abgelenkt dem Festland verpflichtet kaum Notiz nehmen, was da Mutter Erde bereithält.

Seewege und wirtschaftliche Ausbeutung

Als noch keine Motoren Schiffe fortbewegten, dienten uns Segelschiffe, um weltweit auf bestimmten Seewegen die jeweiligen Kontinente zu erreichen. Dieses Wissen der einzelnen Routen in Abhängigkeit der unterschiedlichen Winde eignete sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende an, war er doch minimum vor knapp 10.000 Jahren bereits in der Lage, die Hohe See per Wasserfahrzeuge zu durchqueren.

Ganz seinem geschäftstüchtigen Expansionskurs folgend, bereiste und erforschte er die weltweiten Landmassen, verhalfen Seewege den Abtransport wirtschaftlicher Ausbeutung. Und was ihm zweckdienlich über den Weg schwamm, in diesem Fall sämtliche Fische in den Meeren bis hin zu den größten Säugetieren, den Walen, nützte ihm in erster Linie als Nahrung. Solange die menschliche Bevölkerung noch weltweit eher gering vertreten, die Fangmethoden nicht gar so effektiv wie heutzutage, überlebten die Fischarten. Allerdings mit zunehmend extrem anwachsender Bevölkerung dezimieren sich die Meeresbewohner.

Ökologisches Gleichgewicht außer Rand und Band

„Ich weiß, daß ich nicht weiß“, sagte mal Sokrates. Das sollte Mensch sich ganz besonders fürs Meer verinnerlichen. Dessen nach wie vor uns unbekannte Welt wird allein schon aufgrund des Umstandes seiner Größe im Verhältnis zur wesentlich kleineren Landmassenlandschaft ziemlich deutlich. Obendrein vermögen wir zu Lande wenigstens tagsüber das Sonnenlicht zur besseren Beobachtung sinnvoll nutzen, hingegen aber in den Tiefen der Ozeane ewige Finsternis herrscht, die ein winziges Stückweit mittels Unterwasserscheinwerfer erhellt werden kann, dennoch niemals den Raum wir wirklich erfassen.

Völlig unbedarft nutzen und beuten wir das kostbare Naß aus, trotz lieb gemeinter Walfangregelung kündigt Japan Rückkehr zum komerziellen Walfang an. Keiner kann ernsthaft die weltweiten Schäden des Ressourcen-Raubbaus kleinreden oder gar weiterhin ignorieren, auch wenn inzwischen gigantische Plastikmüllmassen auf den Ozeanen schwappen, ganz langsam ein gewisses Bewußtsein entsteht, daß die Weltmeere sehr entscheidend dazu beitragen, das ökologische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, findet real menschliche Ignoranz stets neue Ausreden des kriminellen Verhaltens.

Warnende Stimmen erschaffen nicht nur Gleichnisse

Wer sich eindringlich auszudrücken vermag mittels künstlerischer Fähigkeiten, hat etwas der Nachwelt mitzuteilen. Denken wir an Jules Vernes „Vingt mille lieues sous les mers“ (20.000 Meilen unter dem Meer), an den Zeichentrickfilm „Finding Nemo“ oder an Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“.

Letzterer hat allerdings gleich einen sehr entscheidenden Aspekt: eine eindringliche Warnung an die Menschheit selbst. Selbstverständlich beharrt der Autor auf sein Anliegen, obgleich ihm die zwischenmenschlichen Dialoge und Charaktere der Romanfiguren ein wenig entgleiten, so schafft es Schätzing dennoch, uns wesentlich kritischer und wie mit neugierig fragenden Kinderaugen hinzuschauen in die rätselhafte Welt der Meere, den derzeitigen Istzustand zu überdenken. Selbst Parallelen zu Tanja Kinkels „Götterdämmerung“, die ihren Roman zuvor verfaßte, kann man erkennen: nicht über die Meereswelt, aber die menschliche Gleichgültigkeit, der jedes Mittel recht ist, um die eigene Macht auszubauen.

Was nehmen wir mit an Zweifeln und eindringlicher Vorstellung, inwieweit Mensch das Meer nunmehr betrachtet? Am Ende doch dessen Freiheit, Wahrheit und Lebensquelle, die es unter allen Umständen zu bewahren gilt?!

„Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!“ (Antoine de Saint-Exupéry)

 Lotar Martin Kamm

 Kategorie: Quergedachtes

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Ab jetzt nur noch im Morgenmantel

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Ihr ging es nie darum, in irgendeiner Form auffällig extravagant aufzutreten, weder kleidungsmäßig, noch in ihren künstlerischen Arbeiten, sie empfand ihr Handeln stets salopp, kratzbürstig, kokettierend laut Emanuel träfe es besser. Als sie in den Morgenstunden beobachtete, wie ein Reh über den Gartenzaun sprang, sich umdrehte und wieder zurückhüpfte, konnte sie nicht einordnen, ob dies nun in Realität geschah oder sie nur eine Traumsequenz aufschnappte, denn die Szene wollte so überhaupt nicht in ihre Traummuster passen, sie stierte in einen Raum voller emotionaler Empfindlichkeiten, die es nicht erlaubten, konkrete Figuren und Gegenstände zu bilden, noch ihr eine Erklärung zu liefern, warum dieses springende Reh trotz ihres Wissens zu träumen, tatsächlich kurz in ihrem Garten von ihr gesehen wurde. Aus den tiefen eines Gewässers auftauchend, saß sie in ihrem Bett und blickte in von Nebelschwaden getrübtes Licht, das es unmöglich machte, die Bäume und Sträucher klar umrissen zu erkennen. Bevor sie anfing, sich den Gedanken hinzugeben, du wirst alt, bist verrückt geworden, schalt sie sich, wage es nicht, so etwas bloß ansatzweise zu denken, schließlich ist nicht jede Logik verständlich und nicht jede Wahrheit frei von subjektiver Wahrnehmung.

Natürlich bombardierte sie Emanuel, sobald dieser die ersten Anzeichen von sich gab, aufgewacht zu sein, mit den verschiedensten Eventualitäten, die das morgendliche Erlebnis zu bedeuten, aussagen, zu erklären, zu verstehen wäre, mit kleinen Worteinwürfen versuchte Emanuel, sich in diesem Gewirr aus empfundenen Tatsachen, hineininterpretierten Vorstellungen zu befreien, obwohl er wußte, aus dieser Flut von sich selbst beantworteten Fragen kommt er so schnell nicht an ein rettendes Ufer.

„Stell dir vor, wie eine Gazelle sprang das Reh mehr oder weniger aus dem Stand über diese fast zwei Meter hohen Elemente. Es hätte sich sämtliche Knochen brechen müssen. Selbst ein Elch kann nicht so hoch springen, oder? Ach was, es war doch eindeutig ein Reh, kein ganz so junges, ein älteres Reh, ich weiß doch, wie ein Reh aussieht.“

„Es hätte Flügel haben müssen, um diese Höhe zu überwinden, aber in Träumen stolzieren selbst Elefanten grazil über hohe Türme“, versuchte Emanuel den Wind aus den Segeln zu nehmen, die sie durch bestätigende analytisch unterlegte Behauptungen aufblähte, damit ihr morgendliches Erlebnis ein wirklich stattgefundenes Ereignis in ihrem Kopf und in Emanuels Kopf heimisch werden sollte.

„Wenn es kein Reh gewesen ist, und ich sowieso nichts hätte sehen können, weil der verdammte Dunst, der morgens vom Wald her über die Gärten schleicht, jede Sicht vernebelt, welchen Zweck hätte so ein Traum, es ergibt nur einen Sinn, ich habe das Reh gesehen, bevor der Morgennebel aufzog und war davon so irritiert, daß ich beim verzweifelten Versuch, meine Augen auf Wachzustand zu regeln, du weißt, ich bin nach dem Aufwachen eher träge als froh und munter, diese dem Morgen ebenso bekömmliche diesige, vernebelte Eigenschaft zuzurechnen ist, daß wir beide in einem Dämmerzustand zurückversunken sind, weil wir nicht fassen konnten, was wir gesehen haben, er hat natürlich etwas anderes gesehen, der Morgen meine ich, stell dir vor, wir beide hätten uns über ein springendes Reh in unserem Garten gewundert, das wäre ein Traum, oder? Jetzt wollen wir frühstücken, Liebling, du siehst schrecklich mitgenommen aus, hast du nicht gut geschlafen?“

Wie zu erwarten ließ sie Emanuel keine Zeit, sich in seinen Tag einzufühlen, das springende Reh über den zwei Meter hohen Zaun, der ist doch zwei Meter hoch, war das Gesprächsthema des Vormittags, unterbrochen nur von Toilettengängen, zwei Anrufern, die abgewimmelt wurden, sie seien auf dem Sprung zum Einkaufen und anschließendem Arzttermin, nein, du mußt dir keine Sorgen machen, nur die jährliche Augenuntersuchung, dieser Termin wurde bereits vor einem halben Jahr festgesetzt, wir melden uns, wenn wir zurück sind, sagte sie bestimmend ins Telefon, wissend, sie würde nicht zurückrufen, weil Emanuel und sie so einiges heute zu klären hätten, womit sie ihn einbezog in ihre Überlegungen, damit er ihre Gedankengänge mit ihr gemeinsam durchforsten konnte, um nicht später behaupten zu können, er hätte von nichts eine Ahnung, diese Option seinerseits wollte sie von Anfang an ausschließen, denn ihr schwante dieser Morgen trug zu einer Veränderung ihres Lebens bei.

„Weißt du, mir ist es jetzt unverständlich, warum ich so ziemlich die meiste Zeit meines Lebens kein Frühaufsteher bin“, begann sie am Mittagstisch das Gespräch fortzuführen, weil Emanuel sich unter dem Hinweis für Charlotte das Rad fertig zu reparieren, in seine in der Garage eingerichtete Werkstatt flüchtete, aus der sie ihn herausholte, es hat an der Tür geklingelt, gehst du bitte öffnen, aber du siehst doch, ich trage immer noch den Morgenmantel, und er vermeinte, sie bei dieser Aufforderung grinsend gesehen zu haben, und er vermied es, sie darauf hinzuweisen, das hat dir doch sonst nie etwas ausgemacht, da er befürchtete, dafür von ihr den Rest des Tages mit finsteren Blicken abgestraft zu werden.

„Was ist daran auszusetzen, kein Frühaussteher zu sein, zumal du bis in die Puppen wach bleibst, weil du dein Tageshoch erst im Dunkel entfalten kannst, schon vergessen?“, versuchte Emanuel ihre bisherige Lebensweise zu verteidigen, ahnend oder besser wissend, sie führt etwas im Schilde, wenn sie beginnt, ihre geliebten Gewohnheiten aufzugeben und dies schien sich anzubahnen, egal, was auch immer er dazu zu sagen hätte, sie würde es ignorieren und im schlimmsten Fall ihn einen verbohrten Ochsen nennen, der nie aus seinem Stall ins Freie gehen will, aus der Befürchtung heraus, seine Standposition würde er nie wieder finden, wie er es gewohnt war, ein Spruch, den sie ihm leidenschaftlich gerne in ihrer Kennenlernzeit an den Kopf warf, triumphierend, ihn an einem wunden Punkt getroffen zu haben.

„Nun denn, das Reh sprang heute Morgen über unseren Zaun und sofort wieder zurück, ehe ich realisierte was ich sah, zog der Frühnebel auf und tunkte alles, was im Dämmerlicht wahrnehmbar war, in eine wolkenverwischte Unkenntlichkeit, aus der ich folgerte, geträumt zu haben. Habe ich aber nicht. Ich war wach, bevor ich träumte. So wie der Morgen bereits da ist, bevor er in Dämmerung versinkt. Verstehst du?“

„Nicht wirklich“, schien Emanuel die beste Argumentation zu sein, um sich vor dem nächsten Ansturm von erklärenden Begründungen zu schützen.

„Ja, nun, für mich bedeutet es, ich habe über Jahrzehnte das Schönste des Tages verpaßt. Und weiterhin bedeutet es, höchste Zeit dies zu verändern.“

„Und wie soll das aussehen, du willst mir nicht wirklich erzählen, ab heute gehst du früh ins Bett, um morgens zeitig aufzustehen?“

„Nein, Emanuel, du solltest mich nach so vielen Jahren besser kennen. Ich verbringe den Tag genüßlich im Morgenmantel, habe gesurft, es gibt da Modelle, die kannst du nicht mehr von Ausgehmänteln unterscheiden, zwei habe ich bereits bestellt, will schließlich nicht immer in den gleichen Klamotten rumlaufen, bin damit ständig bereit, mich dem Schlaf zu überlassen, sammle unter tags genug Schlafeinheiten, um die Nacht über längere Wachstunden zu generieren, somit kann ich ohne weiteres morgens in der Frühe putzmunter die dämmrigen Träume vorbeiziehen lassen, weil mein Verstand bereits mein Gemüt auf Hochtouren laufen läßt. Das Reh, verstehst du, das Reh, ich springe wie das Reh von einer Seite auf die nächste, Garten oder Wiese ist unwichtig, der Sprung, Emanuel, der Sprung, das ist das Wichtigste.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Flüssiggas der USA durch die Hintertür nach Deutschland

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt

Beim Erlenkönig der Neuzeit droht der US-amerikanische Energieminister Rick Perry damit, wer kein Flüssiggas der USA kaufe, solle damit rechnen, es würde kein BMW, Mercedes Benz oder ein anderes hübsches Auto im Gegenzug gekauft werden. Dabei lamentiert er obendrein, die EU produziere sie, obwohl Deutschland gemeint ist. Das Ganze im Kontext zur geplanten russischen Pipeline Nord Stream 2.

Erpressung nennt man einen solchen Vorgang, was wiederum ins Konzept der Trump-Administration paßt, bei Verweigerung sollen die angekündigten Schutzzölle auf europäische und vor allem deutsche Autos eingeführt werden. Perry verweist auf eine Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Weitergedacht ist dem tatsächlich so mit einem sich zuspitzendem kalten Krieg, den die beiden Supermächte längst zulassen.

Was hierzulande verpönt, in den USA selbstverständlicher Alltag

Einem Flickenteppich gleich haben die Amis den dortigen Fracking-Boom auszuhalten, Hauptsache profitable Steigerung bis zur Klimakatastrophe, die es laut The Donald ohnehin nicht gibt. Was interessieren Umweltbelange, mit Blick zu den Grünen in den USA läßt sich das überdeutlich ablesen, der Hegemon trampelt ungeniert im eigenen Lande alles nieder, was sich nicht beugt, weltweit per kriegerische Einsätze und Raubtierkapitalismus.

Bleibt zu hoffen, daß bei erneuter Debatte im Deutschen Bundestag übers Fracking hierzulande im offiziellen Wahljahr 2021 die richtigen Parteien in der Regierung sitzen, um ein Nachäffen der US-Praxis zu verhindern. Besonders die Union hat vor drei Jahren für entsprechende Hintertürchen gesorgt, wen wundert’s.

Wirtschaftliche Abhängigkeit diktiert die Politik

Man sollte trotz sämtlicher mahnenden Stimmen ob jener dreisten Umweltbelastung realistisch bleiben. Am Ende obsiegt leider nicht die Vernunft, sondern viel eher das Diktat der Wirtschaft wie überall bisher festzustellen. Die Formel ist letztlich ganz simpel. Die Forderung nach mehr Einfuhr von amerikanischem Flüssiggas in die EU steht der pragmatischen Lösung mittels Nordstream 1 und 2 entgegen.

Die USA werden nicht locker lassen, haben andere Möglichkeiten, die transatlantischen Partner unter Druck zu setzen. Das wissen alle, entscheidend wird sein, inwieweit Kompromisse scheitern, um die Spannungen zwischen Ost und West erneut erheblich zu forcieren. Ein wirtschaftliches Geflecht zwischen Europa und den USA läßt wenig bis gar keinen Spielraum für Entscheidungen zugunsten der Umwelt zu.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Leiden leiten

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Er verteuerte,
er beteuerte
seine Liebe,

ich zahlte,
ich erzählte
mein Leben,

er befeuerte,
er feuerte
mit meiner Seele,

ich brannte,
ich verbrannte
mein Herz.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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