Spanien-Wahl: Sánchez verfehlt absolute Mehrheit

Ein getrübter „Sieg der Zukunft“

Der Verfall der konservativen Volkspartei PP hatte vor einem knappen Jahr mit dem Ende vom damaligen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy seinen Anfang, setzte sich mit der gestrigen Neuwahl deutlich sichtbar fort, weil sie gerade mal die Hälfte der Stimmen im Vergleich zur Vorwahl des Jahres 2016 erzielen konnte.

Pedro Sánchez mag das Ergebnis der Sozialisten als „Sieg der Zukunft“ feiern, allerdings verfehlte dessen Bündnis mit der Podemos die absolute Mehrheit der Stimmen mit zusammen 43%, was sogar noch rund 0,8% weniger als bei voriger Wahl bedeutet aufgrund der hohen Verluste der Linkspartei. „Wir können“ scheiterte ein Stückweit auch an der rechtspopulistischen Vox, die auf Anhieb mit 10,3% der Wählerstimmen im Parlament Platz nehmen darf. Ein Novum seit Franco, vergleichbar mit der AfD hierzulande.

Regierungsbildung weiterer Kompromisse

Keine leichte Aufgabe für die Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE), vergleichbar mit der hiesigen SPD. Dessen ehemaliger neuer Generalsekretär und derzeitige Ministerpräsident Pedro Sánchez befindet sich somit in einer besonders schwierigen Lage, eine neue Regierung weiterer Kompromisse bilden zu müssen.

Lediglich zusammen mit kleinen Regionalparteien könnte das rot-rote Bündnis die notwendige Mehrheit im Parlament erringen. Man kann getrost ein rechtes Regierungsbündnis ausschließen, weil der PP, Ciudadanos und Vox insgesamt 29 Sitze fehlen würden, beim Linkslager sind es 11.

Spaniens Wahlbeteiligung wesentlich höher als bei letzter Wahl

Während man hierzulande betroffen feststellt, daß die Wahlbeteiligung mit 76,2% bei letzter Bundestagswahl noch niedrig sei, ihre höchste Beteiligung war 1972 mit 91,2%, schaut es in Spanien ganz anders aus. Bei gestriger Wahl gingen 60,7 % der Wahlberechtigten zur Urne, 9,5 Prozent mehr als im Jahr 2016.

Das bedeutet im Klartext, daß etliche Spanier sich nicht an Wahlen beteiligen. Politikverdrossenheit in Zahlen ablesbar, immerhin gab es 2008 noch eine Wahlbeteiligung von 73,85%, um elf Jahre später über eine hohe Wahlbeteiligung zu berichten, die im Vergleich rund 13% niedriger ist.

Der Verlust jener PP mag für manche Wähler wohl Anstoß genug sein, der Vox ihr Vertrauen zu schenken, die sich für den Stierkampf stark macht, etliche Franco-Anhänger in ihren Reihen zuläßt, ihr Vorsitzender, Santiago Abascal Conde, wertet die Kolonisierung Lateinamerikas als eine kulturelle Großtat. Man kann nur hoffen, daß eine derartige Partei möglichst schnell wieder in der Versenkung verschwindet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Luft schnappen

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Gefräßig stopfte sie alles in sich herein
was nur ansatzweise ihr zugute kam.

Nicht damit sie vom Stadium einer Raupe
in einen Schmetterling verwandelt wird.

An so was Profanes dachte sie nicht.
Vielmehr, und das war außergewöhnlich,

selbst für sie außergewöhnlich, sie schnappte,
schnappte nach Luft, so viel Ungeheuerliches,

eine ungeheuerliche Sprachpestilenz grassierte,
vergiftete Wörter, in jedem Satz Schimmelsporen.

Pöbeleien, Drohungen waren Meinungsfreiheit,
das wird man ja mal sagen dürfen und wenn nicht,

dann ist es Meinungsdiktatur, aber – du verstehst,
die gehört uns, streben wir an, damit du dein Maul hältst,

stramm stehst vor den unerschrockenen Kameraden,
die unaufhörlich von Moral, Ehre, Stolz, Treue labern.

Gefräßig stopfte sie alles in sich hinein, schnappte nach
den letzten toleranten Lauten, bevor ihr die Luft ausgeht.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wer nicht anders kann, schaltet die Glotze an

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Ganz viel Unterhaltung, die reiner Ablenkung dient, vom Alltag, vom Weltgeschehen trotz einer Überflutung ständiger Nachrichten. Glotze taugt nicht viel mehr als sonstige Propaganda, sie mag schon interessantes uns anbieten, denkt man an durchdachte Kindersendungen oder gute Dokumentarfilme. Damit hat sich’s aber auch schon.

Darüber hinaus schreitet die gemeinsame Entwicklung in Riesenschritten voran, was heute noch gilt, kann morgen längst nicht mehr zählen, gehört zur veralteten Technik. Jener Fortschritt im Zeitalter der Bits und Bites, künstlicher Intelligenz, Fluch oder Segen der Menschheit? Zuviel Lug und Trug unterwegs, zumal Bereicherung, Armut und Elend keineswegs beendet, ganz im Gegenteil billigend in Kauf genommen werden.

Es rappelt somit gehörig in der Kiste, die uns alle umgibt, somit jeden angeht, niemand kann sich ihr einfach entziehen, davonschleichen, weder auf eine einsame Insel noch per Raumschiff ins All, Mensch wäre verloren in den Weiten des Universums trotz unsinniger Anstrengung, in geraumer Zeit mal den Roten Planeten zu besiedeln. Eine Begründung ob jener Behauptung bleibt hier mal außen vor.

Mensch hat gefälligst endlich mal seinem Wesen entsprechend weise zu handeln, eben nicht zerstörerisch, sondern die Umwelt erhaltend, seine Welt, Mutter Erde. Fridays for Future lediglich ein Anstoß der Jugend an verantwortliche Erwachsene, besonders Politiker, deren Zukunft nicht aufs Spiel zu setzen per fortsetzender Ignoranz zum überdeutlich spürbaren Klimawandel. Es ist nicht 5 vor zwölf, Menschheit wird per Gongschlag zur vollen „Geisterstunde“ beschallt, nur manche wollen es nicht wahrhaben!

Da loben sie sich lieber gen Himmel wie jener wiedergewählte FDP-Chef, der stets mit denselben Rezepten hausiert: verunglimpfen, wo immer möglich. Es gibt genug Leute, die ihm ganz offensichtlich auf den Leim gehen, FFF würde ohnehin mit einer „überzogenen Moral“ aufwarten. Genau, wer im Glashaus sitzt, schmeißt besonders gern mit Steinen, selbst jedwede Moral an der Pforte der Parteizentrale abzugeben, um sich per Hetze zu profilieren. Das zieht stets, meint er.

Ein äußerst getrübter Blick gen Zukunft, ohne viel Hoffnung? Die stirbt bekanntlich zuletzt, Grund genug sich zu engagieren, wo stets möglich, wer nicht vor lauter Resignation bereits aufgebeben hat. Vor Ort zusammentun, um konstruktive Ideen zu verwirklichen, niemand ausgrenzen. Apropos Grenzen, die sind sowieso nicht nur lästig, sie markieren hilflose Unfähigkeit, lösungsorientiert Probleme zu erkennen.

„Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues, und man glaubt, man sei im Himmel.“ (Édith Piaf)

Solange Mensch noch täglich die Chance hat, das Leben mit kreativen Momenten zu füllen, neben dem Alltag, sollte er diesen Enthusiasmus beherzt einsetzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Rosa Zenit

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Rosa dümpelte die Zeit durch den Himmel.
Aufmerksamkeit erhaschend.
Morgen und Abend romantisieren sich.
Harmonie erzwingend.
Wolkengebilde aus vibrierenden Fledermäusen.
Gänsehaut simulierend.
Es ist Mittag. Mittag ist es. Zeit am Zenit.
Traum albern. Albträumend.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Kontra Kopftuch gleich rechts, pro Kopftuch letztlich frauenfeindlich?

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Susanne Schröter wird „antimuslimischer Rassismus“ vorgeworfen

Da paßt so manches überhaupt nicht zusammen, Widersprüche soweit das Auge reicht, wobei die Positionen ziemlich schnell auf den Punkt gebracht sind. Wer völlig zu Recht die Ausweitung des Hidschāb-Gebotes einem frauenfeindlichen Islam vorwirft, muß nicht zwangsläufig generell diese Weltreligion an den Pranger stellen, schließlich gibt es viele Länder, in denen islamische Frauen sich dem unterordnen müssen.

Wer tatsächlich meinte, religiöse Differenzen würden in der Neuzeit, erst recht seit des Jahrtausendwechsels der Vergangenheit angehören, der wurde zunächst mittels 9/11 eines Besseren belehrt, da hatten wohl manche ein sehr großes Interesse, einen terroristischen Islamismus zu fördern, egal ob per verschwörungstheoretischen Annahmen oder weil das Timing entsprechend politische Weichenstellungen nach sich zog.

Diskussion an Frankfurter Goethe-Universität unerwünscht

Die Ethnologin, Prof. Dr. Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), rief eine Konferenz unter dem Motto „Das Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“ jetzt zum 08. Mai ins Leben, was prompt eine Kopftuchdebatte über Rassismus auslöste.

Anonyme Verfasser warfen der Direktorin vor, sie würde damit rechtspopulistische Themen aufgreifen. Schon schnappt die Falle zu, auch in der deutschen Gesellschaft nimmt jene Neue Rechte einen immer größeren Raum ein, wird jedwede kritische Haltung einem Schwarz-Weiß-Denken in Kategorien „rechts“ oder „links“ zugeordnet, statt sachlich hautnah am Thema zu bleiben: der Versuch der Klärung, inwieweit Frauen im Islam weiterhin unterdrückt werden, und sei es mit Kopftuchzwang.

Gerade die Islam-Expertin kümmert sich um sachliche Auseinandersetzung

Was Susanne Schröter bereits in etlichen Publikationen anschaulich verdeutlichte, im Interview mit der FNP vor über vier Jahren näher erläuterte, „Muslime seien in einer schwierigen Situation“.

Wer die weitere Entwicklung seitdem genauer beobachtet, weiß angesichts etlicher Terroranschläge und vor allem durch den gezielt ins Leben gerufenen Terror des IS, daß der Worst Case eher zutrifft, den es besser zu vermeiden galt, wie die Ethnologin anriet. Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, daß von einer friedlichen Coexistenz der beiden Weltreligionen, zwischen dem Christentum und dem Islam, kaum bis gar kein Interesse besteht, zumal obendrein noch der neue Kalte Krieg sich hinzugesellt, im Nahen und Mittleren Osten immer mehr Spannungen und Kriege entstehen.

Wissenschaftsfreiheit unerwünscht, Kriegstrommeln werden mittels anonymer Störenfriede auch in Unis begleitet, während eine unfähige Politik weit entfernt, auch hierzulande das Asylrecht zu reformieren, geschweige denn Flüchtlingen mehr Sicherheit zu bieten, zumal im Deutschen Bundestag bereits wieder ein rechter Mob sich austoben darf. Ein Freifahrtschein für schnell anwachsenden Rassismus.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Willige Verteiler

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Nicht sozial
ist euer Ideal,
Uniform
eure liebste Norm.

Und ihr anderen,
ihr auf dem Sofa Gestrandeten,
ihr singt: „Atemlos“, wo auch immer,
und schon belegen sie euer Zimmer.

Der Charme der Andersartigkeit
geht euch zu weit,
parieren, parieren,
Meinungsfreiheit isolieren.

Und ihr anderen,
in so vielem Bewanderten,
haltet bei Sticheleien den Atem an,
prustet den Stuß an jede Wand, Mannomann.

Hört endlich auf, Steigbügelhalter zu spielen
von Parolen, Hetze, Häme und Lügen,
die menschenverachtender nicht sein können,
verteilt Ideen, anstatt Idiotien nachzuflennen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Weltpolitische Soap offenbart keine Friedensfähigkeit

Putins Vermittlerrolle zwischen Nordkorea und den USA fragwürdig

Nette Bilder zeigen ihre ganz eigene Dynamik, die dermaßen gestellt wirken, so daß der kritische Betrachter nur noch zum Schluß kommen mag, es handle sich um eine Komödie im weltpolitischen Theater. Der Ernst der Lage holt allerdings schnell Applauseffekte zurück zur harten Wirklichkeit, zumal diese gar nicht fruchten mögen.

Was soll man davon halten, Russlands Präsident fordert Sicherheitsgarantien für Nordkorea? Ausgerechnet The Donald wird daraufhin einsichtig kopfnickend etwa Wladimir Putin zustimmen, vielleicht aufgrund damaliger „freundlicher Wahlkampf-Unterstützung“, einerlei ob diese jemals aufgedeckt oder nicht?!

Atomare Bedrohung hält weiterhin an

Und zwar zwischen den beiden Supermächten, Nordkorea wäre dagegen eher das „kleinere Übel“. Putin selbst hatte bei letztmaliger Jahrespressekonferenz vor der wachsenden Gefahr eines Atomkrieges gewarnt, wobei die Weltpolitik selbst es in der Hand hätte, dies zu verhindern. Davon kann bisher gar keine Rede sein.

Was nutzen Friedensdemos oder Ostermärsche, wenn eine Nato einerseits Russland auf die Pelle rückt, andererseits das Riesenreich sich genötigt sieht, entsprechend selbst aufzurüsten. Der neue Kalte Krieg floriert längst trotz vieler Bemühungen, weil auch andere Nationen mitmischen wollen beim weltpolitischen Machtgehabe.

Stell dir vor, keiner will Krieg, doch der wird gezielt forciert

Insofern bestätigt das Treffen zwischen Kim Jong-un und Wladimir Putin in Wladiwostok lediglich den hilflosen Versuch, die USA milde zu stimmen. Wer dermaßen planlos und ungehobelt sich auf den nordkoreanischen Machthaber einläßt, stellt sein eigenes Unvermögen unter Beweis, da helfen auch keine Bemühungen des Kreml-Chefs.

„Frieden schaffen ohne Waffen“, das war mal ein sinniger Slogan, der allerdings stets ignoriert wurde, genügend Stellvertreterkriege für exemplarische Übungen sorgten, um Waffen zu testen, Altlasten gar zu beseitigen. Mittendrin eine unschuldige Zivilbevölkerung, die darunter zu leiden hat.

Es wäre somit wesentlich effektiver, wenn Russland und die USA endlich ernsthaft verhandeln, dann würden sich Treffen mit Nordkorea ein wenig anders gestalten auch hinsichtlich Chinas.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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