Keine Gerechtigkeit für den Helden der Informationsfreiheit?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Das wär allerdings nicht gescheit, denn Märtyrer gibt es schon in Hülle und Fülle, deren letzter Wille nach außen hin somit ne bittere Pille. Wer sich mit manch bösen Mächten anlegt, einiges gar verdreht, für den ist’s hinterher meist zu spät. Oder hat Julian sich etwa mit den Falschen angelegt?

Seit WikiLeaks, jenem harschen Piks in dunkelste Ecken, möglichst vieles aufzudecken, möchten entlarvte Übeltäter, daß sie verhaftet werden als Verräter. Im Zeitalter des PC tut’s so richtig weh, wenn trotz aufwendigem Sicherheitsapparat, manch empfohlenem Rat, clevere Köpfe Systeme hacken. Welch neuzeitliche Helden und Recken!

Bloß nicht falsch verstehen. Wer aufdeckt böses Geschehen, dem gebühret natürlich entsprechende Anerkennung, haarig wird’s, wenn ständig Seiten gewechselt werden. Da nützt kein Flehen, lautet’s Trennung von allerlei Herden. Jetzt ist nach langen sieben Jahren hinter Botschaftsmauern Schluß mit jenem sicheren Versteck, es fragt sich nur zu welchem Zweck.

Ecuadors Machthaber etwa so manch Korruptes verschleiern will, daher die plötzliche Verhaftung eher schrill als still? Wer dermaßen Provokantes ans Tageslicht zerrt, der ist natürlich hinterher erst recht sehr begehrt. Manch einer bezeichnet Assange als narzißtisch, paranoid und unberechenbar, in etlichen Kreisen gilt er trotzdem als Star.

Andererseits tut’s in der Querfrontecke kochen, hat da wer manch Braten gerochen. Die einen bejammern die stille Zurückhaltung der Linken, darauf könnt’ man einen trinken, daß es wohl kein Zufall sein mag. Wer oder was bringt’s an den Tag? Si claro, die Wagenknecht, seid froh, wat für ein toller Hecht. Wer dermaßen unverblümt für Trump und der Russen-Combo sich verpflichtet, wie der Julian das tat, egal was man ihm sonst so hinzugedichtet, der halt in zu viele Fettnäpfchen trat. Jetzt ham wir den Salat.

Reporter ohne Grenzen würdigte ihn als Helden der Informationsfreiheit. Jetzt ist’s soweit, daß ihm der ein oder andere Prozeß wird gemacht. Viele Menschen sind daher aufgebracht, das hat noch mehr Streit entfacht. Bloß keine Gerüchteküche aufkommen lassen, erst recht kein blindes Hassen, das führt wohl viel zu weit, wäre ohnehin niemals gescheit. Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird weiterhin überstrapaziert? Ist keineswegs deplatziert, sie bleibt unser kostbarstes Gut, auf ihr jede Demokratie wohl ruht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Messerwerfer

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Messerwerfen
war seine Profession,
sie zu schärfen,
seine Obsession.

Kein Tag verging,
er nicht am Schleifgerät
hing,
schärfer er gern sie hätt´.

Er schliff und schliff,
Wetzstein und Kling,
bis er begriff,
beides zu Neige ging.

Klinge ward ein Blättchen,
ein Hauch, es vibriert,
Wetzstein Staubfleckchen,
Zement, mit Nässe verschmiert.

Erst war´s für ihn Kummer,
Messerwerfen ist nicht mehr,
Menscheneingipsen, die Nummer,
Applaus ihm, Lorbeer und Ehr.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Querfront keineswegs nur ein simples Schlagwort

Extremismus Nährboden für weitverbreitete Verunsicherung

Querfront, überstrapaziert, ein Begriff, der eigentlich für Klarheit sorgen sollte, obwohl sich genügend darunter tummeln, die möglichst viel „mitnehmen“ wollen an Aufklärung, Erkenntnissen und vor allem inszeniertem Widerspruch. Mal soeben RT gelesen, nebenan glänzt das Portrait von Sahra Wagenknecht, komisch, beim Runterscrollen der „Gefällt mir“-Liste im Facebook entdeckt man plötzlich Alice Weidel, gleichwohl KenFM, weiter oben Henryk Marcin Broder.

Nanu, da paßt ja gar nix zusammen?! Absicht, weil man schnell mal reinschaut, was Gegenseiten machen? Könnte sein, wird zugleich komplett unlogisch, weil der/die Besagte sich beim Chronikgeschehen in einer Diskussion vehement für Argumente der AfD begeistert, weiter unter beschimpft man wie viele andere die Greta Thunberg. Aha, also doch Sympathieträger rechtsradikalen Gedankenguts. Was hat dann denn dabei die Wagenknecht verloren?

Diether Dehm alleinig Stein des Anstoßes?

Verwirrung, gezielt impliziert oder etwa doch nicht? Fragen bleiben unbeantwortet, manchmal folgt ein beleidigtes Abwenden, wer forsch rangeht. Einerseits wird auf Meinungsfreiheit gepocht, andererseits können die mit Kritik so gar nicht umgehen, schon gleich gar diejenigen, die sich sicher fühlen in der Querfrontecke.

Das gilt natürlich erst recht für all jene, die versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, so wie der bei Heise Online erschienene Artikel in Telepolis Querfront als Symptom, wo Tomasz Konicz sich ziemlich ausführlich bemüht. Nichts für jedermann, sich dabei textlich durchzukämpfen, dennoch lohnenswert, wer wirklich Interesse hat und zumindest die Szenerien halbwegs nachvollziehen kann oder sich mit ihnen näher befaßt. Ein Satz beschreibt ziemlich gut die Problematik:

„Objektiv fungiert die Querfront als ein reaktionärer Transmissionsriemen, der einerseits rechtes Gedankengut in linke und progressive Milieus hineinträgt, und andrerseits der Neuen Rechten immer neues, verblendetes Menschenmaterial zuführt.“

Wer profitiert von jener Debatte?

Im Grunde hat auch unser Portal ein Stückweit jene Entwicklung durchlebt, wie beim Statement zum Ausstieg bei Buergerstimme geschildert. Wie simpel die Neue Rechte agiert, kann man mit wenig Recherche herausfiltern, wer es immer noch nicht begriffen hat, der Berliner Express ist alles andere als harmlose Online-Satire.

Man sollte den politischen Gegner keineswegs unterschätzen, ob nun in nächster Zeit eine AfD wöchentlich vorprogrammiert erfolglos versucht, einen Kandidaten zum Bundestagsvize zu stellen, faktisch parallel sich rechter Terror sammelt. Je mehr die etablierten Parteien in dieser Demokratie politisch scheitern, vor allem bei zunehmenden sozialen Mißständen, um so erfolgreicher frohlocken jene Rechtsradikalen, wittern ihre Chancen, längst sichtbar in Europa.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Wortrauschen

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Sie sagte nichts,
nicht weil sie nichts zu sagen
gehabt hätte,
sich nicht artikulieren konnte,
die Themen ihr fremd waren
oder nicht interessant genug,
sie schwieg,
tauchte unter in
wörterrauschenden Sätzen,
in das murmelnde Lautgewirr
sprudelnder Texte,
in das Getöse spritzender
Silben,
die in alle Richtungen
ihre Buchstaben verteilten,
sie sagte nichts,
weil sie versunken
in Sprachmelodien
sich treiben ließ,
Begriffswellen sie
durch Schriftzeichen
forttrugen,
sie sagte nichts,
stand auf,
klatschte in die Hände
und verließ unter
tonloser Ruhe
das Restaurant.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Lockerung des Exportstopps läßt Saudis aufatmen

Geschäfte mit der Jemen-Kriegsallianz ignorieren humanitäre Katastrophe

Besonders zynisch wird die Behauptung, mittels forschem Vorgehen möglichst schnell den Jemen-Krieg beenden zu wollen. Was spukt da wohl in den Köpfen verantwortlicher Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin, wenn ein geheim tagender Bundessicherheitsrat Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien genehmigt?

Vor rund drei Jahren stellte Querdenkende die Frage, ob nach über einem Jahr ein Ende des Jemen-Kriegs in Sicht sei. Ganz ähnlich wie beim Syrien-Krieg scheint die Weltgemeinschaft seelenruhig dies zuzulassen, Hauptsache Rüstungsgeschäfte haben Hochkonjunktur, so die dringend gebotene Feststellung, die obendrein mit der erneuten Lockerung auch seitens der Bundesregierung sich leider bestätigt, die humanitäre Katastrophe hält an in Jemen.

Der Nahe Osten bleibt Pulverfaß

Schon gleich gar mit dem Sieg und bevorstehender fünfter Amtszeit des unersetzlichen israelischen Premiers Benjamin Netanyahu. Dessen rechtsradikale Regierung wird bei guter Zusammenarbeit mit Donald Trump noch für manche Überraschung sorgen, erst recht was den gemeinsamen Ezfeind Iran anbelangt, da paßt der Konfrontationskurs Saudi-Arabiens ganz gut ins Konzept.

Moral befindet sich ohnehin auf dem Scheiterhaufen der Geschichte, nicht erst mit den Rüstungsdeals en masse, von dem das Königreich Saudi-Arabien mit profitiert. Vielmehr bedeutet dies im konkreten Fall, daß der Nahe Osten ein Pulverfaß bleibt. Gezielte Absicht, weil Rüstungsgeschäfte stets Vorrang haben? Etwas anderes läßt sich hierbei kaum interpretieren, schöne Reden von Friedensabsichten nur noch Makulatur sind.

Medien verunsichern – rechtsradikaler Anteil sollte nicht unterschätzt werden

Dazu tragen insbesondere der Ruf einer angeblichen Lügenpresse genauso bei wie sogenannte Fakenews, die es bekanntlich real gibt, auch ein The Donald mit seinen ständigen Entgleisungen, die Unwahrheit zu verkünden, seinen Anteil hat. Im Kontext des Nahostkonflikts wird dies besonders ersichtlich angesichts etlicher Versuche von Antisemitismusvorwürfen.

Wie dramatisch und komplex gezielt verunsichert wird, deckt der Artikel des The Lower Class MagazinesRechter Angriff auf kritische Wissenschaftlerin an der FU Berlin“ auf (Empfehlenswert nachzulesen unter der Überschrift: Vom rechten Blog in die internationale Presse – und an die Universität). Dortigst deckt Can Yıldız auf, mit welchen Methoden Israelhetze behauptet wird, obwohl die junge Dozentin völlig zu Recht auf „Rassismus im Kapitalismus“ begründet hinweisen wollte.

Mit simplem Schwarz-Weiß-Denken kommt man aber keineswegs weiter. Wer sich mit dem Nahostkonflikt näher und intensiver beschäftigt, stellt schließlich fest, welche Interessensgruppen dort involviert sind, Rüstungsgeschäfte mit eingebunden. Auf der Strecke bleibt die Zivilbevölkerung vor Ort, die das alles aushalten muß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Die Unscheinbare

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Verschwindend klein
kam sie mir entgegen,
von Mal zu Mal
schrumpelte sie mehr ein,
zuerst dachte ich,
es sei an mir gelegen,
mein Eindruck des Maßes
täuschte mein Empfinden,
doch nein,
es wurde immer mehr
ersichtlich,
sie verminderte
ihr Sein,
war fast nur noch
ein Hauch
in meinem Gedächtnis,
dem Staub anhaftete,
zu zart für jede
Berührung,
das Ende wär´s,
die Zerstörung.

Sie bemerkte
meine Unschlüssigkeit,
blähte sich auf
zu ihrer normalen Größe,
zerbrechlich, weich,
erinnerungsbestickt,
Narbennähte,
verwebte Festigkeit,
filigrane Stärke,
schwebende Formlosigkeit,
ihr Maß für Werte,
riesig,
Sehnsucht nährte
unseren Blick,
wie kleinlich
wertete ich
ihr Angesicht,
Liebe benötigt
keinen Palast,
in jeder Pore
findet sie Platz.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Gesundheitspolitik: Und ewig lockt die Pharmalobby

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Ein unüberschauberer Teufelskreis

Dürfen die Deutschen eine Trendwende in der Gesundheitspolitik erwarten? Keineswegs, erst recht nicht beim Merkel-Kabinett IV, mit einem Jens Spahn als neuer Bundesgesundheitsminister fallen Späne, wird er einer Kohl-Linie durchaus gerecht.

Man muß weiterhin befürchten, daß in der Gesundheitspolitik gilt: Und ewig lockt die Pharmalobby. Handelt es sich hierbei um eine polemische Phrasendrescherei, oder aber sitzt die berechtigte Kritik ganz tief verwurzelt im Bewußtsein derjenigen, die ahnungsvoll erkennen, welch perfide Absichten sich dahinter verbergen?

Chemie wider Pflanzenwissen

Genauso wie Banken sowie die Hochfinanz alles daran setzen, die Wirtschaftspolitik entscheidend zu beeinflussen, ganze Konzerne zusammen mit den Regierungen in wechselseitiger Abhängigkeit nach deren Pfeife tanzen, um es mal auf den Punkt zu bringen, verhält es sich mit dem Aufstieg der chemischen Industrie, in der ebenso pharmazeutische Erzeugnisse ihren Anteil am Gewinn beanspruchen und daher durchsetzen.

Nicht nur in Naturvölkern wie heute gern z.B. im Amazonas-Gebiet beobachtet wird, herrscht ein großes Wissen ob der dort vorhandenen Pflanzensubstanzen, die hilfreich dem Menschen bei allerlei Leiden dienen, sondern auch im europäischen Raum wußten von alten Druiden bis zu den Kräuterweiblein, sich per Heilpflanzen die Menschen zu helfen.

Mit aufkommender Industrialisierung und dem Forscherdrang im wachsenden pharmazeutisch-chemischen Bereich entstanden zunehmend deren Errungenschaften heilsbringender Medikamente, eine schier gigantische Anzahl an Produkten. Ob sie stets genau den Nutzen für den hilflosen Patienten erbringen, darf nicht nur, sondern muß angezweifelt werden. Doch wer vermag dies zu beurteilen?

Die Kritik an Pharmalobby wächst kontinuierlich

Einmal tief durchschnaufen, nicht einer Ärzteschaft ausgeliefert zu sein, die zugleich sich in gewisser Abhängigkeit zu bestimmten Medikamenten befindet, welche eine geschult instrumentalisierte Pharmaindustrie ihnen tagtäglich vorschlägt, ob werbewirksam aufgeschwatzt oder argumentativ einleuchtend nahegelegt. Vermögen Ärzte tatsächlich beurteilen, wie die jeweilige Medikation hilfreich ihren Patienten zur Seite steht? Natürlich nicht, sie verlassen sich auf die Auskunft der Arzneimittelhersteller und dessen Studien im Vorfeld. Und schon schnappt die Falle der Glaubwürdigkeit zu. Wem darf man noch trauen, wer mal einen Blick hinter Medikamentenstudien wirft?

Doch die Pharmalobby steht im Fokus kontinuierlicher Kritik. Der anhaltend und daher zunehmende Druck der Pharamindustrie auf die politischen Entscheidungsträger sollte als Gratwanderung einer profitorientierten Zielsetzung betrachtet werden, wobei der Patient nach wie vor auf der Strecke bleiben kann.

Daß die Pharmakonzerne explizit herzlos ihre eigenen Profite im Visier erwähnen, darauf wies neulich Dylan Grays Film „Fire in Blood“ hin, der 2013 in bestimmten Kinos in Hamburg und Berlin zu sehen war. Aber selbst die US-amerikanische Ärztin und ehemalige Chefredakteurin des „The New England Journal of Medicine (NEJM)“, Marcia Angell, übte scharfe Kritik an Pharmakonzerne, die Öffentlichkeit werde bewußt getäuscht.

Lebenswandel entscheidend

Es gibt einen umfassenden Zusammenhang zwischen einer Pharmalobby, ihren hilfreich zur Seite stehenden Politikern sowie der Gesellschaft, die nahezu ohnmächtig diesem Machtkartell aus Profitgier, Ignoranz den Betroffenen gegenüber ein scheinheiliges Wegducken hinnimmt, ohne wirklich etwas zu ändern. Der Schlüssel zur Beseitigung dieses dramatischen, keineswegs sinnvollen Weges liegt im Bewußtsein unserer Lebensweise.

Solange ein fortwährender Leistungsdruck die Gesundheitsgefahren erhöht, dürfen wir uns nicht wundern, daß die Pharmaindustrie sich unerschrocken bedient. Ritalin und ADHS-Medikamente sind alles andere als eine tolle Errungenschhaft, sondern mit ein Beweis dessen, wie eine gefährlich verlogene Notwendigkeit uns „verkauft“ wird.

„Viele Ärzte haben ihre Seele an die Pharmaindustrie verkauft. Wir brauchen eine Trennung von Ethik und Monetik. (Ellis Huber)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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