Ausweglos

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Kirchturm,
unten kriecht ein Wurm.
Heiligtum,
eine Bombe zündet – bumm.
Glockenläuten,
was hat das wohl zu bedeuten?
Predigt,
hat sich längst erledigt.
Sündenfall,
Aufklärung erfolgt per Überschall.
Oberstes Gebot,
hilf den Armen in höchster Not.
Moralapostel,
der mit dem dicksten Fell.
Shutdown,
was bezweckt damit dieser Clown?
Happy End,
wenn alles deshalb wegrennt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Zwischenmenschliches auf stillem Örtchen

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Ansichten zweier Welten

Der Großteil der Menschheit lebt in Städten, während in manchen Gegenden der Erde Menschen Gleichgesinnte sehnlichst suchen zwecks gelegentlichen Austauschs.

Obgleich die Einsamkeit für die Gehetzten eine wohltuende Stille bedeutet, sich Naturverbundene in Großstadtmetropolen vor lauter Lärm, Gestank und Hektik verloren fühlen würden. Grund genug auch mal im Alltag abzuschalten, dem Stakkato des Streßes zu entfliehen, Oasen des Innehaltens aufzusuchen, selbst an eher ungewöhnlichen Plätzen wie beispielsweise in einer öffentlichen Toilette.

Neulich fanden sich zwei völlig unterschiedliche Menschen ein, wobei beide voneinander eben nicht wußten, jeder meinte, er sei allein im Raume. Dadurch fühlten sie sich unbeobachtet, ließen ihren Gedanken freien Lauf, trafen Ansichten zweier Welten aufeinander – Zwischenmenschliches auf stillem Örtchen. Aber horchen Sie selbst mal rein.

Sprecher: Irgendwo in einer Stadt Deutschlands, die mit dem B vorne und den rund vier Millionen Menschen, in einem öffentlichen WC. Während Ben just den Riegel der grauen Kunststofftür zugeschoben hatte, hechtete Mike nach langem Dauerlauf in den ein wenig nach Chlor muffelnden Raum, knallte die Tür zu, riß die Jogginghose heftigst nach unten, setzte sich und das befreiende Fließen erleichterte seine Blase. Keine Sorge, es folgen keine weiteren Details in Sachen Toilettengang. Ben hatte trotz des Lärmes nichts bemerkt, war verunsichert, dachte nach.

Ben: Manchmal fordert mich Harald heraus, mit welchem Recht überläßt man ihm derart komplexe Handlungsspielräume, obwohl ich doch über wesentliche Berufserfahrung verfüge? Woher hat dieser Schnösel eigentlich die Courage, dermaßen unverfroren mich fortlaufend zu mobben? Etwa mit der Chefin in der Falle gewesen? Das darf doch alles nicht wahr sein!

Sprecher: Sie müssen wissen, Bens Beförderung stand auf dem Spiel, da ein jüngerer Rivale mit ganz simplen Mitteln ihn in die Quere kam. Mike hingegen beschäftigten ganz andere Probleme.

Mike: Was für ein Geruch hier. Nun denn, jetzt erst mal in aller Ruhe meine Gedanken sammeln. Joanna meint also tatsächlich, ich hätte nichts bemerkt? Na, was glaubt sie eigentlich, meint sie, ich tappe blind durchs Leben? Und das nach all den vielen Gesprächen der letzten Wochen? Mit solch simpler Ausrede kommt sie mir nicht davon. Nö nö, nicht mit mir! Zumal dummerweise och noch der Bernd sein Handy auf ihrem Nachttisch hat liegen lassen, also offensichtlicher geht’s wohl kaum!

Sprecher: Ben schwenkte nach anfänglicher Wut in gemäßigte Gedankenwelten, erste Anzeichen strategischer Ideen entwickelte er unverblümt.

Ben: Das laß ich mir nicht länger bieten! So billig kommt der Harald nicht davon, da muß es eine Möglichkeit geben, ihm eine Falle zu stellen. Hm. Was wäre denn, wenn ich ein wenig mir seinen PC vorknüpfe. Doch halt, ich weiß doch sein Paßwort nicht. Hehe, na klar, die Idee, der Tom knackt es bestimmt, nur noch Harald für ne gewisse Zeit ablenken, na siehste, das funktioniert, bekomme ich hin.

Sprecher: Während Ben sichtbar gelassener sich die Hände rieb, war Mike jetzt am Höhepunkt seiner Eifersucht angelangt, um dennoch nach Wegen zu suchen, Joanna für sich zurück zu gewinnen.

Mike: Ich muß dem ein Ende setzen, werde sie gleich nachher ansprechen. Am besten direkt klären, so weiß ich wenigstens, woran ich mit ihr in Zukunft bin. Aber halt, geht ja gar nicht, muß noch zwei Zeichnungen beenden, hätte ich ja beinahe vergessen. Studium und Beziehung scheint doch schwerer vereinbar zu sein, als ich anfangs dachte. Vielleicht war es genau das, was Vater neulich meinte?

Sprecher: Ben streckte sich genüßlich, so weit man das halt in der Kabine einer öffentlichen Toilette überhaupt vermag. Genau, diese Taktik könnte fruchten, glaubte er nunmehr zu wissen.

Ben: Für nen 50er macht das der Tom garantiert. Und dann find ich Haralds Schwachpunkte, die ich einzusetzen weiß. Danach kann er einpacken, eventuell sogar die Firma verlassen, das wird das Beste sein nach dem Vorfall, Chefin hin oder her. Die geht sowieso über Leichen, wie mir scheint.

Sprecher: Mike war fest entschlossen, trotzdem seiner Beziehung noch eine Chance zu geben, schließlich räumte er für sich ein, daß er wohl nicht der einzigste Student sei, der Studium und Freundin meistern möchte. Wo die Liebe hinfiel, suchte sie sich Wege.

Mike: Ach, was soll’s, entweder sie gesteht ihren Ausrutscher und wir versöhnen uns, oder aber die Wege trennen sich. Einfach darüber zu schweigen, geht nicht, da spielen meine Gefühle verrückt. Ich muß da jetzt durch.

Sprecher: Inzwischen hatte eine unglaubliche Gelassenheit Bens Verfassung erreicht. Genußvoll ließ er die einzelnen nächsten Schritte Revue passieren, beendete zügig sein Geschäft, verließ das stille Örtchen und begab sich zum Handwaschbecken. Auch Mike war guter Dinge, überlegte schon, welche Schwierigkeiten ihn bei den Zeichnungen erwarten würden. Das Klärungsgespräch mit seiner Freundin war für Momente nur noch zweitrangig.

Manchmal begegnen sich Menschen, schweigsam, ohne Worte, sogar wie in diesem Fall, wo keiner den anderen sah, gedankenversunken in ihrer eigenen kleinen Welt, und doch trägt jeder Verantwortung innerhalb seines Seins, versucht sich selbst zu finden, ob dabei stets im Sinne einer folgerichtigen Entscheidung, bleibt mal dahingestellt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Nachts unterwegs II

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Verirrt,
verwirrt,
falsche Richtung
gelaufen,
Dichtung –
ein Papierhaufen.
Mondlicht
zu schwach –
kann passieren
so eine Sach`.
Früher Unterhosen
gebügelt,
Schwachsinn,
der beflügelt,
rascheln
im Gebüsch,
nachtblau
ist hübsch,
drunter oder drüber,
es ist mir lieber,
angezogen,
meinem Herzen
eng gewogen,
komm raus,
du graue Maus,
du Krähe,
dachtest, daß
ich dich nicht sähe.
Tobender Beifall,
neben mir Geräusche
wie ein Wasserfall,
es springen, hüpfen,
tanzen,
im Ganzen,
so in etwa
zehn Rehe
in die Höhe-
und weg und zack
und fort,
wieder allein an diesem
gottverlassenen Ort.
Heckendorf,
wetten meine Füße
erinnern mit Schorf
mich noch wochenlang
an diesen
Nachtspaziergang.
Jetzt noch so an die
fünf Kilometer,
ohne Jammern
und Gezeter,
verfluchter Mist,
Gewitter,
es pisst,
donnert und blitzt,
es flitzt
sich nicht leicht
auf Schienen,
mir ist noch nie
Mutter Gottes
erschienen,
da steht sie vor mir,
mit Taschenlampe
nimmt sie mich
ins Visier.
Hinter ihr ein Mann,
weil man nur zu zweit
Bahre tragen kann.
Vor lauter Freud´,
nachts treffen sich
die komischsten Leut`,
und weil ich sonst
niemand gesehen,
der auf dieser Strecke
war am Gehen,
wechselten wir uns
reihum ab,
jeder durfte in der Bahre
liegen wie im Grab,
ruhig schwebend,
Wasser das Gesicht
belebend,
bis wir meinen
Urlaubsort erreichten.
Dort saß
mit durchgeweichten
Klamotten
neben dem Bahnhof
der vermißte
Freund, hartgesotten,
ohne Miene zu verziehen
wurden wir begrüßt,
einer, der öfters
anderen die Leviten liest,
ihr seid nicht besser,
als die Bahn, die hier
früher fuhr,
Verspätungen ohne
Gewissensbisse,
immer dieselbe Tour.

Nafia

Nachts unterwegs

Kategorie: Gedichte

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Nahrungsergänzungsmittel kritisch betrachtet

Schummeln im großen Stil

Man findet sie in Reformhäusern, Bioläden und beim Discounter, in Apotheken. Doch braucht man die denn überhaupt? Wer sich wirklich ausgewogen ernährt, kann sie getrost in den Regalen stehen lassen, die oftmals verlockende Werbung mal besser ignorieren, weil deren Heilsversprechen keiner ernsthaften wissenschaftlichen Studie standhalten würden.

Davon wollen Firmen, die ihre so tollen Nahrungsergänzungsmittel an die Frau, den Mann oder gar ans Kind bringen wollen, nichts hören, reagieren gar entrüstet, wenn man sie krititsiert und genauer unter die Lupe nimmt. Zieht man den Hochleistungssport hinzu, wird es erst recht ziemlich kriminell, weil die Grauzone der Dopingkontamination mitschwingt, Anabolika und Prohormone entsprechend für Probleme sorgen.

Studien relativ simpel unters Volk bringen

Viel Schmu und somit betrügerische Hochstapler unterwegs? Das muß man leider unbedingt feststellen. In der WDR-Sendereihe Planet Wissen beschäftigte sich der Beitrag „Wenn Wissenschaftler schummeln“ kürzlich mit dem Thema. Dort berichtet der investigative Journalist Peter Onneken, wie simpel er es schaffte, beim 7. Weltkongress zum Thema Brustkrebs auftrat, um als angeblicher Wissenschaftler und Onkologe zu referieren. Kein Widerspruch folgte.

Erinnerungen mögen bei dem ein oder anderen wach werden, denken wir an die heutige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, deren Doktortitel mal vom Plagiatsjäger von VroniPlag Wiki in Frage gestellt wurde, weil es schwere Regelverstöße fand. Selbst wenn die Medizinische Hochschule Hannover später entschied, sie könne ihren Doktortitel behalten, verbleiben berechtigte Zweifel. Zieht man die Hannover-Connection hinzu wohl erst recht! Dabei denkt der geneigte Kritiker schnell an Namen wie Carsten Maschmeyer, Christian Wulff, Gerhard Schröder oder eben die Abrecht-Tochter.

Riesige Märkte folgen profitablen Machenschaften

Ganze Industriezweige finden sich dabei ein, allen voran die chemische Industrie, die mit der Agrarwirtschaft längst eng verflochten Abhängigkeiten erschafft hat, Mensch nur noch zweitrangig sich unterordnen muß.

Demnach unser täglich Gift bis hinein in Lebensmitteln eben nicht verbannt wird, dann lieber nachhelfen mit gesundheitsversprechenden Nahrungsergänzungsmitteln. Eine nicht ungefährliche Entwicklung. Umso wichtiger, sie äußerst kritisch zu betrachten, Verbraucher besser von ihnen abzuraten. Kein leichtes Unterfangen in einer Welt voller Versuchungen und Blender.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Nachts unterwegs

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Beschienen,
die Schienen,
langgelaufen,
ohne zu
verschnaufen,
eilig.
Scheinheilig
des Mondes Licht,
mal heller, mal nicht,
er treibt seinen Spaß,
nur auf die Schienen
ist Verlaß.
Abgehetzt,
unverletzt,
das Ziel erreicht,
Knie zittern leicht,
Wolken verschwunden,
umsonst geschunden,
Bahnhof Oberraghild
stand auf dem Schild,
falsche Richtung,
umsonst bemüht
die Dichtung.
Das Ganze auf Anfang,
die Story wird halt
doppelt so lang.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Apollo 11 Mondfahne spurlos verschwunden

Erster kosmischer Diebstahl

Die Menschheit blickte entsetzt gen Mond, obwohl niemand dermaßen scharfe Augen haben konnte, auch nur ansatzweise irgend etwas auf dem einzigen Erdtrabanten zu sehen, geschweige eine vor bald fünfzig Jahren aufgestellte US-amerikanische Fahne. Aber sie schaute trotzdem gebannt und sorgenvoll hin, machte sich so ihre Gedanken, rätselte, wer wohl dahinterstecken könnte.

Für sämtliche Verschwörungstheoretiker war der Fall ohnehin schon weit vorher völlig klar gewesen, kein Astronaut, und schon gleich gar kein US-amerikanischer hatte ihrer Meinung nach jemals den Mond betreten und somit auch keine Fahne dort zurückgelassen. Selbst die anderen noch auf dem Mond verbliebenen fünf Fahnen seien lediglich ein simples Spiel der Täuschung gewesen. Für den weitaus großen Teil der Weltbevölkerung aber stand jetzt fest: Mit der verschwundenen Apollo 11 Mondfahne handelte es sich hierbei um den ersten kosmischen Diebstahl!

Besonnen ausgereift durchdachter Handlungsbedarf war nunmehr vonnöten, um alles daran zu setzen, die Diebe zu entlarven, aufzuspüren und der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Natürlich fühlten sich insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika aufgerufen, daß damals erstmalig in den Mondboden gerammte Symbol menschlichen Genies, den uralten Menschheitstraum, nicht den Mann im Mond zu treffen, sondern vielmehr selbst ihn zu betreten, schnellstmöglich wieder zu finden. Und so traf man sofort erste Entscheidungen. Eine Special-Taskforce-Luna-Banner-Mission, kurz die STLBM wurde ins Leben gerufen. Von Beginn an herrschte eine absolute Nachrichtensperre und Geheimhaltung, und so entschied der US-amerikanische Präsident Mick Ronny, der erst kürzlich ins Weiße Haus eingezogen war, die Oberbefehlsgewalt für sich in Anspruch zu nehmen, was niemand ernsthaft anzweifelte.

Selbstverständlich hatten im Vorfeld die USA sämtliches Filmmaterial gesichtet, die anderen Plätze aus der Ferne begutachtet, wo mit den Apollo-Missionen (12, 14, 15, 16 und 17) ebenfalls jeweils eine Fahne aufgestellt und gehißt worden waren. Aber keinerlei Indizien ließen sich entdecken, jede neue Spur wäre sofort aufgefallen, zumal kein Kosmossturm jemals ein Mondsandkorn aufgewirbelt hatte, der Trabant wurde von solchen Stürmen eben erst gar nicht heimgesucht.

Specialagent Fred Thornton, Leiter der STLBM, stellte sich seinem Team vor. Sämtliche Bewegungen, alles was sich innerhalb der Mission abspielte, wurde stets mit der Kamera begleitet, sollte späteren Unklarheiten, aber auch als Anschauungsmaterial für zukünftige Missionen dienen. Die Menschheit hatte mit dem Betreten des Mondes 1969 längst die Tür zum All geöffnet, der Diebstahl stellte sich als unverkennbares Indiz heraus, daß da noch andere Spezies auf sie warteten.

„Ausschweifende Reden sind so gar nicht mein Fall. So komme ich auch gleich zum Punkt“, eröffnete Thornton seinem neuen Team, „in wenigen Stunden sitzen wir allesamt im Shuttle mit Kurs zum Mond, um uns ohne Umschweife gezielt und direkt auf die Suche zu begeben. Ihnen allen lag der kurze, straff verfaßte Bericht vor, ein jeder weiß, was zu tun ist, kennt sein Aufgabengebiet. Ich wünsche uns eine gute Zusammenarbeit, und falls noch Fragen sind, dann bitte ich jetzt darum, sie vorzutragen, damit keine Unklarheiten herrschen.“ Die meisten kannten Fred und sich ebenso untereinander, bis auf wenige ganz speziell Geschulte, insbesondere für außergewöhnliche Herausforderungen, wie z.B. Ellen Ripey, die Biologin, die auf außerirdisches Leben spezialisiert war. Skeptisch schaute sie in die Runde und meldete sich zu Wort.

„Mr. Thornton“, begann sie, wurde aber sofort von ihm mit der Bemerkung unterbrochen, daß hier im Team sich doch alle duzen mögen, angesichts der sehr persönlichen Nähe, auf solch engem Raum habe das wesentlich mehr Vorteile, schaffe schnell besseres Vertrauen.

„Oh ja, selbstverständlich, du hast Recht“, bestätigte Ellen ihn, „was sind die Optionen im Falle einer Begegnung der neuen Art, verfahren wir dann nach Handbuch oder aber entscheiden wir der Situation entsprechend, was gleichzeitig auch bedeutet, daß einer von uns gezielte Entscheidungen treffen muß, ohne vorherig den Teamleiter um Zustimmung fragen zu müssen. Das könnte sich als existenzielle Frage herausstellen, die jetzt am besten zu klären ist, oder?“, fuhr sie fort und schaute ihm herausfordernd direkt in die Augen. Thornton stimmte ohne Umschweife zu, da sie natürlich vollkommen Recht hatte, in solch Extremsituationen war Erfahrung, Wissen und eine große Portion hilfreiche Intuition vonnöten, die Ellen allemal mitbrachte und kein Autoritätsgehabe. Das Team atmete hörbar erleichtert auf.

Stunden später befanden sie sich längst im All, der Mond rückte deutlich sichtbar näher. Aber gleichzeitig wurden auf Mutter Erde sämtliche Register gezogen, um vielleicht doch noch den Verlust dieser prestigeträchtigen Fahne abzuwenden, sie wiederzufinden, vielleicht war sie dreist und unbemerkt geklaut worden von einer anderen Nation. Niemand startete einfach so eine dermaßen aufwendige Mission, ohne alles auf Erden versucht zu haben. Dennoch verblieben Restzweifel. Könnte etwa die Volksrepublik China oder die Russische Föderation dahinterstecken, vielleicht auch die Republik Indien? Diese Ungewißheit war eigentlich unerträglich für alle Betroffenen.

Die Fähre setzte auf, das Team wollte nunmehr vor aller Weltöffentlichkeit seine unverkennbare Kompetenz unter Beweis stellen, als plötzlich Eric Bridgestone, der als erster aussteigen sollte, auf die Stelle schaute, wo vorher die Apollo 11 Mondfahne gesteckt hatte, und lauthals stotternd aufschrie: „Die die Fahne, da liegt sie do… doch im Staub!“ Niemand rührte sich vor Ort, im Hintergrund herrschte aufgeregtes Geplapper, die nachfragenden Funkstimmen des Raumfahrtzentrums in Houston überschlugen sich, die meisten dachten, sie hätten sich verhört. Doch es stand fest, die Fahne befand sich immer noch auf dem Mond. Ein wenig später löste sich das Rätsel, wie es geschehen konnte, daß die Fahne ohne Sturm, ohne menschliche Berührung einfach hatte umfallen können. Die abhebende Apollo 11 Fähre war der Fahne zu nahegekommen.

Mission erfolgreich beendet, alle Verschwörungstheoretiker durften sich wieder anderen Themen widmen, die erste Mondlandung aus dem Jahre 1969 hatte sich tatsächlich so abgespielt, wie alle Welt es an den Fernsehbildschirmen sahen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Zweiheit

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Zwei Flügel,
die schweben
tags in
schimmernden Farben,
nachts mit
samtenen Schwingen,
Duft in
sich fühlend,
Nektar mit
Sanftheit anfliegend,
verweilend in
einem Körper,
balancierend mit
symmetrischem Flattern,
um Liebe auszustrahlen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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