Wenn Enthüllungsjournalismus Grenzen überschreitet

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Wo beginnt oder endet ein fragwürdiger Kompromiß?

Geld regiert die Welt. Diese einleuchtende, allseits bekannte Phrase hat sich längst nicht nur als traurige Wahrheit bestätigt. Jede Menge Erfolgsmeldungen stehen in unmittelbarer Abhängigkeit zum entsprechenden Geldhahn. Daher kann Enthüllungsjournalismus erst dann wirklich nachhaltig agieren, wenn er finanziell unabhängig gefördert wird.

Größte Gefahr dabei, wenn er Grenzen überschreitet. Wo beginnt oder endet ein fragwürdiger Kompromiß? Eine Gratwanderung ganz im Sinne der Aufklärung steht gewissen Interessen gegenüber, die wiederum gezielt manipulativ im Hintergrund wirken.

Anprangern mittels nüchterner Enthüllung – ein beherztes Ideal

Wer mit kleinstem Budget versucht, Widrigkeiten aufzuspüren, ist letztlich zum Scheitern verurteilt. Einzige Ausnahme: Man ist mittendrin als Betroffener bzw. Beobachter und gibt seine Erkenntnisse selber zum Besten oder wendet sich vertrauensvoll an jemand, der das übernimmt. Whistleblower erfüllen dies ständig, während investigative Journalisten über die aufgearbeiteten Informationen berichten.

Jene nüchterne Enthüllung entspricht im ursprünglichen Sinn einem beherzten Ideal, sich der Wahrheit und Aufdeckung verpflichtet zu fühlen, denken wir an die US-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward, die entscheidend die Watergate-Affäre ins Rollen brachten, an weniger populäre investigative Journalisten wie Ulrike Holler, die sich eher sozialen Themen widmet, die Mißbrauchsfälle an der sozialpädagogischen Einrichtung Kalmenhof in Idstein aufdeckte. Oder halt an den Undercover-Journalisten Günter Wallraff, dessen Kritik an der Bild-Zeitung unvegeßlich bleibt.

Wenn Privatsender im Spiel wird es ziemlich subtil

Jede Kritik hat ihren berechtigten Ursprung, ganz besonders, wenn man äußerst akribisch über den Sinn und Zweck bestimmter Zielsetzungen nachdenkt. Was war das für ein Aufschrei bei zeitkritischen Menschen, als mit dem Privatfernsehen die nervtötenden Werbeblocks dem Zuschauer zugemutet wurden, die mitten in spannenden Filmen Zwangspausen zwecks Konsumberieselung diktierten. Heute scheint es lästige Notwendigkeit zu sein, in der man schnell seine aufgewärmte Pizza aus dem Herd holt, auf dem Balkon sich die Zigarette gönnt oder aufs Klo geht.

Erinnern wir uns an Günter Wallraff, als er sich mit RTL zusammentat, selbst wenn berechtigterweise man die Fast-Food-Kette Burger King sehr kritisch betrachten muß. Da konnte selbst ein Spiegelreporter nicht viel ausrichten mit dem kläglichen Versuch der Rechtfertigung, eine Kritik der Sendung wäre geschmäcklerisch, es ginge doch um Aufklärung für die Massen beim „Team Wallraff“. Als ob ausgerechnet die sogenannten RTL-Zuschauermassen sich dadurch beeindrucken lassen würden, ihre liebgewonnenen Essensgewohnheiten ernsthaft zu hinterfragen.

Das hat schon bei Filmberichten über das Elend in der Massentierhaltung nicht gefruchtet. Selbst mit kontinuierlich zunehmender Anzahl an Vegetariern wird in „Grillorgien“ sich die Wurst, das Steak oder Schnitzel gegönnt, egal welches Leid dem Tier vorher widerfahren.

Insofern ließ sich Wallraffs Sinneswandel allerhöchstens mit entsprechend schmalen Geldbeutel erklären, weil eventuell keine anderen Sponsoren sich fanden, diese Enthüllung finanziell zu unterstützen. Schade nur, daß mit solchem Kompromiß ausgerechnet Privatsender ein Podium erhalten, was einer nachhaltig kritischen Auseinandersetzung mit den vielen trügerischen Konsumgütern nicht im geringsten standhält.

Das würde nämlich Abschied von gewissen Firmen bedeuten, die aber für Einnahmen über Werbung sorgen. Somit aus geschäftlicher Sicht ein NoGo. Dem Enthüllungsjournalismus schaden solche Aktionen viel eher, wenn man denn eine bestimmte Grenze ziehen möchte, man infolge bereit ist, auch mal Nein zu sagen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Tonsäge

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Es tönt aus dem Dudelsack,
schnack, schnack, schnack.
Der Sackpfeifer eingeschlafen,
laut hört man sein Schnarchen.

Das Publikum lacht sich krumm,
johlt und grölt, Stühle fallen um.
Aufgeschreckt aus seinem Traume,
der Pfeifer zählt die abgesägten Bäume.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Bürgerwehren: Wichtigtuer der Neuen Rechten ohne gesetzliche Handhabe

Rechtsfreie Räume belasten das Zusammenleben

Die letzten Regierungen haben ziemlich eindeutig in vielen Bereichen versagt, so auch die Polizei personell aufzustocken, zumal nicht nur die Gewalt deutschlandweit zugenommen hat, sondern die Kollegen vor Ort nicht mehr wirklich ständig und schnell präsent sein können, wenn mal die Situation es verlangt. Ganz besonders tragisch offenbarte sich das am Ende dieses Sommers in Chemnitz, als ein rechter Mob die Stadt tyrannisierte, Ausländer gezielt gehetzt wurden, auch wenn Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer dies abstritt.

Genügend Gründe somit vorhanden, Bürgerwehren zu organisieren? Rechte laufen Streife, während der Staat irritiert sie beobachtet? Wieso erinnert einen das an die äußerst fadenscheinige Handhabe des Verfassungsschutzes hinsichtlich des NSUs? Erst recht, nachdem der lange und teuere Prozeß ein dermaßen enttäuschendes Ergebnis ablieferte.

Heutige Bürgerwehren nicht mit deren Ursprüngen zu verwechseln

Auch hervorgegangen aus der französischen garde bourgeoise für Bürgergarde, haben sich hierzulande Bürgerwehren aus der Waffenpflicht der Bürger, um ihre Städte jeweils zu verteidigen, gebildet. Letztlich verloren sie schnell an Bedeutung mit der Erschaffung eines stehenden Heeres, nach dem Ersten Weltkrieg ging aus der Bürgerwehr die Volkswehr hervor, bildeten sich Schützenbruderschaften und -vereine.

Doch inzwischen meint vor allem die Neue Rechte, sich anmaßen zu dürfen, Bürgerwehren zu bilden, die wiederum Deutsche vor „Horden von kriminellen Migranten“ schützen müssen. Wenn schon die Politik nach der rechten Pfeife tanzt, darf niemand sich wundern, daß eine AfD ständig in den Wahlprognosen sich steigert, inzwischen in allen Landesparlamenten und im Bundestag sich platziert hat. Deutschlands Weg in die Vergangenheit nimmt somit abstruse Formen an. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen über die deutschlandweit verteilten Bürgerwehren, 30 sollen es sein, eine größere bekannte ist die „Düsseldorf passt auf“, wohl eine der ersten, die sich im Internet gründete, mit über 14.000 Mitgliedern. Somit kann man kaum von harmlosen Gruppierungen sprechen, das Potential an willkürlicher Gewalt schwingt wohl mit.

Hooligans, Rocker und Neonazis vereint in Bürgerwehren bereit

Hinzu kommt die eher im Hintergrund lauernde Gefahr des rechtsextremen Terrors, der jederzeit wieder gezielte Opfer im Visier hat, besonders in Zeiten von Politikverdrossenheit, sozialem Abbau seine Chancen wittert, im Anschluß als williger Helfer rechtsradikaler Parteien zu fungieren. Natürlich wird das offziell seitens einer AfD vehement bestritten, realistisch sind allerdings finanzkräftige Lobbyisten im Hintergrund, ob von einem August von Flick bis hin zu noch unbekannten.

Die einen dienen als nützliche Handlanger, wie Hooligans, Rocker und eine anwachsende Sympathieschar neuer Neonazis, die anderen mit viel Kapital und Korruptionsabsichten in Wirtschaft und Politik genehmigen sich entsprechende Pöstchen, allesamt mit dem gleichen Ziel: diesen Staat zu zerstören, d.h. die Demokratie, um selbst die Macht an sich zu reißen, wieder hin zum Nationalismus, am Ende zum Faschismus.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Zu früh verblüht

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Verdorrt,
vor Ort.
Oder war es dahinter?
Jedenfalls, es war Winter!

Kalt,
im Wald.
Eisig,
selbst das Reisig.

Dunstig,
es war ein Dunschtig,
ihrem freien Tag,
noch kein Schnee lag.

Schlaf,
mein Kind, sei brav.
Das Eis wird uns zur Decke,
ewige Wärme, nicht erschrecke.

Zersplittert
die Seele, nicht verbittert.
Es schließt sich das Eis,
Zeit läuft im Kreis.

Verdorrt der Kranz,
wild war sie beim Tanz.
Kalt die Orte,
lebenswert nur an der Himmelspforte.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Gipartexx – Begegnung mit einer unbekannten Spezies

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Unendlich riesig erstreckt sich der Kosmos, in dem Milliarden von Sonnensystemen ihn zu füllen scheinen, obwohl in den Weiten des unbegrenzten Raumes ein luftleeres Nichts kaum endenwollend einem begegnet, wer denn sich auf Reisen durch ihn begibt.

Schon lang waren sie unterwegs, Zeit spielte nicht die geringste Rolle in ihrem Bewußtsein, weil diese lediglich die Menschen beschäftigte. Noch betrug die Distanz zu diesem herrlich blau anzuschauenden Planeten an die 180 Millionen Kilometer, ein wenig weiter als des Fixsterns Licht diesen erhellte, für die Gipartexx ein Katzensprung, zumal sie just einen Kurztrip von rund 6 Millionen Parsecs hinter sich hatten. In der begrenzt geistigen Welt des Homo sapiens würden solche Flüge in keiner Weise zu realisieren sein, wie die herannahenden Außerirdischen nur zu genau wußten, was jene aber nicht weiter beschäftigte.

Karin schloß für einen herrlich anmutigen Moment ihre grünen Augen, nachdem sie die von Ost nach West ziehenden Wolkenpakete beobachtet hatte, während das duftend kühle Naß der Wiese ihr ein Gefühl von irdischer Geborgenheit gab, lang ausgestreckt liegend und voller Zuversicht, ohne jedwede Vorahnung, was da noch geschehen könnte. Markus hatte sie nach schon viel zu langer, beschwerlicher Beziehung endlich verlassen, befand sich längst auf dem Weg nach Norden, sie selbst lag hier mitten in der Schwäbischen Alb unweit der Burgruine Hohenlupfen und starrte in den unruhigen Wolkenhimmel.

Plötzlich beschlich Karin urplötzlich ein merkwürdiges Gefühl, welches sie zunächst nicht einzuordnen vermochte. Trotz geschlossener Augen offenbarte sich ein grelles Licht, was die eigentlich intensiven Strahlen der Sonne um ein vielfaches an Intensität übertraf, zugleich schien die gesamte Umgebung in eine Schockstarre zu verharren, sie selbst eingeschlossen. Trotz heftigsten Versuchen ihre Augen zu öffnen, schienen die Lider diese zunächst wie eine verriegelte Falltür in Bann zu halten.

Doch schon im nächsten Moment obsiegte ihr eiserner Wille und setzte sich durch. Was sie dann sah, ließ sie kurz erschrocken einer Ohnmacht nahe aufschreien. Aus dem Licht tauchte just ein extrem violett-schwarz schimmerndes Oval auf, ganz ähnlich wie eine Frisbee-Scheibe, aber dafür um ein vielfaches größer und vor allem sich stetig langsam um die eigene Achse drehend, stoppte auf einmal und eine blitzartige Flamme schoß aus der Unterseite, dermaßen laut und vor allem heiß, daß ähnlich wie schwere Hagelkörner einige Vögel tot vom Himmel fielen, direkt neben ihr ein junger Habicht, dessen Gefieder den typischen Geruch von verbranntem Horn ausdünstete.

Irgendwie hatte Random-1349, so wurde der Gipartexxer genannt, es bereits vorausgeahnt, daß die enorm hohe Hitze zu unvermeidbaren Opfern führen würde, was er dennoch zutiefst bedauerte, als die Vögel zunächst verendeten. Aber das kurze Leiden hatte ein schnelles Ende, und Augenblicke später flogen alle wieder von dannen, so als ob nichts vorgefallen wäre. Der Trick bestand darin, die Zeitspanne zwischen Eintritt in die Erdatmosphäre und Landung selbst „auszublenden“, sie quasi ungeschehen zu machen, um sie mit genau den Geschehnissen zu füllen, was passiert wäre ohne die Präsenz der Außerirdischen.

Das weibliche Erdenwesen wirkte ein wenig anders auf ihn, denn nach kurzer, vorbereitender Studie mittels geistig immaterieller Annäherung meinte er noch, ihre Aura begriffen zu haben. Nunmehr stellte sich doch ein Unterscheid ein zwischen geistigen Erfahrungswerten und physisch real wirkenden. Allein schon die enorm heftigen Gerüche machten ihn zu schaffen, bedenkt man, daß seine Spezies mit knapp einer halben Milliarde Geruchszellen gleich über doppelt so viele verfügte wie irdische Hunde. Aber auch alle anderen Sinne übervorteilten ihn, von seinen geistigen Fähigkeiten mal ganz abgesehen. Im Gegensatz zur vielfach völlig überzogen ängstlich-aggressiven Einstellung vieler Menschen allem Unbekannten gegenüber, verhielten sich die Gipartexxer gelassener, jedoch aus dem einfachen Grund, nichts dem Zufall zu überlassen. Eine exakte Analyse wurde stets vor sämtlichen kosmischen Reisen vorgenommen.

Als Karin sich langsam ein wenig irritiert erhob, kam schon Random-1349 auf sie zugeschwebt, ohne den Boden zu berühren. Allerdings verspürte sie nicht im geringsten Berührungsängste, sondern ganz im Gegenteil durchfuhr sie eine gewisse Sympathie, fast schon euphorisch lief sie auf ihn zu. Aber anstatt eines Gesprächbeginns, empfing sie im Innern selbst eine Stimme, die ohne Umschweife sie ansprach.

„Wir haben dich bereits erwartet, Karin. Bei uns spielt Zeit nicht die geringste Rolle. Man nennt mich Random-1349, wir kommen von sehr weit her, um uns ein wenig auf eurem schönen blauen Planeten umzuschauen, aber auch, euch anzuraten, alles menschenmögliche zu tun, den Weg der Zerstörung zu beenden, bevor ihr selbst an den Folgen des unbedachten Handelns zugrunde geht.“

Sie wußte, daß die Erscheinung die Wahrheit verkündete und bestätigte die gedanklich übertragene Botschaft mit sichtbaren Kopfnicken, verneigte sich sogar vor ihm und setzte sich ins Gras. Keine dreihundert Meter weiter liefen zwei Jugendliche im Dauerlauf ihrem Rottweiler hinterher, schauten sogar in die Richtung des Raumschiffs, welches sie allerdings nicht erfassen konnten, weil die Begegnung zwischen Karin und Random-1349 mittels „zeitlicher Verschiebung“ längst Vergangenheit war, obwohl zugleich stattfand. Wie praktisch doch der Faktor Zeit gezielt ein- und ausgeblendet unnötige Spannungen erst gar nicht aufkommen ließ. Eine ganze Weile lang tauschten die beiden sich noch aus, ohne daß ein Wort hörbar gewechselt wurde, rein auf gedanklicher Ebene.

Anschließend entfernte sich das Oval in rasender Geschwindigkeit, und Karin begab sich zurück nach Hohenlupfen, wo auch die beiden Jungs mit dem Rottweiler ihren Weg kurz kreuzten. Ganz tief in ihrem Herzen trug sie die Botschaft der Gipartexxer in sich, wissend, daß sie nicht allein ihnen begegnet war, die Menschheit beobachtet wurde, im Kosmos wesentlich mehr Spezies vorhanden waren, die untereinander meist friedlich begegneten. Erst wenn Mensch seine uralten Wurzeln wiederfinden würde, die mal vor langer Zeit ihn begleiteten, sollte endlich der Weg frei sein für Reisen ins All, ohne Haß, in tiefer Verbundenheit der Schöpfung und allem Sein gegenüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Umgeben von Falotten

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Falott, Fallobst. So hatte ich mir dieses Wort gemerkt. Es ist eines jener Wörter, die mehr sind als ein Begriff wie Haus oder Zucker, dieses Wort ist eher ein Ausspruch. Vor Jahren, nein, Jahrzehnten, gemerkt und immer wieder bei passender Gelegenheit benützt, fiel Falott dem Vergessen anheim wie das von mir gemerkte Fallobst, purzelte das Wort in den Untergrund zu all den dort lagernden Worten, Begriffen, Sprichwörtern, die dann und wann in meinen Sprachgebrauch zurückfinden, wenn ich, durch welchen Anreiz auch immer, darüber stolpere.

Und viele dieser Wörter verschwinden so schnell wieder, wie sie gefunden wurden. Falott, aber ist es wert, nicht wieder zu verlieren, weil es mehr ist, wie gesagt als ein Wort, weil es mehr ist, noch nicht gesagt als ein Gauner und Betrüger, und weil es von Falotten in unserer jetzigen Zeit nur so wimmelt.

Der Falott findet man eher im österreichischen, bayrischen Sprachgebrauch und das Wort für Bandit, Ganove, Schuft, Spitzbube, Halunke. Es entstammt dem französischen falot, das so viel bedeutet wie komischer, belustigender Mensch. Im Englischen finden wir es in fellow und besagt im heutigen Sprachgebrauch, ein Mitglied eines Colleges, Inhaber eines Stipendiums. Ursprünglich stand „fellow“ für Partner, Gefährte, Teilhaber und ist zurückzuführen auf das Wort fē, Vermögen und Besitz, und wen wundert es, sprachverwandt mit Vieh.

Er ist ein bigotter Falott, der Haderlump!“

So in etwa klingt die Beschreibung eines Menschen, der mit säuselnder Stimme Sie um ihre Ersparnisse gebracht hat oder sie mittels kreidefressenden Tonlagen verleitet, ihm Glauben zu schenken, daß etwas im Staate schief läuft oder moralisierend die Verwerflichkeit anderer vor Augen führt, wobei er tunlichst darauf achtet, selbst im besten Glanze dazustehen. Und das Ganze immer ausgeschmückt mit einer gewissen überheblichen Arroganz, dem gewissen Lächeln, das die Herzen der Schwiegermütter zum Schmelzen bringt. Hinterhältige Lügen bestickt mit ein wenig sarkastischem Humor und Witz, die darauf abzielen, vom eigentlichen Betrug der Unaufrichtigkeit abzulenken.

Einem komischem, belustigenden Menschen, keinem Kauz, jedenfalls nicht unbedingt einem Eigenbrötler und Sonderling, ist man gerne bereit zu verzeihen, weil er alles dafür unternimmt, Sympathieträger zu sein. Ärger, Frust und Wut werden sozusagen neutralisiert, der Ganove wird im Rückblick zum charmanten Heuchler, der durch seine verschmitzte Seriosität den Anschein erweckt, es ist alles gar nicht so gemeint. Ein kleiner Scherz am Rande, eine kleine Gaunerei, eine kleine Lüge, ein klein wenig Haß streuen, ein bißchen Zwietracht säen, alles nicht so schlimm, es gibt schlimmeres und ein winziges Körnchen Wahrheit hat noch keinem geschadet.

Dem Opfer wurde auf belustigende Art gezeigt, du bist zu leichtgläubig, das hat demnach was Gutes an sich, und dem „vermeintlichen“ Opfer, der, der sich nicht verstanden fühlt, aus welchem Interesse oder Hintergedanken er auch immer gehandelt haben mag, dem muß Abbitte geleistet werden, weil es ein Zeugnis von Vorurteilen darstellt, ihn als den Komischen zu diskreditieren, weil er auf Grund von persönlichen Erlebnissen gar nicht anders handeln konnte.

Falotten, überall Falotten. Nicht im Gewand des Kleinkriminellen, der versucht sich zu bereichern, in dem er Automaten aufbricht, nein, Strauchdiebe und Spitzbuben im Gewand der aufklärenden, fürsorglich Besorgten, die mittels angeblicher Satire, in Wahrheits-Artikeln, in Reden, Meinungsfreiheit einfordern, die inhaltlich mit Haß, Häme, Angst, Drohungen gespickt sind, um in den Menschen durch Verunsicherung den Wunsch keimen zu lassen, Recht und Ordnung können nur mittels starker Hand gewahrt werden.

Und schon ist es komisch und belustigend, daß Begriffe wie Nationalismus, Faschismus, und früher zu Herrschaftszeiten war alles so viel besser, da hatte man noch Respekt vor der Obrigkeit, kannte man Moral, war gesittet und fleißig, da zählte Treue noch, egal ob in der Ehe oder gegenüber Vorgesetzten, da schlug niemand über die Stränge, da wußte jeder, wo sein Platz war, und keiner riß den Mund weit auf, die Welt ist davon nicht untergegangen, der Herr wird es schon richten, daß dies Opfer es wert ist, sich aufzuopfern.

Lustig nicht? Komisch, ja! Falotten allenthalben. Erinnern Sie sich, „fellow“ stammt von dem Wort „fē“ ab, Vieh. Vieh, Zeichen des Reichtums und Sicherheit, und mit einem Partner „fellow“ läßt sich Reichtum und Sicherheit vermehren. Die Falotten vermehren ihre Anhängerschaft durch follower in den großen Weiten des Internets, ob gekaufte oder überzeugte follower, den Falotten kann man nichts verdenken, sie sind doch so lustig und urkomisch.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Ene, mene miste, es rappelt in der Kiste – wer steht auf der Liste?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Papier kann sehr geduldig sein, natürlich auch im Elektronik-Zeitalter, ob per Bits und Bytes, kommt raus g’scheits? Aber das wissen wir doch bereits. Jemanden provozieren, denunzieren, ihn auf eine „schwarzen Liste“ setzen, das wird gern vollmundig getönt und reell verwirklicht. Bei nächstbester Gelegenheit gerät er dann in den Fokus gezielter Verfolgung und Gewalt, ob eingesperrt, gefoltert oder am Ende eiskalt umgebracht, so ticken jene Gesellen ohne jedwede Gewissensbisse. Worauf warten, blickt mal hinter jede Kulisse!

Dazu bedarf es manch Portion Mut. Wer zaudert, verpaßt die Flut, auch die der Wassermassen, aber vor allem auf den Straßen, von angeblichen Spaziergängen beflügelt, völlig ungezügelt sich gern manch Gewalt entlädt. Noch ist es nicht zu spät, sie zu stoppen, oder lassen wir uns von ihnen etwa foppen? Sie wissen es doch ohnehin, Geld regiert die Welt, das ist der eigentliche Sinn, der zählt.

Chancen dies ändern zu können, das sollte auch niemand verkennen, gar verpennen, bestehen allemal. Doch im Anschluß folgt jene sich verselbständigende Qual, und da gibt es halt keine andere Wahl, daß am Ende die alten Bahnen erneut das Sagen haben, sich an manch Leichtgläubigkeit gehässig laben. Resignation macht sich breit, weil schon wieder soweit, daß die Menschheit nach Demokratie der Autokratie entgegenblickt, so halt die Macht des Geldes tickt. Wie verzwickt!

Zurück zu möglichen Listen, die im Verborgenen sich längst einnisten, um gezielt kluge Köpfe sich zu merken, im Anschluß verlogene Argumente stärken, Hauptsache sie dienen der Sache, auf daß es dann ordentlich krache. Meinungsbilder bewußt verdreht, um die eigene gefährlich menschenverachtende Haltung zu kaschieren, mögen im Anschluß neu Rekrutierte parieren. Sie werden dann die Schlächter von morgen sein, sorgen für entsprechende Pein.

Gewalt kann ungebremst erneut entstehen, da hilft mitnichten beherztes Flehen, man möge doch ernsthaft bedenken, wohin führe solch bösartiges Lenken. Wenn sie ihren gezielten Zweck erfüllt, sich stets in Schweigen hüllt, weil sie mal wieder über die Stränge schlug, ist’s für solch Herrschaften noch längst nicht genug. Jener kaltherzige Sauhaufen möchte sich halt alles kaufen, vom Materiellen bis hin zum Personellen, der Untertan hat stets geflissentlich zu dienen, das ändern bisher selbst keine Tollkühnen.

Solange jene Krux der Welt, wo stets regiert das Geld, nicht endlich beseitigt wird, macht die Menschheit die Rechnung ohne den Wirt. Der läßt’s sich vortrefflich gut ergehen, das ist das eigentliche Problem, ihn nicht zu stoppen, stattdessen er uns weiterhin tut foppen mit seiner immerwährenden Macht, die nonstop Gewalt entfacht. Hie und da ein Aufstand nützt letztlich nicht viel, ein echter Paradigmenwechsel ist das Ziel, der da lautet: Nicht divide et impera, sondern gerechtes Teilen ohne Herrschen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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