Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 3

https://pixabay.com/de/frau-modell-essen-trinken-kaffee-2346309/

pixabay.com

Ein kurzes Piepen signalisierte ihm, daß eine SMS auf seinem Handy eingetroffen war. Zugleich las er vor.

„Halter konnte nicht ermittelt werden, es handelt sich um keinen Diebstahl, das Kennzeichen gibt es gar nicht, muß insofern eine Fälschung sein. Die Fahndung nach dem dunkelblauen Golf läuft“, las er vor. Jetzt wußten die beiden, daß etwas äußerst schräges im Spiel war. Nur was? Wieso ließ Chantal solches geschehen, wobei gleichzeitig Mißtrauen aufkommen würde? Freddy und Mike gingen schweigsam nebeneinander her, waren total verunsichert.

Die Auflösung

Gelassen und äußerst entspannt lag Chantal, alle Viere von sich gestreckt auf ihrem großen Bett, genoß es, mit geschlossenen Augen ihre Genugtuung in vollen Zügen auszukosten. Wieder einmal hatte sie ihr besonderers Potential bewiesen, inwieweit ihre schauspielerische Fähigkeiten ankamen, das Gegenüber ihr jede Rolle abnahm.

Natürlich verhalfen gewisse Ablenkungen wie der dunkelblaue Golf, das Bild vom verruchten Geheimdienst zu bestätigen, jeder Unwissende hatte halt seine ganz eigenen Film- oder Romansequenzen im Kopf, was bei derartigen Treffen ausschlaggebend sein möge, um die Ernsthaftigkeit zu unterstreichen. Obendrein hatte es Chantal sehr gut verstanden, die beiden Ahnungslosen um den Finger zu wickeln.

Unverkennbar hatte sie es geschafft, erst recht Freddy und Mike mit ihrem Wissen über sie zu beeindrucken. Zusammen mit ihrer äußeren, seriösen Erscheinung, ihrem Auftreten, verflog im Nu jedwede Skepsis, bevor sie Fuß fassen konnte. Ganz vertieft in dem Wissen, daß ihre jeweilige berufliche Fähigkeiten gefragt sein sollen, meinte ein jeder, er sei der prädestiniertere, begann zugleich ein kleiner Konkurrenzkampf zwischen den beiden Freunden.

„Weißt du, Mike, wer mit der CIA zusammenarbeiten darf, der muß im Vorfeld schon so einiges geleistet haben, damit die auf einen aufmerksam werden, oder? Und bevor du mir zugleich ins Wort fällst“, betonte er auffordernd, „ich als Journalist bin stets mit der ganzen Welt verbunden, während du selbst nur dein begrenztes, berufliches Umfeld kennst.“ Freddy wußte natürlich, daß Mike dies niemals auf sich beruhen lassen würde, dieser somit schnell antwortete.

„Ach, Freddy, das mag schon sein, dennoch, unterschätze niemals die Errungenschaften einer rasant technischen Entwicklung, die gerade die Welt revolutioniert, sehr viele Berufe, nahezu die gesamte Wirtschaft in Abhängigkeit zum Computerwesen steht!“, erwiderte er und grinste dabei, sich ein stilles Wasser einschenkend.

Plötzlich klingelte es an der Wohnungstür, lang und anhaltend, die beiden schauten sich ein wenig ratlos an, bevor Freddy die Initiative ergriff und vorsichtig die Tür öffnete. Im selben Moment kam ihnen Chantal entgegen, begleitet von einem Fernsehteam, lautes Gelächter verdeutlichte, daß gleich mehrere im Flur standen, die allesamt Mikes Wohnung betraten.

„Hallo ihr beiden, schön euch hier anzutreffen, obwohl wir das ebenso wußten“, begann Chantal, wobei der Kameramann gelassen die Begrüßungsszene aufnahm, das Mikrophon über den Dreien in korrektem Abstand schwebte. Mike grinste unsicher in die Linse, während Freddy es sich nicht nehmen ließ, Chantal übertrieben herzlich zu umarmen. Etwas verlegen schaute ein Mittsechziger in die Runde, wies das Team an, einfach alle Geräte abzuschalten.

„Meine Herren, hiermit endet das Experiment, wie sie wohl selbst vielleicht jetzt erkannt haben. Ihre schnelle Bereitschaft mit der vermeintlichen CIA zu kooperieren, zeigt nur zu deutlich, wie blauäugig selbst Menschen in Ihren Berufen über diesen US-Dienst denken, ohne im geringsten zu erahnen, auf was Sie sich dabei eigentlich einlassen. Geheimdienste schnüffeln nicht nur einfach so für ihren Staat herum, wie das gerade in der Welt der Bücher oder des Fernsehens vermittelt wird, sondern leisten ein bösartig zielgerichtetes Vorhaben, bei dem stets der Auftraggeber niemals sämtliche Karten auf den Tisch legt. Der Dienst selbst wird ganz bewußt im Unklaren gelassen, wobei gleichzeitig eine sehr harte Hierarchie herrscht und jedwede Fehlleistung unter Umständen zum Tode führen kann, nicht zufällig, sondern per Befehl und ziemlich sauber. Hinterher halten selbst offizielle Polizeibehörden die Füße still“, schilderte ihnen der Regisseur.

Chantal pflichtete ihm bei, empfahl sich den beiden erstaunten Freunden noch, reichte ihnen dennoch ihre Visitenkarte, als Sekunden später das Team auch schon wieder die Wohnung verließ.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verwandelnde Nacht

https://pixabay.com/de/l%C3%B6we-katzen-gro%C3%9Fe-katze-1377956/

pixabay.com

Es wälzt sich die Nacht
mitten durch den Schacht,
stöhnende Verzweiflung
formt zerrende Wahrnehmung.

In Fetzen gerissen die Zeitwand,
Löwen kraulen zu einem Inselstrand,
scharren Felsbrocken vor Staffeleien,
muß das sein, alberne Spielereien.

Die Steine sind Zitronen, bitter,
treffen mein Antlitz wie Splitter,
modellieren meine Gesichtshaut.
Ich bin Löwin, der Morgen des Alters graut.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2

https://pixabay.com/de/frau-modell-essen-trinken-kaffee-2346309/

pixabay.com

„Gut kombiniert, Mike. So ist es. Aber wir wollen die Auftraggeber ab jetzt nie wieder einfach so aussprechen, Ihr müßt nämlich wissen, daß in öffentlichen, unabgeschirmten Räumen niemand etwas verborgen bleibt, sie können einfach alles abhören. Unser Gespräch hier ist schon ausreichend genug, dient ja nur der unverbindlichen Kontaktaufnahme. Daß die Gegenseite Euch jetzt schon bereits kennt, insofern Ihr sie ständig am Bein haben werdet, soll egal sein. Wir wissen sie bestimmt in die Irre leiten zu können“, erwiderte sie und lächelte ihnen zu.

Im Gegensatz zu Mike war Freddy Journalist, arbeitete beim Tagesspiegel, hatte somit Zugang zu etlichen Infos, die meistens nur dem systemtreuen O-Ton einer US-amerikanischen Linie dienten. Die wenigen Ungereimtheiten behielt er viel lieber für sich, auch, daß er inzwischen längst mit manch wirklich freien Medien liebäugelte. Es war nicht leicht in diesen Zeiten eines neu aufgeflammten kalten Krieges, zwischen den USA und Russland den Überblick zu behalten, besonders wenn man einseitig eingespannt war. Und jetzt dieses zweideutige Angebot! Irgendwie stieß ihm das sehr unwohl auf.

„Du kannst dir natürlich vorstellen, daß wir Euer Angebot erst mal verdauen müssen, ein wenig Bedenkzeit benötigen, oder?“, ließ Freddy folglich verlauten und schaute seinem Freund fest in die Augen. Mike hatte den Blick sofortigst begriffen und reagierte sehr diplo-matisch.

„Was Freddy damit sagen möchte, wir fühlen uns natürlich geehrt, Euch helfen zu dürfen. Aber es kommt halt sehr überraschend. Ich selbst habe Familie, Frau und zwei Kinder, Freddy hat sich ganz neu verliebt, da bedarf es gründlicher Vorbereitung etc.“, betonte Mike.

Chantal schaute von einem zum anderen, band ihre braunen, langen Haare hinten zu einem Pferdeschwanz zusammen und stülpte ein Gummi über. Das stand ihr ganz gut, ließ sie ein wenig frischer aussehen, ihr Gesicht kam viel besser zur Geltung.

„Klar doch, keine Sorge, das gehört dazu, die Überlegung. Dafür haben wir natürlich größtes Verständnis. Wir geben Euch 24 Stunden Bedenkzeit, das muß reichen. Schließlich sind wir ohnehin sicher, daß Ihr zustimmen werdet“, betonte sie und erhob sich, steckte der vorbeigehenden Kellnerin einen Geldschein zu, der vollkommen ausreichte für alle Getränke und war ziemlich schnell verschwunden. Mike und Freddy schauten ihr mit offenem Mund hinterher.

Im Auftrag einer unberechenbaren Macht

Erst jetzt bemerkten die beiden, daß einige Gäste des Cafés wohl auf sie aufmerksam geworden waren, zumindest entstand das typische Getuschel, teilweise hinter vorgehaltener Hand oder gesenktem, weggedrehten Kopf. Doch besonders Freddy ließ sich nichts anmerken, grinste erst recht provozierend in die Runde, nickte Mike auffordernd zu, ihm einfach zu folgen, was dieser mit einer kleinen Tanzeinlage gerne tat.

Ein 11-jähriges Mädchen am Nebentisch kicherte daraufhin, während ihre Mutter sie abstrafend scharf zischelnd zurechtwies. Das bekamen sie allerdings nicht mehr mit, da sie längst die Lietzenburger Straße aufgeregt entlangschlenderten. So bemerkten sie nicht, daß ihnen ein unauffälliger, dunkelblauer Golf folgte.

„Sag mal, Mike, du weißt schon, was diese Chantal da mit uns vorhat, oder?“, bemerkte Freddy und schaute kurz auf seine Armbanduhr. Mike widerfuhr es zugleich, daß er nicht so blauäugig sei und erst recht als Familienvater erheblich jetzt zögere. Andererseits könne er sich gut vorstellen, inwieweit seine Informatikkenntnisse gefragt seien.

„Und wie lange sollen wir abwarten, bis gegen Ende der Bedenkzeit?“, hakte Freddy daraufhin nach. Mike war zunächst mal in Gedanken vertieft, überlegte das Für und Wider, hatte dabei kein gutes Gefühl.

„Jetzt obliegt es gerade dir, deine Kontakte vorsichtig anzuzapfen, wer wohl dahinter stecken möge, oder? Ich weiß, daß ihr Journalisten etliche Quellen habt!“, betonte Mike eindringlich, was Freddy per Kopfnicken bestätigte.

Im selben Moment vernahmen die beiden Freunde heftiges Reifenquitschen bei gleichzeitigem Hupen, ein dunkelblauer Golf fuhr laut aufheulend weiter, während das andere Fahrzeug um ein Haar die parkenden Autos gerammt hätte und vorsichtig wieder seine Fahrt fortsetzte. Freddy schaute dem Golf hinterher, notierte sich auf seinem Handy das Kfz-Kennzeichen.

„Okay, an Zufall will ich so gar nicht glauben“, sagte er zu Mike, „mal schauen, was die Jungs vom Revier mir mitteilen, dürfte nur wenige Augenblicke dauern, dann wissen wir, was es mit diesem Golf auf sich hat.“ Mikes Stirnrunzeln verriet ihm, daß dieser in Sorge sich befand. ‚Schön und gut, sie hat uns gezielt angesprochen, kennt uns daher ohnehin bestimmt relativ gut‘, überlegte der Informatiker. Seine Unsicherheit ließ sich nicht mehr verbergen, zumal Angstschweißperlen auf seiner Stirn langsam nach unten an den Wangen herabliefen. Freddy registrierte dies, ignorierte zugleich die Bedenken seines Freundes.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Leere Hände, um neu zu schöpfen

https://pixabay.com/de/hand-offen-finger-sand-1599898/

pixabay.com

Sand rinnt durch die Finger,
Körnchen für Körnchen,
das Gewicht wird geringer.

Wenn er mein Kummer wär,
der rieselnde Sand,
mein Herz wär weniger schwer.

Hände geformt zur Tasse,
Tränenkelch der Trauer,
Tropfen für Tropfen ich durchlasse.

Kummer belastete mit Leid
meine geöffneten Hände,
er fließt durch, bin jetzt bereit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

https://pixabay.com/de/frau-modell-essen-trinken-kaffee-2346309/

pixabay.com

Nur ein fragwürdiges Angebot?

„Brandheiß, das muß ich ebenso haben, wow, welch geile Ware, allein schon die technischen Möglichkeiten, einfach fett, sach ick’ dir, Alter.“ – Mit solch ähnlichen Worten begrüßten sich zwei Kumpels am Bahnhof Zoo, schlenderten langsam Richtung Innenstadt, zumindest nach den Maßstäben des alten West-Berlins, heute ist ja Berlin-Mitte das Zentrum der Metropole an der Spree.

Doch was interessieren vergangene Zeiten, als noch die Mauer stand, die olle U-Bahn-Linie 6 von Tegel über die drei Geisterbahnhöfe und Friedrichstraße bis hin zum Endbahnhof Alt-Mariendorf führte, hinterm Alex die Spuren des Zweiten Weltkriegs an mancher Hausfassade noch zu sehen waren, als ob dieser just geschehen? Ne ne, laß man, dat is Schnee von jestern, heute zählt, daß du schnieke bist, bloß deine Pferdchen am Laufen hast, schließlich ist in Hartz-IV-Zeiten nicht damit zu spaßen.

Überall Kontrolle, soweit das Auge reicht. Andererseits, wer nichts zu verbergen hat, sollte och nüscht befürchten, oder? Denkste! Allein dieses unter Generalverdacht stehen, kann bei dem ein oder anderen eine gewisse Paranoia hervorrufen, erst recht bei Suchtmenschen. Das treibt jene geradewegs in immer neuere Flucht vor der grauen, kalten Realität. Versteht sich von selbst, daß dabei eine schier unendliche Vielfalt an krimineller Energie sich tummelt. Aber was soll’s, genau so will sie es haben, diese janze politische Mischpoke, wie einst Tucholsky oder Zille sie nannte.

Zurück zu den beiden Kumpels Freddy und Mike. Angekommen in irgendeinem Café in der Lietzenburger Straße, keineswegs in der Absicht, ein Edel-Bordell um die Ecke aufzusuchen, sondern einfach ungestört zu plaudern, sollte es nicht lange dauern, bis sie jäh unterbrochen wurden. Eine reife Frau mit Sonnenbrille setzte sich unaufgefordert zu ihnen, winkte der Kellnerin und bestellte sich einen Café au Lait. Kaum rührte sie bedächtig mit einem langstieligen Löffel, schlüfte genüßlich den ersten Schluck, fand Mike zuerst den Mut, sie anzusprechen.

„Welch entzückende Gesellschaft sich zu uns gesetzt hat, Gnädigste. Mit wem haben wir hier das Vergnügen?“, fragte er und steckte sich ein wenig umständlich eine Zigarette an.

„Meine Herren, wie Sie sich vielleicht denken können, setze ich mich bestimmt nicht zufällig zu Ihnen, so interessant und vor allem wichtig sind Sie mir mitnichten“, erwiderte die langhaarige Brünette, „nennen Sie mich einfach Chantal, das soll reichen. Und bevor Sie mich unterbrechen, nein, ich habe keine sexuellen Absichten oder gar Wünsche.“

Das saß, die beiden schauten sich ein wenig ratlos an, und sie fuhr mit fester Stimme fort.

„Aufgrund Ihrer Freundschaft und vor allem Ihrer be-ruflichen Erfahrung kommen wir auf Sie zu, nutzen einfach mal die Gelegenheit, um ein wenig mit Ihnen zu plaudern, ob Sie überhaupt ein Interesse haben könnten, mit uns ins Geschäft zu kommen.“

Diesmal war es Freddy, der als erster nach rascher Überlegung geistesgegenwärtig reagierte.

„Das setzt ja voraus, daß Sie, wer auch immer sich hinter Ihnen verbergen mag, und Ihre Leute uns im Vorfeld einige Zeit beobachtet und ausgekundschaftet haben müssen, oder? Und falls ja, dann sicherlich nicht zufällig, sondern ziemlich zweckdienlich, stimmt’s?“

Mike überraschte das gezielte Vorgehen seines Freundes nicht im geringsten, war dies doch seine Art, paßte nur zu gut zu ihm. Er selbst hingegen, zog es meist vor, ein wenig abzuwarten, sich zurückzulehnen, zu beobachten, zu reflektieren, zumindest wenn genug zeitliche Gelegenheit sich ihm bot.

Eine verhängnisvolle Entscheidung

Ziemlich schnell schlich sich bei Mike der Verdacht ein, daß Chantal gründliche Recherche betrieben haben mußte, von Zufall konnte daher keineswegs die Rede sein. Der 38-jährige Informatiker hoffte, sein alter Freund würde ebenso ihr Ansinnen erkennen, stieß kurz unterm Tisch an Freddys Schienbein, der sich glücklicherweise nichts anmerken ließ, lediglich kurz zusammenzuckte.

„Oh ja, wir arbeiten stets sehr gründlich, Herr Schrill. Oder darf ich Sie einfach duzen, dies erleichtert erheblich, trägt zu einem vertrauensvolleren Umgang bei?“, antwortete Chantal, beugte sich ein wenig vor und schaute auffordernd in dessen grüne Augen, ohne auf seine Zustimmung zu warten und fuhr fort, „dann hätten wir dies ja geklärt, lieber Freddy. Wie ich schon erwähnte, haben wir Euch beide nicht zufällig auserwählt, uns behilflich zu sein.“

Jetzt erst reagierte Mike, nachdem er sicher sein konnte, sein Freund würde den Tritt ans Schienbein verstehen.

„Okay, alles klar, wir haben verstanden, Chantal. Ich nehme an, Ihr arbeitet mit der CIA zusammen bzw. der NSA, oder? Und jetzt wollt Ihr die Gelegenheit nutzen, uns für Euch zu rekrutieren, schließlich haben wir ja genug Vertrauen im gesamten Osten über die Jahre erwirken können, vor allem beruflicherseits, stimmt’s?“

Chantal stieß einen leisen, kurzen Pfiff aus, der die Freunde erstaunen ließ, paßte dieser doch kaum zu ihrer äußeren, eher vornehmen Erscheinung. Chantal grinste ziemlich breit daraufhin, winkte die Kellnerin zu sich, um einen zweiten Café au Lait zu bestellen, Mike und Freddy gönnten sich ihren zweiten Cappuccino.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Tag

https://pixabay.com/de/baumhaus-freizeitpark-aussichtsturm-200703/

pixabay.com

Der Tag kam an,
als das Sauerkraut
angebrannt.

Kein Anruf,
kein Brief,
kein Klopfen.

Im Baumhaus
rieseln
Wassertropfen.

Niemand
ist der Nacht
hinterhergerannt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Neofaschismus längst auf dem Vormarsch

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9c/Gedenkst%C3%A4tte_f%C3%BCr_die_Opfer_des_Faschismus.jpg/640px-Gedenkst%C3%A4tte_f%C3%BCr_die_Opfer_des_Faschismus.jpg

Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Matteo Salvinis Weg stößt neue Türen auf

Stell dir mal vor, das alte Rom, das europäische Land mit den meisten Regierungswechseln in jüngster Zeit, Italien findet zurück zum Neofaschismus, und das Volk schaut einfach paralysiert zu, gefangen in seiner Ohnmacht, scheinbar abhängig auf Gedeih und Verderb. Zum Haare raufen und doch keineswegs als hysterische Angstmacherei zu werten, vielmehr traurige Realität.

Italiens Innenminister Salvini verbannt Flüchtlinge aus Riace, nach der Festnahme des Bürgermeisters Domenico Lucano, dessen Dorf Riace als Beispiel für gelungene Integration gilt, sollen die Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht werden. Die rechte Regierung zeigt damit Italien, Europa und der Welt, inwieweit ihre politische Botschaft verstanden werden soll, ein Zurück in den Neofaschismus, demokratisch verbriefte Menschenrechte werden mit Füßen getreten!

Autokratische Staatsformen entwickeln sich vor aller Augen

In Europa, wer mal einen Blick auf die Karte wirft, besonders auf die politische Landschaft, europäischer Rechtsruck ignoriert ziemlich gezielt vergangenes Leid. Das Fatale daran, die Bevölkerung scheint sich erneut einlullen zu lassen, wählt Bündnisse, die alles andere als deren Wohl im Auge haben, sondern eher eigenen Reichtum anhäufen, jedwede soziale Errungenschaften knallhart abbauen, wer mal gen Österreich schaut, sollte es deutlich erkennen.

Da kommt dem stellvertretenden Ministerpräsident und Innenminister Matteo Salvini, Mitglied der rechtspopulistischen Partei Lega Nord, die Verhaftung des Bürgermeisters Domenico Lucano als gezielter Schachzug im Vorfeld mit der fadenscheinigen Begründung, dieser begünstige Flüchtlinge mittels Scheinehen, gerade zurecht, unterstreicht seine menschenverachtende Haltung, die Frankreichs Präsident beim Geschachere mit den Aquarius-Flüchtlingen noch als Zynismus und Verantwortungslosigkeit bezeichnet hatte.

Die unübersehbare Kungelei zwischen Victor Orbán, Sebastian Kurz, Matteo Salvini und manch andere Figuren mit autokratischen Geisteshaltungen, denken wir auch an Wladimir Putin, verdeutlicht deren Beweggründe erst recht hinsichtlich einer erklärten Absicht, in Wirklichkeit Europa zerschlagen zu wollen, um den Nationalismus wieder hochzuhalten.

Nie wieder Faschismus!

Kann nur die deutliche Ansage sein, wobei gerade der Raubtierkapitalismus als Hauptbegünstigter des Faschismus eben nicht einfach ignoriert werden sollte. Verpaßt man dies, werden die Salvinis, Orbáns etc. den Neofaschismus anstreben, dessen Weg ebnen.

Wohin die Gleichgültigkeit führt, sieht man jüngst auch in Brasilien, wo der ursprüngliche Außenseiter Jair Bolsonaro sich an die Spitze des südamerikanischen Landes bald wähnt, Erinnerungen an das Militärregime flackern erneut auf, das Ende der Demokratie und des Rechtsstaates. Es gilt daher, Salvinis Türen vehement mit Nachdruck zu schließen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar