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Der Tag kam an,
als das Sauerkraut
angebrannt.
Kein Anruf,
kein Brief,
kein Klopfen.
Im Baumhaus
rieseln
Wassertropfen.
Niemand
ist der Nacht
hinterhergerannt.
Nafia

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Der Tag kam an,
als das Sauerkraut
angebrannt.
Kein Anruf,
kein Brief,
kein Klopfen.
Im Baumhaus
rieseln
Wassertropfen.
Niemand
ist der Nacht
hinterhergerannt.
Nafia

Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0
Stell dir mal vor, das alte Rom, das europäische Land mit den meisten Regierungswechseln in jüngster Zeit, Italien findet zurück zum Neofaschismus, und das Volk schaut einfach paralysiert zu, gefangen in seiner Ohnmacht, scheinbar abhängig auf Gedeih und Verderb. Zum Haare raufen und doch keineswegs als hysterische Angstmacherei zu werten, vielmehr traurige Realität.
Italiens Innenminister Salvini verbannt Flüchtlinge aus Riace, nach der Festnahme des Bürgermeisters Domenico Lucano, dessen Dorf Riace als Beispiel für gelungene Integration gilt, sollen die Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht werden. Die rechte Regierung zeigt damit Italien, Europa und der Welt, inwieweit ihre politische Botschaft verstanden werden soll, ein Zurück in den Neofaschismus, demokratisch verbriefte Menschenrechte werden mit Füßen getreten!
In Europa, wer mal einen Blick auf die Karte wirft, besonders auf die politische Landschaft, europäischer Rechtsruck ignoriert ziemlich gezielt vergangenes Leid. Das Fatale daran, die Bevölkerung scheint sich erneut einlullen zu lassen, wählt Bündnisse, die alles andere als deren Wohl im Auge haben, sondern eher eigenen Reichtum anhäufen, jedwede soziale Errungenschaften knallhart abbauen, wer mal gen Österreich schaut, sollte es deutlich erkennen.
Da kommt dem stellvertretenden Ministerpräsident und Innenminister Matteo Salvini, Mitglied der rechtspopulistischen Partei Lega Nord, die Verhaftung des Bürgermeisters Domenico Lucano als gezielter Schachzug im Vorfeld mit der fadenscheinigen Begründung, dieser begünstige Flüchtlinge mittels Scheinehen, gerade zurecht, unterstreicht seine menschenverachtende Haltung, die Frankreichs Präsident beim Geschachere mit den Aquarius-Flüchtlingen noch als Zynismus und Verantwortungslosigkeit bezeichnet hatte.
Die unübersehbare Kungelei zwischen Victor Orbán, Sebastian Kurz, Matteo Salvini und manch andere Figuren mit autokratischen Geisteshaltungen, denken wir auch an Wladimir Putin, verdeutlicht deren Beweggründe erst recht hinsichtlich einer erklärten Absicht, in Wirklichkeit Europa zerschlagen zu wollen, um den Nationalismus wieder hochzuhalten.
Kann nur die deutliche Ansage sein, wobei gerade der Raubtierkapitalismus als Hauptbegünstigter des Faschismus eben nicht einfach ignoriert werden sollte. Verpaßt man dies, werden die Salvinis, Orbáns etc. den Neofaschismus anstreben, dessen Weg ebnen.
Wohin die Gleichgültigkeit führt, sieht man jüngst auch in Brasilien, wo der ursprüngliche Außenseiter Jair Bolsonaro sich an die Spitze des südamerikanischen Landes bald wähnt, Erinnerungen an das Militärregime flackern erneut auf, das Ende der Demokratie und des Rechtsstaates. Es gilt daher, Salvinis Türen vehement mit Nachdruck zu schließen.
Lotar Martin Kamm

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„Iris, könnten wir vielleicht eine kleine Pause einlegen, immerhin geistern wir hier bereits mindestens eine Stunde durch Dickicht, das wäre doch gar nicht schlecht, könntest du doch ganz in Ruhe überdenken, ob wir in der Nähe des Platzes sind.“
In seiner Stimme war ein leichtes Keuchen zu hören, bei Arash kein Wunder, ist er eher der Lazy- Bones-Typ, der lieber seine Zeit im Sitzen oder Stehen verbringt, als sich durchs Unterholz zu schleichen, um den sagenumworbenen Weiher zu finden, den Iris irgendwann vor fünfzehn Jahren, oder war sie bereits sechszehn, na, jedenfalls für sie der Ort, der wie keiner es vermag, ein sanftes Gruseln zu vermitteln, das sie unbedingt, weil ihr die Sprache nicht ausreicht, dieses prickelnde Schaudern nur annähernd so zu beschreiben, Arash endlich zeigen will und vor allen Dingen ihn dazu verleiten, dies wohliges Grauen nachzuempfinden.
In ihrer Kennenlernphase, sind es tatsächlich schon drei Jahre, hat er schallend gelacht, später ein gönnerisches Grinsen ihr zugestanden, und jetzt hat er ein Schmunzeln auf den Lippen, und das ärgert sie. Um diese Verärgerung nicht stets als Anlaß zu spüren zu bekommen, die in andere Meinungsverschiedenheiten münden und er es leidlich satt hat, von ihr als Gefühlsbanause tituliert zu werden, hat er ihr den Vorschlag gemacht, wenn sie sich noch an den Platz erinnern könnte, der ihr so einen tiefen Eindruck hinterlassen hat, um ihn immer wieder anzupreisen, dann sei er bereit, mit ihr dort hinzufahren.
„Also, die Jenny, die hat in Bleichstett gewohnt, der Timo kam aus Unterbach, und wir sind vom Campingplatz zuerst in Richtung Weilerstadt gefahren, um die Jori und den Konny abzuholen, ab da ging es nur noch über Feld- und Waldwege zum Weiher. Privatbesitz hat Jori gesagt, sei er, und wir müßten leise sein, weil der Besitzer manchmal des nachts hier rumspazieren würde. Weilerstadt liegt da, Unterbach da, und so falsch können wir nicht gegangen sein. Die Wiese am Waldrand kommt mir bekannt vor. Timo ist zwar mit dem Auto hier langgefahren ohne Scheinwerfer, weil, es war Vollmond, und er ist hier aufgewachsen“, mit weit ausholenden Armbewegungen zeigte sie die verschiedenen Richtungen an, wobei sie die Stimme immer etwas erhob, wenn sie sich ihres Orientierungs- und Erinnerungsvermögens sicher war.
„Ich bin ganz sicher, wenn wir diesen Waldweg, schau doch mal her, anstatt dich im Kreis zu drehen, gehen, dann müßten wir direkt zum Weiher kommen.“
„Hast du eigentlich bemerkt, daß es in spätestens in einer halben Stunde dunkeln wird, und in diesem Waldstück scheint bereits die völlige Dunkelheit zu herrschen Vielleicht wäre es besser, in dieses Dorf, wie hieß es nochmal, da wo dieser Timo herkam, nach ihm zu fragen. Irgendjemand wird doch wohl diesen Timo kennen. Und dann fragen wir ihn, ob er uns nicht den Weg zeigen kann, wär das nicht eine super Idee, du siehst ihn nach so vielen Jahren wieder.“ Arash war anzumerken, es widerstrebte ihm total, durch die dunklen Fichten ihren Trip fortzusetzen.
„Ach ja. Ich klingel so in der Gegend herum, frag nach Timo. Timo wer? Vielleicht hieß er gar nicht Timo, sondern Thomas, Torsten oder wie auch immer. Schon vergessen, Spitznamen, die kannten mich zudem auch nur unter Ira. Und selbst wenn jemand wüßte, wer gemeint ist mit Timo, möglicherweise ist er verheiratet, weggezogen, kann sich an mich nicht erinnern. Mensch, wir waren Jugendliche, haben uns nur eine Woche lang gekannt. Eine Woche Camping, ich bin mit denen nur vier Tage lang rumgehangen. Und Nächte. Schau mich nicht so an, laß uns weitergehen, oder hast du Muffensausen, alleine im Wald. Dunkel, dunkel. So dunkel kann es heute nicht werden, Vollmond, schon vergessen“, ihre Arme fuchtelten nun vor seinem Gesicht herum und obwohl sie ohne Atem holen zu müssen redete, schien in ihren Lungen noch genügend Luft vorhanden zu sein, um mit Leichtigkeit einen Hundertmeterlauf hinlegen zu können.
„Ira?“
„Auf dem Gymnasium gab es in meiner Klasse noch eine Iris. Allerweltname, halt. Also wurde ich eine Zeitlang Ira, was dagegen?“, sie sah in herausfordernd an und er ahnte, noch ein falsches Wort und ihr würden tausende Ideen einfallen, um mit ihm in eine lebhafte Diskussion zu verfallen, die in einem handfesten Streit enden könnte.
„Dann laß uns mal durch diesen Waldtunnel gehen, wenn wir jetzt so kurz vor dem Ziel sind, hast ja Recht, warum sollten wir zurück, uns die Mühe machen, uns im Dorf durchzufragen, vielleicht kriegen wir sogar Ärger, sollten die herausfinden, wir wollen zu dem Weiher“, zwar klang es ein bißchen nach Verzeihung, aber Arash nahm eine Schmuseeinheit lieber in Kauf, als eine Konfrontation. Iris lächelte ihr Erfolgsgrinsen, umarmte ihn inniger, als ihr zumute war, was zur Folge hatte, sie knutschten sich wild und ausgezehrt, so als ob ihr Sexualleben wochenlang nicht existiert hätte.
„Weißt du, der Weiher ist mitten zwischen Bäumen, der Mond erhellte das trübe Wasser so stark, daß er durchsichtig wirkte, nachdem die Sonne untergegangen war, tausende Libellen flogen herum, ihre Körper spiegelten sich im Wasser, Frösche und Fische spritzen kleine Wasserfontänen in die Luft, die war wie geladen von Millionen von Lichtpunkten, krisselig war das Licht wie im Nebel, die Geräusche wie hinter einer isolierten, gedämmten Wand, ich hatte das Gefühl zu schweben, wenn ich in den Nachthimmel schaute, kam es mir vor, als ob ich mich auflöste und von ihm umschlossen werde. Es war schwül warm und dennoch spürte ich eine zarte Kälte in meinem ganzen Körper. Oh, Arash, es war grausig schön!“, flüsterte Iris, eng an Arash geschmiegt. Arash drehte seinen nackten Körper auf den Rücken, ohne sich aus der Umarmung zu lösen, schaute in den gedunkelten Himmel und seufzte: „Ja, jetzt kann ich das total nachempfinden.“
Doris Mock-Kamm
Kategorie: Kurzgeschichten
Nach der 18. Landtagswahl in Bayern folgt ziemlich schnell der politische Alltag, was interessiert einen Markus Söder ein Stimmenverlust von 10,5%, Hauptsache dessen Sessel als Ministerpräsident bleibt ungefährdet, Ziel erreicht, jetzt gilt es, eine regierbare Koalition zu schmieden.
Mit dem vorläufigen Endergebnis der gestrigen Landtagswahl in Bayern scheidet eine Regierungskoalition ohne die CSU aus, kommen sechs andere in Frage, wobei zwar eine Jamaika-Koalition unter CSU, Grüne und FDP mit 134 Sitzen im Landtag die solideste wäre, aber doch eher die unwahrscheinlichste. Söder hatte schon vor der Wahl ein Regieren mit den Grünen negiert, die FDP gerade mal mit 5,1% wieder im Plenum stimmt ihnen gleichwohl nicht zu.
Mit ein wenig Kalkül sowie sicherem Terrain wird Markus Söder sich von den verbleibenden fünf anderen Koalitionsoptionen daher für die Freien Wähler als auch die FDP als bester Faktor für Stabilität entscheiden. Er reicht zwar ein Bündnis mit den Freien Wählern mit insgesamt 112 Sitzen, die Mehrheit ist mit 103 Sitzen gegeben, aber die 11 Sitze der Liberalen wären vorteilhafter.
Da hockt sie bald nun im 15. Landtag, jene AfD, der rechnerische Sieger der 18. Landstagswahl, weil sie 2013 eben erst gar nicht angetreten war. In sofern sollte man die Grünen als den eigentlichen Sieger berachten mit einem Stimmengewinn von 8,9%. Dennoch dürfte sie sich als größte Oppositionspartei positionieren, nachdem feststeht, daß die CSU weiterregieren darf. Die unsolideste Koalition mit der SPD, dem großen Wahlverlierer, sie büßte 10,9% Wählerstimmen ein, wäre für die CSU keine günstige Ausgangslage mit lediglich 107 Sitzen im Landtag. Eine Partei fehlt weiterhin in Bayern, Die Linke. Sie konnte zwar ein Plus von 1,1% der Stimmen verbuchen, aber 3,2% sind halt eindeutig zu wenig.
Was einer Phantasielosigkeit, Effekthascherei und einem Parolengebrülle viel eher nützt, wie dies jene AfD zusammen mit der gesamten Neuen Rechten anschaulich zu Gesichte steht, sie gerade deshalb sich als regierungsunfähig entlarvt, weil deren Anhänger keinesfalls aufwachen aus trögen Haßtiraden. Das Hochhalten „gefährlicher Flüchtlingsmassen“ bestimmt mitnichten die politischen Belange in der Republik.
Daß die Große Koalition mit Frau Merkel an der Spitze keine gute Regierungsarbeitet abliefert, kann kaum bestritten werden, auch ihr Nacheifern, die Kohl-Ära doch noch zu toppen, aber mit „Merkel muß weg“ wird es nicht getan sein, ein potentieller Nachfolger, was wiederum einer aus der CDU sein wird, würde jenen Murks schlichtweg fortsetzen. So what?!
Die Rufe werden schon nach der Hessenwahl lauter erklingen, weil dort ebenso die beiden Volksparteien mit Stimmenverlusten rechnen müssen laut Wahlprognosen.
Lotar Martin Kamm

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Weder kann ich so schnell denken,
geschweige sprechen,
wie, wie soll ich sagen,
weil ich stets vorher alles weiß.
Ich falle anderen ins Wort,
fast ständig,
weil ich bereits weiß,
was sie ausdrücken möchten,
bevor sie ihren Satz beendet.
Eine schreckliche Angewohnheit
sei mein Verhalten,
da kann ich noch so oft erklären,
ich kann nichts dafür,
überrumpelt wird’ ich
genauso wie ihr.
Ja, kurz Halt, bevor ich anderes weiß,
in mir rumpelt’s
und blitzt es,
Blitz und Donner,
Spannung, Elektrizität,
die entlädt, akkumuliert,
mein ich ist ein Akku, der immer funktioniert.
Nafia

Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0
Wenn Rechtskonservative aufeinandertreffen, mag viel Kungelei im Spiel sein, allein schon die Überschrift in der Welt beweist den unübersehbaren Abwärtstrend der CSU, wenn ein Markus Söder sich am Ende mehr Dankbarkeit gewünscht hätte. Die Steigerung von Spaltung gewisser Pilze ruft halt eine verlorene Demut hervor, die nur noch mit Liebäugelei rechtsradikaler Positionen gekittet werden kann, selbst wenn die einstige Mehrheitspartei der Bayern eine Zusammenarbeit mit jener AfD ausschließt.
Da können die Karten ziemlich schnell neu gemischt werden, erst recht wenn der bayrische Ministerpräsident darauf beharrt, keine Koalition mit der zweitstärksten Partei, den Grünen, einzugehen. Nach der Wahl kann vor der Wahl durchaus spekuliert werden. Viel mehr Optionen bleiben ohnehin nicht übrig.
Die Zeit der Heuchelei neigt sich ganz offensichtlich ihrem Ende, bzw. andere Parteien verstehen es, ihre Prioritäten zu setzen. Entweder die Wiederentdeckung eines selbstverständlichen Umweltschutzes, obwohl diesen die Grünen auch nicht ständig und überall durchsetzen wollen oder können, und das grauenvolle Desinteresse mancher Protestwähler, die eine Neue Rechte in Kauf nehmen.
Das kann man unweit im Nachbarland Österreich beobachten, insofern nicht weiter verwunderlich, wenn dieser Sebastian Kurz frenetisch beim Wahlkampfabschluß der CSU empfangen wurde. Da kriechen Markus Söder und Horst Seehofer eher zu Sebastian Kurz als zu Kreuze. Söders Kreuzerlaß wurde ein Vierteljahr später überprüft, scheint erwartungsgemäß eher als belanglos gewertet zu werden. Typisch für reflexartige Lobhudelei einer C-Partei, die sich nicht christlicher verhält als die Gesellschaft. Dann hätte man es ja auch sein lassen können.
Um die Frage mal direkt zu beantworten, das wäre ziemlich vermessen. Zumal die Uhren im Rest der Republik gänzlich anders ticken, erst recht im Nordwesten Deutschlands, wo bekanntlich sich eine AfD gar weit weniger als eine 10-Prozent-Partei behaupten kann.
Daß sie die 10 Prozent laut letzter Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen erreichen würde, sollte man nicht ausschließen, obendrein könnte sie noch am Ende die prognostizierten 12 Prozent der SPD toppen, die Grünen eventuell mit 20 Prozent als eindeutiger Wahlsieger hervorgehen. Das würde aber auch bedeuten, daß die Linken weiterhin nicht im Landtag vertreten sein werden, die Freien Wähler ohne weiteres bei möglichen Koalitionsverhandlungen das Zünglein an der Waage sein könnten.
Lotar Martin Kamm