Wer zieht den Karren aus widerlich rechten Morast?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Nicht zu verwechseln mit Odysseus Niemand, der bekanntlich den Kyklop Polyphem in die Irre führte, das wird in realpolitischer Lage besonders hierzulande keineswegs fruchten, erst recht nicht, wenn an gewissen Schaltstellen solch Figuren wie jener Hans-Georg Maaßen sitzen, die einfach mir nichts dir nichts frechweg die Medienwelt belügen, ihm lägen keine Belege für eine Hetzjagd in Chemnitz vor.

Sicher doch, der Verfassungsschutz bemüht sich redlich, Klarheit zu erhalten, siehe NSU. Auch gibt es keinerlei Verbindungen zur AfD, und ein Bundesinnenminister hat mitnichten Maaßen zu irgendwelchen Stellungnahmen aufgefordert. Es sind stets die anderen, wie die „Lügenpresse“, die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, inzwischen kreisen gar Behauptungen im Internet, die Neuen Rechten seien die Guten, während Campino und der Rest des Volkes „linke Zecken“ seien, die es zu bekämpfen gelte.

Na, klar doch, eine klägliche Minderheit von jenen Neonazis meinen, sie könnten ausgerechnet Deutschland mit ihren fanatischen Ergüssen tyrannisieren, gar drohen, wie ein Bernd… äh… Björn Höcke, der jüngst die Polizei Sachsens lobte, gleichzeitig darauf hinwies, wer im Sinne jener AfD-Weisung handle, den würden sie mit der Machtübernahme verschonen.

Das nennt man unverhohlene Drohungen, in den Social Media vielfach kundgetan, die rechte Mischpoke hätte Listen, wo gewisse „Verräter“ aufgeführt seien. Denkt man ans Neonazinetzwerk Blood and Honour, an den KKK, an die rasch sich in Europa etablierende rechtspolitische Szene gar mit Staatsgewalt wie in Polen, Ungarn, Österreich oder Italien, dürfte am perfiden Willen, dies auch hierzulande umzusetzen, nicht gezweifelt werden. Inwieweit sind bereits größere Teile bei Polizei und Justiz infiltriert, jederzeit bereit, bei bestimmten Anlässen aktiv zu werden?

Mit Blick nach Chemnitz eine kurzer Test? Seehofer und Maaßen lediglich die Spitze des Eisbergs nebst jener AfD, die immer mehr zur Neonazi-Partei aufblüht, eine NPD längst sich erübrigt? Na, wer zieht, wenn überhaupt, den Karren aus widerlich rechten Morast? Die große Mehrheit im Volk schweigt lieber. Ein trügerisches Zeichen, nicht nur geprägt von Ängsten, von fadenscheinigen Ausreden, sich besser rauszuhalten. Darunter auch etliche, die ziemlich schnell umschwenken von Unsicherheit in Einreihung bei Gewaltexzessen.

Assoziationen zum Film „Die Welle“ flammen auf, mit derartigen Parallelen sollte jeder rechnen. Das zeichnet Mensch aus, sich wegzuducken in der Gruppe, eine allseits bekannte Schwäche, deren Folgen wir tagtäglich erleben, wenn eben keine Zivilcourage greift, sondern Schockstarre, man klare Verbrechen hinnimmt, statt sie zu stoppen, wenn eine Chance vorhanden. Im Kleinen wie im Großen. Die Minderheit der Neuen Rechten bestimmt bereits den Alltag, sie als Schlange zum Angriff bereit. Also bleibt der Karren im rechten Morast stecken, darf sein bösartiges Wirken verteilen, es sei denn, es entsteht genau an der Stelle endlich der so wichtige Widerstand!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Stoppt das rechte Pack

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Ausgeteilt und eingekeilt
verweilt die klägliche Masse
im wirren Gestammel
finsterer Gestalten.
Das hat keine Klasse,
wenn zu viele Bammel,
weil einige schalten und walten
nach Gutsherrenart.

Jede Demokratie ist letzlich ziemlich zart,
kann schnell zur Diktatur kippen,
wenn schweigend Lippen
nicht den Mut zum Widerstand aufbringen.
Davon schon manch Alter kann ein Lied singen.
Doch wer möchte sich aus dem Fenster lehnen,
weil er ängstlich meint, sich am Galgen zu wähnen?
Also läßt man einfach gewähren.

Sie werden davon zehren.
Drum laßt sie uns stoppen,
uns nicht länger foppen
von jener bösartigen rechten Brut!
Ihre haßerfüllte Wut tut niemand gut.
Sie verstecken sich hinter hohlen Phrasen,
möchten morden, lynchen und vergasen.
Dies können wir verhindern – hebt Euren Hintern!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Business as usual – herrenloser Koffer sorgt für Aufregung

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“What’s up? Brexit? Bullshit! Why do you want to stay in the EU?”

“I certainly don’t want to, it’s not me but my business.”

“Your business? I’m laughing about such arguments, cause concerns are the winner at least, aren’t they?”

“Well, you’re right. Maybe I’m hoping just for fun.”

“Don’t mind, no-one will order the cash flows.”

Zwei britische Touristen beim Einchecken auf dem Düsseldorfer Flughafen.

„Ihre Bordkarten, bitte. Danke.“

Kurz vor 13 Uhr, emsiges Treiben, manche Passagiere wischen den Schweiß von der Stirn, ein Kind weint, während seine Mutter eifrig bemüht ist, es zu beruhigen. Ein älterer Mann bückt sich, um seinen linken Schuh neu zu binden. Dabei hält er plötzlich inne. Die Mutter des Kindes bemerkt dessen kreidebleiches Gesicht.

„Was fehlt Ihnen denn?“

„Da liegt ein Koffer, wo keiner sein sollte. Weit und breit kein Besitzer!“

Die Frau schnappt sich die Hand des Kindes und rennt zugleich schreiend los. Helle Aufruhr auf dem Flughafen, alle Passagiere werden aufgefordert, sofort die Halle zu verlassen, allerdings ohne dabei panisch zu laufen. Leichter gesagt als getan. Manche schubsen ihre Vorderleute vor sich her, zwei Polizisten greifen ein, können schlimmeres verhindern.

Die beiden britischen Touristen sitzen längst in ihrem British-Airways-Flieger, der just in diesem Moment abhebt, gen London. Sie können die schwarze Rauchwolke nicht sehen, die aus der Abflughalle dringt, genauso wenig die kurz aufflackernden Blitze.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)
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Ausweglos

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Sie steht hoch,
die Mauer,
fest und stark.
Nichts sie jemals
durchdringen
vermag.
Draußen wüten
Ängste, Sorgen,
Gefahr.
Drinnen verstummt
jeder Laut,
es ist ein Grab.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Hanseatische Ersatzkasse übt sich in unterdrückerischer Erpressung

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Schilderung eines Betroffenen

Sämtliche Probleme mit der gesetzlichen Krankenkasse entstanden dadurch, daß die Krankenkasse gerne ein Lichtbild von mir haben möchte, es aber keine Rechtsvorschrift dafür gibt, die mich dazu verpflichtet. Zwar steht in §284 SGB V, Absatz 1, Nummer 2, daß die Krankenkasse berechtigt ist, ein Foto zu erheben und zu speichern. Ähnliches gilt für §291 SGB V, welcher von der Krankenkasse als Rechtsgrundlage angegeben war und in dem es heißt, daß die eGK mit einem Lichtbild zu versehen sei. Es gibt aber keine gesetzliche Verpflichtung für Versicherte, ein Foto zur Verfügung zu stellen. Man kann das auch daran erkennen, daß die Lichtbild-Verweigerung keine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Um den behandelnden Arzt über meinen Versicherungsstatus zu informieren, schickte die Krankenkasse auf meine Anforderung hin ein Fax für den jeweiligen Behandlungstag an den Arzt (solche Faxe werden Ersatzbescheinigung genannt, siehe §15 SGB V, Absatz 6; meine Mitwirkung orientiert sich an der gültigen Gesetzlage, überschreitet diese aber nicht).

Aber bereits im Januar 2017 teilte eine Mitarbeiterin der HEK (Hanseatische Ersatzkasse) mit Sitz in Hamburg mir telefonisch mit, daß sie nunmehr ein letztes Mal eine Versicherungsbestätigung per Fax an einen Doktor schicken wolle, weil es neue Bestimmungen gäbe, die dies nur für wenige Male zulassen würden. Ich müßte den Arztbesuch ohne Bestätigung selbst, per Privatrechnung, bezahlen.

Aufgrund dieser Aussage war ich danach in 2017 nicht mehr bei einem Arzt, obwohl ich Probleme und auch Schmerzen hatte. Als ich dann am 22.12.2017 den Hauptsitz der HEK in Hamburg besuchte, sprach ich mit einem der Mitarbeiter und übergab ihm ein Schriftstück (siehe Kasten 1), in der ich eine Aufklärung über meinen Versicherungsstatus anforderte. Er fragte dann noch, ob ich die Antwort unbedingt schriftlich bräuchte, woraufhin ich ihm mitteilte, daß ich auf einer schriftlichen Antwort bestehe.

Mitgliedsstatus                                                                                 20.12.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

laut Aussage einer Ihrer Mitarbeiterinnen muß ich sämtliche Behandlungskosten selbst bezahlen wenn ich keine Mitgliedskarte der HEK mit Foto besitze.

Ich fordere Sie hiermit auf, diese Aussage schriftlich zu bestätigen oder zudementieren. Führen Sie bei Bestätigung bitte die dafür relevanten Rechtsgrundlagen mit auf.

Mit freundlichem Gruß

Kasten 1, Schreiben zur Anforderung des Versicherungsstatus

Auf dieses Schriftstück erhielt ich dann ein Schreiben von der HEK (datiert: 27.12.2017), das aber weder eine Bestätigung noch ein Dementi der dort verzeichneten Aussage bezüglich der Behandlungskosten enthielt. Stattdessen waren viele Infos enthalten, die ich weder angefordert hatte, noch brauchte, weil ich diese bereits besaß.

Als ich dieses Schreiben Anfang Januar 2018 erhielt, rief ich dort an und fragte nach, wie ich dem Arzt innerhalb von 10 Tagen nachweisen soll, daß ich bei der HEK versichert sei. Ein Mitarbeiter antwortete, daß ich von der HEK ein Fax für den Arzt abrufen könne, welches als Versicherungsbestätigung für diesen einen Behandlungstag gilt. Davon, daß dies nur begrenzt möglich sei, wußte er jedenfalls nichts, als ich ihn darauf ansprach.

Die ersten beiden Male in 2018 klappte die Faxanforderung auch, aber bei den letzten Malen wurde telefonisch immer wieder gesagt, daß das nur eine Ermessensbestimmung sei, man erst nachfragen müsse, und nicht damit rechnen könne, daß es beim nächsten Mal auch wieder klappt. Am 22.02.2018 wurde beim ersten Anruf die Faxversendung glatt verweigert, beim 2. Anruf aber dann ausgeführt. Solche Schikanierung ist natürlich keine akzeptable Vorgehensweise einer Krankenkasse.

Weitere Probleme gab es am 01.03.2018. Die Hotline-Frau war anfangs freundlich, hat mich aber zum Ende des Gesprächs häufig unterbrochen, so daß ich meinen letzten Satz 5- oder 6mal neu beginnen mußte. Beenden konnte ich ihn jedoch nicht, weil die Mitarbeiterin plötzlich einfach auflegte. Dieses empfand ich auch nicht gerade als „Service“.

Am 19.07.2018 forderte ich per Email (es hieß plötzlich, daß es telefonisch nicht mehr geht, weil eine Unterschrift erforderlich sei) ein Fax für einen Arztbesuch am 25.07.2018 an. Am 23.07.2018 erhielt ich eine Email mit dem Hinweis, mich bei der Servicenummer zu melden. Dies wurde am selben Tag mittags erledigt. Bei diesem Gespräch teilte man mir mit, daß das Fax zu dem Arzt gesendet wird.

Als ich mich am 25.07.2018 zu diesem Arzttermin begab, lag dort kein Fax vor. Die Empfangsschwester rief bei der Servicenummer der HEK an, um die Sache zu klären. Das Fax wurde nach dem Gespräch dann auch geschickt, aber es entstand ein Zeitversatz von ca. 15 Minuten.

Bei diesem Gespräch wurde die Schwester von der Servicemitarbeiterin darüber informiert, daß ich kein Foto zur Verfügung stelle. Dies war ein klarer Verstoß gegen das Datenschutzgesetz.

Ebenfalls war es der Anlaß, ein Schreiben an den Vorstand der HEK per Einschreiben/Rückschein zu versenden (am 27.07.2018, Eingang bei der HEK am 30.07.2018) und eine professionellere Arbeitsweise zu fordern. Immerhin sind alle Beiträge vollständig und pünktlich bezahlt worden, es ist nicht ein einziger Cent offen, und da würde ich gerne die Leistungen in Anspruch nehmen, wenn es erforderlich ist.

Ich erhielt ein Schreiben datiert am 07.08.2018 von der Kundenbeauftragten der HEK, indem sie um Geduld bittet, weil interne Ermittlungen am Laufen seien.

Diese Ermittlungen scheinen sehr zeitaufwendig für die HEK zu sein, weil sie Ende August immer noch nicht abgeschlossen sind. Ich hatte ein Fax für den 23.08.2018 angefordert, aber als ich beim Doktor eintraf, war dort kein Fax. Ich rief bei der Hotline an, aber man teilte mir mit, daß kein weiteres Fax verschickt würde. Bestehende Termine mußte ich erstmal absagen, ich weiß nicht, wann ich wieder zum Arzt gehen kann. Eine laufende Behandlung wurde nun deshalb unterbrochen. Meine bezahlte Krankenversicherung ist plötzlich auf 0% zusammengeschrumpft.

Dies ist eine komplette Leistungseinstellung der Firma HEK, obwohl alles ordnungsgemäß bezahlt ist, und der Grund ist das fehlende Foto, zu dem es keine rechtliche Verpflichtung für mich gibt, dieses einzusenden. Nach den offensichtlichen Ansichten der HEK verliert man also seinen Versicherungsschutz, wenn man kein Foto einreicht.

Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um:

  1. Eine kriminelle Vorgehensweise, um ein Foto zu erzwingen (keine Gesundheitsleistung).
  1. Vertragsbruch.
  1. Eine einseitige Vertragsänderung, bei der ich plötzlich etwas zureichen soll, ohne dem es vorher jahrelang wunderbar klappte, zu dem ich gesetzlich nicht verpflichtet bin und von dem ich keinen Nutzen habe (eigentlich ist es sogar eine Verschlechterung für mich, weil ich nicht möchte, daß persönliche Daten von mir irgendwo im Netz herumschwirren. Ich lese fast täglich von Einbrüchen und Hacks in Datenbanken und Clouds (z.B. blog.fefe.de), und gerade solche Bürokratiefirmen sind nicht gerade bekannt für ihre Sicherheitssorgfalt).
  1. Kundenverarschung, weil mal gesagt wird, „es geht“, und dann ist es plötzlich nur noch Ermessungsbestimmung und geht halt manchmal und manchmal eben auch nicht. Kein tragbarer Zustand.
  1. Schlechte Mitarbeiterausbildung, weil es am 25.07.2018 immer noch Mitarbeiter der HEK gibt, die scheinbar noch nichts von Datenschutz gehört haben (obwohl es im Mai mit so viel Tammtamm eingeführt wurde, daß man es gar nicht übersehen konnte), oder die der Meinung sind, es sei gar keine Datenschutzverletzung, wenn man die Gründe für die Arzt-Faxe jedem mitteilt, der danach fragt.

Weitere Webseiten, die sich mit diesem Thema befassen (willkürliche kleine Auswahl):

https://www.stoppt-die-e-card.de

http://www.flegel-g.de/2014-12-21-eGK-eGA.html

https://campanulae.wordpress.com/2015/10/08/egk-verweigerer-mein-umgang-mit-dem-egk-zwang/

https://ddrm.de/arbeitsgemeinschaft-von-klaegerinnen-gegen-die-elektronische-gesundheitskarte-und-die-telematikinfrastruktur-gebildet/

Siggi R.

Querdenkende hat zum Schutz des Autors ein Pseudonym verwendet.

Kategorie: Gesellschaft

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Schotterweg

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Die Höfe lagen wie verstreute Kuchenkrümel, einladend jedes einzelne mit dem feuchten Zeigefinger zudrücken, um sie dann genußvoll zu genießen, so als ob diese Krümel das Beste vom ganzen Kuchen seien, das Allerbeste, das man je geschmeckt hat, dies kann man erst verstehen, wenn man über den Schotterweg hoch durch das kleine Waldstück geht und seinen Blick ins Tal werfen kann genauso wie auf die leckeren Krümel.

Auf Anhieb, leicht zu sehen, waren die Häuser von Johann, Bärbel, Sigmund, Evi, Samuel, Tine, Robert, Seraphina, die alle nur Fina riefen, Arthur, Bombe Bastian in der kalten Zeit durch den rauchenden Schornstein erkennbar, ich wußte natürlich, daß hinter diesen Hügeln Häuser stehen, aber Fremde konnten nur an den Rauchschwaden erkennen, dort leben auch Leute. Also die Frieda und ein bißchen weiter weg der Hannes. Die Häuser gehörten den Eltern, manche gehörten Reichen, und die Eltern zahlten Geld, damit sie dort wohnen konnten. Die Häuslers, die Brunners und die Frickens, die wohnten natürlich ebenso im Tal, hatten aber keine Kinder, zumindest gingen die nicht im Dorf in die Schule. Ich kannte die nicht.

Die Häuslers, Brunners, Frickens, die kannte ich wohl, der Häusler war oft im Dorf, der hatte ein Händchen für Holz, davon waren alle überzeugt, bis auf den Pfarrer, der behauptete, der Häusler hätte absichtlich das Wegkreuz am Hohentann und der Brunnen, der dort stand, mit minderwertigen Holz gebaut, dabei war er selbst schuld, wenn das Kreuz immer wieder erneuert werden mußte, er wollte einfach nicht haben, daß das Kreuz auf einem Eisensockel steht, also ist es vom Boden her immer gefault. Die Brunners, die Frau Brunner schenkte jedem, wirklich jedem ihr Obst oder Möhren, wenn man an ihrem Garten vorbeiging. Und die Frickens, die haben jeden Sonntag im Gasthaus zu Mittag gegessen, nachdem sie von der Kirche kamen. Die hatten dort einen Stammplatz, wo die immer saßen.

Alle mußten über den Schotterweg, um ins Dorf zu gelangen und zurück oder andersrum. Im Winter sind Johann, Bärbel, Sigmund, Evi, Samuel, Tine, Robert, Fina, Arthur, Bombe Bastian, Frieda und Hannes oft mit dem Schlitten zur Schule gefahren. Haben wir die bewundert, morgens schon rodeln. Und mittags nach der Schule gleich nochmal, weil es einfach schade gewesen wäre, nicht noch einmal runterzufahren, bevor man zu Hause seine Aufgaben erledigen mußte. Als Bastian nach den Sommerferien bei seinem Onkel wiederkam und eine Kiste mit vier Rädern mitbrachte, auf der man den Schotterweg runterfahren konnte, sehnte sich jedes Kind danach, auch auf einem der Höfe zu wohnen. Weil der Bastian alle mitfahren ließ, das war richtig bombig von ihm, hat er zu Recht seither Bombe Bastian geheißen.

An manchen Tagen war der Schotterweg von johlenden Kindern beschlagnahmt, die entweder gerade den Weg runterfuhren oder den Fahrer anfeuerten, aber auch um dem Kraft zu verleihen, der die Kiste wieder nach oben zog. An so einem Nachmittag, als ich gerade kurz vor der einzigen Kurve ankam, löste sich eines der Räder. Es rollte über den Weg, und kurz bevor es durch das Gras gebremst hätte werden können, schlug es an einen Stein, schnellte hoch und traf Bombe Bastian mitten auf der Stirn. Genau die Mitte. War das Loslösen des Rades in Zeitlupe zu sehen gewesen, so war die Beule in Sekundenbruchteilen auf seiner Stirn gewachsen.

Bombe Bastian fiel längs auf den Schotterweg und rührte sich nicht mehr. Tine und Robert waren die ersten, die sich näher an den leblosen Körper trauten, und überhaupt diejenigen, die sich im Gegensatz zu den anderen als erstes wieder bewegten. Der ist bewußtlos, schrie Robert, und Tine brüllte, wir müssen ihn auf die Seite legen. Fina meinte, ich glaube, man sollte ihm den Arm unter den Kopf legen, dann kann er wieder aufwachen. Quatsch, ein Arzt muß kommen, der stirbt, seht ihr das nicht, diese kreische Stimme kam von Samuel und machte uns allen bewußt, daß wir uns im Gegensatz zu Bombe Bastian bewegen konnten.

Ich saß noch immer in der Kiste, der einzige mit einem fahrbaren Untersatz. In dem Moment griff ich nach einem Stein, schlug das andere hintere Rad ab und raste nur mit den beiden Vorderrädern den steilen Schotterweg ins Dorf, die anderen sahen nur noch einen riesigen Stein- und Staubwirbel. In unserem Dorf gab es keinen Arzt, aber der Fred Keßling, das wußte ich, wurde gerufen, wenn es einer Kuh schlecht ging, der müßte Bombe Bastian helfen können, zudem war er ein großer, starker Mann.

Fred Keßling ließ alles stehen und liegen, seine Frau rannte los, ich rufe Dr. Brunner, das einzige Telefon gab es in der Gastwirtschaft, und so kamen kurz nachdem er und ich bei Bombe Bastian eintrafen, noch ein ganzes Dutzend Dörfler, die sich den schon totgesagten Bombe Bastian ansehen wollten. Bombe Bastian grinste mich an, die sagten, du hättest die Flucht ergriffen, so ein Hosenschisser, sagten sie. Ich habe das letzte Stück deiner Fahrt runtergesehen, kolossal, kolossal, sag ich, Karl. Obwohl Bombe Bastian fast in Feierlaune war, befahl Fred Keßling ihm, sich hinzulegen, der Arzt wäre schon unterwegs, und mit so einer Beule am Kopf sei nicht zu spaßen.

Den Schotterweg gibt es schon lange nicht mehr, die enge Kurve wurde verbreitert, der Steilhang ist inzwischen in mehrere Straßenschlaufen umgebaut, und alles seit Jahren geteert. Nicht weit von der Kurve steht eine Bank, da sitzen Bombe Bastian und ich, Kolossal Karl, die einzigen vom Tal und aus dem Dorf, die ihren Beinamen dem Schotterweg verdanken und bis jetzt damit angesprochen werden, Bombe Bastian schlendert von oben runter, ich steig hinauf, und gegen Nachmittag geht es andersrum.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Nichtraucherschutz und Raucherinteressen im täglichen Konflikt

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Rück- oder Einsicht läßt zu wünschen übrig

Was nutzt schon ein Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, welches gegen Ende Februar 2005 in Kraft trat, gleichwohl Deutschland unterzeichnete, wenn bereits sechs Jahre später das Aktionsbündnis Nichtrauchen zusammen mit der Deutschen Krebshilfe feststellen muß, daß ein entschiedener Nichtraucherschutz und Maßnahmen gegen das Passivrauchen kaum berücksichtigt werden? Obendrein zeigen sich in der Praxis mal wieder die Nachteile unserer föderalen Republik, weil eben unterschiedliche Regelungen greifen.

Insofern flammen immer wieder Diskussionen auf, in der sich insbesondere Raucher gegängelt und somit diskriminiert fühlen, während Nichtraucher im täglichen Konflikt einer unverhohlenen Rücksichtslosigkeit ausgesetzt sind. Ein stolz verkündeter Nichtrauchertag wirkt daher leider nicht entschieden genug.

Eine Sucht, die es in sich hat

Zunächst einmal schauen wir uns doch mal an, was jeder Raucher sich mit dieser Sucht da zumutet. Die Schlüsselsubstanz in Tabakwaren ist das Alkaloid Nikotin, welches für den menschlichen Organismus hochgiftig ist, 60 Milligramm reines Nikotin können bereits für Erwachsene tödlich sein. Während das im Tabakrauch enthaltene Nikotin durch die Lunge in den Körper gelangt, löst es im Gehirn zunächst ein Gefühl angenehmer Stimulation aus, es zeigt sich sogar bei höheren Konzentrationen ein entspannender Effekt aus, wirkt somit auch wie ein Antidepressivum.

Und genau dieser Effekt macht süchtig – Raucher benötigen diesen Nikotin-Kick immer wieder. In Zigaretten sind aber mehr als 4.000 meist giftige Verbindungen enthalten. Die Inhaltsstoffe u.a. sind Akrolein, Ammoniak, Benzol, Formaldehyd, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Phenole, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Stickoxide, Schwefeldioxid sowie Spurenelemente wie Cadmium und Nickel. Sie sind für die langfristigen Gesundheitsschädigungen verantwortlich.

Die häufigste Todesursache bei Rauchern sind Herz- und Kreislauferkrankungen und nicht Krebs selbst. Das Rauchen löst aber viele verschiedene Krebserkrankungen aus. Bis zu 30 Prozent aller Krebs-Todesfälle sind direkt auf das Rauchen zurückzuführen. In den letzten 60 Jahren gab es eine Zunahme der Lungenkrebserkrankungen in Höhe von 250 Prozent.

Das Risiko steigt bei allen Krebsarten mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, der Anzahl der Raucherjahre und dem Typ der gerauchten Zigaretten, aber auch Zigarren und Pfeifen. Sobald der Raucher sich entschließt, diese Sucht zu beenden, sinkt sofort das Risiko. Schon nach zehn Jahren Nichtrauchen ist es nur noch unwesentlich höher als bei Menschen, die nie geraucht haben.

Nichtraucherschutz ein Menschenrecht

Entgegen vielfach verbreiteten Unmut in einigen Kreisen, die Politik würde die Freiheit der Raucher einschränken, ja sogar von Menschenrechtsverletzungen ist da die Rede, muß auch mal betont werden, daß es die Deutsche Krebsgesellschaft war, die jahrelang die Politiker aufgefordert hatte, den Nichtraucherschutz voranzutreiben. Es fand daher keine Gängelung statt, sondern die berechtigte Forderung, die nichtrauchende Bevölkerung zu schützen.

In Deutschland war der Nichtraucherschutz im internationalen Vergleich für lange Zeit wenig entwickelt. Im Jahre 2007 erfolgte das Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz des Passivrauchens und die Gesetze zum Nichtraucherschutz. Demnach sind alle Einrichtungen des Bundes sowie der Verfassungsorgane des Bundes, die Verkehrsmittel des öffentlichen Personenverkehrs und Personenbahnhöfe der öffentlichen Eisenbahnen rauchfrei. In Universitäten, Schulen, Krankenhäusern und Behörden wurden Rauchverbote erlassen.

Inzwischen rudert die Politik in Nordrhein-Westfalen wieder zurück, CDU und FDP wollen das Rauchverbot in Kneipen lockern, angeblich um dem Kneipensterben entgegenzuwirken. Faktisch falsch, weil dies bereits weit vor dem Gesetz zum Nichtraucherschutz sich abzeichnete.

Erneut ein Beispiel dafür, daß die Politik eher einer Tabaklobby hinterherhechelt, anstatt die Gesundheit der Bevölkerung abzuwägen und somit zu schützen. Mal Hand aufs Herz: Es gibt nicht einen Grund fürs Rauchen, aber Hunderte, diese Sucht hinter sich zu lassen oder erst gar nicht das Rauchen zu beginnen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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