Zerronnen in Grün

https://pixabay.com/de/blume-bl%C3%BCte-pflanze-natur-lila-736792/

pixabay.com

Flehende Gestalten,
allenthalben,
hinter, vor dir.
Geneigte Blicke,
erschreckte Körper,
weichen aus, dir.

Abgekaute Nägel,
vermeiden,
Dreck, denkt ihr.
Lila Blumenland,
geheimes Fensterln,
unerkannt, hofft ihr.

Zerronnen in Grün,
Leben scheint,
getönt, wofür?

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sex: Tabuloser Dauerbrenner einer verlogenen Gesellschaft

https://pixabay.com/de/amsterdam-kanal-stadt-bezirk-2551/

pixabay.com

Internet Türöffner für noch mehr Spaß

Flatrate-Bumsen in Erotik-Centern längst Schnee von gestern? Was darf es denn als nächstes sein? Während oftmals über die prüde USA hinter vorgehaltener Hand geredet wird, solch alberne Filme wie „American Pie“ dies auf gewisse Weise auch bestätigen, dürfen wir erstaunt feststellen, daß weltweit allerorten Sex uns entgegenglotzt.

Das Spiel mit den Reizen erhäl eine nie zuvor dagewesene öffentliche Performance, sei es durch ständig wachsende Magazinvielfalt, Pornofilmindustrie oder Erotik-Centern sowie Sexclubs. Die schönste Sache der Welt verkommen im Glamour einer eigentlich verlogenen Gesellschaft, ein tabuloser Dauerbrenner, obendrein technisch längst erweitert mit Hilfe des Internets?

Schöne neue Welt der lieblosen Reize

Nehmen wir uns noch die Zeit der behutsamen Annäherung, der seit Menschengedenken aufregendsten Form im Finden zum Höhepunkt beim Liebespiel, welches Schmetterlinge durch den Bauch kribbelnd, die Romantik des Lebens vorausahnend signalisiert, somit eine wahre Liebe entsteht? Verliebtheit nicht nur ein kurzer Zustand auf dem Weg erotischer Erlebnisse, sondern der wohl vertraulichste physische Austausch? Demgegenüber mutet der schnelle „Fick“ an der nächsten Ecke, dem Verabreden zu Sex-Dates über gewisse Internetseiten die schöne neue Welt der lieblosen Reize zu.

Wirkt das bereits verachtenswert? Keineswegs soll hier der moralische Zeigefinger erhoben werden, mögen doch Menschen ihr Sexualleben in vollen Zügen genießen, solange alles freiwillig im gegenseitigen Einvernehmen geschieht. Und dennoch darf man schon erstaunt, ein wenig irritiert beobachtend sich wundern, welch breites Spektrum an Angeboten dem freien Markt feilgeboten wird. Die dialektischen Fragestellungen mögen für den einen sich keineswegs stellen, während der andere sie durchaus nachvollzieht: Was spiegelt sich da unter unser aller Augen wider? Eine tatsächlich freie Gesellschaft, die den Sexus unbedarft auslebt oder eben auch ein zügelloses Ausmaß, bei dem mitnichten Erotik im Spiel, sondern viel eher ein gewisser Abfuck?

Kein aufrichtiger Austausch, oftmals ein gewisses Stillhalten

Obwohl wir überall mit einer sichtbar befreiten Gesellschaft konfrontiert werden, scheint der Umgang manchmal in der Praxis nicht so gänzlich angekommen zu sein, fühlen sich die unterschiedlichen Geschlechter zurecht benachteiligt, werden sogar Heterosexuelle diskriminiert, was ansonsten Homosexuelle tagtäglich weltweit zu erleiden haben. Das Sahnehäubchen einer eigentlich hämischen Gaffermentalität offenbart sich bei der Auseinandersetzung mit der Politik. Anstatt sachlich kontrovers politische Inhalte zu diskutieren und anzuprangern, zieht es insbesondere eine gewisse Medienöffentlichkeit vor, über Äußerlichkeiten sich Luft zu machen.

Sicherlich sollten auch bei Politprominenz schonungslos sexuelle Schandtaten aufgedeckt und veröffentlicht werden, dennoch vermischen sich Sexskandale manchmal mit vorschnellen Urteilen, die der Wirklichkeit alles andere als gerecht werden. Was in die Öffentlichkeit gezerrt, mögen wir vielfach erfahren. Aber wie verhält es sich eigentlich, wenn es darum geht, offen über eigene Sexualvorstellungen mit den Partnern sich auszutauschen, und zwar nicht, in dem wir einfach unsere Lust gegenseitig ausleben, sondern darüber sachlich reden?

Die Psychotherapeutin Claudia Haarmann meint, wir würden voller Hemmungen stecken. Wird die Kluft zwischen dem, was die sexualisierte Gesellschaft an perfekten Bildern bietet und dem, was im Innern erlebt wird, tatsächlich immer größer, wie Claudia Haarmann in dem Interview nachhakt? Und wer sich denn die Mühe macht und Paare hinterfragt, wie sie es denn halten, erfährt schon das ein oder andere erstaunliche Detail. In eher wenigen Fällen herrscht da ein sprachlich-gedanklich offener Austausch. Im Gegensatz zu Frau Haarmann muß man leider auch feststellen, daß die junge Generation in dieser tabulosen Gesellschaft ganz viel Freizügigkeit miterlebt, aber gleichzeitig viele trotz vermeintlicher Aufklärung ahnungslos in Schwangerschaften schlittern und darüber hinaus das Alleinsein ohnehin flankiert wird in einer Welt voller Ablenkungen.

Opferrolle oder sexuelle Zügellosigkeit – bleibt die Liebe auf der Strecke?

Keine Hure wäre beziehungsfähig, würde sie nicht zwischen Job und Privatleben unterscheiden. Sexuelle Zügellosigkeit offenbart sich tagtäglich im Wechselspiel einer gewissen Offenheit, denken wir an Swingerclubs, an Paare, die ihre Beziehungen offen ausleben, an die vielen heimlichen Affären bis hin zu Stalking und Eifersuchtsdramen.

Die schönste Sache der Welt spielt sich ideenreich allerorten mitten unter uns ab, wobei leider viele Opfer auf der Strecke bleiben. Der nimmersatte Trieb fordert daher einen anderen Preis: sexueller Mißbrauch die dramatischste Schattenseite! Während Liebe und Sexus emotionslos praktiziert, verbleiben all jene, für die das Zusammenspiel zwischen Erotik, Verliebtheit und Sex untrennbar als wahrhaftige Liebe empfunden und dann vor allem gelebt wird.

Die Sängerin und Schauspielerin, Julie Andrews, äußerte sich mal mit den Worten:
„Wenn einem die Treue Spaß macht, dann ist es Liebe.“

Ein wunderschönes Gleichnis formulierte Honoré de Balzac:
„Das Wesen wahrer Liebe läßt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Elke

https://pixabay.com/de/dachboden-alt-staubig-holz-3542250/

pixabay.com

Elke. Edwin. Ludowig. Katharina. Elisabeth. Meine Großeltern. Katharina strich über meinen Kopf, so schön rund, soll sie gesagt haben. Was nützen Gefühlsregungen von Toten, wenn sie nicht aus dem eigenen Gedächtnis stammen? Sie war liebevoll, hieß es über meine Mutter. Sie nahm die ganze volle Liebe mit. Vater konnte nicht mehr lieben, er überließ seiner Schwiegermutter Katharina, mir ihre streichelnde Liebe zu schenken, ein halbes Jahr. Sie starb ein halbes Jahr, nachdem Mutter stürzte. Ab da war ich allein. Allein mit verlorener Liebe.

Beide haben sich sehr spät aus ihren Elternhäusern gewagt. Beide Einzelkinder. Mutters Mama, Katharina, wurde früh Witwe, und wer weiß, hätte sie nicht Papa getroffen, ob sie dann je geheiratet hätte, schließlich, vermutlich zog Großmutter bei ihnen ein, nachdem der Wunsch nach einem Kind unerfüllbar wurde. Papa. Papa, vielleicht wurde er verhätschelt, Ludowig und Elisabeth starben innerhalb eines Jahres, da war er gerade mit der Lehre fertig. Aber was weiß ich schon? Alles vom Hörensagen, Nachbarsgerede, Gefühlempfinden. Wie soll man die denn kompensieren ohne Worte, weil er Mutter seine Sprache ihr ins Grab legte?

War das euer Platz, euer Kuschelversteck in den Anfängen eurer Liebe? Nach meinem Gefühl ja. Und wenn nicht, du hättest es mir sowieso nie verraten. Schön ist es hier. Ein Blick bis zur Unendlichkeit. Liebe bis in alle Ewigkeit. Kinderwunsch. Erfüllte sich nicht. Mit neunundvierzig schwanger. War das ein Schock? Eine Freude? Das viele Geld habe ich gefunden, und ich weiß nicht, ob es mich geschockt hat oder gefreut. Ich weiß es nicht. Verbrennen wollte ich es. Asche regnen lassen, zusammen mit deiner. Edwin, Ludowig, Katharina, Elisabeth. Elke. Gebt mir mehr als nur einen Buchstaben, sagt einfach Elke, ich werde es schon fühlen, Elke ist da zum Fühlen.

Dreißigtausendundein Fünfmarkscheine. Glatt gestrichen, gepreßt in einer Holzkiste. Von wem? Schaut hinein, ich habe alle wieder an ihren Platz gelegt, den einen obenauf. Katharina? Papa? Hinter der schweren Truhe auf dem Dachboden, total verstaubt. Erst dachte ich, da seien Photos drin oder Briefe, irgendetwas, das mir antworten hätte können. Das Geld tut es nicht. Zuerst wollte ich es zusammen mit deiner Asche vom Kirchturm auf dem Platz regnen lassen, damit sich die Menschen bücken müßten, vor deiner Asche. Blöd. Genauso blöd wie verbrennen und die Asche mit deiner zu vermischen.

Kein Schock, keine Freude, einfach nur blöd. Gefühle sind blöd, wenn sie nur Unendlichkeit kennen, nie irgendwo einen Platz finden. Ewiglich durch einen Raum schwirren, ohne jemals berührt zu werden. Elke und meine Großeltern sitzen auf der erahnten Stelle, ich bin kurz davor, die Urne zu öffnen, Papa. Hier in der Nähe ist möglicherweise die Liebe in ihrer vollen Entfaltung in deinen Armen gelegen, so wie ich die Urne jetzt halte. Liebevoll. Liebevoll, Schmetterlinge im Bauch, drehe ich mich im Kreis. Es ist keine romantische Abendstimmung, kein Sonnenaufgang, der Himmel ist neblig blau, die Sonne zeigt sich ab und an zwischen den weißgrauen Wolken, windig ist es ein wenig, ein warmes Lüftchen. Tschau, Papa.

Elke. Edwin. Ludowig. Katharina. Elisabeth. Wenn ich das nächste Mal hier bin, bin ich Elke, das verspreche ich.

„Du sagtest doch, hier ist nie jemand! Allem Anschein ist dein tolles Plätzchen ein Ausflugsziel.“

„Verstehe ich jetzt nicht. Da war auch sonst nie einer.“

„Du mußt es ja wissen, anscheinend warst du ja schon öfter hier.“

„Monika, was soll das heißen?“

„Na, was schon, von wegen durch Zufall neulich entdeckt, sonst war hier nie einer. Das heißt, du warst öfter hier. Mit wem? Kenne ich die?“

„Hallo“, begrüßte Elke die beiden Teenager. „Schön hier, habt ihr euch auch verlaufen? Das kommt davon, wenn man querfeldein durch den Wald läuft. Wenn ich hierhergefunden habe, werde ich wohl auch zurückfinden, so schwer kann es ja nicht sein. Einfach seinen Gefühlen folgen.“

„Hey, Sie!“, rief der junge Mann ihr nach.

„Alex, die kann dich nicht mehr hören und sowieso, warum sollte sie einen alten Fünfmarkschein verloren haben. Der ist doch kein Zahlungsmittel mehr.“

Ich habe es gehört! Und mein Gefühl sagt mir, seine Herkunft wird euch auf andere Gedanken bringen und übrigens, ich heiße Elke, einfach Elke.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Deutscher Rechtsruck hat jeden zu interessieren

Die Nummer mit der Ahnungslosigkeit zieht nicht

Allein schon deshalb kann niemand von einer Wiederholung der Geschichte sprechen, explizit nicht im PC- und Internetzeitalter, selbst wer anführt, eine angebliche Lügenpresse und tatsächlich gestaltete Fakenews der Neuen Rechten würden für entsprechende Verunsicherung beitragen. Nonsens. Wer sich bildet, zweifellos ohne BILD und Co. kann durchaus fündig werden, was hierzulande verkehrt läuft.

Extremismus ist dabei ohnehin per se abzulehnen, ohne wenn und aber! Insofern bräuchte man nicht weiter darüber debattieren, was in Chemnitz vorgefallen, außer wenn im Anschluß Bestürzung folgt, die nahezu an Heuchelei grenzt. Tiefgreifend sichtbare Sympathien zu „rechtem Gedankengut“ geistern immer noch in den Köpfen manch Ewiggestriger.

Wenn die CDU-Generalsekretärin ihr wahres Gesicht offenbart

Hat dies gewisse Vorteile, man weiß woran man mit ihr ist, wer zuvor noch optimistischer sie eingeschätzt hatte. Ihre Verbal-Attacke gegen den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier läßt tief blicken. Mit welchem Recht mahnt sie dessen Unterstützung des Protestkonzerts in Chemnitz an? Möchte eine CDU etwa ihrer bayrischen Schwesterpartei nachäffen, möglichst unverblümt AfD-Positionen zum Besten zu geben, frei nach dem Motto, was Spaltpilz Seehofer kann, vermag sie zu toppen?

Tragisch genug, daß die Linke ausschert mit ihrer Sammlungsbewegung #aufstehen, was alles andere als ein Bild der Einigkeit vermittelt, viel eher für mehr Unsicherheit sorgt, dem rechtsradikalen Trend in die Hände spielt.

Antifaschisten mobilisieren sich – SPD muß sich auf Platz Drei einreihen

Rechtsextreme organisierten sich sehr schnell in Chemnitz nach dem Mord an Daniel Hillig, doch gestern kamen an die 65.000 Menschen zusammen, die vehement Faschismus ablehnen, feuerten das #wirsindmehr-Konzert an, setzten ein Zeichen gegen Rassismus, es geht vor allem darum, den Schneeball zu zerstören, bevor dieser sich zu einer Lawine entwickle, wie Campino betonte.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an jener Entwicklung hat auch die SPD, die nunmehr auf Platz Drei hinter die AfD rutscht mit Blick auf die jüngsten Umfragen, was schon länger sich abzeichnet. Daß alle aufgefordert sind, die Chemnitzer Ereignisse aufzuarbeiten, liegt auf der Hand. Andererseits darf man sich schon wundern, wie schnell und simpelst sich sogenannte Wutbürger instrumentalisieren lassen, keine Scheu haben, mit Neonazis zu marschieren. Wer jetzt noch Ahnungslosigkeit vortäuscht, den muß man direkt zur Rechenschaft ziehen, obendrein mit Nachdruck gewisse Kräfte innerhalb der Polizei und Justiz.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

Veröffentlicht unter Meinung | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

So vertraut

https://pixabay.com/de/abstrakt-hintergrund-sch%C3%B6ne-schwarz-2100/

pixabay.com

Deine Haut berührt,
deine Wärme gespürt,
dein Flüstern gehört,
dein Wesen betört,
mich,
ständig.

Du bist beständig.

Du warst immer für mich hier,
nie ein böses Wort von dir.
Früher ich war klein und schmächtig,
du wirktest groß und übermächtig,
für mich,
zugänglich.

Du bist zugänglich.

Viele Jahre sind vergangen,
seit ich in dir rumgehangen.
Kein Grund zu flennen,
viele Kilometer trennen,
uns,
verständlich.

Du bist verständlich.

Beständigkeit,
Zugänglichkeit,
Verständlichkeit,
ich dir,
verdanke,
Baum vor dem Zuhause.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ehe ein Relikt zur gesellschaftlichen Anerkennung?

https://pixabay.com/de/braut-liebe-frau-hochzeit-3085841/

pixabay.com

Beziehungsalltag wider institutioneller Vorschriften

Dürfen wir davon ausgehen, daß eine Heirat nicht mehr ganz als zeitgemäß bezeichnet werden darf, zumal dies die Rückläufigkeit auch hierzulande besonders unterstreicht? Wir kennen bestimmt die Parodie von Wilhelm Busch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess’res findet“, die auf einen Vers aus Friedrich Schillers Gedicht „Lied von der Glocke“ stammt, in dem es lautet: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“

Pragmatisch betrachtet, heißt es ja nichts anderes, als sich ruhig die nötige Zeit zu lassen, bevor man den Hafen der Ehe ansteuert. Doch muß man schon die berechtigte Frage stellen, ob das Heiraten nicht viel eher als ein Relikt bezeichnet werden darf. Oder aber dient die Ehe heute noch der gesellschaftlichen Anerkennung?

Der Schutz der Ehe kein Garant für eine glückliche Beziehung

Als äußerst dramatisch gestaltet sich die romantische Vorstellung von einer sogenannten Bilderbuchhochzeit, wenn schon nach wenigen Monaten oder Jahren diese unglücklich geschieden wird. Es gibt eben keinerlei Garantie für eine glückliche Beziehung, sodaß ohne die Ehe ein Zusammenleben zwischen Paaren, auch gleichgeschlechtlichen, stets die völlig normale Herausforderung bedeutet, sich im Alltag zu arrangieren.

Dabei herrschen viele Varianten, um so möglichst friedlich miteinander auszukommen: von der freien Liebe, dem Leben in getrennten Wohnungen oder Schlafzimmern, der Ehe selbst, der wilden Ehe, mit oder ohne Kinder, in Patchworkfamilien. Diese Lebensliebesformen haben allesamt eines gemeinsam: Es sind Versuche, eine Beziehung zu meistern. Ob sie dabei Bestand hat, das spielt eigentlich keine Rolle, weil jeweils das Glück selbst stets hinterfragt wird und ein zwanghaftes Zusammenleben ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.

Und dennoch meinen weiterhin viele Heiratswillige, die Ehe eingehen zu müssen. Das hat viel mit Tradition etwas zu tun, mit der Erwartungshaltung der jeweiligen Familien der zukünftigen Eheleute, also spielt die gesellschaftliche Anerkennung sehr wohl eine übergeordnete Rolle. Ein Trauschein für die Liebe? Was in Deutschland die bürgerlich-rechtliche Eheschließung von 1877-2008 als Bedingung knüpfte, um danach erst sich kirchlich vermählen zu dürfen, hat mit der Änderung des Personenstandsgesetzes dazu geführt, daß seit dem 01. Januar 2009 rein kirchliche Eheschließungen ohne Rechtsfolgen erlaubt sind.

Vom Bratkartoffelverhältnis zur wilden Ehe oder eheähnlicher Gemeinschaft

Ein Stück Papier bestimmt folglich eine Ehe. Trotzdem hat das mit der Wirklichkeit des Zusammenlebens rein gar nichts zu tun, denn die Paarbeziehung entwickelt sich im Laufe der Zeit gänzlich ohne rechtliche Zwänge, weil Gefühle sich eben nicht vorherbestimmen lassen. Was schon nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend sich aus der Not heraus entwickelte, die „wilden Ehen“, gewann an noch wichtigerer Bedeutung gegen Ende der 1940iger Jahre, also nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem sogenannten „Bratkartoffelverhältnis“, wie es der Volksmund damals bezeichnete. Heimkehrende Soldaten und Witwen lebten zusammen, um den Verlust der Witwenrente auf diese Weise zu umgehen.

Heute hat sich der Begriff der wilden Ehe längst zum Positiven gewendet, wird nicht mehr, wie noch vor wenigen Jahren mit dem Finger auf solche Beziehungen gezeigt. Denken wir nur an den ersten Mann im Staat, schließlich führten Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebenspartnerin Daniela Schadt eine wilde Ehe. Dürfen wir das als ein Zeichen für eine tolerante, von Zwängen befreite Gesellschaft deuten? Vordergründig vorerst schon.

Auch zeigen die statistischen Zahlen sehr deutlich den augenblicklichen Trend: 1976 waren noch 510.318 Ehen geschlossen worden, 2006 dezimierte sich der Wert auf wesentlich geringere 373.681. Somit darf man feststellen, daß eheähnliche Gemeinschaften inzwischen sich in der Gesellschaft längst etabliert haben. Selbst wenn die sexuelle Befreiung, die mit der 1968iger Bewegung ihren Anfang hatte, ihre Fortsetzung zur Emanzipation vieles dahingehend bewegte in der Gesellschaft, und zwar hin zu mehr Toleranz und dem Ablegen bestimmter Vorurteile, muß dennoch beobachtet werden, daß weiterhin mittels Ausgrenzung und Mobbing weite Teile der Bevölkerung meinen, alte „Feindbilder“ hochhalten zu müssen. Alles, was nicht ins Bild einer selbstgefälligen Norm paßt, wird verunglimpft bis hin zu Übergriffen per Gewalt, denken wird dabei an Homosexuelle, Transsexuelle, Behinderte und an Migranten.

Kann man mit all dem Wissen von der Ehe, der Verunsicherung dennoch heiraten, obwohl bekanntlich hierzulande die Scheidungsrate im letzten Jahr bei knapp 38 Prozent lag? Das obliegt den Paaren selbst. Ob mit oder ohne Trauschein, letztlich zählt die Liebe, die wiederum den Alltag und somit auch über die Fortsetzung oder das Ende einer Beziehung bestimmt. Einzig und allein sie hat das letzte Wort.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schattenmysterien

Dunkelheit wirft keine Schatten.
Da versammeln sich die Ratten.
Anzug, Kluft, Kostüm, Klamotten,
hier ist Platz zum Zusammenrotten.

In der Schwärze fühlen sie sich sicher.
Alle sind gleich, deshalb ungefährlicher.
Wer nicht sieht, erkennt keine Gesichter,
Identitätsverlust wird immer dichter.

Unerkannt in der Finsternis tummeln.
Freibrief für jede Art von Schummeln.
Aus Angst Feiglinge Licht umschlingen,
Schattenspiele lassen Wünsche erklingen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar