Gefühle am Meer

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Zunge gebrochen,
Bitterkeit gerochen,
sie stehen am Pier,
können nichts dafür.
Herz zersägt,
Seele geprägt,
sie atmen leise,
Möwen fliegen im Kreise.
Ohren verbeult,
Wind heult,
sie erstarren zu Steinen,
keiner sieht ihr Weinen.
Wasser reibt,
Sand bleibt,
sie verteilen sich am Strand,
du bist mit ihnen verwandt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Europäischer Rechtsruck ignoriert vergangenes Leid

Humanismus vs. Rassismus – Haß stets ein Indiz für Zerstörung und Unterdrückung

Inzwischen versterben selbst all jene, die noch Kinder waren im Zweiten Weltkrieg, sicher doch, manch sehr Alte durchlebten ihn noch als Erwachsene, wichtige Zeitzeugen, die über grausige Erinnerungen zu berichten wissen, dabei unbedingt jene ausgeklammert, die weiterhin meinen, unter Adi sei alles nicht so schlimm gewesen, gar diejenigen, die den Holocaust verleugnen. Geschichtsklitterung hält ohnehin längst wieder Einzug.

Anstatt aus der durchlittenen Historie zu lernen, solche Erfahrungen mitzunehmen, sie einfließen zu lassen im Leben, in den politischen Alltag, scheinen etliche simpelst zu verdrängen, was auch hierzulande geschah, gar ziemlich schnell nach 1945. Die besonders von den USA hochstilisierte Gefahr vom schlimmen Kommunismus sorgte ein Stückweit mit, nicht nur den Eisernen Vorhang zu errichten, sodaß eine Mauer die beiden deutschen Staaten trennte.

Die KPD wurde in der BRD verboten, eine NPD durfte sich ganz selbstverständlich entfalten. In den Köpfen etlicher spukten noch die Versäumnisse aus dem Dritten Reich, von einer wirklichen Aufarbeitung der Nazi-Ära kann kaum die Rede sein, erst recht nicht in damaliger DDR, wo simpelst eine SED für eine totalitäre Überwachung sorgte, für Ängste und unterdrückten Rassismus, der sich inzwischen gern im Osten Deutschlands Wege seiner Entfaltung sucht, wer in die Gesichter jener Wutbürger in Chemnitz schaut.

Schweden bald elftes Land, wo Rechtspopulisten an der Regierung beteiligt?

Wer einen Blick auf die Grafik wirft, sieht etliche blau ausgemalte Länder Europas. Hellblau all jene, bei denen in den Parlamenten rechtspopulistische Parteien vertreten sind, in Belgien, Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Litauen, Niederlande, Russland, (Schweden, alles offen), Tschechische Republik und in der Ukraine. Ein etwas dunkleres Blau die Nationen, wo Rechtspopulisten inzwischen an der Regierung beteiligt sind, in Bulgarien, Finnland, Griechenland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Norwegen, Österreich, Schweiz, (Schweden dirchaus möglich) und in Slowenien. In Polen und Ungarn stellen Rechtspopulisten den Regierungschef (dunkelblau).

Nach gestrigem Politthriller in Schweden vermag sich die politische Landschaft ändern, zwar liegen die Sozialdemokraten dort noch weiterhin vorn, dennoch sind die Rechtspopulisten die Gewinner der Wahl, verbesserten sich um rund fünf Prozent als drittstärkste Partei. Insofern Schweden bald elftes Land, wo Rechtspopulisten an der Regierung beteilgt sein werden? Da bedarf es viel Eigeninitiative der anderen Parteien, ein Stühlerücken in der Einigkeit, genau dies zu verhindern!

Was treibt Menschen in derart blinden Gehorsam?

Vergessen all die Errungenschaften einer freizügigen Gesellschaft, in der das Thema der Emanzipation weitestgehend überwunden, Frau mitbestimmt, kulturelles sich austoben durfte mit Blick gen sämtliche Künste, neben den rechten Parteien eine grüne und eine linke sich etablierte? Es waren die drei Volksparteien, CDU/CSU und SPD, auch eine FDP, die hierzulande dafür sorgten, dem Neoliberalismus zu folgen, vom Sozialstaat sich zu verabschieden.

Gleichzeitig wurde der Imperialismus nie gestoppt, entfaltete sich unverblümt mit Blick gen etliche Kriegskonflikte, die bis heute anhalten, neue schnell entstehen können. Eine friedliche Welt eher eine Illusion, bei der auch im Innern europäischer Staaten gezielte Strömungen den Kurs diktieren. Mal wieder Despotismus im Aufschwung, rechts überholen und links stehenlassen! Wollen wir uns das allen Ernstes erneut zumuten, wissend, wohin solche Entwicklungen führen?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Keine Wahl

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Der Anruf kam um fünf,
ich krieg bestimmt Schimpf,
weinte ein Kind in den Hörer,
ein Albtraum wär schöner,
was will das Kind von mir,
und was kann ich dafür,
du hast dich verwählt,
nein, bis drei gezählt,
tief durchgeatmet,
getippt und gewartet,
die Milch ist fast leer,
liegt im Magen schwer,
Mama, Papa werden wüten,
Kaffee ohne Filtertüten,
für sie nicht tragisch,
ohne Milch geht gar nicht,
deshalb rufst du mich an,
ich kenne dich nicht, man,
das ist doch kein Problem,
verrühre Quark, Wasser zu Creme,
und noch was merke dir,
rufe nie wieder an bei mir.

Der Anruf kam um drei,
was soll diese Tyrannei,
Lisa hier, du bist Spitze,
mich durchzog eine Hitze,
sie flüsterte unaufhörlich weiter,
so ´ne Idee hat nur ein Gescheiter,
die Milch war falsch gelagert, sauer,
wir kaufen Milchsahne auf Dauer,
sie haben mich nicht in Verdacht,
ich kann Milch trinken jede Nacht,
ich fasse kaum mein Glück,
mein Kind heißt später auch Patrick,
der wird wie du ein Genie,
die Leute fallen vor ihm auf die Knie,
du und deine Idee –
neidisch kann sein jede Fee –
ich werde von ihr abgeleckt,
die Kuh hat Liebe zu mir entdeckt,
in weiter Ferne –
Polizeisirene –
Minka hast du mich eben gebissen,
Telefon tutet neben dem Kopfkissen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wer zieht den Karren aus widerlich rechten Morast?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Nicht zu verwechseln mit Odysseus Niemand, der bekanntlich den Kyklop Polyphem in die Irre führte, das wird in realpolitischer Lage besonders hierzulande keineswegs fruchten, erst recht nicht, wenn an gewissen Schaltstellen solch Figuren wie jener Hans-Georg Maaßen sitzen, die einfach mir nichts dir nichts frechweg die Medienwelt belügen, ihm lägen keine Belege für eine Hetzjagd in Chemnitz vor.

Sicher doch, der Verfassungsschutz bemüht sich redlich, Klarheit zu erhalten, siehe NSU. Auch gibt es keinerlei Verbindungen zur AfD, und ein Bundesinnenminister hat mitnichten Maaßen zu irgendwelchen Stellungnahmen aufgefordert. Es sind stets die anderen, wie die „Lügenpresse“, die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, inzwischen kreisen gar Behauptungen im Internet, die Neuen Rechten seien die Guten, während Campino und der Rest des Volkes „linke Zecken“ seien, die es zu bekämpfen gelte.

Na, klar doch, eine klägliche Minderheit von jenen Neonazis meinen, sie könnten ausgerechnet Deutschland mit ihren fanatischen Ergüssen tyrannisieren, gar drohen, wie ein Bernd… äh… Björn Höcke, der jüngst die Polizei Sachsens lobte, gleichzeitig darauf hinwies, wer im Sinne jener AfD-Weisung handle, den würden sie mit der Machtübernahme verschonen.

Das nennt man unverhohlene Drohungen, in den Social Media vielfach kundgetan, die rechte Mischpoke hätte Listen, wo gewisse „Verräter“ aufgeführt seien. Denkt man ans Neonazinetzwerk Blood and Honour, an den KKK, an die rasch sich in Europa etablierende rechtspolitische Szene gar mit Staatsgewalt wie in Polen, Ungarn, Österreich oder Italien, dürfte am perfiden Willen, dies auch hierzulande umzusetzen, nicht gezweifelt werden. Inwieweit sind bereits größere Teile bei Polizei und Justiz infiltriert, jederzeit bereit, bei bestimmten Anlässen aktiv zu werden?

Mit Blick nach Chemnitz eine kurzer Test? Seehofer und Maaßen lediglich die Spitze des Eisbergs nebst jener AfD, die immer mehr zur Neonazi-Partei aufblüht, eine NPD längst sich erübrigt? Na, wer zieht, wenn überhaupt, den Karren aus widerlich rechten Morast? Die große Mehrheit im Volk schweigt lieber. Ein trügerisches Zeichen, nicht nur geprägt von Ängsten, von fadenscheinigen Ausreden, sich besser rauszuhalten. Darunter auch etliche, die ziemlich schnell umschwenken von Unsicherheit in Einreihung bei Gewaltexzessen.

Assoziationen zum Film „Die Welle“ flammen auf, mit derartigen Parallelen sollte jeder rechnen. Das zeichnet Mensch aus, sich wegzuducken in der Gruppe, eine allseits bekannte Schwäche, deren Folgen wir tagtäglich erleben, wenn eben keine Zivilcourage greift, sondern Schockstarre, man klare Verbrechen hinnimmt, statt sie zu stoppen, wenn eine Chance vorhanden. Im Kleinen wie im Großen. Die Minderheit der Neuen Rechten bestimmt bereits den Alltag, sie als Schlange zum Angriff bereit. Also bleibt der Karren im rechten Morast stecken, darf sein bösartiges Wirken verteilen, es sei denn, es entsteht genau an der Stelle endlich der so wichtige Widerstand!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Stoppt das rechte Pack

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Ausgeteilt und eingekeilt
verweilt die klägliche Masse
im wirren Gestammel
finsterer Gestalten.
Das hat keine Klasse,
wenn zu viele Bammel,
weil einige schalten und walten
nach Gutsherrenart.

Jede Demokratie ist letzlich ziemlich zart,
kann schnell zur Diktatur kippen,
wenn schweigend Lippen
nicht den Mut zum Widerstand aufbringen.
Davon schon manch Alter kann ein Lied singen.
Doch wer möchte sich aus dem Fenster lehnen,
weil er ängstlich meint, sich am Galgen zu wähnen?
Also läßt man einfach gewähren.

Sie werden davon zehren.
Drum laßt sie uns stoppen,
uns nicht länger foppen
von jener bösartigen rechten Brut!
Ihre haßerfüllte Wut tut niemand gut.
Sie verstecken sich hinter hohlen Phrasen,
möchten morden, lynchen und vergasen.
Dies können wir verhindern – hebt Euren Hintern!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Business as usual – herrenloser Koffer sorgt für Aufregung

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“What’s up? Brexit? Bullshit! Why do you want to stay in the EU?”

“I certainly don’t want to, it’s not me but my business.”

“Your business? I’m laughing about such arguments, cause concerns are the winner at least, aren’t they?”

“Well, you’re right. Maybe I’m hoping just for fun.”

“Don’t mind, no-one will order the cash flows.”

Zwei britische Touristen beim Einchecken auf dem Düsseldorfer Flughafen.

„Ihre Bordkarten, bitte. Danke.“

Kurz vor 13 Uhr, emsiges Treiben, manche Passagiere wischen den Schweiß von der Stirn, ein Kind weint, während seine Mutter eifrig bemüht ist, es zu beruhigen. Ein älterer Mann bückt sich, um seinen linken Schuh neu zu binden. Dabei hält er plötzlich inne. Die Mutter des Kindes bemerkt dessen kreidebleiches Gesicht.

„Was fehlt Ihnen denn?“

„Da liegt ein Koffer, wo keiner sein sollte. Weit und breit kein Besitzer!“

Die Frau schnappt sich die Hand des Kindes und rennt zugleich schreiend los. Helle Aufruhr auf dem Flughafen, alle Passagiere werden aufgefordert, sofort die Halle zu verlassen, allerdings ohne dabei panisch zu laufen. Leichter gesagt als getan. Manche schubsen ihre Vorderleute vor sich her, zwei Polizisten greifen ein, können schlimmeres verhindern.

Die beiden britischen Touristen sitzen längst in ihrem British-Airways-Flieger, der just in diesem Moment abhebt, gen London. Sie können die schwarze Rauchwolke nicht sehen, die aus der Abflughalle dringt, genauso wenig die kurz aufflackernden Blitze.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)
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Ausweglos

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Sie steht hoch,
die Mauer,
fest und stark.
Nichts sie jemals
durchdringen
vermag.
Draußen wüten
Ängste, Sorgen,
Gefahr.
Drinnen verstummt
jeder Laut,
es ist ein Grab.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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