So vertraut

https://pixabay.com/de/abstrakt-hintergrund-sch%C3%B6ne-schwarz-2100/

pixabay.com

Deine Haut berührt,
deine Wärme gespürt,
dein Flüstern gehört,
dein Wesen betört,
mich,
ständig.

Du bist beständig.

Du warst immer für mich hier,
nie ein böses Wort von dir.
Früher ich war klein und schmächtig,
du wirktest groß und übermächtig,
für mich,
zugänglich.

Du bist zugänglich.

Viele Jahre sind vergangen,
seit ich in dir rumgehangen.
Kein Grund zu flennen,
viele Kilometer trennen,
uns,
verständlich.

Du bist verständlich.

Beständigkeit,
Zugänglichkeit,
Verständlichkeit,
ich dir,
verdanke,
Baum vor dem Zuhause.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ehe ein Relikt zur gesellschaftlichen Anerkennung?

https://pixabay.com/de/braut-liebe-frau-hochzeit-3085841/

pixabay.com

Beziehungsalltag wider institutioneller Vorschriften

Dürfen wir davon ausgehen, daß eine Heirat nicht mehr ganz als zeitgemäß bezeichnet werden darf, zumal dies die Rückläufigkeit auch hierzulande besonders unterstreicht? Wir kennen bestimmt die Parodie von Wilhelm Busch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess’res findet“, die auf einen Vers aus Friedrich Schillers Gedicht „Lied von der Glocke“ stammt, in dem es lautet: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“

Pragmatisch betrachtet, heißt es ja nichts anderes, als sich ruhig die nötige Zeit zu lassen, bevor man den Hafen der Ehe ansteuert. Doch muß man schon die berechtigte Frage stellen, ob das Heiraten nicht viel eher als ein Relikt bezeichnet werden darf. Oder aber dient die Ehe heute noch der gesellschaftlichen Anerkennung?

Der Schutz der Ehe kein Garant für eine glückliche Beziehung

Als äußerst dramatisch gestaltet sich die romantische Vorstellung von einer sogenannten Bilderbuchhochzeit, wenn schon nach wenigen Monaten oder Jahren diese unglücklich geschieden wird. Es gibt eben keinerlei Garantie für eine glückliche Beziehung, sodaß ohne die Ehe ein Zusammenleben zwischen Paaren, auch gleichgeschlechtlichen, stets die völlig normale Herausforderung bedeutet, sich im Alltag zu arrangieren.

Dabei herrschen viele Varianten, um so möglichst friedlich miteinander auszukommen: von der freien Liebe, dem Leben in getrennten Wohnungen oder Schlafzimmern, der Ehe selbst, der wilden Ehe, mit oder ohne Kinder, in Patchworkfamilien. Diese Lebensliebesformen haben allesamt eines gemeinsam: Es sind Versuche, eine Beziehung zu meistern. Ob sie dabei Bestand hat, das spielt eigentlich keine Rolle, weil jeweils das Glück selbst stets hinterfragt wird und ein zwanghaftes Zusammenleben ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.

Und dennoch meinen weiterhin viele Heiratswillige, die Ehe eingehen zu müssen. Das hat viel mit Tradition etwas zu tun, mit der Erwartungshaltung der jeweiligen Familien der zukünftigen Eheleute, also spielt die gesellschaftliche Anerkennung sehr wohl eine übergeordnete Rolle. Ein Trauschein für die Liebe? Was in Deutschland die bürgerlich-rechtliche Eheschließung von 1877-2008 als Bedingung knüpfte, um danach erst sich kirchlich vermählen zu dürfen, hat mit der Änderung des Personenstandsgesetzes dazu geführt, daß seit dem 01. Januar 2009 rein kirchliche Eheschließungen ohne Rechtsfolgen erlaubt sind.

Vom Bratkartoffelverhältnis zur wilden Ehe oder eheähnlicher Gemeinschaft

Ein Stück Papier bestimmt folglich eine Ehe. Trotzdem hat das mit der Wirklichkeit des Zusammenlebens rein gar nichts zu tun, denn die Paarbeziehung entwickelt sich im Laufe der Zeit gänzlich ohne rechtliche Zwänge, weil Gefühle sich eben nicht vorherbestimmen lassen. Was schon nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend sich aus der Not heraus entwickelte, die „wilden Ehen“, gewann an noch wichtigerer Bedeutung gegen Ende der 1940iger Jahre, also nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem sogenannten „Bratkartoffelverhältnis“, wie es der Volksmund damals bezeichnete. Heimkehrende Soldaten und Witwen lebten zusammen, um den Verlust der Witwenrente auf diese Weise zu umgehen.

Heute hat sich der Begriff der wilden Ehe längst zum Positiven gewendet, wird nicht mehr, wie noch vor wenigen Jahren mit dem Finger auf solche Beziehungen gezeigt. Denken wir nur an den ersten Mann im Staat, schließlich führten Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebenspartnerin Daniela Schadt eine wilde Ehe. Dürfen wir das als ein Zeichen für eine tolerante, von Zwängen befreite Gesellschaft deuten? Vordergründig vorerst schon.

Auch zeigen die statistischen Zahlen sehr deutlich den augenblicklichen Trend: 1976 waren noch 510.318 Ehen geschlossen worden, 2006 dezimierte sich der Wert auf wesentlich geringere 373.681. Somit darf man feststellen, daß eheähnliche Gemeinschaften inzwischen sich in der Gesellschaft längst etabliert haben. Selbst wenn die sexuelle Befreiung, die mit der 1968iger Bewegung ihren Anfang hatte, ihre Fortsetzung zur Emanzipation vieles dahingehend bewegte in der Gesellschaft, und zwar hin zu mehr Toleranz und dem Ablegen bestimmter Vorurteile, muß dennoch beobachtet werden, daß weiterhin mittels Ausgrenzung und Mobbing weite Teile der Bevölkerung meinen, alte „Feindbilder“ hochhalten zu müssen. Alles, was nicht ins Bild einer selbstgefälligen Norm paßt, wird verunglimpft bis hin zu Übergriffen per Gewalt, denken wird dabei an Homosexuelle, Transsexuelle, Behinderte und an Migranten.

Kann man mit all dem Wissen von der Ehe, der Verunsicherung dennoch heiraten, obwohl bekanntlich hierzulande die Scheidungsrate im letzten Jahr bei knapp 38 Prozent lag? Das obliegt den Paaren selbst. Ob mit oder ohne Trauschein, letztlich zählt die Liebe, die wiederum den Alltag und somit auch über die Fortsetzung oder das Ende einer Beziehung bestimmt. Einzig und allein sie hat das letzte Wort.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schattenmysterien

Dunkelheit wirft keine Schatten.
Da versammeln sich die Ratten.
Anzug, Kluft, Kostüm, Klamotten,
hier ist Platz zum Zusammenrotten.

In der Schwärze fühlen sie sich sicher.
Alle sind gleich, deshalb ungefährlicher.
Wer nicht sieht, erkennt keine Gesichter,
Identitätsverlust wird immer dichter.

Unerkannt in der Finsternis tummeln.
Freibrief für jede Art von Schummeln.
Aus Angst Feiglinge Licht umschlingen,
Schattenspiele lassen Wünsche erklingen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn die schweigende Mehrheit in Schockstarre verharrt

https://pixabay.com/de/figur-mann-fernglas-zaun-gag-2687801/

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Dabei manch Blauner sich um sie schart, darf alle Welt erneut gen Deutschland blicken, die Uhren wieder rückwärts ticken gen eigentlich überwundene Nazi-Zeit, sie sind nunmehr soweit. Zu was, zu welch erfundenem Spaß? Heimattreue vermischt sich mit Nationalismus, welch Stuß! Dat globt nich mal der wache Russ’, außer die kritiklosen Putin-Treuen, die keene Mühe scheuen, um ständig von Fakenews zu quasseln.

Lagerfeuer prasseln, Lieder erklingen, wenn sie rechtsextreme Texte singen, Hauptsache man fühlt sich in der Gruppe stark, egal ob real oder Quark, eigene Medien und Seiten im Netz leiten die gezielte Hetz. Der enttäuschte Wutbürger gesellt sich simpelst dazu, dann sorgt man im Land der Germanen für die nötige Ruh. Wer teutsch gesinnt, dat weeß anjeblich ein jedes Kind, den läßt man natürlich gewähren. Wie kommen diese zu solch Ehren?

In Wirklichkeit läuft alles wieder aufs selbe hinaus. Da stehen an der Spitze jene heißspornigen Phrasendrescher, die nichts anderes im Sinn, – das tun sie wahrlich ungebremst immer frecher, nu, wo kommen wir och woanders hin -, um ihren Haß unters Volk zu streuen, diesem einzubläuen, es sei ein Wir. Doch mit der Wirklichkeit hat dies nichts zu tun, viel eher das Volk ist der Stier, welches entsetzt glotzt wie ein abgestochenes Huhn, wenn jene Neue Rechte es erneut verrät. Wer wohl hierbei sich täuschen lassen tät?

Aber Hauptsache, alles was nicht rechts ist, sei links angehaucht. Welch simpelst verdrehte Tatsache! Die Welt war und ist niemals Schwarz-Weiß, so nen Scheiß, sie bleibt unbedingt bunt, dat tut sie fortwährend kund. Da draußen einerseits Landschaften und Völker ihre Vielfalt präsentieren, im neu sich formierenden Dunkelland sich jener Mob zusammen mit schweigender Mitte Menschlichkeit verlieren, Hauptsache per bösartigem Wir parieren!

Mit Wählen allein ist es niemals getan, sucht sich perfider Neoliberalismus seine geeignete Bahn, um den Fokus auf Profit zu lenken, er hat nichts zu verschenken, außer seinen Reichtum stets zu vermehren. Nichts gelernt aus angeblich überwundenen Lehren? Was zählt schon Geschichte, wenn sie permanent geklittert wird? Es ist die grausame Dichte, mit der am Stammtisch, bei manch Wirt man Vorurteile ausleben läßt. Und jetzt? Ham wir den Salat, stehen erneut gewaltbereite Massen parat, um viel gewonnene Erkenntnisse über Bord zu schmeißen, sich darum zu reißen, möglichst eigene Verfehlungen zu kaschieren, unterm neu herbeigesehnten Führer hat man sowieso nichts zu verlieren.

Die auferstandene Saat geht mal wieder auf? Ein Sieg für Haudrauf? Gewalt und Zerstörung bereit für jenen rechtsextremen Weg? Mal janz keck, dat weeß och jeder klardenkende Jeck, meinen die tatsächlich, das Ausland wird seelenruhig einem erneuten Nazi-Deutschland zustimmen? Im Mittelmeer Menschen um ihr armseliges Leben schwimmen, Europa seine Festung ausbaut, hierzulande selbst die Polizei und Justiz sich wieder traut, gar bei ausgestreckten Armen wegzuschauen, Ordnungshüter bei angeblich Linken ungeniert zuhauen, während die rechte Klientel und mitmarschierende Wutbürger sie in Ruhe lassen. Hat die schweigende Mehrheit noch im Schrank alle Tassen? Aufgewacht, die Neue Rechte hat längst ihren Bürgerkrieg entfacht, bevor es zu spät ist, ne andere Flagge man wieder hißt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wieder und wieder

https://pixabay.com/de/glocken-l%C3%A4rm-krach-drei-affen-2651369/

pixabay.com

Sie läuten,
die Glocken,
für Ehr und Treu,
ehe sie eingeschmolzen
zu eisernen Kissen.

Sie singen,
die Lieder,
über Feind und Heimat,
ehe sie verstummen
in steinener Stätte.

Sie graben,
die Menschen,
in Schutt und Asche,
ehe sie ernten
eine schwelende Zukunft.

Sie brauchen,
die Blender,
die Zweifel und Ängste,
ehe sie betonieren,
was Liebe geschrieben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zu viel Unfrieden am Weltfriedenstag

https://pixabay.com/de/protest-modelle-kunst-k%C3%BCnstler-2265287/

pixabay.com

Die Spitze des Eisbergs ragt nicht nur in Chemnitz hervor

Gedenken wir der vielen Millionen Opfer durch Kriege und Terror, beides beschäftigt die Menschheit weiterhin, solange ganz besonders soziale Ungerechtigkeit herrscht, Armut und Elend billigend in Kauf genommen werden, damit Überreichtum sich tummeln darf. Raubtierkapitalismus setzt seinen eingeschlagenen neoliberalen Weg fort, ohne Rücksicht auf Verluste.

In Gedenken an dem Überfall auf Polen durch die deutsche Naziherrschaft am 01. September 1939 griff im Westen Deutschlands der DGB diesen Tag unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zwölf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg auf, um ihn neun Jahre später als Antikriegstag in der BRD zu würdigen, während die DDR zu Beginn der 1950er Jahre diesen Tag als „Tag des Friedens“ bezeichnete. Die Katholische Kirche gedenkt dem Weltfriedenstag seit dem 01. Januar 1968, die UNO seit dem 21. September 1981 mit dem „Internationalen Tag des Friedens“.

Innerer und äußerer Frieden tagtäglich gefährdet

In Partnerschaften, in Familien, in Schulen, in Arbeitsbetrieben, in der Gesellschaft, in Ländern, weltweit. Woran liegt das? Diese Aussichtslosigkeit hat verschiedene Aspekte, die eben nicht einfach in wenigen Sätzen beschrieben werden können. Vom Streit zum Krieg, ein Weg, der unweigerlich oftmals den grauen Alltag mit bestimmt?

Gerade jene Versuche, in friedlicher Koexistenz zusammenzuleben, verdeutlichen eigentlich die tief verwurzelte Nächstenliebe, die schon mit der Mutterliebe den Beginn unseres Lebens einläutet. Sobald wir im Kindergarten beginnen, uns zu reflektieren, zu vergleichen, parallel das Elternhaus indoktriniert, entstehen erste Spannungen, Neidfaktoren mischen sich mit Macht, daraus folgendem Mobbing von Klein auf, Opfer, gedemütigt eigene Strategien der Gegenwehr bilden. Die erste Saat zu Zwist und Streit, Gewaltformen suchen sich Wege ihrer Entfaltung bis hin zu Krieg und Terror.

Sprache als letztes Mittel der Gewaltverhinderung?

Die politische Königsdisziplin beinhaltet das Wesen der Diplomatie. Nicht die ungehobelte verlogene Haltung eines Donald Trump oder die aalglatte eines Wladimir Putin, viel eher die Verdienste eines Willy Brandt, eines Kofi Annan, eines Anwar as-Sadat oder eines Olaf Palme, um nur ein paar Wenige zu benennen. Dazwischen versucht Weltpolitik zu intervenieren, oft kläglich versagend mit Blick zur UNO, leider zunehmend zur Friedensbewegung, die kaum noch die Menschen erreicht.

Sprache mag nach wie vor das wichtigste und moderateste Mittel menschlicher Auseinandersetzung sein, im Streit, im Frieden ohnehin, bevor Gewalt sich entfaltet. Jüngstes Beispiel einer fatalen Entwicklung: die Vorkommnisse in Chemnitz. Deutschland hat seine Vergangenheit mitnichten aufgearbeitet, besonders die „Altlast der DDR“ beschäftigt die Menschen, zusammen mit sozialer Not, einer Bundespolitik, die meist den Weg der Hochfinanz und Konzerne folgt, nicht gerade für inneren Frieden sorgt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tassenspiegel

https://pixabay.com/de/kaffee-kaffetasse-tasse-598384/

pixabay.com

Morgens den Beweis,
der Gesundheitszustand
ist tadellos,
in der Kaffeetasse gefunden.

Als skeptisches Geschöpf,
glaube niemals
alles, was du siehst,
in die zweite Tasse geschaut.

Leicht gebräunt, blinzelnd,
mein Angesicht vertraut,
Urlaubsfeeling, Tatendrang,
keep cool, flipp nicht aus.

Noch ein Blick gewagt,
die dritte Tasse spiegelt,
null problemo, alles startklar,
Dankbarkeit für den Tag.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar