Momentaufnahme

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Trockenheit.
Keine Zeit
zum Nachdenken.
Immer einschenken
Wasser des Vergessens.
Mächte des Erpressens.

Den Kontext verstehen,
mit der Zeit gehen.
Die unser Leben bestimmt,
man im Mittelmeer ertrinkt.
Rassisten führen an den Ton,
welch fragwürdiger Hohn!

Fragen stellen ganz gezielt,
Masse nach Reichtum schielt.
Der Kosmos eine Vorlage,
Gewalt tritt mal wieder zutage.
Der Weisheits Schlüssel:
Glaubt an Euch ein Bissel.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Pias Versuche, ihrem Leben einen Sinn zu geben –Teil 1

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Im Dschungel des Asphalts

Saufreundliche Gesten begleiten deinen Gang, die ohnehin nur zu deutlich aufzeigen, welch Hintergedanken sich in manchen Augenpaaren abspielen, während du völlig entspannt die Straße entlangschlenderst, sie mit keinem Blick würdigst, viel eher erhobenen Hauptes dein Handy aus der großen, knallroten Handtasche ziehst, um das Gespräch entgegenzunehmen.

In diesem Augenblick bröckelt deine schnippische Haltung in sich zusammmen, weil du den Hundekothaufen übersiehst, mit dem rechten Schuh hineinstackst, ein wenig zu lang beim nächsten Schritt entlangschlitterst, dabei dein Gleichgewicht verlierst und ziemlich tollpatschig auf den Allerwertesten landest. Schallendes Gelächter bietet eine entsprechende Beifallskulisse, die dir so gar nicht schmeckt.

Ratlos schaust du dich um, suchst dein Handy, welches im selben Moment erneut sich in den Klängen von „Let it be“ mit dem unverwechselbaren Beatles-Song meldet. Aber ergreifen kannst du es dennoch nicht, weil ein neunjähriger Lausebengel beherzt zugreift, zugleich von dannen läuft. Deine entrüsteten Hilferufe bleiben vollkommen ungehört, da der vorbeirauschende Berufsverkehr solch vergleichsweise leisere Töne einfach akustisch gierig schluckt.

Aber allein schon jener Autolärm läßt dir keine Gelegenheit, in Ruhe dich zu besinnen, was du als nächstes zu tun gedenkst. Nutzen wir den Moment der Verunsicherung und stellen dich ein wenig vor: Pia, eine gerade mal achtzehnjährige junge Frau, das ach so wichtige Abi in der Tasche, nach langem Einkaufstrip auf dem Weg nach hause. Wobei sie nichts finden kann trotz ausgiebiger Suche. Vielleicht sind ihre Erwartungen einfach zu hoch, oder aber die meisten Geschäfte entsprechen nicht ihrem Geschmack. Einerlei.

Pia zieht es vor, zunächst allein zu leben nach zwei gescheiterten Beziehungen. Was bedeuten solche problematisch zwischenmenschliche Auseinandersetzungen, fragt sie sich in letzter Zeit des öfteren. Meistens Ärger, Querelen, die sie eher ablenken. Jetzt mag der ein oder andere Leser sich fragen, wer denn hier von ihr spricht. Nennen wir es, daß ein Schutzengel sie begleitet, jemand, der sie auf Schritt und Tritt beobachtet. Niemand kann ihn sehen, aber seine Präsenz verleiht ihm im wahrsten Sinn des Wortes Flügel, um ihr überall nahe zu sein, durchdringt selbst Türen oder dickste Mauern. Was geistig inmateriell sich dennoch formiert, kennt keine Grenzen physischer Natur. Verlorene Seelen tummeln sich manchmal nicht weit entfernt lauernd, um selbst ihn ab und an zu nerven.

Was aber es mit seiner Gegenwart auf sich hat, wollen wir baldigst klären. Nichts geschieht zufällig, auch wenn ein übersehener Hundekothaufen Pia ausrutschen läßt. Im selben Moment der ratlosen Verunsicherung, ihres Innehaltens, hält wenige Meter entfernt ein Taxi, die Beifahrertür öffnet sich.

Lara Croft meets Babette

Mit allem hat Pia gerechnet, nur nicht mit ihrer Oma Babette, die grinsend dem Taxifahrer einen blauen Schein in die Hand drückt, noch in ihrer tiefen, eher rauhen Stimme ihm sagt, daß es so passe. Mit beherztem, leicht schaukelnden Schritt begibt sie sich direkt zu ihrer Enkeltochter, ergreift deren ausgestreckten Hände und zieht sie mit einem Ruck nach oben.

Die Achtzehnjährige fällt ihr erleichtert freudig um den Hals, gibt Babette einen Kuß auf die rechte Wange.

„Ach, Omi, wo kommst du denn auf einmal her, mit dir hätte ich nun gar nicht gerechnet?“, fragt Pia ohne jedweden Vorwurf in der Stimme, streicht sich ihren gelben, ziemlich kurzen Rock zurecht.

„Freut mich, dich zu sehen, ich war gerade auf dem Weg zu dir, als ich dich hier habe auf dem Bürgersteig sitzen sehen. Purer Zufall, denke ich. Mich machten die neugierigen Blicke, vor allem der Herren hier im Straßencafé stutzig. Irgendwie ahnte ich wohl, daß du der Anlaß sein würdest, womit ich wohl richtig lag“, erwidert Babette und fordert sie per Kopfnicken auf, ihr doch einfach zu folgen.

Vielleicht sollte ich dem Leser kurz verraten, was Pia für Qualitäten haben könnte, die eine dermaßen hohe Aufmerksamkeit nach sich ziehen würde. Zunächst sei an dieser Stelle betont, daß große Frauen generell stets sofort auffallen, wenigstens wenn sie über 1,80 m groß sind. Pia überragt viele junge Männer mit ihren 1,88 m.

Obendrein entspricht sie dem typischen Klischee vom begehrten Frauenbild etlicher Männerherzen: lange Beine, Puppengesicht und blond. Bei ihr jedoch kommt noch hinzu: ihre dunklenbrauen, mandelförmigen Augen und ein Selbstbewußtsein, welches eher an eine Lara Croft erinnert.

Lara Crofts…äh…Pias unerschütterlich autoritäre Ausstrahlung dabei verleitet halt einen gewißen Reiz in der gaffenden, erstaunten Männerwelt. Dabei entspricht gar Pia dem Attribut von knallharter Stärke, sie beherrscht gleich drei Kampfsportarten: Judo, Taekwondo und Kung Fu. Bisher legte sie gern dreiste Machos oder billig plumpe Annährungsversuche locker auf die Matte, die Herren der Schlöpfung hatten stets das Nachsehen.

Und Oma Babette? Von ihr hat sie die blonden, festen Haare, die hohe Stirn und die Augen. Die Körpergröße gab ihr Opa Marcel weiter, ein 2,11 m Hüne. Soviel zu ihren Großeltern, ihre Eltern waren vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, was Pia beinahe aus der Bahn geworfen hätte, aber dank ihrem guten Verhältnis zu den Großeltern sie sich wieder fing.

Nun gehen die beiden Generationen nebeneinander her, eine ziemlich große, blonde junge Frau und eine zierlich kleine, immer noch wunderschöne Babette. Manch Passant schaut ihnen erstaunt nach, vielleicht auch weil sie sich Händchen halten, dabei gemeinsam ein Lied von The Police singen, nämlich Roxanne: „Roxanne, you don’t have to wear that dress tonight, walk the streets for money, you don’t care if it’s wrong or if it’s right…“

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Antonellas Füße

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Als Antonella klein war,
ihre Füße in Kinderschuhen steckten,
da biß sie zu,
so fest sie konnte,
wenn ihr etwas nicht paßte.

Sie biß auf ihre Lippen,
sie biß in den Arm der Mutter,
in den Schenkel des Vaters,
in die Nasen der Spielplatzkinder,
sämtliche Stofftiere waren zerfetzt.

Strenge braucht sie,
nehmt sie an die Kandare,
zieht die Zügel an,
pfercht sie ein,
das bissige Kind.

Und Antonella biß sich durch,
durch die Kindheit,
durch Verbote, Strafen,
durch ihr Leid,
durch die Kandare.

Das Eisengeschirr zerbissen,
galoppierte sie durch die Welt,
durch überkommene Ansichten,
über Grenzgräben,
die Menschen festhalten.

Als Antonella klein war,
ihre Füße in Stöckelschuhen steckten,
da biß sie zu,
so fest sie konnte,
wenn andere ihre Schuhe ihr anpaßten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wetterextreme bestätigen den Klimawandel

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Deutliche Zahlen oder auch Indizien einer bestimmten Entwicklung?

Unser Klima auf Erden hat die Menschheit stets beschäftigt, zumal früher weder raffiniert konstruierte Regenschirme vorhanden waren, draußen auf den Feldern keine Maschinen diese bewirtschafteten, schutzlos Mensch und Tier dem Wettergeschehen ausgeliefert war. Und dennoch sind wir betroffen, all den Wetterextremen ausgesetzt, bestätigt sich immer wieder aufs Neue der Klimawandel, müssen wir Indizien einer bestimmten Entwicklung feststellen.

Viele Zeitgenossen versuchen zu beschwichtigen, weisen auf völlig normale Wetterkapriolen hin, die schon immer stattgefunden haben mögen. Gleichzeitig wird gern frühere Unwissenheit betont, zumal auch die Möglichkeiten einer genaueren meteorologischen Beobachtung nicht gegeben sein soll. Solche Einwände mögen durchaus berechtigt sein, aber ein durch den Menschen beeinflußter Klimawandel ist nicht mehr so simpel wegzudiskutieren.

Mutter Erde und ihre extremen Wetterbedingungen

Zwischen den beiden Extremen der jemals weltweit höchst gemessenen Temperatur und der tiefstgemessenen liegen immerhin genau 147° C! Am 21. Juli 1983 wurde bei der Wostok-Station in der Antarktis mit –89,2° C die tiefste Temperatur gemessen, hingegen nach wie vor die in Libyen bei der Wetterstation El Aziziah am 13. September 1922 gemessenen 57,8° C als die höchste Temperatur gilt. Inzwischen gibt es einen neuen Hitzerekord, der allerdings per Satellitenbeobachtung zustande kam: Im Jahre 2007 wurden in der iranischen Wüste Lut 70,7° C gemessen. Aber auch in Deutschland wurde es am Heiligen Abend 2001 am bayrischen Funtensee mit seiner jemals erreichten Tiefstemperatur von –45,9° C empfindlich kalt.

Einen Temperatursturz innerhalb von zwölf Stunden von nahezu 50 Grad Celsius mußten die Menschen in Fairfield (Montana) durchleben: Am 24. Dezember 1924 fiel das Quecksilber von 17,2° C auf –29,4° C! Die weltweit größte Regenmenge innerhalb von 24 Stunden soll in der Gemeinde Cilaos auf der im Indischen Ozean gelegenen Insel La Reunion am 15. und 16. März 1952 mit 1.870 Liter pro Quadratmeter gefallen sein. Das entspricht einer Wassermenge von fast zehn Badewannen. Hierzulande ereignete sich der heftigste Wolkenbruch im Allgäu bei Füssen: Innerhalb von 8 Minuten fielen 126 mm Regen am 25. Mai 1920.

In der letzten Juliwoche 2010 fiel im US-Bundesstaat South Dakota das wohl weltweit größte und schwerste Hagelkorn vom Himmel: Es hatte einen Durchmesser von 20,32 cm und wog 0,875 kg und wird in einer Gefriertruhe aufbewahrt. Verbleiben wir kurz in den USA. Der längste fortlaufende Weg eines Tornados betrug 471 km. Am 26. Mai 1917 fegte er 7 Stunden und 20 Minuten lang durch die Bundesstaaten Illinois und Indiana. Die weltweit bisher höchste Geschwindigkeit wurde mit einem Dopplerradargerät beim Oklahoma Tornado Outbreak gemessen, der am 03. Mai 1999 bis zu 511 km/h erreichte.

Alles nur Zufall im Zusammenspiel ganz gewöhnlicher Klimakapriolen?

Herrlich, wie schnell und vollmundig eine Thematik kleingeredet wird, die man kaum wirklich greifen kann. Niemand ist bis heute in der Lage, eine sichere langfristige Wetterprognose zu erstellen. Hatten wir schon im Sommer 1976 mit extreme Dürre zu tun, forderte die Hitzwelle in der ersten Hälfte des Augusts 2003 an die 70.000 Tote in Europa, kämpfen auch in diesem Jahre etliche Gemeinden mit Wasserknappheit, hält die Trockenheit uns in Bann, Waldbrände in Schweden und Griechenland sorgten für entsprechende Katastrophen für Mensch und Natur.

Wer jetzt von ganz gewöhnlichen Klimakapriolen spricht, die es schon immer gegeben haben soll oder gar von Zufall, der verkennt den Ernst der Lage. Was muß noch alles geschehen, damit Mensch endlich beginnt, sein Tun zu reflektieren? Sicherlich haben manche Romane oder Filme, wie z.B. Roland Emmerichs Film The Day After Tomorrow dazu beigetragen, das Thema des Klimawandels erst recht zu bagatellisieren, aber mit den altbekannten Prophezeiungen eines Edgar Cayce, die allesamt Stückweise eintreten, wird es vielfach schwieriger, Gegenargumente zu formulieren.

Tritt da etwa ein bevorstehendes Szenario zutage, welches viele Zeitgenossen besser unter den Tisch wähnen, anstatt endlich Verantwortung zu übernehmen? Diese wiederum fordert ein resolutes Umdenken in Sachen Raubbau und kontinuierliche Zerstörung unseres wunderbaren Blauen Planeten? Mit Sicherheit, aber es darf nicht sein, was bisherig prima und eiskalt ohne Widerstand funktioniert hatte. Daher bezichtigt man halt einfach jede berechtigte Kritik der Lüge, der Mär oder der verträumten Illusion. Wetterextreme werden somit weiterhin zunehmen, ob Mensch sich einig oder nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Klima/Wetter

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Fragend beantwortet

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War ich nicht mal,
neulich,
vor langer Zeit,
früher,
vor zig Jahren,
damals,
in weiter Erinnerung,
in der Vergangenheit,
einst,
vor dieser Stunde,
vor der letzten Sekunde,
ich?

Ich und sonst nichts.
Nicht dein ich,
nicht euer ich,
keines ich.
Ich ohne Alter,
befreit von Jugend,
Kind, erwachsen,
ich!

Das kann nur ich sein.
Fragend antwortend
von ganz klein.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Frieden ohne Aussicht auf weltweite Dauerhaftigkeit

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Artenvielfalt entspricht der Schöpfung

Manchmal könnte man aus der Haut fahren, aber letztendlich funktioniert dies ohnehin anatomisch sowieso nicht und selbst wenn, bleibt es dennoch beim Konjunktiv, weil die folgende Einmaligkeit schlicht das eigene Leben kosten wird. Aber die berechtigte Wut verbleibt und nehmen wir mit in solchen Momenten der Entrüstung, der unbedingt meist ein längerer Prozeß der Hoffnung vorausgegangen, in dem an des Menschen Einsicht und Verstand appelliert.

Vergebens, das Unvermeidbare geschieht trotzdem wider aller Erfahrung, die Lawine der Gewalt entlädt sich erbarmungslos wie schon seit Urzeiten. Was der Kosmos mit der weltlichen Natur schöpferisch entsandt, zunichte gemacht in schnellen Momenten gewaltiger Zerstörungskraft. Frieden, eine berechtigte Forderung ohne Aussicht auf weltweite Dauerhaftigkeit, obwohl ermahnend sämtliches Leben genau dieses Ziel verwirklicht?

Verklärte Vorstellung trotz eindeutiger Indizien?

Sicherlich mögen bestimmte Gesellen all jenen verächtlich entgegenschmettern, wie weltfremd die ewige Forderung nach Frieden angesichts der vollendeten Tatsachen menschlicher Kriegseinsätze verklärt daherkommt. Aber was vermag denn sonst die Aussichtslosigkeit stoppen, um ihn real umzusetzen?

Eine neue Welle der Sehnsucht nach Frieden formierte sich hierzulande nach heftigen Protesten zum NATO-Doppelbeschluß, dessen Scheitern absehbar war, die Friedensbewegung ließ Hunderttausende Menschen auf den Straßen protestieren. Kein Wunder, daß Nicole Hohloch mit dem Song „Ein bißchen Frieden“ beim Eurovision Song Contest 1982 den Zeitgeist der besorgten Menschen erreichte und ihn auch deshalb gewinnen konnte, der mit der bescheidenen Textzeile aus Bernd Meinungers Feder endete: Sing mit mir ein kleines Lied, daß die Welt im Frieden lebt. Vermag auf Erden Frieden Spekulation einer Illusion sein oder eine tiefverwurzelte Lebenseinstellung, also Sehnsucht, die entsprungen aus Mutters Schoß das verlorene Paradies einfordert?

Der blaue Planet – ein sichtbar erschreckendes Szenarium

Egal aus welcher Entfernung andere Spezies in den Weiten des Kosmos einen Blick auf unseren blauen Planeten werfen, je nachdem betrachten sie irgend ein Zeitgeschehen, welches somit schon stattgefunden bis hinein in die augenblickliche Gegenwart. Und was offenbart sich dann ihnen? Kriege und Zerstörung. Friedenszeiten waren stets kurze Ausnahmen, um neue Kräfte zu sammeln für eine noch schrecklichere Fortsetzung zerstörerischen Ausmaßes.

Homo sapiens ein Wesen, dessen eigentlicher Ursprung zwar entwicklungsinterpretiert Mutter Erde zugeordnet wird, vergleicht man allerdings sämtliche ungereimten Indizien zusammen mit kosmischen Einflüssen, ergeben sich andere Möglichkeiten, die zwar gern als Spekulationen und Hirngespinste abgetan, aber dennoch präsent vorhanden bestimmte Spuren hinterlassen haben. Nicht nur der oft belächelte Erich von Däniken griff solche Überlegungen auf. Unfriedenstiftende Beweggründe folglich Spuren aus dem All, während die Erde eigentlich mit ihrer Artenvielfalt ursprünglich einem schöpferischen Gedanken folgend sich friedvoll entwickeln sollte?

Der Mensch im Fokus einer hohen Verantwortung

Längst geht es bei der Friedensforderung nicht mehr um ein verklärtes Weltbild, sondern vielmehr um das nackte Überleben unseres Planeten selbst, bzw. die Verhinderung einer atomaren Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Trotz trüber Aussichten der Zukunftsprognose verhaltender Optimismus als Hoffnung erweisend, an einen möglichen, letzten Strohhalm sich klammern? Wir Menschen, die den Anspruch hegen, die Welt zu beherrschen, stehen im Fokus einer sehr hohen Verantwortung.

Doch werden wir ihr gerecht so kurz vor möglicher Apokalypse? Was muß geschehen, das Unvermeidbare im letzten Moment zu verhindern? Oder kann die einmal gestartete Entwicklung hinein in Endzeitszenarien, einem aufgezogenen Uhrwerk gleich, nicht mehr aufgehalten werden? Diese besorgten Fragen niemand zu beantworten vermag, aber stetig im Bewußtsein mitschwingend unser Dasein beeinflussen. Tun wir alles Menschenmögliche, um Mutter Erde friedlich zu gestalten, selbst wenn die Aussichten nach wie vor äußerst gering.

Ein Musiker äußerte mal diesen wahrhaftigen Satz, nämlich Jimi Hendrix:

„Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Pfundig schaust aus

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Dunst von Abgasen vermischte sich mit den Düften und Gerüchen, die sich aus den Ladenlokalen und nicht zu vergessen aus den Schlaf- und Wohnräumen der Bewohner des Viertels auf die Straße und den Platz ausbreiteten. Es hatte bis in die Morgenstunden geregnet, Nieselregen, der es nicht schaffte, die Hitze der letzten Tage zu vertreiben. Von Abkühlung kann keine Rede sein. Habe ich auch nicht gemeint. Frisch ist es, das habe ich gedacht. Frisch. Frische Luft. Frische Luft angereichert mit Diesel, Teer, undefinierbaren künstlichen Duftstoffen, gebackenen Brot, angewärmten Plastikschuhen, abgestandenem Bier und von Kloakengasen. Frische Luft. Nimm dich zusammen, red´ nicht schon wieder alles schlecht.

Ella liebte diesen morgendlichen Zoff mit ihren Gedanken. Diese Gespräche, die nicht unbedingt leise vonstatten gingen, sondern ohne weiteres in handfesten Streitgesprächen enden konnten. Kaum richtig wach, überließ sie sich ihnen. Heute Zähneputzen ausfallen lassen. Du kannst es nicht sein lassen, dich vor Unangenehmem zu drücken. Ich drücke heute lieber ein Auge für mich zu als eine Zahnpastatube. Der Kaffee ist zu stark geworden. Wenn man es auch so eilig hat, sich kurz nach dem Aufstehen sofort wieder an einem Stuhl festzusetzen. Bist du gut gelaunt heute! Hatte Anne nicht gestern Geburtstag? Mist. Vergessen. Der Bornholm ist und bleibt ein geschniegelter Affe. Vielleicht stimmt es ja doch, daß er gekündigt hat und nur noch bis Monatsende seine idiotischen Anmachsprüche durchs Büro wirbeln läßt. Man ist der lustig, dieser Bornholm. Ich werde heute nochmal in den Laden gehen und das blaue Kleid anprobieren. Mach dich nicht lächerlich. Du hast noch nie blau getragen. Dann wird’s Zeit. Rudolpho, deine schielenden Blicke verhindern nicht, daß ich jetzt zur Arbeit muß. Sonst kann ich kein Freßchen mehr für dich kaufen.

Pisse oder Wasser? Egal, nicht reintreten. Großer Schritt und schon vorbei. Es stinkt, Pisse. Schade, hätte auf Wasser gewettet. Ach, schau an, sehen meine Äuglein nicht dunkle Wolken am Himmel aufziehen? Wenn die frische Brise ein bißchen mehr Wind abbekommt, besteht die Hoffnung auf Wasser marsch! Und zwar noch diesen Vormittag.

Felix war es leid. Dieses „es“ war inzwischen zu vielen „es“ angewachsen, nein, nicht angewachsen, verknäult. Schon die kleinsten Gedankenfetzen zu einem Thema konnten ihn völlig aus der Puste bringen, Schweißausbrüche erzeugen, wie wenn er einen Berggipfel mit Tempo hochgerannt wäre. Seinen Job als Buchhalter empfand er nur noch als ätzend. Auch körperlich schien er sich aufzulösen, nicht mehr lange und sein Kopf würde alle seine Gedanken wegpusten. Inzwischen blieb ihm nur noch Sarkasmus, den er mit einer großen Portion Ignoranz allen und allem gegenüber anhäuft. Erstaunlicherweise konnte er mit diesen beiden Resten seine verfahrene Situation erst richtig erkennen, nicht als Spiegelbild, eher wie durch ein milchiges Fenster.

Dieses Wochenende ist er in seine neue Wohnung gezogen, Ortswechsel war angesagt, noch zwei Wochen und er kann seiner jetzigen Arbeitsstelle Adieu sagen, dann Urlaub, danach wieder Schule, erstmal Abi nachholen und dann, das wollte er offen lassen. Offen wie sein Mund gerade gefühlte Minuten blieb, als er Ella Sduny auf der gegenüberliegenden Seite am Zebrastreifen stehen sah.

„Die hier? Sag bloß, die wohnt in diesem Viertel!“

Nicht mal zu Ende konnte er denken, ob sie sich vielleicht nur zufällig hier aufhält, da hat sie ihn schon bemerkt und erst leicht mit dem Kopf genickt, gefolgt von einem grinsenden Gesicht und dem angewinkelten rechten Arm zum Gruß.

Der hier, schoß es ihr durch den Kopf, wie kommt der denn hierher? Wie wohl, zu Fuß! Dachte, er wohnt im entgegengesetzten Teil der Stadt? Hat wohl bei einer seiner Flammen übernachtet. Sie muß blind sein, wenn sie sich mit so einem abgibt. Bornholm erwischt beim One-Night-Stand. Felix, der Glückliche, hat eine abgekriegt. Wunder über Wunder!

„Guten Morgen, Herr Bornholm!“, begrüßte sie ihn fröhlich, eher höflich, aber der merkte den Unterschied sowieso nicht, als sie neben ihm an der Bushaltestelle stand.

Die frische Brise war inzwischen zu einer heftigen Brise angewachsen, erste kleine Papier-, Plastikstückchen wirbelten die Straße entlang. Ella Sduny und Felix Bornholm konnten sich nicht ins Wartehäuschen stellen, um diese Uhrzeit drängten sich Menschen zuhauf in dem Bushäuschen und an der Straße, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Während sie sich in Smalltalk übten, um nicht blöde nebeneinander durch die Gegend zu gucken, mußten sie ihre Stimmen nicht nur an den Straßenlärm anpassen, sondern auch an den plötzlich heftiger werdenden Wind, der die ersten Regentropfen über die Stadt herabwarf.

Hat er, pfundig schaust aus, gesagt? Was bildet der sich ein! Sag ja, Lackaffe!

Das Fräulein Ella, immer ein bißchen kratzbürstig und meistens ein bißchen geistesabwesend, ob die in dieser Gegend wohnt?

„Wie bitte?“, lautete ihre Antwort, nicht zu überhören mit einem schnippischen Unterton.

„Wuchtig schaut’s aus!“ Felix sah diesmal Richtung Himmel, und als Ella seinem Blick folgte, wurden über ihr Tausende von Eimern Wasser ausgeschüttet.

Für Sekunden schien alles starr vor Schreck, fest geklebte Zeit. Nichts schien sich zu bewegen.

„Lustig schaust aus!“ Felix starrte sie durch Wasserfontänen hindurch an.

Ella wollte sich gerade umdrehen und nach Hause laufen, als ein Lastwagen in eine vom Regen gefüllte Pfütze fuhr und ein Schwall von dreckiger Brühe über beide ergoß.

Zwei begossene Pudel am Straßenrand, die sich nicht leiden können, strahlten sich in diesem Moment an.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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