Meine Welt war plötzlich ein Luftballon

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Meine Welt war plötzlich ein Luftballon,
ein gewisses Etwas hatte das schon,
obwohl ganz bedauerlich, als es geschah,
niemand in meiner unmittelbaren Nähe war.

Ich überquerte ein abgeerntetes Weizenfeld,
so etwas Bedeutendes muß man zeigen der Welt,
Weizenstengel ich deshalb an diesem Ort stapelte,
zur aller Erkenntnis, wo meine Luftballonwelt startete.

Ein leichter Wind zerstob meine geschichteten Stengel,
leg Erdklumpen darauf, das flüsterte ein Gedankenengel.
Der Hügel wuchs in die Höhe, der Wind wuchs, wurde Sturm,
fegte meinen Erdhügel davon. Geflüster, leg Steine drumherum.

Der Sturm rollte die Stengel, die Erde samt Steine hinfort,
bilde einen Kreis, diesen Umfang sieht jeder sofort.
Mit Wucht wurde die Kreismulde zerstört,
mit einem Geräusch, das sich nach Orkan anhört.

Bleib cool, leg dich selbst mitten auf den Fundort hin,
flüsterte es, verzerrt wie durch eine Röhre, daraufhin.
Ein schaukelndes beruhigendes Gefühl überkam mich,
eine große Stille, eine schwebende Ruhe, an und für sich.

Warum müssen Menschen in Wald und Flur ständig lärmen,
ist hier nicht Gelegenheit, sich von Geräuschen zu entfernen?
Fehlt Ihnen nichts, geht´s Ihnen gut, der Tornado gerade eben…
Stimme, Ballon geplatzt, sei ohne Sorg´, nur du atmest die Luft von Eden.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Rockpalast: Chronixx verzaubert Summerjam 2018

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Mit Jamar McNaughton Jr ein neuer Reggae-Star uns aufhorchen läßt

Bob Marley hätte seine uneingeschränkte Freude an der Bühnenpräsenz von Chronixx, bürgerlich Jamar McNaughton Jr, dessen Vater Selvin McNaughton bereits als Dancehall-Sänger aufging, der selbst über seinen Sohn sagt, er hätte eine Stimme wie Reggae-Veteran Barrington Levy. Wer reinhört, mag da noch viel mehr erahnen.

Beim diesjährigen Summerjam 2018 schafft es Chronixx und dessen Band, das Publikum in den Bann zu ziehen, der WDR-Rockpalast zeigte das Live-Konzert, sodaß jeder sich selbst ein Klangbild machen kann, was dabei der noch junge Chronixx mit seiner Stimme zu bieten hat, spielerisch schafft er es, seinen Songs das zu geben, was sie ausmachen, wobei die Band hervorragend ergänzend mitwirkt.

Soul, Dub und Hip-Hop-Klänge runden Chronixx Performance ab

Dennoch unverkennbar die Seele des Reggae, was natürlich ganz besonders im harmonischen Zusammenspiel der Band nur funktionieren kann.

Insofern seien hier auch mal die einzelnen Mitglieder aufgezählt und gewürdigt: An den Keyboards Evan Mason, die Gitarren spielen N’Namdi Robinson und Stephan Coore, den Baß Adrian Henry, an den Drums Oliver Thompson, und die Percussion gestaltet Hector Lewis.

Enjoy Music And Vibes – Chronixx sorgt für viel Gänsehaut

So das Motto des diesjährigen 33. Summerjam – Festivals, welches vom 06. bis 08. Juli am Köln-Fühlinger See stattfand. Neben Chronnix traten noch Inner Circle, Ziggy Marley, Dellé, Afrob, Gentleman, MHD, Milky Chance, Jace, Trettman, Tarrus Riley und etliche andere Bands auf. Weitere Informationen zum Summerjam findet man auf ihrer Seite.

Musik ist immer Geschmacksache. Aber was hierbei Chronixx erreicht, ist ein enormer Gänsehaut-Effekt. Seine Stimme, die Mimik und Körpersprache ergänzen sich zu einem Gesamtkunstwerk, transportieren die textlichen Botschaften umso eindringlicher. Gleichwohl schafft es seine Leichtigkeit, mit Sprache umzugehen, ein Naturtalent, welches dessen Vater ihm in die Wiege gelegt haben muß. Man darf auf weiteres gespannt sein, bisher erschien letztes Jahr sein Debütalbum Chronology.

Empfehlenswert seine Chronixx Chronology Tour Kenya show, die im Juli stattfand, das ganze Konzert hier gesehen und gehört werden kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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Nicht ohne meine Pfirsichhaut

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Überall wirkt das hungrige Grausen,
Gefahren, die in die Tiefe spülen,
verkrustete Wände Körper abschaben,
Scherben deine Form überziehen.

Umflochten mit Schuppen zum Schutz,
gepanzerter Wille, beruhigtes Verlangen,
machst du dies, machst du jenes,
sehnst Mutters Brust, die alles Stillende.

Der Mantel der beengten Identifikation
reibt an den Gedanken wie Fußkettchen
an den Fersen, verzehrt das Glück,
verleiht keine Sporen, ertränkt das Ich.

Hungrig geboren, die Welt zu genießen,
verzehrt Enge die fließende Nahrung.
Das Leben zerbröselt unter Panzern,
pulsiert unter sanfter Pfirsichhaut.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Ein Zurück zur Dienstpflicht mißbilligt Menschenrechte

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Kanonenfutter erneut auf bestem Wege?

Im Christentum war die Verweigerung zum Dienst an der Waffe, kriegerisch unterwegs zu sein, anfangs tief verwurzelt, eine Selbstverständlichkeit, die sich allerdings mit dem Machtbestreben des Vatikan, der Katholischen Kirche wandelte, sodaß im Mittelalter jene Kriegsdienstverweigerer einfach mal als Ketzer verurteilt und hingerichtet wurden.

In der Neuzeit entwickelte sich der Ersatzdienst, anfangs von Friedrich dem Großen den preußischen Mennoiten angeboten, am Ende des 19. Jahrhunderts folgte die politische Wirkung und Forderung, sich enstprechend zu verweigern. Hierzulande galt von 1956 bis 2011 die Wehrpflicht, die den Grundwehrdienst beinhaltete, Kriegsdienstverweigerer mußten nach erfolgreichem Verfahren einen entsprechenden Ersatzdienst leisten. Die CDU möchte nunmehr eine allgemeine Dienstpflicht einführen, was natürlich Widerstand hervorruft.

Die Allgemeinheit soll unterstützt werden

In etwa eine Aufbesserung der Agenda 2010, besser noch als Agenda 2020 zu bezeichnen, in dem Politik sich „billige Arbeitskräfte“ sichert, die, wenn schon nicht bei der Wehrpflicht, beim Ersatzdienst für Abhilfe schaffen sollen? Obendrein eine ernsthafte Konkurrenz darstellen für all jene, die in sozialen Bereichen für ohnehin eher niedrigere Löhne arbeiten? Ein gegenseitiges Ausspielen mit vorgrammierter Mißgunst.

Reibt sich ein Jens Spahn womöglich schon die Hände? Dagegenhalten ein moderates Mittel, natürlich sollte man viel eher den Bundesfreiwilligendienst fördern, wie der Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband betont. Daß Zwangsdienste nach europäischem Recht ohnehin menschenrechtswidrig sind, scheint sich bei manchen CDU-Politikern nicht herumgesprochen zu haben.

Die Rüstungsindustrie frohlockt, von Friendensabsichten keine Spur

Einer Rüstungsindustrie können derartige Forderungen nur recht und billlig sein, schließlich müssen hergestellte Waffen auch zum Einsatz kommen, um neue Absatzmärkte zu sichern. Da stört eine Friedensbewegung sowieso, Kriege bleiben uns leider erhalten, Deutschland als viertgrößter Waffenexporteur verkauft inzwischen ausgerechnet in den Nahen und Mittleren Osten doppelt so viele Waffen wie noch vor sechs Jahren, insofern längst in der Rüstungs- und Kriegsfalle sich befindet.

Da reiht sich der jüngste Vorschlag zur Dienstpflicht prima ein, per Zwang junge Menschen zu zwingen, zu Lasten von Sozialberufen und des Friedens selbst. Kanonenfutter erneut auf bestem Wege, eine rechtsradikale AfD wird solche Zwangsdienste, sollte sie tatsächlich in den Genuß einer Regierungsverantwortung kommen, für ihre perfiden Zwecke auszunutzen wissen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Parfümierte Himbeeren

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Ach, vergiß es!
Tobender Applaus.
Zerstörter Ackerwindenzaun,
selbst Küssen war nicht erlaubt.

Verlorenes Jammern
mit klirrenden Herzen,
das hatte sie sich nicht erlaubt,
Flirten hinter Maskeraden.

Bildlich rekonstruiert
die schwirrenden Lichtspiele
aus den Lebensfeldern.
Fasziniert dämmerten Menschen.

Parfümierte Himbeeren
verderben sehr schnell.
Ach, vergiß es!
Sie verscherbelte die konstruierte Welt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

 

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Politik in Europa: Welch Spaß, es bewegt sich was

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Den Kampf ansagen, gegen das Establishment. So die Worte jenes „blonden Dollen“ drüben übern Teich, obwohl er längst selbst sein eigenes Establishment über alles und jedem stülpt, wer nicht nach dessen Pfeife tanzt, sei es mit den unverkennbaren Twittergewittern, eine völlig neue Form politischer Staatsführung, man(n) geht eben mit der Zeit, ist up to date, auf der Höhe in einer computertechnisierten Welt.

Soviel zu dortiger Erneuerung, die Europa längst selbst widerfährt. Zunächst blieb Frankreich ein heftiger Rechtsruck erspart, weil Marine Le Pen nicht ran durfte, um im Élysée-Palast entsprechend die Weichen zu stellen, raus aus der EU, zurück zum Nationalismus. Dafür machen es uns die Österreicher vor mit dem Kurz-Strache-Gespann, zeigt die bösartige Fratze der Neuen Rechten unverhohlen ihren wahren Kern: Arbeitnehmerrechte ade, Sozialstaat abbauen, per „Achse der Willigen“ das Ayslrecht ab adsurdum führen.

Nachahmer finden sich natürlich hierzulande, Spaltpilze suchen ihre Chance, so wie der neu berufene Innen- und Heimatminister, in dem er kurzerhand der Kanzlerin in den Rücken fällt. Welch weit vorausgeahnte Taktiken tun sich auf! Auf jenen fahrenden Zug springt der angeblich in den Staaten inzwischen verpönte Steve Bannon mit seiner The Movement – To take down the EU. Die Bewegung sollten wir nicht verwechseln mit der gleichnamigen dänischen Rockband. Die USA zeigen Europa, wie die Neue Rechte ticken muß, obwohl doch die Amis jahrzehntelang als die heroischen Befreier galten vom Korsett der Nazis?

Verkehrte Welt. Ein Grund mehr, daß wenigstens Die Linke sich besinnt. Aber wie?! Mit #aufstehen – Die Sammlungsbewegung, welche Sahra Wagenknecht zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine ins Leben rief? Die Linke gespalten, uneinig in der Politik, Machtgerangel an der Spitze gleich Stillstand in der Sache? Grund genug, daß die SPD ihr politisches Tief versucht zu überwinden, um die Schröder’sche Agenda 2010 kleinzureden. Man traut selbstverständlich dem Herumtönen des Ralf Stegners nicht, mit einer links eingestellten Position in Deutschlands ältester Parei kann es mitnichten getan sein.

Ironie ein moderates Mittel, mal durchzuschnaufen, auch wenn die Zeichen allesamt auf ziemlich unsichere Zeiten steuern, die Überschrift, welch Spaß, es bewege sich was, deutet darauf hin. Müssen wir uns selbst eingestehen, den politischen Parteien zuviel Spielraum überlassen zu haben? Diese ihn schlichtweg verscherzten zugunsten jener ewig nimmersatten Eliten, die nur Reichtum und Ausbeutung im Sinn, während ein soziales Miteinander ständig ums Überleben kämpft, hierzulande vermehrt, in der Welt da draußen ohnehin?

Wir müssen nicht nur, es bleibt uns nichts anderes übrig. Bewegung kann tatsächlich Abhilfe schaffen, allerdings mitnichten in Richtung Nationalstaaterei, Sozialabbau, dem weiteren Hofieren des Neoliberalismus, einer erneuten Rüstungsspirale.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Pias Versuche, ihrem Leben einen Sinn zu geben – Teil 2

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Freund weg, Studiumwechsel durchaus möglich

Sting mit seiner genialen Stimme verleiht halt immer wieder das gewisse Etwas, sich dabei rundum wohl zu fühlen. Kein Wunder, daß Pia und Babette tänzelnd die Straße entlang schlendern, dabei im Takt zum Song den Kopf pendeln lassen, mit ihren Armen rudern. In einer Stadt wie Berlin mag das noch angehen, hier verwundern jedwede Exoten niemand mehr, ganz im Gegenteil, in der Hauptstadtmetropole treffen völlig unterschiedliche Welten aufeinander, ganz ähnlich wie in London, Paris oder Wien.

„Ach, meine Liebe, wir sind bereits angekommen, hier wohne ich seit geraumer Zeit“, betont Babette und weist auf ein sehr gut erhaltenes, mühevoll saniertes Jugendstilhaus, dessen Fassade in taubenblauer Farbe gestrichen, die Fenstersimse und Türrahmen in strahlendes Weiß gehalten, um sie dezent zu betonen.

„Wow, welch tolle Architektur, ich liebe Jugendstil, Omi“, erwidert Pia und folgt ihr. Das Treppenhaus mit seinem schwungvollen Eschenholzgeländer wirkt sehr einladend, die vesetzten, großzügigen Flurfenster lassen viel Licht eindringen, jede Wohnungstür ist extra individuell gestaltet, mit verspielten Messingbeschlägen.

‚Das schaut nach feudalem Lebensstil aus‘, denkt sich Pia, wundert sich allerdings nicht weiter darüber, sie weiß nur zu gut, daß Opa, der vor zwei Jahren urplötzlich eines morgens nicht mehr wach wurde, selig verstorben war, ihr eine sehr großzügige Witwenrente überließ. Und jetzt genießt ihre Omi das Leben trotzdem oder erst recht in vollen Zügen, spricht wohl nichts dagegen.

„Nun, laß mal hören, was macht dein Studium, das wolltest du doch im letzten Herbst beginnen, oder? Und wie heißt dein Freund nochmal? Robert oder so?“, fragt Babette ihre Enkeltochter ziemlich aufgeregt, schließlich hatten die beiden sich vor einem guten halben Jahr zuletzt gesehen, währenddessen nicht mehr miteinander telephoniert, irgendwie ergab sich dies nicht mehr, waren sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

„Aber Omi, den Robert hab ich doch vor acht Wochen vor die Türe gesetzt“, erwidert Pia ein wenig genervt, „der ging mir einfach zu dolle auf den Keks, dieses ständige an mir Kleben und vor allem die übertriebene Eifersucht, das wurde mir alles zuviel. Was das Studium anbelangt, bin ich just dabei, es eventuell zu schmeißen, bin mir nicht mehr sicher, ob ich es noch weitermache. Bevor du nachfragst: Hat nichts mit Resignation zu tun, aber Germanistik ist wohl doch nicht mein Ding!“

Babette tröstet sie, streicht ihr über die Haare, nachdem beide im Wohnzimmer zusammensitzen, einen Kaffee sich genehmigen. Dabei kommt ein wenig verschlafen Kater Florian um die Ecke geschlichen, schaut neugierig zu Pia, zögert einen Moment, um dann gezielt auf ihren Schoß zu springen, sich kurz zu räkeln und schnurrend zusammenzurollen. Mit breitem Grinsen streichelt ihn Pia und schaut ins Leere.

Reisen können Knoten lösen

Im Leeren doch so viele Dinge im Verborgenen liegen, jener Blick nichts anderes bedeutet, als genau diese zu ergründen, wobei keineswegs ein gezieltes Handeln dahintersteckt, vielmehr im Unterbewußten sich einiges abspielt. Babette ahnt längst, was ihre Enkelin beschäftigt, hält sich vorerst zurück.

Pia erinnert sich an die letzten zwei Jahre, läßt diesen Zeitraum kurz Revue passieren. ‚Was waren dabei nur für Momente voller Entbehrungen, gar nicht mal materieller Art, sondern ganz besonders jenes wage nicht Wahrhaben wollen zwischen Studium und Beziehungsproblemen. Per Ignoranz war es eben nicht getan, ganz im Gegenteil, je länger ich mich mit Händen und Füßen dagegen sträubte, Lösungen zu finden, desto mehr versank ich in eine Flut voller Widrigkeiten, verlor mich teilweise‘, grübelt sie, um im nächsten Augenblick aufzuspringen.

„Ach, Omi, nimm es mir nicht übel, ich denke, es ist besser, ich gehe“, bemerkt Pia mit fester Stimme, „du selbst hast mich auf eine Idee gebracht, bist der Stein des Anstoßes sozusagen!“ Babette schaut sie entgeistert aber lächelnd an.

„Na, wenn das so ist, ein schöneres Kompliment kannst du mir kaum geben, meine Liebe. Ich hoffe, es hilft dir weiter, dich zu finden“, erwidert sie und umarmt ihre Enkeltochter kurz. Abschließend verabschieden sich beide, und Pia verläßt das Jugendstilhaus. Unterwegs ist sie ziemlich in Gedanken vertieft, um eben die neuen Perspektiven sich auszumalen, vor allem wissend, was da alles auf sie zukommen möge.

Gleichzeitig wird ihr so richtig bewußt, daß sie ohne weiteres an ihr Studium anknüpfen kann, insofern dies nicht umsonst bisherig absolviert hat. Loslassen, das ist das Zauberwort der jetzigen Befreiung von bestimmten Zwängen, die sie einfach hinter sich lassen wird. Um so einfacher, eben weil keinerlei Verpflichtung sie anmahnt. Und was kann es schöneres geben, als lässig und unbedarft zu reisen.

Unterwegs würden ihr jede Menge Inspirationen begegnen, neue Eindrücke, Menschen, Kulturen und dafür sorgen, Vergangenes ruhen zu lassen. Mit Therapie hat dies nichts zu tun, aber mit erholsamen Abstand und der Aussicht auf eine Veränderung im Leben selbst allemal. Dessen ist sie sich sicher. Niemand anders als ihre Omi Babette hatte dies selber jahrelang durchlebt, in vielen Ländern dieser Erde Kontakte geknüpft, sich ausgetauscht, schöpft bis heute davon, wie ihr gerade eben noch bewußt geworden.

Als sie die Haustür ihrer kleinen Wohnung aufschließt, weiß sie bereits die nächsten Schritte, die sie einleiten wird, greift zielsicher zum Telephonhörer und bespricht sich mit ihrer besten Freundin Nicole. Lachend folgt eine vertiefte Auseinandersetzung, wohin die Reise zu Beginn gehen möge, während ihr Schutzengel sich entspannt zurücklehnt, mit einem breiten Grinsen nur zu genau weiß, daß jede Menge Arbeit schon bald auf ihn warten wird.

Lotar Martin Kamm

Das Märchen vom Gasbar ohne Furcht und Tadel – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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