Warum friedlich wenn Gewalt stets das letzte Wort hat?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Na, wenn der Paule im Sandkasten die Burgen, Kuchen und andere Kunstwerke mit einem hämischen Grinsen im feisten Gesicht platt macht, dann fühlt er sich so richtig stark. Ist er obendrein, weil neulich der Felix versuchte, ihn daran zu hindern, welches zur Folge hatte, daß Felix mit einem blauen Auge nach hause kam.

Was früh schon von Kindesbeinen an erlernt, mag sich beim ein oder anderen genauso fortsetzen wie beim Paule, muß es aber nicht zwangsläufig. Bei manchen erfolgt eine Rückbesinnung zu anderen Verhaltensmustern, um solche Konflikte im Keim zu ersticken. Dennoch kann niemand umhin, festzustellen, daß Gewalt stetig zunimmt allüberall, ein dramatisches Bild in der Gesellschaft, das ziemlich viel aussagt über sie. Warum nur, mag als Frage im Raum stehen.

Etwa kein Friedenswillen mehr in Aussicht? Dieser zeigt sich allenthalben äußerst selten. Werfen Sie mal einen Blick zu den Ostermärschen, zur Friedensbewegung an sich. Außer jenen Mahnwachen, die gleichzeitig gezielt sogar von der Neuen Rechten unterwandert wurden, bleibt da nicht viel übrig, die letzten, wirklich großen Demos fanden hierzulande beim Nein zum bevorstehenden Irak-Krieg statt.

Was hat sich seitdem verändert? Ausgerechnet jener Bundeskanzler, der den Irak-Krieg noch brüsk ablehnte, erschuf die Agenda 2010, ein Willkommensgeschenk für ausbeuterische Arbeitgeber, um den Niedriglohnsektor anzupreisen, das menschenverachtende Hartz-IV-Gesetzesregelwerk, die legitimierte Handhabe zur Zwangsarbeit. Beste Voraussetzung, Menschen mundtot zu machen, es demonstriert sich schwerer, wenn die Not größer.

Aber ausgerechnet ein Teil jener Hintergangenen fühlte sich in einer Protestbewegung der Neuen Rechten über Pegida und AfD gut aufgehoben, nicht wissend, daß jene Schergen gar noch neoliberaler unterwegs, unter ihrer Fuchtel Sozialrassismus erst recht stattfinden wird!

Schwamm drüber, es fruchten gar sehr die simplen Hetzparolen gegen Merkel, Ausländer und Multikulti, eine Lügenpresse bei gleichzeitiger Verbreitung von eigenen Fakenews via Internet, es tobt sich so trollartig anonym gedeckelt hervorragend, um eigene Minderwertigkeitskomplexe zu kaschieren, real jede Schandtat mit anzuzetteln oder in Gewaltexzessen mitzumischen. Lieber zerstören, was einen „stark“ macht im Rausch der Verachtungswelle, anstatt zu lieben, zu respektieren, sich zu bemühen, mit Menschen zu kommunizieren. Weil das hat ja der ein oder andere Paule im Sandkasten nimmermehr gelernt. So schließt sich der Kreis.

Manchmal bedarf es weitreichende Reisen, um zu erkennen, inwiefern Fanatismus erheblichen Schaden anrichtet. Das Tragische daran: Fanatische Menschen sind dermaßen verblendet, daß sie voller Überzeugung Humanismus einfordern, in dem sie einer Gewaltzunahme freien Lauf lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Realität und Verschwörung dicht beieinander

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Im Schatten offizieller Stellungnahmen

Der Wissensdurst kann niemals enden, zu interessant gestalten sich Geschehnisse, bleiben unbeantwortete Fragen auf der Strecke, vielmehr in den Köpfen jener hängen, die sich eben nicht mit halbherzigen Antworten zufriedengeben.

Selbstverständlich entstehen dadurch vielfache Möglichkeiten, ganz exakt jenes Vakuum zu bedienen, Unsicherheit zu streuen, jedwede Verschwörungstheorie dadurch zu initiieren. Das machen sich keineswegs nur Geheimdienste zu Nutze, sondern sämtliche Machtkonstellationen, die ungestört einfach weiter im Hintergrund und somit im Verborgenen agieren möchten.

Nehmen wir das jüngste hochbrisante Ereignis hierzulande: den NSU-Prozeß. Täter und Angeklagte wurden ermittelt und verurteilt, ein jahrelanges Gerichtsverfahren, welches ziemlich teuer war, aber dennoch nicht ansatzweise zu einer wirklichen Aufklärung führte. Zu viele Fragen bleiben offen, Zeugen mußten auf dubiose Weise plötzlich sterben, Akten verschwanden. Ein Paradebeispiel, inwieweit diese Staatsmacht einfach Verbrechen gewähren läßt.

Die Behauptung, dieser Staat und seine Justiz sei auf dem rechten Auge blind, bewahrheitet sich einmal mehr, zumal im Fall der RAF-Terroristen keine Kosten und Mühen gescheut wurden, eine lückenlose Aufklärung zügig zu erhalten, was nahezu auch gelang. In anderen Worten, Kapitalismus offenbart seine unübersehbare Richtung: Rechtsextremismus darf sich im Grunde ungeschoren austoben, Linksextremismus wird im Keim erstickt, gnadenlos verfolgt.

Es möge jetzt nicht der Eindruck entstehen, dem Linksextremismus Sympathiepunkte austeilen zu wollen, jedwede Form von Gewalt, ob linke oder rechte, ist strikt abzulehnen! Allerdings fällt das Verhalten nicht nur hierzulande auf, sondern weltweit, wie Gesellschaften sowie Staatsmächte rechtsradikale Strukturen und Verbrechen oftmals halbherzig zu unterbinden versuchen oder gar dulden, während linksradikale mit aller Härte angegangen werden.

Überträgt man jenes Verhalten auf sämtliche bisherigen politischen Ereignisse und ungeklärten Verstrickungen zwischen rechten Terrorzellen, angeblichen Verfassungsorganen und den Staatsmächten, kann man nur erstaunt feststellen, daß im Schatten offizieller Stellungnahmen viel Raum für Spekulationen verbleibt, gleichwohl Verschwörungstheorien sich als tatsächliche Sachlagen erweisen mögen.

Dann darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen auch fanatischen Gruppierungen sich anschließen, verbünden, dort Halt suchen. Beste Gelegenheit für gezielte Hirnwäsche, was wiederum den Sumpf verschwörungstheoretischer Exzesse begünstigt, ihn vergrößert. Der kritische Beobachter, der genau das zu verhindern versucht, gerät zwischen die Fronten einer korrupt elitäten Politik, die Rechtsextreme gewähren läßt und den eigentlichen Drahtziehern, die genau das für ihre Zwecke ausnutzen. Mit Aufklärung oder gar einer freien Gesellschaft hat das nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil, Überwachung, Verunsicherung und somit Vertrauensverluste sind die Folge.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Ungeklärtes

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Monarchien durchaus unzeitgemäß

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Dennoch geduldet angesichts sozialer Mißstände?

Neiddebatten führen stets in Sackgassen, weil die Angeprangerten sich nicht in Luft auflösen können angesichts einer Lawine trotz völlig berechtigter Argumente, schon gleich gar wenn der Ton vehementer, die Wut eskalierend sich am Liebsten ihren Weg bahnen möchte.

Abgesehen davon, widerspricht eine solche Vorgehensweise gänzlich dem Humanismus. Dennoch verbleibt ein äußerst fader Beigeschmack an Assoziationen, wer sich tatsächlich sehr kritisch mit den unterschiedlichen weltweiten Monarchien auseinandersetzt, die aufgrund drastisch zunehmender sozialer Mißstände nicht nur als unzeitgemäß zu bezeichnen sind, aber dennoch geduldet werden.

Trotz Aufklärung, Staatenbündnissen und Demokratien erstaunlich viele Monarchien

Die historische Entwicklung offenbart nach wie vor ihre Zeugnisse aus vergangenen Zeiten, abgesehen von den vielen bestehenden Burgen und Schlössern, in den noch weltweit existierenden 44 Monarchien, wobei man zwischen dem einzigen Kaiserreich, nämlich Japan, den 33 Königreichen, 3 Emiraten, 3 Fürstentümern, 1 Großherzogtum, 2 Sultanaten und dem Vatikan (Europas letzter absoluten Monarchie und einzige christliche Theokratie der Welt) unterscheidet. Besonders auffallend hierbei: Außer Japan, den Emiraten und Sultanaten entstammen sämtliche anderen Monarchien dem Einfluß europäisch christlicher Prägung.

Das Regierungssystem der Monarchie lediglich ein veraltetes Relikt aus der Vergangenheit ohne großartige Bedeutung in heutiger Gegenwart? Wer dies glaubt, sollte nicht historisch gewachsenen Reichtum mit all seinen Erbfolgen, kriegerischen Territorialansprüchen bis hin zu ganzen Kapitalgesellschafen unterschätzen, die aus monarchistischen Strukturen hervorgegangen entstanden. Unabhängig von der zweifelhaften Rolle des Ausnahmestatus Vatikanstadt, zugleich dem kleinsten anerkannten Staat der Welt, bleibt die offene Frage: Warum denn Monarchien nicht einfach abschaffen?.

Die Königreiche des ehemaligen Britischen Empires und Commonwealths

Weltweit betrachtet war das englische Königreich, das British Empire, die erfolgreichste Expansion, die vom europäischen Boden ausging und bis heute noch an Macht und Einfluß nicht unterschätzt werden sollte. Und dabei bemerkt Polly Tonybee völlig berechtigt, daß die Monarchie die Briten klein hält, obwohl sie gleichzeitig aufzeigt, inwieweit die Menschen den Glamour des Königshauses beurteilen, dennoch meint, die politische Macht sei minimal.

Nun, wer sich die 16 Commonwealth Realms vergegenwärtigt, auch wenn diese allesamt dem Commonwealth angehören, zusammen mit etlichen Kronbesitzungen und Überseegebieten, dem wird schon deutlich, daß noch Verbindungen des alten Empires nachwirken. Bezieht man dabei noch die lose Verbindung des Commonwealth of Nations mit seinen 53 Mitgliedsstaaten ein, jüngstes Mitglied wurde 2009 die Republik Ruanda, sollte spätestens dann die daraus resultierende Macht offensichtlich sein, obwohl er sich nur auf einer rein konstitutionell bestehenden Verbindung zwischen dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und der Treue zur Krone beruft.

Widerspruch Monarchie und Armut – sozialer Zündstoff vorprogrammiert

Vermögen die Medien, allen voran das Fernsehen, die Menschen weiterhin hinhalten, Hauptsache sie fallen auf den Starkult und Glamour der Königshäuser herein? Können Monarchien auf Dauer Bestand haben, sich selbst rechtfertigen angesichts zunehmender Armut, die ebenso in Europa längst sichtbar geworden?

Wir blicken gen europäischen Süden, weil dort zweifellos die Mißstände am heftigsten sich offenbaren, dennoch wird andächtig auf die Rehabilitation eines Königshauses wie z.B. das der Niederlande gebannt gestarrt, obwohl auch diese Monarchie früher heftigst in Übersee, vor allem in Indonesien, ihr Unwesen trieb, den gesamten eroberten, unermeßlichen Reichtum auf Kosten der dortigen Bevölkerung scheffelte.

Nein, das hat mit Mißgunst nichts zu tun. Sondern soll vielmehr daran erinnern, wessen Schuld solche Monarchien sich letztlich im Laufe der Jahrhunderte aufgeladen haben, um heute unerschrocken ihr Dasein zu rechtfertigen, sogar noch Ansehen und Respekt erhalten, weil die Welt königlicher Mythen so interessant und spannend sich in etlichen Büchern und Zeitschriften widerspiegelt bis hin auf den Mattscheiben. Und so verbleibt die Frage im Raum stehen: Wie lange werden Monarchien ihr selbsterschaffenes Dasein aufrecht erhalten können?

Mit scharfberechtigter Kritik bemerkte Heinrich Heine mal:

„Wenn es den Kaiser juckt, so müssen sich die Völker kratzen.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Impulse ohne Fernweh

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Den Faden verloren
Wortlos in sich gekehrt
Scheinbar orientierungslos
Auf unbekannten Pfaden unterwegs

Garantiert geschmackvolles Ambiente
In hauseigenem Garten gewachsen
Abends eine Live-Band zum Tanzen einlädt
Sorgloses Wohlfühlprogramm

Straßenlärm umgeben von Menschentrauben
Manch Hauseingang bietet Schutz
In der Kanalisation nicht nur Ratten unterwegs
Gestrandet nach Verlust von Arbeit und Beziehung

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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The Donald mischt weiterhin die Weltpolitik auf

„Schau mir in die Augen Kleines!…“

Oder vielleicht doch besser nicht, weil der Film Casablanca, in dem Humphrey Bogart in der ersten deutschen Synchronfassung Ingrid Bergmann berherzt anspricht, ausgerechnet mit diesem 45. US-Präsidenten nichts gemein hat. Und doch paßt er in manch Geschehen, was die Weltöffentlichkeit seit dessen Amtsantritt über sich hat ergehen lassen müssen.

Arroganz toppt interessiert geduldiges Zuhören, vor oder nach Treffen auf internationaler Ebene, Staatsbesuchen oder gar sogenannten Gipfeln, dabei entsendet Donald Trump seine Twitter-Gewitter, rüpelhaft auf unverkennbare Weise, die dessen geistige Haltung überdeutlich widerspiegeln. Ob als beleidigte Leberwurst, als unverkennbarer Rassist oder stets unberechenbar unterwegs, dieser Präsident polarisiert inzwischen überall ohne jedwede Bedenken, mischt die Weltpolitik dermaßan auf, daß man etliche andere Szenarien befürchten muß.

Ein Bild welches Bände spricht

Werfen wir einen Blick zum Großbritannien-Besuch, wo The Donald und dessen Frau Melania als Staatsgäste die Gastfreundschaft von Theresa May genießen dürfen, er dabei keinerlei Respekt an den Tag legt mit dem harschen Vorwurf, sie habe den Brexit verbockt.

Schauen Sie sich in aller Ruhe mal das Photo an. Na, fällt Ihnen dabei etwas Wesentliches auf? Keiner der vier Personen lächelt auch nur ansatzweise. Die Gattin des Präsidenten blickt genauso maskenhaft angewidert wie stets, wenn sie ihren Mann begleitet, die arrogant spöttische Haltung spiegelt sich in den Gesichtszügen von Donald Trump wider, fast möchte man dessen Gedanken herauslesen, in denen er hofft, jenes Photo-Shooting habe ein schnelles Ende.

Theresa May schaut verbittert und enttäuscht drein, die ganze Last auf ihren Schultern, wobei sie nicht ganz unbeteiligt, schließlich wollte sie den Brexit. Ihr Mann Philip sucht den Augenkontakt in der Menge anwesender Zuschauer, als Einziger der Kamera abgewandt.

Endlich wagen die Medien heftigere Kritik

Viel zu lang gab es bisherig eine zweigeteilte, meist verunsicherte Stellungnahme in den Medien zu den Entgleisungen jenes Donald Trump. Von Beginn an zog nicht zufällig The Donald es vor, von Fakenews zu sprechen, das reiht sich ganz gut ein in die ewigen Parolen von der Lügenpresse seitens der Neuen Rechten. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, oder?

Natürlich müssen Journalisten reagieren angesicht der etlichen Drohungen, die Donald Trump nicht nur ausspricht oder twittert, sondern handfeste Taten folgen läßt. „Trump will Deutschland klein machen“, so die Schlagzeile im Artikel von ntv, die Bemerkung, der große Bruder sei auf dem Egotrip, trifft nur zur Hälfte zu. Dem Egotrip kann man nicht widersprechen, in Trump bzw. den USA einen Bruder zu sehen, verkennt den Ernst der Lage. In Wirklichkeit möchte er genauso wie Wladimir Putin Europa zerschlagen, bevorzugt den Weg zurück zu Nationalstaaten, ein Willkommensgeschenk für erneute Kriege.

Die USA haben immer den Hegemon „herausgehängt“, ohne Rücksicht auf Verluste. Den einzigen US-Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg, der genau jene Entwicklung stoppen wollte, erschoß man am 22. November 1963 kurzerhand, JFK hatte nicht die geringste Chance! Umso wichtiger, daß die gesamte Weltöffentlichkeit rechtzeitig reagiert, bevor dieser Donald Trump noch wesentlich mehr Porzellan zerschlägt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Standort verteidigt

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Sie hat mich versetzt,
ich bin entsetzt,
war mein Platz gestern
bei den Küchenfenstern,
stehe ich heute
neben Glockengeläute.

Das behagt mir gar nicht,
ein verstecktes Gesicht,
lauter hängende Köpfe,
arme leidende Tröpfe,
all diese Lügen,
ich laß mich nicht unterkriegen.

Diese Glockenblumen,
die heuchlerischen Stummen,
nie lassen sie ihre Miene sehen,
lassen andere im Regen stehen,
wenn sie murmeln, tratschen,
denen tret’ ich auf die Latschen.

Schließlich bin ich eine Rose,
mein Mundwerk frech und lose,
jemand, der offen sein Gesicht zeigt,
keiner über meine Schönheit schweigt.
Demnächst lasse ich mich stechen,
Blattläuse laß ich für mich fechten.

Dann spiel ich die Verklebte,
die dies Dasein nicht überlebte.
Hab’ alles richtig gemacht,
sie hat mich zurückgebracht.
Ich bin wieder an meinem alten Platz,
lieber ist ihr ein verborgener Schatz.

Vorne im Garten die Glocken
wird niemanden verlocken,
bewundernd stehen zu bleiben,
bei den Gesichtslosen zu verweilen.
Hinten beim Lavendel und mir
kann jeder palavern mit offenem Visier.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Rockmusik: Wiktor Zois rebellische Band Kino prägte Russland

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In Glasnost- und Perestroikazeiten blühte der junge Musiker auf

Während wir ganz besonders in der westlichen Welt eine Rockband nach der anderen bewundern, anhören, millionenfach ihre Alben konsumieren, auf eine jahrzehntelange, musikalische Entwicklung zurückblicken, fand dies in anderen Ländern eben nicht statt. In der alten Sowjetunion herrschte unter den real sozialistisch-kommunistischen politischen Verhältnissen eine ziemlich unterdrückte Stimmung in der Bevölkerung, sie konnte sich kaum entsprechend entwickeln.

Es war daher in erster Linie die rebellische Jugend, die den „Alten“ es vormachen mußte, damit sich überhaupt etwas bewegen konnte. Auch Wiktor Robertowitsch Zoi, Sohn eines Halbkoreaners und einer Russin, begann schon sehr früh, sich der Musik zu verschreiben. Vielleicht hat auch sein Geburtsort Leningrad ihn entscheidend beeinflußt, denn nirgends in der UdSSR wurde dermaßen mutig und fast unerschrocken die Rockmusik gespielt, aber dafür in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg.

Im Alter von zwölf Jahren gründete er 1974 seine erste Band Palata No.6, um fünf Jahre später erste Rocksongs zu schreiben. Dem Druck des Schulwesens, er besuchte die Serow-Kunstakademie, hielt er nicht gerade Stand, sodaß er aufgrund schlechter Zensuren sie verlassen mußte und seine Brötchen als Heizer in einem Mietshaus verdiente. Abends auf Partys trat er auf, um seiner Leidenschaft zur Musik nachzugehen. An einem dieser Auftritte wurde der „Großvater der russischen Rockmusik“, Boris Grebenschtschikow, auf ihn aufmerksam. Er und seine Rockband Aquarium nahmen sich seiner an und halfen ihm zu seinem ersten Solo-Auftritt 1982 im 1. Leningrader Rock-Club. Kurz darauf gründete Wiktor Zoi eine Band, die bald danach den Namen Kino erhielt. Ihr erstes Album mit dem Titel „45“ nahm sich natürlich politischer Themen an, die Jugend wollte nicht schweigsam zuschauen, was alles verkehrt lief im Lande, aber auch mit dem Afghanistan-Krieg.

Mit Michail Gorbatschows Glasnost und Perestroika erhielt Kino die Aufmerksamkeit

Wenn Menschen befreit aufatmen können, es wagen, öffentlich wieder ihre Meinung zu sagen, entsteht natürlich ebenso ein Raum für Neues. Kein geringerer als Michail Gorbatschow ebnete diesen Weg in der alten Sowjetunion mit seinem Amtsantritt im März 1985. Zwei Jahre später gelang Kino endlich der Durchbruch mit ihrem siebten Album „Blutgruppe“.

Selbstverständlich waren die Texte politisch mutiger verfaßt, forderten sie die Jugend auf, den sich wandelnden neuen Staat mit zu gestalten. Zoi und die Band Kino wurden die populärste Rockband Russlands. Er begann die USA zu bereisen, trat in unterschiedlichen Filmen auf. Aber seinem alten Job als Heizer blieb er dennoch treu. Im Gegensatz zum Westen gab es hier in Russland eben keine riesige Gagen, um mithilfe seiner Arbeit die Band entsprechend sponsern zu können.

Nach dem Höhepunkt verunglückte Zoi auf tragische Weise

Es muß ein unvergeßliches Erlebnis für alle Anhänger und Freunde der Rockband Kino gewesen sein, als sie 1990 im Moskauer Olympiastadion Luzhniki vor 62.000 begeisterten Zuschauern ihr größtes Konzert gaben. Im Sommer desselben Jahres arbeitete Zoi in Lettland an einem neuen Album, entwickelte dort die Songs, studierte seinen Gesang ein. Mit den Gesangsaufnahmen begab er sich abends am 14. August mit dem Auto auf den Weg nach Leningrad. Es sollten mit den anderen Bandmitgliedern die Songs eingespielt werden. Doch Wiktor Zoi kam dort nicht an, sondern er verlor in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages in der Nähe von Riga die Kontrolle über seinen Wagen. Dieser stieß dabei mit einem Bus zusammen, wobei Zoi sofort verstarb. Aber die Aufnahmen wurden noch gut erhalten gefunden, sodaß die Schallplatte mit dem Namen „Schwarzes Album“ dennoch erscheinen konnte. Ein Jahr später löste die Band sich auf. Der Musikstil von Kino wurde manchmal verglichen mit Bands wie The Clash, Depeche Mode, Joy Devision und The Smiths. Darüber sollten sich aber die Hörer wohl besser selbst ein Urteil bilden.

Wiktor Zoi sagte mal: ‚Veränderungen!‘ fordern unsere Herzen. ‚Veränderungen!‘ fordern unsere Augen. In unserem Lachen, in unseren Tränen und im Puls der Adern: Veränderungen! Wir erwarten Veränderungen!

Gedenken wir dieses großartigen Rockmusikers, der die Musikszene Russlands nachhaltig mitgeprägt hat und viel zu früh auf tragische Weise sein Leben verlor. Doch seine Musik bleibt uns für immer erhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

Album „Blutgruppe“ (1988) erschienen bei Moros Records:

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