In der Weite abgelegt

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Irgendwann als der Kuckuck rief,
da war die Trauer schon tief,
so tief in der Seele verwurzelt,
aus dem Netz nichts mehr purzelt.

Die Löwin lag fest verwebt,
geschnürt, nur ihr Herz bebt,
vergessen schon ihr Trauern,
gelähmt, der Tod kann dauern.

Seine Nachkommen abgelegt
in fremde Nester, ihren Geist anregt.
Sie gebiert des Todes Schmerz,
wickelt ihn in Weite, befreit ihr Herz.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Das Ende des glorreichen Neoliberalismus in Sicht

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Humanismus ad acta legen

In der offizielen Menschheitsgeschichte gab es nur kurze Friedenszeiten, generell keine einzige weltweit betrachtet. In anderen Worten, unsere Spezies trachtet stets nach dem Leben angeblicher Feinde, weil tatsächlich manche ihre Macht ausbauen zugunsten eigener Profilierung mit hohem Reichtum verbunden. Korruption allerorten, schließlich gilt es, sie stets am Laufen zu halten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur daß inszwischen bald acht Milliarden Menschen auf Mutter Erde verweilen, um diese sich zu teilen. Ohne Multikulturalismus hätte es lediglich Stillstand gegeben. Das, was Nationalisten, die Neue Rechte fordern, widerspricht sich, kann nicht im geringsten funktionieren, das tröge Geschrei gegen „Multikulti“ entspricht einer schallenden Orhrfeige wider des Verstandes, entlarvt jene Hetze als einen Akt irrationaler Verblendung, die somit nur im Rassismus münden kann und ganz offensichtlich gezielt soll.

Im Fahrwasser dieser zugelassenen Wiederholung des neuerwachten Nationalismus badet und ölt sich der allgegenwärtige Neoliberalismus, den besonders konservative aber auch angeblich Parteien der Mitte, rechts und links die extremen beäugend, hegen und pflegen auf Kosten einer tatenlos zuschauenden Bevölkerung, die kaum noch Mittel hat oder hegt, sich gegen ihn zu stellen. Somit darf der Weg neoliberaler Ausbeutung, dem Sozialabbau bei gleichzeitiger Hofierung der Hochfinanz und Großkonzerne ungebremst sich ausbreiten, sorgen die Widerstände links- und rechtsextremer Strömungen für entsprechende Ablenkung.

Eine linkssozialistische Ausrichtung gerät dabei offensichtlich ins Hintertreffen. Man könnte dabei auch versucht sein, zu behaupten, jedwede Verbesserung hin zu mehr Mitsprache, gerechter Verteilung, Friedensabsichten wird gezielt vereitelt, weil Zwietracht, Krieg und Elend stets neue Profite versprechen, menschliches Leid in Kauf nehmen.

Welch simple Taktik, die perfider kaum sein kann. Mal schnell engagierte Zeitgenossen als „Gutmenschen“ diffamieren, um eigene Verfehlungen zu kaschieren, es funktioniert so denkbar einfach, das Hassen, schlagen und stechen. Zerstörung auf dem Zenit, doch einen Pardigmenwechsel wird niemand verhindern, erst recht nicht das Bösartige.

Einfach mal besinnen, innehalten und beobachten, was da vor unseren Augen tagtäglich geschieht: Menschen werden per Autos über den Haufen gefahren, ertrinken als Flüchtlinge im Meer, pfercht man wieder zusammen in Zentren entlang europäischer Grenzen oder in Nordafrika, hierzulande läßt man sich von einer rechtsradikalen Minderheit europaweit lancieren und erpressen, The Donald droht nahezu allen Nationen, unberechenbar unterwegs, während er gleichzeitig sich stark macht für mehr Aufrüstung, noch vor America First sich und seinen Familienclan fördert bis hinein in korrupte Wirtschaftsnischen nach simplen Mafiagepflogenheiten, die Zahl despotischer Staatsoberhäupter nimmt weltweit dramatisch zu, gleichzeitig die Umweltzerstörung, alles dem Rausch eines glorreichen Neoliberlismus verpflichtet, kurz vor dessen Endphase. Und dann…?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Gleich nicht unbedingt egal

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Leben oder Tod – das Zünglein an der Waage

In diesen Tagen scheint es ziemlich gleich zu sein, was mit Mitmenschen passiert. Egal wohin man blickt, was man liest, hört, man vergleicht, man begleicht, man gleicht an, man gleicht ab, nur um Ungleichheiten zu diagnostizieren, zu erhalten, zu bestimmen. Dabei scheint es egal zu sein, ob wir sozusagen Menschenvergleiche, Menschenwerte gleichsetzen mit Preisvergleichen, Warenwerten.

Es ist kein Neuland dieses Vergleichen, es taucht aber immer verstärkt auf, wenn etwas sich als ungleich anfühlt, einem Ungleichheit eingeredet wird, wenn etwas aus den Fugen zu brechen scheint, wenn die Waage zwischen Verstand und Gefühl sich nicht einpendeln lassen will, wenn Gleiches nicht Gleiches sein soll, dann ist es auch egal, wer oder was wem oder was gleicht.

gleich, mittelhochdeutsch gelīch, althochdeutsch galīh, Zusammensetzung mit dem Leiche zugrunde liegenden Wort und ursprünglich, denselben Körper, dieselbe Gestalt habend. (Duden) Synonyme sind, konform, sehr ähnlich, analog, deckungsgleich, identisch, beständig, belanglos, einerlei.

Leiche, mittelhochdeutsch līch, althochdeutsch līh(h), Körper, Leib(esgestalt); toter Körper. (Duden) Andere Wörter sind, Leichnam, Toter, Tote.

egal, französisch égal, lateinisch aequalis, gleich. (Duden) Andere Begriffe sind, ebenso, vergleichbar, genauso, gleich beschaffen, homogen, uniform, unerheblich, piepe, schnurz, scheißegal, einerlei.

aequalis, gleich nach äußerer und innerer Beschaffenheit, gleich, eben, gleichmäßig, entsprechend, konform. aequo, ebnen, gerade stellen, gleichmachen.

Wenn man beide Wörter ihrem Ursprung nach vergleicht, kann es nicht egal sein, ob und wie einem etwas gleich, egal ist, oder?

Nach der Schöpfungsgeschichte wurden Mann und Frau nach dem Ebenbild Gottes erschaffen. Also, gleich nach äußerer und innerer Beschaffenheit. Leiche als Begriff für denselben Körper, dieselbe Gestalt haben, entspricht in weitestem Sinne diesem Kontext. (Das Wort „Leib“ ist abgeleitet von „leben“, nicht von „Leiche“, eigentlich, übrig bleiben „im Sinne von, überleben nach dem Kampf“ (Duden), nur so zum Vergleich.)

Mit „gleich“ bezieht man sich auf eine tote, mit „egal“ auf eine lebende Beschaffenheit, Körper, Gestalt.

Es ist nicht egal, ob man über Leichen oder über äußere und innere Beschaffenheit Vergleiche anstellt, und es ist nicht egal, wenn einem das gleich ist. Schlimmer ist aber, wenn sich Gleichgesinnte anmaßen, mehr Wert für sich einzufordern, und dies kann weder gleich, noch egal sein.

Anders ausgedrückt, wem selbst „Tote“ egal sind, weil er sie nicht als Gleiche anerkennt, wie soll man dann demjenigen vertrauen können, dem „Lebende“ nicht gleich sind?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns – Teil 1

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Manchmal würde Hraban am liebsten einfach seine grüne Bettdecke über den Kopf ziehen, keine einzigen Fragen, Sorgen und Nöte an sich heranlassen, weil in letzter Zeit sowohl seine Eltern als auch Bert, sein bester Freund, von ihm zuviel abverlangten. Neulich bemerkte doch tatsächlich Papa am Küchentisch, Hraban sollte auf alle Fälle in der Lage sein, selbständig den Müll rauszubringen, ohne daß Mama ihn oft daran erinnere. Und als Sohnemann trotzig die Arme demonstrativ verschränkte, erwidert hatte, er bräuchte nicht eine solche Belehrung, wurde er streng zurechtgewiesen auf sein Zimmer geschickt, er solle sich schlafen legen.

Da lag Hraban nunmehr im Bett, hatte sich über den frechen Blick seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Salia mächtig geärgert, zumal selbst Mama mit Nachdruck Papas Standpauke unterstützte. Na klar, immer auf uns Elfjährige, hatte er noch im Hinausgehen aus der hell erleuchteten Küche schroff ihnen entgegengeschmettert, dabei mit jedem Schritt laut aufgestampft. Aber keiner nahm davon Notiz, im Gegenteil, seine Eltern waren bereits mit Salia sich am Unterhalten, sie erzählte vom Schultag. Das hatte Hraban natürlich erst recht in Rage versetzt, was ihm allerdings nicht weiter verhalf, einer einmal ausgesprochenen Strafe von Papa konnte niemand entgehen.

Der Moment kurz vorm Einschlafen, diese stille Phase, in der wir gerade noch die Außenwelt, wenn auch entfernt hören, die kennt jeder, oder? Man möchte eigentlich lieber schnell einige Gedanken oder tolle Ideen sortieren, jedoch die verstärkte Müdigkeit erzwingt den Schlaf, der bereits auf uns wartet. Hraban zögerte ihn eine Weile erfolgreich heraus, aber die Natur obsiegte, er fiel in einen Tiefschlaf am späten Abend. Das fahle Mondlicht tauchte den Lärchenholzboden in ein grünliches Grau, langer Schattenwurf flackerte kurz auf, nachdem eine Wolkenwand rasch vorüberzog, tagsüber hatte sich bereits ein Sturm angekündigt.

***

Komischerweise schlief Hraban nur sehr kurz, wachte nach einigen Augenblicken plötzlich wieder auf. Aber was er dann bemerkte, ließ ihn innehalten: Er befand sich nicht im Bett seines Kinderzimmers, sondern an einem Meeresstrand. Das gleichmäßige Rauschen der Wellen erkannte er sofort, die salzhaltige Luft bestätigte seinen Hörsinn, gleichzeitig durchfuhr seine linke Hand den äußerst feinen, nahezu weißen Sand, allerdings eher re-flexartig, wobei ihm dabei bewußt wurde, wie hell die gesamte Gegend erleuchtet war. Ein leichter Wind umwehte seinen Pyjama, der wie ein Segel herumflatterte. Hraban richtete sich auf, die beidem Ärmel über den Kopf gestülpt, als ob er im Begriff gewesen war, ihn auszuziehen. Das lästig umherwehende Stoffknäuel zog er weg und ließ es auf den Boden gleiten.

Etliche Fragen tauchten auf, die ihn irgendwie verunsicherten. Dennoch konzentrierte der Junge sich inzwischen hellwach auf die Umgebung. Vor ihm lag das weite Meer, am Horizont zogen violette Wolken auf, zur Linken streckte sich der leuchtendweiße Sandstrand, zur Rechten bemerkte er weiter hinten zwei taubenblau gekleidete Gestalten, die auf ihn zurannten. Kaum hatte Hraban sich erhoben, stand etwas unbeholfen im warmen Sand, erreichten die beiden älteren Jungen ihn, die ein wenig aus der Puste waren.

„Wir dachten schon, dir sei etwas passiert, darum unsere Eile“, begann der größere der beiden Jugendlichen, „ich bin Gaven, und wie heißt du?“

„Meine Eltern gaben mir den Namen Hraban, was Rabe bedeutet“, erwiderte er daraufhin ziemlich selbstsicher und voller Stolz. Gaven nickte anerkennend.

„Ich bin der jüngere von uns und heiße Taras“, stellte dieser sich vor und schüttelte Hrabans Hand, „wir wurden beauftragt, dich hier abzuholen.“

Hraban schaute ein wenig ungläubig von einem zum anderen, wollte schon fragen, woher sie denn wüßten, daß er hier am Strand „landen“ würde, konnte aber gleichzeitig sich beim besten Willen nicht erinnern, was vorher geschehen war. Im selben Moment bemerkte er, daß ihm lediglich das Bildnis seiner Eltern haften geblieben war, alle anderen Erinnerungen an seine bisherige Vergangenheit wußte er jetzt überhaupt nicht mehr.

„Keine Sorge, du wirst dich ganz sicher schon wieder erinnern“, bemerkte Gaven und grinste ein wenig. Hraban war sichtlich erschrocken, doch bevor er fragen konnte, ergänzte Taras, daß hier alles anders sei, sie problemlos Gedanken lesen könnten. Kaum ausgesprochen, empfing Hraban eine freundliche Aufforderung von Gaven, daß sie nun alle drei am besten weiterziehen sollten, da braue sich ein Unwetter zusammen. Der Elfjährige empfand diese Form des gedanklichen Austausches als äußerst angenehm und bejahte sofort wortlos. Die Jungs liefen beherzt los, während gerade die ersten großen Regentropfen auf den warmen Sand fielen. In der Ferne zuckten etliche Blitze, lautstarkers Donnern folgte dazwischen.

Schnell erreichten sie einen Wald, der sich allerdings erheblich von den Wäldern, die Hraban zuhause kannte, unterschied. Zunächst meinte er, es müsse sich um einen subtropischen Regenwald handeln, die Vegetation war sehr eindeutig, auch die Tiere, die hin und wieder ihren Weg kreuzten, ließen darauf schließen. Dennoch rätselte er noch eine zeitlang, was hier anders war. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Überall gab es angelegte Wege, man brauchte kein Buschmesser. In gewisser Weise wirkte alles wie ein mühevoll errichteter Park oder gar wie ein Botanischer Garten, nur daß keine Hinweisschilder zu den Bäumen, Pflanzen oder manchen Tierarten hilfreich vorhanden waren.

***

Nach schier endlos langem Fußmarsch, der Regen hatte längst aufgehört, erreichten sie eine vor ihnen sich weit erstreckende Ebene, ganz hinten am Horizont bemerkte Hraban so etwas wie Flugobjekte, weil für Vögel flogen sie viel zu schnell. Er grübelte noch, doch im selben Moment berichtete Taras ihm per Gedankenübertragung, dort würden Tillos fliegen, die man wohl in Hrabans Welt allgemein als UFOs bezeichne. Ein Schauer lief dem Elfjährigen über den Rücken, denn diese Tillos konnten genauso schnell wie sie dahinschwirrten auch nahezu schlagartig zum Stillstand gelangen und regungslos am Himmel verharren, so etwas hatte er niemals zuvor gesehen. Die beiden Jugendlichen lächelten ihn an, wobei Hraban erstmalig bemerkte, daß sie ständig grinsten, und bei jeder Gelegenheit ein erneutes Lächeln folgte.

Was dann geschah, überraschte ihn erst recht. Dort, wo eine Steppenlandschaft vor ihm noch gelegen hatte, öffnete sich plötzlich die Erde, dabei bildete sich ein weitläufig riesiger Kreis, eine grellbunte Stadt stieg aus dem Nichts empor, das ganze unheimlich schnell und nahezu lautlos. Allerdings war es keine Stadt im herkömmlichen Sinne, sie erinnerte Hraban ein wenig an Minas Tirith, die Herrschaftsstadt Gondors im „Der Herr der Ringe“, jenen Film, den er so sehr liebte, und nun lag eine ähnlich imposante Stadt vor ihm. Gaven und Taras nahmen Hraban behutsam an die Hand, gingen forschen Schrittes zum mächtigen Eingangstor. Oben stand in wunderschöngeformten Buchstaben wohl ihr Namen: Perheoles Sargatin.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Titelgeschichte erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Rendezvous hinfort im Nu

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Hab noch schnell Pomade ins Haar geschmiert,
schließlich soll alles akurat sitzen,
selbst wenn nichts aufregendes passiert,
die ein oder andere läßt dir abblitzen.
Hauptsache man zeigt alle Welt sein Ziel,
so läuft nu mal das Liebesspiel.

Hab noch schnell die Scheine gezählt,
schließlich kostet so nen Abend nicht nur Geduld,
selbst wenn man am Ende die Verkehrte wählt,
du dir selbst gibst die Schuld.
Hauptsache man präsentiert sich überlegen,
für manche wirkt’s dabei verwegen.

Hab noch schnell den besten Freund um Rat gefragt,
schließlich hat der schon so manch Erfahrung,
selbst wenn danach erneut ein Kater dich plagt,
Alkohol verhindert eher ne traute Paarung.
Hauptsache man hat’s wenigstens versucht,
selbst wenn man ne Verfehlung danach verflucht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bei der Kindererziehung gibt es mitnichten einen Königsweg

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Ignoranz von eigentlichen Hilferufen

Sie werden drakonischen Strafmaßnahmen unterzogen, von Prügel (obwohl offiziell verboten) über Erziehungscamps bis hin zur totalen Vernachlässigung, unsere Kinder und Jugendliche. Das alles nur deshalb, weil die Gesellschaft prägend Menschen formt, nach ihren festgelegten Vorgaben eines geordneten Zusammenlebens. Bei der Kindererziehung gibt es keinen Königsweg, weil wir uns damit abfinden müssen, einsehen sollten, daß jeder Mensch einmalig, ein Individuum ist.

Ein Aufschrei derjenigen, die jetzt meinen, das Argument der anti-autoritären Erziehung würde folgen. Fehlanzeige, denn diese kann überhaupt nicht fruchten, weil grenzenloses Dasein stets die berechtigte Freiheit des anderen gefährdet.

Ellenbogen ganz im Sinne einer Leistungsgesellschaft

Das Recht des Stärkeren setzt sich durch, und zwar überall. Wer oberflächlich die Natur betrachtet, könnte ebenso zu diesem Schluß kommen, funktioniert halt nur nicht, außer, daß eine unausgesprochene Rangordnung dies dortigst regelt. Das bedeutet, die Freßfeinde einmal ausgeklammert, daß Tiere instinktiv sehr genau wissen, wann lebensbedrohliche Gefahr in Verzug und obendrein über genetische Ketten weitervererbt, wer Feind oder eher harmlos ist.

Mensch selbst kommt letztlich völlig hilflos auf die Welt, ist von Beginn an auf seine Eltern bzw. das Umfeld der Erwachsenen angewiesen. Somit das Vorleben eine wichtige Schlüsselrolle spielt, die im Idealfall das heranwachsende Kind begleiten möge. In Naturvölkern funktioniert dies fast problemlos. Doch in unserer zivilisierten Leistungsgesellschaft richtet sich alles nach den wirtschaftlichen Vorgaben, vom Kindergarten über die Schule, in der Ausbildung oder der Uni, ordnen sich entsprechende Erziehungsvorgaben oder Lehrpläne nach den Anforderungen des zukünftigen Berufslebens.

An und für sich nicht unbedingt gleich etwas negatives, wenn dabei nicht die menschliche Schwäche von Komplexen oder Machtempfinden ins Spiel käme. Ellenbogen können äußerst spitz sein, wenn bestimmte Gesellen sich mit sämtlichen Mitteln durchsetzen wollen, Hauptsache sie erreichen ihr Ziel. Aber wo beginnt hierbei die Erziehung, müssen sich Eltern einmischen oder eher zurückhalten?

Beobachtung und Feingefühl hilfreich

Sogenannte pädagogische Ansätze, Konzepte und Hilfsangebote sind zahlreich vertreten. Und wenn hilflose Eltern sich an entsprechend Geschulte wenden, vermag der ein oder andere Tip sicherlich zu erfolgreichen Lösungen führen, den Kindern oder Jugendlichen Halt geben. Wirklich ersetzen können solche Angebote die Erziehungsberechtigten keinesfalls. Denn jede Entwicklung verhält sich stets individuell, weil kein Mensch dem anderen gleicht.

Wesentlich erfolgversprechender, seinem Kind von Beginn an beobachtend, fördernd zur Seite stehen, ein Feingefühl für dessen Stärken und Schwächen hilfreich. Das hat mit jemanden in Watte packen gar nichts zu tun, da der soziale Austausch unter Gleichgesinnten ohnehin stattfinden muß. Jedoch verlieren die Eltern an eine harsch sich entwicklende Wirtschaft, wo Leistung und Aufopferung im Beruf als oberste Meßlatte herrscht, den notwendigen Zeitrahmen, das harmonische Umfeld dem Heranwachsenden zu bieten., zumal der Geldbeutel, folglich das entsprechende Gehalt gleichwohl Förderungsmaßnahmen zuläßt oder verhindert. Viel eher zählt nur noch das entsprechende Zeugnis, der Titel und die daraus ergebende Stellung. Wer jene Posten nicht erreicht, wird als Verlierer ausgeschlossen bis hin zum schnelleren Weg in die Arbeitslosigkeit oder gar in ein Leben an den Rand der Gesellschaft. Alles ordnet sich dieser inhumanen Pyramide unter, das in Indien belächelte Kastendenken herrscht im Westen über Werte, Reichtum und Abzocken mittels krimineller Energie wie Korruption, Gewalt und Mobbing.

Herrschende Systeme müssen weichen zugunsten einer gesunden Nähe

Solange sich an solchen Umständen nichts ändert, verbleibt die Frage, ob wir unsere Kinder schreien lassen oder selbst Kritikfähigkeit im Endeffekt sich erübrigt. Denn den Zeitgeist können nur wirklich beherzte, Empathie entwickelnde Menschen nachhaltig verändern, mitnichten angepaßte, zurechtgestutzte, gut funktionierende gehorsame Befehlsempfänger. Letztere sind exakt einer Wirtschaftsdiktatur dienlich, wie sie weiterhin sich fortsetzt, weil Konzerne wachsen, Mittelstand und kleinere Betriebe auf der Strecke bleiben, während unsere gewählten Volksvertreter bewegungslos sich dieser Entwicklung unterordnen.

Erinnern wir uns: Es beginnt mit der Geburt, der sogenannten Erziehung, die keine ist, sondern vielmehr eine fatale Anpassung an herrschende Systeme. Durchbrechen wir ein solches Muster, schaffen wieder genau die Nähe untereinander, die wir uns haben nehmen lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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In Leinen gebunden

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Der tägliche Besuch
im Tagebuch.
Notiert, skizziert,
Nachwelt informiert,
Erinnerungsstütze,
im Alter sehr nütze,
als Beweis,
der dritte Mai war heiß,
verliebt war man,
so dann und wann,
geschätzt, dreißig Mal,
fünfundfünfzig, ach egal.

Jede kleine Händel,
geführt als Mädel,
jedes erste Gebabbel,
Gekrabbel,
genauestens protokolliert,
für die Kinder archiviert,
die dürfen es erst lesen,
wenn ich bin gewesen,
wochenlang beschäftigt,
bis sie mit lesen fertig,
aufgeblättert, bloß,
mein Leben auf ihrem Schoß.

Fein säuberlich sortiert,
wann war was passiert,
geschrieben Blatt für Blatt.
Habe euer Nörgeln satt,
bin sechzehn, ich weiß,
schon erwachsen, ohne Scheiß.
Unsere Flitterwochen,
wir lieben uns, ununterbrochen.
Viele Einträge warten,
Zeile um Zeile zu eratmen,
erhofft, ohne Datum in den Büchern,
kein Leben nur in trockenen Tüchern.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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