Ein Interview mit Liedermacher Trubartic – Lieder gegen Menschenverachtung

Von Protestsongs wie „Die Moritat von Frau von Strolch“ und anderen

Der Kreativität sind letztlich keine Grenzen gesetzt, wer Kunstschaffenden nötige Freiräume läßt. In einer gesunden Demokratie funktioneriert dies normalerweise auch, in Zeiten, in denen sich Rechtsextreme immer deutlicher etablieren, muß befürchtet werden, daß jenes Kulturgut eines Tages strikt verboten wird. Mit Blick zu despotisch geführten Staaten kann sich ein jeder davon überzeugen.

Umso besser, wenn sich Ideenreichtum entfaltet, möglichst viele Menschen erreicht, die wiederum durchaus davon profitieren, nicht im geschäftsmäßigen Sinne, sondern den Blick öffnet, für eigene Inspirationen sorgt, das Leben bunter werden läßt. Querdenkende entdeckte die Musik von Trubartic, war von Beginn an begeistert. Insofern freuen wir uns auf folgendes Interview mit dem Künstler.

Lotar Martin Kamm: Wer kennt sie nicht, die Liedermacher wie Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker, um nur mal drei zu benennen. Wie kamen Sie zur Musik, zu Protestliedern? Gab es einen bestimmten Anlaß?

Trubartic: Stimmt, ich war lange Zeit vor allem ein Fan von Hannes Wader, Konstantin Wecker oder auch Hermann van Veen, u.a.. Reinhard Mey war mir früher zu artig und unpolitisch, das hat sich in den letzten Jahren geändert, den finde ich heute richtig gut.

Ich liebe politische Musik, sie darf gern phantasievoll, frech, intelligent, lyrisch und polemisch sein. Da geht mir das Herz auf. Sowas selber zu machen, habe ich einfach lange nicht wirklich an mir entdeckt.

Ich war schon immer ein politischer Mensch, habe an vielen, aus meiner Sicht, linken Bewegungen teilgenommen, ohne mich allerdings an Parteien, Gewerkschaften o.ä. zu binden. Ich war und bin oft und immer wieder empört, wie Menschen mit ihresgleichen, mit Tieren und der Umwelt frevelhaft und abscheulich umgehen.

Mir sind zudem seit ein paar Jahrzehnten einige Dur und Moll Akkorde auf der Gitarre bekannt, denen ich dann beruflich einige Texte zuordnete, die ich selber schrieb, gern auf bekannte Melodien. Das Ganze wurde dann irgendwann politisch, als der neue nationalistische Rechtsradikalismus Einzug in Deutschland, Europa und der Welt hielt. Meine Musik ist meine ganz eigene und individuelle Antwort auf menschen- und umweltverachtende Politik in aller Welt – vor allem aber in meiner Heimat Deutschland, aufgrund der unvergleichbaren, menschenverachtenden Geschichte des industriellen Massenmordes.

Lotar Martin Kamm: Wer bei YouTube ein wenig stöbert, kann den ein oder anderen Song von Ihnen entdecken, so wie z.B. „Die Moritat von Frau von Strolch“. Ähnlichkeiten mit einer lebenden Politikerin sind natürlich keineswegs zufällig, wie auch im Text unter dem Video bemerkt wird. Wer hat die Skizzen gezeichnet? Wie kam es zum Song bei der Zusammenarbeit mit Jürgen Fastje?

Trubartic: Berthold Brecht jagt mir in seiner immerwährenden Aktualität oft Schauer über den Rücken. Ich kenne Macky Messer aus meiner frühesten Kindheit von Hildegard Knef. Die Aktualisierung auf die heutige Zeit mit der entsetzlichen Frau von Strolch ist sozusagen eine persönliche Hommage an den Vater von Mutter Courage… deren geistige weiße Rose ich mit vielen anderen gern wäre.

Da ich etwas spiritueller bin als Brecht, hoffe ich auf seine augenzwinkernde Zustimmung. Ich habe auf dem zweiten Bildungsweg Sozialwissenschaften studiert und arbeite seit langer Zeit als Sozialarbeiter mit fantastischen und engagierten jungen Leuten. Die habe ich im Rahmen eines Kunstprojektes gebeten, möglichst einfache Bilder zu dem Text zu zeichnen. War eigentlich nur ein Versuch. Dabei sind die vielen tollen Bilder in Textfolge entstanden, über die ich mich sehr gefreut und mit dem Videokünstler Bastian Stoll umsetzen konnte.

Jürgen Fastje ist ein professioneller Musiker, ein guter Freund, ähnlich politisch wie ich und unglaublich emphatisch. Er arbeitet an allen Liedern sehr geduldig mit mir, spielt viele Instrumente und entwickelt bei den Nichtcovern auch oft die Melodien, manchmal mit mir, manchmal auch ohne mich. Die Zusammenarbeit hat meine Frau organisiert, die meine mitunter hilflose Klimperei nicht mehr ertragen konnte. Jürgen Fastje ist in der Tat die musikalische Seele, die Gestaltung und ideenreiche Umsetzung meines kleinen Projektes.

Lotar Martin Kamm: „Trubartic – politische Lieder gegen Menschenverachtung und Ausgrenzung. Für Hilfe, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität. Gegen politische, populistische und religiöse Hetze. Für Demokratie, Auseinandersetzung und Kritik, gegen Gewalt und Brutalität in allen seinen tätlichen, verbalen und digitalen Formen“, so der Wortlaut Ihres Schaffens zur Protestmusik. Gerade beim Aufkommen der Neuen Rechten ein wichtiges Signal. Spielen Sie an vielen Orten live und direkt?

Trubartic: Leider noch nicht. Ich bin Familienvater, habe 3 Kinder und einen Hund. Dazu bin ich sozialarbeitender Schichtarbeiter mit 39 Stunden anspruchsvoller Tätigkeit. Meine Wochenenden sind oft mit Arbeit besetzt, ich arbeite engagiert und gern mit benachteiligten jungen Menschen. Das alles bindet sehr viel Zeit

Da hinein passt, für mein politisch-musikalisches Engagement, das Angebot von YouTube ganz gut, ich stelle alle paar Monate einen neuen Song ein. So wie es möglich ist und ich es will. Dennoch werde ich in den nächsten 2 Jahren ein Programm aufstellen und mich hier und da mal ausprobieren. Mal sehen, was daraus wird…

Lotar Martin Kamm: Das Gleichnis mit dem Song „The House Of The Rising Sun“ paßt natürlich vortrefflich, um mit eigenem Text die Verbrechen rechter Gewalt zu verdeutlichen, sowie sie wie unter dem Video geschehen, beim Namen zu nennen. Selbst wenn Sie das Original für sich belassen wollen, was gleichzeitig Ihren Respekt unterstreicht. Entsprechend bösartige Kommentare ließen nicht lange auf sich warten. Wie gehen Sie damit um?

Trubartic: Ich war zunächst natürlich entsetzt darüber! Insbesondere die sexuellen Gewaltphantasien einiger Kommentatoren zu den weiblichen Mitgliederinnen meiner Familie sind für mich außerordentlich abstoßend und beängstigend. Diese Form von Menschenfeindlichkeit gegenüber Frauen ist bei der AfD und anderen Rechtsradikalen leider weit verbreitet, wie immer wieder zu lesen und zu hören ist.

Ich bin in meiner Menschenachtung aber sehr konsequent, Herr Kamm. Das schließt alle Menschen ein, mögen sie noch so widerlich und ekelhaft sein. Extrem erklärt, stelle mir die rechtsradikalen Massenmörder Anders Behring Breivik, Mohammed Atta – oder kriegstreibende Geschäftsleute und Politiker in aller Welt – als kleine Jungen vor – und tiefste Trauer treibt mir Tränen in die Augen.

An erster Stelle für ihre Opfer, deren Angehörige und Freunde!

Aber auch für die bestialisierten Täter. Das ist ein mitunter fast unerträgliches Grundempfinden von mir, das mir immer wieder schwere innere Kämpfe bereitet…

Tatsache ist, dass mich die fiesen Kommentare empören, mein Trauergefühl und mein Mitleid über die ernstzunehmenden Kommentatoren aber überwiegt. Ich gebe Menschen nach meinen Möglichkeiten prinzipiell nicht verloren, auch nicht, wenn ich bis ins Mark entsetzt bin von ihren schlimmen Äußerungen und ihren Taten. Ich glaube, dass es irgendwo in ihnen Andockstellen gibt, sie der Menschenverachtung zu entziehen. Wenn ich solche Leute unter meinen Liedern entdecke, schreibe ich oft mit ihnen, wenn sie mich lassen. Und manchmal fühle ich auch, dass da was ankommt…

Lotar Martin Kamm: Simon & Garfunkel wunderschön für den eigenen Song präsentiert bei „Für AfD Wähler und Pegida Gänger: Keine Ahnung?“ Man sieht Sie vor einem Studio-Mikro, was die Frage nach sich zieht, ob neben dem YouTube-Film auch eine CD daraus entstand?

Trubartic: Leider gibt es noch keine CD. Ist aber in Planung. Da dieses Projekt bisher ein privatpolitisches Engagement ist, lassen sich die Kosten glücklicherweise sehr klein halten. Das bekommt mit CDs und Auftritten dann eine andere Dimension, die ich momentan weder meinen daran beteiligten Freunden, noch meiner Familie zumuten möchte. Aber ich denke, zur richtigen Zeit wird sich sicher etwas ergeben.

Lotar Martin Kamm: Zum Schluß des Interviews möchten wir Ihnen gern Gelegenheit geben, vielleicht selbst den ein oder anderen Kommentar über Ihr Schaffen hier zu ergänzen.

Trubartic: Ich kann die Wut der vielen Leute verstehen, die sich im Stich gelassen fühlen: Kinder- und Altersarmut, Hartz 4, Zwei-Klassen-Gesundheitssystem, Agenda 2010, Neoliberalismus, Privatisierungen, die fortschreitende Umverteilung nach oben, der immer unverschämter werdende globale Finanzkapitalismus – der sich mit immer größer werdenden Schritten seiner sozialen Verantwortung entzieht (dabei habe ich gar nichts gegen diese bekloppten Kapitalmessis! Aber !!!! Krieg!! Mord!! Unterdrückung!! Ausbeutung!! Waffenexporte!! Hunger !! Elend!! Umweltvernichtung!! Soziale Verantwortungslosigkeit!! Ausgrenzung!! … !! Das darf nicht sein, kein Wirtschaftssystem und kein zynischer, arroganter und mörderischer Kapitalgeilismus sollte so etwas verursachen dürfen!! Nirgendwo!!).

Dass die neuen Rechtsradikalen in aller Welt mit ihren populistischen Antworten irgendetwas verbessern, kann ich nicht glauben. Das wollen die auch gar nicht! Allein deren zynischer Brutalverbalismus zeigt, in welcher unsäglichen Tradition diese Leute stehen.

Vor zwei Jahren habe ich dieses Projekt angefangen mit dem Lied Gegen Pegida. Jetzt ist der zwölfte Song fertig, das Video ist geplant und wird vielleicht im Juli bei YouTube hochgeladen. Es heißt Am Stadtrand (Melodie: Louis Armstrong – What a wonderful world) und handelt von Häusern für geflüchtete Menschen – von Leuten, die dort leben und anderen, die dort arbeiten.

Mittlerweile 53.000 mal wurden meine Lieder bei YouTube angeklickt, auf meiner Facebook – Seite sind es nochmal so viele, und ich habe ein paar Hundert Abonnenten auf beiden Seiten.

Das mag vergleichsweise wenig sein, für mich ist das ziemlich überwältigend – und ich bedanke mich ganz herzlich dafür.

Mittlerweile kriegt das ganze Ding auch eine Eigendynamik. Es gibt neben den unerfreulichen rechtradikalen Entwicklungen viele politische und soziale Themen, die besungen werden sollten. Das werden sie sicher auch, leider übernimmt noch nicht einmal die öffentlich–rechtliche Presse die Gelegenheit, diese adäquat zu veröffentlichen. Politische Musik hat es nicht leicht und wird in der Regel auch nicht gefördert. Das ist sehr schade!

Neue Möglichkeiten gibt es jetzt glücklicherweise in Eigenregie über die sozialen Medien. Vielleicht ist das, was ich da mache, ja auch eine neue Art des uralten politischen Bänkelgesangs, …ich freue mich jedenfalls, dass ich das mitmachen kann und sowieso… über jeden, der oder die mir zuhört.

Lotar Martin Kamm: Vielen lieben Dank für das aufschlußreiche Interview.

Trubartic: Ich bedanke mich auch!

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Ist hier jemand

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Für Vampire schmecken Schmetterlingsflügel
wie mehrfach gebrauchtes Filterpapier.
Sie saß am Pier.

Möwen streiten sich über hartes Brot,
das selbst im Wasser nicht aufweicht.
Sie lutscht an einem Eis.

Keine Bäume stehen auf der Brandungsmauer,
Hunde pissen an die Straßenlaternen.
Sie will sich aufwärmen.

Den Rücken gekrümmt vom Tragen,
vom Hunger der Bauch gebläht.
Sie macht wohl Diät.

Verliebte Pärchen halten Händchen,
Kinder toben, Menschen schlendern.
Sie kann´s nicht ändern.

Spatzen schlemmen Waffel mit Eis,
Essen beim Sonnenuntergang gibt’s öfters hier.
Sie lag auf dem Pier.

Schmetterlingsflügel ausgespuckt
wie mehrfach benützter Kaugummi.
Sie war, gelebt hat sie nie.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Richard Grenells Tage sollten gezählt sein

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Wenn losgelassene „Kettenhunde“ vollmundig tönen

Wer sich auf die Meinungsfreiheit beruft, gleichzeitig aber mit einer unverkennbaren Propaganda aufwartet, erst recht als Diplomat, der hat nicht nur seinen Job verfehlt, der sollte seine Koffer packen und nach Hause fliegen. Ein Richard Grenell, den Martin Schulz vollkommen zu Recht als „rechtsextremen Kolonialoffizier“ bezeichnete, hat nicht nur sein Amt als US-Diplomat mißbraucht, sondern entpuppt sich obendrein als „Kettenhund“ Trumps, der jetzt vollmundig in Deutschland herumtönen darf.

Allerdings stellt die Bundeskanzlerin erneut ihre zögerliche Haltung unter Beweis, keine gute Voraussetzung, um auf weltpolitischen Parkett zu punkten. Gerade The Donald wird das für seine Zwecke ausnutzen, erst recht sich aufgefordert fühlen, den Kurs des America First fortzusetzen, damit Europa schwächen, falls es nicht an einem Strang zieht, was in etlichen Bereichen ohnehin der Fall ist.

Von Einsicht keine Spur

Ganz im Gegenteil, das US-Außenministerium betont, daß Botschafter ein Recht haben, ihre Meinung zu äußern. Das mag für den privaten Bereich durchaus gelten, als Botschafter in Deutschland hat er dies aber zu unterlassen, selbst wenn es keine ausdrückliche Regelung gibt, die dies ihm untersagt.

Was soll man schon von diesem neuen Botschafter halten, der den jüngst ins Amt gewählten österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz als „Rockstar“ bezeichnet? Nichts, denn es gibt schlichtweg keine Rockstars in der Politik, allein seine Wortwahl verdeutlicht die typisch US-amerikanische Selbstüberschätzung, diese Mischung aus Glamour und Storryteller, aus Wild-West-Manier und Weltherrschaft, die das Verhalten des Hegemon nur noch unterstreicht!

Die Weltpolitik täte gut daran, endlich dem „blonden Dollen“ klare Kante zu zeigen

Noch ist es dafür nicht zu spät, bevor die Schäden immer größer werden. Die politische Schneise einer unberechenbar cholerisch geprägten Handlungsweise hat schon genug Beispiele geliefert, wohin die Reise jenes Donald Trump führt. Das Ausklinken aus dem Pariser Abkommen, das Ende des Iran-Atomabkommens, die daraus resultierende Nötigung den verbleibenden Unterzeichnerstaaten gegenüber, in erster Linie die Europäer zu verprellen und ihnen zu drohen, die Erhebung US-amerikanischer Zölle, die Streichung etlicher Sozialleistungen, sodaß die ohnehin große Armut in den USA erst recht zunimmt, sind nur ein paar Beispiele des politischen Kurses dieses 45. Präsidenten.

Von den enormen Kosten, die er für sich und seine Familie beansprucht, sowie die ständigen Wechsel im politischen Umfeld als auch die weiterhin anhaltenden offenen Fragen zur Wahl im Kontext zu Russland mal ganz zu schweigen. Da mag ihm ein Richard Grenell ganz genehm sein, um mal im Herzen Europas, in Deutschland, ordentlich aufzuräumen, den unübersehbaren Ruck hin zum Rechtsextremismus zu stärken. Grund genug, diesen ins nächste Flugzeug zu verfrachten, um per One Way Ticket gen USA zu senden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Birgitta Wolf von Rosen – Verbesserung des Strafvollzugs

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Die Würde des Menschen wird zu oft angetastet

Birgitta von Rosen wurde am 04. Februar 1913 in Helgesta in einem schwedischen Schloß geboren. Ihr Vater war Eric Graf von Rosen, ein Ethnologe und Expeditionsleiter, auch Verfasser vieler wissenschaftlicher Werke. Im Alter von 15 Jahren gründete sie einen Klub zur Freizeitgestaltung für die Arbeiterjugend, weil deren Probleme sie dazu veranlaßten, aktiv zu werden.

Mit 20 Jahren heiratete sie den Fabrikanten Albert Nestler, der vor dem Zweiten Weltkrieg immerhin der weltgrößte Hersteller von Rechenmaschinen war. Als Nichte der verstorbenen ersten Ehefrau von Hermann Göring lernte sie einflußreiche Männer des Nationalsozialismus kennen. Trotz strenger Weisung, sich nicht einzumischen, setzte sich drei Jahre später die junge, rebellische Mutter dreier Kinder wiederholt für Verfolgte ein.

Diese Erlebnisse brannten sich in ihrer Erinnerung ein, öffneten ihr die Augen für die Hilflosigkeit der Machtlosen, lehrten sie, wie gefährlich es sei, wenn man selbstzufrieden sich in einen egozentrischen Kreis zurückzieht, sich nicht kümmert, was hinter verschlossenen Türen und Gerichtsgebäuden vor sich gehen kann.

Als der Krieg ausbrach, zog sie mit ihren Kindern nach Grainau ins bayrische Voralpenland. Nach dem Krieg erlaubten die einmarschierenden US-Amerikaner ihr, bayrische Internierungslager aufzusuchen, weil sie ihrer politischen Einstellung Glauben schenkten. Die Medien bezeichneten sie mit der Zeit als „Engel der Gefangenen“, und somit gründete sie zusammen mit Erika Sprenger Steinmüller den Verein „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“

Woher kam eigentlich ihre Einstellung zum Strafvollzug?

Dies ist schnell und einfach beantwortet. Es war in erster Linie der bedeutende schwedische Jurist Karl Johan Schlyter, der die Öffentlichkeit mit dem Ruf weckte: „Entvölkert die Gefängnisse!“ Seine Überzeugung war es, daß geschlossene Anstalten persönlichkeitszerstörend wirken, ein Mensch, der verbittert und voller Haß sei, erfahrungsgemäß nicht besser wird, wenn man ihn in eine häßliche Umgebung einsperrt.

Birgitta Wolf nahm sich aber auch publizistisch der Sache der Inhaftierten an, schrieb Aufsätze und Bücher, hielt Vorträge und wies vor allem in Radio- und Fernsehsendungen auf die Mißstände hin, die sie natürlich wahrnahm.

Sie werden es nicht glauben, aber selbst im Jahre 1970 gehörte es zu selbstverständlichen Disziplinierungsmaßnahmen des deutschen Strafvollzuges, den „verschärften Arrest“ anzuwenden (ohne Matratze, bei Wasser und Brot etc.).

Anlaß genug für sie, eine entsprechende Kampagne startete und daher durchsetzte, daß im Strafvollzug der „verschärfte Arrest“ nicht mehr angewandt wurde. Im Herbst 1974 beantwortete sie die anfängliche Isolationshaft gegenüber den RAF-Mitgliedern mit einem 27-tägigen Hungerstreik.

Am 25. April 2009 starb Birgitta Wolf in Murnau am Staffelsee. Selbstverständlich setzt ihr gegründeter Verein „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“ ihr Werk fort. Es befindet sich ein Archiv ihrer Korrespondenz der Jahre 1954-2002 im Hamburger Institut für Sozialforschung.

Warum haben die Menschen überhaupt soviel Angst vor dem Leben? Unsere Verantwortung als Mitmensch und Staatsbürger ist größer, als wir wahrhaben wollen.“ (Birgitta Wolf von Rosen)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Zittern will Espenlaub

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Klang meiner Seele beraubt.
Ich neige auch das Haupt.

Eine kleine winzige Note nur.
Ein Laut in Moll oder Dur.

Mir ist so schrecklich einsam.
Musik brauch ich als Balsam.

Hauch eines Windes,
laß dich bitten, verbind es,

verbinde durch dein Schnaufen
Blatt an Blatt, von außen.

Das läßt mein Blut rinnen,
Ader für Ader, innen.

Eine minimale Blattmelodie
verleiht mir üppige Energie,

erfüllt mich mit meiner Weise,
gibt Wachstum auf der Lebensreise.

Ein kleines Lüftchen geschwind.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Guatemala: Ausbruch des Volcán de Fuego fordert etliche Opfer

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Seit 2002 hält die Ausbruchserie des Schichtvulkans an

Die betroffene Bevölkerung im zentralamerikanischen Guatemala muß sich erneut vorsehen, nachdem mehrere Tote und Hunderte Verletzte bei Ausbruch des Feuervulkans zu beklagen sind. Immerhin leben über eine Millionen Menschen in der nahe gelegenen Hauptstadt Guatemala-Stadt.

Dabei scheint die Ausbruchserie des 3.763 m hohen Schichtvulkans anzuhalten, Ende Mai war dem jetzigen erneuten Ausbruch ein ausgespuckter Schlammstrom vorausgegangen wie das Institut für Seismologie und Vulkanologie Guatemalas bestätigt hatte.

Knapp die Hälfte aktiver Vulkane sind Schichtvulkane

Das besondere Merkmal, woran man Schichtvulkane leicht erkennen kann, sind ihre spitzkegelige, ziemlich steile Form. Durch ihren hohen Gasanteil verläuft die Erruption explosionsartig im Wechsel zwischen Lava und Lockermaterial, auch Tephra genannt.

Von den ca. 700 Schichtvulkanen befinden sich die meisten entlang des pazifischen Feuerrings, in Island und manche auch im Mittelmeerraum wie der Ätna oder der Vesuv. Ein Übrigbleibsel eines Schichtvulkans hierzulande ist der Kaiserstuhl in der Oberrheinischen Tiefebene.

Die letzten Ausbrüche des Volcán de Fuego

Nachdem im Mai 2012 die Alarmstufe von Gelb auf Orange angehoben worden war, weil die seismische und vulkanische Aktivität des Volcán de Fuego zunahm, bewegten sich im September pyroklastische Ströme und Schlamm- als auch Lavaströme talabwärts, nach dem Ausrufen der Alarmstufe Rot mußten Zehntausende Menschen die Umgebung verlassen.

Sowohl im Januar als auch im Februar 2016 ging Aschenregen und Staub auf umliegende Ortschaften nieder, der Flughafen der Hauptstadt mußte vorrübergehend geschlossen werden.

In diesem Jahr wurde am 01. Februar vor steigernden Ausbrüchen gewarnt, mehreren pyroklastischen Strömen folgte eine 7 km hohe Vulkanaschewolke, die Lavafontäne speiste vier Lavaströme.

Inzwischen muß man wohl vom heftigesten Ausbruch des Feuervulkans der letzten Jahre sprechen, insgesamt sollen 1,7 Millionen Anwohner von ihm betroffen sein, die Regierung wird wohl den Katastrophenfall ausrufen müssen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturkatastrophen

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Befehlsverweigerer, seht euch vor!

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„Gewohnheiten!
Herrschaftszeiten,
zügig vorbereiten,
weg mit Empfindlichkeiten,
nicht auf Standpunkten reiten,
gar wechseln die Seiten,
vorgegebene Wege beschreiten,
laßt euch anleiten!“

Die Masse betreten gafft,
sich dennoch nicht aufrafft.
Noch es niemand schafft,
obwohl der da vorn so blafft.
Wo bleibt dabei die Kraft
trotz Androhung von Haft?
Wer zehrt wohl von welchem Saft,
der müßige Gedanken strafft?

„Leute, ausgeträumt!
Wer sich jetzt aufbäumt,
den Weg als Leiche besäumt!
Da habt ihr wohl was versäumt,
egal wieviel mancher schäumt.
Dich hat zwar die Sonne gebräunt,
doch sei gewiß, mein Freund,
das war’s dann, that’s the point!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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