Mit einem Wisch

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Auf dem Küchentisch
ein Wisch:
Ich liebe dich

Geschrieben krakelig,
das war doch nicht
Ludwig?

War der gestern hier?
Oh, Erinnerung
hilf mir!

Schon dreiviertelacht,
verschlafen,
was für eine Nacht!

Essen, Kino,
Freunde treffen.
Viel gelacht mit Steffen.

Seine Zwillingsmädchen
sind Rabauken,
ihre Streiche jeden verschaukeln.

Im Büro auf dem Schreibtisch,
Lischinski, Abmahnung, wieder zu spät,
auf dem Zettel steht.

Memoblöcke sind im Trend.
Ich liebe dich, Cherie.
Rufnummer des Bordells, jeder kennt.

In der Mittagspause
Notiz schnell in Chefs Jacke gesteckt.
Wette, sie wird von seiner Frau entdeckt.

Auf der Rückseite des Wischs
stand: Niemand.
Jan bekam einen Weinkrampf.

Lena und Lisa um keine Ausrede verlegen,
meinten, sie hätten sich niemand genannt.
Sie wollten Jan die Namen nicht preisgeben.

Die Rufnummer auf der Rückseite,
Herr Schmitz-Kleinen,
Telefonseelsorge, zum Ausweinen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Christentum: Missionieren im Namen des Herrn

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Bekehren als Deckmäntelchen, die eigene Macht zu festigen

Früher gab es hierzulande keine Gotteshäuser wie Kapellen und Kirchen, da zogen die Germanen und Kelten umher, um in ihrer Götterwelt zurechtzukommen, wobei sie es nicht nötig hatten, ihren Glauben anderen aufzuzwingen.

Das änderte sich ziemlich schnell und äußerst gründlich mit dem Missionieren, zumal zusammen mit der Möglichkeit zunehmender Mobilität eine weltweite Expansion per Seereisen entstand, im Namen des Herrn mit dem Christentum, auf Teufel komm raus die Ungläubigen zu bekehren.

Christentum weitverbreiteste Weltreligion

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Diktat des Glaubens und Friedenszeiten? Die Geschichtsbücher füllen ganze Bibliotheken des sich kontinuierlich ausbreitenden Christentums, welches explizit erbarmungslos die Herrschaft des Glaubens allen kriegerisch eroberten Völkern anordnete, eine blutige Schneise der Verwüstung sich hinter ihm zog, denken wir an die Kreuzzüge.

Über 2,2 Milliarden Menschen bekennen sich zum Christentum, dicht gefolgt vom Islam. Doch während die Christen sämtliche Nischen in der Erde aufsuchten, um missionarisch ihren Glauben zu verbreiten, hatten die Muslime weder die Mittel noch die Möglichkeit, es ihnen gleichzutun, zumal über sechshundert Jahre später erst deren Gründung erfolgte. Der zeitliche Vorsprung des Christentums in Kooperation eines mächtigen Europas, welches bereits weltweit mit seinen Seemächten die Welt kolonisierte, war ein entscheidendes Bollwerk, das eine stärkere Expansion des Islams mit verhinderte.

Jesus Missionsbefehl ein denkwürdiges, folgenreiches Erbe

Unabhängig davon, daß die Bibel ohnehin sehr lange nach Jesus Christus Tod geschrieben wurde, daher so manch Überliefertes nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen muß, so darf man sich dennoch wundern über den Missionsbefehl im Matthäus-Evangelium 28,19, in dem es u.a. lautet:

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Eine allzu deutliche Aufforderung, die sich daher Missionare zu eigen machten, um den christlichen Glauben in die Welt zu tragen, denken wir an Francisco Pizarro, der in Südamerika wütete, die Inka abschlachten ließ, an die Vertreibung der Indianer in Nordamerika, an weite Teile Afrikas, – in Nordafrika setzte sich komplett der Islam durch – an Australien und Neuseeland. Nur in Asien gelang es ihnen nicht, außer daß die Russisch-Orthoxe Kirche sich etablierte, ansonsten 230 bis 500 Millionen Buddhisten und rund eine Milliarde Hinduisten zusammen mit anderen Religionen den größten Teil ausmachen.

Leid oder Segen im Zuge der Missionen?

Man stelle sich einfach mal vor, es hätte keinen missionarischen Eifer der Christen gegeben. Dann wäre der Welt im Laufe der Jahrhunderte viel Leid erspart geblieben. Es macht nur wenig Sinn, das Rad der Zeit gedanklich zurückzudrehen, so werden auch segensreiche Einflüsse nicht die negativen Folgen mildern können. Die Nachwelt hat genug mit den immer noch vorhanden verkrusteten Dogmen des Christentums und somit dessen geistige Haltung zu kämpfen, aus denen so manche Vorurteile sich manifestieren konnten, wenn wir auch an weltweite Schwulenhetze denken.

So stimmten die USA gemeinsam mit 12 anderen Ländern gegen eine UN-Resolution, in der die Todesstrafe gegen Homosexuelle verurteilt wurde, unter Trump nicht wirklich verwunderlich. Ausgerechnet aus dem Land des Puritanismus, den USA, wo er am sorgfältigsten gepflegt wurde, setzte sich eine strikte Moralvorstellung durch, der sich alles unterzuordnen hat. Die Nation, die einerseits mit grenzenloser Freiheit wirbt, dessen erster Präsident das Wesen der Demokratie mit erschuf, trägt dazu bei, daß tunlichst christliche Moralvorstellungen gefälligst global angewandt werden.

Daher nicht verwunderlich, daß der US-Amerikaner George Verwer nach der Verteilung des Johannes-Evangeliums in Mexiko 1957 die Operation Mobilisation (OM) gründete, eine NGO, dessen Zielsetzung bedeutet, junge Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Dabei benutzte die OM inzwischen drei ausrangierte Ozean-Riesen als schwimmende Mission mit Büchermarkt, Konferenz-, Kultur- und Hilfszentrum, die Logos (1978-1988), die Doulos (1977-2010) und die Logos II (1988-2008), ab 2009 übernahm die Logos Hope. Was vordergründig als weltweit größte schwimmende deutsche Bücherei angepriesen wird, dient in Wirklichkeit, den Menschen das Christentum näherzubringen, folglich ein deutlicher Missionsauftrag.

„Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.“ (Kurt Tucholsky)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Sarah lehnt sich aus dem Fenster

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Sarah lehnt sich aus dem Fenster. Welch ein Unsinn! Sarah lehnt sich aus dem Fensterrahmen. Sarah beobachtet. Und sieht nichts. Sieht nicht die Autos, die unter ihr auf der Straße fahren. Hört nicht das Geräusch von quietschenden Bremsen, Hupen und lautem Geschrei. Sarah fühlt Ben. Ben wie er lacht. Ben wie er mit Schwung ins Wasser springt. Fontänen aus Tropfen schwirren durch die Luft. Sarah denkt, es wird wohl Regen geben oder ein Gewitter. Wasser riecht Sarah. Literweise Wasser.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hängen bunte Transparente vor dem Buchladen. Schlußverkauf. Vor den beiden großen Fensterscheiben stehen Tische, Bücher sind darauf gestapelt. Man ahnt es, was gibt es sonst beim Buchhändler zu kaufen. Menschen drängen sich vor den Tischen. Gehen in den Laden, verlassen den Laden. Musik strömt durch die geöffnete Tür. Notentöne plätschern durch die Luft, bis der Motorenlärm sie überdeckt. Sarah hört Bens Stimme. Plusternd. Ben winkt ihr zu. Winkt, komm doch ins Wasser. Tauchend schwimmt er ein Stück weiter hinaus, weg von der Ufermauer. Sarah bewundert seine kräftigen Züge. Der See ist kristallklar.

Zwei Stockwerke tiefer öffnet Frau Müller erst das linke, dann das rechte Wohnzimmerfenster von der Straße aus gesehen. Bratenduft verbreitet sich oberhalb der Autoabgase. Wirbelt an der Hauswand entlang Richtung Dach und gegen den grauweißen Himmel. Frau Müller erwartet ihren Mann. Immer freitags. Freitags gibt es bei Familie Müller Braten. Rollbraten, Kalbsbraten, Schmorbraten. Frau Müller mag Braten, Herr Müller mag Braten. Freitagsbraten. Man kann den Bratenduft sehen. Jeder im Haus weiß, wenn es im Hausflur nach Braten riecht, ist Freitag. Sarah liebt Ben. Wenn die Sonne seine braune Haut trocknet, und er nach warmen Wasser riecht. Ben liebt Sarah. Er liebt ihren Blick, wenn er sich naß neben sie auf die Decke legt. Und ihren Aufschrei, wenn er seinen Kopf schüttelt, und ihr Körper von winzig kleinen Tropfen übersät wird.

Sarah meint, ein Grummeln zu hören. Weit weg. Die ersten Anzeichen, das Gewitter naht. Sie fürchtet sich vor Gewitter. Besonders am See. Das scheppernde Tönen, das klingt wie ein Schlag gegen eine große Metallscheibe, schüchtert sie ein. Sie kuschelt sich in Gedanken an Ben. Manchmal treffen sie sich mit Freunden, die im nahegelegenen Dorf ein Haus besitzen. Sophie und Marcel. Die Trommelgeräusche, die sie dort hört, lassen sie frei fühlen, enthemmter. So enthemmt, daß sie sogar selbst anfängt, mit den Händen auf alle möglichen Gegenstände zu trommeln. Keiner stört sich daran, wenn sie nicht im Takt bleiben kann. Bumm, bumm, bumm.

Mit den Händen schlägt Sarah gegen den äußeren Fenstersims. Erste Regentropfen zeigen ihre feuchten Spuren. Sarah versucht, sie mit ihren Fäusten zu treffen. Die Faustschläge auf dem metallenen Sims klingen wie eine Melodie. Sarah gefällt diese Musik. Die Tropfen halten sich nicht an einen Rhythmus. Sie fallen ohne Taktvorgabe. Sarah hört hämmernde Gewittergeräusche. Nah. Sehr nah. Ein aufkommender Wind treibt die größer werdenden Regentropfen in das Zimmer. Sarah schließt das Fenster. Der Teppichboden ist platschnaß, wie durchtränkt. Jemand schlägt mit Wucht gegen die Wohnungstür. Sarah meint, das Geräusch von splitterndem Holz zu hören. Das Geräusch von einem rauschenden Wasserfall. Das Geräusch von einem zerborstenen Wasserrohr, einem Brunnen, der überläuft.

Ein Schwall Wasser wirft sie fast um, als sie die Badezimmertür öffnet, oder war es das Donnergeräusch der Wohnungstüre, in der im selben Moment ein großes Loch klafft?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Either Trump or Putin – that’s the question

Alles Theater oder ein abgekartetes Spiel?

Der Schöne und das Biest, Wladimir Putin und Donald Trump. Die weltweit zwei mächtigsten Präsidenten können unterschiedlicher kaum sein, und dennoch gibt es genügend Parallelen, die sich auftun, wer ein wenig genauer hinter die Kulissen schaut. Während The Donald gern cholerisch aufbraust, strahlt Wladimirowitsch die Ruhe selbst aus, egal welch Meldung ihn erreicht.

Im FAZ.NET-Interview unterstreicht der Journalist Luke Harding, inwieweit Moskau Material gegen Donald Trump hat, um diesen jederzeit kompromittieren zu können. Deshalb verhalte sich der US-Präsident eher freundlich und zurückhaltend gegenüber Wladimir Putin, obwohl er ansonsten keine Gelegenheit auslasse, um über andere politische Führer herzuziehen. Von Zufall kann daher keine Rede sein.

Augenauswischerei oder der Wahrheit sehr nahe?

Mit Blick auf die Geburtstage, auf die Sonnenzeichen der beiden Präsidenten, gibt es im Sinne der Astrologie eine nicht unwichtige Parallele. Trump im Sternzeichen Zwillinge geboren und Putin im Sternzeichen Waage, beides dem Element Luft zuzuordnen. Das Lebensmotto des Zwillings bedeutet: Ich bin bereit, bei der Waage: Ich liebe. Die größte Schwäche des Zwillinge-Geborenen: Ungeduld und Hast, beim Waage-Geborenen: Überschätzen von Äußerlichkeiten und Snobismus. Der cholerische Ami und der narzißtische Russe. Keine gute Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Natürlich kann man spekulieren, ob die Rolle der Geheimdienste der Wahrheit nahe rücken, das Verhalten eines MI6 oder des alten KGB, des neuen FSB, die vielen Versuche auswerten, was da auf politischer Bühne alles angestellt wird, denken wir an den Skripal-Fall, ob ein guter Putin den bösen US-Westen an der Nase herumführt. Es ändert nur nichts an der weiteren Aggression gegenüber anderen Nationen, an den erneuten Rüstungswettlauf bis hin zur Gefahr der Ausweitung des dritten Weltkrieges.

Trumps Aufhebung des Iran-Abkommens der Anfang vom Ende

Zu Beginn dieses Jahres stellte sich die berichtigte Frage, wieviel Trump die Weltgemeinschaft verträgt. Wer A sagt, sollte unbedingt auch B sagen. Insofern muß man einen smart wirkenden Wladimir Putin mit einkalkulieren. Nicht in dem Sinne, ihm den Maidan und in Folge die angebliche Annexion der Krim anzulasten oder die Sympathien für den Iran und Syrien. Vielmehr im eigenen Land keine Opposition zuzulassen, das russische Volk verhält sich viel zu leise, man entdeckt kaum künstlerisches Schaffen, befreit von der Doktrin eines gewissen Protektionismus, der vorherrscht.

Donald Trump versucht dies unübersehbar in den USA selber nachzuäffen mit seinem Credo des „America First“, nachdem die weltweit größte Wirtschaftsmacht jahrzehntelang den American Way of Life propagierte und somit auslebte. Man darf bezweifeln, daß dies Trump dauerhaft gelingen mag, vor allem wenn Armut sich vermehrter im Lande ausbreiten wird.

Trumps Aufhebung des Iran-Abkommens war letztlich der Startschuß zu einer neuen Dimension kriegerischer Auseinandersetzung, die nicht nur den bestehenden dritten Weltkrieg wesentlich mehr anheizt, sondern darüber hinaus auch den Anfang vom Ende einleitet. Viel zu eng verflochten sind die bestehenden Allianzen, wirtschaftliche Ab-hängigkeiten bedeuten verstärkte Unsicherheiten, Risiken, die somit alle betreffen. Dann gibt es kein Wegducken mehr, erst recht, wenn diplomatische Kanäle ihre Rolle mißbrauchen, denken wir z.B. an den neuen US-Botschafter Richard Grenell, der sich eher wie ein „Kettenhund“ von Donald Trump verhält.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Arturs Fahne

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Liebste Lilli, Liliane,
ich hab´ eine Fahne…

Bewegung, wenig Essen,
täglich werde ich gemessen.

Dazu geknetet, massiert,
mein Körper wird traktiert.

Ich bin ausgebüxt,
Gelegenheit genützt.

Wollte in die Stadt,
endlich essen satt.

Habe mich verlaufen,
nichts war mit Eis kaufen.

Eine ganze lange Nacht
habe ich im Freien verbracht.

Endlich wurde ich gefunden,
abgemagert, zerschunden.

Es gab keine Extraportion,
Hunger, groß wie ein Bataillon.

Hier können sie nicht kochen,
bin nur noch Haut und Knochen.

Habe aus Bettlaken Fahne gehisst.
Lilli, dein Essen wird vermißt.

Bei deinem nächsten Besuch
leg Essen unter den Baum mit Tuch.

Ich rieche schon deinen Braten,
kann das Wiedersehen kaum abwarten.

Grüße von der Kur,
dein Dich liebender Artur.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Berlin: Hausbesetzungen am „Karneval der Kulturen“

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Wohnungsnot und Hausleerstand entfachen not-wendigen Widerstand

Egal wie man sie auch bezeichnen mag, ob Wohnraum-Aktivisten oder Hausbesetzer, ihr beherztes Anliegen bedeutet in der Sache nichts anderes, als daß etwas grundlegendes verkehrt läuft seitens des gesellschaftlichen Zusammenlebens, insofern auch die Politik versagt.

Das verdeutlichen somit die jüngsten Hausbesetzungen am „Karneval der Kulturen“, der bis heute in Berlin stattfindet, um auf den Mietwahnsinn deutlich hinzuweisen. Einerseits kann niemand die prekäre Lage am Wohnungsmarkt übersehen, andererseits widerspricht dem Hausleerstand, ist dadurch eben nicht entschuldbar. Es soll sich um neun Häuser in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln handeln, die besetzt wurden, wie der Sprecher Winfried Wenzel mitgeteilt hat.

Steigende Mieten und die Ignoranz verantwortlicher Politik

Da läuft einiges völlig aus dem Ruder. Während die Immobilienbranche stets wohlwollend hofiert wird, haben Mieter das Nachsehen, steigende Mieten belasten den Wohnungsmarkt. Am 14. April protestierten mehr als 10.000 Menschen in Berlin gegen steigende Mieten, laut Veranstaltern waren es wohl an die 25.000, die Wohnungspolitik versagt weiterhin, allein im Stadtteil Neukölln sollen die Mieten zwischen 2009 und 2017 um bis zu 143 Prozent gestiegen sein, wie das Bündnis Bezahlbare Mieten Neukölln berichtet hatte.

Ein Skandal sondergleichen. Inwieweit die Bundespolitik die Sorgen und Belange der Bevölkerung mit Füßen tritt, kommentierte Querdenkende vor knapp zwei Jahren, als Barbara Hendricks beim Wohnunungsmarkt allen Ernstes japanische Verhältnisse gefordert hat. Leute bräuchten nicht mehr als 30 Quadratmeter zum Leben. Welch Dekadenz und Uneinsichtigkeit, die Sozialdemokraten dürfen sich nicht wundern, daß reihenweise dieser Partei der Rücken gekehrt wird.

Mit der Provo-Bewegung folgten Hausbesetzungen

Es war u.a. der anarchistische Philosoph Roel van Duijn, der im Mai 1965 die Gruppe Provo gründete, um das Establishment zu hinterfragen, die niederländische Königsfamilie, aber auch das Verhalten einer gewaltbereiten Polizei bei Demos. Schon zwei Jahre später löste sich die Gruppe auf, weil ein „revolutionärer“ und ein „reformistischer“ Teil innerhalb der Bewegung sich nicht einigen konnte.

Dennoch diente deren „Weiße-Häuser-Plan“ als Vorbild, fand auch Nachahmer in Deutschland, in den 1970er und 1980er Jahren folgten vor allem in Berlin und Frankfurt entsprechende Hausbesetzungen, zunehmend in vielen anderen deutschen Städten, denken wir an die heftigen Widerstände in Hamburgs Hafenstraße. Das Strafrecht gegenüber Hausbesetzungen kann nur angeprangert werden, ungerechtfertigte Strafmaßnahmen wegen Hausfriedensbruch und daraus folgende Einschüchterung stehen einem jahrelangen Leerstand gegenüber, der eben nicht zu rechtfertigen ist hinsichtlich anhaltender Wohnungsnot sowie unverhältnismäßigen Mietpreissteigungen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Wieder getroffen

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Zeitvergessen lächeln wir uns an,
Seelenfedern haften an uns dran.
Selbst in den Vergangenheitsgedanken
fehlende Jahre sind keine Schranken.

Ein Falter, ein Schmetterling fliegt vorbei,
er trägt keinen Namen, so ist es, einerlei.
Bomben sollen Ruhe, Frieden schaffen,
ein Fluch, ein Flug, Geld zusammenzuraffen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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