„Stoppt den Hass“ – solche Politik keineswegs ein Spaß

https://pixabay.com/de/figur-mann-fernglas-zaun-gag-2687801/

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Die Woche ist heute dann wohl rum, doch zuvor treffen sich etliche zu Demos in Berlin, sei’s drum, Rechtsextremisten wird nichts verzieh’n. Wenn solche Pappnasen meinen, sie müßten lautstark ihre Parolen gröhlen, gilt’s, sie vehement zu verneinen, ihre Orte mit Bannern wie „Stoppt den Hass“ auszuhöhlen.

Was hat das AfD-Geschrei mit Politik zu tun? Indem im Bundestag menschenverachtendes Geschwätz sich ausbreiten darf? Die wollen sich auf ihren zurechtgebastelten Haß ausruhen, sind dermaßen auf Bürgerkrieg scharf. Denn nur so haben sie das Volk gespalten, brüllen von einem Wir. Daher muß man sie aufhalten wie ein tollwütiges Tier.

Tragisch genug was weltweit vor aller Augen geschieht, denkt man nur an jenen dollen Blonden übern Teich. Wer solche Zusammenhänge tatsächlich sieht, wird dadurch wenigstens an Erkenntnissen reich. Die Sorgen verbleiben völlig zu Recht, zumal ein Kim Jong-un oder ein Putin nicht gerade Vertrauen schafft. Manch einem wird dabei schlecht, man nur noch gen politische Weltbühne erstaunt gafft.

Hat Mensch noch nicht genug Unheilvolles angerichtet? Nichts aus der eigenen Geschichte gelernt? Vieles wird simpelst manch einem angedichtet, Hauptsache man fürs ein oder andere Idol wohl schwärmt. Manipulation stets Wege findet, sich auszubreiten völlig unerschrocken. Zerstörung und Haß sie bindet, inzwischen gar im Bundestag hocken. Gegendemos somit völlig angebracht, der Welt aufzeigen wollen, daß Widerstand solch Haß auslacht, möge die rechte Brut sich davontrollen.

Wenn eine stillhaltende Mitte weiterhin tatenlos schweigsam diesen rechten Mob duldet, irrtümlich meint, der verzieht sich gar obendrein unverschuldet, bei der Unwissen aufkeimt. Ein Blick in die Vergangenheit sollte sie lehren, wie schnell ein Flächenbrand entsteht. Dumpfer Haß tut sich stets bewähren, Menschlichkeit wird dann hinweggefegt.

Stell dir mal vor, am Sonntag jene rechte Mischpoke durch Berlins Straßen ziehend lärmt, manch Tor gar für sie gedankenlos schwärmt. Umso wichtiger in Gegendemos ihr Paroli zu bieten, sich auch nicht von einer Polizei provozieren zu lassen. Es sind besonders manch Politnieten, die weiterhin am Volk vorbei prassen. Das führt zu noch mehr Armut, Elend und Krieg. Wer’s kapiert, es gibt keinen Sieg. Am Ende Mensch nicht nur seine Würde verliert. Geld stets regiert die Welt, dabei nicht zählt, wer wohl wen wählt, sondern einzig und allein die Macht, die soviel bösartiges bisherig hat entfacht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Konfrontation

https://pixabay.com/de/berge-landschaft-bergweg-gipfel-946226/

pixabay.com

Sie wirkt immer ein wenig,
wie soll man es nennen,
wie ein Steinhaufen.

Unter dem möglichweise
nicht nur Schnecken, Käfer,
auch Schlangen lauern.

Keine angenehme Vorstellung
in dieser Nähe zu verweilen,
was, wenn das Getier,

was, wenn das Getier gestört
sich fühlt oder aus Langeweile
krabbelt, schleicht hervor?

Die Steine liegen durcheinander,
Gras, Kraut wächst entlang empor,
was, wenn die Steine,

was, wenn die Steine rollen
polternd auf die Wiese, auf den Weg,
und ich drüberstolper?

Ich ignoriere ihr Dasein,
lauf erhobenen Hauptes,
wenn ich sie seh, an ihr vorbei.

„Was ist das denn für ´ne Schnepfe,
die mich keines Blickes würdigt,
hat die einen Stock verschluckt?

Ich hüte geduldig Schätze,
damit gedeihen viele Gewächse,
damit du aufrecht am Stecken läufst.“

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Vom Ehrenkodex bis zur politischen Lüge

https://pixabay.com/de/pinocchio-nase-l%C3%BCgennase-lang-l%C3%BCge-2917652/

pixabay.com

Rio Reiser hat’s ohnehin gewußt

„Es ist wahr, daß das Jahr über dreihundert Tage in nur zweiundfünfzig Wochen schafft“, so beginnt Rio Reisers Song „Alles Lüge“, wobei er gleichzeitig neben tatsächlichen Wahrheiten alles als Lüge bezeichnet, was irgendwie in Frage gestellt werden kann. Was Rio Reiser mit seinem Song wohl gemeint haben mag, können wir generell uns selbst fragen: Was veranlaßt den Menschen zu lügen?

Und gelogen wird ständig, von der kleinen Notlüge bis hin zu den weitreichenden Lügenkonstrukten mit nicht unerheblichen Folgen, deren Schaden ohne weiteres auch hoch sein kann. Immer dann, wenn wir einer kritischen Auseinandersetzung aus dem Weg gehen wollen zu möglicher Bestrafung, neigen wir Menschen dazu, mit einer Lüge uns aus der Affäre zu ziehen. Dabei schwingt Angst oder Scham oftmals mit, aber selbst Höflichkeit oder gar emotionale Überforderung, um Sachverhalte obendrein zu beschönigen, führen zu Lügen.

Gesprochene und gedruckte Lügen: Was sind die Anlässe?

Denken wir nur mal kurz an die Hochstapler, und deren gibt und gab es etliche. Um sich selbst ins rechte Licht zu rücken, wird frech gelogen, was sogar insoweit ausarten kann, eine ganze Kette betrügerischen Handelns billigend in Kauf zu nehmen: von der Urkundenfälschung zur erfundenen Vita bei Betrügern, die sich beruflich als jemand anders ausgeben. Während man einem Till Eulenspiegel seine närrischen Entgleisungen noch gern verzeiht, schaut es bei gewissen Hochstaplern ganz anders aus.

Ob Cassie Chadwick, die sich als Tochter des Millionärs Andrew Carnegie ausgab, um sich auf diese Weise sehr hohe Darlehen von den Banken zu erschleichen, ob der Postbote Gert Postel, der sich als Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy anbot, später auch als Dr. Postel oder ein Victor Lustig, der sich Graf Victor nannte, sogar Al Capone betrog, aber mit dem Verkauf des Eiffelturms an einen Schrotthändler seinen größten Coup landete, sie alle hatten eines gemeinsam: ihre Mitmenschen dreist zu täuschen. Unabhängig davon dürfen wir natürlich in der Literatur ständig die hochstaplerischen, gedruckten Zeugnisse nachlesen, wie z.B. von den Gebrüdern Grimm „Der gestiefelte Kater“ oder Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“.

Wenn man sich den gedruckten Medien nähert, schaut es sehr komplex und kompliziert aus. Was entspricht der Wahrheit, wo beginnt die Lüge? Die Grenzen verlaufen sehr fließend, zumal der Einfluß aus Politik und Wirtschaft eine erhebliche Rolle spielt, was niemand ernsthaft abstreiten kann. So dient jede Lüge der Bevorteilung, und damit sie unerkannt bleibt, muß sie meist mit neuen Lügen untermauert werden. Ein gefährliches Szenario.

Politische Lügen und dennoch Vertrauen in die Politik?

Auch in der Politik wurde und wird gelogen, daß die Balken sich biegen. 1990 sprach Helmut Kohl während einer Wahlkampfveranstaltung davon, daß in der ehemaligen DDR bald „blühende Landschaften“ sein würden sowie auch an anderer Stelle: „Die Wiedervereinigung zahlen wir aus der Portokasse.“ Oder Norbert Blüm, der behauptete, die Renten seien sicher. In den USA log der Präsident George W. Bush dreist, in dem er meinte, Saddam Hussein besäße Massenvernichtungswaffen. Die dramatischen Folgen, die daraus entstanden, stehen in keinem Verhältnis zur enttarnten Lüge Bill Clintons: „I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinski“, weil der Welt dadurch kein Schaden zugefügt wurde, außer wohl Miss Lewinski selbst.

Noch mal einen Schwenk zur deutschen Politik. Hatte am 02. Dezember 1999 Wolfgang Schäuble im Deutschen Bundestag verkündet, er habe „irgendwann im Spätsommer oder im Frühherbst 1994“ bei „einem Gesprächsabend in einem Hotel in Bonn […] einen Herrn kennengelernt, der sich mir als ein Mann vorgestellt hat, der ein Unternehmen leitet. Ich habe später festgestellt, daß es dieser Herr Schreiber war. […] Auf der damaligen Veranstaltung bin ich Herrn Schreiber begegnet. Das war es“, offenbarte sich schon einen Monat später die eigentliche Wahrheit: Er hatte 1994 vom Waffenhändler Karl-Heinz Schreiber eine Bar-Spende in Höhe von 100.000 DM für die CDU entgegengenommen.

Angesichts solch weitreichender Lügen in der Politik darf man sich schon wundern, wieso dennoch weite Teile der Bevölkerung weiterhin ein hohes Vertrauen in sie haben, wie sonst ist eine Wiederwahl in Amt und Würden zu erklären? Im normalen Alltagsleben hätte ein solches Verhalten harte Konsequenzen, die Betroffenen würden dafür keinerlei Verständnis aufbringen.

„Oder ist da mehr oder ist da mehr, oder ist das oder ist das oder ist das oder ist das, alles Lüge alles Lüge“, endet Rio Reisers Song. Die Antwort wissen wir meistens dennoch.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mensch an kurzer Leine

https://pixabay.com/de/menschen-frau-tv-filme-fernsehen-3281583/

pixabay.com

Der Konsument bleibt dumm,
schaut er doch die Heidi Klum.
Nichts kommt dabei rum,
dennoch nimmt man ihm’s krumm.

So simpel ist er gestrickt,
die Welt des Glamours total verrückt.
Was er in der Glotze alles erblickt,
trotzdem er nicht einfach wegklickt.

Hauptsache Verbraucher bleiben abgelenkt,
man ihnen ab und an was nettes schenkt.
Der sich dabei so gar nichts denkt,
wüßt er’s, wäre er zutiefst gekränkt.

Von Haus aus bleibt der Mensch bequem,
gestaltet man es ihm doch scheinbar angenehm.
Er sieht dabei mitnichten das eigentliche Problem,
ach, würd’ er sich doch genauer umseh’n.

Das alles wußten ohnehin schon die Alten,
jenes Mithalten, Entfalten und Festhalten.
Verblendung, statt unbedingt mal abzuschalten.
Sie wollen Euch nur permanent unterhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Idole und Personenkult im gesellschaftlichen Grenzbereich

https://pixabay.com/de/salvador-dali-k%C3%BCnstler-maler-32079/

pixabay.com

Im Einfluß einer polarisierenden Gratwanderung

Vom besten Freund, eher selten kurzfristig bei manchen die Eltern, bis hin zu Stars und charismatisch berühmten Persönlichkeiten begleiten die allermeisten von uns als Vorbilder, durchaus nicht konstant und somit austauschbar wechselnd.

Dennoch scheinen Idole und darüber hinaus entstandener Personenkult eine polarisierende Gratwanderung innerhalb der Gesellschaft zu offenbaren, an deren Grenzbereichen eben die Gemüter sich erhitzen können bis hin zum Fanatismus, denken wir nur an den kleinen Österreicher mit dem schwarz-gestutzten Bärtchen und seinem zackig-abgehackten Sprachgebrauch. Aber inwieweit spielen Idole noch eine Rolle, beeinflussen sie unseren Alltag, obwohl sie schon immer ganz besonders die Jugend, heranwachsende Menschen faszinierten und das gerade in heutigen Zeiten expandierender Technik im Kontext zu den Medien?

Zwischen Kunst und Politik – revolutionär anarchistisches Handeln

Zunächst wird es stets weiterhin die Jugend sein, die die Realität hinterfragt und auf den Kopf stellt – das muß sie auch, denn wie sonst könnte der Mensch den „Samen der Veränderung pflanzen“, ein Nachäffen bestehend festgemachter Normen vermeiden? Ein Klassenprimus ist in sofern fast schon das Gegenteil, weil er sich einfach gehorsamst anpaßt, um den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, außer sich das eingeforderte Wissen einzuverleiben.

Ob dies früher ein William Shakespeare, Rainer-Maria Rilke, Hermann Hesse oder Wolfgang von Goethe war bei den großen Autoren, ein Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Pablo Picasso oder Salvador Dali bei den bildenden Künstlern, eine Marlene Dietrich, Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder ein Charly Chaplin bei den Schauspielern, ein Max Reinhardt, Louis Armstrong, eine Édith Piaf oder ein Elvis Presley bei den Musikern, sie alle haben einiges gemeinsam: Sie beeinflußten ganze Generationen, waren äußerst nachhaltige Vorbilder und sind es bis heute noch.

Was für die Kunstschaffenden gilt, hat ebenso quer durch die politische Landschaft zumeist zu sehr tragischen Folgen geführt, denken wir nur an Julius Cäsar, Napoleon Bonaparte, Che Guevara oder Muammar al-Gaddafi. Sämtliche hier genannten historischen Persönlichkeiten stellen lediglich nur Beispiele dar und sind rein zufällig zitiert worden, die Liste wäre beliebig lang fortzusetzen.

Denn neben den Künsten und der Politik sollte ebenso eine äußerst wichtige, gedankliche „Brücke“ erwähnt werden, die ganz besonders eindrucksvoll eben Kunst und Politik selbst verbinden kann: die Philosophie. Und auch diese hat durchaus Vorbildfunktion im menschlichen Dasein. Es seien hier mal Platon, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche und Erich Fromm genannt, um die Logik der mathematischen Reihe zu vervollständigen. Wieso ein revolutionär anarchisches Handeln? Ganz einfach, um bestehende Normen zu verlassen, kann dies nur notwendig sein, wobei nicht gleich ein Automatismus von Gewaltausübung sich entwickeln darf – selbst freie Gedanken können und sollten ungehindert sich Wege bahnen, die wenigstens in den Künsten und der Philosophie tragische Revolten nicht tatsächlich ausleben mit den Folgen von Mord und Totschlag. Das bleibt der Politik vorbehalten, wie wir nur zu schmerzhaft alle wissen.

Stets dann, wenn Personenkult „benutzt“ wird, um politische Ziele umzusetzen, wird es gefährlich. Sicherlich haben Menschen wie Mahatma Gandhi sowie Martin-Luther King oder Nelson Mandela aufgezeigt, daß Kult um ihre Person eine äußerst positive Botschaft der Nachwelt hinterläßt. Solch großartige Ausnahmen entsprechen allerdings nicht der Regel, wenn das Zerstörerische sich viel leichter Wege suchen möchte, seine Ziele zu verwirklichen. Ob Josef Stalin, Mao Zedong oder jetzt hochaktuell der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, ihr Personenkult sind Negativbeispiele einer fehlgeleiteten Vorbildfunktion, die letztlich nur der Propaganda dient, die Macht aufrecht zu erhalten.

Medien erschaffen Idole am laufenden Band

Daher muß die Frage im Raum stehen, ob dahinter in etwa eine gewisse Strategie steckt. Eigentlich schon, wenn man ganz lange darüber nachdenkt. Sollen wir das? Ablenkung verhindert lästiges Sinnieren über Zusammenhänge, der Homo sapiens möge doch am besten einfach vor sich hin leben, beschäftigt sein mit seiner unmittelbaren Umgebung, wobei diese viel eher global „gestaltet“ wird infolge der TV-Revolution.

Hunderte von Fernsehkanälen vernetzen die Erde. Die Musikindustrie zusammen mit Portalen wie YouTube, Twitter, Facebook und Tausenden von Blogs im Internet erschafft nahezu unendliche Möglichkeiten, Idole näherzubringen. An sich nichts verwerfliches, gerade Musik verbindet Emotionen und somit die Herzen ganzer Generationen wie kaum eine Kunstrichtung es derart wirkungsvoll vermag, zumal diese sich fast jeder leisten kann in einer Welt des Konsums. Andererseits dient sie auch der Beeinflussung im negativen Sinn, wenn wir uns das Spektrum besonders der rechten Extreme vergegenwärtigen. Bisher ungenannt im Kontext zur Vorbildfunktion: die Religion. Auch diese spielt eine erhebliche Rolle, weltweit quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten. Erschreckend dabei die weiterhin real stattfindende Instrumentalisierung, sodaß eben nicht Staat und Religion voneinander getrennt wird.

Dürfen wir das Thema als beantwortet betrachten? Nur teilweise. Vorbilder und Personenkult sind stets Begleiterscheinungen menschlichen Daseins, in der jungen Entwicklung zum Erwachsenendasein durchaus hilfreich und notwendig, aber leider auch eine Möglichkeit der Manipulation bestimmter Zwecke. Befreien wir uns von Mauern und fragwürdigen Grenzen, sondern bewahren uns stets die kritische Hinterfragung und vor allem die Freiheit selbst, dies tun zu dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Grenzenlose Gewalt auf ständiger Lauer

https://pixabay.com/de/rostige-relikte-alte-autos-2701216/

pixabay.com

Treffen sich zwei Halbstarke auf einem verlassenen Platz, im Hintergrund kauern Zuschauer ihrer jeweiligen Anhänger, die dem bevorstehenden Happening beiwohnen wollen, beobachtend und lautstark kommentierend. Schalten wir uns dazu.

„Ey, Alter, haste gesehen, wie der Tony dem Brit eine verpaßt hat? Echt krass, oder!“

„Laß man, schau mal, der Brit hat sich just aufgerappelt und tritt dem Tony voll in den Bauch, da krümmt er sich, unser Held. Und nu?“

Die Menge tobt, wobei für den Moment Brit die Oberhand zu haben scheint. Solche Augenblicke sind allerdings meist von kurzer Dauer. Das wissen alle Beteiligten. Am Ende liegen schwer schnaufend die beiden Kontrahenten im Geröll des Platzes, an manchen Stellen blutend und doch irgendwie stolz auf ihre eigene Courage. Die Meute begibt sich zu ihnen, hilft den beiden auf. Es dämmert bereits an jenem Aprilabend, aufziehende Regenwolken verheißen eine naße Dusche.

Die kleine Anne saß die ganze Zeit hinter einem rostigen Ford, hat für ihren großen Bruder Tony die Daumen gedrückt. Das nützte wohl nicht viel, dennoch atmet sie erleichtert auf, daß nichts schlimmeres passierte, schließlich will sie nicht schon wieder zuhause Krach zwischen ihrem Dad und Tony erleben, es könnte diesmal anders enden, wie sie weiß. Warum muß auch Dad stets den Macker raushängen, wo doch ihr Bruder längst einen Kopf größer, wesentlich stärker und vor allem schneller beim Zuschlagen ist.

Gewalt war ein ständiger Begleiter für die Siebenjährige, zwar schlug Dad sie nicht, dafür aber ihre Mum, die keinerlei Skupel hatte, wenn ihr was nicht an Anne paßte. Zum Leidwesen Tonys, der seine kleine Schwester abgöttisch und innig liebte. Letzten Donnerstag hatte er einfach Mum eine gescheuert, nachdem Anne ihm die blauen Flecke und die noch blutende Wunde unterhalb des rechtes Ohres gezeigt hatte.

Dad erfuhr noch am selben Abend von dem Vorfall, stürzte in Tonys Zimmer und wollte diesem direkt eine donnern. Doch dazu kam es erst gar nicht, weil Annes Bruder geübt und reflexartig auswich, seinen Dad mit einem einzigen, heftigen Schlag in den Magen zu Boden beförderte. Als dieser nach einer Weile aufstand, verzog er sich wortlos ins Wohnzimmer. Seitdem sprechen die beiden nicht mehr miteinander, Mum weicht ihrem Erstgeborenen einfach aus. In der Familie herrscht eisiges Schweigen, wobei Anne sich ziemlich schuldig fühlt.

Gleich zweimal blitzt es auf, gefolgt von heftigem Donnergrollen, in der Ferne Sirenengeheul, die Feuerwehr und Rettungswagen sind im Einsatz. Die Geschwister erreichen komplett durchnäßt ihr zuhause. Mum sitzt vor der Glotze, Dad sei in irgendeiner Kneipe, murmelt sie den beiden zu, das Essen auf dem Herd sei noch warm.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bamf-Skandal: Josefa Schmid brachte nicht nur den Stein ins Rollen

Vertuschung sowie der Ruf eines Untersuchungsauschußes völlig deplatziert

Die rechtsradikale Szene hat erneut ein Geschenk erhalten, wie es besser für sie kaum Laufen könnte mit dem Bamf-Skandal, der längst immer größere Kreise zieht, obendrein Josefa Schmid, die ehemalige Leiterin der Bremer Flüchtlingsbehörde, völlig zu Recht harsche Kritik gegen das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ausübt.

Von den im Hintergrund schwelenden Vorgängen will der neue verantwortliche Innenminister Horst Seehofer nichts erfahren haben, wie im Zeitartikel dargestellt wird, vielmehr zogen es die von Frau Schmid unterrichteten Stellen und Vorgesetzten vor, sie einfach zu ignorieren, wichtige Einzelheiten zu vertuschen und zu guter Letzt den Innenminister nicht in Kenntnis zu setzen. Der eigentliche Skandal, sodaß der Ruf eines Untersuchungsausschußes seitens der FDP folgerichtig wirkt, dennoch völlig deplatziert nicht weiterhelfen wird.

Politisches Geklüngel im großen Stil

Genau das schießt jederman durch den Kopf, wer sich intensiver mit den Umständen jenes wachsenden Skandals befaßt. Einerseits lobt man die Kompetenz der Regierungsrätin und erfahrenen Juristin Josefa Schmid, die ihren Job ernsthaft voller Engagement ausübt, daher eben nicht einfach wegschauen vermag, andererseits deckelt man höhere Stellen wie das Bamf bishin zum Innenminister, der sich inzwischen nicht simpelst wegducken darf und kann.

Die Folge, die Konsequenz? Die läßt auf sich warten, man kann es ohne weiteres als Seehofers Brandschneise titulieren, dessen Verfügung, daß die Bremer Außenstelle für Migration und Flüchtlinge keine Asylbescheide mehr erlassen darf, somit andere Außenstellen diese überprüfend bearbeiten sollen. Doch das Vertrauen nicht nur in jene Behörde vor Ort ist erschüttert, gerade die politischen Gegner profitieren besonders davon. Händereibend wird die gewollte Radikalisierung der Gesellschaft bestätigt. Ein Armutszeugnis, erst recht wem noch das Tönen des Innenministers Seehofer im Gedächtnis verblieben ist.

Parteien offenbaren ihre viel zu lasche Politik

Kaum hat diese erneute GroKo ihre politische Macht erlangt, darf das Kabinett Merkel IV nochmal sich beweisen, weht ihr resolut berechtigte Kritik entgegen, von der Opposition, durchaus sehr fundiert, wer sich die Rede von Sahra Wagenknecht verinnerlicht, entsprechend erwartungsgemäß das bösartig entgleisend gehässige „Geschwätz“ von Frau Weidel.

Die Union verharrt zusammen mit einer ziemlich geschwächten SPD, die CSU selbst baut lieber auf einen Scharfmacher wie Alexander Dobrindt, während dieser Bamf-Skandel die Spitze des Eisberges offenbart, deren tatsächliche Tragweite noch die ein oder andere Überraschung bereithalten wird. Vertrauensvolle Politik geht wahrlich anders, doch scheint diese ungewollt zum Schaden etlicher Betroffener.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar