Mensch an kurzer Leine

https://pixabay.com/de/menschen-frau-tv-filme-fernsehen-3281583/

pixabay.com

Der Konsument bleibt dumm,
schaut er doch die Heidi Klum.
Nichts kommt dabei rum,
dennoch nimmt man ihm’s krumm.

So simpel ist er gestrickt,
die Welt des Glamours total verrückt.
Was er in der Glotze alles erblickt,
trotzdem er nicht einfach wegklickt.

Hauptsache Verbraucher bleiben abgelenkt,
man ihnen ab und an was nettes schenkt.
Der sich dabei so gar nichts denkt,
wüßt er’s, wäre er zutiefst gekränkt.

Von Haus aus bleibt der Mensch bequem,
gestaltet man es ihm doch scheinbar angenehm.
Er sieht dabei mitnichten das eigentliche Problem,
ach, würd’ er sich doch genauer umseh’n.

Das alles wußten ohnehin schon die Alten,
jenes Mithalten, Entfalten und Festhalten.
Verblendung, statt unbedingt mal abzuschalten.
Sie wollen Euch nur permanent unterhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Idole und Personenkult im gesellschaftlichen Grenzbereich

https://pixabay.com/de/salvador-dali-k%C3%BCnstler-maler-32079/

pixabay.com

Im Einfluß einer polarisierenden Gratwanderung

Vom besten Freund, eher selten kurzfristig bei manchen die Eltern, bis hin zu Stars und charismatisch berühmten Persönlichkeiten begleiten die allermeisten von uns als Vorbilder, durchaus nicht konstant und somit austauschbar wechselnd.

Dennoch scheinen Idole und darüber hinaus entstandener Personenkult eine polarisierende Gratwanderung innerhalb der Gesellschaft zu offenbaren, an deren Grenzbereichen eben die Gemüter sich erhitzen können bis hin zum Fanatismus, denken wir nur an den kleinen Österreicher mit dem schwarz-gestutzten Bärtchen und seinem zackig-abgehackten Sprachgebrauch. Aber inwieweit spielen Idole noch eine Rolle, beeinflussen sie unseren Alltag, obwohl sie schon immer ganz besonders die Jugend, heranwachsende Menschen faszinierten und das gerade in heutigen Zeiten expandierender Technik im Kontext zu den Medien?

Zwischen Kunst und Politik – revolutionär anarchistisches Handeln

Zunächst wird es stets weiterhin die Jugend sein, die die Realität hinterfragt und auf den Kopf stellt – das muß sie auch, denn wie sonst könnte der Mensch den „Samen der Veränderung pflanzen“, ein Nachäffen bestehend festgemachter Normen vermeiden? Ein Klassenprimus ist in sofern fast schon das Gegenteil, weil er sich einfach gehorsamst anpaßt, um den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, außer sich das eingeforderte Wissen einzuverleiben.

Ob dies früher ein William Shakespeare, Rainer-Maria Rilke, Hermann Hesse oder Wolfgang von Goethe war bei den großen Autoren, ein Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Pablo Picasso oder Salvador Dali bei den bildenden Künstlern, eine Marlene Dietrich, Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder ein Charly Chaplin bei den Schauspielern, ein Max Reinhardt, Louis Armstrong, eine Édith Piaf oder ein Elvis Presley bei den Musikern, sie alle haben einiges gemeinsam: Sie beeinflußten ganze Generationen, waren äußerst nachhaltige Vorbilder und sind es bis heute noch.

Was für die Kunstschaffenden gilt, hat ebenso quer durch die politische Landschaft zumeist zu sehr tragischen Folgen geführt, denken wir nur an Julius Cäsar, Napoleon Bonaparte, Che Guevara oder Muammar al-Gaddafi. Sämtliche hier genannten historischen Persönlichkeiten stellen lediglich nur Beispiele dar und sind rein zufällig zitiert worden, die Liste wäre beliebig lang fortzusetzen.

Denn neben den Künsten und der Politik sollte ebenso eine äußerst wichtige, gedankliche „Brücke“ erwähnt werden, die ganz besonders eindrucksvoll eben Kunst und Politik selbst verbinden kann: die Philosophie. Und auch diese hat durchaus Vorbildfunktion im menschlichen Dasein. Es seien hier mal Platon, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche und Erich Fromm genannt, um die Logik der mathematischen Reihe zu vervollständigen. Wieso ein revolutionär anarchisches Handeln? Ganz einfach, um bestehende Normen zu verlassen, kann dies nur notwendig sein, wobei nicht gleich ein Automatismus von Gewaltausübung sich entwickeln darf – selbst freie Gedanken können und sollten ungehindert sich Wege bahnen, die wenigstens in den Künsten und der Philosophie tragische Revolten nicht tatsächlich ausleben mit den Folgen von Mord und Totschlag. Das bleibt der Politik vorbehalten, wie wir nur zu schmerzhaft alle wissen.

Stets dann, wenn Personenkult „benutzt“ wird, um politische Ziele umzusetzen, wird es gefährlich. Sicherlich haben Menschen wie Mahatma Gandhi sowie Martin-Luther King oder Nelson Mandela aufgezeigt, daß Kult um ihre Person eine äußerst positive Botschaft der Nachwelt hinterläßt. Solch großartige Ausnahmen entsprechen allerdings nicht der Regel, wenn das Zerstörerische sich viel leichter Wege suchen möchte, seine Ziele zu verwirklichen. Ob Josef Stalin, Mao Zedong oder jetzt hochaktuell der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, ihr Personenkult sind Negativbeispiele einer fehlgeleiteten Vorbildfunktion, die letztlich nur der Propaganda dient, die Macht aufrecht zu erhalten.

Medien erschaffen Idole am laufenden Band

Daher muß die Frage im Raum stehen, ob dahinter in etwa eine gewisse Strategie steckt. Eigentlich schon, wenn man ganz lange darüber nachdenkt. Sollen wir das? Ablenkung verhindert lästiges Sinnieren über Zusammenhänge, der Homo sapiens möge doch am besten einfach vor sich hin leben, beschäftigt sein mit seiner unmittelbaren Umgebung, wobei diese viel eher global „gestaltet“ wird infolge der TV-Revolution.

Hunderte von Fernsehkanälen vernetzen die Erde. Die Musikindustrie zusammen mit Portalen wie YouTube, Twitter, Facebook und Tausenden von Blogs im Internet erschafft nahezu unendliche Möglichkeiten, Idole näherzubringen. An sich nichts verwerfliches, gerade Musik verbindet Emotionen und somit die Herzen ganzer Generationen wie kaum eine Kunstrichtung es derart wirkungsvoll vermag, zumal diese sich fast jeder leisten kann in einer Welt des Konsums. Andererseits dient sie auch der Beeinflussung im negativen Sinn, wenn wir uns das Spektrum besonders der rechten Extreme vergegenwärtigen. Bisher ungenannt im Kontext zur Vorbildfunktion: die Religion. Auch diese spielt eine erhebliche Rolle, weltweit quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten. Erschreckend dabei die weiterhin real stattfindende Instrumentalisierung, sodaß eben nicht Staat und Religion voneinander getrennt wird.

Dürfen wir das Thema als beantwortet betrachten? Nur teilweise. Vorbilder und Personenkult sind stets Begleiterscheinungen menschlichen Daseins, in der jungen Entwicklung zum Erwachsenendasein durchaus hilfreich und notwendig, aber leider auch eine Möglichkeit der Manipulation bestimmter Zwecke. Befreien wir uns von Mauern und fragwürdigen Grenzen, sondern bewahren uns stets die kritische Hinterfragung und vor allem die Freiheit selbst, dies tun zu dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Grenzenlose Gewalt auf ständiger Lauer

https://pixabay.com/de/rostige-relikte-alte-autos-2701216/

pixabay.com

Treffen sich zwei Halbstarke auf einem verlassenen Platz, im Hintergrund kauern Zuschauer ihrer jeweiligen Anhänger, die dem bevorstehenden Happening beiwohnen wollen, beobachtend und lautstark kommentierend. Schalten wir uns dazu.

„Ey, Alter, haste gesehen, wie der Tony dem Brit eine verpaßt hat? Echt krass, oder!“

„Laß man, schau mal, der Brit hat sich just aufgerappelt und tritt dem Tony voll in den Bauch, da krümmt er sich, unser Held. Und nu?“

Die Menge tobt, wobei für den Moment Brit die Oberhand zu haben scheint. Solche Augenblicke sind allerdings meist von kurzer Dauer. Das wissen alle Beteiligten. Am Ende liegen schwer schnaufend die beiden Kontrahenten im Geröll des Platzes, an manchen Stellen blutend und doch irgendwie stolz auf ihre eigene Courage. Die Meute begibt sich zu ihnen, hilft den beiden auf. Es dämmert bereits an jenem Aprilabend, aufziehende Regenwolken verheißen eine naße Dusche.

Die kleine Anne saß die ganze Zeit hinter einem rostigen Ford, hat für ihren großen Bruder Tony die Daumen gedrückt. Das nützte wohl nicht viel, dennoch atmet sie erleichtert auf, daß nichts schlimmeres passierte, schließlich will sie nicht schon wieder zuhause Krach zwischen ihrem Dad und Tony erleben, es könnte diesmal anders enden, wie sie weiß. Warum muß auch Dad stets den Macker raushängen, wo doch ihr Bruder längst einen Kopf größer, wesentlich stärker und vor allem schneller beim Zuschlagen ist.

Gewalt war ein ständiger Begleiter für die Siebenjährige, zwar schlug Dad sie nicht, dafür aber ihre Mum, die keinerlei Skupel hatte, wenn ihr was nicht an Anne paßte. Zum Leidwesen Tonys, der seine kleine Schwester abgöttisch und innig liebte. Letzten Donnerstag hatte er einfach Mum eine gescheuert, nachdem Anne ihm die blauen Flecke und die noch blutende Wunde unterhalb des rechtes Ohres gezeigt hatte.

Dad erfuhr noch am selben Abend von dem Vorfall, stürzte in Tonys Zimmer und wollte diesem direkt eine donnern. Doch dazu kam es erst gar nicht, weil Annes Bruder geübt und reflexartig auswich, seinen Dad mit einem einzigen, heftigen Schlag in den Magen zu Boden beförderte. Als dieser nach einer Weile aufstand, verzog er sich wortlos ins Wohnzimmer. Seitdem sprechen die beiden nicht mehr miteinander, Mum weicht ihrem Erstgeborenen einfach aus. In der Familie herrscht eisiges Schweigen, wobei Anne sich ziemlich schuldig fühlt.

Gleich zweimal blitzt es auf, gefolgt von heftigem Donnergrollen, in der Ferne Sirenengeheul, die Feuerwehr und Rettungswagen sind im Einsatz. Die Geschwister erreichen komplett durchnäßt ihr zuhause. Mum sitzt vor der Glotze, Dad sei in irgendeiner Kneipe, murmelt sie den beiden zu, das Essen auf dem Herd sei noch warm.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bamf-Skandal: Josefa Schmid brachte nicht nur den Stein ins Rollen

Vertuschung sowie der Ruf eines Untersuchungsauschußes völlig deplatziert

Die rechtsradikale Szene hat erneut ein Geschenk erhalten, wie es besser für sie kaum Laufen könnte mit dem Bamf-Skandal, der längst immer größere Kreise zieht, obendrein Josefa Schmid, die ehemalige Leiterin der Bremer Flüchtlingsbehörde, völlig zu Recht harsche Kritik gegen das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ausübt.

Von den im Hintergrund schwelenden Vorgängen will der neue verantwortliche Innenminister Horst Seehofer nichts erfahren haben, wie im Zeitartikel dargestellt wird, vielmehr zogen es die von Frau Schmid unterrichteten Stellen und Vorgesetzten vor, sie einfach zu ignorieren, wichtige Einzelheiten zu vertuschen und zu guter Letzt den Innenminister nicht in Kenntnis zu setzen. Der eigentliche Skandal, sodaß der Ruf eines Untersuchungsausschußes seitens der FDP folgerichtig wirkt, dennoch völlig deplatziert nicht weiterhelfen wird.

Politisches Geklüngel im großen Stil

Genau das schießt jederman durch den Kopf, wer sich intensiver mit den Umständen jenes wachsenden Skandals befaßt. Einerseits lobt man die Kompetenz der Regierungsrätin und erfahrenen Juristin Josefa Schmid, die ihren Job ernsthaft voller Engagement ausübt, daher eben nicht einfach wegschauen vermag, andererseits deckelt man höhere Stellen wie das Bamf bishin zum Innenminister, der sich inzwischen nicht simpelst wegducken darf und kann.

Die Folge, die Konsequenz? Die läßt auf sich warten, man kann es ohne weiteres als Seehofers Brandschneise titulieren, dessen Verfügung, daß die Bremer Außenstelle für Migration und Flüchtlinge keine Asylbescheide mehr erlassen darf, somit andere Außenstellen diese überprüfend bearbeiten sollen. Doch das Vertrauen nicht nur in jene Behörde vor Ort ist erschüttert, gerade die politischen Gegner profitieren besonders davon. Händereibend wird die gewollte Radikalisierung der Gesellschaft bestätigt. Ein Armutszeugnis, erst recht wem noch das Tönen des Innenministers Seehofer im Gedächtnis verblieben ist.

Parteien offenbaren ihre viel zu lasche Politik

Kaum hat diese erneute GroKo ihre politische Macht erlangt, darf das Kabinett Merkel IV nochmal sich beweisen, weht ihr resolut berechtigte Kritik entgegen, von der Opposition, durchaus sehr fundiert, wer sich die Rede von Sahra Wagenknecht verinnerlicht, entsprechend erwartungsgemäß das bösartig entgleisend gehässige „Geschwätz“ von Frau Weidel.

Die Union verharrt zusammen mit einer ziemlich geschwächten SPD, die CSU selbst baut lieber auf einen Scharfmacher wie Alexander Dobrindt, während dieser Bamf-Skandel die Spitze des Eisberges offenbart, deren tatsächliche Tragweite noch die ein oder andere Überraschung bereithalten wird. Vertrauensvolle Politik geht wahrlich anders, doch scheint diese ungewollt zum Schaden etlicher Betroffener.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mit einem Wisch

https://pixabay.com/de/schreiben-nachricht-ich-liebe-dich-3230708/

pixabay.com

Auf dem Küchentisch
ein Wisch:
Ich liebe dich

Geschrieben krakelig,
das war doch nicht
Ludwig?

War der gestern hier?
Oh, Erinnerung
hilf mir!

Schon dreiviertelacht,
verschlafen,
was für eine Nacht!

Essen, Kino,
Freunde treffen.
Viel gelacht mit Steffen.

Seine Zwillingsmädchen
sind Rabauken,
ihre Streiche jeden verschaukeln.

Im Büro auf dem Schreibtisch,
Lischinski, Abmahnung, wieder zu spät,
auf dem Zettel steht.

Memoblöcke sind im Trend.
Ich liebe dich, Cherie.
Rufnummer des Bordells, jeder kennt.

In der Mittagspause
Notiz schnell in Chefs Jacke gesteckt.
Wette, sie wird von seiner Frau entdeckt.

Auf der Rückseite des Wischs
stand: Niemand.
Jan bekam einen Weinkrampf.

Lena und Lisa um keine Ausrede verlegen,
meinten, sie hätten sich niemand genannt.
Sie wollten Jan die Namen nicht preisgeben.

Die Rufnummer auf der Rückseite,
Herr Schmitz-Kleinen,
Telefonseelsorge, zum Ausweinen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Christentum: Missionieren im Namen des Herrn

https://pixabay.com/de/abtei-glas-religion-architektur-1160492/

pixabay.com

Bekehren als Deckmäntelchen, die eigene Macht zu festigen

Früher gab es hierzulande keine Gotteshäuser wie Kapellen und Kirchen, da zogen die Germanen und Kelten umher, um in ihrer Götterwelt zurechtzukommen, wobei sie es nicht nötig hatten, ihren Glauben anderen aufzuzwingen.

Das änderte sich ziemlich schnell und äußerst gründlich mit dem Missionieren, zumal zusammen mit der Möglichkeit zunehmender Mobilität eine weltweite Expansion per Seereisen entstand, im Namen des Herrn mit dem Christentum, auf Teufel komm raus die Ungläubigen zu bekehren.

Christentum weitverbreiteste Weltreligion

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Diktat des Glaubens und Friedenszeiten? Die Geschichtsbücher füllen ganze Bibliotheken des sich kontinuierlich ausbreitenden Christentums, welches explizit erbarmungslos die Herrschaft des Glaubens allen kriegerisch eroberten Völkern anordnete, eine blutige Schneise der Verwüstung sich hinter ihm zog, denken wir an die Kreuzzüge.

Über 2,2 Milliarden Menschen bekennen sich zum Christentum, dicht gefolgt vom Islam. Doch während die Christen sämtliche Nischen in der Erde aufsuchten, um missionarisch ihren Glauben zu verbreiten, hatten die Muslime weder die Mittel noch die Möglichkeit, es ihnen gleichzutun, zumal über sechshundert Jahre später erst deren Gründung erfolgte. Der zeitliche Vorsprung des Christentums in Kooperation eines mächtigen Europas, welches bereits weltweit mit seinen Seemächten die Welt kolonisierte, war ein entscheidendes Bollwerk, das eine stärkere Expansion des Islams mit verhinderte.

Jesus Missionsbefehl ein denkwürdiges, folgenreiches Erbe

Unabhängig davon, daß die Bibel ohnehin sehr lange nach Jesus Christus Tod geschrieben wurde, daher so manch Überliefertes nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen muß, so darf man sich dennoch wundern über den Missionsbefehl im Matthäus-Evangelium 28,19, in dem es u.a. lautet:

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Eine allzu deutliche Aufforderung, die sich daher Missionare zu eigen machten, um den christlichen Glauben in die Welt zu tragen, denken wir an Francisco Pizarro, der in Südamerika wütete, die Inka abschlachten ließ, an die Vertreibung der Indianer in Nordamerika, an weite Teile Afrikas, – in Nordafrika setzte sich komplett der Islam durch – an Australien und Neuseeland. Nur in Asien gelang es ihnen nicht, außer daß die Russisch-Orthoxe Kirche sich etablierte, ansonsten 230 bis 500 Millionen Buddhisten und rund eine Milliarde Hinduisten zusammen mit anderen Religionen den größten Teil ausmachen.

Leid oder Segen im Zuge der Missionen?

Man stelle sich einfach mal vor, es hätte keinen missionarischen Eifer der Christen gegeben. Dann wäre der Welt im Laufe der Jahrhunderte viel Leid erspart geblieben. Es macht nur wenig Sinn, das Rad der Zeit gedanklich zurückzudrehen, so werden auch segensreiche Einflüsse nicht die negativen Folgen mildern können. Die Nachwelt hat genug mit den immer noch vorhanden verkrusteten Dogmen des Christentums und somit dessen geistige Haltung zu kämpfen, aus denen so manche Vorurteile sich manifestieren konnten, wenn wir auch an weltweite Schwulenhetze denken.

So stimmten die USA gemeinsam mit 12 anderen Ländern gegen eine UN-Resolution, in der die Todesstrafe gegen Homosexuelle verurteilt wurde, unter Trump nicht wirklich verwunderlich. Ausgerechnet aus dem Land des Puritanismus, den USA, wo er am sorgfältigsten gepflegt wurde, setzte sich eine strikte Moralvorstellung durch, der sich alles unterzuordnen hat. Die Nation, die einerseits mit grenzenloser Freiheit wirbt, dessen erster Präsident das Wesen der Demokratie mit erschuf, trägt dazu bei, daß tunlichst christliche Moralvorstellungen gefälligst global angewandt werden.

Daher nicht verwunderlich, daß der US-Amerikaner George Verwer nach der Verteilung des Johannes-Evangeliums in Mexiko 1957 die Operation Mobilisation (OM) gründete, eine NGO, dessen Zielsetzung bedeutet, junge Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Dabei benutzte die OM inzwischen drei ausrangierte Ozean-Riesen als schwimmende Mission mit Büchermarkt, Konferenz-, Kultur- und Hilfszentrum, die Logos (1978-1988), die Doulos (1977-2010) und die Logos II (1988-2008), ab 2009 übernahm die Logos Hope. Was vordergründig als weltweit größte schwimmende deutsche Bücherei angepriesen wird, dient in Wirklichkeit, den Menschen das Christentum näherzubringen, folglich ein deutlicher Missionsauftrag.

„Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.“ (Kurt Tucholsky)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Sarah lehnt sich aus dem Fenster

https://pixabay.com/de/sonnenuntergang-himmel-3157370/

pixabay.com

Sarah lehnt sich aus dem Fenster. Welch ein Unsinn! Sarah lehnt sich aus dem Fensterrahmen. Sarah beobachtet. Und sieht nichts. Sieht nicht die Autos, die unter ihr auf der Straße fahren. Hört nicht das Geräusch von quietschenden Bremsen, Hupen und lautem Geschrei. Sarah fühlt Ben. Ben wie er lacht. Ben wie er mit Schwung ins Wasser springt. Fontänen aus Tropfen schwirren durch die Luft. Sarah denkt, es wird wohl Regen geben oder ein Gewitter. Wasser riecht Sarah. Literweise Wasser.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hängen bunte Transparente vor dem Buchladen. Schlußverkauf. Vor den beiden großen Fensterscheiben stehen Tische, Bücher sind darauf gestapelt. Man ahnt es, was gibt es sonst beim Buchhändler zu kaufen. Menschen drängen sich vor den Tischen. Gehen in den Laden, verlassen den Laden. Musik strömt durch die geöffnete Tür. Notentöne plätschern durch die Luft, bis der Motorenlärm sie überdeckt. Sarah hört Bens Stimme. Plusternd. Ben winkt ihr zu. Winkt, komm doch ins Wasser. Tauchend schwimmt er ein Stück weiter hinaus, weg von der Ufermauer. Sarah bewundert seine kräftigen Züge. Der See ist kristallklar.

Zwei Stockwerke tiefer öffnet Frau Müller erst das linke, dann das rechte Wohnzimmerfenster von der Straße aus gesehen. Bratenduft verbreitet sich oberhalb der Autoabgase. Wirbelt an der Hauswand entlang Richtung Dach und gegen den grauweißen Himmel. Frau Müller erwartet ihren Mann. Immer freitags. Freitags gibt es bei Familie Müller Braten. Rollbraten, Kalbsbraten, Schmorbraten. Frau Müller mag Braten, Herr Müller mag Braten. Freitagsbraten. Man kann den Bratenduft sehen. Jeder im Haus weiß, wenn es im Hausflur nach Braten riecht, ist Freitag. Sarah liebt Ben. Wenn die Sonne seine braune Haut trocknet, und er nach warmen Wasser riecht. Ben liebt Sarah. Er liebt ihren Blick, wenn er sich naß neben sie auf die Decke legt. Und ihren Aufschrei, wenn er seinen Kopf schüttelt, und ihr Körper von winzig kleinen Tropfen übersät wird.

Sarah meint, ein Grummeln zu hören. Weit weg. Die ersten Anzeichen, das Gewitter naht. Sie fürchtet sich vor Gewitter. Besonders am See. Das scheppernde Tönen, das klingt wie ein Schlag gegen eine große Metallscheibe, schüchtert sie ein. Sie kuschelt sich in Gedanken an Ben. Manchmal treffen sie sich mit Freunden, die im nahegelegenen Dorf ein Haus besitzen. Sophie und Marcel. Die Trommelgeräusche, die sie dort hört, lassen sie frei fühlen, enthemmter. So enthemmt, daß sie sogar selbst anfängt, mit den Händen auf alle möglichen Gegenstände zu trommeln. Keiner stört sich daran, wenn sie nicht im Takt bleiben kann. Bumm, bumm, bumm.

Mit den Händen schlägt Sarah gegen den äußeren Fenstersims. Erste Regentropfen zeigen ihre feuchten Spuren. Sarah versucht, sie mit ihren Fäusten zu treffen. Die Faustschläge auf dem metallenen Sims klingen wie eine Melodie. Sarah gefällt diese Musik. Die Tropfen halten sich nicht an einen Rhythmus. Sie fallen ohne Taktvorgabe. Sarah hört hämmernde Gewittergeräusche. Nah. Sehr nah. Ein aufkommender Wind treibt die größer werdenden Regentropfen in das Zimmer. Sarah schließt das Fenster. Der Teppichboden ist platschnaß, wie durchtränkt. Jemand schlägt mit Wucht gegen die Wohnungstür. Sarah meint, das Geräusch von splitterndem Holz zu hören. Das Geräusch von einem rauschenden Wasserfall. Das Geräusch von einem zerborstenen Wasserrohr, einem Brunnen, der überläuft.

Ein Schwall Wasser wirft sie fast um, als sie die Badezimmertür öffnet, oder war es das Donnergeräusch der Wohnungstüre, in der im selben Moment ein großes Loch klafft?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar