Either Trump or Putin – that’s the question

Alles Theater oder ein abgekartetes Spiel?

Der Schöne und das Biest, Wladimir Putin und Donald Trump. Die weltweit zwei mächtigsten Präsidenten können unterschiedlicher kaum sein, und dennoch gibt es genügend Parallelen, die sich auftun, wer ein wenig genauer hinter die Kulissen schaut. Während The Donald gern cholerisch aufbraust, strahlt Wladimirowitsch die Ruhe selbst aus, egal welch Meldung ihn erreicht.

Im FAZ.NET-Interview unterstreicht der Journalist Luke Harding, inwieweit Moskau Material gegen Donald Trump hat, um diesen jederzeit kompromittieren zu können. Deshalb verhalte sich der US-Präsident eher freundlich und zurückhaltend gegenüber Wladimir Putin, obwohl er ansonsten keine Gelegenheit auslasse, um über andere politische Führer herzuziehen. Von Zufall kann daher keine Rede sein.

Augenauswischerei oder der Wahrheit sehr nahe?

Mit Blick auf die Geburtstage, auf die Sonnenzeichen der beiden Präsidenten, gibt es im Sinne der Astrologie eine nicht unwichtige Parallele. Trump im Sternzeichen Zwillinge geboren und Putin im Sternzeichen Waage, beides dem Element Luft zuzuordnen. Das Lebensmotto des Zwillings bedeutet: Ich bin bereit, bei der Waage: Ich liebe. Die größte Schwäche des Zwillinge-Geborenen: Ungeduld und Hast, beim Waage-Geborenen: Überschätzen von Äußerlichkeiten und Snobismus. Der cholerische Ami und der narzißtische Russe. Keine gute Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Natürlich kann man spekulieren, ob die Rolle der Geheimdienste der Wahrheit nahe rücken, das Verhalten eines MI6 oder des alten KGB, des neuen FSB, die vielen Versuche auswerten, was da auf politischer Bühne alles angestellt wird, denken wir an den Skripal-Fall, ob ein guter Putin den bösen US-Westen an der Nase herumführt. Es ändert nur nichts an der weiteren Aggression gegenüber anderen Nationen, an den erneuten Rüstungswettlauf bis hin zur Gefahr der Ausweitung des dritten Weltkrieges.

Trumps Aufhebung des Iran-Abkommens der Anfang vom Ende

Zu Beginn dieses Jahres stellte sich die berichtigte Frage, wieviel Trump die Weltgemeinschaft verträgt. Wer A sagt, sollte unbedingt auch B sagen. Insofern muß man einen smart wirkenden Wladimir Putin mit einkalkulieren. Nicht in dem Sinne, ihm den Maidan und in Folge die angebliche Annexion der Krim anzulasten oder die Sympathien für den Iran und Syrien. Vielmehr im eigenen Land keine Opposition zuzulassen, das russische Volk verhält sich viel zu leise, man entdeckt kaum künstlerisches Schaffen, befreit von der Doktrin eines gewissen Protektionismus, der vorherrscht.

Donald Trump versucht dies unübersehbar in den USA selber nachzuäffen mit seinem Credo des „America First“, nachdem die weltweit größte Wirtschaftsmacht jahrzehntelang den American Way of Life propagierte und somit auslebte. Man darf bezweifeln, daß dies Trump dauerhaft gelingen mag, vor allem wenn Armut sich vermehrter im Lande ausbreiten wird.

Trumps Aufhebung des Iran-Abkommens war letztlich der Startschuß zu einer neuen Dimension kriegerischer Auseinandersetzung, die nicht nur den bestehenden dritten Weltkrieg wesentlich mehr anheizt, sondern darüber hinaus auch den Anfang vom Ende einleitet. Viel zu eng verflochten sind die bestehenden Allianzen, wirtschaftliche Ab-hängigkeiten bedeuten verstärkte Unsicherheiten, Risiken, die somit alle betreffen. Dann gibt es kein Wegducken mehr, erst recht, wenn diplomatische Kanäle ihre Rolle mißbrauchen, denken wir z.B. an den neuen US-Botschafter Richard Grenell, der sich eher wie ein „Kettenhund“ von Donald Trump verhält.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Arturs Fahne

https://pixabay.com/de/hunger-hungrig-essen-cookie-keks-413685/

pixabay.com

Liebste Lilli, Liliane,
ich hab´ eine Fahne…

Bewegung, wenig Essen,
täglich werde ich gemessen.

Dazu geknetet, massiert,
mein Körper wird traktiert.

Ich bin ausgebüxt,
Gelegenheit genützt.

Wollte in die Stadt,
endlich essen satt.

Habe mich verlaufen,
nichts war mit Eis kaufen.

Eine ganze lange Nacht
habe ich im Freien verbracht.

Endlich wurde ich gefunden,
abgemagert, zerschunden.

Es gab keine Extraportion,
Hunger, groß wie ein Bataillon.

Hier können sie nicht kochen,
bin nur noch Haut und Knochen.

Habe aus Bettlaken Fahne gehisst.
Lilli, dein Essen wird vermißt.

Bei deinem nächsten Besuch
leg Essen unter den Baum mit Tuch.

Ich rieche schon deinen Braten,
kann das Wiedersehen kaum abwarten.

Grüße von der Kur,
dein Dich liebender Artur.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Berlin: Hausbesetzungen am „Karneval der Kulturen“

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/30/Koepi_entrance.jpg/640px-Koepi_entrance.jpg

Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5

Wohnungsnot und Hausleerstand entfachen not-wendigen Widerstand

Egal wie man sie auch bezeichnen mag, ob Wohnraum-Aktivisten oder Hausbesetzer, ihr beherztes Anliegen bedeutet in der Sache nichts anderes, als daß etwas grundlegendes verkehrt läuft seitens des gesellschaftlichen Zusammenlebens, insofern auch die Politik versagt.

Das verdeutlichen somit die jüngsten Hausbesetzungen am „Karneval der Kulturen“, der bis heute in Berlin stattfindet, um auf den Mietwahnsinn deutlich hinzuweisen. Einerseits kann niemand die prekäre Lage am Wohnungsmarkt übersehen, andererseits widerspricht dem Hausleerstand, ist dadurch eben nicht entschuldbar. Es soll sich um neun Häuser in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln handeln, die besetzt wurden, wie der Sprecher Winfried Wenzel mitgeteilt hat.

Steigende Mieten und die Ignoranz verantwortlicher Politik

Da läuft einiges völlig aus dem Ruder. Während die Immobilienbranche stets wohlwollend hofiert wird, haben Mieter das Nachsehen, steigende Mieten belasten den Wohnungsmarkt. Am 14. April protestierten mehr als 10.000 Menschen in Berlin gegen steigende Mieten, laut Veranstaltern waren es wohl an die 25.000, die Wohnungspolitik versagt weiterhin, allein im Stadtteil Neukölln sollen die Mieten zwischen 2009 und 2017 um bis zu 143 Prozent gestiegen sein, wie das Bündnis Bezahlbare Mieten Neukölln berichtet hatte.

Ein Skandal sondergleichen. Inwieweit die Bundespolitik die Sorgen und Belange der Bevölkerung mit Füßen tritt, kommentierte Querdenkende vor knapp zwei Jahren, als Barbara Hendricks beim Wohnunungsmarkt allen Ernstes japanische Verhältnisse gefordert hat. Leute bräuchten nicht mehr als 30 Quadratmeter zum Leben. Welch Dekadenz und Uneinsichtigkeit, die Sozialdemokraten dürfen sich nicht wundern, daß reihenweise dieser Partei der Rücken gekehrt wird.

Mit der Provo-Bewegung folgten Hausbesetzungen

Es war u.a. der anarchistische Philosoph Roel van Duijn, der im Mai 1965 die Gruppe Provo gründete, um das Establishment zu hinterfragen, die niederländische Königsfamilie, aber auch das Verhalten einer gewaltbereiten Polizei bei Demos. Schon zwei Jahre später löste sich die Gruppe auf, weil ein „revolutionärer“ und ein „reformistischer“ Teil innerhalb der Bewegung sich nicht einigen konnte.

Dennoch diente deren „Weiße-Häuser-Plan“ als Vorbild, fand auch Nachahmer in Deutschland, in den 1970er und 1980er Jahren folgten vor allem in Berlin und Frankfurt entsprechende Hausbesetzungen, zunehmend in vielen anderen deutschen Städten, denken wir an die heftigen Widerstände in Hamburgs Hafenstraße. Das Strafrecht gegenüber Hausbesetzungen kann nur angeprangert werden, ungerechtfertigte Strafmaßnahmen wegen Hausfriedensbruch und daraus folgende Einschüchterung stehen einem jahrelangen Leerstand gegenüber, der eben nicht zu rechtfertigen ist hinsichtlich anhaltender Wohnungsnot sowie unverhältnismäßigen Mietpreissteigungen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

Veröffentlicht unter Proteste und Widerstände | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wieder getroffen

https://pixabay.com/de/verzweiflung-krieg-hilflosigkeit-3351811/

pixabay.com

Zeitvergessen lächeln wir uns an,
Seelenfedern haften an uns dran.
Selbst in den Vergangenheitsgedanken
fehlende Jahre sind keine Schranken.

Ein Falter, ein Schmetterling fliegt vorbei,
er trägt keinen Namen, so ist es, einerlei.
Bomben sollen Ruhe, Frieden schaffen,
ein Fluch, ein Flug, Geld zusammenzuraffen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Was man heute kann besorgen, gibt es aber nicht mehr morgen

https://pixabay.com/de/figur-mann-fernglas-zaun-gag-2687801/

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Mit derartiger Einstellung handeln die Mächtigen dieser Welt, allen voran solche Figuren wie jener „blonde Dolle“, der beim Twittergewittern mal eben den Namen seiner Angetrauten verkehrt schreibt. Was soll’s, welch erfreulicher Fehler mit hohem Unterhaltungswert, während irgendwo da draußen Menschen verhungern, zerfetzt werden, weil sie versehentlich auf eine Mine traten oder eine Bombe explodiert, die ein verirrter Fanatiker zündet in dem Glauben, 72 Jungfrauen warten auf ihn, um ihm sexuell zu Diensten zu sein.

Der Irrwitz einer verkehrten Welt, in der Lug und Trug an der Tagesordnung. Das wissen die meisten, doch daran etwas zu ändern, erscheint letztlich unmöglich. Warum? Weil gewisse Mächte sich stets durchsetzen, den Verlauf der Geschichte bestimmen. Was man heute kann besorgen, gibt es aber nicht mehr morgen. Einfach nur so dahergeschrieben? Keineswegs.

Beispiele jener Aussage gibt es haufenweise. Suchen Sie sich ein Gebiet, ein Thema, einen Aspekt heraus. Natürlich sollte man nicht dieses „morgen“ auf die Goldwaage legen, es kann auch für ein paar Tage später gelten, es handelt sich ums Prinzip, wie schnell der gewohnte Alltag plötzlich nicht mehr besteht, eine besondere Situation Notlagen erschafft. War es heute noch möglich, einen Vollzeitjob auszuüben, kann morgen bereits dieser wegrationalisiert werden. Im Moment leben wir wenigstens in Europa in Frieden, morgen mag Krieg uns bedrohen. Noch drehen wir den Wasserhahn auf, um kostbares Trinkwasser zu verschwenden, morgen tobt der Wassernotstand, der weite Teile der Erde beherrscht.

Nichts hat ewiglich Bestand, Mensch selbst bestimmt durch sein Handeln, was mit ihm und seiner Umwelt geschieht. Lebt er ahnungslos und weiterhin kurzsichtig dermaßen unverantwortlich in den Tag hinein, muß er mit den desaströsen Folgen ums eigene Leben ringen, sodaß sehr viele Opfer am Ende zu beklagen sind. Obwohl die Wege logischer Konsequenzen allemal längst bekannt, wird weiterhin viel zu halbherzig entsprechend vorgesorgt, ignoriert die Masse die sich abzeichnenden Katastrophen und Notlagen.

Man könnte dies auch als gezielte Verdrängung bezeichnen, es lebt sich damit ein wenig einfacher, man schaltet ab, Ablenkung waltet in allerlei Formen, ob mittels Drogen oder Konsumrausch, Hauptsache den Folgen ignoranten Treibens nicht ins Auge schauen, Sodom und Gomorrha in Reinform. Das biblische Gleichnis wird exzessiv ausgelebt.

Trotz all jenes düsteren Wandels, der uns bevorsteht, ein Fünkchen Hoffnung am Horizont? Sicherlich, Mensch benötigt seinen Restoptimismus, ohne dem kein Weiterleben möglich. Vielleicht setzt sich am Ende doch ein Paradigmenwechsel durch, hin zu geistigen Zielen, weg vom ewiglichen Materialismus, der zerstörerisch und rücksichtslos so viel Leid verursacht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

Veröffentlicht unter Meinung | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Opfer als fragwürdiges Gesellschaftsphänomen

https://pixabay.com/de/maya-zeremonie-opferzeremonie-2422086/

pixabay.com

Zwischen Arbeit und Anerkennung, Leid und Schaden

Manchmal ist es definitiv schade, nicht gänzlich einen, nein, mehrere Blicke in die Vergangenheit werfen zu können. Sicherlich durch Ausgrabungen, schriftliche Mitteilungen, mündliche Überlieferungen ist uns einiges über das Leben, das Verhalten, die Gedanken unserer Ahnen bekannt.

Manches erscheint uns fremdartig, weil es nicht mehr mit unserem heutigen Wissenstand vereinbar ist, oder weil es eine abartige Handlung darstellt, die nicht explizit sich über alle Menschengeschlechter verbreitet hatte. Weder die Handlung noch die gedankliche Rechtfertigung ist bis heute zufriedenstellend geklärt, wenn Gruppierungen, Gesellschaften zu welchem Nutzen auch immer, Opfergaben dargebracht haben. Für wen oder was geopfert wurde, wird in diesem Text bewußt nicht näher eingegangen, denn dies ist irrelevant und austauschbar. Die Opfer hingegen nicht, sie sind weder irrelevant noch austauschbar.

Opfer, mittelhochdeutsch opfer, althochdeutsch opfar, rückgebildet aus opfern. (Duden) Synonyme sind Einsatz, Preisgabe, Verzicht, Geschädigter, Leidtragender, Kanonenfutter.

opfern, mittelhochdeutsch opfern, althochdeutsch opfarōn, ursprünglich etwas Gott als Opfergabe darbringen, (kirchen)lateinisch operari, einer Gottheit durch Opfer dienen; Almosen geben; vgl. operieren. (Duden) andere Begriffe sind hergeben, schenken, sich aufopfern, preisgeben, auf sich nehmen.

Interessant, operieren ist sprachverwandt mit opfern, wußten Sie das?

Operieren, lateinisch operari, arbeiten, sich abmühen, zu opus, Opus. (Duden) Andere Wörter sind, eine Operation durchführen, aufschneiden, handeln, verfahren, wirken, agieren.

Opus, lateinisch opus, Arbeit; erarbeitetes Werk. (Duden) Andere Begriffe sind, Arbeit, Erzeugnis, Kunstwerk, Produkt, Schöpfung, Kreation.

Nun kann man sich fragen, sahen unsere Vorfahren Arbeit, Schöpfung als Opfer an? Und wenn dem so war, war es ein selbstloses Opfer, ein Entbehren oder ein erzwungenes Opfer, weil es erforderlich war?

Im sprachlichen Gebrauch kann Opfer für eine kultische Handlung als Opfergabe, als ein Entbehren zugunsten anderer, als jemand, der zu Schaden gekommen ist, benannt werden. Kultische Handlungen, bei denen Opfergaben dargereicht, getötet wurden, sind bis in die tiefen Weiten der Vergangenheit bekannt. Diese Opfergaben stellten in vielen Fällen für andere Entbehrungen dar, und waren die Opfergaben Menschen, so sind diese zu Schaden gekommen. So lapidar kann man das beschreiben, aber wird man dadurch zu dem Wort Opfer näher hingeführt, kann man das Wort, den Begriff besser verstehen?

Steckt nicht mehr hinter diesem Begriff? Ist jede Arbeit ein Opfer? Ist das Opfer die Arbeit? Würden Tiere, könnten sie sich uns mitteilen, ihre tägliche „Arbeit“, nach Nahrung suchen, Nest oder Höhle bauen, oder was Tiere sonst noch so alles treiben, um sich naturgemäß wohlzufühlen, diese Tätigkeiten Opfer nennen? Opfern sie Gaben oder gar Artgenossen, um bestimmte Ziele zu erreichen?

Schätzungsweise würden sie dies verneinen, bis wir ihnen diese Frage gestellt hätten. Denn die Frage könnte das ein oder andere Tier dazu verleiten, lassen wir die Beweggründe offen, seine Arbeit, seine Schöpfung, seine Kreation als Opfer zu sehen, in dem Moment, wenn er sich selbst als Opfer versteht.

Wer Opus, Arbeit, Schöpfung als operieren, sich abmühen, bewertet und ansieht, der wird sämtliche Handlungen als Opfer, als Leidtragender, der sich opfert, der Schaden nimmt zugunsten anderer verstehen. Die Folge der Opferrolle wird oder kann dazu führen, andere zu Opfern zu machen, anderen Menschen Schaden zuzuführen.

Soll demnach die gesamte Schöpfung eine Aufopferung sein? Sind wir demnach alle Opfer? Welchen Sinn hätte das?

Sisyphos, der große Weisheit besessen haben soll, hat den Totengott Thanatos verärgert, sodaß dieser ihm als Strafe einen Felsblock auf einen Berg rollen läßt, der kurz vor dem Gipfel wieder herunterrollt. Hat Thanatos Sisyphos zur ständigen Opfergabe dadurch gezwungen, und warum hat Sisyphos, der Weise, sich aufopfernd diesem Schicksal ergeben?

„The Madman of Naranam“, die Legendenerzählung von Naranath Bhranthan, schildert die Freude, die man erleben kann, wenn man einen Felsblock vom Gipfel nach unten rollen läßt. Nicht als Opfer, sondern als schöpferischen Akt, dem man immer wieder gerne zusieht.

Selbsternannte Opfer, Menschen, die böswillig in Form von Sprache oder Handlungen sich wohl fühlen in ihrer Opferrolle, weil sie dadurch Beachtung, Anerkennung erlangen wollen, tragen dazu bei, Opfer zu verhöhnen. Die Opfer, die sie durch ihre Unfähigkeit, sich schöpferisch am Leben zu beteiligen, als Opfergabe entbehren, damit sie selbst das Gefühl haben, etwas zu erreichen, ohne Verzicht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Märchen vom Gasbar ohne Furcht und Tadel – Teil 2

https://pixabay.com/de/grau-hauskatze-mieze-katzengesicht-2542867/

pixabay.com

Je näher der Kater dem Haus kam, desto vorsichtiger und auch daher langsamer, gezielter waren seine Schritte. In geduckter Haltung, jederzeit bereit zum Sprung, begab er sich zu einem hell erleuchteten Fenster ohne Vorhänge und Gardinen, sprang elegant auf den Fenstersims und spähte hinein. Im nächsten Augenblick meinte Gasbar, sein Blut würde in den Adern gefrieren, dermaßen schockierte ihn das Geschehen im Raum, der viel eher als ein großer Saal sich entpuppte. So viele Katzen in Käfigen hatte er sein Lebtag noch nie gesehen, geschweige denn gewußt, daß es Menschen gab, die skrupellos seine Artgenossen einsperrten.

Ein gefährlich scharfer Luftzug hinter seinem Nacken verriet ihm gerade noch rechtzeitig die aufkommende Gefahr, mit zielsicherem Satz sprang er einer Sprungfeder gleich nach oben, krallte sich sofort am oberen Blendrahmenholz fest, zog sich mit einem Ruck selbst in die Höhe, um gleichzeitig beim nächsten Sprung auf dem Fenstersims der ersten Etage zu landen. Der verblüffte ältere Herr weit unter ihm fiel der Länge nach hin, ein großes Fangnetz in der rechten Hand, welches er losließ, um sich aufzustützen. Gasbar lachte ihn zu Recht aus, rannte aber sicherheitshalber in Windeseile von Fenster zu Fenster, die ziemlich dicht beieinander lagen, erreichte einen Ahornbaum, dessen großen Äste ihm eine sichere Brücke boten und war bereits gut getarnt fast ganz oben in dessen Krone, bevor der Alte wieder aufgestanden. Fluchend schlurfte dieser zurück ins Haus.

Gasbar schnaufte tief durch vor Erleichertung, soeben diese Gefahr gemeistert zu haben. Dabei schärfte er an der glatten Rinde des Laubbaumes seine Krallen, weiterhin den Hauseingang im Visier. Doch der Greis tauchte nicht mehr auf, eine Taube flatterte laut gurrend von der Dachrinne in Richtung der nahe stehenden Kirche, um auf dem Wetterhahn sich zu platzieren. In weiterer Entfernung hörte der Kater ein Martinshorn und zwei hupende Autos.

Irgendwie war er heilfroh hier oben, mußte aber an das traurige Schicksal der Katzen in den Käfigen denken, sann nach, welche Möglichkeiten es vielleicht gab, ihnen zu helfen, sie gar zu befreien.

Eine beispielhafte Befreiungsaktion

Langsam begann es zu dämmern, Nebelschwaden stiegen auf, während der Glockenschlag der Kirchturmuhr zur vollen Stunde sieben Mal erklang, ein Rabenpärchen drüben im Park sich laut krächzend neckte. Gasbar krümmte und streckte sich ausgiebig, um im nächsten Moment routiniert rückwärts den Ahornstamm nach unten zu steigen. Gerade wollte er das letzte Stück mit einem Sprung abschließen, als er jäh innehielt, gerade noch rechtzeitig stoppte.

Unten saß recht aufmerksam ihm entgegenblickend eine rothaarige Katze mit wunderschönen blauen Augen. Da sie keine Anstalten machte, ihn anzulauern, stieß Gasbar nunmehr ab und vollendete elegant, landete einen knappen Meter neben ihr.

„Nanu, wen haben wir denn hier, du wunderschönes Tier?“, begann Gasbar voller Verwunderung sie zu bezirzen, „in etwa verlaufen? Oder wolltest du mir entgegenfiebern. Ich heiße übrigens Gasbar, konnte gerade so dem Sturm entkommen.“ Die Rothaarige schaute ihn ziemlich verwundert an, lief in einem großen Bogen um ihn.

„Hallo Gasbar, ich bin die Jolie und frage mich gerade, von welchem Sturm du sprichst. In den letzten Tagen hatten wir eher ruhiges Spätherbstwetter. Und wieso schläfst du des nachts auf einem Ahornbaum? Es gibt sicherlich bequemere und vor allem wärmere Plätze, oder?“, erwiderte Jolie und stand sehr nah vor ihm, schaute in dessen bernsteinfarbene Augen. Gasbar hingegen war sichtlich angetan von ihr, schmolz nahezu dahin über dieses rothaarig, rassige Wesen, hatte sich somit Hals über Kopf in sie verliebt. Natürlich bemerkte dies Jolie, genoß dieses Gefühl der Anhimmelung in vollen Zügen.

Jedoch wurden sie plötzlich unterbrochen, aus dem Haus mit den vielen Fenstern und dem Saal gefangener Katzen stürmte der alte Mann, der noch Gasbar fluchend fangen wollte, richtete ein Gewehr auf sie. Im allerletzten Moment hechtete das Traumpaar hinter eine nahestehende Mauer, rannte weiter über einen Hof und verschwand durch ein unscheinbares, offenes Kellerfenster. Sie befanden sich in einem ehemaligen Kohlenkeller, in dem allerlei Sperrmüll lag, hatten beide Glück gehabt, weil direkt unter dem Fenster ein großer Glasscherbenhaufen lag, sie aber knapp diesen beim Sprung verfehlten.

„Oh, Jolie, endlich komme ich dazu, mich zu erklären. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Hm. Heute Nacht stürmte es tatsächlich ganz heftigst, das Dach meiner Menschenfamilie, den Webers, wurde ein Stückweit abgedeckt, sie verletzten sich sogar teilweise, kamen ins Krankenhaus. Ich selbst konnte mich gerade noch retten, suchte das Weite, bis mir eine Elfe namens Daringia begegnete“, erzählte er Jolie aufgeregt, „diese bot mir Hilfe an, sie würde mir drei Wünsche erfüllen. Obwohl sie mich vorher belehrte, sprach ich ziemlich leichtsinnig und viel zu schnell sie aus.“ Gasbar zögerte extra, um ihre Neugier herauszufordern.

„Und was hast du dir gewünscht, mein Süßer?“, fragte sie, kam ihm sehr nah, umarmte ihn dabei liebevoll. Gasbar wollte schon sich gehen lassen, besann sich aber, um fortzufahren.

„Bei meinem ersten Wunsch sollte der Sturm sofort enden, beim zweiten das Haus der Webers so ganz sein wie vorher und als ich meinen dritten Wunsch aussprach, ich wolle bei meiner Familie, meinen Eltern und Geschwistern sein, befand ich mich im nächsten Moment in einem sehr kleinen Raum, wo sie alle tot dalagen, konnte mich gerade noch befreien, bevor ein Mann mich aufgriff.“ Jolie schaute ihn bestürzt an, tröstete ihn innigst.

„Das tut mir aber sehr Leid für dich. Dennoch, wieso hast du dann den Ahornbaum bestiegen?“, fragte sie. Er erzählte ihr von dem großen Saal und den vielen Käfigen, in denen Katzen gefangen sich befanden.

„Ah, jetzt verstehe ich“, sagte Jolie, „da kann ich dich beruhigen, nichts leichter als das. Wir werden sie allesamt befreien, laß mich mal machen.“ Dabei lächelte sie ihn an, forderte ihn auf, ihr zu folgen. Forschen Schrittes begaben sie sich zu einem großen Platz, wo die Kirche war. Ein herzzerreißender Schrei folgte aus ihrer Kehle. Kurz darauf erschienen jede Menge Katzen, Gasbar hörte nach fünfzig gezählten auf, wußte am Ende, daß es wohl weit über hundert sein mußten. Jolie berichtete von dem Haus mit den gefangenen Artgenossen und niemand zögerte auch nur eine Sekunde, nicht helfen zu wollen.

Als sie das Haus erreichten, ward der alte Mann nicht zu sehen. Sicherheitshalber teilte sich die Katzenschar auf. Einige schauten vom Fenster in den Saal, andere postierten sich rings ums Haus, um notfalls Alarm zu schlagen, der Großteil ging gezielt hinein, da die große Haustüre nicht abgeschlossen war. Selbst die Tür zum Saal war sperrangelweit geöffnet, die Häscher waren sich ihrer Sache allzu sicher, weil die Katzen in den Käfigen sich befanden, ohnehin nicht entkommen konnten.

Trotzdem blieben einige Katzen im Flur, um aufzupassen, während ihre Kollegen nach und nach die Käfigtüren öffneten und die Gefangenen freudig herauskamen. Ein heftiges Fluchen ließ sie allesamt ganz kurz erstarren, Gasbar und seine neuen Freunde stürzten sich voller Wut auf den alten Mann, der schon das Gewehr zum Schießen angehoben hatte. Im nächsten Moment entglitt ihm dieses, vier Katzen schleiften es weg, mehrere zerkratzten ihm Gesicht und Hände. Keine zwei Minuten dauerte die Befreiungsaktion, dann waren alle draußen unterwegs, begaben sich in den Kirchpark.

Große Freude herrschte untereinander, Jolie und Gasbar sahen sich liebevoll an, sprangen auf einen großen Stein und verkündeten ihren Freunden, daß sie schon sehr bald sich vermählen würden. Alle stimmten fröhlich zu und verabredeten sich, gern dann mitzufeiern. Ganz oben, in einer Kastanie hing ein altes, leeres Vogelhäuschen, dort saß die Elfe Daringia und schaute ihnen erstaunt zu. Und wenn Gasbar und seine Frau Jolie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Lotar Martin Kamm

Das Märchen vom Gasbar ohne Furcht und Tadel – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar