Letzter Vogel

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Zigarettenkippen waren seine Nackenstützen.
Sein Lächeln will sich nicht vertreiben lassen.
Wir fuhren an die Küste, da war kein Meer,
karge Felsen, wir schluckten verbrannten Sand.

Die Schaukel zündelte im Wind, ein Seil am Balken.
Seine Worte hallten im Ohr wie durch Kies gerieben.
Kein Storch bringt dich in die verlassene Weltkloake.
Unsere Schritte schrieben an Ratten Wegwerfgedanken.

Scherben von Blumentöpfen standen auf dem Herd.
Gekrümmt trug er mich aus der feuchten Feuerhölle.
Die Schwingen gestutzt, mit Eisen beringt die Füße,
seine Krallen öffneten den Käfig, nie ist es zu spät dafür.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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The Donald im Fadenkreuz der Medien

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Und somit erst recht der Presse. Nun denn, dann gibt’s halt eins auf die Fresse. In solchen Bahnen denkt, wer dermaßen ungehobelt ein Land lenkt wie Humpty-Trumpty die USA, viel zu viele schreien darüber sogar Hurra. Anstatt die Gefahren zu erkennen, tun sie ihm lieber hinterherrennen. Man nennt sie och Speichellecker ohne Sinn und Verstand, nur mal so am Rand.

Verständlich wenn die Franzosen sauer reagieren, wenn The Donald mit seiner Rede vor der US-Waffenlobby NRA tut flanieren, man müsse einfach bei Terror zurückschieße, wenn man den Menschen nur all die Waffen ließe. Ja, hat dieser Präsident denn überhaupt noch Hirn? Nö, aber sich in protzigen Posen bei dieser Gelegenheit verlieren! Obwohl in den Staaten fast jeder mit ner Knarre herumrennt, verbleibt Gewalt dort dermaßen ungehemmt.

In der Tat hat’s den Opfern keineswegs helfen können, das jedoch tut der blonde Dolle völlig verkennen. Mit Respekt hat er ohnehin nix am Hut, dafür geht’s ihm in seiner Rolle jetzt viel zu gut. Deshalb ist ja The Donald im Fadenkreuz der Medien, da hilft och kein Predigen, er möge dies unterlassen, stattdessen heißt’s für ihn, sie weiterhin hassen. Dies bekommen sie immer öfters zu spüren, er weist ihnen längst etliche Türen. Seine Wut geht gar soweit und ist daher bereit, sämtliche Wahlkampfansagen unerschrocken umzusetzen. Das bedeutet, viele verletzen.

Nur wer cholerisch, mafiös unterwegs seine Ziele angeht, selbst wenn man ihn anfleht, hat keinen Sinn für Mitmenschlichkeit, ist zu allem bereit, um selbst in seinem Sinne gut dazustehen. Wer ihm widerspricht, muß halt gehen. Jene „You are fired“-Mentalität hat längst diese gewohnte Irrationalität, die dem Land nicht gut bekommt. Wann wird dann weltweit noch mehr gebombt?

Die Antwort läßt bestimmt nicht allzu lang auf sich warten, es lauern viele Krisen in Mutter Erdes Politikergarten. Haste nen Trump am Sack, egal mit welchem Pack an dessen Seite, suche am besten schnell das Weite. Das kann latürnich nicht gutgehen, da hilft kein inniges Überstehen, sondern besser die Seiten zu wechseln. Da kannste anderes Holz zwar drechseln, aber deine Lage bleibt fatal, wird sowieso zur Qual.

Mit Blick ins politische Weltgeschehen werden eben keine Wunder geschehen, vielmehr mit The Donald die Apokalypse schneller forciert, genau das passiert. Man könnte es positiv betrachten, auch wenn grauenvoll solch Gedanken böse Träume entfachten, die Welt kommt dennoch zeitiger zur Ruhe. Na, passen uns echt solche Schuhe? Oder sollte jemand diesen blonden Dollen besser stoppen? Kann man das echt toppen? Wer weiß, ganz ohne Scheiß, nicht jeder ist einfach austauschbar, das ist schon klar. Am Ende siegt vielleicht der Verstand, dann steht auf mancher Wand:

Humpty-Trumpty sat on the wall,
Humpty-Trumpty had a great fall,
all the women and all the men
won’t put Trumpty together again.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Badeausflug fällt ins Wasser

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Sonnendurchflutet die Landschaft,
Badegäste lärmend sich tummeln.
Manche auch versteckt fummeln,
andere haben sich mühsam aufgerafft.

Eine leise Brise Wind,
Kinder plantschen freudestrahlend.
Halbstarke unterwegs, prahlend,
andere sich fragen, wo sie sind.

Dunkle Wolken am Horizont,
die Menge packt aufgeregt ihre Sachen.
Schon hört man überall Donnerkrachen,
ganz schnell naht eine Schlechtwetterfront.

Regennaß, verlassen der schöne Ort,
Vögel suchen geschwind manch Wurm.
Inzwischen tobt dort draußen ein Sturm,
die Menschen sind allesamt fort.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Jemandem etwas angenehm machen

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Dienlich sein eine Art Unterwürfigkeit

„Schatz, warum liebst du mich?“ Nicht wenigen ist diese Frage bekannt und oftmals äußerst schwierig in der Beantwortung. Sagen sie, weil ich dir etwas angenehm mache, so wird wahrscheinlich der Fragende enttäuscht sein, aber genau dies bedeutet „lieben“.

lieben, mittelhochdeutsch lieben, althochdeutsch liuben, -ōn, -ēn, jemandem etwas angenehm machen. (Duden)Synonyme sind, anbeten, gernhaben, vergöttern, zugetan sein, anhimmeln, mögen.

Wahrscheinlich ist mit „lieben“, jemandem etwas angenehm machen, in seiner Ursprungsaussage nicht unbedingt die Liebe zwischen Partnern gemeint, vermutlich bezog sich „lieben“ auf die Liebe zu einem Kind. Das ist allerdings die Meinung der Schreiberin und nicht allgemeingültig, noch wissenschaftlich, sprachwissenschaftlich belegt.

Ohne weiteres kann, „jemanden etwas angenehm machen“, auch bedeuten, jemanden dienlich zu sein, das wiederum den Beigeschmack von niedrigem Dienst jemanden gegenüber trägt und eher wenig mit Liebe zu tun hat, sondern mit einer Art Unterwürfigkeit. Das „angenehm machen“ für ein Baby ist eine Tätigkeit ohne Gegenleistungsforderung, ein Entbehren ohne Verzicht auf eigene Belange.

Oft dürfen und durften gerade Frauen die Erfahrung machen, sie seien verpflichtet ihrem Partner, Mann gegenüber, alles zu seiner Zufriedenheit zu leisten, damit es ihm gut geht. Im Gegenzug dürfen und durften Frauen seinen Schutz genießen. Eine einseitige Sicht für lieben, angenehm machen, oder?

Egal in wie viele Kategorien Liebe aufgenommen wird, ob man sie Selbstliebe, Nächstenliebe, Partnerliebe, Gottesliebe und noch etliche mehr nennt, sie ist überall ein „angenehm machen“, das man gern macht.

gern, mittelhochdeutsch gerne, althochdeutsch gerno, Adverb zu gern, eifrig, ursprünglich, begehrend, verlangend; vgl. Gier (Duden) andere Begriffe sind, bereitwillig, freudig, anstandslos, widerspruchslos.

Die Stärke der Liebe kann man am besten mit dem Adverb gern beschreiben, wenn man weiß, daß gern und Gier miteinander sprachverwandt sind. Begierde, Unersättlichkeit, Verlangen, Begehrlichkeit, Wollust, sind Umschreibungen von Gier. Aber auch Habsucht, Raffgier.

Habsucht und Raffgier sind übersteigerte „angenehm Macher“. Sie sind verlangende Liebe, die man eifrig begehrt. Auch hier macht man es jemanden bequem, weil man es gern macht, mit dem Unterschied, daß es nicht aus Entbehren ohne Verzicht geschieht, sondern aus Begehren, des Begehrens (jemanden etwas angenehm machen) willen.

Jemanden lieben, ihm etwas angenehm machen bedeutet nicht, ständig vor jemanden auf die Füße fallen und für ihn jedes Stück Holz aus dem Feuer holen, jeden Krümmel zu beseitigen, ständig nur sein Glück vor Augen zu haben. Wäre dies so, würde „lieben“ Aufopferung, völlige Selbstaufgabe bedeuten. Das kann ein wirklich Liebender nicht als Antwort auf seine Frage; „Warum liebst du mich?“ hören wollen. Schon eher hört er oder sie gern, du kannst so wunderschon lachen, du besitzt Charakterstärke, du gibst mir das Gefühl, nicht alleine zu sein, mit dir kann man Pferde stehlen oder was auch immer, es darf ruhig auch romantischer, herzlicher, ironischer klingen. Jemanden etwas bequem machen, kann so einfach sein, finden sie nicht auch?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Neulich am Strand – irgendwo am Meer eines südeuropäischen Landes

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Herrlich dieser Blick bis zum Horizont, wenn dessen eigentlich scharfe Linie des Himmels und der Meereswogen sowie Schaumkronen im Graublau sich aufzulösen scheint. Eine unaufhörlich leise wehende Brise Salzluft umrahmte zusammen mit dem wohlbekannten, unverkennbaren Geschnatter der kreisenden Möwen die Szenerie der Meereslandschaft, wobei der helle Sandstrand im Vordergrund das Entree bot, egal wer da auch kommen mochte; irgendwo am Meer eines europäischen Landes spielte sich die folgende Begebenheit ab, mag es den einen befremden, während der andere mit schmunzelnder Mimik ein gewißes Verständnis erwidert.

Mittagszeit bedeutete hier im Süden Siesta, wobei auch darüber bestimmte Herrschaften längst entschieden haben, sie abschaffen zu wollen zugunsten einer gefälligst hocherfreuten Arbeitnehmerklientel, die jeden Job, unter welchen Auflagen auch immer, still erduldend annehmen sollte. Doch die traditionsverwurzelte Volksseele wollte da gar nicht so gerne folgen, wie viele Medien scheinheilig und indoktriniert tunlichst nicht zu berichten wußten, sondern eher über Umwege die Menschen abzulenken versuchten. Meistens glückte das auch, weil Mensch nun mal bequem sich fügte und seiner Rolle gerecht werdend funktionierte. Aber der Wirt hatte seine Rechnung ohne die Jugend gemacht, weil diese stets ihren eigenen, trotzigen Kopf durchsetzte.

Und nun schlenzten die Jugendlichen vorbei an den tapferen, unwissenden Badegästen, wobei man viel eher diese ewig Sonnenhungrigen genau deshalb nicht mehr bedauern sollte. Ein jeder halbwegs gebildete Sommerurlauber wußte auch, daß erst recht hier im Süden die hoch oben am Himmel stehende Sonne erbarmungslos jeden Hautfleck bestrahlt, einem bevorstehenden Hautkrebs stückweise näher rückt. Laufen Sie mal zügig über trockenen Sand, nach eine Weile wird ziemlich schnell klar, wie ermüdend sämtliche untrainierten Muskeln sich zurückmelden. Doch Jugend kennt keinen Schmerz, sie tobt sich aus im ewig gleichen Ritual der Selbstfindung auf dem Weg in die knallharte Erwachsenenwelt, die sie somit gar nicht wahrhaben will. Nein, die Rebellion verlangt nach leichten Opfern. Und da kommt der Reiz, die Neugier zum anderen Geschlecht gerade recht, spielen die Hormone gänzlich verrückt.

Edith und Horst liebten diesen Meeresstrand, den sie schon seit achtunddreißig Jahren alljährlich in den Sommerferien aufsuchten. Daher kannten sie nicht gerade jedes Sandkorn, das wäre nun wirklich zuviel verlangt, aber das Umfeld nur zu genau. Sämtliche Krisen durften sie hautnah miterleben, die Konjunkturflauten, das Auf und Ab der konkurrenzgebeutelten Tourismusbranche, die kaltschnäuzig, lieblos schnell hoch-gezogenen Hotelanlagen mit ihren langweiligen Betonbalkonen in den Siebziger Jahren, das Meer, Sonne und Strand für Momente weggedacht, und man würde sich wieder irgendwo in einer Plattenbausiedlung einer deutschen Großstadt befinden. Aber jetzt gestaltete es sich hier wesentlich besser. Man umgarnte seine Gäste, bot ihnen viel Abwechslung, Lichtdesign des nachts, schnellen Sex an jeder Ecke inbegriffen, und raffiniert durchstylte Gerichte lockten all jene an, die bei Meeresrauschen und südlicher Wärme den tristen Arbeitsalltag wenigstens in den paar Wochen des Urlaubs vergessen wollten.

Doch zurück zum biederen, deutschen Paar. Edith hatte sich längst aufgerappelt, endlich schwimmen zu gehen. Aber nur bei einsetzender Flut wagte sie sich ins Meer. Niemals wird sie die Schreckminuten vergessen, als bei Ebbe sie fast ganz rausgetrieben wurde in die offene, vor ihr liegende See. Horst konnte sie mit einem schnell herbeigeschafften Boot gerade noch befreien, bevor sie sämtliche Kräfte verließen beim ständigen Versuch, ans rettende Ufer zu gelangen. Nein, nein, nie wieder bei Ebbe! Gerade erreichte sie das milde Nass der auslaufenden Wellen, als zwei Jugendliche sie unbedacht anrempelten. Edith verlor dabei ihr Gleichgewicht und fiel ungeschickt hin, wobei sie kurz erschrocken aufschrie.

„Oh, sorry, Madame, may I help you?”, fragte der schlaksige Jugendliche ziemlich verlegen. Edith hielt ihre rechte Hand an die Stirn über die Augen, um das grelle Sonnenlicht abzuschirmen, nickte mit ein wenig schmerzverzerrter Mimik und reichte ihm ihre Linke, damit er ihr aufhelfen konnte.

„Thanks a lot. You better watch out, you are certainly not alone here on beach, aren’t you?!”, erwiderte sie dabei ermahnend. Soweit reichten ihre spärlichen Englisch-kenntnisse schon noch. Nach kurzem Nicken verschwand er schon wieder zusammen mit den anderen beiden. Kopfschüttelnd setzte sie ihren Gang fort und das südliche Meer empfing sie mit dem ihr wohlvertrauten Geruch. Endlich wieder sich treiben lassen, waren ihre Gedanken.

Und Horst, was tat der Finanzbeamte, der noch die kurze Szenerie des Sturzes seiner Frau aus der Ferne beobachtete? Er hatte längst Augen für viel interessanteres, so wie er das seit einigen Jahren sich nun mal wenigstens im Urlaub gönnte. Edith war viel zu blauäugig und treu, ahnte nicht, welch Abenteuerlust noch in ihm steckte. Er nahm sich einfach das Recht eines Seitensprunges heraus, ohne jedwede Gewissensbisse, Hauptsache, sie würde es nicht bemerken. Das glaubte er zumindest. Bisher war ihm auch noch nie anderweitiges bei Edith aufgefallen. Nein, das hätte er bestimmt bemerkt! Da lagen jetzt ganz in seiner Nähe zwei junge Frauen, um sich zu sonnen. Während die eine auf dem Bauch lag, drehte sich die andere just auf den Rücken und schaute dabei neugierig in seine Richtung, fuhr sich bewußt langsam mit der Zunge über ihre vollen Lippen und lächelte sehr einladend. Horst mußte ein Handtuch in seinen Schoß legen, weil da etwas mächtig anschwoll. Seine nächste Nacht sollte vielversprechend werden, belassen wir es dabei.

Langsam füllte sich der Strand, der Lärmpegel, den so viele Menschen verursachen, schwoll unüberhörbar an. Hektisches Treiben und viel Gelassenheit, jung und alt, dick und schlank trafen aufeinander, viele Nationen waren vertreten, allesamt sonnen- und meereshungrig nach Ferienstimmung und Urlaubsflirt, einmal jährlich dem Alltag ent-rinnen. Manche konnten des öfteren verreisen, ihnen war somit mehr Erholung vergönnt. Andere sparten das ganze Jahr für die wenigen Tage, die kurzen Wochen, wobei der einfache Massentourist hier nicht mehr zu sehen war, sondern angesichts der gestiegenen Preislage viel eher eine gehobenere Mittelschicht. Wirtschaftsinteressen steuern somit das Flair einer anderen Urlaubsklasse, wer zahlt, wird entsprechend freundlichst bedient, dem wird viel geboten in dem relativ begrenzten Zeitfenster, damit die Einheimischen hier vor Ort außerhalb der Saison auch noch existieren können. Denn mit dem Anstieg der Touristenpreise richtete sich die Immobilienbranche gezielt danach, alles wurde schnell teurer.

Edith spritzte plötzlich völlig unerwartet ihren Horst naß, der immer noch Augen für die schöne Schwedin hatte. Jetzt mußte er wieder seinen ehelichen Pflichten nachkommen und revanchierte sich prompt, in dem er Ediths noch feuchten Beine und Bauch sand-werfend bepuderte. Sie rauften sich wälzend im Sand und lachten dabei herzhaft anhaltend.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Blech hauen

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Beispiele gibt es zuhauf,
wer nichts in der Birne hat,
spielt sich überall auf.

Sie machen auf Grand Madame,
oder männlich auf
Jean-Claude Van Damme.

Wenn sie beim Lügen ertappt,
mit Ausreden ihr Hals ist so voll,
der Mund nicht nach unten klappt.

Eine betrügerische Lügenflatrate
ihr knotiges Hirn zusammenhält,
Überheblichkeit hilft beim Laufen.

Ihre Namen sind austauschbar,
mal eine Bekannte, mal ein Nachbar,
ihr Können immer phänomenal.

Gäbe es für ihr Handeln einen Preis,
einen Ordinärpreis wie beim Handel,
„aufs Blech hauen“ wäre eingemeißelt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Reichtum im trügerischen Gewande ewiger Ausbeutung

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Der Schein trügt – das Ende des Überreichtums logische Schlußfolgerung?

Wenn der Tod uns das Ende des Lebens diktiert, wissen wir auch zugleich: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Und so nehmen wir nichts mit als uns selbst ins Reich der Toten, wie auch immer jenes sich gestalten mag. Doch zu Lebzeiten treiben wir uns gegenseitig an im Wettlauf der Eitelkeiten, des grenzenlosen Materialismus, Prestige uns hofieren läßt, egal auf welchen Pfaden auch erreicht.

Das Streben nach Reichtum tief verwurzelt in der Menschheitsgeschichte quer durch viele Kulturen sich offenbart, teils begünstigt durch den Stand, das Familiengeschlecht, aber auch erstritten durch scharfe Klingen im Heeresgetümmel, stets das Ziel der Macht vor Augen, die ihn mit sich bringt. Nicht der Neid soll sich hierbei widerspiegeln, sondern die ernüchternde Feststellung, daß nahezu immer dem Überreichtum Ausbeutung vorausgeht.

Château de Chambord – dekadenter Höhepunkt französischen Machtgehabes

Bei aller Liebe zum Detail, zu allen Künsten, so auch der Baukunst, das Schloß Chambord, welches König Franz I. erbauen ließ (Bauzeit 1519-1549) mit seinen 440 Räumen und 84 Treppen, ist das größte aller Loireschlösser, wobei es lediglich als Jagdschloss diente und vor allem mit der Illusion verknüpft war, er könne Kaiser Karl V. die Krone streitig machen, um dann über das Heilige Römische Reich zu regieren.

Prestigeobjekt und Demonstration der Macht zugleich, während das einfache Volk somit ausgeschlossen war, hilflos sich unterzuordnen hatte im Kriegsgerangel, Hungersnöten. War schon in Zeiten des Pyramidenbaus das Volk willige Arbeitskraft, um Wohlstand, Reichtum zu gewährleisten, setzte sich diese Entwicklung in allen weiteren Geschichtsepochen fort.

Folglich entstanden auch zunehmend gewisse Nutznießer, die letztlich vermittelnd dienten, dennoch Reichtum anhäufend, von Fürsten, Grafen, Lehnsherren, Adeligen, fließende Übergänge trugen sich fort und rafften vielfältiges Vermögen, Landbesitz, stets die Knechtschaft der Bevölkerung im Visier der Macht. Die Geschichte des sich fortschreitenden, weltweiten Reichtums dermaßen verschachtelt, verwurzelt und verbandelt, entwickelte sich stets ungeschoren in sämtlichen Regierungsformen, weil meist derjenige bestimmen konnte, welcher zahlungskräftige Argumente auf seiner Seite hatte.

Früher die Schlösser – heute die Paläste, die Yachten und Inseln

Weiterhin hat er immer noch keine Grenzen, der Reichtum, wenn man bedenkt daß 45 Deutsche soviel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzen. Doch die Superlative lassen sich ohne weiteres steigern, wenn bei einem Theaterbesuch in Paris mal eben die 450 Quadratmeter große Suite Royale im Plaza Athénée für eine Nacht zum Preis von 22.000 Euro gebucht wird oder gar ein malaysischer Geschäftsmann sich eine Luxus-Yacht aus purem Gold und Platin gönnt im Wert von 3,5 Milliarden Euro.

Dabei dürfte das 165 Millionen US-Dollar teure Anwesen des Zeitungsmagnaten William R. Hearst mit seinen 29 Zimmern, 40 Bädern, einer Diskothek im Art-deco-Stil, eigenem Kino, mit einer Wohnfläche von 7.000 m² in Beverly Hills, Kalifornien, noch vergleichsweise günstig erscheinen.

Überreichtum mit weltweit zunehmender Armut immer noch zu rechtfertigen?

Während Kinder noch freudestrahlend vom Schlaraffenland schwärmen, vor allem auch diejenigen, die Bücher, Kinos und PCs neben dem Verreisen konsumieren können und dürfen, tobt da draußen auf Mutter Erde ein ungleicher Kampf ums Überleben. Die Gewinner frohlocken, die Verlierer schauen täglich dem Tod ins Auge – genauso unmißverständlich sollte es ausgesprochen werden.

Auch das Gewissen hat sich zu rühren, Zusammenhänge nicht nur zu erkennen, sondern Wege zu suchen, wie diese Ungerechtigkeit ein Ende finden muß. Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet Überreichtum stets Gewalt am Ende der Kette der Abhängigkeiten. Fairtrade, soziale Bewegungen, gesellschaftliche Aussteiger – alles Antworten von Menschen, die nicht mehr bereit sind, einen Überreichtum fortwährend zu dulden. Dieser hat sich zu überdenken, kann nur fehl am Platze sein, solange Armut, Krieg und Elend herrschen. Gleichnisse dieser Überlegungen gibt es tausendfach in der Literatur, der Musik, in Filmen und auf Bühnen.

Menschen wollen Menschen nicht unbedingt bekehren, aber auffordern, Nächstenliebe zu praktizieren, und diese kann ein solches Ungleichgewicht nicht vertragen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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