Diamanten der Liebe

https://pixabay.com/de/emotionen-paar-verliebt-liebe-3113087/

pixabay.com

Die Liebe gefressen,
befreit von Fußfesseln,
Bewegung fällt schwer,
Liebe wiegt sehr.

Die Küsse verdampfen,
hoch ragt der Schlot,
den Himmel sie erreichen,
der Abend färbt sich rot.

Das Streicheln verzehrt
die hungrigen Gelüste,
Schweißperlen bewässern
die körperliche Wüste.

Die Funken sprühen,
satt das Gefühl,
wenn Schwere, Hunger
nicht enden will.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sipri-Bericht: Von Frieden keine Spur

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=SIPRI&title=Special:Search&go=Go&searchToken=4do8yzo2i1pbco7u913sbb2rg#/media/File:Tariq_Rauf,_Director,_SIPRI_Arms_Control_and_Non-proliferation_Programme_(17308839352).jpg

Wikimedia Commons CC BY 2.0

Kleinlaute Zugeständnisse vor Trumps Forder-ungen?

Die ewige Leier vom Gleichgewicht der Kräfte, um somit höhere Rüstungsausgaben zu rechtfertgen, sollte längst ausgesorgt haben mit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Anfangs gab es auch durchaus Bemühungen in jene Richtung. Jedoch wird weltweit wieder mehr für Rüstung ausgegeben, im Jahr 2017 waren es offiziell 1,42 Billionen Euro. Die Sipri-Spezialistin Aude Fleurant geht für dieses Jahr von deutlich höheren In-vestitionen aus.

Daß von Frieden keine Spur sein kann, sollte spätestens nach dem Jugoslawien-, Irak-, Libyen-, Syrien-, Ukraine-, und Jemen-Krieg deutlich geworden sein. Dabei nehmen die globalen Spannungs- und Krisenherde kontinuierlich zu, was keineswegs per Zufall geschieht. Schlicht und ergreifend spielen Ressourcen sowie daraus folgende Macht-verhältnisse die entscheidene Rolle, wobei die drei Weltmächte, die USA, China und Russland, mit jeweiligen Bündnispartnern sich gegenseitig belauern.

Europas Aufrüstung im Vergleich noch zaghaft

Mit Blick auf die jüngsten Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI erhöhten die mitteleuropäischen Staaten, am höchsten Polen, ihre Rüstungsausgaben um rund zwölf Prozent, die Westeuropäer handeln noch zaghaft mit einer Steigerung von 1,7 Prozent.

Bei der letzten Münchner Sicherheitskonferenz stand die Forderung im Raum, daß Europa aufrüsten soll, während Ursula von der Leyen sich eher transatlantisch distanziert gab. Davon kann inzwischen wohl keine Rede mehr sein, die Bundes-verteidigungsministerin fordert mehr Geld vom Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Trump dient ihr als Trumpf.

Nach hoffnungsloser Stippvisite Merkels bleibt auch der Bundesregierung nichts anderes übrig, als sich dem Bündnis und somit den USA zu beugen. Mit Blick zu all den kriegerischen Einsätzen der zurückliegenden Jahre, wobei der Hegemon überall führungs-herrschend wirkte, schaut es auch in Zukunft ziemlich düster aus.

Zu viele ungelöste Konflikte bringen militärische Szenarien auf den Plan

Der gesamte Nahe und Mittlere Osten ist betroffen, ob in Afrika, in Zentralasien oder zunehmend im Südchinesischen Meer, Konflikte gibt es zur Genüge. Kein Wunder, daß besonders Saudi-Arabien, China und Indien ihre Rüstungsausgaben erhöhen. Dem gegenüber verbleiben jene USA, die alle anderen, was die Höhe anbelangt, in den Schatten stellen. Immerhin belaufen sie sich auf 590 Milliarden Euro, was ca. 41 Prozent weltweiter Rüstungsausgaben entspricht.

Wer dann noch von einer russischen, iranischen oder chinesischen Gefahr lamentiert, dem schenkt man angesichts solcher Kräfteverhältnisse nicht unbedingt uneingeschränktes Vertrauen. Viel eher stellt sich die berechtigt kritische Frage, ob nicht die Amis selbst den weltweiten Frieden gefährden!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Pappel oder das Pableo-Drehkreuz

https://pixabay.com/de/drehkreuz-rostig-schienen-bahnhof-871610/

pixabay.com

Vermutlich stand er bereits Stunden vor dem Drehkreuz, das den Weg über die Gleise versperrte, um zum Flußufer zu gelangen. Und deshalb stand er uns im Weg, weil er nämlich das Vorderrad seines Fahrrades gegen das Metallgestänge drückte, ziemlich genau mittig davon, so daß es auf den ersten Blick aussah, als ob er mit dem Rad das Drehkreuz bewegen wollte.

Wir grinsten uns schon auf dem Weg dahin einen ab, denn das alte Ding war bereits leicht verrostet und nur mit einem größeren Kraftaufwand quietschte das Eisenstück nach vorne. Artig wie wir erzogen waren, stellten wir uns, ein wenig von ihm entfernt, hinten an. Nichts rührte sich. Er umklammerte den Lenker des Fahrrades fest mit beiden Händen, man konnte an den Knöcheln die gespannte weißlich wirkende Haut sehen, eigentlich müßte man bei diesem starken Druck ein Zittern erkennen, doch nichts. Nichts an ihm, an seiner Haltung schien lebendig. Wie eine Statue, die äußerlich einem menschlichen Wesen glich.

Wie lange unsere Artigkeit dauerte, kann ich nicht mehr sagen, aber sie dauerte so lange, bis Wulff mich anschubste mit den Worten: „Der ist tot.“

„Quatsch!“, schubste ich lauter zurück, „dann hätte er doch keine weiße Knöchel mehr, dann wär alles weiß.“

Ich war mir sicher, den Tod könnte man an der Hautfarbe erkennen, seit ich eine Wasserleiche gesehen hatte, weil ich es geschafft hatte, durch eine Menschenmenge mich zu zwängen, alles Erwachsene, versteht sich von selbst, um den Kerl zu sehen, den die Wasserschutzpolizei auf ihrem Schiff an Land brachte. Ich stromerte am Fluß entlang, als ich die vielen Leute auf einen Haufen sah. Und das Schiff der Wasserschutzpolizei wollte ich einmal von Nahem sehen, daß da eine Leiche darauf lag, woher sollte ich das vorher wissen. Ich hab nur ein klein wenig von der weißen Leiche gesehen, aber gesehen ist gesehen.

Wulff bekam seinen, ich zeig dir mal, was ich schon kann Blick, der nicht immer Gutes bedeutete, denn er überschätzte sich gern, nur um wieder mal zu beweisen, ich bin der ältere von uns beiden, du Hosenschisser. Wegen zwei Minuten hat er sich Narben auf der Hand geholt, er wollte mir beweisen, eine nasse Hand kann einen brennenden Holzscheit aus dem Feuer holen, ohne sich zu verletzen. Mutter hat trotz seines Geschreis kein Mitleid für ihn gezeigt, als sie ihn verarztete. Sie, und später als Vater nach Hause kam, meinten nur, wenn Narben bleiben, kann man euch zukünftig besser unterscheiden. Wulff tat alles, dies zu vermeiden, und man muß sehr genau seine rechte Hand ansehen, um die kleinen Brandspuren, die die Haut weißlich färbten, zu sehen.

„Hallo Sie, alles in Ordnung, ist Ihnen nicht gut?“, und wie es Wulffs Art war, berührte er den alten Mann vorsichtig an der Schulter.

Ohne seine Haltung zu verändern, schnaufte er: „Pableo. Pableo!“

„Möchten Sie auf die andere Seite? Wir könnten Ihnen das Fahrrad über das Kreuz hieven“, auf diese Frage erhielt Wulff ein breites Grinsen.

Also griff Wulff das Lenkrad, und mit einem Kopfnicken wies er mich an, hinten am Sattel das Rad hochzuheben. Eigentlich keine schwere Sache, aber der Alte wollte das Lenkrad nicht loslassen. Wir schafften es nach langem hin und her, das Rad, Pableo und uns durch das Drehkreuz zu bekommen. Auf der anderen Seite waren wir fast schon so eingespielt, daß wir dafür keine fünf Minuten brauchten. Ohne ein weiteres Wort an uns zu verschwenden, radelte Pableo Richtung Campingplatz davon.

Wir hatten an diesem Nachmittag unseren Hauptspaß darin, den alten Mann, den wir Pableo nannten, nachzuahmen. Ich glaube, wir hätten, wäre ein Talentsucher unterwegs gewesen, die erfolgreichsten Komödianten der Welt werden können. Aber damals gab es noch nicht diese Chancen, und so sind wir auch nicht berühmt geworden.

Pableo hieß richtig Pablo Leonardo. Den Nachnamen weiß ich nicht mehr genau, irgendwas mit Riva. Er war mit seiner Familie auf dem Campingplatz, eigentlich wollten sie dort nur übernachten, um am nächsten Tag nach Italien weiterzureisen. Aber Pablo Leonardo verschwand irgendwann in den Morgenstunden und radelte mit einem entwendeten Rad davon. Mutter hat uns abends über die Suchaktion berichtet, aber erst am nächsten Tag erfuhren wir, seine Familie konnte ihn glücklich in die Arme schließen, da er allein zurückgefunden hatte.

Fast ein Jahr später, wir beide waren unterwegs zum Fluß, verabredet mit ein paar Freunden, stand Pableo vor dem Drehkreuz. Wulff zwickte mich in den Arm, und ich hatte diesmal nichts dagegen, denn ich war mir sicher, sein Zwicken würde Pableo vor meinen Augen verschwinden lassen. Im Gegensatz zum Jahr davor blickte Pableo in unsere Richtung, das Fahrrad war grün, und er winkte uns zu sich.

„Pableo“, wurden wir begrüßt, und mit einer Geste, indem er beide Hände fest ums Lenkrad schloß und hinüber zum anderen Drehkreuz schaute, fühlten wir uns aufgefordert, ihm behilflich zu sein, das Fahrrad über die Schienen zu bringen. Es war nicht besonders einfacher als das letzte Mal, denn er ließ seine Hände nicht vom Lenkrad. Er hatte aber im Gegensatz zu dem Jahr davor ein freundliches Grinsen im Gesicht, als er losfuhr, ohne noch etwas zu sagen.

Als wir ihn am nächsten Nachmittag wieder trafen, war es fast wie eine Wiederholung, der gleiche Ablauf, nur mit anderer Kleidung, und das Wetter war zum Vortag leicht regnerisch. Mutter hatte erfahren, Pablo Leonardo wird mit seiner Familie dieses Jahr für ein paar Tage auf dem Campingplatz bleiben, bevor sie weiterfahren würden. Einige im Dorf würden meinen, weil keiner etwas wirklich wußte, die Familie würde sich mit einem längeren Aufenthalt bedanken wollen für die Umstände, die Pableos Suche gemacht hätte.

Wieso denke ich an das Drehkreuz? Das Drehkreuz, das verdammte Drehkreuz.

„Papa, geht es dir gut?“, Nina streichelte etwas tapsig über mein Gesicht.

„Ihr hier?“, vor mir stand Marina mit Joel auf dem Arm, Nina lag fast auf meiner Brust, und ich lag, wo eigentlich? Auf einer Trage. Neben mir zwei Sanitäter, etliche Erwachsene, die bemüht waren, Kinder von mir fernzuhalten.

„Du bist wohl zu eilig durch die Drehtür gerannt, hast dich gestoßen. Die vermuten, weil du solange bewußtlos warst, eine Gehirnerschütterung.“ Marinas Stimme klang weinerlich und voll Sorge.

„Habe ich, habe ich, das Drehkreuz ist mir wieder eingefallen. Habe ich nicht eben darüber erzählt?“, fragte ich.

Marina versuchte ein Lächeln. „Nein, aber jetzt verstehe ich dein ständiges Gemurmel über eine Pappel!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Aberglaube: Glück und Unglück liegen dicht beieinander

https://pixabay.com/de/freitag-der-13-wordpress-typografie-1042203/

pixabay.com

Ankomme Freitag, den 13.

So lautet der bekannte Song vom deutschen Liedermacher Reinhard Mey, der 1969 erschien. Wunderschön in diesem Text dargestellt die vielen Mißgeschicke, die ihm dabei unterlaufen, um den Termin mit Christine wahrnehmen zu können, die sich per Tele-gramm angekündigt hatte für Freitag, den 13. um 14 Uhr.

Am Ende, als er vorläufig zwangsweise auf der Wache sich befindet, stellt sich heraus, daß heute erst Donnerstag, der 12. ist. Was will uns Reinhard Mey mit diesem Lied auf den Weg geben? Eine überzogene Hysterie im Falle dieses Datums? Betrachten wir uns mal den Ursprung.

Hysterie über die 13 in Verbindung von Unglücken

Im Volksglauben gilt Freitag, der 13. als ein Tag, an dem viel Unglück geschieht. Diese Kombination aus diesem Wochentag, dem Todestag Jesu und die 13 als Unglückszahl stammt letztlich aus christlicher Tradition. Als Triskaidekaphobie (aus griech. τρεισκαίδεκα treiskaídeka „dreizehn“ und φόβος phobos „Furcht“) wird die aber-gläubische Angst vor der Zahl 13 bezeichnet. Im medizinischem Sinne spricht man hierbei von einer Phobie, wenn alles unternommen wird, was mit der 13 zu tun hat zu umgehen, zu vermeiden.

Dies kann man bis heute in manchen Hotels beobachten, wo es kein Zimmer 13 gibt oder in Hochhäusern, wo die 13. Etage nicht vorhanden ist. Termine aller Art werden einfach vermieden. Und für Freitag, den 13. gibt es auch einen Fachbegriff: Paraska-vedekatriaphobie („Rüsttag [v.a. vor dem Sabbat]“). Immerhin wurde noch zwischen den Jahren 2006 und 2008 bei einer Auswertung von Krankmeldungen festgestellt, daß an solchen bestimmten Tagen die Krankschreibung der Arbeitnehmer drei- bis fünfmal höher war als im Durchschnitt.

In vielen Völkern war aber die 13 unbedingt eine Glückszahl

Für die Japaner ist die 13 eine Glückszahl. Wir müssen allerdings nicht in die Ferne schweifen, denn auch für die Germanen galt die 13 als Glückszahl. Es sollen 12 weise Männer auf See gefahren sein, um die „Lex Frisionum“ (aus dem lat. das Gesetz der Friesen) zu verfassen. Bei einem aufkommenden Sturm war ein dreizehnter Mann erschienen, der das Steuer übernommen haben soll, das Schiff souverän durch den Sturm steuerte, um danach den 12 Weisen das Gesetz der Friesen zu diktieren. Danach soll er verschwunden sein. In der jüdischen Tradition ist die 13 ein Symbol Gottes, da sie über der 12 steht.

Als Erfinder dieses Datums gilt der US-Amerikaner Thomas W. Lawson, der am Ende des 19. Jahrhunderts infolge einer Börsenspekulation zum Multimillionär wurde. Im Jahre 1907 schrieb er den Roman „Friday the 13th“. Schon neun Jahre später wurde der Roman vom deutschen Regisseur Richard Oswald mit dem Namen „Freitag der 13.“ verfilmt und dem Kinopublikum gezeigt. In der Handlung ging es um eine Familie, deren Mitglieder stets an einem solchen Tag verstarben. 1944 wurde der Aberglaube erneut geschürt, und zwar mit der Komödie „Freitag der 13.“ unter der Regie von Erich Engels.

Übrigens gibt es in manchen Ländern eben nicht diese Kombination, sondern eine andere. In Griechenland, Spanien und Lateinamerika werden Dienstage, die auf den 13. eines Monats fallen (Martes 13) als Unglückstage gesehen. In Italien ist Freitag, der 17. ein Unglücksdatum.

Trugschlüsse zum Aberglaube

Man kann vieles zum Aberglauben berichten, es aber auch lassen, weil Gegenstand dieses Artikels eben Freitag der 13. sein soll. Vergessen wir nicht, daß oftmals ein privater Aberglaube entstehen kann, wenn bestimmte Erfolgs- oder Unglückserlebnisse mitein-ander verknüpft werden und dabei noch zufällige Begleiterscheinungen einhergehen. Wird dann eine kausale Verknüpfung hergestellt, ist die Suggestion eines Aberglaubens perfekt.

Denjenigen, die immer noch Freitag, dem 13. mißtraurisch begegnen, sei mitgeteilt, daß dieses Datum einmal jährlich, allerhöchstens dreimal vorkommt. Zuletzt war das in diesem Jahr am Freitag, den 13. April. Vergessen wir dabei nicht, daß aufgrund von Aberglauben auch vieles förmlich „angezogen“ wird. Genau dies war auch einer der Beweggründe für Reinhard Meys Lied.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

 

 

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Nicht vor sieben

https://pixabay.com/de/architektur-kirche-turm-religion-3360407/

pixabay.com

Der Gockel schrie
nicht um sieben.
Ein Baby lag
neben der Tonne.
Der Professor starb
gestern Mittag.
Sie bewunderte
die Farbenpracht
der neuen Stoffe.
Kirchenglocken
läuten nur sonntags
zur Andacht.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schundliteratur kontroverser Kritik ausgesetzt

https://pixabay.com/de/literatur-weisheit-buch-3287514/

pixabay.com

Eine Spaßgesellschaft setzt sich durch?

Den Begriff der Schundliteratur gibt es ganz besonders seit der Weimarer Zeit, als dort das Gesetz mit dem Titel „Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutz-schriften“ im Dezember 1926 beschlossen wurde.

Damit dies auch in der Praxis Anwendung finden konnte, wurde extra zu diesem Zwecke die Leipziger Oberprüfstelle für Schund- und Schmutzschriften ins Leben gerufen, deren Aufgabe darin bestand, als Revisionsinstanz darüber zu entscheiden, welche Verfasser und Verleger einen Antrag auf Nicht-Aufnahme bzw. Streichung stellen konnten. Die National-sozialisten hoben es 1935 kurzerhand auf. Seit 1954 gibt es in der BRD die Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Schriften, die im Jahre 2003 mit anderen Gebieten anders geregelt wird im Rahmen des Jugendschutzes.

Wilhelm Hauff parodiert Heinrich Clauren

Die Frage, die sich dem aufmerksamen Leser stellt, ist doch, wer Schundliteratur beurteilt, also daher festlegt, welche Bücher, Hefte und somit Schriften in diese einzuordnen sind. Nun, es sei hier ein Vorfall angeführt, der damals unbedingt einen berechtigten Skandal hervorgerufen hatte. Sie alle werden mit Sicherheit schon mal von dem Schriftsteller Wilhelm Hauff das ein oder andere Märchen gelesen haben, wie z.B. Die Geschichte vom Kalif Storch. Im Jahre 1825/26 wagte der noch sehr junge Wilhelm Hauff den meist-gelesenen deutschen Romancier, Heinrich Clauren, äußerst wirkungsvoll zu parodieren.

Er veröffentlichte unter demselben Pseudonym, H. Clauren, einen Roman namens Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Aber damit nicht genug. Er setzte noch eins drauf, in dem er 1827 die Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde veröffentlichte, um dort Clauren lächerlich zu machen, dessen Trivialität der Inhalte und Schreibstil er nicht nur offen legte, sondern explizit polemisch analysierte.

Ein Passus aus der Kontrovers-Predigt:

Ein Lessing, ein Klopstock, ein Schiller und Jean Paul, ein Novalis, ein Herder waren doch wahrhaftig große Dichter, und habt ihr je gesehen, daß sie in diese schmutzigen Winkel der Sinnlichkeit herabsteigen mußten, um sich ein Publikum zu machen? Oder wie? Sollte es wirklich wahr sein, daß jene edleren Geister nur für wenige Menschen ihre hehren Worte aussprachen, daß die große Menge nur immer dem Marktschreier folgt, weil er köstliche Zoten spricht und sein Bajazzo possierliche Sprünge macht?

Trivialliteraten bestätigen den Verfall der Gesellschaft

Nun mag man ja in Zeiten, wo gerade Toleranz und Menschlichkeit mehr eingefordert werden, sich schon wundern, warum Schundliteratur hier in den Fokus rückt. Betrachten Sie mal unsere Kulturlandschaft. Na, fällt Ihnen was auf? Nein?

Einerseits ist es schon erfreulich zu sehen, daß auch weiterhin ziemlich begabter Nach-wuchs sich auf der Bühne der Literatur eingefunden hat. Andererseits sind die nackten, unbestechlichen Verkaufszahlen ganz bestimmter Schriften eine schallende Ohrfeige an all jene, die sich redlich bemühen, stilvoll, mit Geist und Inhalten, beseelte Bücher zu schreiben. So kommt Daniel Brückner in seinem Artikel, Schund: Warum wir manchmal Mist kaufen, zu dem Ergebnis, daß der Erfolg von Schundliteratur ein Hinweis auf Werte ist, die in unserer Gesellschaft existrieren.

Wenn wir uns die gesamte Medienlandschaft vergegenwärtigen, in der ganz besonders im Privatfernsehen Dschungelcamp, Big Brother & Co. sich hoher Einschaltquoten erfreuen, da bleibt dann der fade Beigeschmack auf Sinnesgaumen, ob das Publikum bereits schon beeinflußt ist, sich solch „billigen Ergüssen“ hinzugeben, sich auszuliefern.

Autoren wie Charlotte Roche oder E. L. James (eigentlich Erika Leonard) verdrängen daher andere, ernsthafte Schriftsteller vom Markt? Es wird immer mehr das Einfache, das Triviale in den Fokus gerückt, und so schließt sich der Kreis einer Kritik, die nicht un-bedingt alles Ernsthafte hochhält, sich aber dennoch die berechtigte Frage stellt, ob weiterhin Schundliteratur einen hohen Stellenwert haben sollte, ja, sogar darf.

Es ist auch ein getrübtes Zeichen einer Gesellschaft, die sich lieber dem Trivialen hingibt, statt mal ernsthaft die unmittelbare Umwelt zu betrachten, zu hinterfragen. Eine Spaß-gesellschaft hat sich zu ungunsten seriös Kulturschaffender parallel entwickelt, die obendrein mithilfe einer gleichgültigen Finanzwelt auch noch gefördert wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

Veröffentlicht unter Kulturelles | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gelbes Gewissen

https://pixabay.com/de/kleidung-shop-umkleidekabine-mode-650380/

pixabay.com

Ich sollte nicht so viel nachdenken oder zumindest weniger. Entschlußfreudiger sein. Den ganzen Mist habe ich mir selbst zuzuschreiben. Zuzuschreiben, zuzusagen wäre besser, schließlich habe ich mir nicht geschrieben, noch etwas darüber aufgeschrieben. Zuzusagen. Sage dir zu. Ja, was denn? Was sagt mir zu? Was soll ich mir sagen? Das ich jetzt bereits eine Stunde zwischen Umkleidekabine und Verkaufsraum pendle und noch keine Entscheidung getroffen habe, was ich kaufen soll, weil ich nicht einig mit mir werde, was mir gefällt? Oder soll ich etwas dazu sagen, daß ich mich irrigerweise für den English-Kurs angemeldet habe, vier Wochen lang, Sprache erlernen im Mutterland, Sprachreise für Anfänger und Fortgeschrittene?

Ich nehm das gelbe Kostüm, wenn ich den BH ein wenig ausstopfe, dann sitzt es perfekt. Ohne Brustvergrößerung. Mit Watte. Wattebällchenbrust. Quatsch. Rollwatte. Weich und zart. Und einen Push-up-BH. In Gelb. Das sage ich mir, jetzt. Nein danke, ich finde mich alleine zurecht. War ja klar, dieses Gelb gibt es als BH-Farbe nicht. Das hier ist möglich, ein bißchen heller ist sicher besser als dunkler im Farbton, allein schon wegen der weißen Watte. Gelbes Höschen gefällig?

Sag schon. Ich sage, nun, warum nicht. Ja, möchte ich hören. Ja, ein gelbes Höschen passend zum BH. Höschen auch ausstopfen? Als Gegengewicht, oben mehr und hinten mehr, Gleichgewichtverlagerung, Wattelager. Doppelte Packung Watte. Dummes Huhn, gelbes Huhn, gelbes Küken. Soll ich mir passende Schuhe besorgen? In Gelb? Gibt es gelbe Schuhe? Eine gelbe Tasche, eine Umhängetasche, die kann man auch ausstopfen. Mehr drin bedeutet mehr Fassungsvermögen. Capice, bella donna. Watteverstand.

„Hallo Simone! Lang nicht mehr gesehen! Du bist beim Shoppen? Ich brauch auch mal wieder neue Klamotten.“ Kaugummikauend und mit einer lauten Stimme, als müßte sie mehrere Viehherden über eine Prärie antreiben, gurgelte Melissa ihre schäumenden Sätze durch die Umkleidekabine, was zur Folge hatte, alle anwesenden Shopperinnen schienen, schlagartig keine Luft mehr zu bekommen, so leise war es plötzlich. Kein leichtes Stöhnen von gymnastischen Versuchen eine Jeans über die Schenkel zu ziehen, kein Rascheln von Stoff, kein Scheppern von Kleiderbügeln.

„Oh, Melissa. Lange nicht gesehen, stimmt.“ Nicht, daß sie mich eingeschüchtert hätte, dennoch war meine Antwortstimme absichtlich auf zart und weich gestellt, wie gedämpft, durch Wattenebel. Das Beste, wenn man Melissa begegnet, ist, so flink wie möglich das Weite zu suchen, nicht weil sie nicht nett wäre, sondern weil sie zu nett ist, aufdringlich zu nett.

„Brauche neue Jeans, die beiden passen hervorragend. Du, ich muß weiter, muß noch zum Discounter. Wir sehen uns, tschau.“ Bevor Melissa zwischen ihren Kaubewegungen Luft schnappen konnte, um mich mit Fragen und Neuigkeiten zu umhüllen, habe ich mich schon umgedreht, nicht ohne ihr vorher ein Winke-winke, lässig, leise zu hinterlassen.

Das mit dem Hosenkauf wäre erledigt, die eine Jeans sagt mir wirklich zu, die andere, werde mich an sie gewöhnen. Zweimal die gleiche Jeans kaufen? Nein. Ausstopfen, ausstopfen. Manchmal ist es ziemlich streßig, mit mir einzukaufen. Obwohl, eigentlich habe ich es recht zügig geschafft, mich zu entscheiden. Dank der guten „Fasse alle negativen Dinge zusammen, dann bleiben zum Schluß die Dinge übrig, die du willst“- Methode. Oder war es eher heute die Melissa-Methode?

T-Shirts wollte ich auch besorgen. Vielleicht haben die im Discounter welche im Angebot. Das kann man so im Vorbeigehen mitnehmen, ohne nachzudenken. Einfach nehmen und in den Wagen legen. Ohne Methode. Warum habe ich eigentlich nicht einen Urlaub am Strand gebucht? Wegen dem Bikini. Wegen dem Bikini, welche Farbe, welcher Schnitt. Badeanzug, vergiß es.

Gelbe Strümpfe. Ich hatte alles beisammen, bis auf die gelben Strümpfe. Gelbe Strümpfe, könnten mir zusagen. Als Gewissensstrümpfe. Die nicht. Passen in jede Tasche. Und wenn doch Melissa die Entscheidung beschleunigt hat? Dann sollte ich vielleicht besser eine gelbe Kaugummipackung kaufen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar