Blütenweiße Wäsche

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Spätestens als der Morgenkaffee nicht schmeckte, war ihr klar, dies ist ein Scheißtag. Nicht verschlafen, nicht schlecht geträumt, hab ich geträumt, wer weiß, Klamotten angezogen, ohne sie wieder auszuziehen, um sich doch für eine andere Hose oder heute mal wieder ein Kleid zu entscheiden, nein, dann steh ich um neun noch vor dem Spiegel, man kann den sonnigen Tag schon spüren, nicht zu heiß, angenehm warm mit einem lauen Lüftchen wie im Traum, nein, es gab keinen Traum diese Nacht, es gibt diesen Scheißtag.

Tabea kannte diese Art von Stimmung schon, ohne einen bestimmten Auslöser beschleicht sie Unmut, Frust, Ärger. Irgendwann hat sie aufgegeben, Erklärungen dafür zu suchen. Ich krieg morgen sicher meine Tage, Mist ich habe vergessen, Mutter anzurufen, Urlaub kann ich mir dieses Jahr nicht leisten, Franco, ihr Freund, hat kein Verständnis dafür, daß sie freiwillig Überstunden macht. Alle etwaigen Gründe, die sie zusammenstellte, führten nie wirklich zu einem Ergebnis, auf das hin sie hätte sagen können, ja, das ist der Grund.

Sie selbst ist der Grund. Weil nämlich alles zur Zeit bestens läuft, keine Maschine kaputt, keine Reparatur steht an, nächsten Monat geht’s für ein paar Tage nach London, Svenja bekommt bald ihr erstes Baby, und sie wird Patentante, oh, wie freue ich mich schon darauf, sie hat das Wohnzimmer ohne fremde Hilfe gestrichen, nachdem starke Hände alles leer geräumt hatten, was hatten sie am darauffolgenden Wochenende Spaß beim Grillen hinten auf dem kleinen Rasenstück. Alles bestens. So ein Scheißtag.

Es ist dieses „alles bestens“, alles gut, alles perfekt, no problem, läuft wie geschmiert, traumhaft. Wie geht es mir? Super, kann überhaupt nicht klagen! Das Haar in der Suppe ist diese Zufriedenheit. Tabea wäre nicht Tabea, wenn sie nicht wüßte, wie sie jedenfalls funktionierte, schon öfters diese Situation meistern konnte. Meisterin der Bewältigung ihrer Zufriedenheit, hört sie in Gedanken Franco äußern. Gut, daß du jetzt nicht hier bist, du Verdrängungskünstler. Du Meister der leeren Worte, damit du dich nicht festzulegen brauchst.

Also ab in den Zoo, vorher noch bei Christines Laden vorbei, ein Feinkostgeschäft, Verpflegung organisieren für den Spaziergang durch den Zoo. Niemanden Bescheid sagen, einfach sich in Luft auflösen und den Frust im Zoo finden. Ihre Abneigung gegen das Gefangenhalten der Tiere ist immens. Seit ihr das bewußt geworden war, unterschrieb sie Petitionen, schrieb selbst Briefe an Organisationen, an Politiker, an sämtliche Institutionen, die für das Einsperren der Tiere entweder verantwortlich waren oder sich ebenfalls dafür einsetzten, Zoos zu verbieten, oder zumindest an Ideen arbeiteten, die das Eingepfercht sein nicht nur minderten, sondern dafür eintraten, Tieren ihrem Wesen entsprechend sehr große Flächen zuzugestehen.

Erwischte sie sich gerade bei dem Gedanken, das möge in absehbarer Zeit nicht geschehen, wo sollte sie ansonsten hingehen, um Wut zu spüren. Kinderheime, Einrichtungen für Behinderte, Krankenhäuser, Kriegs-, Katastrophengebiete kann man nicht so einfach spontan betreten und sich über die dortigen Verhältnisse mokieren. Zoos sind öffentlich zugängig, fast täglich. Steckt dahinter eine Absicht? Oder ist es Schutz für die Betroffenen? In einen Mastbetrieb kann ich auch nicht einfach hineinmarschieren. Im Zoo sehe ich auch nur die Fassade, die Bühnen, auf denen sich die Tiere präsentieren sollen, möglichst von der besten, verspielten, charakterähnlichsten Seite, das, was nach außen gezeigt werden soll. Hinter die Kulissen kann man auch dort nicht sehen.

Die Verlogenheit der blütenweißen Wäsche. Oma wieder. Karola Hoffmanns weiße Wäsche auf der Leine. Mühevoll akkurat aufgehängt. Jeder im Dorf wußte, sie wird geschlagen, die Kinder bekamen auch ihr Fett weg, wenn ihr Vater wieder einen Grund hatte, loszuschlagen. Karola Hoffmann mühte sich nach außen hin, den Eindruck einer ganz normalen Familie zu zeigen. Dazu gehörte blütenweiße Wäsche, ein Fußboden, auf dem man hätte essen können und eine allseits dargestellte Überfürsorglichkeit. Die hatte sie wirklich, sagte Oma. Herzensgute Frau war die Karola.

Tabea war sich gerade bewußt geworden, ihre Abneigung gegen weiße Wäsche, vor allen Dingen weißer Bettwäsche, kommt von den Erzählungen ihrer Großmutter. Sie vermied, Waschmittel zu kaufen, die mit Slogans warben, daß ihr Pulver nur blütenreine weiße Wäsche hervorbringt und Frauen zeigen, die vor Zufriedenheit fast einen Orgasmus kriegen, weil dies Ergebnis der saubersten weißen Wäsche sie zu den glücklichsten aller Menschen werden läßt. Und ihr war jetzt auch klar, warum sie Zufriedenheit nicht auf Dauer abhaben konnte.

Die giftigen Zusätze im Waschmittel oder die mühevolle Arbeit durch Einweichen der Wäsche mit Zitronensaft, Natron, Roßkastanienzweigen, um reinweiße Wäsche zu erhalten, möglichst noch sonnen- und windgetrocknet im Freien wird einfach ignoriert, Hauptsache weiß, ordentlich, rein, unbefleckt. Unbefleckt.

Vor dem Eingang des Zoos standen Menschen schon Schlange, kein Wunder bei diesem schönen sonnigen Tag. Tabea schlenderte zum Eisbärengehege. Weiß seid ihr, schmutzig weiß. Ihr habt hier nicht genügend Freiraum, alles um euch herum ist Kulisse, nicht mal alle Steine sind echt, das Wasser ist zu warm, alles ist grau um euch herum, ihr habt keine Möglichkeit, euch zu tarnen. Ganz langsam packte sie ihren Rucksack aus, zerriß das Plastik, das die neu gekauften weißen Leintücher vor Schmutz schützen soll, obwohl sie getränkt sind mit Gift gegen vermeintliche Insekten, die die Wäsche anknabbern könnten, schüttelte die großen Stoffe in Form und warf sie ins Gehege der Eisbären.

Ein Scheißtag ist das heute, das wußte sie, bevor sie den ersten Schluck Kaffee auf der Zunge spürte. Ein wundervoller Tag war das heute, als Franco sie vom Polizeirevier abholte. Zeitungen schrieben am nächsten Tag, nur mit Mühe gelang es den Beamten, Frau T. R. davon abzuhalten, ins Eisbärengehege Leintücher zu werfen. Sie bekräftigte ihr Handeln mir den Worten: Seht die Verlogenheit der blütenweißen Kulisse.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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USA: Weltpolizeiliches Gehabe am Scheideweg

Uncle Sam längst entlarvt

Laß uns einfach in Gedankenreisen versinken, ein leises Windrauschen umgibt flehentlich die ins schimmernde Rosa getauchte Abendstimmung, während milder Sand zwischen unseren Fingern rieselt, der noch in der Mittagshitze der leuchtenden Sonne ausgesetzt. Die ewigliche Geräuschkulisse der nahen Meereswogen ein ständiger Begleiter, obwohl sorgenvolle Blicke wir einander austauschen trotz der herrlichen Stimmung, die uns für Momente abgelenkt.

Nein, den Verlauf des Weltgeschehens vermag niemand aufzuhalten, selbst wenn wir gen Himmel uns strecken und hinausschreien, wie grenzenlos hegemonisch, ohne Sinn und Verstand diese USA vieles tagtäglich zerstören.

Die Mär vom „lieben“ Uncle Sam

Interessanterweise huldigen weite Teile der US-amerikanischen Bevölkerung den „lieben“ Uncle Sam, den der Graphiker James Montgomery Flagg zum Zwecke der Kriegswerbung für das Eingreifen in den Ersten Weltkrieg entwarf. Somit ein deutlich militärischer Selbstzweck, der gleichzeitig schon damals die Weltherrschaft der USA unterstrich.

Märchen dienen bekanntlich nicht nur der Unterhaltung, sondern flechten Mythen, Zauberwesen und ungeahnte Kräfte mit ein, um ihrem Wesen entsprechend uns Menschen einen Spiegel möglicher oder stattfindender Verfehlungen vorzuhalten, dabei eine moralisch-ethische Instanz darstellen. Daß ihnen ein ausschmückender Erzählstil beiwohnt, verleiht ihnen den nötigen Tiefgang, um uns ins Grübeln und Staunen zu versetzen.

Welch prickelnde Herausforderung, die Bevölkerung nach Gutdünken zu manipulieren, für bestimmte Vorhaben zu mißbrauchen, Hauptsache die Figur des Uncle Sams erfüllt die Aura ihrer Bedeutung als verbindendes Nationalsymbol. Inzwischen mischen sich viele wache Geister unter die träge Masse, die dem Konsumrausch verfallen kaum mehr bemerkt, was da vor ihren geblendeten Augen geschieht. Einige unter ihnen erkennen den bösartigen Zweck des Weltherrschaftsgedankens im Zusammenhang eindeutig zuzu-ordnender Missetaten, andere lehnen sich ungläubig zurück und verharren in lamen-tierender Schockstarre, reden sich ein, es wäre nicht so tragisch.

Die Schlinge zieht sich unaufhörlich zu – wann erfolgt das Aufwachen?

Einerseits erscheinen unübersehbar die ursprünglich überwundenen Glaubenskriege in einem neuen Licht, betreffen nahezu sämtliche Gesellschaften, wenn fanatische Anhänger jede Form der Beeinflußung anwenden, vom Buch zum Internet, von Gotteshäusern zur Bildung und von friedlichen Zeremonien bis hin zu Terror- und Kriegshandlungen. Stets meint der eine Glaube, den anderen verdrängen zu wollen, wenngleich Herrscher an den Spitzen der jeweiligen Bekenntnisse sich bedienen lassen, diese zum Selbstzwecke die angezündete Lunte des Haßes weiter entfachen.

Aber selbst christlich geprägte Gesellschaften, bei denen sogar diese kirchlichen Traditionen verblassen, immer mehr Menschen den Konfessionen den Rücken kehren, müssen feststellen, inwieweit ein Halt untereinander verlorengeht, weil sich alles nach dem goldenen Kalb richtet, ein Wettlauf der Zeit einsetzt, bei dem lediglich der auf der Sonnenseite des Konsumlebens sich wähnen darf, der mitmacht am perfiden Spiel grenzenloser Ausbeutung. Sollte man behaupten, die Schlinge ziehe sich unaufhörlich zu? Eine Metapher für den Ausverkauf der Menschlichkeit, um sie einzutauschen für das große Business, bei dem das Haben-Konto zählt, mitnichten das ursprüngliche, kreative verspielte Sein? Man muß es genau so werten, um das eigentliche Ziel sich vor Augen zu führen: der Beginn des Aufwachens!

Ende der Vierten Welt läutet einen gewaltigen Umbruch ein

Längst sind wir angelangt an diesem Punkt, den die Hopi beschrieben, das Ende der Vierten Welt. Und da wir nunmehr den Zusammenhang des Fortschritts entlarvt, der in Abhängigkeit wirtschaftspolitischer Machtstrukturen besteht, liegt es an uns allen, entsprechend zu handeln. Und es geschieht inzwischen in Form von vielen unter-schiedlichen Aktionen, von gutgemeinten Bewegungen wie Campact, aber auch in kleinen, regionalen mit dem Beginn von staatlich instrumentalisierten Vorgaben sich abzuwenden. Nur die Eliten und ihre Politschergen, die meinen allesamt, sie könnten diesen Weg des Hegemons unendlich fortführen. Nein, sein Ende ist längst besiegelt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Schaluppe

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Vor kurzem zog er hierher,
kaufte den kaputten Schuppen
vom alten Krüger Kurt,
der ist schon ewig tot.
Der Sohn hat die Bude verkauft,
lebt schon lange in der Stadt,
weggezogen mit Kind und Frau.

Verwahrlost der marode Bau,
überwuchert mit Unkraut,
keine Fenster mehr ganz,
selbst eine Ritterruine
wirkt neu, hat mehr Glanz.
Der ist nicht ganz dicht im Kopf,
so viel Geld für einen Schopf.

Was kümmert ihn das Gerede,
von Kosten, von verrückt.
Hier kann er mit seiner Schaluppe
auf dem kleinen See sich bewegen,
spürt Boden, Wellen, Brisen,
fühlt die Welt an ihm abrieseln,
den Himmel Wert spiegeln.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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In war they trust – USA verabschieden sich von der UNO

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Daß die UNO ein zahnloser Tiger sei, sollte sich längst herumgesprochen haben, selbst wenn weiterhin deren Bedeutung medial akribisch beobachtet und kommentiert wird. Spätestens seit dem Irak-Krieg und George W. Bushs Ignoranz der Organisation der Vereinten Nationen gegenüber kann niemand deren politische Autorität oder gar deren Stellenwert wirklich ernst nehmen. Sie ist eigentlich nur noch Makulatur, eine Alibiveranstaltung par excellence, um nach außen hin den Schein von Seriosität zu wahren.

Nach wie vor steht die Frage und Befürchtung im Raum, ob der dritte Weltkrieg schneller Realität als vorauszusehen? Mit den letzten Giftgasangriffen gegen die Bevölkerung in Syrien wurde ohnehin ziemlich perfide jenes daraus sich ergebende Leid in Kauf genommen. Ob von Assad initiiert oder eben nicht. Der Beweis dafür fehlt gänzlich, umso erstaunlicher Macrons vorschnelle Behauptung, ohne Hand und Fuß, gleichwohl die harsche Haltung des US-Westens den darauf folgenden Militärschlag ohne Zustimmung der UNO einfach auszuüben, der in der Nacht zum 14. April erfolgt.

Erschreckend nicht nur die Parallele zum Giftgasangriff vor nahezu einem Jahr damals in der Stadt Chan Schaichun in der Provinz Idlib, wo 86 Menschen ihr Leben ließen, sondern die gleiche Beharrlichkeit, mit der der US-Westen die volle Schuld Assad zuschreibt. Es steht dessen Motivation im Raum, gegen das eigene Volk mit derart widerlichen Waffen vorzugehen. In der „zurechtgebastelten Behauptung“, erst recht Anfang September 2017 seitens der UNO, besteht diese auf Assads Schuld. Rebellen oder gar Terroristen, die das für exakt jenen Zweck ausnutzen konnten, wurden damals wie heute einfach ausgeschlossen.

Man möchte jener unheilvollen Front entgegnen, sie sollten besser die Luft anhalten, bevor es zu spät sei. Daß dem nicht so ist, wissen wir seit Freitag, dem 13. April, Aberglaube hierbei mal besser ausgeklammert, der ohnehin nichts zur Sache tut, als ein Herr Trump seinen Befehl gab, der Stunden später ausgeführt worden war.

Eine völlig andere Offerte zeigt sich für all jene, die von Beginn an zu Recht den US-amerikanischen Weg mißtraut haben. Dabei kommt ebenso die deutsche Rolle ins Spiel, wenn ein Herr Maas mobil macht. Merkels angeblicher militärischen Zurückhaltung kann man ehedem keinen Glauben schenken, wer sich das Verhalten Deutschlands im Nato-Libyen-Kriegseinsatz kurz mal vergegenwärtigt. Auch damals war die Bundeswehr unbedingt eben nicht unbeteiligt, hatte durchaus aktiv mitgemischt. Das soll unter jener Frau von der Leyen jetzt etwa anders sein? Mitnichten. Bündnistreue verlangt ihren Tribut, ohne wenn und aber!

Blicken wir insofern tatsächlich weiteren Eskalationen entgegen, mit einer geschwächten bis bedeutungslosen UNO, einem Flächenbrand im Nahen Osten, wo immer mehr Nationen involviert, allen voran die beiden größten Militärmächte sich gegenseitig belauernd, wer erfolgreicher den anderen toppt?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Viel gesagt und noch mehr gefragt

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Weißt du wieviel Fragen Kinderherzen belasten,
die des nachts in ihr Kissen weinen?
Da hilft kein entschuldigendes Davonhasten,
kein dümmliches Verneinen.

Weißt du wieviel Menschen unschuldig sterben,
die ungefragt am verkehrten Ort?
Da hilft kein blindwütiges Verderben,
kein Bekriegen in einem fort.

Weißt du wieviel Lügen die Geschichte begleiten,
die inszeniert wenigen Mächten dienen?
Da hilft kein beherzt mutiges Einschreiten,
kein wütender Mob entlang verkehrter Schienen.

Weißt du wieviel unnötiges Leid vermeidbar gewesen,
das hätte nicht stattfinden sollen?
Da hilft kein Besaufen an irgendeinem Thresen,
kein nahes oder entferntes Donnergrollen.

Weißt du wieviel Antworten auf manch Lippen,
die längst Wege gefunden?
Sie werden Mächtigen an deren Schultern tippen,
sich nicht nur ob ihres Gewissens erkunden!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Septembermorgen

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Schiffe befuhren den Fluß.
Irgendwo lärmte es,
jemand hat taube Ohren.

Das gegenüberliegende Ufer,
sonnig schon erleuchtet.
Sie ertrank in Gedanken.

Der Sommer war schön.
Irgendwo fielen Bomben,
jemand bleibt stehen.

Das gegenüberliegende Ufer,
diesig, ohne Lichtstrahl.
Der Zug war nicht zu erreichen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Mosambik: Miombowald durch Eukalyptus-Plantagen gefährdet

Firma Portucel Moçambique wird von der IFC unterstützt

Erneut beweisen Kapitalmärkte ihre unerschrockene Geschäftspolitik, die keinerlei Respekt vor der Natur haben, obendrein die Verarmung der ländlichen Bevölkerung in Mosambik billigend in Kauf nehmen.

Hatte zuvor besonders die Tabakindustrie für großflächig angelegte Rodung des Miombowaldes Malawis in dortiger Region Namwera gesorgt, plant nunmehr die Firma Portucel Moçambique zur Herstellung des hochwertigen Büropapierbedarfs der Navigator Company mit der Aufforstung von Eukalyptus-Plantagen, den Miombowald im Norden Mosambiks zu vernichten, wobei die internationale Entwicklungsbank, die International Finance Corporation (IFC), eine Sonderorganisation der UNO, finanziell partizipiert.

Eine Fläche fast dreimal so groß wie Berlin

Um sich ein wenig vorzustellen, von welcher Größenordnung die zu erwartende Rodung des betroffenen Miombo-Waldes hier die Rede ist, sei dieser Vergleich hilfreich. 237.000 Hektar entsprechen 2.370 km², nahezu die dreifache Fläche Berlins, welches rund 892 km² groß ist.

Papier kontra Natur – die Navigator Company (ehemals Portucel Soporcel Group) schafft jetzt vollendete Tatsachen, wenn die Weltgemeinschaft sie nicht aufhält, geht mit den Miombo-Trockenwäldern und Savannen ein ziemlich komplexer Lebensraum für etliche Tier- und Pflanzenarten verloren. Das Perfide dabei, die UNO mischt fleißig mit, die Weltbanktochter IFC ist mit 20 Prozent Anteilen involviert, der asiatische Markt soll mit 1,5 Millionen Tonnen Zellstoff bedient werden. Man beachte, daß seit 2012 der chinesische Geschäftsmann Jin-Yong Cai die IFC leitet.

ProSavana-Projekt alles andere als hilfreich

Sondern viel eher ein Desaster für die Menschen vor Ort. Es betrifft die drei Provinzen Nampula, Niassa und Zambezia im Norden Mosambiks, immerhin eine Fläche von nahezu 60.000 km², zum Vergleich größer als Baden-Württemberg und Hessen. Eine weitere Planung sieht gar eine Fläche von 140.000 km² vor.

Kleinbauern werden dort verdrängt, stattdessen im großangelegten Stil Nahrungsmittel und andere Agrarrohstoffe besonders für den Export produziert. Von einer Erfolgsgeschichte kann gar keine Rede sein, die sowohl die Regierung in Mosambik als auch die G7-Staaten für sich in Anspruch nimmt. Die mit Sitz in Barcelona sich befindende NRO Grain hat bereits vor knapp fünf Jahren auf das fortschreitende Landgrabbing in Mosambik hingewiesen mit dem neu installierten Pro-Savana Master-Plan.

Was muß noch alles geschehen, um all jene zu überzeugen, die weiterhin zögerlich derartige Projekte gewähren lassen, anstatt sie endlich zu verhindern? Jede Unterschrift, jede Einmischung ist durchaus hilfreich, je mehr sich beteiligen, desto größer die Chancen der Verhinderung solcher Vorhaben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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