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Rechtsradikale Hetze zeigt längst Wirkung
Nachdem 2014 „Lügenpresse“ als das Unwort des Jahres ernannt wurde, ohnhin der wachsame, aufgeklärte Zeitgenosse an den Beginn des letzten Jahrhunderts genauso erinnert worden war wie an die Nazi-Ära, mußte ihm zwangsläufig jene Entscheidung eher sauer aufstoßen, weil schlichtweg simpelst und hochgradig bösartig der ehrbare Beruf der Journalisten in den Dreck gezogen wird.
Ziel erreicht, könnte man jetzt einfach bemerken, oder aber wesentlich kritischer hinschauen und die Pressefreiheit daher besser in Schutz nehmen, wie das die NGO Reporter ohne Grenzen (ROG) seit 33 Jahren akribisch versucht. Dabei kommt sie bei ihrem jüngsten Bericht zu dem Ergebnis, daß Pressefreiheit in Europa gefährdet ist. Insofern zeigt die Hetze Rechtsradikaler längst ihre fatale Wirkung.
Ein paar Daten lassen aufhorchen
Betrachtet man die Liste der ROG zur Pressefreiheit 2018, gibt es durchaus auch erfreuliches zu berichten. Neuseeland hat sich gleich um 5 Plätze vom 13. Rang auf den 8. verbessert, Portugal erzielte ein Plus von 4 auf den 14. Rang, Uruguay kletterte vom 25. auf den 20. Rang. Südkorea verbesserte sich gleich um 20 Plätze vom 63. zum 43. Rang
Auffällig hingegen der Verlust Dänemarks um 5 Plätze, vom 4. zum 9. Rang, wie schon im Artikel der Süddeutschen zurecht erwähnt, verloren die Slowakei und Tschechien 10 bzw. 11 Plätze, Malta fiel vom 47. auf den 65. Rang.
Daß Russland auf den 148. Rang, die Türkei auf den 157. und China auf dem 176. Rang verweilen, kann kaum verwundern. Allerdings sollte das schlechte Abschneiden mancher Länder dennoch besser kritisch hinterfragt werden, inwieweit ROG tatsächlich unbeeinflußt ihre Arbeit ausüben, denkt man an Kuba oder manch andere sozialistisch-kommunistisch geprägte Nationen. Hinzu kommt, daß die politische Einstellung eines der Mitbegründer von ROG, von Robert Ménard, Unmut hervorgerufen hat, kein gutes Licht auf die Organisation warf, die sich allerdings zügig von diesem distanzierte.
Kein Ende der Pressefreiheit trotz ihrer Gefährdung
Selbst wenn Despoten erneut zunehmen, auch jene, die solches vehement abstreiten, denken wir an die Türkei, an Ungarn oder auch an Russland, so erfreut sich insgesamt die Presse ihrer weltweiten Freiheit, obwohl immer öfters eingeschränkt und daher gefährdet.
Wenn ein Herr Donald Trump sie permanent verunglimpft, wirft dies nicht nur ein schlechtes Licht auf den Regierungsstil, sondern gleichwohl auf die Glaubwürdigkeit eines demokratischen Anspruchs, auf ein freies Land wie die USA. Dies scheint jener cholerische Präsident keineswegs zu berücksichtigen, meint damit, seine Frustration eigener Defizite kaschieren zu können. Funktioniert aber nicht, zumindest bei allen Kritikern.
„Die Presse mag ausschweifend sein. Aber sie ist das moralischste Werkzeug der Welt von heute. Durch die Furcht vor der Presse werden mehr Verbrechen, Korruption und Unmoral verhindert als durch das Gesetz.“ (Joseph Pulitzer)
Lotar Martin Kamm





