Perfekte Präsenz

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Sie haben mich
angekettet
an ihre Etikette.

Ich bin angeleint,
zum Schutz
vor Allerlei.

Sie haben mich
gefangen,
um ihr Denken zu erlangen.

Ich bin im Käfig,
alles außerhalb
ist schäbig.

Zu „Haben“
mutiert,
ich „Bin“ verliert.

Zeit von Perfekt
kontra
Präsens.

Person von Präsenz
für
Perfekt

Gehalten.
Du bist die Kette.
Du hast sie walten lassen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Thomas Anthony Dooley – ein viel zu kurzes Leben für Indochina

„Eine kleine Kapelle der Nächstenliebe“ unterstreicht seine Einstellung

Schon sehr früh begann der junge Arzt Dr. Thomas A. Dooley sich für Albert Schweitzer zu interessieren, war so tief beeindruckt von dessen Aura, seiner Mitmenschlichkeit, daß mit der Verehrung eine innige Korrespondenz entstand. So folgten viele Ratschläge, die dem jungen Dooley durchaus noch helfen sollten auf seinem Weg. Unter anderem bemerkte Schweitzer, daß die Bedeutung eines Menschen nicht im Ziel liegen würde, das er erreiche, sondern viel eher in der leidenschaftlichen Unbeirrbarkeit, mit dieser er das Ziel zu erreichen sucht.

Am 17. Januar 1927 wurde Thomas Anthony Dooley in Saint Louis, Missouri geboren. Zunächst besuchte er als 17-Jähriger die University of Notre Dame de Lac, um anschließend für zwei Jahre das United States Navy’s Sanitär Programm in New York zu absolvieren, verließ danach jedoch die University of Notre Dame de Lac, um schließlich 1948 in der Saint Louis University sein Medizinstudium zu beginnen. 1953 absolvierte er zur Facharztausbildung in Kalifornien, Camp Pendleton, anschließend in Yokosuka in Japan.

Trotz Vorhersage zur Karriere als Modearzt begab er sich nach Indochina

Einerseits wurde dem schneidigen, jungen 27-jährigen Arzt von seinen Professoren eine vielversprechende Karriere als Modearzt vorausgesagt, andererseits entschied Dooley sich für das Angebot, die Evakuierung der flüchtenden Bevölkerung Nordvietnams nach Südvietnam ärztlich zu überwachen. Immerhin stand er plötzlich gleich zu Beginn vor der Herausforderung, ein Zeltlager für 15.000 Flüchtlinge errichten zu müssen, somit alle hygienischen Einrichtungen, aber auch die Logistik.

Ziemlich schnell wurde bei nicht endenwollendem Flüchtlingsstrom drei Lager für 30.000 errichtet. Es folgte ein Durchschleusen von Hunderttausenden durch die einfachen Lager, Seuchen und sogar Aufsässigkeiten begleiteten anfangs den Alltag, weil auch Angst und Mißtrauen gegenüber der US-amerikanischen Hilfe vorhanden war. In dieser Zeit lernte Dooley mehr von Tropenkrankheiten als sein Studium ihm beibringen vermochte, hatte täglich 14-15 Sprechstunden. Angesichts des vielen Leids und von Schuldkomplexen getrieben, gönnte er sich selbst kaum Ruhe, erduldete sogar Malariaanfälle, extreme Hautausschläge und andere Krankheiten.

Selbst die Bitten seiner Vorgesetzten, doch in die USA zurückzukehren, ignorierte er. Seine größte Befürchtung begründete er mit dem Argument, sein Nachfolger könne nicht mit der selben Energie die Not der Menschen angehen. Als er schließlich noch Hilfsaktionen in die USA organisierte, gesammelte Ladungen von Medikamenten, Nahrungsmittel und Kleidung aus seiner Heimat orderte, sprach sich sein Engagement herum. Gleichzeitig schaffte er es sogar, die Landessprache vor Ort zu erlernen, um wenigstens die Belange seiner Patienten auch wirklich zu verstehen.

Kindheitswünsche fielen der Ernüchterung zum Opfer

Hatte Thomas Dooley noch in Kindertagen von Familie, Kindern, einem Heim und Pferden geträumt, entwickelte sich sein Leben so gänzlich anders. Die Idee von der Gemeinschaft der Leidenden, die Albert Schweitzer ihm nahegebracht hatte, ließ ihn nicht mehr los. Innerhalb von sieben Monaten sammelte er in den Staaten durch Vorträge und Bücher das notwendige Geld, um seine Idee von einem unabhängigen, ärztlichen Dienst für unterentwickelte Völker umsetzen zu können.

Darüber hinaus erhielt er aufgrund seiner Überzeugungsarbeit von pharmazeutischen Fabriken größere Mengen an Medikamente aber auch tropenärztliche Ausrüstungsgegenstände. Diese Idee stammte aber nicht von ihm selbst, sondern er entdeckte dieses Modell bei der Station „Brotherhood“. So unterbrach er die Rückreise nach Asien, um auf den Philippinen selbst mit den Gründern dieser Station zu sprechen und sich beraten zu lassen. Im Juli 1956 errichtete er ein kleines Hospital im mittleren Laos, welches er „eine kleine Kapelle der Nächstenliebe“ nannte. Schon sehr bald bemerkte er, daß mit ärztlicher Hilfe allein das Leid nicht wesentlich verringert werden konnte, sondern ganz besonders Aufklärung einen wichtigen Stellenwert erhielt.

Es wurden Kurse über Hygiene, Ernährung, Säuglings- und Geburtshilfe eingerichtet. Naheliegend, daß auch die Ausbildung zu kompetenten Hebammen folgen mußte, weil immerhin noch jede fünfte Mutter im Wochenbett verstarb. Um einen kleinen Einblick in die Umgebung zu vermitteln, sei nur erwähnt, daß Dooley und seine tapferen Helfer die oft einsame Tropenexistenz mit Schlangen, Schwärmen von Fledermäusen, Ratten, wilden Ebern, aber auch eintöniger Büchsennahrung zu teilen hatten, begleitet mit dem Kampf gegen die Malaria in der eigenen Belegschaft. Gleichzeitig schaffte Dooley dennoch den Spagat, zwischen westlich-orientierter Medizin und den Medizinmännern im Lande vermittelnd zu meistern. Seine „Kollegen der Heilkunst“, wie er sie diplomatisch nannte, nahm er ernst, hatten diese auch über Erfolge zu berichten.

Dennoch stieß Thomas Dooley nach der Errichtung der dritten Station dieser Art an seine Grenzen. Ernüchternd mußte er zugeben, daß er trotz aller Anstrengungen nur einen Bruchteil des Elends verhindern und lindern konnte. Somit begab er sich schließlich doch wieder in die USA. Dort begegnete ihm der Mediziner Dr. Comanduras, sodaß 1958 die Organisation MEDICO (Medical International Cooperation Organization) gegründet wurde, die keiner religiösen oder politischen Beeinflussung sich unterzuordnen hatte.

Schicksalhaft endete aber Thomas Anthony Dooleys Leben. Eine Verletzung an der Brust, die er sich noch auf einer Fahrt zu Kranken im Dschungel zugezogen hatte, entwickelte sich zu einem Tumor. Viel zu spät ließ er sich operieren, um ein Jahr später schließlich gerade mal 34-jährig am 18. Januar 1961 zu sterben.

Eine seiner wichtigsten Botschaften, die er oft verkündete, war, daß die Liebe die stärkste Kraft auf Erden sei, stärker als der Haß, stärker als alles Böse, stärker als der Tod.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Sag nichts mehr

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Sie hat mich angerufen,
es war vier Uhr sieben,
sie fände keinen Schlaf,
ob ich ihr Gesellschaft
leisten mag.

Natürlich bin ich
aufgestanden,
es goß aus Eimern,
am Auto alle Fenster
beschlagen.

Beinah hätte ich
eine Kurve
nicht gekriegt,
ein Reh hätte
es fast erwischt.

Was tut man nicht
alles aus Liebe,
Sterne vom Himmel
holen,
morgens für sie aufstehen.

Ich klingle, ich klopfe,
nichts rührt sich,
ich tropfe, ich hupe,
ich fluche, ich hämmere
auf die Türe ein.

Mittags erreiche ich sie
endlich, telefonisch,
verständlich.
„Bin gerade aufgewacht,
hab wie ein Bär geschlafen,
heute Nacht.“

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Echo 2018: Musik überschreitet längst ihre Grenzen

Nach Frei.Wild und Xavier Naidoo der nächste Fauxpas

Das gilt natürlich ebenso für die Meinungsfreiheit, die ganz besonders die Neue Rechte für ihre perfiden Zwecke zu nutzen weiß bis hinein in den Deutschen Bundestag mit dieser AfD. Einerseits sich aufs demokratisch verbriefte Recht freier Meinungsäußerung berufen, andererseits Naziverbrechen wie den Holocaust in Rap-Texten verhöhnen.

Da paßt was nicht zusammen, erst recht nicht, wenn bei der Echo-Verleihung Kollegah und Farid Bang einen Echo-Preis gewinnen, sie obendrein sich über Rocksänger Campino lustig machen dürfen, obwohl dieser zu Recht deren Nominierung beanstandet hatte. Die Aufrechten sind wohl zu wenige – und zu alt?

Kommerz vs. künstlerische Qualität – Dennis Sand tritt ins Fettnäpfchen

Man kann es wesentlich genauer auf den Punkt bringen: Rassismus ist keine Meinung! Insofern gibt es keine Diskussionsbasis mit irgendwelchen Rappern, die meinen, sie müßten besonders ekelhaft die Gräueltaten der Nazis in ihren Texten hochhalten. Wenn obendrein ein nicht unübersehbarer Teil der Jugend jene „Musik“ kauft, dafür der Echo verliehen wird und daraufhin die Medien genau dies verurteilen, dann haben sie schlichtweg ihren Job getan.

Wer aber im Anschluß eine Debatte fordert, „Die Kollegah-Debatte muß endlich fair geführt werden!“, wie Dennis Sand in der Welt, der tritt allerdings gewaltig ins Fettnäpfchen. Wohl noch nicht genug von den zurückliegenden Fauxpas der Deutschrock-Gruppe Frei.Wild oder einem Xavier Naidoo, dessen „Marionetten“ gänzlich übers Ziel hinausschossen? Es schaut ganz danach aus. Wer Battlerap mit Verharmlosung von Rassismus und Rechtsextremismus verwechselt, den kann man nicht wirklich ernst nehmen.

Notos Quartett und Klaus Voormann geben ihre Preise zurück

Gut so. Während Wolfgang Niedecken sowie Campino ihren Unmut äußerten, Klaus Voormann als auch das Kammermusik-Ensemble Notos Quartett ihre Echo-Preise aus Protest zurückgaben, forderte Peter Maffey völlig berechtigt eine Aufarbeitung des Echo-Konzeptes.

Inzwischen soll der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) verkündet haben, das Konzept zu überarbeiten. Man darf gespannt sein, ob das gelingen mag, um derartige Grenzüberschreitungen in Zukunft zu verhindern.

Wir können eine Meinung vertreten, sie herleiten aufgrund unserer persönlichen Lebenserfahrung. Des öfteren muß man beobachten, daß gezielte Ansichten, Vorverurteilungen bis hin zu Haßtiraden ungefiltert übernommen werden, um sie an anderen Stellen entgleisen zu lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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Blütenweiße Wäsche

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Spätestens als der Morgenkaffee nicht schmeckte, war ihr klar, dies ist ein Scheißtag. Nicht verschlafen, nicht schlecht geträumt, hab ich geträumt, wer weiß, Klamotten angezogen, ohne sie wieder auszuziehen, um sich doch für eine andere Hose oder heute mal wieder ein Kleid zu entscheiden, nein, dann steh ich um neun noch vor dem Spiegel, man kann den sonnigen Tag schon spüren, nicht zu heiß, angenehm warm mit einem lauen Lüftchen wie im Traum, nein, es gab keinen Traum diese Nacht, es gibt diesen Scheißtag.

Tabea kannte diese Art von Stimmung schon, ohne einen bestimmten Auslöser beschleicht sie Unmut, Frust, Ärger. Irgendwann hat sie aufgegeben, Erklärungen dafür zu suchen. Ich krieg morgen sicher meine Tage, Mist ich habe vergessen, Mutter anzurufen, Urlaub kann ich mir dieses Jahr nicht leisten, Franco, ihr Freund, hat kein Verständnis dafür, daß sie freiwillig Überstunden macht. Alle etwaigen Gründe, die sie zusammenstellte, führten nie wirklich zu einem Ergebnis, auf das hin sie hätte sagen können, ja, das ist der Grund.

Sie selbst ist der Grund. Weil nämlich alles zur Zeit bestens läuft, keine Maschine kaputt, keine Reparatur steht an, nächsten Monat geht’s für ein paar Tage nach London, Svenja bekommt bald ihr erstes Baby, und sie wird Patentante, oh, wie freue ich mich schon darauf, sie hat das Wohnzimmer ohne fremde Hilfe gestrichen, nachdem starke Hände alles leer geräumt hatten, was hatten sie am darauffolgenden Wochenende Spaß beim Grillen hinten auf dem kleinen Rasenstück. Alles bestens. So ein Scheißtag.

Es ist dieses „alles bestens“, alles gut, alles perfekt, no problem, läuft wie geschmiert, traumhaft. Wie geht es mir? Super, kann überhaupt nicht klagen! Das Haar in der Suppe ist diese Zufriedenheit. Tabea wäre nicht Tabea, wenn sie nicht wüßte, wie sie jedenfalls funktionierte, schon öfters diese Situation meistern konnte. Meisterin der Bewältigung ihrer Zufriedenheit, hört sie in Gedanken Franco äußern. Gut, daß du jetzt nicht hier bist, du Verdrängungskünstler. Du Meister der leeren Worte, damit du dich nicht festzulegen brauchst.

Also ab in den Zoo, vorher noch bei Christines Laden vorbei, ein Feinkostgeschäft, Verpflegung organisieren für den Spaziergang durch den Zoo. Niemanden Bescheid sagen, einfach sich in Luft auflösen und den Frust im Zoo finden. Ihre Abneigung gegen das Gefangenhalten der Tiere ist immens. Seit ihr das bewußt geworden war, unterschrieb sie Petitionen, schrieb selbst Briefe an Organisationen, an Politiker, an sämtliche Institutionen, die für das Einsperren der Tiere entweder verantwortlich waren oder sich ebenfalls dafür einsetzten, Zoos zu verbieten, oder zumindest an Ideen arbeiteten, die das Eingepfercht sein nicht nur minderten, sondern dafür eintraten, Tieren ihrem Wesen entsprechend sehr große Flächen zuzugestehen.

Erwischte sie sich gerade bei dem Gedanken, das möge in absehbarer Zeit nicht geschehen, wo sollte sie ansonsten hingehen, um Wut zu spüren. Kinderheime, Einrichtungen für Behinderte, Krankenhäuser, Kriegs-, Katastrophengebiete kann man nicht so einfach spontan betreten und sich über die dortigen Verhältnisse mokieren. Zoos sind öffentlich zugängig, fast täglich. Steckt dahinter eine Absicht? Oder ist es Schutz für die Betroffenen? In einen Mastbetrieb kann ich auch nicht einfach hineinmarschieren. Im Zoo sehe ich auch nur die Fassade, die Bühnen, auf denen sich die Tiere präsentieren sollen, möglichst von der besten, verspielten, charakterähnlichsten Seite, das, was nach außen gezeigt werden soll. Hinter die Kulissen kann man auch dort nicht sehen.

Die Verlogenheit der blütenweißen Wäsche. Oma wieder. Karola Hoffmanns weiße Wäsche auf der Leine. Mühevoll akkurat aufgehängt. Jeder im Dorf wußte, sie wird geschlagen, die Kinder bekamen auch ihr Fett weg, wenn ihr Vater wieder einen Grund hatte, loszuschlagen. Karola Hoffmann mühte sich nach außen hin, den Eindruck einer ganz normalen Familie zu zeigen. Dazu gehörte blütenweiße Wäsche, ein Fußboden, auf dem man hätte essen können und eine allseits dargestellte Überfürsorglichkeit. Die hatte sie wirklich, sagte Oma. Herzensgute Frau war die Karola.

Tabea war sich gerade bewußt geworden, ihre Abneigung gegen weiße Wäsche, vor allen Dingen weißer Bettwäsche, kommt von den Erzählungen ihrer Großmutter. Sie vermied, Waschmittel zu kaufen, die mit Slogans warben, daß ihr Pulver nur blütenreine weiße Wäsche hervorbringt und Frauen zeigen, die vor Zufriedenheit fast einen Orgasmus kriegen, weil dies Ergebnis der saubersten weißen Wäsche sie zu den glücklichsten aller Menschen werden läßt. Und ihr war jetzt auch klar, warum sie Zufriedenheit nicht auf Dauer abhaben konnte.

Die giftigen Zusätze im Waschmittel oder die mühevolle Arbeit durch Einweichen der Wäsche mit Zitronensaft, Natron, Roßkastanienzweigen, um reinweiße Wäsche zu erhalten, möglichst noch sonnen- und windgetrocknet im Freien wird einfach ignoriert, Hauptsache weiß, ordentlich, rein, unbefleckt. Unbefleckt.

Vor dem Eingang des Zoos standen Menschen schon Schlange, kein Wunder bei diesem schönen sonnigen Tag. Tabea schlenderte zum Eisbärengehege. Weiß seid ihr, schmutzig weiß. Ihr habt hier nicht genügend Freiraum, alles um euch herum ist Kulisse, nicht mal alle Steine sind echt, das Wasser ist zu warm, alles ist grau um euch herum, ihr habt keine Möglichkeit, euch zu tarnen. Ganz langsam packte sie ihren Rucksack aus, zerriß das Plastik, das die neu gekauften weißen Leintücher vor Schmutz schützen soll, obwohl sie getränkt sind mit Gift gegen vermeintliche Insekten, die die Wäsche anknabbern könnten, schüttelte die großen Stoffe in Form und warf sie ins Gehege der Eisbären.

Ein Scheißtag ist das heute, das wußte sie, bevor sie den ersten Schluck Kaffee auf der Zunge spürte. Ein wundervoller Tag war das heute, als Franco sie vom Polizeirevier abholte. Zeitungen schrieben am nächsten Tag, nur mit Mühe gelang es den Beamten, Frau T. R. davon abzuhalten, ins Eisbärengehege Leintücher zu werfen. Sie bekräftigte ihr Handeln mir den Worten: Seht die Verlogenheit der blütenweißen Kulisse.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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USA: Weltpolizeiliches Gehabe am Scheideweg

Uncle Sam längst entlarvt

Laß uns einfach in Gedankenreisen versinken, ein leises Windrauschen umgibt flehentlich die ins schimmernde Rosa getauchte Abendstimmung, während milder Sand zwischen unseren Fingern rieselt, der noch in der Mittagshitze der leuchtenden Sonne ausgesetzt. Die ewigliche Geräuschkulisse der nahen Meereswogen ein ständiger Begleiter, obwohl sorgenvolle Blicke wir einander austauschen trotz der herrlichen Stimmung, die uns für Momente abgelenkt.

Nein, den Verlauf des Weltgeschehens vermag niemand aufzuhalten, selbst wenn wir gen Himmel uns strecken und hinausschreien, wie grenzenlos hegemonisch, ohne Sinn und Verstand diese USA vieles tagtäglich zerstören.

Die Mär vom „lieben“ Uncle Sam

Interessanterweise huldigen weite Teile der US-amerikanischen Bevölkerung den „lieben“ Uncle Sam, den der Graphiker James Montgomery Flagg zum Zwecke der Kriegswerbung für das Eingreifen in den Ersten Weltkrieg entwarf. Somit ein deutlich militärischer Selbstzweck, der gleichzeitig schon damals die Weltherrschaft der USA unterstrich.

Märchen dienen bekanntlich nicht nur der Unterhaltung, sondern flechten Mythen, Zauberwesen und ungeahnte Kräfte mit ein, um ihrem Wesen entsprechend uns Menschen einen Spiegel möglicher oder stattfindender Verfehlungen vorzuhalten, dabei eine moralisch-ethische Instanz darstellen. Daß ihnen ein ausschmückender Erzählstil beiwohnt, verleiht ihnen den nötigen Tiefgang, um uns ins Grübeln und Staunen zu versetzen.

Welch prickelnde Herausforderung, die Bevölkerung nach Gutdünken zu manipulieren, für bestimmte Vorhaben zu mißbrauchen, Hauptsache die Figur des Uncle Sams erfüllt die Aura ihrer Bedeutung als verbindendes Nationalsymbol. Inzwischen mischen sich viele wache Geister unter die träge Masse, die dem Konsumrausch verfallen kaum mehr bemerkt, was da vor ihren geblendeten Augen geschieht. Einige unter ihnen erkennen den bösartigen Zweck des Weltherrschaftsgedankens im Zusammenhang eindeutig zuzu-ordnender Missetaten, andere lehnen sich ungläubig zurück und verharren in lamen-tierender Schockstarre, reden sich ein, es wäre nicht so tragisch.

Die Schlinge zieht sich unaufhörlich zu – wann erfolgt das Aufwachen?

Einerseits erscheinen unübersehbar die ursprünglich überwundenen Glaubenskriege in einem neuen Licht, betreffen nahezu sämtliche Gesellschaften, wenn fanatische Anhänger jede Form der Beeinflußung anwenden, vom Buch zum Internet, von Gotteshäusern zur Bildung und von friedlichen Zeremonien bis hin zu Terror- und Kriegshandlungen. Stets meint der eine Glaube, den anderen verdrängen zu wollen, wenngleich Herrscher an den Spitzen der jeweiligen Bekenntnisse sich bedienen lassen, diese zum Selbstzwecke die angezündete Lunte des Haßes weiter entfachen.

Aber selbst christlich geprägte Gesellschaften, bei denen sogar diese kirchlichen Traditionen verblassen, immer mehr Menschen den Konfessionen den Rücken kehren, müssen feststellen, inwieweit ein Halt untereinander verlorengeht, weil sich alles nach dem goldenen Kalb richtet, ein Wettlauf der Zeit einsetzt, bei dem lediglich der auf der Sonnenseite des Konsumlebens sich wähnen darf, der mitmacht am perfiden Spiel grenzenloser Ausbeutung. Sollte man behaupten, die Schlinge ziehe sich unaufhörlich zu? Eine Metapher für den Ausverkauf der Menschlichkeit, um sie einzutauschen für das große Business, bei dem das Haben-Konto zählt, mitnichten das ursprüngliche, kreative verspielte Sein? Man muß es genau so werten, um das eigentliche Ziel sich vor Augen zu führen: der Beginn des Aufwachens!

Ende der Vierten Welt läutet einen gewaltigen Umbruch ein

Längst sind wir angelangt an diesem Punkt, den die Hopi beschrieben, das Ende der Vierten Welt. Und da wir nunmehr den Zusammenhang des Fortschritts entlarvt, der in Abhängigkeit wirtschaftspolitischer Machtstrukturen besteht, liegt es an uns allen, entsprechend zu handeln. Und es geschieht inzwischen in Form von vielen unter-schiedlichen Aktionen, von gutgemeinten Bewegungen wie Campact, aber auch in kleinen, regionalen mit dem Beginn von staatlich instrumentalisierten Vorgaben sich abzuwenden. Nur die Eliten und ihre Politschergen, die meinen allesamt, sie könnten diesen Weg des Hegemons unendlich fortführen. Nein, sein Ende ist längst besiegelt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Schaluppe

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Vor kurzem zog er hierher,
kaufte den kaputten Schuppen
vom alten Krüger Kurt,
der ist schon ewig tot.
Der Sohn hat die Bude verkauft,
lebt schon lange in der Stadt,
weggezogen mit Kind und Frau.

Verwahrlost der marode Bau,
überwuchert mit Unkraut,
keine Fenster mehr ganz,
selbst eine Ritterruine
wirkt neu, hat mehr Glanz.
Der ist nicht ganz dicht im Kopf,
so viel Geld für einen Schopf.

Was kümmert ihn das Gerede,
von Kosten, von verrückt.
Hier kann er mit seiner Schaluppe
auf dem kleinen See sich bewegen,
spürt Boden, Wellen, Brisen,
fühlt die Welt an ihm abrieseln,
den Himmel Wert spiegeln.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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