Alter Wein in neuen Bäuchen

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Sie haben allen Wein aufgetrunken.
Diese Halunken!

Ihren Geist mit Wahrheit angefüllt,
vermeinen sie, wie Stärke sich anfühlt.

Sie bringen den Verstand ins Wanken,
behaupten, die Welt würde schwanken.

Die Menschheit dem Tode geweiht,
Toleranz Kulturen entzweit,

das Gute in Wahrheit das Übel,
zu stutzen sei der linke Flügel,

der Linksdrall in der Natur
sei zu stoppen, da bleiben wir stur.

Wir werden das Schiff schon schaukeln,
sind Meister im Vorgaukeln

von sozialer Gerechtigkeit, Frieden.
Wir können Liebe in Haß verschieben.

Torkeln, Zweifel wird ein Ende gesetzt,
Gehorsam, Disziplin wird Gesetz.

Wenn Betrunkene reinen Wein einschenken,
sie wollen deinen Verstand einschränken.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Ungarn-Wahl: Orbáns Sieg bestätigt die Einstellung der Bevölkerung

Rechtspopulismus darf sich weiterhin austoben

Im kleinen Ungarn, wo Viktor Orbán seiner vierten Amtszeit entgegenblickt, nachdem mit einer Wahlbeteiligung von 70 Prozent dessen rechtkonservative Partei, die Fidesz, gar die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen konnte. Die rechtsradikale Partei Jobbik verlor offensichtlich ein paar Stimmen zugunsten der Fidesz, bleibt allerdings zweitstärkste Kraft im Lande.

Insofern ziemlich klare Indizien, die eine ungarische Mehrheit befürwortet, bestätigt deren Einstellung, die ganz besonders von der simplen Islamophobie seitens dieses fragwürdigen Ministerpräsidenten sich manipulieren läßt. Trotz eines mobilisierten Widerstands von einer Bewegung für Obdachlose, Protesten von Frauenorganisationen sowie einer Gay-Parade, sitzt Orbáns Regierung weiterhin fest im Sattel, setzt ihren EU-kritischen Kurs fort. Obendrein wirkt sein in Szene gesetztes Feindbild gegen den US-amerikanischen Investor George Soros, dieser plane eine Massenzuwanderung hauptsächlich aus islamischen Ländern, um das christliche Erbe Ungarns zu zerstören.

Orbáns Kurs zur Demokratur erhält mehr Stimmen

Damit wird der Abbau der Menschenrechte in Ungarn vorangetrieben. Die Unabhängigkeit der Medien im Lande ist ohnehin ziemlich fragwürdig, seitdem die Nemzeti Média- és Hírközlési Hatóság (kurz: NMHH), die „Staatliche Behörde für Medien und Nachrichtenübermittlung“ am 01. Januar 2011 besteht.

Besonders deutlich zeigte sich die Fokusierung auf die Person Viktor Orbán dadurch, daß eben kein Regierungsprogramm im Wahlkampf vorgestellt worden war, alles drehte sich um die einfachen Parolen seiner Kampagne. Dessen sichtbare Nähe zu Herrschern wie Putin und Erdoğan verdeutlicht zusammen mit den europäischen rechtsradikalen Kräften, wohin die Reise gehen soll. So hält er sicherheitshalber die nationalistische Grund-stimmung im Lande, während er gleichzeitig die Vorteile der Einbindung in der EU vollmundig nutzt.

Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt – Orbán wird Farbe bekennen müssen

Mit Blick nach Polen, Tschechien und der Slowakei schneidet Ungarn wesentich schlechter ab, stagniert Orbáns Wirtschaftswachstumspolitik viel eher, immer mehr junge, gut ausgebildete Ungarn kehren ihrem Land den Rücken, um im europäischen Ausland ihr Glück zu versuchen.

In ländlichen Regionen herrscht bereits Ärztemangel, die Lebenssituation in der Be-völkerung verschlechtert sich zunehmend, was einem Viktor Orbán egal zu sein scheint, Hauptsache er punktet mit dem installierten „ungarischen Modell“. Dabei ist dies aber von Brüssel selbst abhängig, extrem hoch belastet werden sozial Schwache mit der europaweit höchsten Mehrwertsteuer von 27 Prozent. Während gut Verdienende sich ins Fäustchen lachen bei der einheitlich eingeführten niedrigen Einkommenssteuer von derzeit gerade mal 15 Prozent, dem Ausbleiben progressiver Steuertarife, nützt es den Ärmeren im Lande nichts. Wird dieser Ministerpräsident tatsächlich Farbe bekennen und Betroffenen helfen? Wohl eher nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Rückenprobleme trotz Fortschritt

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Vorprogrammiert ohne Muskelaufbau und aus-reichende Bewegung

Bereits am frühen morgen mit den ersten Sonnenstrahlen begaben sie sich auf die Felder, um diese zu bestellen. Das hieß, Furchen ziehen mit dem Pfluge, eggen, säen und später Unkräuter jäten, immer wieder hacken, düngen und am Schluß ernten. Was die Bauern vollbrachten, all jene in ebenso mühevoller Arbeit tagtäglich in den Hallen und Lagern schuften mußten für ein wenig Geld, um zu überleben. Wer kennt sie nicht, die Bilder von altgebeugten Menschen in völliger Fehlhaltung, weil meist mit sichtbaren Rückenproblemen belastet, ein Übrigbleibsel einer geknechteten Gesellschaft.

Allerdings sollte man sich keiner Illusion hingeben, es sei heutzutage besser geworden, weil der Fortschritt manch pfiffige Idee entwickelt zur Entlastung des gepeinigten Menschen, der weiterhin der Mühsal ausgesetzt von klein auf bis ins hohe Alter. Was nutzen alle Hilfsmittel und maschinell dienliche Kräfte, um dem menschlichen Körper die Arbeiten zu erleichtern, wenn eben kein stabiler Muskelaufbau förderlich wahrgenommen, obendrein täglich ausreichende Bewegung als unnötige Anstrengung verpönt verkümmert?

Was im Kindesalter verpaßt, belastet die Gesundheit der Erwachsenen

Schon mal einen Schulranzen angehoben, liebe Leser? Mit Sicherheit die Eltern, die noch mit wachsamen Augen das Leben kritisch reflektieren. Aber die große Masse an überforderten Menschen, die ohnehin einer profitgeilen Wirtschaft beruflich hinterherhinken, passen sich infolgedessen an, es ihr ja recht zu machen.

Das beginnt bereits bei den Erstklässerlern, wenn wohlbetuchten Eltern extra gute Schulranzen empfohlen werden. Was unter 140 € erst gar als qualitativ schlecht und unsicher gilt, offenbart in der Praxis meist die 200 €-Variante oder gar mehr. Was nutzen empfohlene Gewichtsrichtlinien, wenn bereits in den meisten Grundschulen das zu tragende Gesamtgewicht dem jungen Rücken zu sehr schadet? Doch wer das Pferd verkehrt rum aufzäumt, Kinder im jungen Alter hohe Gewichte zumutet, darf sich nicht wundern, wenn die Gesundheit der Erwachsenen bereits vorbelastet!

Immer öfters raten nicht zufällig Physiotherapeuten sowie alarmierte Kinderärzte vor zu wenig Bewegung bei vielen Kindern und Jugendlichen. Achten Sie mal darauf, wie leergefegt Dörfer, kleine Städte und auch Randbezirke der Städte wirken. Gehörte es früher noch zum gewohnten Bild aktiv sichtbarer Kinderscharen, möchte man sie heute akribisch suchen. Die Welt der Fernsehgeräte, Playstations und PCs hat sie längst in den Bann gezogen, man lümmelt sich mehr recht als schlecht, was zu frühen Haltungsschäden führt mit entsprechend dramatischen Folgen von Verspannungen bis hin zu komplexen Krankheitsbildern. Eine wohlwollende Geldquelle für vorschnelle Diagnosen bestimmter Ärzteschaft, die sich gern einfindet?

Rote Karte an die Pharmariesen und Weißkittel – einfache Prophylaxe die Lösung

Ärzte sind auch nur Menschen, und wer sich auf die Profitgier nimmersatter Pharmariesen einläßt, darf sich nicht wundern, abfällig meist zu Recht als Weißkittel von kritischen Patienten tituliert zu werden. Während viel zu oft nach vorschneller Diagnose bei vermutlichen Bandscheibenvorfällen zum Skalpell gegriffen, entsprechende Operationen vorgenommen werden, hierzulande immerhin rund 65.000 jährlich, wären prophy-laktische Lösungen nicht nur erheblich wirtschaftlicher, sondern ersparen den zukünftig Betroffenen einen schmerzhaft langen Leidensweg.

Was spricht dagegen, bereits Kindern vom Kindergartenalter an eine Rückenmassage mindestens einmal wöchentlich zu gönnen, selbstverständlich ausgeführt von staatlich geprüften Masseuren oder geschulten Physiotherapeuten, doch zumindest zu Beginn der Schulzeit dies zu fördern? Gar nichts, sondern unbedingt eine ziemlich wirkungsvolle Maßnahme darstellt, die aber nur dann sich sinnvoll ergänzt, wenn gleichzeitig auf genug richtige Bewegung und ausgleichende Körperhaltung geachtet wird. Dies könnte in Kindergärten und Schulen kostenlos angeboten werden, zumal solch prophylaktische Angebote bei weitem teure Medikamente und anhängige OPs verhindern helfen und vor allem um ein Vielfaches kostengünstiger sich auswirken für unser Gesundheitssystem.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Jedem Tierchen sein Pläsierchen

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Die Luft ist raus – kennt man doch, oder? Jenes resigniertes Aufbäumen, nachdem verstärkt nahezu alles versucht wurde, um mit Biegen und Brechen wenigstens einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer am Horizont erahnen zu dürfen. Aber nach etlichen Versuchen möge mit dem Zusammenbruch das Desaster des Aufgebens vorherrschen, selbst ein Restfunken Optimismus entschwinden.

Klingt ein wenig zu pathetisch? Vielleicht. Andererseits, schauen wir doch mal etwas genauer hin, was da in letzter Zeit uns eigentlich aufhorchen lassen sollte, welche Fehlentwicklung zu solch einer Einschätzung führt. Die Welt schien ein Stückweit in Ordnung während der Balance des Kalten Krieges. Mit dem Fall der Mauer kamen die eigentlichen Mauern in den Köpfen derjenigen zum Vorschein, die im Stillen schon immer Intoleranz am Liebsten ausgelebt hätten, frei nach der Facon, weg mit dem „Kanakenpack“.

Es sieht sehr danach aus, ansonsten kann man sich kaum jene 13 Prozent erklären, die exakt diesem rechtsradikalen Weg blind folgen! Obendrein erhalten solch nationalistische Gedanken einen ekelhaften Rückhalt mit Blick gen USA, Ungarn, Österreich, Russland und tendenziell in manch anderen Staaten. Nichts aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts gelernt, geschweige denn sie tatsächlich umgesetzt? Im Gegenteil, sie wird fahrlässig nahezu wiederholt.

Richtig, es schwingt ein Funken Hoffnung zumindest beim Schreiber jener Zeilen hier, daß der große Rest hierzulande sich nicht beirren läßt. Doch manche „zündeln“ bereits innerhalb der CDU, um auf Stimmenfang zu gehen, indem ein Zurück von Frau am Heim und Herd folgen möge. Was jene Neuen Rechten können, die Union erst recht. Na, wenn da mal der Schuß nicht nach hinten losgeht! Es sei denn, Frau will ihren Kampf der letzten Jahrzehnte willenlos über Bord schmeißen und mir nichts dir nicht hinnehmen. Tatsächlich?

Jedoch sollte es nicht simpelst lauten, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Das funktioniert schlichtweg nicht, weil zu viele Widerstände im Raum sind, die sich letztlich entfalten wollen. Am Ende per Gewalt, die ohnehin schon längst Wege aufzeigt, die erschreckende Formen annehmen, denken wir an Terroranschläge, bis hin zu den gestrigen, Fahrzeuge als Waffen eingesetzt wurden, um Menschen zu töten. Jede Gesellschaft offenbart das Spiegelbild ihrer ungelösten Probleme im Kleinen wie im Großen. Letzteres geschieht noch nicht vor Ort, in Europa, aber in anderen Krisen und kriegerischen Konflikten, während Politik sich selbst ihrer Verantwortung zunehmend entzieht.

Sie hat die Verpflichtung, soziale Not erst gar nicht zuzulassen, wenigstens alles zu tun, um sie schnellstmöglich zu beenden. Das trifft nicht zu mit Blick hinsichtlich der Wohnungsnot, die negtive Steigerung von Hartz-IV in ein neues Gedankenmodell, welches erst recht Ausbeutung vorantreibt per Ausbau des Niedriglohns. Um es mal auf den Punkt zu bringen: moderner Sklavenhandel! Wer sich weigert, darf dann früher verenden, frei nach dem Satz des SPD-Mannes Franz Müntefering: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Widerlich!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Konstantin Westerhausen

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Konstantin Westerhausen schreckte aus dem Schlaf auf und wußte im selben Augenblick, er hatte den Wecker nicht gehört, obwohl er ihn seit Jahren, um eben dies zu vermeiden, möglichst nahe seines Kopfes auf den Nachttisch stellt. Die Zeitspannen zwischen dem Klingeln des Weckers und seines abrupten Aufwachens variierten, aber niemals kam es vor, daß er es nicht schaffte pünktlich aus dem Haus zu gehen und in die Bahn einzusteigen, die um 6 Uhr siebenunddreißig zum Hauptbahnhof fuhr.

Selbst heute mit seinen 87 Jahren war es für ihn ein leichtes Unterfangen, rechtzeitig am Bahnsteig zu stehen. Es war nicht nur seiner Übung zu verdanken, sondern auch dem Umstand, daß er trotz unrasiertem Gesicht und ungekämmten Haaren den Eindruck vermitteln konnte, vor ihnen steht ein Gentleman. Lange bevor es zur Mode wurde unter dem männlichen Geschlecht, mit einem Drei-Tage-Bart einen seriösen, wenn auch verwegenen Charakter darzustellen, um der Damenwelt zu gefallen, hatte Konstantin Westerhausen, wenn auch anfangs aus der puren Not heraus, ansonsten seinen Zug zu verpassen, bemerkt, genau diese Art von Persönlichkeit gefiel den meisten Frauen.

Einem Friseur, der wohl nicht genau verstanden hatte, welche Frisur Konstantin Westerhausen ihm mit gestenreicher Mimik und mit Händen und Füßen beschrieben hatte, ihm einen Haarschnitt verpaßte, der so gar nicht dem Wunsch von Konstantin Westerhausen entsprach, bezahlte Konstantin Westermann diese absurde Herumschneiderei nicht, drohte sogar gerichtlich gegen diese Verunstaltung vorzugehen, bis er nach drei Tagen kleinlaut wiederkam, dem Friseur dankte, weil bereits am nächsten Tag auf dem Weg ins Büro auffallend viele Blicke der Damenwelt ihm Gelegenheit gab, ohne aufzufallen, intensiv diese Damen zu begutachten. Seither sind seine Haare alles andere als akkurat geschnitten, ich würde sagen, er sieht ständig aus, als wäre er gerade eben aus einem Windkanal getreten. Heutzutage ist sein Look modern, jedenfalls was seinen Drei-Tage-Bart und seine Frisur betrifft. In punkto Kleidung ist er sich dem gut geschneiderten Anzug mit Krawatte, in kalten Tagen mit passender Weste treu geblieben. Auch würde er nie Look für sein Aussehen als Begriff verwenden, genauso wenig wie er es über sich bringen könnte, eine Jeans anzuziehen, selbst wenn diese maßgeschneidert wäre.

Das Begutachten der Damenwelt, wie ich es bereits erwähnt habe, beschränkte sich fast nur auf die Hände. Natürlich blieb ihm dennoch Zeit und Muße, sich Frauen auch unter anderen Gesichtspunkten anzusehen, aber wie gesagt, ihm ging es hauptsächlich darum, bei den Damen die Hände, die ihn seit seiner Jugend als Bildnis für eine mögliche Eheschließung oder doch zumindest einer freundschaftlichen Beziehung, zu finden. Während die Jungs aus seiner Klasse und seine Freunde begannen, in ihren ersten Liebestaumel zu verfallen, blieb Konstantin Westerhausen davon verschont, dank eines Traumes. So jedenfalls empfand er es Jahre später, es wäre reine Ablenkung von seiner wahren Liebe gewesen, beteuerte er. Denn davon war er überzeugt, sein Leben wäre eine Verschwendung gewesen, hätte er, nur um verheiratet zu sein, nur um eine Frau um sich zu haben, nur um nicht als schwul, verschrobener Einzelgänger zu gelten, eine Ehe geschlossen.

Da war nun einmal der Traum, dieser Traum, diese Hände, die ihm die Nägel geschnitten hatten. Seine Fußnägel. Ein immer wiederkehrender Traum, sicher ab und an ein wenig verändert, verzerrt, er konnte nur die Hände, Frauenhände, darüber braucht man nicht diskutieren, es waren keine Männerhände, so blöd bin ich nicht, um den Unterschied zu erkennen und vor allem zu fühlen, sehen. Auch schienen im Laufe der Jahre die Hände zu altern, wie seine Füße, denn dies waren seine Füße, die er sah, er spürte das Abschneiden der Nägel, wie er es empfand, wenn seine Mutter ihm als Kind die Nägel schnitt. Ob es rein faktisch sein könnte, daß womöglich doch andere Personen zu den Füßen und Händen gehörten, als er und eben die Frau, die er sehnlichst hoffte zu begegnen, um ihr seine Liebe zu gestehen oder einfach eine Gelegenheit zu finden, um in ihrer Nähe zu sein, sie bräuchte ihm die Fußnägel ja nicht zu schneiden, schied er, je älter er wurde, komplett aus.

Es gab Zeiten, da vermeinte er, der Traum würde nebliger werden, er erkannte im fahlen Lichtkegel, in dem seine Füße zu sehen waren, sie nicht mehr als die seinigen. Sie wirkten klobiger, fremd an seinem Körper. Natürlich war das enttäuschend, aber gleichzeitig war dies für ihn ein Indiz, daß er nicht so sehr seine Füße während des Traums sieht, sondern die Hände, diese Hände. Die Hände, die im hellen Licht jugendlich oder doch zumindest die Hände einer jungen Frau sind. Zarte Hände, gepflegte Hände, unlackierte Hände, durch das grelle Licht war die Hautfarbe nicht bestimmbar, vielleicht waren sie von Natur aus bleich oder dunkel, das konnte er nie herausfinden.

Fast hätte er vor langen Jahren Isolde geheiratet, fast, hätte er nicht in der Verlobungszeit geträumt, seinen wiederkehrenden Traum geträumt und gesehen, wie er mit den Füßen zurückzuckte, als die warmen Hände gerade mit dem Schneiden der Nägel beginnen wollten. Für ihn ein Zeichen seines Irrtums, in Bezug auf Isolde, nicht auf den Traum. Konstantin Westerhausen hat nicht völlig asketisch gelebt, es gab etliche Frauen in seinem Leben, Freundinnen, Bekannte und unter dem heutigen Ausdruck One-Night-Stands. Jetzt im Alter gab er sich gerne mal dem Gedanken hin, eventuell Vater geworden zu sein, ohne daß dies ihm mitgeteilt worden wäre. Dieser Tagtraum paßte irgendwie zu seinem Traum, dann vor allen Dingen, wenn er die Hände der Frau als zu jung im Traum erlebte und er indessen doch immer noch sicher war, diese Frau zu treffen.

Der Grund, warum er täglich, obwohl schon lange in Rente, in Pension, schließlich war er Beamter gewesen im Bauamt der Stadt, zum Hauptbahnhof fuhr, pünktlich um 6 Uhr siebenunddreißig, war einerseits die Gewohnheit, dies über Jahre getan zu haben, andererseits am Hauptbahnhof waren so früh morgens eine Menge Menschen auf den Beinen, denen er auf die Hände sehen konnte. Gewöhnlich aß er sein Frühstück im neuen Anbau, seit der Bahnhof umgebaut wurde, befanden sich dort Läden und Geschäfte, sowie Restaurants. Zur Fußgängerzone war es von hier nicht weit, genauso wie zum Stadtpark, Museen, Bibliotheken, er hatte ab dem Bahnhof sozusagen Anschluß an all erdenkliche Stationen, in denen Menschen, meist in Massen sich einfanden. Und dies liebte er, aus bekannten Gründen. Denn wo Menschen sind, sind auch Hände, und irgendwo dort sind seine Traumhände.

Konstantin Westerhausen stand pünktlich am Bahnsteig, so wie immer, adrett seriös gekleidet, der Anzug wird jeden Abend über seinen stummen Diener gehängt, ein frisches Hemd liegt auf dem Schlafzimmerstuhl, Schuhe darunter, die morgendliche Toilette fiel etwas, etwas sehr kurz aus, aber er kann dem nichts Schlechtes abgewinnen, hat er ansonsten genügend Zeit, seinem körperlichen Drang nach Sauberkeit nachzukommen, was hat es da schon zu bedeuten, wenn dies heute nicht so perfekt lief, schließlich überhört er nicht oft seinen Wecker. Der Traum war heute Nacht wieder da gewesen, nach langer Zeit, vielleicht war dies der Grund, warum er aufschreckte, lange nachdem er ihn geträumt hatte, der Schreck kam jedenfalls nicht von seinem Traum, warum sollte der ihn schrecken?

„Herr Waltersen, ich bin fertig. Die Nägel habe ich diesmal nicht vergessen, auch die Fußnägel nicht. Soll ich jetzt schon den Zettel an den Zeh hängen?“

Valeria stand mit einem kleinen Zettel und einem Fußzettel mitten im Raum der Pathologie, sie verglich noch einmal die Nummern, sie waren identisch, und sie war sicher, absolut sicher, daß dies die Nummern waren, die Herr Waltersen neben den Namen in das Buch auf dem Beistelltisch geschrieben hatte, in kleiner Schrift hatte sie gelesen, Konstantin Westerhausen, in der Spalte daneben stand, Herzinfarkt. Ihre Hände, ihre zarten Hände zitterten leicht, gepflegt sahen sie aus, auch unlackiert, sie hatte diesmal alles richtig gemacht, ganz cool, ganz souverän, so als ob sie schon ewig hier arbeiten würde, und dabei war sie gerade erst mal in der letzten Woche der Probezeit.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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EU-Kommissarin Věra Jourová fordert Sammelklagen

Mehr Verbraucherschutz nach VW-Abgasskandal?

Das wäre doch mal eine gute Nachricht für geprellte Verbraucher, gegen Firmen und Konzerne gemeinsam in Form einer Sammelklage vor Gericht ziehen zu können. Ginge es nach Věra Jourová, der EU-Kommissarin für Justiz, soll dies bald möglich sein, sie will nach den Folgen des VW-Abgasskandals Sammelklagen einführen.

Was zunächst folgerichtig ziemlich vernünftig klingt, könnte sich dennoch als Stolperstein des politisch guten Willens herausstellen, weil die erst seit kurzem im Amt befindende bundesdeutsche Justizministerin, Katarina Barley, gelassen dem Vorschlag der EU-Kollegen entgegenblickt, da laut deutschem Recht Verbraucher nur individuell klagen dürfen.

Viel Bohei um nichts oder endlich mehr Chancen für Ver-braucher?

Die Mühlen in der Politik mahlen stets dann besonders langsam, wenn überhaupt, sobald ausgerechnet mächtige Instanzen sich bedroht fühlen, sie gar zur Verantwortung gezogen werden könnten, schließlich dürfen wir nicht die Macht von Konzernen, so auch erst recht von großen Auto-Konzernen wie VW unterschätzen.

Es wäre ja noch schöner, sollten geprellte Verbaucher per Sanmelklage gar größere Chancen vor Gericht erhalten. Genau jene Denkweise beflügelt Politik verstärkt, die Hand, die einem füttert, erst recht zu unterstützen. Aus diesem Grund wird sich eine Katarina Barley eher ins Fäustchen lachen, weil ihre europäische Amtskollegin einen schweren Stand hat. Das wird jene dennoch nicht davon abbringen, ihr Vorhaben aufzugeben.

US-Sammelklagen dienen als Vorbild

In den USA haben Sammelklagen längst dortigen Konzernen das Fürchten gelehrt, zu-mindest müssen sie sich auf Widestände seitens entrüsteter Verbraucher einstellen, die dann vor Gericht ziehen, selbst wenn natürlich Konzerne mit entsprechender Anwaltschaft sich wappnen.

Ob Bundeskanzlerin Merkel ein Gesetzgebungsverfahren aufgreift, welches die Ver-braucherschutzminister der Länder zu Beginn des Jahres brieflich gefordert hatten, bleibt dahingestellt. Bekanntlich schiebt die Kanzlerin manches gern auf die lange Bank oder sitzt es einfach aus. Trotzdem machen solche Initiativen wie die von Věra Jourová zunächst mal Mut, sich nicht alles bieten zu lassen, damit Verbraucher in Zukunft rechtlich bessere Chancen erhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Verbraucherschutz

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Park ist überall

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Zwischen Hecken
Körper entdecken,
Liebe flüstern,
nicht schüchtern.

Vögel tirilieren,
Unschuld verlieren,
Wasser plätschert.
Scham abgeblättert.

Mauer steht noch,
dahinter tiefes Loch.
Parkhaus entsteht.
Vergangenes weggefegt.

Gefühle beben
der Liebe wegen.
Ob im Park oder im VW,
Küsse sind überall schee.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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