Feilgebotene Narzißtenliebe

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Menschen stellen ihr Leben wie Waren
im Selbstbedienungsladen
auf Social Media Plattformen,
ähnlich sortiert wie in Regalen
nach Gruppen, Vorlieben, Idealen.

Damit man jeden sieht, keinen überhört,
jeder hat sein personalisiertes Egoalphabet.
Selfies allein sind kein Markenzeichen,
das Photo von gestern, heute veraltet,
ein Zeigefingerdruck nicht ausreichend.

Um in den Berühmtenhimmel aufzusteigen,
müssen alle zehn Finger die Tasten greifen,
müssen sie Gefühle zum Klingen bringen,
ob gut, ob schlecht, ob Held, ob Opfer,
egal, Hauptsache es erhöht das Egopolster.

Ständige Aufmerksamkeit erreicht man
mit Glückswolken und Sorgenharndrang.
Piept, blinkt es auf der eigenen Netbühne,
steigt man aufs Podest der Unvergessenen,
ist das Ehrung für die beste Narzißtenliebe.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Merkels Regierungserklärung durch CSU überschattet

Natürlich gehört auch der Islam zu Deutschland

Genauso wie zu anderen europäischen Nationen als auch generell zu all den Ländern, wo Muslime ein friedfertiges Dasein fristen. Wer etwas anderes behauptet, Rechtsextremisten ohnehin und der Koalitionspartner der Bundeskanzlerin, die CSU, die wollen nicht nur gezielt polarisieren, sondern tragen entscheidend mit dazu bei, die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit zu gefährden.

Man könnte den Seehofers und Dobrindts nicht nur unterstellen, im trüben Wasser der Neuen Rechten fischen zu wollen, darüber hinaus taucht unweigerlich die Frage auf, ob ein solcher Koalitionspartner dem Kabinett Merkel IV guttut. Ihre Regierungs-erklärung umspannte im Wesentlichen den beschlossenen Koalitionsvertrag, wobei sie auch die Gelegenheit nutzte, das völkerrechtswidrige Verhalten der Türkei in Afrin scharf zu verurteilen, obwohl eine Frau Merkel sicherlich andere Möglichkeiten hätte, einem Herrn Erdoğan die Stirn zu bieten, was sie allerdings aufgrund von Nato-Ver-pflichtungen einfach unterläßt.

Religionsdebatten führen nicht weiter

Gleichzeitig nutzen sie einer AfD zusammen mit all denjenigen, die am Liebsten den Nationalismus hofieren, beste Voraussetzung für eine sich zersetzende Spaltung in der Gesellschaft bis hin zu Ausgrenzung und gelebten Rassismus. Das alles fördert eine CSU, allen voran jener Horst Seehofer. Dabei verkennt dieser, inwieweit Religionsdebatten keineswegs weiterführen.

Anstatt zu akzeptieren, daß über 4,5 Millionen Muslime im Lande leben, weitestgehend integriert, die ebenso am Wohlstand Bayerns ihren Anteil haben, versucht die CSU diese auszugrenzen. Ein völlig verkehrtes, kontraproduktives Signal. Im selben Atemzug das christlich-jüdische Abendland hervorzuheben, verkennt deutsche Verfehlungen, denkt man an die Judenverfolgung und den Holocaust. Viel eher sollte eine CSU endlich Konsequenzen aus der Geschichte ziehen und eine derart unnötige Debatte tunlichst vermeiden!

Das neue Regierungsbündnis somit auf wackeligen Beinen?

Mit Blick aufs neue Kabinett kann man diese Frage nur bejahen. Erst recht mit einer CSU und geschwächten SPD, deren „S“ im Parteinamen mehr denn je an Glaubwürdigkeit verloren hat. Wer schon mit einer solch fragwürdigen Idee wie die des Hubertus Heil aufwartet, Langzeitarbeitslose sollen gemeinnützige Arbeit leisten, der hat gleichwohl deren Schicksale nicht ansatzweise verstanden wie damals eine Frau von der Leyen, die noch gemeint hatte, Bauarbeiter mal hurtig in Büros unterbringen zu können.

Anstatt auf die Betroffenen endlich maßvoll human zuzugehen, folgt die nächste Gängelung, eine Fortsetzung jenes Sozialrassismus, den gerade jene SPD unter Schröder initiiert hatte. Das läßt ziemlich tief blicken, gleichwohl die bevorstehende Zielsetzung dieser Merkel-Regierung.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Nation eine Vielfachgeburt

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Bewahren wir ihr Gemeinwesen

Jede Nation besteht aus Geborenen verschiedener Familien. Die Anzahl dieser Personen kann variieren und ist nicht von einer bestimmten Größenordnung abhängig. Nationen können demnach genauso aus 100 oder aus 100 Millionen Personen bestehen. Was nicht bedeutet, daß sie sich nicht tangieren, in sich geschlossene Welten darstellen. Der größte Teil von Menschengruppen, die sich Nationen nennen, ist gleich der Mengenlehre durch verschiedene Weisen miteinander in Verbindung zu bringen. Wäre eine Nation eine hermetisch abgeriegelte Gruppierung, wäre sie auf Dauer nicht entwicklungsfähig.

Man muß nicht alle Zusammenhänge verstehen, die dazu geführt haben, welche Wörter, Begriffe, Ausdrücke, die im jetzigen Sprachgebrauch angewendet werden, eine Sinnhaftigkeit ergeben, die für alle verständlich ist. Bei manchen Assoziationsmöglichkeiten, die sich durch die Sprachgeschichte der Wörter ergeben, bleibt vieles im Dunkeln, im Nebel oder erscheint im hellen Licht. Anders ausgedrückt, einige kognitive Denkstrukturen der Altvorderen können nicht mehr nachgewiesen werden, bei anderen wird eine sprachverwandte Komponente zur Klärung hinzugezogen, und bei der dritten Möglichkeit ist es selbst vom heutigen Stand des Wissens erfreulich, mit welcher Weitsicht der Ahnen Wörter zu ihrem Namen kamen.

Nation, französisch nation, lateinisch natio, das Geborenwerden; Geschlecht; Volk(sstamm), zu natum, Natur (Duden) Synonyme sind, Staat, Land, Volk, Gemeinwesen.

Natur, mittelhochdeutsch natūre, althochdeutsch natūra , lateinisch natura, Geburt; natürliche Beschaffenheit; Schöpfung, zu: natum, 2. Partizip von: nasci, geboren werden, entstehen Andere Begriffe sind, Flora und Fauna, Naturreich, Tier- und Pflanzenwelt, Charakter, Gemütsart, Persönlichkeit, Temperament, Individualität, Beschaffenheit, Zustand.

Natur ist niemals ein für sich allein abgekapseltes Gebilde. Sie ist ein weltumspannendes, sogar allumspannendes verwebtes Konstrukt. Nichts in ihr lebt für sich alleine. Sie basiert auf Wechselwirkung, Austausch, Veränderung.

Diese natürliche Beschaffenheit, diese Schöpfung, dieses Geboren werden, dieses Entstehen, diese Natur bildet die Erkenntnis zur Bildung einer Nation. Sämtliche künstliche Eingriffe in dieses Staatengebilde, in dieses Naturreich, in diesen Charakter können dazu beitragen, das Gemeinwesen, die Schöpfung, die Individualität zu zerstören oder zumindest schweren Schaden zufügen, dessen „Heilung“ extreme Anstrengungen erfordert.

Wer absichtlich verhindert, daß sich Natur, Nation entfaltet, Stop von Austausch, Verhinderung einer Wechselwirkung, Veränderungs-, Entwicklungsverbot, der handelt wider die Schöpfung und gegen den Staat.

Wenn uns Menschen eine „Aufgabe“ obliegt in diesem Naturkreislauf, in der Gemeinschaft einer Nation, dann ist es, den von der Natur gegebenen kognitiven Verstand darauf zu verwenden, die Schöpfung Natur und die Schöpfung Nation in einer harmonischen Koexistenz untereinander und miteinander die Geburten der Veränderungen, der ständigen Wechselwirkungen, des Austausches zu erhalten.

In diesem Sinne ist die Weitsicht und die Weisheit unserer Ahnen, Natur und Nation aus derselben Sprachwurzel zu benennen ein Zeugnis von kognitivem Verstand, der einigen Menschen wohl in diesen Tagen fehlt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg

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Ein historischer Rückblick

Der Zweite Weltkrieg hat schließlich sein Ende gefunden. Darf die Welt befreit aufatmen? Die Geschichte zeigt es uns, wenn wir denn bereit dazu sind, rückblickend zu erkennen.

Die 1950iger Jahre waren europaweit geprägt vom Aufbau, in manch weltweiten Teilen ebenso, denken wir nur an die furchtbare Zerstörungsgewalt der zwei Atombomben, die von den USA auf Japan abgeworfen schreckliches Leid verursachten. Unweit davon der Zweite Indochinakrieg aufflammte. In mehreren europäischen Staaten herrschten weiterhin Despoten, wie in Portugal, Spanien und Jugoslawien, Deutschland geteilt durch die Befreiung der Westmächte und Unterdrückung im Osten durch die Sowjetunion.

Die Gesellschaft schien aufzuwachen

In den 1960iger Jahren entwickelte sich ein weltweiter Prozeß des Aufwachens beim Aufblühen der entstehenden Konsumgesellschaft. Einerseits verschärfte sich der Ost-Westkonflikt durch Mauerbau und dem Beginn der Hochrüstung beider Weltmachtstaaten, andererseits eskalierte der Vietnamkrieg zur Farce mit vielen Opfern. Es folgte das Ende der Kolonialmächte, die befreiten Staaten wurden unabhängig. Gleichzeitig zeigte sich ein neuer Widerstand initiiert durch die Befreiung konservativer Moralvorstellungen, deren ganze verlogene Tragweite entlarvt wurde, gegen Ende des Jahrzehnts stand eines fest: Make love, not war, während endlich der Mann im Mond als Mär verschwand, aber der erste Schritt eines Menschen den Erdtrabanten erreichte.

Entwicklungen brauchen ihre Zeit, bis sie angekommen sind in den Völkern. Gleich zu Beginn der 1970iger Jahre setzte die Ölkrise ein Zeichen: Unsere Ressourcen wurden als begrenzt erkannt. Bürger- und Protestbewegungen setzten sich verstärkt fort, die Menschen wollten nicht mehr einfach alles schweigend hinnehmen, die Konsumgesellschaft entpuppte sich als trügerisch, während die Politik keineswegs die Stimmen erkannte, sondern hochgerüstet ihren Kurs fortsetzte. War mit dem Nato-Doppelbeschluß der beinahe stattgefundene Atomkrieg verhindert worden? Zunächst mal schon, auch wenn am Ende des Jahrzehnts die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte.

Am Ende der 1980er tatsächlich eine Wende?

Die 1980iger Jahre das Jahrzehnt, welches das Ende des Ost-West-Konfliktes einleitete? Unbedingt im Nachhinein. Ausgerechnet das stets überrannte Polen war es, welches mit Lech Walęsa und seiner Solidarność den Beginn vollzog. In Deutschland auf der einen Seite die große SPD von der kleinen FDP hintergangen wurde, um den Weg der bevorstehenden Kohl-Ära zu ebnen, andererseits Bürgerprotestler sich in der Partei der Grünen wiederfanden und deutsche Politik mitgestalteten. Die Umwelt stand im Fokus und erhielt eine Chance.

Mit dem Mauerfall und der Fortsetzung der Kohl-Regierung in Deutschland waren die 1990iger Jahre geprägt von den Versuchen, zwei grundverschiedene deutsche Staaten zusammenzuschweißen, während tatsächliche Unterschiede in verbalen Vorurteilsdebatten mündeten, ein Ende dessen nicht in Sicht. Was der wache Politiker Oskar Lafontaine voraussagte, fand tatsächlich statt: Die hochgefeierte Wiedervereinigung kostete die Menschen sehr viel Geld, Enteignung und Bereicherung derjenigen, die dies von Beginn an kaltschnäuzig geplant hatten!

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends war gleich zu Beginn eingeläutet worden als das Argument zum Ende der Bürgerrechte, staatliche Überwachung begünstigt durch einen Terroranschlag gegen die Weltmacht USA. Ob inszeniert oder nicht, weltweite Folgen standen an. Schurkenstaaten wurden ausgemacht, die atomare Bedrohung durch Weltmächte abgelöst mit der längst vollzogenen Möglichkeit vieler Terrorzellen, die niemand ausmachen konnte, es sei denn, sie waren entlarvt. Heimtücke vielerorts, das Jahrzehnt der gezündeten Selbstmordattentäter hatte seinen traurigen Höhepunkt, während weiterhin weltweite Hungersnöte statt abzunehmen eher zunahmen. In Deutschland entwickelte der Hoffnungsträger SPD zusammen mit den Grünen die größte Soziallüge: die Hartzgesetze, eine unerträgliche Form des Sozialrassismus!

Wie verläuft das zweite Jahrzehnt bisherig?

Zunächst durfte man davon ausgehen, daß gerade das Zeitalter des Internets eine enorme Chance bot, daß gut organisierte Geister weise handelnd Menschen zusammenführen. Die Wirklichkeit offenbarte das vielfach eben nicht. Rechtsextremismus breitete sich viel eher aus.

Die Bevölkerung ließ sich neben dem Medienspektakel auch von jener Entwicklung ablenken, während die Politik in trauter Verbundenheit mit einer Wirtschaft der Konzerne den Kurs der Unterdrückung und Ausbeutung eiskalt fortsetzt. Die weltweiten, meist friedlichen Widerstände waren zunächst ein deutliches Zeichen dafür, daß das Ende der Herrschaft des Kapitalismus in dieser Form stattfinden sollte. In den verbleibenden knapp zwei Jahren schaut es allerdings eher düster aus, ein erneuter kalter Krieg entflammt, gleichzeitig nehmen weltweite Krisen und Kriege zu.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Beweg dich

Beweg dich
Im Takttritt
Fahnen wehen
Wieder einheitlich
Uniform die Norm
Im Gleichschritt
Marsch! Befehle!

Liebe nur
Im engen Kreis
Der Heimat
Siegpreise verleihen
Bedingt Nulltoleranz
Gewaltgewinn ist
Treuebeweis

Geldbeträge
Stopfen Mäuler
Von Unzufriedenheit
Zur Stärkung
Der Kräfte
Deren Bindung
Unfähigkeit

Gehorche
Löst ab Gespräche
Stumm bleiben
Emotion zerstört
Bedrohte Seelen
Beherbergen Enge
Nie Schöpfungsweise

Beweg dich
Einen Schritt
Aus diesen Schatten
Wege der Zwänge
Geboren sind wir
Fremdes zu sehen
erkenntlich zu machen

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Freie Selbstbestimmung in Frage gestellt

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Abhängigkeiten belasten den Alltag

Die Menschheit befindet sich seit jeher in Abhängigkeiten. Der Wunsch von einer gewißen Unabhängigkeit bleibt ein Traum, eine Illusion. Das wirklich Tragische aber offenbart sich dabei, wenn wir uns vergegenwärtigen, welchen Preis die Menschen bezahlen müssen auf den vielen Wegen der nicht erreichbaren Unabhängigkeit. Geschichtlich betrachtet, gibt es da überhaupt keine Zweifel.

Natürlich bewahren wir uns ein großes Stück an Unabhängigkeit in unserem Denken, in der freien Selbstbestimmung. Man kann sogar soweit gehen, zu behaupten, daß ausschließlich nur das Denken selbst wirklich frei und unabhängig ist.

Was sind die wahren Hintergründe einer ständigen Vereitelung von Unabhängigkeiten?

Wenn wir uns das ganze Ausmaß, die Bandbreite der Möglichkeiten betrachten, inwieweit es reell eine gewiße Unabhängigkeit gibt, kommt man eigentlich zu dem Ergebnis, daß nur eine bestimmte Stellung, Reichtum überhaupt hilf- und dienreich vorhanden sein muß, um in den Genuß zu gelangen. Mit anderen Worten, je mehr Geld und Macht, um so unabhängiger. Dies zieht sich wie ein roter Faden quer durch die gesamte Geschichte der Menschheit.

Sämtliches Bestreben hat sich genau nach diesem Ziel gerichtet. Arme und mittellose Menschen befanden sich daher stets in einer extrem gefährlichen Abhängigkeit. Gefährlich deshalb, weil sie auf Gedeih und Verderb der „unabhängigen Klasse“ ausgeliefert waren. Das ist bis heute noch so, und zwar vollkommen erschreckend selbstverständlich. Beispiele gefällig?

Schauen wir uns doch jene politisch weitreichend verkehrte Weichenstellung einmal etwas genauer an, in diesem Kontext die Hartz-IV-Gesetzgebung. Ein dramatischeres Paradebeispiel für eine Abhängigkeit ist wohl kaum auffindbar in Staaten, die den Anspruch nach außen hin tragen, sozial zu sein. Gleichzeitig offenbart sich hier auch ganz schnell die Perversität im Umgang mit Menschen. Wieso pervers? Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie simpel doch die Hartz-IV-Gesetze gestrickt sind, was eine demütigende Bevormundung Menschen gegenüber bedeutet, dann scheint diese Formulierung wohl doch zuzutreffen.

Wie kann es sein, daß Menschen, die heute arbeitslos werden, und die nach einem Jahr erfolgloser Jobfindung in die Hartz-IV-Falle geraten, daß dabei ein Vater oder eine Mutter z.B. sämtliches angespartes Geld für das Studium des Kindes wieder abgeben muß, bevor sie in den Genuß staatlicher Fürsorge geraten? Hierbei werden gleich zwei Generationen geschwächt. Der Unabhängige hat dem Abhängigen gezeigt, wo’s langgeht!

Konzerne werden hingegen hofiert

Gleichzeitig ist die Frage zu stellen, warum auf der anderen Seite das Großkapital immer dreister und offensichtlicher hofiert wird. Erinnern Sie sich noch an den Fall des Nokia-Konzerns in Bochum? Damals hat auch dieser schamlos hohe Subventionen kassiert, an dieser Stelle sei betont, daß da immer zwei dazugehören: Jemand, der diese zur Verfügung stellt, in diesem Fall eine äußerst fragwürdige Politik und natürlich die Nutznießer.

Anschließend wurde einfach mit dem ganzen Werk mal umgezogen, dorthin, wo die Lohnkosten geringer waren sowie die Umweltauflagen. Für die Konzernleitung ein gewinnträchtiges Geschäft, für die abgezockten Menschen bedeutete es Arbeitslosigkeit. Das Ganze wird übrigens als Globalisierung benannt, letztlich ein Beispiel des Raubtierkapitalismus. Hierbei zeigt sich ziemlich deutlich das Verhältnis zwischen der Unabhängigkeit und der Abhängigkeit.

Muß diese Einbahnstraßenentwicklung sich zwangsläufig ewig so fortsetzen?

Keinesfalls. Es liegt lediglich an uns Menschen selbst, ob wir die Zusammenhänge erkennen, vor allem auch wollen, um dann anschließend mit entsprechendem Nachdruck zu handeln. Natürlich wird es niemals eine Unabhängigkeit geben können, eben weil das Leben selbst immer von Abhängigkeiten geprägt ist, schauen Sie einmal in die Natur, aber auch in die natürlichen Geschehnisse dieser Erde, wie z.B. Vulkanausbrüche, Stürme, Erdbeben, Wetterkapriolen etc.

Andererseits müssen wir uns dabei von dem unnötigen Druck ständiger Abhängigkeiten befreien, wenn diese unbedingt als „hausgemacht“ entlarvt sind. Es kann und darf nicht sein, daß weiterhin Ungerechtigkeiten hingenommen werden, die schon ziemlich lange hätten beendet werden müssen, wie Hungersnöte, zu großer, maßloser Reichtum.

Solange die Menschheit dies immer noch hinnimmt ohne tatsächliche Änderungen, werden Abhängigkeiten eher wieder zunehmen, wobei dann erneut soziale Spannungen und Kriege folgen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Geniert sich Geist oder Gefühl vor Folter?

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Verharmlosen sich Qualen mittels Scham?

Geniert sich Geist oder Gefühl vor Folter? Ist es dem Geist oder dem Gefühl peinlich, wenn jemand der Folter unterzogen wird? Schämen sich Personen, die andere foltern? Ist der Auslöser des Genierens über diese Tat eine geistige Auseinandersetzung, oder sind es die Emotionen, die vor Scham in den Boden versinken?

Wer hat sich nicht schon einmal geniert in einer Situation, die für ihn peinlich war? Möglicherweise verbunden mit einem roten Kopf, mit stottern, auf den Boden sehen, zittern, Schweißausbruch oder ähnlichen Symptomen? Es gibt zu viele unterschiedliche Auslöser, warum jemand sich gehemmt fühlt, sie sind genauso mannigfaltig wie die Anzahl von Individuen. Peinlichkeit ist der Begriff für eine kleine Ungeschicklichkeit oder großen Fauxpas. Auch hier ist die Bandbreite der Fettnäpfchen großgefächert. Da es nicht klar umrissen werden kann, festgelegt auf ein paar bestimmte Situationen, in denen man sich geniert, kann das Wort genieren auch nicht auf einen oder artverwandte Benennungen zurückgeführt werden.

genieren, französisch (se) gêner, zu gêne, veraltet auch, Folter, altfranzösisch gehine, das durch Folter erpresste Geständnis (Duden). Synonyme sind, etwas peinlich empfinden, unangenehme Situation, schämen, verlegen sein. Veraltete Begriffe sind belästigen, stören, jemanden hinderlich sein.

(se) gêner, (französisch), peinlich sein.

gêne, (französisch), Beschwerde, Befangenheit, Verlegenheit.

Die Folter, um 1400 föltrit, foltren (Dativ), umgestaltet aus mittellateinisch poledrus, Fohlen, das dann ein der Form nach einem kleinen Pferd ähnelndes Foltergestell bezeichnete (Duden). Andere Wörter sind, Misshandlung, Marter, Peinigung, Qual.

Ob es erstaunlich zu nennen ist, daß das Wort Folter von einem Folterinstrument stammt, das in seiner Form einem Fohlen ähnelte, mag jeder für sich beantworten. Es hätte sicher noch eine ganze Reihe anderer Foltergerätschaften gegeben, die man für diesen Begriff übernehmen hätte können. Denn die Folter wurde sicherlich nicht von den Römern „erfunden“, und das „poledrus“ war auch nicht das einzige „Instrument“, um Menschen zum Reden zu bringen, Geständnisse zu erzwingen oder was immer man mit Folter erreichen wollte.

Vielleicht war das „poledrus“ am niedlichsten anzusehen, vielleicht wollte man damit eine gewisse Harmlosigkeit unterstreichen, oder es war ein Mittel, um sich angesichts einer ernstlichen Lage mit einem Witz, Gag den Schrecken zu nehmen.

Erstaunlicher ist vielmehr, warum das französische Wort für Folter „gehine“, (das durch Folter erpreßte Geständnis), sich in genieren, peinlich sein, schämen, sich „verwandelte“.

Hier stellt sich die Frage, geschah dies durch geistige Auseinandersetzung mit Folter oder mit den hervorgerufenen Gefühlen, die Folter freisetzen kann. Und dies nicht nur beim Folternden, sondern auch beim Gefolterten. Für wen ist Folter peinlich? Wer schämt sich für das Foltern? Wen hemmt das Foltern, wen macht es verlegen?

Die oben erwähnten veralteten Begrifflichkeiten von „genieren“, nämlich belästigen, stören, jemanden hinderlich sein, können nicht wirklich eine definitive Erklärung liefern, aber sie verdeutlichen das Wort Folter besser als die neuere Sprachanwendung. Denn jemanden stören, belästigen, jemanden hinderlich sein, hat mehr mit Qual und Marter zu tun als schämen, verlegen sein, oder?

Die anfangs gestellte Frage: „Geniert sich Geist oder Gefühl vor Folter?“, kann mit dem Wort „stören“ besetzt eine Person aus ihrem Gleichgewicht bringen. Wer absichtlich das Gleichgewicht stört, belästigt, schämt sich selten dafür, denn er hat diese Behinderung bewußt herbeigeführt und ist deshalb im Einklang mit seinem Geist und Gefühl.

Wenn sich Geist und Gefühl hingegen schämen, ist es fast auszuschließen, daß dennoch jemand aus dem Tritt, dem Gleichgewicht gebracht wird, denn damit würde man sich selbst aus dem eigenen Gleichgewicht bringen.

Das durch Folter erpreßte Geständnis, „genieren“, ist ein Störfaktor für Geist und Gefühl und keine Peinlichkeit.

Schade, daß hier ein ähnlicher Umkehrschluß vonstatten ging wie mit Folter zu Fohlen (Verniedlichung eines Folterinstruments), nämlich von stören zu schämen, welches bedeutet, eine Störung wurde zu Verlegenheit.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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