GNTM – Heidis extravagante Show zum Abgewöhnen

Wenn die Deutschen die Amis nachäffen

Etwa ein Hoch auf die Schönheit, auf die Geilheit vor Kameras zu posieren, ständig die Klatschpresse im Nacken, stets auf dem Sprung, in ein Mikro zu labern, Hauptsache Publicity, auf Teufel komm raus, in diesem Fall bei jener Heidi Klum, die GNTM von Beginn an moderiert, um ihre Mädchen gegeneinander antreten zu lassen, wer es am Ende aufs Siegertreppchen schaffen möge als Germany’s Next Topmodel?

Eine extravante Show zum Abgewöhnen, wer denn noch einen Funken Ideen und Geist intus hat. Klar doch, innerhalb der Unterhaltungsindustrie gehören auch derartige Fernsehformate zum Business, Hauptsache der Euro rollt, die Geschäfte blühen, der Modebranche wird ein weiteres Podestchen serviert, sich wichtig zu tun. Da reichen Modezaren wie ein Karl Lagerfeld, Stephan Schneider oder Wolfgang Joop längst nicht mehr, man äfft kurzerhand das US-amerikanische Baby nach, aus America’s Next Top Model wird halt drei Jahre später GNTM.

Mit Genialität hat das gar nichts gemein, keine kreativen Momente, viel eher ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Dabei möchte man sich erst recht nicht über Sprache, Gestik oder sinnvolles auslassen. Was den US-Amerikanern nicht gelang, eben tatsächlich Models am Ende der Öffentlichkeit zu präsentieren, erreichte ebensowenig eine Heidi Klum. Kein Wunder, wie man bereits in diesem Interview bemerken mag, obwohl jene Elisabeth Kanzler scheinbar keine Ahnung hat, was ihr dabei wohl erspart blieb. So ein Rauswurf hat folglich auch was gutes, selbst wenn sie die Meinung vertritt, GNTM hätte ihr gutgetan. Das darf bezweifelt werden, kann man dennoch ihr selbst überlassen, wie sie diese Show einschätzt.

Ganz ähnlich wie beim Musikcasting DSDS werden bei der Reality-Show des Pro7-Formats GNTM Knebelverträge den Teilnehmerinnen aufs Auge gedrückt: friß oder stirb. Nahezu alle wollen lieber überleben beim gegenseitigen Ausstechen. Mittendrin eine wichtigtuerische Heidi Klum, die trotz ihrer zur Schau getragenen Professionalität real nie auf einem Laufsteg großer Modeshows in Mailand, New York oder Paris aufgetreten war. Aber Hauptsache den Tierschutz mißachten, nicht zufällig mahnte PETA sie an. Gleichwohl verpaßte ihr die Zeitschrift Emma einst den Negativpreis „Pascha des Monats“.

Andererseits haben Privatsender nichts zu verschenken, es zählen die Einschaltquoten, wie mal vor elf Jahren u. a. ein Moritz Bleibtreu in „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ zum Besten gab. Dort darf der Zuschauer hautnah miterleben, mit welchen Tricks die TV-Industrie tickt. Das hat sich natürlich bis heute nicht geändert, ganz im Gegenteil, das Geschäft ist härter denn je. Insofern hat wohl auch GNTM mit seiner diesjährigen 13. Staffel seine Berechtigung, begründet nach dem Stand der Penunzen. Geld regiert die Welt, folglich jedweden Schund.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Wetterkapriolen

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Regentropfen trommeln an die Scheiben
ohne Unterlaß
an diesem Frühlingstag.
Somit den Winter naß vertreiben,
verderben den Spaß,
der noch vor uns lag.

Sturmböen sich dazu gesellen
fast wie ein Orkan
am Nachmittag im Ort.
Manch Geschichte sie erzählen
voll euphorischem Elan
in einem fort.

Dem Wetter sollte man nie trauen,
sich auf erfahrenes kaum verlassen,
das sei der beste Weg.
Daher eher nützlich vorbauen,
beobachtend sorgfältig aufpassen,
dient solch Schutz dem Zweck.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Du hast wohl einen Vogel

Manche Meise könnte sich als Irrläufer entpuppen

Du hast einen Vogel! Ist Ihnen das auch schon mal attestiert worden? Echauffieren Sie sich nicht darüber, schätzungsweise haben Sie nur einen Gedankenblitz anderen zur Kenntnis gegeben, der ungewöhnlich, vielleicht sogar außergewöhnlich ist. Diese Aussage hat es sogar geschafft, mittels Handzeichen erkennbar zu sein.

Tippen Sie mit einem Finger, vornehmlich dem Zeigefinger an Ihre Stirn in Richtung desjenigen, dem Sie diese Bemerkung zukommen lassen wollen, und er wird Ihre Andeutung sofort verstehen. Es gibt keine eindeutige Erklärung, warum „einen Vogel haben“ gleichbedeutend ist mit: Du bist nicht ganz richtig im Kopf, du bist verrückt, du hast nicht alle Tassen im Schrank, du spinnst.

Aber bleiben wir beim Vogel, manchmal auch Meise in diesem Zusammenhang genannt. Inzwischen wissen wir, daß es diese Tiergattung, sagen wir mal salopp, faustdick hinter den Ohren hat. Krähen, die zur Gattung der Rabenvögel zählen, haben eine kognitive Leistungsfähigkeit. Papageien, Gattung der Papageienvögel, haben nachweislich nicht nur die Fähigkeit, Worte nachzusprechen, sondern können wie die Rabenvögel Zusammenhänge erfassen. Vögel sind also keinesfalls nicht richtig im Kopf, sondern können sich mit zweijährigen Kindern messen, natürlich, seien Sie beruhigt, nicht auf allen Ebenen.

Der Traum des Fliegens durch die Lüfte ist wohl ein langgehegter Menschheitstraum und durch Überlieferungen oder der Sage nach zum ersten Mal verwirklicht durch Dädalus, als er mit seinem Sohn Ikarus von der Insel Kreta floh. Heutzutage ist das Fliegen fast eine Selbstverständlichkeit, und vielleicht ist es nur noch eine kleine Frage der Zeit, bis jeder in seinem Wingsuit den Luftraum durchquert.

Neidvoll könnten wir erblassen, wenn wir die Farbenpracht der Gefieder von unseren Erdmitbewohnern sehen. Vielleicht gönnen Sie sich mal wieder die Muse, in Fachbüchern, geht natürlich auch im Internet, diese schimmernden, glitzernden, leuchtenden oder einfach die gemusterten Gefieder zu bestaunen. Möglicherweise inspirieren Sie aber viel eher die filigranen Federn des weißen Pfaus. Die mannigfaltigen Arten der Brautwerbung, das Sozialverhalten oder die künstlerische Fertigung der Nestbauten zeigen eine Tierart, die keineswegs verrückt, sondern faszinierend ist.

Eventuell überlegen Sie das nächste Mal, wenn Sie mit: Du hast einen Vogel! beschimpft werden, oder Ihnen will dieser Ausspruch über die Lippen kommen, ob Sie sich wirklich beleidigt fühlen können, oder ob Ihr Gegenüber es tatsächlich verdient hat, mit dieser Spezies in Verbindung gebracht zu werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 29. Dezember 2015  hier bei Querdenkende.
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Terrorgruppe Freital zu langen Haftstrafen verurteilt

Verteidigung maßregelte Generalbundesanwalt-schaft sowie Dresdner Richter

Darf beim Urteil des Oberlandesgerichts Dresden tatsächlich die Rede von Gerechtigkeit sein? In Grunde genommen keineswegs, würde eine linke Terrorgruppe angeklagt, wären die Urteile wesentlich höher ausgefallen. Davon muß man ausgehen. Die beiden Rädelsführer der rechtsextremen Gruppe Freital, Timo S. und Patrick F., hatten mit zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahren die höchsten Strafen erhalten.

Somit entsprachen die Urteile nicht der Meinung der Bundesanwaltschaft, die knapp elf Jahre gefordert hatte. Inwiefern die Richter des Oberlandesgerichts sich haben beein-drucken lassen, bleibt mal dahingestellt, es entspricht in Folge der vorherigen Verharmlosung zum Tathergang jener rechtsextremen Gruppe in Freital, die ohnehin im Freistaat Sachsen wohl eher an der Tagesordnung zu sein scheint. Immerhin entstand dort eine Pegida, tummeln sich landesweit genügend rechtsextreme Gruppierungen, schaut Polizei und Justiz oftmals nicht so genau hin.

Das Verhalten der Verteidigung entspricht dem Konsens Rechtsradikaler

Wer die Dresdner Richter mit DDR-Richtern vergleicht, wie das die Verteidigung der Angeklagten im Prozeß zu Bedenken gab, macht zwar mit solchen Polemiken seinen Job, andererseits wirft das keineswegs ein gutes Licht auf jene Anwälte. Dem aufmerksamen Beobachter kommt dabei ein Horst Mahler in den Sinn, vom Anwalt für Linksextreme späterhin selbst zum Rechtsextremen mutiert, der derzeit seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstallt Brandenburg a. d. Havel absitzen muß. Welch Wandel!

Ein Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, der weiterhin auf dem rechten Auge unübersehbar blind bleibt, denken wir an die lasche Haltung zum NSU-Prozeß, an den Terroranschlag beim Oktoberfest, etliche andere Fehlleistungen deutscher Justiz und Politik selbst, wird schnell klar, was da verkehrt läuft.

Rechter Terror auf dem Vormarsch mit dieser AfD?

Generell muß man geistigen Brandstiftern eine Mitschuld bescheinigen, was somit auch beim rechten Terror zutrifft, eine AfD sich nicht einfach wegducken kann. Das wissen alle, jüngst zeigten die anderen Parteien im Deutschen Bundestag, wie mit dieser rechts-extremen Partei man öffentlich verfahren sollte. Doch gerade weil schlafende Hunde längst erwacht sind, ist äußerste Vorsicht geboten.

Das zeigen derartige Prozesse wie der zur Terrorgruppe Freital genauso wie die Ratlosigkeit der Bundespolitik, die zwar im Plenum gut kontern vermag, aber ansonsten eher stillhält. Natürlich taucht dann die Frage auf, wieviel rechten Terror die Bundesrepublik vertragen kann. Überhaupt keinen, egal welcher Art, ob rechten, linken oder islamistischen. Allerdings sollte schleunigst ein wesentlich schärferes Augenmerk zum rechten Terror gerichtet werden, bevor dieser sich ungebremst ausbreiten kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Terror

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Aufklärungsunterricht läßt Zwischenmenschlichkeit missen

Wenn man sich nicht riechen kann

Manche können sich sicherlich noch an den Aufklärungsunterricht, genannt Sexualkunde-Atlas, erinnern, der ab 1969 bundeseinheitlich für Schulen freigegeben wurde. Für viele Kinder und Jugendliche die erste anatomisch erklärte Sexualaufklärung. Frühere Generationen haben dieses Wissen über Um- und Schleichwege erfahren. Antworten auf die Frage, wo komme ich her, wurden oftmals, wenn überhaupt in dem märchenhaften Lügengebilde des kinderbringenden Storches zusammengefaselt. Der Vergleich mit der Biene und der Blüte trieb schon manchem Erwachsenen die Röte ins Gesicht.

Die Natur, Schöpfung hat jeder Wesensart eine andere, teils ähnliche Form des Zueinanderfindens, um die Arterhaltung aufrechtzuerhalten, gegeben. Bei den meisten Säugetieren, Ausnahmen bestätigen die Regel, spielt der Geruch eine wichtige Rolle.

Auch wenn heutzutage von den modernen Menschen eher die vielen Varianten von Parfüms, Deos oder sonstigen kosmetischen Mitteln ausströmen, so beinhaltet der Satz: Ich kann den nicht riechen, genau diese Komponente. Diese Feststellung treffen wir meist in den ersten Sekunden, wenn wir Menschen neu begegnen. Es bedarf keinerlei Abwägung. Ob wir allerdings für immer diesen Menschen meiden, hängt von der Möglichkeit oder den Umständen ab, ihn näher kennenzulernen und deshalb unsere Einstellung zu ändern.

Natürlich spielen andere Faktoren eine Rolle, sich auf jemanden einzulassen, Gesten, Mimik, Statur. Dennoch scheint der Geruch eine wesentliche, vielleicht die entscheidende Rolle zu übernehmen, wenn Mensch sich mit Mensch verbindet. Bezieht man in die Kennenlernphase auch die Sprache und die oben erwähnten Faktoren mit ein, erkennt man die Wichtigkeit der Sinne, um sich ein Urteil über sein Gegenüber zu festigen.

Trotzdem sind wir nicht davor gefeit, uns zu irren, egal ob hinsichtlich der Feststellung, jemanden nicht leiden zu können oder in der Enttäuschung, jemanden Vertrauen geschenkt zu haben und später festzustellen, daß es ein Irrtum war.

Sicher fragen Sie sich längst, was hat das mit Aufklärung zu tun? Ganz einfach, erst wenn wir uns beschnuppert, gesehen, gehört und gesprochen haben, kann mit dem Sinn des Fühlens, Streichelns einer harmonischen Vereinigung, sprich dem sexuellen Akt, nichts mehr im Wege stehen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Ohne dieses Vorwissen und dem Respekt vor den Empfindungen des anderen, nützt in der Regel keine sexuelle Aufklärung. Darüber können Sie in dem oben erwähnten Atlas nachlesen oder sich in den vielen inzwischen zu diesem Thema neu erschienenen Büchern.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 07. Januar 2016  hier bei Querdenkende.
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Regierungssysteme mal unter die Lupe genommen

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Politik durchaus nicht frei von Einflüssen

Während die Menschheit in ihrer historischen Entwicklung stets versuchte, unter-schiedliche Formen des Zusammenlebens zu organisieren, entstanden dabei die politischen Systeme, die wiederum unseren Fortbestand weitgehend gestalteten und bestimmten.

Kriegerische Zeiten und friedliche Epochen trugen mitentscheidend dazu bei, unser Dasein zu verändern und neu zu organisieren. Dabei wuchsen natürlich auch Überlegungen dahingehend, inwieweit politische Systeme in der Praxis sich bewähren würden. Sind sie tatsächlich frei jedweder Beeinflussung?

Vier grundlegende Regierungssysteme

Auf der Grundlage der jeweiligen Verfassung eines Landes bestimmt das Regierungssystem selbst die Vollziehung der auszuübenden Staatsgewalt. Mal abgesehen von zwei kleineren Ausnahmen, nämlich dem Einparteiensystem, welches noch in der Volksrepublik China, Nord-Korea, Vietnam, Laos, Eritrea und Kuba angewandt wird und dem Präsidentiellen Regierungssystem mit an dem Parlament gebundener Exekutivbefugnis, welches in Südafrika und Botswana greift, unterscheidet man weltweit zwischen vier Regierungssystemen:

Präsidentielles Regierungssystem: nahezu ganz Südamerika, Mexiko und die USA, in vielen Ländern Afrikas, in einigen Ländern Asiens, weltweit das am häufigsten angewandte Regierungssystem.

Semipräsidentielles Regierungssystem: in vielen Ländern Afrikas, in Bosnien, Frankreich, Herzegowina, Mongolei, in der Russischen Föderation und in einigen ehemaligen Ostblockstaaten.

Parlamentarisches Regierungssystem: in den meisten europäischen Staaten, in acht Staaten Asiens und zwei Afrikas.

Parlamentarische Monarchie: Australien, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien und ein paar Staaten in Südostasien.

Gefährdung des politischen Zusammenhalts – wohin geht unsere Reise?

Selbstverständlich wird niemals über Nacht der weltweite politische Zusammenhalt verschwinden, sich in Luft auflösen. Solche gedankliche Szenarien sind absurd. Dennoch muß man eine zunehmende Infragestellung politischer Systeme beobachten, die nicht von ungefähr entsteht, sondern auch darauf zurückzuführen ist, daß gewiße Zusammenhänge entlarvt werden, darüber hinaus sich immer mehr Menschen die berechtigte Frage stellen, wohin denn unsere Reise gehen soll?

In eine undurchschaubare, selbsterschaffene Katastrophe, die einem Weltuntergang gleichkommt oder etwa doch einer Rückbesinnung hin zu wohlüberlegt gesteuerten Bahnen, um das Schlimmste zu verhindern, denken wir an Klimaschutzmaßnahmen, an Friedenssicherung und dem ungebremsten Kapitalismus einen Riegel vorzuschieben? Haben wir tatsächlich dazu überhaupt eine realistische Chance, genau solche Schritte zu vollziehen?

Der kanadisch-US-amerikanische Politikwissenschaftler, David Easton, stellte mal eine wichtige Schlüsselfrage: „Wie erreichen es politische Systeme, sich in einer Welt, die zugleich Stabilität und Wandel aufweist, zu behaupten?“ Im Verlauf unserer Geschichte konnten sich die politischen Systeme bisher stets behaupten, selbst wenn des öfteren Umbrüche, Aufstände bis hin zu Kriegen sie zu erschüttern versuchten.

Auch wenn Easton eine gewiße systemische Kontinuität durch ein generalisiertes Systemvertrauen bescheinigt, was infolge des „we-feelings“ zustande kommen mag, einem fortwirkenden Gemeinschaftsgefühl, so hat gerade der Journalismus es ein Stückweit selbst in der Hand, eine Brücke zu schlagen zwischen der Politik, Unmut in der Gesellschaft und exakt den Kräften, die nicht auf den ersten Blick auf dem politischen Parkett zu sehen sind. Eine solche Bemerkung etwa verschwörungstheoretisch?

Wir sollten uns nichts vormachen, stets jede Theorie ein Restbestand von Selbstzweifeln beinhaltet, so manches Korn der sogenannten Wahrheitsfindung dienlich sein kann, denn wer vermag sich hinzustellen, um behaupten zu können, er kenne sämtliche Zusammenhänge der weltweiten Machtverteilung, die unser aller Leben bestimmt? Der Kapitalkrieg der Bilderberger sollte inzwischen als fester Bestandteil verstanden und verinnerlicht worden sein, wer denn nicht die Augen vor den brutalen Mechanismen der Hochfinanz gänzlich verschließen möchte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Stiften gehen – zwischen Streichen und Stiftungen

Nicht hinter jedem Stifter steckt ein Wohltäter

Hand aufs Herz, nein, das war nur Quatsch, schließlich wissen Sie selbst am besten, ob Sie sich belügen, beschwindeln, das brauchen Sie doch wirklich nicht beschwören. Denn selbst wenn Sie sich bei den nachfolgenden Sätzen nicht wiedererkennen, so werden Sie dennoch nicht behaupten können, nie stiften gegangen zu sein.

Sei es als Kind, beim Klingelstreich, oft in Gemeinschaft mit anderen an den Türen geklingelt, um danach mit den Beinen unterm Arm wegzurennen. Als wir das Weite gesucht haben, wenn der Bauer uns beim Kirschen-, Apfel-, Beerenklauen erwischt hat. Wenn wir die Tafel im Klassenzimmer mit sogenannten Schmierereien verschönt haben und nicht dafür eingestanden sind, die „Übeltäter“ gewesen zu sein. Das alles ist Stiften gehen, sich aus der Verantwortung ziehen, abhauen.

Aber auch jemanden etwas schenken, bedeutet stiften, den Kuchen für die Kindergarten- Schulfeste, das Stiften von Kleidung an karitative Organisationen. Stifteressen werden veranstaltet, um das gesammelte Geld an hilfebedürfte Menschen oder Tiere weiterzuleiten, um Kunst zu bewahren.

Bei einem »Stiftermahl« für eine gemeinnützige Einrichtung kam die Frage auf, wie die Wendung stiften gehen im Sinne von ›abhauen, sich verdrücken‹ entstanden sein mag. In den Lexika, die mir vorliegen, auch bei Lutz Röhrich, findet sich der Ausdruck wohl erwähnt, aber ohne Erklärung. Könnte nicht das Wort Stift in der Bedeutung ›etwas Geringes, Kleinigkeit‹ – man vergleiche Stift als ›Lehrling‹ – der Ausgangspunkt sein? Wer sich schnell aus dem Staub macht, »sich dünne macht«, wirkt nur noch wie ein Strich in der Landschaft? Auszug aus GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.)

Irgendwie paßt das nicht zusammen, oder? Stiftengehen: weglaufen, stiften: schenken.

Angenommen wie im Text für Gesellschaft für deutsche Sprache zu lesen, der Stift, die Kleinigkeit, etwas weniges wird gestiftet, um sich dann schnellstmöglichst aus dem Staub zu machen, damit man nicht wirklich zur Tat der Veränderung schreiten muß. Ist das dann Stiften gehen? Man hat seine Pflicht und Schuldigkeit getan, sein Gewissen beruhigt, alles weitere wird sich schon geben. Samaritertum im Deckmantel des Desinteresses?

Der Brandstifter geht stiften, nachdem er Feuer gelegt hat. Da sitzen gut betuchte Damen und Herren, lassen sich beim Stiftermahl beköstigen mit Speis und Trank, hören über die Dringlichkeit der benötigten Spenden für ein Projekt, pflegen ihre persönlichen, wirtschaftlichen Kontakte, stiften eine Kleinigkeit, nicht zu viel, denn das Jahr ist noch lang, und ob alle Kontakte wirklich fruchten, ist ungewiß, sowieso muß man auch bei anderen Veranstaltungen präsent sein, und das Budget soll zehn Prozent des Jahresgewinns nicht überschreiten.

Sie befinden sich in einer äußerst schwierigen Lebenssituation, Krankheit, finanzielle Probleme, Trauer um einen geliebten Menschen, anfangs stehen Ihnen noch viele Freunde zur Seite, stiften Ihnen Trost, aber wenn die Heilung, Aufarbeitung über einen längeren Zeitraum dauert, gehen manche Freunde stiften.

Der Brandstifter muß nicht unbedingt Feuer mit echtem Brennmaterial legen, Brandstifter sind auch all jene, die mit Wörtern die Gemüter von Menschen aufheizen, sich aber aus der Verantwortung ziehen, wenn die Lunte anfängt zu brennen. Selbst wenn Sie unter Pseudonymen Standpunkte vertreten oder verlauten lassen, die nicht direkt nachvollziehbar sind, ist das Stiften gehen.

Informiert man sich über die Anzahl der Stiftungen in Deutschland, über ihr Kapitalvermögen und Gesamtausgaben, dann sei die Frage erlaubt: Stiften sie oder gehen sie stiften?

Nicht hinter jedem Stifter steckt ein Wohltäter, der sich nur profilieren will, viele sind überfordert von der Flut der zu erbringenden Hilfe, es liegt an uns, die ehrlichen und am Wohl der Mitmenschen Interessierten von denen zu unterscheiden, die nur im Licht der Aufmerksamkeit stehen wollen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 03. Februar 2016 hier bei Querdenkende.
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