Ungewollt für Menschlichkeit geworben

Verpufft
der Sprache vergiftete Luft
auf den Straßen,
Kinder sie vergaßen.

Unmut sollte hängen bleiben,
wie Kleister an den Scheiben.
Die aus Wut brausende Gischt,
Stille hat sie weggewischt.

Unter unbeteiligten Passanten
Noemi und Kamal standen.
Kindergartenkinder, vier Jahre alt,
irritiert, verschreckt von der Gewalt.

Verängstigt suchten sie Nähe,
fühlten, ihre Liebe man wegnähme.
Selbstvergessen, eng umschlungen,
Sicherheit in der Einheit gefunden,

ungewollt zum Mittelpunkt geworden,
ungewollt für Menschlichkeit geworben,
umringt von Personen, die nicht gewußt,
wie man säubert die verpestete Haßluft.

Kein Kind, egal aus welcher Kultur,
folgt der nationalistischen Spur.
Menschlichkeit, nimmt Wind aus deren Segeln,
übernehmt dafür der Kinder Gefühle, Regeln.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Antibiotika: Resistenz keineswegs zufällig

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Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Hektisches Treiben und lange Wartezeiten empfangen die kranken Patienten, wobei die eigentliche Sprechstunde in wenigen Minuten ihr Ende findet. Überfüllte Arztpraxen und das ganz besonders in den erkältungsstarken Monaten. Das bürokratische Prozedere beim Empfang kann zusammen mit überraschenden Unterbrechungen manchmal sogar die ärztliche Untersuchung zeitlich toppen, die Sprechstundenhilfe entpuppt sich als Multitasking-Talent, in dem sie den PC bedient, telephoniert und  etwas in eine Patientenkarteikarte handschriftlich vermerkt.

Mal ganz abgesehen von einigen Fehldiagnosen und somit einhergehend falscher Indikation, bis hin zur Verabreichung verkehrter Medikamente, wird mit hektischem Treiben auch mal schnell ein Antibiotikum verschrieben, wo genau das eben nicht angebracht wäre!

Vom Segen des Penicillins zum Allheilmittel bei geringsten Anlässen

Noch vor Alexander Fleming, dem „offiziellen“ Entdecker des Penicillins, war es der Arzt Paul Ehrlich, der 1910 Arsphenamin einführte, welches entscheidend dazu verhalf, die weit verbreitete Syphilis einzudämmen. Es sollten noch ein paar Jahrzehnte vergehen, bis es im Jahr 1942 endlich gelang, den ersten Patienten mit Penicillin zu behandeln, weil es problematisch war, den Stoff in nennenswerten Mengen zu isolieren. Inzwischen gelang es der Pharmaindustrie die anfänglichen Schimmelpilze für das Herstellen von Antibiotika durch vollsynthetische Verfahren zu ersetzen. Und die Antibiotikapräparate wurden kontinuierlich erweitert, im Jahre 2005 sollen es laut BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) bereits 2.775 zugelassene gewesen sein.

Diese hohe Zahl vermittelt nicht unbedingt den Anschein einer guten Meldung, sondern vielmehr muß man sich die Frage stellen, ob da nicht etwas aus dem Ruder läuft? Kinder schlucken zu häufig Antibiotika, vermeldet der Stern, der sich auf einen Report der Bertelsmann-Stiftung beruft. Demnach werden Kindern und Jugendlichen zu voreilig selbst bei harmlosen Erkältungskrankheiten Antibiotika verschrieben. Jedoch muß man da schon ein wenig genauer hinschauen oder die geflügelte  Frage stellen: Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Übertragen auf die dramatische Entwicklung, lautet sie: Wer trägt die Verantwortung, die Ärzte, die Eltern oder die Pharmalobby? Ganz einfach: alle zusammen, jeder auf seine Weise.

Pharmalobby umgeht das direkte Werbeverbot verschreibungspflichtiger Arzneien

Der Gesetzgeber hat nicht zufällig dieses Werbeverbot ins Leben gerufen, um die Patienten vor gezielter Beeinflussung zu schützen. Und was unternimmt die Pharmaindustrie, um dies zu umgehen? Sie läßt in bekannten Zeitschriften über die Arzneien publizieren, wobei zunehmend das Internet in den Fokus rückt, die potentiellen Kunden zu umgarnen. So mischen sich Pharmaspezies in Foren oder Blogs unter, in dem sie sich als Betroffene anmelden, über ihre guten Erfahrungen mit den Medikamenten (Auftraggeber ist die Pharmaindustrie) zu berichten. Der hilfesuchende Patient in den Foren und Blogs kann natürlich nicht die Echtheit überprüfen und wird somit letztlich geködert.

Doch diese gezielte Werbung kommt inzwischen zu ihrem gewollten Ergebnis. So manche Patienten fordern beim Arztbesuch sogar das bestimmte, heilbringende Medikament. So darf man sich nicht wundern, wenn auch einige Eltern selbst der Antibiotika-Indikation für ihre Kinder zustimmen, hat die Werbetrommel doch ganze Arbeit geleistet. Dabei hat die Gemeinschaft der Krankenversicherten die steigende Tendenz der Arzneimittelkosten mit zu tragen, die immerhin etliche Milliarden Euro betragen.

Und mit den fragwürdigen Gesundheitsreformen erhielten die Ärzte obendrein die Möglichkeit, genau diesen Trend zu verschärfen, in dem sie sogar teure Präparate verordnen dürfen, was zuvor erheblich mehr hinterfragt wurde. Schauen wir mal kurz über den großen Teich: In den USA, wo das Werben für verschreibungspflichtige Medikamente gesetzlich erlaubt ist, läßt dies die Kassen der Pharmalobby klingeln. Hinterfragen wir hier mal lieber nicht, inwieweit dadurch die eigentliche Gesundung der Patienten in den Vereinigten Staaten betroffen sein wird.

Vielmehr sollten sich mündige Patienten und Eltern die Frage stellen, ob sie blindlings einer dermaßen hohen Arzneimittelflut immer noch vertrauen, insbesondere weiterhin bei kleinsten Anlässen durch Antibiotika sich verarzten lassen wollen? Sicherlich  hat ein solches Verhalten auch ganz viel mit der hektischen Arbeitswelt etwas zu tun. Funktioniert der Mensch nicht, wird er einfach entlassen, es gibt genug, die einen Job brauchen. Aber darf dann der Preis die Gefährdung der eigenen Gesundheit sein, und ganz besonders die unserer Kinder? Und was, wenn sich eine erhebliche Antibiotikaresistenz eingestellt hat? Was hilft dann noch?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Maulende Schnorrer

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Unzufriedenheit zum eigenen Bedarf

Mal ganz ehrlich, ständig zufrieden zu sein, ist auf Dauer nicht zufriedenstellend. Genauso verhält es sich mit dem permanent alles positiv sehen wollen. Kein Streß, bloß keine Hektik, ständig auf Wolke 7 schweben, immer und überall eitel Sonnenschein und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende, das haben sie sicher schon als Kind nicht geglaubt, irre ich mich diesbezüglich?

Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, daß bei aller Liebe zum Bruder, zur Schwester nicht jeder Tag ohne kleinere oder größere Reibereien vergeht. Die Zufriedenheitsskala schwankt sogar als Einzelkind, sollte sie sogar, denn eine dauernde Unterdrückung von Unwegsamkeit, von das paßt mir nicht, das will ich nicht essen, führt nicht nur zu verwöhnten Persönlichkeiten, sondern mindert auch das Selbstwertgefühl.

Wenn man davon ausgeht, Unzufriedenheit gehört zum Menschsein wie Angst und Schmerz, sollte man sich die Frage stellen, warum? An der Vermeidung von Trägheit allein kann es wohl nicht liegen, denn beim Blick auf die Tierwelt erkennen wir, daß Fläzen unbedingt zum Leben gehört. Sind Tiere unzufrieden? Bei Hunden und Katzen, die als Mitglieder in Familienstrukturen der Menschen leben, vermeint man, gewisse Tendenzen einer Unzufriedenheit zu erkennen. Vor allen Dingen in Bezug auf pünktliches Fressen, Liebkosungen einfordern, entweder aus Eifersucht oder weil ihnen gerade danach ist. Unzufriedenheiten, die sie ohne weiteres zu erkennen geben und teils aufsässig darauf bestehen, sind also ebenso in der Tierwelt vorhanden. Tierkundige können dies sicher durch ihre Beobachtungen auch unter Wildtieren bestätigen.

Gibt es demnach Vorteile durch Unzufriedenheit? Mehr und schnellere Beachtung durch ein großes Maß an Nörgelei ist auf alle Fälle die Regel, wenn auch mit Ausnahmen. Aber Unzufriedenheit kann auch mehr bewirken, nämlich den einen oder anderen Anstoß geben für Veränderung, für Ideen zu Lösung von Problemen. Wer hat schon die Möglichkeit, von der Muse geküßt zu werden, ohne einen direkten Ansporn? Vielleicht einige wenige. Bei den meisten Erfindungen lag zuerst eine Art der Unzufriedenheit vor, oder etwa nicht? Fast ist man gewillt; diese Tatsache eine positive Unzufriedenheit zu nennen.

Und wenn es eine positive Unzufriedenheit gibt, gibt es dann auch eine negative Unzufriedenheit? Ohne Bedenken, ein Ja. Diese negative Unzufriedenheit äußert sich durch Überlagerungen von Unzufriedenheiten oder anders ausgedrückt, selbst der Himmel auf Erden wäre nicht zufriedenstellend. Menschen, die ihre Unzufriedenheit ständig mitteilen; kann man Schnorrer nennen. Sie haben ständig an allem und jedem etwas zu maulen, zu schnorren. Sie sind mürrisch, mäkelig und finden stets etwas zum Nörgeln. Schätzungsweise liegt es daran, daß sie minderbemittelt sind in Bezug auf Phantasie und Ideenreichtum.

Schnorren, maulen und „eine große Gosch haben“ gehen oft Hand in Hand. Irgendwie muß die Unzufriedenheit befriedigt werden. Anprangern, meckern und alles besser wissen, besser können, scheint eine Essenz zur Zufriedenheit zu sein. Wobei das Schnorren ohne weiteres auch für eine egoistische, nur für sich selbst einzufordernde Zufriedenheit oder was auch immer angesagt ist, gesehen werden kann.

Unzufriedenheit zu zeigen, sie zu äußern, ist de facto eine Chance zur Veränderung einer unangenehmen Situation. Sie ist sozusagen ein Bestandteil für „werden und gedeihen“. (Nur so am Rande, meine Palme ist unzufrieden mit ihrem neuen Platz. Woran erkenne ich dies? Sie hat angefangen, ihren Stamm nach dem für sie auf diesem Platz besten Sonnenstand zu richten. Meine Palme hat aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl gemacht, sie besitzt nun einen leicht gekrümmten Stamm, und ich denke mal, sie ist inzwischen zufrieden.)

Wer in letzter Zeit demonstrierende Menschen beobachtet, wird möglicherweise festgestellt haben, daß die Unzufriedenheit, die sie an der Teilnahme zur Demonstration veranlaßt hat, nicht dazu beiträgt, Zufriedenheit zu erlangen. Vielmehr erhält man den Eindruck, hier geht es gar nicht darum, Zufriedenheit zu erlangen, sondern es geht um Bambule, Krawall machen um jeden Preis. Es geht um egoistisches Festhalten an Altbeständen, an einer Vorstellung einer heilen Welt, in der vermeintlich alles zur Zufriedenheit war und jeder in harmonischer Eintracht leben konnte. In seiner egoistischen Welt.

Aufgeheizt durch Einpeitscher, die inzwischen unumwunden in Lautsprecher brüllen, daß sie einen Umsturz der Regierung anstreben, sind diese Protestler der Ansicht, diese „Goschaufreißer“ würden zu ihrer Zufriedenheit agieren. Sie übersehen dabei, sie selbst sind angehalten in ihrem Umfeld, bei sich selbst Harmonie und Ausgeglichenheit anzustreben. Außer sie sind gewillt, in Abhängigkeit zu leben.

Abhängigkeit bedeutet immer, auf andere angewiesen zu sein, keine eigenen Entscheidungen mehr zu treffen, das zu tun, was andere fordern. Fordern zu ihrer Zufriedenheit, nicht zur Zufriedenheit des Einzelnen. Unzufriedenheit mit Unzufriedenheit befriedigen. Das bedeutet maulenden Schnorrern, phantasielosen, ideenarmen Großmäulern werden Verantwortungen übertragen, die Zufriedenheit nur mittels ständiger Unzufriedenheiten aufrechterhalten können und dies nur zum Zweck ihrer eigenen Befriedigung.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Wer hat uns von Sozialdemokraten abgeraten?

Das tut schon weh, was da geschieht in der SPD

Sie haben es sicherlich erkannt, die Überschrift total entfremdet, weil normalerweise die gängig bekannte Variante lautet: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Wie langweilig, weil so bestechend deutlich und allemal zigmal in der deutschen Geschichte wiederholt. Mit ihrer dritten Großen Koalition zerlegt sich die einstige Volkspartei endgültig.

Das wissen ihre Macher selbst, tun es aber trotzdem, der Macht wegen. Nicht, weil Regierungsverantwortung so wichtig im Lande wäre, schon gleich gar nicht, wie Martin Schulz vollmundig behauptet, „man könne in einer großen Koalition Gutes für die Menschen in Deutschland und Europa erreichen.

Ein mickriges Ja zur großen Koalition

Aha, tatsächlich? Eine Fortsetzung der letzten großen Koalitionen soll auf einmal Gutes bewirken? Wer an den Weihnachtsmann glaubt, möge weiterträumen. Mitnichten ändert sich was zum Besseren, die SPD wird äußerst geschwächt in die Koalitionsverhandlungen gehen, da die Union in ihrer Arroganz nicht nachgibt. Es verbleibt der faule Kompromiß, der dermaßen sauer bei all jenen aufstößt, die ohnehin kaum bis gar kein Vertrauen mehr in die Politik hegen. Obendrein mit jener Chefriege in der SPD, weder eine Frau Nahles noch ein Herr Schulz überzeugen.

„Ein Schlüsselmoment in der Geschichte der SPD“ will der Parteichef bei dieser Abstimmung zuvor gesichtet haben. Welch seichter Pathos, der dermaßen an der kalt nüchternen Wirklichkeit vorbeischrappt, daß manch einer sich zu Recht entsetzt abwendet und fragt, wieviel Selbstüberschätzung diese Partei noch nach außen hin verkaufen will. Das kann und wird nicht gutgehen!

Union der lachende Gewinner – doch der Schein trügt

Klar doch, daß sich die Spahns, die Söders, die Merkels auf die Schenkel klopfen vor Begeisterung, endlich ihrer Regierungshoheit ein Stück näher zu rücken, nachdem zuvor jene Jamaika-Sondierung scheiterte, eine SPD zunächst ihre Aufgabe in der Opposition wähnte. Falls die Union nunmehr sich als lachenden Gewinner betrachtet, möge die Retourkutsche sie schneller eiskalt erwischen, als ihr lieb sein dürfte.

Eine dermaßen unglückliche dritte Große Koalition unter Frau Merkel verheißt zuviel Kompromisse auf allen Seiten, sodaß am Ende erneut die sozial schwächer Gestellten das Nachsehen haben werden, während Großkonzerne, die Hochfinanz weiterhin frohlocken dürfen, eine Fortsetzung bestehender neoliberaler Politik sich manifestiert. Eine EU dürfte aufatmen, genauso Herr Macron, doch den Menschen im Lande stehen eher mehr Probleme bevor als irgendwelche angeblichen Verbesserungen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Am Kleiderhaken

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Sie hingen bis heute Morgen
akkurat am Bügel im Schrank.

Fein säuberlich untereinander
am metallenen Krawattenhalter.
Nein, halt, einige Besondere lagen
aufgerollt in kleinen Kartonagen.

Sie hingen, lagen aufgerollt
bis heute Morgen im Schrank.

Einfarbig, gemustert, aus Seide,
viele wirklich eine Augenweide.
Ihre Farbenpracht so enorm,
okay, ihr kriegt eine andere Form.

Sie wurden zerschnitten, vor Ort,
surrende Nähmaschine, Stunden.

Schnitt, Naht, Schnitt, Naht,
sei froh, ich stutze nicht deinen Bart,
pikse dich nicht mit der Nadel,
kein Tattoo um den Bauchnabel.

Zerschnitten deines Manneszier,
über das körperliche Zierrat reden wir nicht, hier.

Sie hingen verteilt in der Wohnung,
aus Krawatten wurde Kleidung.
Bunte Röckchen sind sie jetzt,
dies Frauenherz nie wieder verletzt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Industriebäcker im Fokus der Kritik

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Biobäcker und selbst Brot backen die Alternative?

Nun könnte man ja ohne weiteres einwenden, Pech gehabt, so gestalte sich nun mal die Wirtschaft, und genau derjenige triumphiere, der eben durch clevere Einsparungen und bestimmte Verfahren es schaffe, die Preise erschwinglich für den Verbraucher zu halten.

Nur vergessen all jene „Glücklichen“ dabei gleichzeitig, dem Verbraucher auch reinen Wein einzuschenken, um es mal noch freundlich zu formulieren. Die Wirklichkeit schaut gar nicht gut aus, was da an Backwaren angeboten und verzehrt wird.

Eile backt das Brot, aber sie backt es schlecht

So lautet eine Redewendung in Griechenland. Wenn wir uns ihrem tieferen Sinn ein wenig ausführlicher widmen, wird schnell klar, wieviel Lebenserfahrung in ihr steckt. Früher haben sich die Bäcker wesentlich mehr Zeit gelassen, ein Brot zu backen, was wiederum zu guten Ergebnissen führte. Wer den ein oder anderen Familienbetrieb noch kennt, wo mit viel Liebe und besonders entsprechender Zeit und Sorgfalt gebacken wird, kann daher nur bestätigen, daß sie einfach besser schmecken.

Doch das allein muß nicht unbedingt ein Kriterium sein. All jene Verbraucher, die jahrelang die Erzeugnisse der Industriebäcker verzehrt haben, werden den Unterschied zunächst meist nicht feststellen, sogar oftmals ihren Bäcker nicht wechseln, zumal sie glauben, der günstigere Preis rechtfertige ihr Kaufverhalten. Das gilt erst recht für die Kunden, die darüber hinaus die Backwaren von den neuen Brotbackautomaten in Discountern wie Aldi, Lidl, Norma, etc. beziehen. Hierbei muß die entscheidende Frage gestellt werden: Was macht sie so billig?

Weg von den E-Nummern hin zu den Enzymen eine gute Lösung?

Keineswegs, im Gegenteil, die sogenannten Enzyme, nämlich die industriell hergestellten Eiweißstoffe werden obendrein aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewonnen. Will der gleiche deutsche Verbraucher, der völlig zu Recht naserümpfend die Gentechnik ablehnt, andererseits billiges Industriebrot eben mit diesen künstlichen Enzymen bedenkenlos verspeisen? Da paßt was nicht zusammen. Das liegt aber auch an dem Informationsdefizit, wobei dem Verbraucher die im Brot enthaltenen Enzyme verschwiegen werden, weil das die Lebensmittelindustrie nicht muß.

Selbst wenn ein Lebensmittelchemiker wie Udo Pollmer selbst kritisiert wird, weil er sich stark macht gegen die Lobby der Industriebäcker, so dürfen wir nicht all jene unterschätzen, die exakt zu denselben Ergebnissen kommen. Ehrliche Bäckermeister mit einem Gewissen und daher mit einer moralischen Verpflichtung ihren Kunden gegenüber können gar nicht anders, als ihr Handwerk nach bestimmten Regeln ausüben, werden eben nicht all jene Verschlechterungen in Kauf nehmen, einer Lebensmittelchemie auf den Leim gehen und sich überreden lassen.

Das hat natürlich leider auch seinen Preis, so mancher Bäcker konnte der billigen Konkurrenz nicht standhalten und mußte seinen Laden schließen. Wer aber jetzt meint, es seien nur die Discounter mit ihren Brotbackautomaten die schwarzen Schafe dieses alten Handwerks, der irrt gewaltig. Wer genau hinschaut, wird feststellen, daß da etliche Großbäckereien sich den Markt aufgeteilt haben, während die kleineren und mittleren Bäcker mit dem Anspruch der alten Backtradition nach und nach verschwinden. Sie können eben nicht zu solch billigen Preis backen.

Die Verbraucher selbst haben es in der Hand

Wenn weiterhin die Verbraucher statt auf gute Qualität zu achten, ihr Brot bei den Discountern, den Großbäckereiketten beziehen, wird das Sterben der traditionellen Bäcker sich fortsetzen. Neben den Biobäckern, die erfreulicherweise trotzdem zugenommen haben, ganz im Trend einer wachsenden Zahl Interessierter, die bemerkt haben, wie wichtig eine gute Ernährung ist, gibt es vereinzelt noch Familienbetriebe wie beispielsweise in Herrenberg bei Stuttgart die Bäckerei Jochen Baier oder das Stadtcafé Rosenow in Dierdorf im Kreis Neuwied.

Abgesehen von den Zusatzstoffen und den Enzymen hat industriell hergestelltes Brot fast keinen Nährwert mehr. Alle wichtigen und für unsere Gesundheit wertvollen Stoffe werden dem Getreidekorn entnommen, die wichtigen Ballaststoffe (Kleie) sowie der vitalstoffreiche Keim wird entfernt und eher dem Vieh verfüttert, als es dem Menschen zu gönnen. Das vitamin- und mineralstoffarme Auszugsmehl hat nur den Vorteil, gut lagerfähig und stärkereich zu sein, das war’s aber auch schon. Obendrein muß betont werden, daß ein aus solchem Mehl gebackenes Brot chronisch degenerative Krankheiten verursacht, es wird Raubbau an den körpereigenen Mineralienvorräten betrieben, es kommt zu Ablagerungen in den Gelenken und den Atemwegen.

Wer also sich ein gutes Brot gönnen mag, kauft es entweder noch beim kleinen Traditions- und Biobäcker oder aber backt es selbst. Mit ein wenig Übung kommt man bestimmt zu guten Ergebnissen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Verbraucherschutz

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Die Ruhe vor dem Sturm – alles nur Panikmache?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Die Welt dreht sich, ob mit oder ohne uns Menschen. Egal wieviel Leid unsere Spezies sich und anderen antut, Mutter Erde folgt den kosmischen Gesetzmäßigkeiten ihrer Existenz, hinterfragt keineswegs. Das hat bereits etliche neben den großen Philosophen sich tagtäglich bewegt, warum ausgerechnet der Homo sapiens dermaßen unerschrocken sich selbst und der Natur schadet.

Dabei beruhigen nicht gerade solch Verantwortliche wie der „blonde Dolle“ in den USA, die Despoten in der Türkei und Nordkorea, Selbstgefällige wie jener Präsident in Russland oder das Königshaus in Saudi-Arabien, Zaghafte wie die ewige deutsche Kanzlerin, die Gemüter, vielmehr flammen Gedankenszenarien über die Ruhe vor dem Sturm auf. Alles nur Panikmache? Schließlich gab es schon immer in der Menschheitsgeschichte politische Umwälzungen, die mit apokalyptischen Vorhersagen kommentiert wurden.

Und nun? Immerhin pflegt Mensch heutzutage eine erschreckend hohe technisierte Militärmaschinerie, die gleich sämtliches Leben mehrfach auszulöschen vermag, was eben früher nicht in dieser Form möglich war. Gleichzeitig greift die Gier nach Macht und Reichtum skrupellos um sich, verteilt auf immer weniger Schultern, während die große Masse ihr nahezu hilflos ausgeliefert. Das nennt Mensch gar Fortschritt. Er hat die Möglichkeiten, paradiesisch auf Erden zusammenzuleben, zieht es aber vor, die Zerstörung einfach zuzulassen. Welch Irrwitz!

Das Buch zuklappen, Gedanken voller Zweifel wegwischen, das eigene Leben in vollen Zügen genießen, sollte man meinen, simpelst zu vollziehen. Wenn da nicht die nackte, bestechend grausame Realität wäre, die all jene Ignoranten schneller einholen könnte, als ihnen lieb sein dürfte. Alles hängt mit allem zusammen, auch diejenigen, die gern verdrängen, werden somit eines Besseren belehrt. Historische Vergleiche gibt es unendlich viele, wo Dekadenz und Grausamkeit oftmals aufeinandertrafen, exzessiv ausgelebter Reichtum und extreme Armut und Elend.

Genug des Wehklagens, irgendwann verbleiben da kaum noch Lichtblicke eines Optimismus haften, der letzte Strohhalm, an dem man sich sorgenvoll zu klammern versucht. Jeder Tag sollte gelebt sein, als ob es der letzte sein könnte, mit entsprechender Rücksicht auf den Nächsten, einem behutsamen Miteinander voll gegenseitigem Respekt. Zuviel verlangt, eine solche eigentlich selbstverständliche Haltung? Offensichtlich, denn ansonsten wäre Mensch viel Leid erspart geblieben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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