Polizeigewalt weiterhin in der Kritik

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Ein Vakuum eines rechtsfreien Raumes?

Zunächst muß unbedingt mal betont werden, daß es in sämtlichen Berufen schwarze Schafe gibt. Wieso sollte es daher bei unseren Polizeibeamten sich anders verhalten? Ebenso dürfen wir nicht vergessen, daß die Gewalt insgesamt in unserer Gesellschaft eher zugenommen hat. Angesichts der fortschreitenden Sozialleistungsstreichungen, einer zunehmenden Verarmumg, hausgemachter Weltwirtschaftskrisen, damit einhergehender Perspektivlosigkeit, obendrein vielfach zu beobachtenden Stellenstreichungen bei der Polizei, sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt und zwar bei allen Beteiligten und Betroffenen.

Gleichzeitig bedingt eine gute Polizeiausbildung den geschulten Umgang mit Aggressionen, was in erster Linie bedeutet, Deeskalation stets auszuüben seitens der Ordnungshüter. Doch die Wirklichkeit zeigt manchesmal das Gegenteil.

Mit der Verhaftung fiel er ins Koma und verstarb kurze Zeit später

Die Fälle unverhältnismäßig und vor allem rechtswidriger Verhaftungen seitens der Polizeibeamte häufen sich in Deutschland. Der folgende Fall hat sich vor knapp 20 Jahren mitten in unserem Lande wie beschrieben abgespielt. Der Kunstmaler K.D. hatte es nicht leicht in seinem Dorf, die Gemeinde verhielt sich entsprechend zurückhaltend. Manchmal kam es vor, daß er seinen langjährigen Hausarzt bat, ihn doch für eine Weile in eine Klinik der Psychiatrie einzuweisen.

Generell gilt auch, daß wenn der Patient dies zurücknimmt im Beisein eines Arztes seines Vertrauens, daß er nicht eingewiesen wird und das daher nicht gegen seinen Willen geschehen darf, so die Rechtslage. An einem Abend erreichte er seinen Hausarzt nicht telephonisch, sondern dessen Vertretung, bat mal wieder erneut um eine Einweisung in die Psychiatrie. Jedoch unterlief der Vertretung ein folgenschwerer Fehler: Er schaute nicht vorher in die Krankenakte!

Als K.D. dann bei Erscheinung es sich mal wieder anders überlegt hatte, ließ der Arzt die Polizei kommen. Ein zweiter Umstand kam hinzu: Es war an jenem Abend Dorfkirmes. Dabei kommt es schon mal vor, daß auch Polizisten sich ein Gläschen gönnen. Anstatt daß dem Kunstmaler seinem Recht auf freie Entscheidung zur Nichteinweisung Gehör geschenkt wurde, überwältigten die ahnungslosen, überpflichtbewußten Polizeibeamte ihn kurzerhand.

Dabei kam es zu einem heftigen Handgemenge, weil K.D. sich dies natürlich nicht bieten ließ, wobei dieser ins Koma fiel, von dem er nicht mehr erwachte und elf Tage später schließlich im Krankenhaus verstarb. Der Fehler des Arztes führte zu diesem tragischen Tod, aber auch das Fehlverhalten der Polizei. Diese hätte auf Akteneinsicht bestehen müssen, ihr Unwissen darüber entschuldigt dieses Versäumnis in keiner Weise. Leider unterließen die anwesenden Eltern des Opfers eine Anzeige, wohl wissend und vorausahnend, daß gegen die Staatsgewalt ohnehin keine Chance auf Gerechtigkeit zu erwarten war.

Unverhältnismäßige Polizeigewalt in Deutschland weiterhin präsent

Es war Amnesty International, welches im Juli des letzten Jahres eine umfassende Aufklärung der Grundrechtseinschränkungen während des G20-Gipfels in Hamburg forderte. Obwohl in letzter Zeit schon Versuche unternommen werden, dieses bedrückende Image der deutschen Polizei ein wenig aufzupolieren und somit zu verbessern, erreichen immer wieder bestimmte Meldungen die Öffentlichkeit, in denen Polizeiübergriffe beschrieben werden.

Gleichzeitig hat aber auch die Gewalt gegen Polizeibeamte zugenommen, so kommt es durchaus vor, daß sie bei gewöhnlichen Kontrollen plötzlich einer größeren, gewaltbereiten Menschenmenge gegenüberstehen. Dennoch besteht nicht der geringste Grund, sich dermaßen unverhältnismäßig und aggressiv zu verhalten, wie dies in Hamburg geschah. Hierbei muß auch erwähnt werden, wie sich die Polizeikräfte bei Demonstrationen verhalten. Es liegen genug beweiskräftige Videos vor, bei denen klar zu sehen ist, wie die Staatsmacht anstatt gegen den gewaltbereiten „schwarzen Block“ vorzugehen, sich systematisch rechtswidrig gewaltvoll gegen harmlose und vor allem friedliche Demonstranten verhält. Das zeugt von eindeutig staatlicher Organisation mit gewissen Absichten. Es häufen sich die Berichte unaufgeklärter Polizeigewalttaten wie z.B. der bis heute nicht aufgeklärte Tod des Sierra Leoners Oury Jalloh, der in einer Gefängniszelle in Dessau an Händen und Füßen gefesselt qualvoll verbrannte.

Vor dem Gesetz sind eben die Bürger nicht unbedingt gleich. Polizeibeamte können und dürfen sich selbst bei eindeutig gewalttätigen Übergriffen wegducken und werden von der Justiz geschützt, während der zu Unrecht behandelte Bürger damit zu rechnen hat, daß ihm „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ bis hin zu „Landfriedensbruch“ als Straftat vorgeworfen wird. Der Ruf nach einer neutralen Behörde oder Gruppe, die solche Fälle auf Bundesebene klären sollte, wird zurecht lauter.

Es kann und darf nicht angehen, daß Polizeibeamte unbehelligt davonkommen, weil ansonsten das Vertrauen der Bürger ihrer Polizei gegenüber noch mehr schwindet. Im übrigen sei jedem, der von einem Polizeiübergriff betroffen ist, angeraten, eben nicht bei der Polizei selbst Anzeige zu erstatten, sondern gleich die Staatsanwaltschaft aufzusuchen. Jeder halbwegs gute Rechtsanwalt wird dies natürlich ebenso seinem Mandanten empfehlen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Aus Reifen werden keine Bäume

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Über Nacht wuchsen Autoreifen,
sie waren real, zum Angreifen,
im winterlichen Vorgarten,
wer riecht hier wessen Braten?

Entsorgt auf fremdem Grund,
dies Treiben ist zu bunt.
Ein Anlaß Gatter zu bauen,
wer will in meine Karten schauen?

Reifen als Pflanztopfkunst,
bin ich Hinz und Kunz?
Verwertung als Blumenzier,
nicht in meinem Revier!

Vielleicht meinte die Frau, der Mann,
mit Geduld man in einem Jahr kann,
zapfen Kautschuk aus den Bäumen,
Geld gäb`s dann zum Überschäumen.

Über so viel reichliche Ernte,
niemand sich zu Recht beschwerte,
dachten sich wohl die Reifenableger,
Ignoranz ist ein Streßanreger.

Vor dieser „liebgemeinten“ Idiotie
geh ich nicht in die Knie.
Ein bißchen laut war´s im Garten,
die Pflanzer fühlten sich verraten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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George Soros spricht in Davos ein Machtwort

Verhaßt, verschmäht und dennoch bestechend scharfzüngig

Jeder Mensch mit entsprechenden Einflüssen polarisiert in vielen Richtungen. Warum sollte dies beim US-Investor George Soros sich anders verhalten? Erst recht mit seinem jüngsten Machtwort im schweizerischen Davos, wo er vorm Untergang der Zivilisation warnte.

Im Prinzip nichts neues, wer sich intensiv mit weltpolitischen Zusammenhängen auseinandersetzt und nicht die Augen vor deutlichen Tatsachen verschließt, wobei es keineswegs um irgendwelche utopischen Phantastereien geht. Besonders ein Dorn im Auge rechtsradikaler Strömungen und Putin-Verehrer, verhaßt, verschmäht und dennoch bestechend scharfzüngig jener George Soros? Natürlich sollte man dabei wesentlich genauer differenzieren, als ihn simpelst zu verurteilen.

Überreichtum bewirkt viel Einfluß

Was ein George Soros insofern sich nicht nehmen ließ, denken wir an seine Kampagne zurück, George W. Bush auszubremsen, einerseits vehement den Irak-Krieg verurteilte, linksgerichteten Gruppen spendete, aber andererseits den Afghanistan-Krieg guthieß. Welch Widerspruch, genauso wie sein ziemlich auffälliges Engagement bei den Euro-Maidanprotesten als unübersehbarer Gönner der neuen Regierung unter Poroschenko in der Ukraine.

Verständlicherweise setzte Soros alles daran, sich aktiv am Zusammenbruch des Ostblocks zu beteiligen, dem Ende der Sowjetunion, verharrte dann aber als Widersacher Putins, was wiederum seine Position der Ukraine gegenüber bestärkte. Ziemlich typisch für Überreiche, ihre Einflüsse geltend zu machen. Sie entscheiden sich eben für die andere politische Seite und rücken dann in den Fokus schärfster Kritik, bishin sie letztendlich zu hassen. So ergeht es ebenso einem George Soros, der ganz besonders bei der Neuen Rechten ein Dorn im Auge darstellt.

Vom Investor zum Philanthrop – wie paßt das zusammen?

George Soros wird nachgesagt, er sei inzwischen ein Philanthrop. Das läßt sich aber ziemlich schwerlich vereinbaren, wer schlichtweg dermaßen viel Einfluß hat. Auch hierbei geht es um gewisse Seiten, die bedient werden wollen, wobei gleichseitig andere das Nachsehen haben. Eine schier unlösbare Aufgabe, weil gut und böse untrennbar miteinander verknüpft.

Dennoch überwiegt das eigentliche Anliegen, folgerichtig gutes zu tun? Prinzipiell schon, aber mit entsprechenden Einbußen versteht sich. Die Welt tickt bekanntlich ziemlich vielseitig, das dichte Netz wirtschaftspolitischer Verflechtungen bei gegenseitigen Abhängigkeiten ist ohnehin kaum wirklich in Gänze durchschaubar.

Dabei entstehen zwangsläufig heftige Interessenskonflikte. Am Ende haben weite Teile der Bevölkerung das Nachsehen. Das weiß natürlich ein George Soros genauso wie alle anderen Menschen mit enstprechendem Einfluß. Dennoch verbleibt der Eindruck, daß George Soros Davos aufgemischt hat, jenes Wirtschaftsforum, welches sowieso berechtigterweise in der Kritik steht. Daß Soros sich dem nicht entziehen kann, liegt auf der Hand.

Lotor Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Musikgeschmack

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Der Wasserhahn tropft,
Melodie die Ohren vollstopft.
Wer fährt denn hier rasant?
Zuhause bröckelt die Wand!

Deine Hupe ist keine Musik,
du verträgst halt keine Kritik.
Fehlende Ziegel stören mich nicht,
Schlafsack schützt mein Gesicht.

Dann überhol mich doch,
du halbgeistiges Arsch…,
mein Feuerplatz ist im Garten,
dein Feierabendbier kann warten.

Streng dich nur an mit dem Getöse,
dein Geprotze macht nur Flöhe böse.
Du hast keinen Musikgeschmack,
deine Hupe, dein Motor, alles Fuck.

Neidisch bist du auf meine Karre,
sie klingt wie eine Gitarre
im Windkanal,
dein Vehikel rauscht nicht einmal.

Ich liebe meinen natürlichen Punk,
den schimmelnden Holzgestank,
Musikwelten tönen in meinen Ohren,
Lebendigkeit geht so nicht verloren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Davos im Rausch bekannter Selbstbeweihräucherung

Merkel positioniert sich – hinter Trump wird ge-tuschelt

Erneut stellt das Wirtschaftsforum im schweizerischen Davos seine kapitalistische Ausrichtung unter Beweis, dem gern all jene Regierungschefs beiwohnen, die sich im Bade der Öffentlichkeit möglichst wirkungsvoll präsentieren. Gerade die Bundeskanzlerin nutzt demzufolge ihre Chance nach dem monatelangen Hickhack zur Regierungsbildung, um zu beweisen, sie könne auch Macron, wie die Welt in ihrem Artikel sie nahezu euphorisch lobhudelt.

Man muß jener Argumentationskette keineswegs folgen, von wegen sie gäbe sich erfrischend kämpferisch. Das hat viel eher ganz andere Gründe, die eigentlich auf der Hand liegen. Deutschland justiert seine Rolle in Europa neu, hegt offensichtlich seine Vormachtstellung als größte Wirtschaftsmacht der EU zu festigen. Darin fühlt sich Frau Merkel recht wohl, gerade weil in einer globalisierten Welt Rücksichtslosigkeit sich durchsetzt, soziale Verarmung in Kauf genommen wird.

Trumps USA im Schatten anderer Mächte?

Jene bewußt provozierende Frage inpliziert bereits, wohin die Reise der USA gehen mag mit einem derartigen Präsidenten, der „America First“ sich auf die Fahne geschrieben hat, rücksichtslos dem eigenen Volk gegenüber, wie dessen verabschiedete Steuerreform unter Beweis stellt, dabei auch Europa und den Rest der Welt lieber sein Diktat aufzwingen will, was natürlich nicht funktionieren kann.

Hinter vorgehaltener Hand wird über Donald Trump bereits getuschelt, dessen Dominanz in Davos in Frage gestellt, was erst recht kaum Vertrauen schafft auf wirtschaftspolitischer Weltbühne. Genau das offenbart ebenso jenes 48. Wirtschafts-forum, welches morgen zu Ende geht.

Weltsozialforum – das Pendant zum WEF

Das erstmalig stattgefundene Weltsozialforum vor 17 Jahren vom 25. bis 30. Januar in Porto Alegre (Brasilien) betonte gleich zu Beginn, daß eine globale Krise eben nicht mit den Mitteln des Kapitalismus bewältigt werden könne, sondern mittels Förderung von öffentlichen, kooperativen, kommunalen und vor allem kollektiven Eigentumsformen sei dies eine mögliche Ausrichtung.

Beim letztmalig 13. Weltsozialforum in Montréal stand Vernetzung und Begegnung auf Augenhöhe im Mittelpunkt der Gespräche, das diesjährige findet vom 13. bis 17. März in der brasilianischen Stadt Salvador da Bahi statt. Die Identität des Weltsozialforums wird mit der Charta der Prinzipien aus dem Jahre 2001 definiert:

„1. Das Weltsozialforum ist ein offener Treffpunkt für reflektierendes Denken, demokratische Debatte von Ideen, Formulierung von Anträgen, freien Austausch von Erfahrungen und das Verbinden für wirkungsvolle Tätigkeit, durch und von Gruppen und Bewegungen der Zivilgesellschaft, die sich dem Neoliberalismus und Herrschaft der Welt durch das Kapital und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen, und sich im Aufbauen einer planetarischen Gesellschaft engagieren, die auf fruchtbare Verhältnisse innerhalb der Menschheit und zwischen dieser und der Erde engagieren.“

Mögen noch viel mehr Menschen das eigentlich zerstörische Vorgehen jenes Neoliberalismus kritisieren, dem ebenso unsere Regierung folgt, um sich dagegen zu verwehren. Eine mögliche Antwort zeigt das WSF auf. Das Wirtschaftsforum hingegen verfolgt seinen inhumanen rücksichtslosen Weg.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Nicht den Schmerz begraben

Bilder dröhnen,
Schuh verloren,
Seelenkälte,
Überheblichkeit
geboren.

Atmen schmerzt,
Schweiß gefriert,
Fratzen lachen,
Selbstgefälligkeit
obsiegt.

Versteifter Rücken,
Erinnerung wärmt,
das Kind ist tot,
Menschlichkeit
begraben.

Nicht meine Zeit,
nicht mein Ort,
aber mein Wissen,
aber mein Leid,
mein Leben.

Das Kind ist tot,
der Schmerz bleibt.
Überheblichkeit,
Selbstgefälligkeit
hat Menschlichkeit
begraben.

Nicht schon wieder,
nicht in meinem Namen.
Das Kind ist tot.
Überheblichkeit,
Selbstgefälligkeit
sind zu begraben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Deutschland in der Rüstungs- und Kriegsfalle

Waffenexporte in Krisen- und Kriegsgebiete

Wie war das nochmal, nie wieder Krieg von deutschem Boden aus? Wann kann man von einer aktiven Beteiligung sprechen, vor Ort mit eigenen Soldaten oder aber schon wenn Waffen in Krisen- und Kriegsgebieten? Jene Fragen wurde keineswegs gewissenhaft gestellt, sondern ganz im Gegenteil, Deutschland befindet sich längst in der Rüstungs- und Kriegsfalle.

Was kommt wohl dabei heraus, wenn die beiden großen Parteien, – man bei der SPD mit rund 20 Prozent von einer solchen überhaupt noch sprechen kann -, Waffen exportieren, die einem ARD-Bericht zufolge so hoch wie nie in Krisengebiete verkauft wurden?

Frieden war gestern – was treibt die SPD an?

Wer sich mit den Zusammenhängen von einer friedlichen Koexistenz auseinandersetzt, kommt nicht drumherum, die familiäre Verbundenheit zu betrachten, wer also Frieden will, der muß zuerst den Krieg einfrieden. Mensch hat es wohl all die zurückliegende Zeit versäumt, genau das auch auszuleben. Der unterwürfig, bequemere Weg wurde vorgezogen, dem sich gleichwohl eine SPD untergeordnet hat. Das treibt wohl genau jene Sozialdemokraten an, die eigentlich oftmals zu Beginn ihrer Parteikarriere noch den Frieden auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

Das Geschäft mit den Waffen rächt sich folglich weiterhin. Nicht zufällig lautete der von Robert Havemann und Rainer Eppelmann 1982 verfaßte Berliner Appell: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Denn Frieden als Abwesenheit vom Krieg, der ja bekanntlich gerade mit Waffen funktioniert, Menschen tötet, kann nur ohne Waffen eine dauerhafte Chance haben.

Türkische Offensive gegen die Kurden mit deutschen Panzern

Ein ziemlich brisantes Unterfangen, was da an der türkisch-syrischen Grenze geschieht, jenes Aufmischen der YPG-Milizen seitens Erdoğans, zumal der türkische Despot gleich den Syrienkrieg dadurch erneut anheizt, das Ganze per „freundlicher Unterstützung“ mit deutschen Panzern gegen die Kurden. Ein sehr alter Konflikt, die Kurden haben es ohnehin nicht leicht in den umliegenden anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, oftmals eben nicht geduldet, wieder mal auf dem Rücken der unschuldigen Zivilbevölkerung ausgetragen.

Das kann und darf einerseits weder den Supermächten recht sein, noch Staaten wie Deutschland. Das Fatale daran sind eben jene Waffenexporte, schlimm genug, daß schon Parteien mit dem C für christlich im Parteinamen nonchalant jene Kriegsmaschinerie mittels Rüstungsgeschäften zulassen, eine SPD hat seit der Offensive beim Jugoslawienkrieg unter der Schröder-Regierung keinerlei Probleme damit, vom ursprünglichen friedlichen Kurs abzukommen.

Kein Wunder, daß Gabriels heikler „Leopard“-Deal erneut im Fokus der Kritik steht, wo jener doch ansonsten vollmundig alte SPD-Ziele gern zum Besten gibt. Das paßt ebenso nicht zusammen, will man am Liebsten unauffällig unter den Teppich kehren. Natürlich funktioniert das so mitnichten. Die Öffentlichkeit beobachtet und urteilt. Hoffentlich wieder mit wesentlich mehr Widerstand, damit endlich eine Friedensbewegung ihrem Namen gerecht wird, solche Deals nicht weiter zuzulassen, wenn auch direkte Einflüsse nichts nützen, weil die Waffenlobby sich nicht beirren lassen wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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