Mißverständnis

https://pixabay.com/de/schornsteinfeger-dach-schornstein-2792895/

pixabay.com

Die Fernanda
saß auf der Veranda.
Döste so vor sich hin,
da streichelte ein Flügel ihr Kinn.

Nein, keine einzelne verirrte Feder,
nicht der verliebte Schornsteinfeger.
Neben ihr stand Meister Adebar,
eigenartig, gänzlich sonderbar.

Sie hatte keine Zeit zu erschrecken,
noch sich schnell im Haus zu verstecken.
Denn schon sprach Adebar, der Sumpfgänger:
„Auf ein Sekündchen, dann stör ich nicht länger.“

Fernanda nickte, war ihr Herz doch etwas leichter,
als stände vor ihr der Schornsteinfegermeister.
„Also ich war auf einer Party, bis eben,
ich mußte mal, ein Bedürfnis, dringend austreten.

Ein wenig abseits ein Plätzchen gefunden,
erleichtert, plötzlich hab ich Hunger empfunden.
Die Nußschnecken schmeckten wirklich herrlich,
aber Froschschenkel sind der Gipfel, ehrlich.

Zur Party will ich jetzt zurück,
ich vergaß, welch Mißgeschick,
die Adresse der Anlieferung,
deshalb erbitt´ ich Hilfe zur Orientierung.

Die Fete ist bei einem Kaminkehrer,
seine Braut, die ist ein heißer Feger.
Meine Ankunft hat ihn leicht umgehauen,
wegen der Zwillinge muß er nun anbauen.“

Fernanda schwankte,
war wütend, dann froh, und dankte
Meister Adebar, ihrem Segensbringer,
wünschte ihm viele Jahre als Kinderbringer.

Den Weg zum Meister der Schornsteinfeger,
ging sie mir Adebar, tänzelnd wie eine Feder.
Von weitem zeigte sie dem Kehrer zwei Finger,
der fiel um, dabei waren es bloß ihre beiden Mittelfinger.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Auf Kritik an Höcke haben sie keine Böcke

https://www.flickr.com/photos/wolfgangstaudt/3755384142/sizes/z/

flickr.com/ Wolfgang Staudt/ (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/wolfgangstaudt/3755384142/sizes/z/

Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals in Born-hagen ein voller Erfolg

Im obersten nordöstlichen Zipfel Thüringens liegt das Dörfchen Bornhagen, Heimat des AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke im Thüringer Landtag, manche nennen ihn gar gezielt Bernd. Dieser leistete sich ein Fauxpas sondergleichen in seiner Rede am 17. Januar im Dresdner Ball- und Brauhaus Watzke, wobei er dreist erklärte, „unser Volk sei das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt habe.“

Es versteht sich von selbst, daß entsprechender Unmut und Shitstorm gegen den beurlaubten Gymnasiallehrer aufkam, der daher das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) auf den Plan rief, um dem AfD-Politiker in dessen Wohnort einen Denkzettel zu verpassen mit dem Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals. Ein entrüsteter Rentner und Freund Höckes bekundete lauthals: „Dreckspack, laßt den Höcke in Ruhe!“ Solche Töne passen zur rechtsradikalen Klientel, womit natürlich die Aktionskünstler umgehen konnten.

Ordnungshüter ein wenig irritiert – Jens Maier spricht von geistigen Erben der Stasi

Entsprechende Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Natürlich war die Polizei vor Ort zunächst überfordert, mit einem solchen Andrang hatte sie nicht gerechnet, erste Anhänger Höckes begannen schnell, handgreiflich zu werden, rauschten allerdings dann ab.

Anders verhält es sich mit Bernds… äh… Björn Höckes Gefolgsleuten, AfD-Vorsitzender Jörg Meuthen läßt verlauten,  es sei widerwärtig, daß so etwas in Deutschland überhaupt möglich sein könne. Jens Maier spricht gar gleich von den geistigen Erben der Stasi. Ganz genau, AfD-Politiker müssen sich damit abfinden, daß beherzte Kritik wesentlich mehr aktiv sich einbringt angesichts rechtsradikal rassistischer Töne und vor allem einer sich etablierenden Partei wie die AfD.

Was bisherige Parteien versäumten, mahnen kreative Menschen an

Endlich kommt mal Bewegung ins Land, nach etlichen Gegendemos zu Pegida-Aufmärschen und politischer Einigkeit rechtsradikaler Gruppierungen, die besonders europaweit immer dreister auftreten, von Polen über Ungarn, Österreich bis nach Frankreich und ebenso Spanien, auf der iberischen Halbinsel erdreisten sich gar Polizisten unverblümt lauthals, Hitler und Franco huldigend. Keine gute Entwicklung das Comeback neo-faschistischen Gedankenguts!

Umso erfreulicher, daß es Philipp Ruch und den Aktivisten gelang, Björn Höcke jenen Ableger der Holocaust-Denkmals heimlich zu installieren. Mehr davon, zumal wir noch kürzlich anmahnten, wo die Zivilcourage Kunstschaffender bleibe. Sie positioniert sich ziemlich kreativ. Daß dem trögen rechtsradikalen Pöbel nichts besseres als Haß und erneute Parolen einfällt, wundert mitnichten.

Solange eine Demokratie auch extremen Kräften Räume gibt, die sie morgen bereits zu stürzen vermögen, braucht sie sich nicht wundern, daß eine latente Gefährdung vorliegt. Gleichzeitig muß sie sich die Frage stellen lassen, wieso überhaupt Extremismus im Volke Nahrung findet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Worte nur für sie dastehen

https://pixabay.com/de/composing-see-ibis-eule-2951336/

pixabay.com

Lautlos schwingen die Flügel
Sanft streift die Pfote
Still huschen sie vorüber

Meister der stummen Töne
Bereit zum Kampf
Zur Zärtlichkeit

Keiner sieht auf
Köpfe geneigt
Vertieft

Meister der stummen Töne
Bereit zum Kampf
Zur Zärtlichkeit

Der Eule, Nahrung im Kropf
Der Katze über ihr Junges
Im Schwarm durchs Wasser

Sie sind mit sich selbst beschäftigt
Um Blicken zu entgehen
In Worte, die nur für sie dastehen

Meister
Zeigen ihr Gesicht
Im Kampf
Während
Der Zärtlichkeit
Erst recht

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Greenpeace vermutet Atomunfall in kerntechnischer Anlage Majak

Verharmlosung alles andere als vertrauens-erweckend

Zu keinem Zeitpunkt gab es hierzulande und europaweit eine Gefahr für die Bevölkerung angesichts höherer Ruthenium-106-Werte, wie man vollmundig den Medien entnehmen durfte, nachdem bereits erhöhte Werte Anfang Oktober gemessen wurden, zunächst das französische Institut für nukleare Sicherheit IRSN ein Medizin-Labor in Russlands Süden oder bei Kasachstan vermutet hatte. Das vorschnelle Ausschließen eines Atomunfalls erweist sich aber jetzt als äußerst trügerisch.

Daß jene Verharmlosung alles andere als vertrauenserweckend sich erweist, bestätigt inzwischen Greenpeace. Der Kernphysiker und Atomexperte Heinz Smital vermutet viel eher einen Atomunfall in der kerntechnischen Anlage Majak, welches sich obendrein mit dem russischen Wetterdienst deckt. In der letzten September- und ersten Oktoberwoche wurde im südlichen Ural, in der Region Tscheljabinsk bei der Meßstation Argajasch, der 986-fach erlaubte Wert von Ruthenium-106 gemessen, just 30 Kilometer von Majak entfernt.

Wie oft wollen Verantwortliche die Bevölkerung noch für dumm verkaufen?

Da muß sich sofortigst die zweite Frage vorwurfsvoll anschließen: Und warum spielen betroffene Menschen gar mit, ohne auch nur ansatzweise endlich mal entsprechend Besserung zu fordern? Haben Tschernobyl sowie Fukushima noch nicht ausgereicht, wiegt man sich in Sicherheit angesichts eines verkündeten Atomausstiegs? Ginge es nach der rechtsradikalen AfD, wäre die Kernkraft längst wieder vermehrt am Netz.

Auch das Schippern von Castor-Transporten auf dem Neckar zeugt von einer hochgradig fahrlässigen Haltung seitens verantwortlicher Politik, und das ausgerechnet im Ländle, wo doch Schwarz-Grün das Sagen hat. Herr Kretschmann verkauft seine „grüne Seele“ der Atomlobby, Herr Oettinger hat’s vorgemacht, menschliche Ignoranz hält locker durch, geht es doch um profitable Wirtschaftsinteressen.

Nichts dazugelernt – die strahlende Last wird weiterhin unterschätzt

Spätestens nach Tschernobyl und Fukushima hätte der Groschen fallen müssen. Jedoch wiegt man sich in eine scheinbare Sicherheit, aus der ein jähes Erwachen erfolgen könnte, sollten russische Behörden und Kontrollmechanismen versagen bei einem bevorstehenden Atomunfall. Statt direkt das Majak-Malheur beim Namen zu nennen, wurde Zurückhaltung geübt.

Dies wäre somit der elfte offizielle Unfall dieser Anlage, wobei der Kyschtym-Unfall vom 29. September 1957 als der drittgrößte Nuklear-Unfall der Geschichte gilt, laut der Helmholtz Gemeinschaft wurde er lange Zeit völlig unterschätzt.

Wird es Konsequenzen geben und Russland zugeben, was da geschah? Wenn überhaupt, dann zeitverzögert, schließlich steht viel auf dem Spiel, der Kreml und somit ebenso ein Herr Putin setzen auf Atomkraftwerke, während hierzulande zwar vom Atomausstieg die Rede ist, wenn auch sehr halbherzig, obendrein die Verharmlosung verantwortlicher Politik über Atommüll und Endlager stets neue Wege findet, die Bevölkerung zu beschwichtigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

Veröffentlicht unter Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Als das Wasser überlief

https://pixabay.com/de/w%C3%A4scheleine-waschen-bauernhof-1478439/

pixabay.com

Ihr Temperament ging wieder einmal mit ihr durch, ihre Stimme überschlug sich, wurde schrill, unverständlich, die Wörter purzelten in kleinen Silbenstückchen aus ihr heraus. Das Gesicht verzerrt und mühsam atmend, so als ob sie sich gerade an einem trockenen Gugelhupfstück verschluckt und die winzigen Kuchenbrösel aus der Luftröhre sich durch Mund und Nase befreit hätten, sie selbst aber zu einer Kuchenwortbrockenmaschine geworden, deren Ausschalter sich nicht finden läßt, das alles kannte sie nur zu gut, deshalb war es jedesmal ein innerer Kampf zwischen reiß dich zusammen, laß dich nicht so gehen und die Wut, der Frust muß raus, sonst ersticke ich.

Bilder, Gerüche, Stimmen, Gelächter, Schreie, Wasser, warmes Wasser, Dreckbrühe, jemand flüstert, halt bloß deinen Kopf unten. Wer legt mir Tücher über den Kopf? Versteckspiel. Luise, Matthias und sie haben Versteck gespielt. Papa war zuhause, ohne wirklich krank zu sein. Mama weinte viel. Luise und Matthias durften nicht zu Schule.

„Eins, zwei, drei, vier Eckstein, alles muß versteckt sein. Ich komme“, Matthias Stimme hallte durch den Flur.

„Mich findest du nicht! Mich nicht“, Melli zog einen Zipfel der Bettwäsche über ihr Gesicht. Sie hat sich in der Badewanne unter die Wäschestücke verkrochen. Mutter war den gesamten Tag schon mit der Wäsche beschäftigt, und in der ganzen Wohnung roch es nach Kernseife und frischer Wäsche. Melli wußte, wenn Matthias sie nicht fand, würde Mutter sie finden, denn das Wasser im Badeofen strömte eine angenehme Wärme aus, so daß Mutter die nächste Ladung Schmutzwäsche sicher bald einweichen würde.

Melli hörte die Wohnungsklingel und Klopfen an der Türe. Laute Stimmen, ein Schrei von Mama, nein! Luise schrie. „Vielleicht ist Matthias aus dem Fenster gefallen, weil er nach mir gesucht hat“, dachte Melli, als jemand einen ganzen Haufen Wäsche, frisch riechende Wäsche aus dem Schrank, die roch nämlich immer nach Lavendel, über ihr Wäscheversteck warf. „Wage nicht, dich zu zeigen, bis, bis der Kessel kalt, bleib still, sonst holt dich der Wolf aus dem Wald.“ Und sehr leise: „Halt bloß deinen Kopf unten!“ Melli duckte sich tiefer in die Wäsche, hielt den Atem an, die Stimme war ihr fremd, sie hatte plötzlich furchtbare Angst. Matthias schaffte es immer wieder, sie mit seinen Schauermärchen zum Fürchten zu bringen. „Das sage ich Mama!“, schluchzte sie leise vor sich hin.

Das war doch Matthias Stimme, die sie hörte: „So glaubt mir doch, Melli ist nach draußen, sie hat sich sicher im Keller versteckt, damit ich sie nicht finden kann! Wirklich, das ist wahr, Mama!“

„Versteckspiel, aha, na, die Kleine finden wir schon!“

Melli drehte den Wasserhahn auf, um sich zu vergewissern, ob das Wasser im Kessel inzwischen kalt war, schon lange hatte sie kein Geräusch mehr gehört. Sie zitterte vor Angst, was passieren würde, wenn das Wasser noch heiß sein sollte, aber lieber wollte sie sterben, als keine Luft mehr bekommen. Das Wasser fühlte sich warm an. Melli wollte den Hahn schnell wieder zudrehen, aber vor lauter Tränen, die ihr über das Gesicht rannen und dem Zittern, das ihren Körper befiel, gelang ihr dies nicht. Sie hockte, die Knie ganz dicht an sich gezogen, auf der Wäsche und starrte dem Wasser zu, das unaufhörlich floß.

Erst als das Wasser überlief, traute sie sich, aus der Wanne zu steigen. Klatschnaß stiefelte sie mit Laken über dem Kopf auf die Straße. Wütend war sie da, wütend. Und sie brüllte und schrie, selbst noch als sie warm gebettet bei ihrer Tante Barbara im Bett lag, wohin sie von aufmerksamen Nachbarn hingebracht wurde.

Es ist nicht mein Temperament, das ich nicht beherrschen kann, es ist mein Gewissen. Ich hätte Matthias widersprechen sollen.

Melli atmete tief durch. Im Saal herrschte angespannte Stille, als sie nach ihren Ausführungen über den Grund, warum sie sich gegen fremdenfeindliche Tendenzen selbst der kleinsten Art, dazu veranlaßt fühlt, diese aufzuzeigen und ja, auch anzuprangern.

Mellis Vater wurde in den letzten Kriegswochen angeklagt, Zwangsarbeitern bei ihrer Flucht geholfen zu haben. Selbst nach Kriegsende galt er für viele als Vaterlandsverräter. Mellis Mutter durfte nach einer Nacht im Gefängnis am nächsten Tag wieder nach Hause. Luise durfte nach Drängen der Familie und dem Dafürsprechen ihres Lehrers aus dem Kinderheim, mit Auflagen an die Mutter, nach wochenlangem hin und her wieder heim.

Auf Matthias wurde geschossen, er versuchte, aus dem Polizeigelände zu fliehen, er verstarb noch am selben Abend. Der Schütze wurde nie angeklagt.

Matthias war vierzehn, als das Wasser überlief.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Pferdesport offenbart unentschuldbare Tierquälerei

https://pixabay.com/de/pferde-landschaft-natur-feld-gras-2427513/

pixabay.com

Nur Kräftemessen und Prestige?

Ein ganz gewöhnlicher Vorgang in der Natur, daß Tiere ihre Kräfte messen, dient dieses Treiben doch dem Überleben. Selbst der Mensch versteht es vorzüglich aufgrund seines Verstandes, alle möglichen und unmöglichen Disziplinen des sportlichen Kräftemessens anzuwenden, wobei daher auch Tiere wie die Pferde herhalten müssen.

Wenn es darum geht, profitable Geschäfte zu ersinnen, auch fürs eigene Prestige, wird selbst eindeutige Tierquälerei beim Pferdesport billigend in Kauf genommen. Die Liste menschlicher Verfehlungen bis hin zu besonders grausamen Untaten Pferden gegenüber sprengt jeden einfachen Artikel. Betrachten wir einige Unstimmigkeiten etwas genauer, und wieso ganze Gesellschaftsschichten, die dem Treiben des Pferdesports ungeniert zustimmen, in den Fokus der Kritik gehören.

Dressur Pervers – die Kritik wird lauter

Der Mensch begann vor über sieben Tausend Jahren die Pferde für sich zu entdecken, sie als Arbeits-, Last- und Reittiere langsam aber zielsicher zu domestizieren. Schon damals wurde keinerlei Rücksicht auf die Gesundheit der Pferde (Equus) genommen, deren Familie, die Equidae, eine sehr alte Gruppe der Unpaarhufer, stammesgeschichtlich sogar mehr als 55 Millionen Jahre zurückliegt. Hauptsache sie erbrachten den notwendigen Nutzen, damit Mensch seine Ziele erreichte. Das galt daher auch für sämtliche weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen die Schlachtrösser gnadenlos involviert waren und ebenso qualvoll ihr Leben ließen.

So darf man sich auch nicht wundern, daß eine völlig selbstverständliche Einstellung zur Verwendung von Pferden im sportlichen Kräftemessen schon sehr früh begann, denken wir nur an die Wagenrennen im alten Rom oder das Galopprennen bei den Olympischen Spielen der Antike in Griechenland. Da niemand ansatzweise wirklich gezielt Menschen- oder gar Tierrechte im Laufe der Jahrhunderte einforderte, konnte kein Bewußtsein für solch selbstverständliche Forderungen entstehen. Mit dem Vorantreiben menschlicher Dekadenz, die auch im Pferdesport völlig zwanglos sich entwickelte, entstand eine nicht unwichtige Lobby, die gern die erzielten Geldeinnahmen für sich verbuchte.

Die Journalistin Gabriele Pochhammer hatte mehr Erfolg mit ihrem Artikel „Dressur Pervers“, 2005 erschienen in der Zeitschrift St.Georg, nachdem schon 13 Jahre zuvor Heinz Meyer vergeblich auf die Überdehnung des Halses bei Pferden aufmerksam machte, auch „Rollkur“ genannt. Diese extrem schmerzhafte und unnatürliche Methode fand und findet beim Dressur-, Spring- und Westernreiten Anwendung.

Kein Verbot des Militär-, Dressur- und Springreitens?

Die Pferde, die bei Galopprennen nur als zweitklassig sich herausstellen, müssen halt in extremen Hindernisrennen zweckdienlich dem Menschen zur Verfügung stehen. Dabei stellt das Jagdrennen die schwierigste Form beim Hindernisrennen dar, dessen Hochleistungssport den Pferden unnötige Risiken beschert. Das weltweit berühmteste Jagdrennen, das Grand National, findet seit 1839 in Aintree bei Liverpool statt. Die 7,2 km lange Distanz beinhaltet 30 mit Fichten abgedeckte Hindernisse und kann durchaus eine für Pferde extreme Höhe von 1,50 m aufweisen. Der Tod zweier Pferde empörte Tierschützer und dies völlig zu Recht.

Das ganze Gehabe des Militär-, Dressur- und Springreitens sollte eigentlich im Sinne des Tierschutzes verboten werden. Aber wer richtet schon freiwillig und beherzt das Wort gegen eine Lobby, die weit verzweigt alles unternimmt, um diese gewinnträchtige Einnahmequelle zu rechtfertigen? Tierschützer tun das und auch Menschen, die den Humanismus auf ihre Fahnen geschrieben haben. Pferde gehören auf große Koppeln, am allerbesten in Freiheit, die letztlich eben nicht unbegrenzt ist. Dennoch sollte diesem Herdentier das freie Herumtollen, das ein oder andere Rennen gegönnt sein, aber sämtliche Quälereien, die dem Wesen dieser tollen, sehr sensiblen Tiere widersprechen, nicht geduldet werden!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

Veröffentlicht unter Tierschutz/Tierrechte | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Willibald König

https://www.flickr.com/photos/55933093@N00/259711420/sizes/z/

flickr.com/ smarcs 1001/ (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/55933093@N00/259711420/sizes/z/

„Bigotterie! Diese Bigotterie! Haben alle den Verstand verloren! Nie einen besessen, obwohl die Welt erstickt, an den Milliarden, Billiarden, Milliarden Billiarden Papiertonnen, die in den Bibliotheken und sonstwo verstaubt herumstehen, verbraucht werden, um Wissen, pah, Wissen, in die Köpfe zu quetschen. Erfolglos, erfolglos! Pragmatische Egoisten, Narzißten, allesamt, allesamt! Ohne Ausnahme! Lügner, Ausbeuter, Intriganten, Moralisten, Arschkriecher, und wenn in den eigenen Arsch, dann auch dahin! Kein Arsch in der Hose, keine Widerrede!“

Willibald stößt mit seinem Knie gegen die Tischkante der neuen Eßzimmermöbel.

„Dies ist kein Zeichen, kleinbeizugeben!“

Er marschiert, fast stechschrittartig im Zimmer auf und ab. Während seines Redeflußes fixiert er einzelne Möbelstücke oder die großformatigen Bilder an den Wänden mit unruhigen Augen, so als ob diese in Sprungbereitschaft wären, ihn anzufallen.

„Schwafeln von moralischen Grundsätzen, von sozialen Schwächen der Wirtschaft. Empathielosigkeit gegenüber dem eigenen Volk, Nation als geltende Norm. Uniform, wäre das richtige Wort.“

Willibald reißt die Balkontür auf, atmet tief durch, lehnt sich mit den Ellbogen über die Brüstung.

„Ah, der Herr Chauffeur hat mal wieder nicht zugehört! Wir fahren heute mit dem Bugatti! Verstehen, Bugatti!“

Und leise murmelt er, weil Gattilein es so will, damit Willi bei Gatti einsteigen darf.

„Hören Sie auf, den Porsche zu polieren. Die Zeit ist knapp! Jetzt holen Sie doch den verdammten Bugatti, oder wissen Sie nicht, wie ein Bugatti aussieht! Das ist der einzige weiße Wagen, nun machen Sie schon.“

Es klopft an der Tür. Bevor Willibald herein rufen kann, tritt der Sekretär ein.

„Herr König, die Bestände der bibliothèque Lenian können nun doch zu Ihren Bedingungen übernommen werden! Alle Vertragspunkte wurden akzeptiert, soeben kam die Email.“

Der Sekretär bleibt etwas breitbeinig an der geöffneten Türe stehen.

„Prima, prima! Dann sorgen Sie dafür, daß der Kram schnellstmöglichst hertransportiert wird. Sonst noch was?“

„Ich, nein.“ Mit einem leichten gesenkten Kopf verläßt der Sekretär den Raum, die Tür bleibt offen.

„Lügen, wohin man sieht, Lügen! Sollte der Pöbel anrauschen, dann gibt’s genügend Brennmaterial. Das wollen die doch, alles brennen sehen! Auflodernd, Neues erschaffen. Lügen, überall Lügen, pragmatische Lügen. Ha, die findet ihr dann in den Büchern, eure Wahrheiten, mit denen ihr dann die Luft verpestet! Bei Gott, wie kann man nur auf die Idee verfallen, es gäbe keine Lügen, wenn die moralischen Werte durch Gehorsam, Leute, ihr meint Gewalt, eingetrichtert werden. Habt ihr noch alle Tassen im Schrank, oder glaubt ihr wirklich, eine Mutter würde euch verraten, wo ihre Kinder versteckt sind, damit Ihr… Sie wird lügen, moralische Verpflichtung zur Wahrheit, nie und nimmer.“

Aus der Anrichte holt er ein Glas, schaut zur Tür, öffnet die unteren Schiebetüren, greift sich eine Flasche, aus der er das Glas bis zum Rand füllt.

„So funktioniert das nicht, strammstehen! Nur Intriganten vermittelt Freiheit mittels Sicherheit! Freiheit bedeutet aber Angst! Kapitalistenschleimer, ihr könnt keine Wahrheit verkaufen, ihr verkauft Seelenfraß!“

Willibald trinkt das Glas in einem Zug leer und prostet mit dem leeren Glas einem Bild zu. Es ist das einzige Wandbild, das eindeutig eine Kopie des Originals darstellt. Picassos Guernica. Neben der Kopie, die fast den Originalmaßen entspricht, hängt eine Schrifttafel.

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“ 12/1937

Lisa spricht den Text, scheinbar kann sie ihn auswendig, laut und mit sehr viel Empathie in der Stimme.

„Geliebte, wie lange hältst du dich schon hinter meinem Rücken versteckt?“

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, daß ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, daß ein Mensch, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konfliktes, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht in seinem Anwesen lautstark äußern sollte, so daß das Personal sich in die hintersten Ecken verzieht, sondern sich öffentlich positioniert, damit die Gleichgültigen gegenüber jeglicher Individualität, also die Engstirnigen, sich wieder in ihre Höhlen verziehen.“, konterte Lisa.

„Ach Lisa, geliebte Gemahlin, Weib der Worte! Ist es schon so spät? Wo habe ich bloß meinen Text hingelegt?“

„Willi, du hattest ihn mir zu lesen gegeben, gefällt mir ausgesprochen gut, die spiegelverkehrte Borniertheit einer moralisierenden Herrschaftsgesellschaft, Zwielichtigkeit als Ausrede zur Harmonisierung eventueller sozialer Unruhen, Gemeinschaftssinn einer Nationalität kann sich nicht auf ein Unisono reduzieren, sondern muß sich auf die Universalität jeglicher Existenz beziehen…“, sie übergibt Willibald einen Umschlag.

Das Zimmermädchen betritt mit leisen, vorsichtigen Bewegungen das Zimmer, sie hüstelt. „Der Bugatti steht bereit zur Abfahrt!“

„Bugatti?“

Lisa blickt irritiert zu Willi.

„War das nicht dein Wunsch? Sagtest du nicht, der Porsche wäre heute unangebracht!“

„Ja, aber, ich hatte dabei nicht den Bugatti im Sinn.“

Willi schmunzelt. „Ich weiß. Denkst du nicht auch, es ist effektiver, den Jammerlappen, die nur dreckige Wäsche aus jedem Korb herausfischen, den Wind aus den Segeln zu nehmen?“

Willi und Lisa verlassen den Raum.

Frenetischer Applaus ist zu hören. Minutenlange Standing Ovations hallen durch den Raum, Stimmen, Rufe übertönen den Beifall, Raketen erleuchten den Himmel. Das Zimmermädchen löst sich aus ihrer starren Haltung. Schüttelt den Kopf, rennt zur Balkontüre, der Gewittersturm hat bereits Regen und Hagelkörner auf dem Parkett verteilt. Auf der Auffahrt steigt Willibald gerade in den Bugatti, der völlig durchnäßte Chauffeur klappt einen zerfetzten Schirm zusammen, verstaut ihn wohl wegen der Eile im Kofferraum. Willi kurbelt das Beifahrerfenster herunter. Das Zimmermädchen zieht die Vorhänge zu.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar