Ein Horn bleibt Einhorn

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Keiner möchte ein Nashorn sein!
Da schreien alle, warum, nein, nein!

Ein Einhorn vielleicht?
Schon sind die Gesichtszüge aufgeweicht.
Ja, ja, sofort, wo ist der Zauberstab?

Wie war der Zauberspruch nochmal?
Simsalabim, simsalabum,
Horn werd´ bloß nicht krumm.
Keine kurzen Stummelbeine,
zart gegliedert, viere, dreie, zweie, eine.
Schlanker Kopf, Gesamterscheinung wie ein Pferd.
Farbe? Farblich? Ja, ich hab´s gehört!
Kleiner Onkel von Pippi Langstrumpf,
weiß mit schwarzen Punkten, das wird ein Triumph!

Bleib endlich ruhig stehen, du Rhinozeros!
Jetzt ist es geschehen, was mach´ ich nun bloß?

Du nimmst es nicht tragisch,
das ist fantastisch.
Deshalb brauchst du dich nicht vor mir niederknien,
vermutlich liebst du die tropische Wärme auf Java und in Indien.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Brasilien: Präsident Temers Kurruption toppt Dilma

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Erneut soll ein riesiges Regenwaldgebiet weichen

Kein geringeres als das eigentlich bisher unberührte Gebiet die RENCA-Reserve, welches für für „Reserva Nacional de Cobre e Associados“ (Nationale Reserve für Kupfer und andere Stoffe) steht, soll nach den Vorstellungen von Michel Temer für die Agrar- und Bergbauindustrie freigegeben werden. Der Verein Rettet den Regenwald appelliert mit entsprechender Petition.

Wer kann jenes brutale, umwelt- und völkerrechtswidrige Vorhaben noch verhindern, zumal die eigene Bevölkerung Brasiliens nur noch mit fünf Prozent hinter diesem Präsidenten steht? Zwar hat ein brasilianischer Bundesrichter Temers Dekret vorerst gestoppt, dennoch vermag die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament zur endgültigen Beilegung jenes Vorhabens nicht zustande kommen, Temer hat mal wieder per Geklüngel gut vorgesorgt.

Ein Präsident nach außen eher gemäßigt – innenpolitisch tobt die Privatisierung

Mit freundlicher Unterstützung durch die USA? Höchstwahrscheinlich, ein Donald Trump, der sich vom Klimaabkommen verabschiedet hat, ein Michel Temer und dessen hartherziger innenpolitisch korrupter Kurs dürfte Brasiliens Präsident eher beflügeln, rücksichtslos zu handeln, obendrein weil er im nächsten Jahr ohnhin nicht mehr sich bei den Wahlen nominieren läßt.

Dabei behauptet er vollmundig, seine Regierung hätte auf das einsetzend geringe Wachstum hingewirkt. Letztlich eine Falschmeldung, zu einseitig betrachtet. Lediglich der massiv vorangetriebene 100 prozentig genveränderte Soja-Anbau, diesjährig ein Plus von 20% im Vergleich zum Vorjahr, sorgte für jene Erfolgsmeldung. Gleichwohl eine Erhöhung meist illegaler Regenwaldabholzung von rund 30% gegenüber 2016 offenbart Temers eiskalte Haltung. Nachdem Dilma ihren Platz räumen mußte, frohlockt ihr Nachfolger erwartungsgemäß, ein Sieg der raffiniert sattelfesteren Korruption!

Mehrere Nationalparks sind gefährdet – kein weltweiter Aufschrei?

Ein müdes Kopfnicken, kaum Bedauern? Kein Interesse zum Umwelt- und Naturschutz, der Respekt Indigener gegenüber fast gen Null, ein Indiz großer Gleichgültigkeit zusammen mit rassistischer Zunahme in den USA, europaweit? Wirtschaftsinteressen fordern jenen Kurs totaler Ausbeutung wider irgendwelcher Nachhaltigkeit geschweige eines Humanismus.

Insofern nicht verwunderlich, daß gleich mehrere Nationalparks des RENCA-Reserve gefährdet sind, oben im Norden Brasiliens. Ein Gebiet fast so groß wie Niedersachsen, sogar rund 5.000 km² größer als die Schweiz. Als ob Brasilien in der Vergangenheit nicht schon genug gelitten hat, denken wir an Belo Monte, an die größte Umweltkatastrophe des Rio Doce.

Michel Temer kann noch viele Verfehlungen initiieren, höchste Zeit ihn zu stoppen. Wenn schon Brasiliens Polit-Sumpf im Land selbst nicht trockengelegt werden kann, so hätte die Weltgemeinschaft etliche Mittel. Aber sowohl die USA als auch Russland, siehe BRICS, hüllen sich leider in Schweigen. So wird das nichts.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Spiegelverkehrt ein Negativ

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Er hat ihr den Mond hinterhergetragen.
Sie fürchtete sich vor dem trüben Licht.

Die Sonne in seinen Händen hinterließ Brandwunden.
Sie flüchtete in den Schatten.

Zu ihrer Sicherheit ging er voran im Nebel.
Sie fluchte, als er einen Hang hinunterstürzte.

Unter seinem Schirm kam sie trockenen Hauptes nachhause.
Sie fühlte sich danach krank, weil ihre Füße naß wurden.

Auf Rosen bettete er sie.
Sie führte ihre Juckallergie darauf zurück.

Die Kerzen sind heruntergebrannt.

Sie fummelte nach einem Feuerzeug.
Da spürte sie
im flackernden Licht
die schmerzenden Finger,
stolperte über einen Stuhl.
Im Bad kühlte sie ihre Wunden,
sie roch und schmeckte das Verbrannte,
der Spiegel erkannte seine Verwandte.

Er filmte ihr Leben, sie ließ sich filmen, beide vergaßen,
die spiegelverkehrte Abbildung ist immer ein Negativ.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Bundestagswahl: Wer rettet die Wähler vor der Gleichgültigkeit?

Satire und deren Freiheit ohne Korsett steht bereit

Ist es schon wieder soweit? Menschen mögen bald zur Wahlurne schreiten, sich vorher sogar angeblich in Fernsehduellen streiten. Doch das reicht alles nicht bei weitem, welch schreckliche Zeiten ungeahnter Möglichkeiten. Wie kann man sich darauf vorbereiten? Letztlich führt kein Weg vorbei, die Wahl endet im Einheitsbrei neoliberaler Macht, welches die Finanzwirtschaft entfacht.

Stop, reimen mag ganz lustig interessant daherkommen, daß es selbst im Poetry-Slam auch ohne geht, zeigte uns ziemlich wirksam der Kaberettist Nico Semsrott, der als Spitzenkandidat die Berliner Landesliste der Partei Die Partei anführt. Eine wahrhaft gute Entscheidung, die obendrein jener rechtsradikalen Wählerschaft entsprechend Paroli bieten kann.

Wer schon im Vorfeld AfD-Wähler als „arm dran“ entlarvt, die gar „schlechte Menschen seien“, der hat nicht nur seine Hausaufgaben gemacht, sondern verdeutlicht die Perversion jener Fanatiker, die ohnehin längst in einer Einbahnstraße sich verirrt haben. Typisches Lemminge-Verhalten, bloß nichts kritisch hinterfragen, besser Marktschreiern wie Bachmann, Höcke und Co. verfallen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor, da war doch mal was vor über 70 Jahren?

Umso wichtiger, wenn Satire ihren Stellenwert nicht nur ständig erkennt, sondern darüber hinaus auch noch sinnvoll politisch einsetzt, gezielt ins Spiel bringt. Die Partei, „Partei“ steht für: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Aha, Elitenförderung, soso… mag der genauer Hinschauende sich vielleicht fragen. Alles tatsächlich nicht allzu ernst zu nehmen, außer, daß die kritische Ironie im Fokus der Auseinandersetzung steckt, eben das Parteisystem selbst zu hinterfragen. Dennoch erreichte Die Partei so einiges in den zurückliegenden 13 Jahren seit ihrer Gründung, immerhin konnte sie einen Sitz im Europäischen Parlament ergattern, für die jetztige Bundestagswahl tritt der Regisseur und Kaberettist Serdar Somuncu als Kanzlerkandidat an.

Eine mögliche Wende im Wahlkampfgetümmel, weil Politik zwischen Medienspektakel und Augenauswischerei dennoch vorgeführt wird, im Kleinen durchaus wirkungsvoll mit der Aktion von Shahak Shapira und seinem Team, die Kaperung der 31 geschlossenen AfD-Fan-Facebookgruppen?

Unbedingt, das läßt hoffen, ein Lichtblick am Horizont einer eher fast schon entschiedenen Bundestagswahl, wo Angela Merkel ein viertes Mal sich beweisen darf, die Koaltitionsparteien, welche dies auch immer sein mögen, sich zu fügen haben, damit der neoliberale Kurs seine menschenverachtende, kriegstreiberische Politik fortsetzen darf, demokratisch gewählt von der Mehrheit der Wahlberechtigten im Lande.

Ödön von Horváth hinterließ uns folgendes Zitat:

„Wenn nur noch Gehorsam gefragt ist und nicht mehr Charakter, dann geht die Wahrheit, und die Lüge kommt.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Es blitzt und funkt

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Wegen dir
trampte ich morgens um vier,
lief ich nachts
durch den Wald,
nachts und morgens
ist es immer so kalt.

Doch wegen dir,
fror ich, fühlte nur die Gier,
umarmt, geküßt zu werden,
gestreichelt, liebkost
bis zum Wahnsinn,
jede Vernunft war erbost.

Mit dir
war ich willenlos irr,
wir schleppten uns
von Höhepunkt zu Höhepunkt.
Zum Himmel, zur Hölle.
Diese Liebe
sorgt immer noch dafür,
daß es dort ständig
blitzt und funkt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Politik zwischen Medienspektakel und Augenauswischerei

Die Belanglosigkeit des „weiter so“ schafft Widerstände und Resignation

Medienspektakel bestimmt den Alltag, zumindest die Köpfe, die noch etwas mitbekommen, sei es durch Dauerberieselung oder per kritischer Auseinandersetzung, erahnen oder wissen dies. Letztere hadern ständig, was denn fehl gelaufen sei. Zu wenig Widerstand oder gar Vernetzung? Die Flut der Fragen nimmt schier kein Ende, während mühsam manche Antwort sich Wege der Befreiung sucht.

Klingt ein wenig zu undifferenziert, genauso wie eine Scheinwelt, die nur eines im Sinn hat: vorgaukeln, bloß nicht hinterfragen. Insbesondere bei bevorstehendem Machtwechel, ob dies hierzulande tatsächlich stattfinden wird, darf unbedingt angezweifelt werden, purzeln Nachrichten und Gerüchte durchs Land, damit das erstaunte Volk beschäftigt. Natürlich richtet sich der Fokus auf die Bundestagswahl, ein gestriges Fernrsehduell verweist bereits, wohin die politische Reise driftet: in die Belanglosigkeit des „weiter so“.

TV-Duell der Effekthascherei – AfD-Fans vorgeführt

Wobei man sich schon fragen sollte, welchen Raum jene rechtsradikale Strömung ausgerechnet hierzulande einnimmt, wenn die Rede von „der Angst der Moderatoren vor dem Mob“ als zutreffende Schlagzeile erscheint. Ist es bereits mal wieder soweit, daß Rassismus und Nationalismus die Politik aufs Glatteis führt? Unbeholfene Statements beider Kanzlerkandidaten, die auch nur die Vorgaben der Moderatoren beantworten, werfen insofern eher ein trügerisches Licht, was denn hierbei die eigentliche Absicht gewesen sein soll. Belustigung oder Verunsicherung der Wählerschaft? Fernsehen verkommen als Effekthascherei?

Kreative Ideen vermögen einiges ausrichten, wenn an geeigneten Stellen platziert. Gedacht, gesagt, getan. Daß die Social Media einen immer größeren Stellenwert erhalten, allen voran Facebook, sollte sich längst herumgespochen haben. Das macht sich auch jene AfD zunutze, per Bots und Fake-Accounts. Eine Mischung aus „verlogener Selbstdarstellung“ hat was von narzißtischer Hochstapelei, die gern mal übers Ziel hinausschießt, Hauptsache es finden sich genügend unkritische Anhänger.

Genau dort setzte die Satirepartei „Die Partei“ an, kaperte 31 geschlossene Facebookgruppen von AfD-Fans. Shahak Shapira und sein Team bewiesen mit gezieltem Schalk, was tatsächlich von jener politischen Alternative zu halten ist: nichts.

Soziale Not wird geflissentlich kleingeredet

Da kann ein Martin Schulz noch so vehement tönen, die Suche nach sozialer Gerechtigkeit entpuppt sich als ein Trugschluß, der obendrein für genügend Zündstoff sorgt, was daraus noch alles entstehen mag. Von Widerständen bis Resignation reicht die Palette möglicher Szenarien. Wobei bekanntlich ausgerechnet rechtsradikale Strömungen immer mehr Zulauf erhalten.

Das uralte Prinzip „Teile und herrsche“ funktioniert gerade in den Unterklassen, neu ist das keineswegs. Jene Optionen des Gegeneinander-Ausspielens sollte man als reale Absicht hinstellen, waren es zu Beginn mit der Agenda 2010 noch die alleingelassenen Arbeitslosen, die entsprechend per Hetztiraden verunglimpft wurden, bis heute werden, sind offensichtlich Flüchtlinge eine willkommene zweite Möglichkeit, soziale Not somit erst recht anzuheizen. Daß die Konzernpolitik bereits viel zu lang sich ausbreiten und etablieren durfte, weiß jeder Kritiker dieser neoliberalen Politik. Das Fatale daran: Wer oder was hält sie noch auf?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Wenn Geräte zwischen Rat und Reden geraten

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Sprache ein markantes Indiz der Zeit

Haben Sie sich schon einmal die Mühe genommen und Ihre Geräte, die Sie im Haushalt zum Werken, fürs Auto, für die Gartenpflege, ja sogar zur Schönheitspflege benützen, aufgezählt? Gelistet, eine Tabelle erstellt? Mit Motor, ohne Antrieb, eigentlich unnütz, hat man halt, dringend erforderlich, kein Leben ohne dies Gerät möglich, vielleicht fallen Ihnen noch andere Differenzierungen ein.

Die Anzahl dieser Kategorien kann je nach Charakter in unterschiedlichen und vielen Prioritäten gegliedert sein. Was aber die Gesamtanzahl Ihrer Geräte angeht, so wird Ihnen nicht wirklich bis zu dieser Aufzählung bewußt gewesen sein, was Sie da täglich oder öfters an Geräten, um sich das Leben zu erleichtern oder weil es modern ist, sich mit diesem Gerät zu umgeben, an Material in die Finger, in die Hand nehmen.

Sie gebrauchen diese Instrumente, Werkzeuge, ohne nachzudenken, ähnlich wie Sie es mit Ihrer Sprache halten. Sie werden sich nicht bei jedem Wort, das Sie sprechen, schreiben, überlegen müssen, habe ich es richtig ausgesprochen, wie schreibt sich das Wort, ist es an dieser Stelle angebracht, was drückt das Wort aus, sondern es als selbstverständlichen Begriff verwenden, oder?

Nein, ja. Einfache Wörter wie Haus, Maus, gehen, laufen, haben Sie so verinnerlicht, daß Sie keinerlei Gedanken mehr daran verschwenden, wie zum Beispiel das Benützen von Messer und Gabel, das Auf- und Abschließen mittels eines Schlüssels, die Handhabung der Fernbedienung. Etwas anders sieht es aus, wenn Sie Wörter schon eine etwas längere Zeit nicht mehr geschrieben haben, dabei muß es sich nicht unbedingt um ein Fremdwort handeln, selbst sogenannte deutsche Wörter können es in sich haben, da kann es an der richtigen Aussprache oder der korrekten Schreibart mangeln. Hanebüchen, Lappalie, Elektrizität, nichtsdestotrotz.

Wenn man dies alles gemeistert hat, gesellen sich Wörter und Begriffe hinzu, die man vielleicht so frei Schnauze sprechen, einem Freund schriftlich mitteilen kann, die aber in einem Geschäftsbrief oder auch gegenüber Fremden, bei einer Ansprache nicht als empfehlenswert genannt werden können. Vergleichbar wenn Sie mit dem Messer Fleisch-Käsestückchen in den Mund führen, oder den Föhn in der Badewanne benützen. Wörter können zu Katastrophen führen wie die unsachgemäße Handhabung von Geräten.

Das Gerät, mittelhochdeutsch geræte, althochdeutsch girāti, Kollektivbildung zu Rat, Ausrüstung; Vorrat; Hausrat, Werkzeuge; Rat, Beratung. (Duden) Synonyme sind, Instrument, Rüstzeug, Maschine.

Der Rat, mittelhochdeutsch, althochdeutsch rāt, zu raten; ursprünglich, (Besorgung der) Mittel, die zum Lebensunterhalt notwendig sind; vgl. Hausrat; verwandt mit raten. (Duden) Andere Begriffe, Anregung, Hinweis, Lösungsweg, Vorschlag.

Es ist jetzt bereits zu erkennen, wohin eine falsche oder böswillig eingesetzte Sprache genauso wie falsch bediente Geräte führen und bezwecken können, oder?

Raten, mittelhochdeutsch rāten, althochdeutsch rātan, ursprünglich, (sich etwas) zurechtlegen, (aus)sinnen; Vorsorge treffen; verwandt mit Rede. (Duden) andere Wörter lauten, beraten, ermuntern, empfehlen, einschärfen, zureden, enträtseln, entschleiern, dahinterkommen.

Die Rede, mittelhochdeutsch rede, althochdeutsch red[i]a, radia, Rede (und Antwort); Sprache; Vernunft; Rechenschaft; ursprünglich, das Gefügte; zum Teil vielleicht Lehnbedeutung aus lateinisch ratio, Ratio. (Duden) Andere Wörter hierfür sind, Darlegung, Erörterung, Predigt, Vortrag, Gespräch, Kommunikation, Gerede, Diskurs.

Kurz auch Ratio erklärt, Ratio bedeutet Denkvermögen, Intellekt, Intelligenz, Vernunft, Verstand, Berechnung, Rechenschaft.

Die Sprache, Wörter, Begriffe, Laute wurden schon immer als Gerät, als Waffe benützt, denken wir an die Reden von Cato, die immer mit dem Satz geendet haben sollen, im Übrigen bin ich dafür, daß Karthago zerstört wird. Denken wir an Schlachtrufe, an Imitationen von Tiergeräuschen, um Gegner zu irritieren, um sich mit Gleichgesinnten zu verständigen oder um Tiere anzulocken. Schimpfwörter, Redewendungen, als ordinäre Gassensprache titulierte Begriffe. Sprache ist ein Gerät, um zu beruhigen oder aufzuhetzen.

Kann man davon sprechen, daß nicht jeder die Fähigkeit besitzt, sich sachgemäß in einer Sprache auszudrücken? Genauso wie man so gemeinhin sagt, jemand hat zwei linke Hände, dieser jemand kann nicht mal einen Nagel, ohne ihn zu krümmen, in die Wand schlagen. Dann kann es andererseits auch möglich sein, daß jemand die Sprache und deren Wirkung gezielt einsetzen kann, wie jemand, dem alles gelingt, was er anpackt.

Die Bemühungen von Erziehungsberechtigten ihren Kindern nicht nur das Essen mit Messer und Gabel, sondern auch die Sprache zu lehren, geschehen so ziemlich überall auf der Welt. Dabei bedienen sich die Erwachsenen in der Regel anhand der Sitten und Gebräuche ihres Landes. Unübersehbar und überall gleich weltweit, möglicherweise gibt es doch ein paar Ausnahmen, beachten und sorgen die Lehrenden, Verantwortlichen, daß Kinder dabei nicht in einer unhöflichen, derben, beleidigenden Vulgärsprache sprechen und denken lernen.

Sprache ist einer Entwicklung unterstellt wie die Geräte. Sie formt und verändert sich. Manchmal sehr rasant, manchmal sehr träge und langsam, aber sie ist stets im Veränderungsmodus. Das Gleiche gilt für die Geräte, die Axt hat kaum an Aussehen eingebüßt im Laufe von Jahrhunderten, anders allerdings die Schlüssel. Da hat sich nicht nur die Form an den jetzigen Gebrauch verändert, sondern auch die Technik. Türen können mit Codes, Karten, Stimme, Handabdruck geöffnet werden.

Zurzeit erleben wir einen Wechsel in der Sprache, der initiiert von Menschen, die von sich behaupten, Wert auf Vernunft, Sitte, Anstand zu legen, verwandelt wird in eine Umkehrung zur Vulgär- Slang-, Gassenhauersprache. Begriffe wie Populismus, Patriotismus, Heimat, identitär, libertär, Humanismus, Faschismus werden mit neuen Bestandteilen versehen, bekommen neue Inhalte, damit eine Rechtfertigung besteht, selbst bösartige Sprachverdrehungen als normale Sprechkommunikation zu belegen.

Entsorgt wird jegliche Anstandsform in den Sprachinhalten, und schlimmer noch in die Sprache mischt sich unaufhörlich, unüberhörbar eine Attacke, ein Aufruf zum Angriff auf zwischenmenschliche Normen. Sprache als Gerät der Waffe, um andere zu verletzen, zu hetzen, zu diskriminieren, wird salonfähig gemacht. Wer bösartiger, aufrührerischer, hämischer, sarkastischer die Sprache benützt, wird bejubelt! Wer sich dagegen nicht wehrt, wenn dies nicht auch mit einer gewissen Strafe belegt wird, wie etwa Beleidigungen, dem ist zu unterstellen, daß er kein Interesse hat, sich für eine Sprachkultur einzusetzen.

Die Rede und das Gerät sind sprachlich miteinander verwandt, beide sind hilfreiche Mittel, um das Leben leichter zu gestalten. Es liegt an jedem, wie er diese beiden Hilfsmittel benützt. Aber genauso liegt es an jedem, sich dagegen zu wehren, wenn die Rede oder das Gerät dafür verwendet wird, anderen zu schaden. Bedenken wir, wie es in den Wald hineingerufen wird, so schallt es zurück. Und dieser Schall wird Sie möglicherweise nicht mehr treffen, aber Ihre Nachkommen. Sie entscheiden schlußendlich, ob die Kinder mit Messer (Vulgärsprache, einschärfen, einheizen, aufhetzen) oder mit Löffeln (mit der Sprache schöpferisch umgehen) essen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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