Herbstliches Sommermärchen in traumwandlerischer Wachsamkeit

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Dereinst zogen wahre Recken durchs unsichere Land, – Sie merken schon, das „Es war einmal“ wird einfach ignoriert -, um auf großen Plätzen ihre Botschaften ans neugierig herbeigeeilte Volk marktschreierisch zu verkünden. Selbst unsicheren Seelen entgingen nicht die Verlockungen, die dabei aufgetischt, immerhin suggerierten die selbsterklärten Helden, versprachen jedem Mann Lohn und Brot, was in letzter Zeit doch eher abhanden gekommen, wer ihnen dienlichst die Stimme gäbe, sollte in Ruhe und Frieden im Lande weiterleben.

Von großen Meuten war die Rede, man unterstellte ihnen eine Not, die keineswegs vorhanden, die nur eines im Sinne haben sollte: Dem Volk das letzte Hemd zu stehlen, ihre Frauen zu schänden und die Kinder als willige Sklaven zu halten. Erinnerungen an längst vergangene Epochen wurden wach, dies gelte es mit aller Macht zu verhindern. Und wie reagierte der einfache Mensch, ohne Sinn und Zweck solche Mär zu hinterfragen? Applaus und Jubel setzte ein, endlich wurde das Volk erhört, das „wir“ gestärkt, eine Parallele zum Mauerfall als leuchtendes Beispiel zitiert. Das schaffte Solidarität, selbst wenn Neid und Mißgunst antrainiert kursierte.

Eine unscheinbar ältere Frau saß abseits in sich gekauert, murmelte vor sich hin, während eine Gruppe Jugendlicher ihrer Stärke bewußt sie kurzerhand anrempelte.

„Ey, Olle, was machste denn hier, du?! Schieb deinen Arsch gefälligst hinfort, du nervst uns!“, pöbelte die vierzehnjährige Laura sie an. Ihre Kumpels lachten und grölten, tanzten um die Frau herum. Die jedoch richtete sich ein wenig umständlich auf, nahezu zeitlupenartig, ergriff mit der linken Hand ihr grauen Haar, zog einmal kräftig die Perücke vom Kopf. In voller Größe überragte sie die meisten Menschen mit ihren 2,10 m, aus der Alten ward ein stattlicher Kerl, der unweigerlich die Vierzehnjährige mit seiner kräftigen rechten Hand am Kragen ergriff und weg vom Boden anhob. Wimmerndes Zappeln erfolgte, die Gruppe erstarrte für Momente.

„Ihr solltet nicht so leichtfertig mit all euren stumpfen Vorurteilen anderen Menschen begegnen! Zieht weiter und denkt nach über euer Handeln, dann will ich euch gewähren lassen. Wenn nicht, wer wagt den ersten Schritt, mir Paroli zu bieten?“, dröhnte seine mächtige tiefe Stimme. Als die Gruppe weiterhin stumm verharrte, ließ er das Mädchen los. Binnen weniger Sekunden verschwanden die Jugendlichen kopfschüttelnd und völlig entsetzt.

Manch einer hatte jenes Geschehen beobachtet, doch niemand wagte, den Riesen anzusprechen, der gemächlich den Markplatz verließ, zumal auch die Rede in jenem Städtchen beendet war, die Menschen wieder ihr zuhause aufsuchten, ihrer Arbeit nachgingen, wer noch nicht arbeitslos war. Eine kräftige Windböe fegte das erste Laub durch die Straßen, den Platz, Krähen flogen krächzend auf, nachdem zuvor zwei Bengel sie mit Kieselsteinen beworfen hatten. Der Herbst verkündete seine Jahreszeit bereits im Spätsommer, der ohnehin viel zu naß und kühl gewesen.

Und wenn sie nicht gestorben sind…, doch Halt, das paßt nicht hierher, selbst wenn eine Mär. Die Geschichte uns lehrt, da läuft mal wieder einiges verkehrt. Drum seid allesamt schön wachsam und gebt fein acht, was euch auch wahre Recken mitgebracht. Vor allem mit welch Geschwafel sie was entfacht: Zwietracht, soweit das Auge reicht. Haß ist stets leicht. Drum laßt die Liebe besser zu, dann verfliegt jener Spuk wieder im Nu.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Mit Händen und Füßen begrüßen

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Man weiß nie, woran man ist,
wenn man fremde Menschen trifft?
Ihre Namen, die sind unaussprechlich,
sie lachen, wenn es ist unpässlich,
man versteht nicht alles, was sie sagen,
versuchen sie, böse Absichten zu tarnen?

Warum hat er die Heimat verlassen,
nur um radebrechend zu quatschen?
Den, den ich gerade kennenlerne,
ist aus einem Land, von dem ich schwärme.
Das kann er nur bedingt verstehen,
meint, ich hätte zu viele Glanzphotos gesehen.

Über manche Dinge sprech´ ich unbefangen,
da ist er verstockt, kriegt Röte auf die Wangen.
Sogar Gesprächsinhalte empfindet er als freizügig,
fast aufwieglerisch, meint dann, ich sei kratzbürstig.
Wir sind uns in so vielem fremd,
stecken beide in einem anderen Hemd.

Ich erinnere mich an meine ersten Freundschaften,
nach der Neugier kam die Skepsis, bis wir wieder lachten.
Dies ist unabhängig von Kultur, Alter, Bildung,
im Endeffekt zählt nur die gegenseitige Schwingung.
Wir reden, lachen, verstehen mit Händen und Füßen,
gibt es eine bessere Art, sich zu begrüßen?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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UN-Menschenrechtscharta im Widerspruch täglicher Praxis

Das Aus der Bürgerrechte?

Letztendlich spricht nichts gegen ein planerisches Vorgehen, perfide wird es lediglich, wenn dessen Absicht in keiner Weise in Einklang zur Realität steht, im Gegenteil, diese gänzlich auf den Kopf gestellt wird. Was nützt eine UN-Menschenrechtscharta, sie trotzdem als bedeutungslose Phrase täglicher Praxis verkommt, wer das Weltgeschehen kritisch beobachtet, kann nur zu dem Schluß gelangen, daß hier eine Verlogenheit sondergleichen herrscht.

Als noch zu Beginn in verschwörungstheoretischen Kreisen der Verdacht geäußert wurde, die 9/11-Geschehnisse seien der Startschuß, die Menschen- und Bürgerrechte ganz bewußt abzubauen, belächelten große Teile der Bevölkerung sich in Sicherheit wiegend, es könne nicht sein, was nicht sein dürfe, schließlich habe man doch politisch manifestierte Garantien, man denke nur an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) oder staatlich verbriefte Rechte in den jeweiligen Verfassungen.

Global geplante Kontrolle toppt selbst Huxley oder Orwell

Längst müssen immer mehr Zeitgenossen, sofern sie denn aufwachen, feststellen und zugeben, daß da einiges in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde. Weder kann man nunmehr den Tag der Menschenrechte wirklich ernst nehmen, zumal längst sehr deutlich sich abzeichnet, daß der Abbau der Bürgerrechte bei totaler Überwachung stattfindet, noch verdeutlicht die weltweite politische Entwicklung ein Ende derartiger Szenarien.

Ganz im Gegenteil, jetzt offenbart sich das ganze Ausmaß einer global geplanten Kontrolle aller Menschen, insbesondere stehen diejenigen im Fokus der Überprüfung, die kritisch die Systeme hinterfragen. Das Ganze etwa doch von langer Hand vorbereitet, dagegen Huxleys oder Orwells düstere Szenarien die Softversion der jetzt eintretenden Realität? Und mit der US-amerikanischen Praxis, auch Journalisten einfach mal auszuspionieren, hat man gleich die Vierte Gewalt im Sack, bevor jene in der Lage, die Menschheit umfassend informieren zu können?

Eine düstere Zukunft oder doch berechtigte Hoffnung?

Das kann niemand wirklich genau wissen. Zumindest sind Endzeitszenarien keineswegs mehr ein Hirngespinst, zumal die perfiden Eliten alles andere als einsichtig sich verhalten, viel eher einiges daran setzen, daß sämtliche bösartigen Waffensysteme angewandt werden in naher Zukunft, weil jeder ein Stück vom Wohlstandskonsumkuchen für sich haben möchte, ohne jedwede Rücksicht auf Mensch, Natur oder Mutter Erde zu nehmen.

Unsere ältere Generation, die noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt hatte oder auch jene, die aus heutigen Kriegsgebieten kommen, wissen nur zu genau, was Entbehrungen, äußerste Gewalt bedeutet, die ständig allgegenwärtigen Traumata sie fast alle nicht mehr loswerden. Dennoch zeigt sich, in wie weit menschliche Kraft sich durchsetzt, eben nicht aufzugeben, trotz der Widrigkeiten, auch derzeitig despotischer Systeme. Dabei kristallisieren sich angebliche Demokratien ohne weiteres als Gefälligkeitsgehilfen der Kapitalflüsse, die den eigentlichen Kurs über Erfolg oder Niedergang bestimmen.

Verbleiben dabei noch Lichtblicke? Wenn sich Menschen wehren, Widerstand leisten, sich organisieren, nicht alles unkritisch hinnehmen, dem Konsumrausch entsagen, aussteigen und verändernd andere begeistern, solange besteht Hoffnung. Gleichwohl da schon wieder Stimmen sich melden, die meinen, eine Masse sei träge, bräuchte Führer, die sie an die Hand nehmen. Mag sein, auch daß Kants Aufklärung längst nicht praktisch umgesetzt, trotzdem sind viele kleine Hoffnungsschimmer zu beobachten.

Vor Neid erblaßte Gestalten saßen dereinst auf Pöstchen, um ihre liebgewonnenen Pfründe zu zählen. Des nachts leise Besucher die Welt entzauberten, ihre wahre Gestalt zu entdecken, seitdem keimt Hoffnung auf, daß Gerechtigkeit findet ihren Lauf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Warum so still, so zögerlich

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Ruhig sitzen,
sonst gibt’s was auf die Fingerspitzen!

Kein Ton, leise,
sonst stehst du in der Ecke bis zum Greise!

Gehorsam lernt früh genug,
wer nicht pariert, dem die Zucht tut gut!

Meldet die, die sich widersetzen,
das ist Pflicht, kein petzen!

Steht stramm,
in der Reih, immer zwei zusamm‘!

Euer Betragen,
hier in das Buch wird eingetragen!

Auswendig wird gelernt,
Fragen nicht erlaubt, verpönt!

Denk nicht,
das war einmal, ist Geschicht‘!

Dies ist die Zukunft,
die gerade aufsteigt aus tiefem Sumpf!

Steht auf, ihr Geschlagenen,
oder seid ihr die Freiheit Jagenden!

Warum so still,
so zögerlich, ist dies etwa auch euer Will‘?

Ward ihr der Banknachbar,
der schwieg, gemein und hinterrücks war?

Hört ihr nicht die Stimmen,
die jegliche Werte, Toleranz vertrimmen?

Sagt bloß, ihr versteht deren Aussagen nicht,
sind wir erst an der Macht, du bleibst ein Wicht!

Zucht und Ordnung
bringt dir ein Ehre und Stolz, Auszeichnung!

Schicksal steh mir bei, wer das bejaht,
daß solche Freunde mir bleiben erspart!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Edekas „Leere-Regale-Aktion“ eine kreative Antwort gegen Rassismus

Nicht meckern oder kleckern – solidarisiert Euch

Die Welt wächst zusammen, ob mit oder ohne Globalismus, selbst das Ausbleiben der fragwürdigen Freihandelsabkommen kann den Austausch zwischen den Völkern nicht verhindern, erst recht nicht während friedlichen Zeiten, genauso wenig falls ein stagnierender Raubtierkapitalismus Federn läßt. Es menschelt, und das ist letzlich mit entsprechender Toleranz gut so.

Die einen bezeichnen es zurecht als multikulturell, die anderen möchten am liebsten den Nationalismus über alle Staaten stülpen, ein gegenseitiges Bekriegen mit scharf bewachten Grenzen wieder einführen. Ein geschichtlicher Rückschritt ohne Sinn und Verstand, denn technische Errungenschaften, kulturelle Ideen suchen sich immer Wege der Expandierung. Edekas „Leere-Regale-Aktion“ insofern eine kreative Antwort gegen Rassismus aufzeigt.

Werbeagentur Jung von Matt besticht durch Auszeichnungen

Dies nur mal vorneweg, immerhin scheinen die Gründer, Holger Jung und Jean-Remy von Matt, ziemlich kreative Köpfe zu beschäftigen, schließlich setzte deren Auftraggeber, die Edeka-Gruppe mit der „Leere-Regale-Aktion“ vergangenen Samstag bei Edeka Böcker in der Hamburger Hafencity ein Zeichen.

Warnende Schilder schmückten die leeren Regale, worauf „Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig“, „So leer wären unsere Regale ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“ zu lesen war, dennoch wollte sich Edeka nach den Reaktionen der Kunden nicht weiter zu der Aktion äußern. Bedenken, weil gar ein gewisser Teil der Kundschaft ausbleibt? Vielleicht doch zu politisch? Während Jung von Matt erneut mit diesem Einfall punktet, sollte Edeka, welches diesjährig auf ihre 110-jährige Firmengeschichte zurückblickt, nicht zu zögerlich sich geben, eine Wiederholung der 1930/1940iger Jahre einer einstigen Nazi-Herrschaft darf und wird hierzulande und weltweit nicht zugelassen!

Rechte Wutbürger hinterlassen in Social Media einen Shitstorm

Wobei jene Rassisten dementsprechend schnell auf dem Plan sich gerufen fühlten. Wer diese Aktion als „völlig irre“ bezeichnet, hat die Botschaft weder verstanden, noch will er sie obendrein eben wahrhaben. Aber das paßt wohl zur Neuen Rechten, die sich auf Erfolgskurs wähnt oder doch kurz vorm Kollaps steht.

Um so wichtiger, junge Menschen davor zu bewahren, jenen „Rattenfängern“ nicht auf den Leim zu gehen, Präventionsarbeit das Gebot der Stunde, die Philip Schlaffer unermüdlich verkündet. Eine erfreuliche Entwicklung in Zeiten einer trögen, rassistischen Welle, die etliche Mittel ersinnt, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Model Nina Moric, selbsterklärte Anhängerin der italienischen politischen Bewegung „CasaPound Italia“ (CPI), welche ganz der faschistischen Tradition von Benito Mussolini verfallen, trat prompt in ein Mega-Fettnäpfchen, in dem sie ein Photo mit Samuel L. Jackson und Magic Johnson auf einer Bank sitzend, die gerade in Italien Urlaub machten, mit der Bemerkung ins Facebook postete, Immigranten würden herumlungern. Welch billige Mittel, die einmal mehr aufzeigen, daß die Neue Rechte nicht wahrhaben will, wie unerwünscht sie beim Großteil der Bevölkerung ankommt. Das läßt hoffen.

Während der Bescheidene und Weise in sich ruht, der Hetzende am Ende wird ausgebuht. Drum gebt fein acht, was manch Doktrin in Wirklichkeit entfacht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Update zum Ereignis:

Da uns bereits hämische Kommentare erreichten, wir wären einer Ente aufgesessen. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels lagen uns keine andere Informationen vor. Jetzt soll es sich um einen Werbefilm gehandelt haben. Dennoch bleibt die Botschaft eindeutig, richtet sich gegen Rassismus.

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Im Kreislauf der Leere

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Habe die Ehre,
liebe Leute,
gestern als auch morgen
ist heute
gähnende Leere.

An was sich Mann
bloß verzehre
und Frau erst kann?
Fragt nicht so naiv,
genug Opfer sich ergeben,
narzißtisch vorm Stativ –
so geschehen im Leben.

Drum schaut gelassen
ohne jedwede Bedenken,
erhebet die Kaffeetassen.
Köpfe sich umdrehen,
wenn gaffend die Menge tobt.
Was wird dabei geschehen,
wenn man sie obendrein lobt?

Habe die Ehre,
tobende Meute,
es gibt keine Zeiten,
außer daß heute
vergangenes wiederkehre.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Schlicht ist einfach schlecht

Durch gleißende Sonne nicht blenden lassen

Bei Streitigkeiten die hitzige Debatte zu schlichten, indem man mit den Kontrahenten nach Kompromissen sucht, hat sicher jeder einmal in seinem Leben versucht. Ob dies immer glückt, ist nicht vorhersehbar. Sind Sie inzwischen des Konsums überdrüssig und bevorzugen ein schlichteres Leben, Ambiente, um zufriedener zu sein, glücklicher? Nun, bei beiden Wörtern, die etwas über schlichten oder schlicht aussagen, ist die zu erwartende Hoffnung auf Glück eher schlecht oder wenn doch, dann kommt das Glück möglicherweise schleichend.

Wie tief im Unterbewußtsein Zusammenhänge abgespeichert sind, kann anhand des Beispiels an der Wortherkunft von schlichten und schlicht gut ersehen werden. In diesen Kontext sei auch an „banal“ und „zollen“ erinnert.

Schlichten, althochdeutsch slihten, zu schlecht in der alten Bedeutung, eben, glatt, eigentlich, ebnen, glätten. Synonyme sind, vermitteln, verhandeln, einrenken, ausgleichen, dazwischentreten, glätten, intervenieren, bereinigen.

Schlicht, mittelniederdeutsch slicht, Nebenform von schlecht. Andere Wörter sind, ärmlich, bescheiden, asketisch, dürftig, einfach, elend, karg, gering, spärlich, blank, ungebildet, engstirnig, unbedarft, primitiv.

Schlecht, althochdeutsch sleht, ursprünglich, glatt; eben, zu schleichen in der Bedeutung leise gleitend gehen. Bedeutungswandel über die spätmittelhochdeutsche Bedeutung einfach, schlicht. (Duden) Andere Begriffe sind, fehlerhaft, desaströs, notdürftig, minderwertig, mangelhaft, stümperhaft, armselig, bösartig, schäbig, prekär.

Schleichen, mittelhochdeutsch slīchen, althochdeutsch slīhhan, eigentlich, gleiten. Ersetzbar durch, stiften gehen, verschwinden, huschen, weggehen, abhauen.

Nun kann man sich streiten, ob schleichen oder schlecht zuerst in den Wortbegriffen unserer Vorfahren Einzug fanden, nicht jedoch übersehen werden kann, daß schlichten und schlicht sich aus diesen Wörtern gebildet haben. Schlicht ist also schlecht, möglicherweise weil es abhaut. Das Wild zum Beispiel, das gejagt werden will. Die Schleicher, heuchlerische, diebische Menschen, weil sie nicht aufrichtig sind.

Wer schlichte Ansprüche stellt, kann nichts Gutes im Sinn haben? Schlichtes Leben ein Zeugnis von Ärmlichkeit, Engstirnigkeit? Eventuell ist schlichtes Handeln nur der Beweis für primitive, ungebildete, geringe Kompetenz, sich die Umwelt schön zu gestalten? Wer etwas ebnen, glätten will, hat der vielleicht etwas zu verbergen? Durch Vermitteln kann etwas bereinigt werden, was ansonsten zu sehen wäre, einen Pfusch zu übertünchen, die Wahrheit zu verdrehen?

Fragen über Fragen. Die Antwort, meinetwegen die Antworten, ist/sind in der Tatsache begründet, daß schlechtes nicht bekömmlich ist zur Nahrung, als Platz zum Verweilen, schleichen, sich wegschleichen aus einer Verantwortung nicht zu einem harmonischen Zusammenleben beiträgt.

Demzufolge wäre es aus Sicht der Sprachentwicklung eher als Warnung zu verstehen, sich vor Schlechtem zu schützen, ein Hinweis schlichtes nochmal einer Prüfung zu unterziehen, Schlichtungen zu hinterfragen, damit ein Kompromiß sich nicht als einseitiges Zugeständnis entpuppt.

In den Köpfen ist das „schlechte“ als bestimmende Tatsache hinterlegt, sonst könnte nicht so oft das „Schlichte“ als ein Wegschleichen aus der Gesellschaft gesehen werden, oder Schlichtungen von vornherein oft als faule Lösungen gelten.

Schlecht als Ableitung von schleichen birgt dennoch eine kleine Glückseinheit, denn das Wort schleichen ist von gleiten abgeleitet.

Gleiten, althochdeutsch glītan, wahrscheinlich eigentlich, blank, glatt sein und dann vielleicht verwandt mit gleißen, glimmen (Duden). Gleiten bedeutet fliegen, schweben, segeln. Gleißen, glimmen ist der Ausdruck für blinken, flimmern, funkeln, leuchten und sprachverwandt mit gelb.

Der Ursprung ist schlicht versteckt unter dem gleißenden Licht der Sonne. Vielleicht ist es nur dem Neid zuzuschreiben, um zu verhindern, daß man durchs Leben schweben kann ohne Hindernisse, weil man die Fähigkeit besitzt, ausgleichend, harmonisch sich zurechtzufinden. Man muß ja nicht gleich wie Dädalus auf die Idee kommen, mit Wachs zusammengehaltenen Federn seinen Traum vom Fliegen in die Tat umzusetzen. Wäre das nicht schlicht gesagt schlecht?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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