Hurra, wir gehen zur Wahl, egal wie schal die Qual, das tiefe Tal

Wenn Bundesmutti erneut regieren darf, finden’s viele rattenscharf

Sie meinen, sich uff ner Büttenrede zu befinden? Dat muß man entschieden verneinen, solch Gedanken sollten tunlichst verschwinden. Die Sache ist viel zu ernst an und für sich, wenn der Deutsche mal wieder zur Urne kriecht. Doch Halt, was geschieht denn dort an jenem zentral in Europa gelegenen Ort? Die Germanen brüllen: Hurra, wir gehen zur Wahl, egal wie schal die Qual, das tiefe Tal?

Sind die von allen guten Geistern verlassen, einerseits Ausländer hassen, andererseits schadlos prassen? Was bilden die sich wohl ein, vielleicht gar nur so zum Schein? Wenn Bundesmutti erneut regieren darf, finden’s viele rattenscharf. Welch merkwürdig ahnungsloses Verhalten, wußten doch schon die Alten, wohin solch Demut führt. Am Ende man soziale Sicherheit verliert. Jedoch mit den Sozen kann’s bekanntlich nicht besser sein, wer ihnen glaubt, den lassen sie sowieso allein, selbst die Würde nonchalant beraubt. Mit jenem sozialrassistischen Gesetz begann die fiese Hetz.

Angetreten zur Wahl eine angebliche Alternative Partei. Oh weih, welch ungeschickt getarntes rechtsradikales Geschrei! Sie lullen den müden Wähler ein, er möge sich nicht fühlen allein, per montäglichen Spaziergängen folgt die simple Botschaft, die jede kritisch denkende Gehirnzelle dahinrafft, doch einmal das Gerede von jenen Wölfen in Schafspelzen zu überdenken. Die haben ihm nüscht zu verschenken. Janz im Gegenteil. Sie bieten Rassismus und Nationalismus unerschrocken feil. Was eener NPD jahrzehntelang nicht gelingen wollte, jene Neue Rechte durch Flüchtlingsnot frischen Mut sich holte.

Wie rudimentär, sie bezeichnen sich als identitär. Der teutsch-germanischen Rasse hat man sich eingeschworen, weil doch hier arisch geboren. Kennen wir nicht jenes Gedankengut, da war doch mal was vor über siebzig Jahren, was kriegerisch das Land, Europa in den Abgrund riß? Und jetzt erneut jenes Gebaren, derselbe simple, gefährliche Beschiß? Laßt sie im Bundestag Platz nehmen, sie vortragen ihre fanatischen Themen. Solange sie eine Legislaturperiode ohne Regierungsgewalt in sogenannter Opposition verharren, gleicht dies doch nur gaggerndem Hühnerscharren.

Manch Christdemokrat ist sich wohl nicht zu schad, in jene blaue Partei einzutreten. Ohje, wie fad, egal wer och immer sie gebeten, der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm, welch tristes Gespann. Einen Blick zu den Linken riskieren? Na klar doch, bloß nicht genieren. Die haben ohnehin nichts zu verlieren, dürfen ebenso nicht mitregieren. Woran das denn nu liegt? Welch Gegenargument das Nein aufwiegt? Mit Blick zur SPD und jenem Martin Schulz fällt’s jedem halbwegs Intelligenten wie Schuppen von den Augen. Für ihn kann Frieden und Sozialstaat nichts taugen, schließlich muß man sich doch wie der olle Schröder nen Platz in nem Konzern fürs politische Aus bewahren, darüber ist man sich unebdingt im Klaren.

Und so kommt, was kommen muß: Es bleibt nach der Wahl derselbe Stuß. Angie sangen zwar die Stones, doch hier geht’s um andere bones, jener Bundesmuttiknochen möchte sein Süppchen weiterkochen. Wat der Birne gelang, paßt ihr erst recht in den Kram.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Macht meine Sehnsucht glücklich

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Nach was man sich
alles sehnen kann?
Nach Liebe, nach Schlaf,
nach Urlaub, nach Freunden,
nach Regen, nach einem Kuß,
nach Frieden, nach Nähe.

Nach Macht!
Sehne mich
nach der Macht
von Wenigen!
Das ist doch mal eine
Sehnsucht,
die nicht jeder hat,
die was hermacht.

Macht!
Macht macht frei
von Gefühlen,
Gedanken anderer.
Schließlich hat man
mit sich selbst
genug zu tun!
Machen, schaffen
ist ehrenwert,
daran ist nichts
verkehrt!

Diese Macht
kann man ansehen,
bringt Ansehen!
Macht nicht nur
mich stolz,
sondern auch
die anderen,
weil Macht
bewundernswert.

Macht
hoch die Tür,
die Tor macht weit,
ach ne,
ich bin nicht
Herr Sturgis,
mich macht
keiner weich.
Was ich gemacht,
geschafft,
meine Sehnsucht
glücklich macht!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Erdogan läßt Dogan Akhanli im spanischen Granada verhaften

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Der türkische Despot mischt Europa auf?

Dabei soll die Politik seelenruhig zuschauen, was sie ohnehin schon viel zu lang zuließ? Mit Blick zur Bundeskanzlerin muß man dies konstatieren, die bisherige diplomatische Zurückhaltung erweist sich längst als Aufforderung für Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, sein despotisches Vorgehen fortzusetzen.

Insofern eigentlich nicht verwunderlich, daß Erdoğan nunmehr Doğan Akhanlı im südspanischen Granada verhaften läßt, eine Auslieferung Akhanlis will allerdings der sich inzwischen eingeschaltete deutsche Außenminister Sigmar Gabriel verhindern. Daraufhin attackiert Erdoğan Gabriel mit dem Vorwurf, dieser solle die Grenzen beachten. Seit wann wird mit zweierlei Maß gemessen? Ein Despot befiehlt die Auslieferung des deutschen Schriftstellers auf spanischem Boden, der deutsche Außenminister hat sich gefälligst zurückzuhalten?

Der mit den Grauen Wölfen tanzt – wohin driftet die Türkei?

Genau dorthin, wo man sie haben will seitens Erdoğans AKP und Devlet Bahçelis MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung). Der Präsident folglich derjenige, der mit den Grauen Wölfen tanzt, deren MHP mit knapp 12 Prozent im Parlament sitzt, ihm beim Referendum dienlich beiseite stand, die obendrein keineswegs zufällig hierzulande immer aggressiver werden.

Da entwickelt sich etwas weiterhin im Verborgenen, dessen punktuelle Parallelen nicht unterschätzt werden sollten, denken wir an den europäisch-US-amerikanischen Rechtsruck, der wie ein Virus sich überall breit macht und etablieren will. Wohin driftet diese Türkei mit jenem Despoten, der ungehobelt sich gar in den deutschen Wahlkampf einmischt, andererseits ebenso AfD-Anhänger und rechtsextreme Kräfte in Deutschland hinter sich meint, einen zu können?

Parallelen zu Terroranschlägen ein Indiz

Ausgerechnet im ehemaligen Franco-Spanien tauchen nach dem schrecklichen Terroranschlag diese Identitären auf, die ihr rechtsradikales Gedankengut unters Volk mischen wollen, eine aufgebrachte Menge verhindert den Aufmarsch völlig zurecht. Was hat das mit der Türkei zu tun? Mehr als uns lieb sein sollte, vergessen wir nicht, welch bösartig perfider und simpler Rassismus sich stets Wege seiner Ausbreitung sucht. In den USA die Alt-Right-Bewegung, europaweit die Wiederauferstehung der Rechtsradikalen, die Grauen Wölfe in der Türkei – ein roter Faden, der nichts gutes verheißen kann.

Wer wie Doğan Akhanlı den Finger in die Wunden der historischen Gewalt legt, die Unteilbarkeit der Menschenrechte fordert, Völkermorde aufarbeitet, gerät unweigerlich in die Fänge der türkischen Justiz, die auch nur ihrem Despoten folgt. Erdoğan selbst benutzt den türkischen Schriftsteller für seine Macht, auch jetzt gegen Deutschland als Kalkül vor der Bundestagswahl.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Grausammlerin

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Es ist unnötig, Fragen zu stellen, wie, wann begann die Faszination dieser Leidenschaft, oder zeugen ihre Arbeiten nicht von Melancholie, oder sehen Sie in ihrer Sammlung nicht eine Flucht aus der realen Umgebung? Sie werden keine Antworten bekommen, sie wird entweder mit Gegenfragen, sind Sie von der Leidenschaft nicht fasziniert, können Sie keine Gefühle zulassen, stehen Sie wirklich gerne im Regen, reagieren oder als ein Zeichen von höchster Mißbilligung beginnen, unzusammenhängende Textpassagen aus Büchern, Gedichten vor sich hinmurmeln.

Zugegebenermaßen kann ich mich nicht entschließen, ob ihre Tätigkeit oder sie selbst tiefere Eindrücke bei mir hinterlassen hat. „Steine haben mir den Weg geebnet, was wäre da näherliegend, als ihnen Raum zu geben, um in ihrer Ausstrahlung zu leben. Grau ist nicht grausam, grau ist samt. Für mich natürlich auch samtig, aber ich meine das samt, das zusammen bedeutet. Die gesammelte Stärke von Materialien.“ Betritt man ihr Haus, führt ein langer dunkelgrauer Gang bemalt mit einer riesigen Schlange, die sich in dem Raum mehrmals auf der Wand über den Boden, entlang der Decke schlängelt und deren geöffnetes Maul die Türe bildet, durch die man in ein hellgraues Zimmer geführt wird. Auf dem farbigen Schlangenmuster glänzen silberne Plättchen, hinter denen kleine Lichtquellen versteckt sind.

Wie ein Höhleneingang, sagte ich, weil ich das Gefühl hatte, leicht zu schwanken. Sie nahm keine Notiz davon, überhaupt schien sie, mich nicht richtig wahrzunehmen, vielleicht bin ich nicht grau genug? Diesen großen Raum kannte ich schon, schon viele Male gesehen, auf großformatigen Photos in Ausstellungen, aber auch als Kulisse, maßstabsgetreu. Hellgrau, unförmig, schwer zu erkennen, ob quadratisch oder rechteckig, vielleicht oval. Überall stehen Möbel, graue Möbel, verschiedene Grautöne, mal matt, mal glänzend, mal aus Holz vielleicht, mal aus Plastik, Metall, was weiß ich. Wie fühlen Sie sich in einem Stein? Wow! Kann man mehr sagen als wow? Überall glitzernde Farbflecken, Gold, Messing, Silber, Kupfer, Weiß. Nicht zu erkennen, wo der Boden aufhört, die Wand anfängt, selbst wenn man sich an den Möbelstücken versucht zu orientieren, ist es schwierig, nachzuvollziehen, denn kein Möbel steht direkt an einer Wand, alles ist versetzt. Auch hier wird mir leicht schwindelig, habe etwa zu wenig gefrühstückt? Ich kenne doch diesen Raum.

Schwebt Sie! „Kommen Sie, Sie sehen plötzlich blaß aus, ist Ihnen nicht gut?“ Nein, nein, ich bin, ich bin überwältigt. Ganz in grau gekleidet mit einer Art Hosenanzug, der aber auch ein Kleid sein könnte, knöchellang, in grau, vermutlich Leinen, feines Leinen, fast zartfließend wie Seide tänzelte sie, ja, sie tänzelte, durch einen grauen Schrank. Es war ein Schrank, bis ich erkannte, daß es nur eine in den Raum eingebaute Flügeltüre war. Ihre dunklen lockigen Haare flatterten, wehten fast davon, hätte nicht das orangene Haarband, welches fast ihre gesamte Stirn bedeckte, dafür gesorgt, daß sie nur um ihren Kopf wirbelten. „Zugig hier, nicht wahr?“

Lichtdurchflutend, stürmisch, an einen Wintergarten erinnernd, präsentierte sich der nächste Raum, auch wieder ohne erkennbaren Übergang von Boden, Wand, Decke, mit vielen Fenstern. Überall standen diesmal aber Regale, Regalschränke, hingen von der Decke strickleiterähnliche Bretter, teils bis auf den Boden herunter. Verstreut, fast eher wahllos abgelegt wirkend, standen, lagen Kästchen, kann man Kästchen sagen, weil es waren eher Formen, offene Formen, grau und doch so angefüllt mit Farben, Abbilder miniaturgetreu ihrer Raumgestaltungen. „Hier ist der beste Platz zum Gedeihen, finden Sie nicht auch?“ Hell flutet die Sonne durch leicht aufgestellte Jalousien in die teils funkelnden Modelle herein, nicht erkennbar, woher und wodurch dieser Windzug entsteht, Windzüge, denn es ist ein wirbelnder Wind, kein Luftzug, warm, kalt, heiß.

„Was denken Sie, ich vergaß, Ihnen etwas zu trinken anzubieten!“ Wir betraten eine Küche, nein, wir betraten einen grauen Raum. Eine Höhle beleuchtet mit blauen und grünen, gelben, lila Lichtern, Polarlicht, ich faß es nicht, Polarlicht, ich steh im Polarlicht. Krisselig, schummrig, tausend, Millionen Staubkörnchen scheinen mich zu umfangen. Sie öffnet eine graue Truhe, es gibt hier keinen Schrank, Sie trinken doch sicher eine Tasse Kaffee mit mir, und schon gießt sie aus einer Kanne heiß dampfenden Kaffee in eine, na, graue Tasse!

Wissen Sie was? Ich habe in grau geheiratet, ja, ehrlich, mein Brautkleid war grau, funkelnd grau mit Glasperlen und Silberplättchen geschmückt. Elmar trug einen grauen Anzug, mein Brautstrauß bestand aus Silberdisteln. Welchen Grund auch immer Grausammlerin, übrigens bin ich die einzige Person auf dieser Welt, die sie so nennen darf, hatte, alles was sie formt, gestaltet, entwirft den Hauch von warmen Stein, luftigen Felsen zu geben, sich einzufühlen in Gesteinswesen, sie lebendig werden zu lassen, veranlaßt hat, ich jedenfalls habe das Grauen verloren und gefunden. Ein Stein, der sich nicht bewegt, setzt grün an.

Ich werde kein grün mehr ansetzen, nicht vermodern, (in)grūēn ist das alte Wort für grauen. Seit ich das weiß, grause ich mich nicht mehr und wenn ich millionenfach einen Stein wie Sisyphos den Berg heraufrolle. Schließlich kann ich auch wie Naranath Bhranthan empfinden, der den Stein aus purer Lust den Berg hinaufschleppte, damit er sich am Herunterrollen des Steines erfreuen konnte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Hörst du die Glocken schon läuten, wenn Politiker sich häuten?

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Satirischer Rückblick…

Wir leben in merkwürdigen Zeiten, der Geldadel muß sich erneut vorbereiten, um das Volk zu blenden, selbst im Reichtum badend Ressourcen verschwenden, Hauptsache es geht ihm gut, und er kanalisert die aufkommende Wut. Man nennt es: in richtige Bahnen lenken, trügerische Lügen erdenken. Damit Politik dessen Standpunkte vertritt, keine Korruption entlarvt das Tageslicht erblickt.

Was soll all der Haß? Beim Schirm aus Glas manch einer ins Grübeln kommt. Wird dann das Übel endlich betont? Nö, dann ist noch lange nicht damit Schluß, weil Politik hofiert den Konzernlobbyismus, sehr zum Überdruß von wachsamen Geistern, die sich wehren vorm gezielten Zukleistern.

Sanft sammeln oder hemmungslos rammeln? Mag frivol klingen, aber das Leben kann nen Lied davon singen, was Menschen in Verzweiflung tun, nicht eher ruhen, bis der Frust abgebaut, weil man ihnen die Freude geklaut. Mit der Wut danach liegste halt flach. Gemach, Gemach, so funktioniert halt Schach. Und Matt, kein Patt, wenn der König fällt, och wenn jetzt im September wird gewählt.

Polens Politik völlig aus dem Ruder läuft, zumal der Bialowieza-Urwald weiterhin massiv gefährdet, sich manch billige Ausrede häuft, Tier und Pflanze dort aussterbet. Da fügt sich schnell manch Unheil ein, keinesweg nur so zum Schein.

Die Neue Rechte auf Erfolgskurs oder kurz vorm Kollaps sich befindet, sich übelst windet. Bald verschwindet? Wohl eher kaum, wenn wir mal kurz übern Teich schau’n. Stilles Schweigen wird sich rächen, denn Rassismus ist ein Verbrechen. Drum vertreibt die rechte Brut, dann wird alles wieder gut!

Bei Umfragen Demoskopen schräge Schlagzeilen entlocken, per Zahlen gern aufstocken, was ansonsten nicht unbedingt wichtig erscheint. Mittels Manipultion vereint? Verfahren im Sprachdickicht verweilen, keiner kann ihm enteilen, och wenn er sich noch so bemüht, weil täglich so viel Ungereimtes geschieht. Die Geister, die ich rief, Spannung erzeugen.

Da hilft kein Leugnen, denn Gewalt sich stets Wege der Entfaltung sucht. Klingt verrucht, aber wie zuletzt beim Terror in Katalonien zu sehen, so wird’s noch öfters geschehen. Mensch muß endlich aus seinem Joch erwachen, echten Widerstand entfachen, um den Überreichtum von dannen zu jagen, nicht nur ständig Ungerechtigkeit beklagen, sondern beherzt handeln, weil sonst Eliten unerschrocken Mutter Erde weiter verschandeln.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Geister erzeugen Spannung

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Gemeinsam gegen Schreckgespenster Position beziehen

Man sieht sie allenthalben nicht, man hört von ihnen, fühlt vielleicht einen kleinen Windhauch ihrer Nähe, sie scheinen unsichtbar, können durch Wände gehen, rasseln mit Ketten, finden nie Ruhe, sind immer umtriebig, leidvoll, erschrecken gerne Menschen, sind aber selbst nicht zu erschrecken, da nicht lebendig. Wer ist gemeint? Geister, Gespenster, Spukgestalten, Dämonen, Erscheinungen, Wiedergänger.

Die Schrecken der Nächte, der verlassenen Orte, Burgen, geheimnisvollen Plätze faszinieren, oder besser ausgedrückt, spannen uns auf die Folter. Spannend verfolgen wir ihre Spuren, Taten, ob in Büchern, Filmen oder meinetwegen auch im realen Leben. Die Spannung wird umso erfreulicher oder aufregender, je näher man ihnen auf den Fersen ist. Und peng, ist man eingeschlafen, erschreckt aufgewacht oder vom Stuhl gefallen, vom Sitz hochgeschreckt.

Niemand liest ein Buch zu Ende, das nicht in irgendeiner Form spannende Aspekte vermittelt, übrigens auch kein Sachbuch, es sei denn, das inhaltliche Wissen dient einzig und allein zur Beantwortung von Prüfungsfragen. Artikel in Zeitungen, Zeitschriften, Heften, Internet oder wo auch immer etwas Geschriebenes zu lesen vorkommt, werden nur dann nicht überflogen, wenn der Text eine spannende Komponente aufweist. Kein Film wird weiterempfohlen, wenn er nicht „rivalisierende“ Aspekte beinhaltet, siegen die Bösen über die Guten, finden die Liebenden zueinander, trotz bestehender Widrigkeiten. Selbst bei der Kleiderwahl oder beim Kauf von Möbeln ist eine mehr oder weniger vordergründige Spannung vorhanden, die dafür sorgt, Entscheidungen des Für und Widers abzuwiegen, selbst wenn im Nachhinein der Kauf sich als Irrtum herausstellen sollte. Umso spannungsgeladener ist allerdings das erstmalige Tragen des Kleidungstückes, wenn man das Gefühl hat, das absolut passende Teil sein eigen nennen zu können.

Die Spannung kann aufregend im positiven wie im negativen Sinn sein.

Spannen, althochdeutsch spannan, dehnen; ziehend befestigen, ursprünglich, ziehen, sich ausdehnen. Synonyme sind, anspannen, sich hinziehen, sich erstrecken, einspannen, anspannen, lauern, verfolgen, bemerken, gewahren.

Spannend, wohl ausgehend vom Bild einer gespannten Stahlfeder oder der gespannten Muskeln; schon mittelhochdeutsch spannen, freudig erregt sein; voller Verlangen sein (Duden) Andere Begriffe sind, erregend, faszinierend, fesselnd, spannungsgeladen, packend, dramatisch.

Die Spannung, andere Bedeutungen sind, Hochspannung, Neugier, Aufregung, Nervosität, Erwartung, Erregung, Dramatik, Nervenkitzel.

Spannen, spannend, die Spannung sind tägliche Begleiter, egal ob man ausspannt, nicht die Pferde, obwohl das für einige Menschen ebenso zum täglichen Ablauf gehört, nein, das Ausspannen auf der Coach, beim Spaziergang oder wo auch immer man seine Wohlfühlmomente genießen kann. Und wie sieht es mit Geistern aus? Sind sie auch tägliche Begleiter?

Das Gespenst, mittelhochdeutsch gespenst(e), althochdeutsch gispensti, (Ver)lockung, (teuflisches) Trugbild, zu mittelhochdeutsch spanen, althochdeutsch spanan, locken, reizen, eigentlich, anziehen, verwandt mit spannen (Duden) Synonyme sind, Phantom, Spuk, Erscheinung.

Der Geist, althochdeutsch geist, eigentlich, Erregung, Ergriffenheit (Duden) Andere Begriffe sind, Esprit, Genie, Grips, Denkfähigkeit, Denkart, Intellekt, Vernunft, Individuum, Gespenst, Phantom, Dämon, Erscheinung, Spuk, Koryphäe.

Der Sprachverwandtschaft nach kann die Frage nach der täglichen Begleitung von Gespenstern und Geistern mit ja beantwortet werden. Bei genauem Vergleich wird man feststellen, daß das Wort „Erregung“ als Synonym für Geist und Spannung eingesetzt werden kann. Sind wir deshalb manchmal von allen Geistern verlassen, wenn wir teilnahmslos ohne Erregung, Empathie Geschehnisse an uns vorüberziehen lassen?

Wäre es demzufolge möglich, die tägliche Dosis Erregung, Geist und Spannung, in eine Richtung zu lenken, die bis auf Ausnahmen die Dramatik nicht mit einbezieht? Oder brauchen wir die Dosis des auf die Folter spannens, damit wir wach genug sind zu realisieren, was um uns herum geschieht?

Nur wer von allen guten Geistern verlassen ist, der bevorzugt es, andere Wesen zu erschrecken, Angst zu verbreiten. Die Gründe dieser Menschen sind mannigfach und können nicht so mir nichts dir nichts abgehandelt, niedergeschrieben werden.

Aber man kann jeder für sich oder gemeinsam gegen Schreckgespenster Position beziehen, indem man ihnen das Geheimnisvolle, Versteckte hervorlockt, ins Licht zieht mit Grips und Vernunft, oder?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Terror in Katalonien

Gewalt findet grausame Wege ihrer Entfaltung

Terroranschläge mit Fahrzeugen scheinen seit Nizza besonders europaweit sich als perfides Mittel zu bewähren, um möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen oder zu verletzen. Gestern gegen 17 Uhr befuhr ein Lieferwagen Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas ungebremst in die Menschenmenge, 13 Menschen kamen ums Leben, die Terrormiliz IS reklamiert inzwischen den Anschlag für sich.

Einige Stunden später konnte die Polizei einen weiteren Terroranschlag im einhundert Kilometer südlich von Barcelona gelegenen Fischerort Cambrils verhindern und erschoß alle mutmaßlichen Terroristen. Heute Mittag findet in Barcelona am Anschlagsort eine Schweigeminute statt, zu der Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau aufgerufen hat.

Den Opfern gilt die ganze Aufmerksamkeit

Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! – so soll Jesus es gesagt haben, wie im Johannesevangelium nachzulesen. Damals der Anlaß eine auf frischer Tat ertappte Frau beim Ehebruch, und dennoch verzieh Jesus ihr mit der Bemerkung, sie ebenso wie die anderen nicht zu verurteilen, sie solle aber sich nicht mehr versündigen. Wo der Zusammenhang zu Gewalt und Terror?

Seit gestern gibt es wieder mal Opfer des Terrors, ihnen gilt nunmehr die ganze Aufmerksamkeit, ihren Hinterbliebenen, die den Schmerz verkraften müssen, weiterzuleben in einer Welt voller Terror, der als ständiger Begleiter mitten unter uns verweilt. Natürlich entstehen Fragen, wieso ausgerechnet sie betroffen, was solche Attentäter veranlaßt, dermaßen kaltblütig möglichst viele Menschen umzubringen. Ohnmacht breitet sich aus.

Die Täter erscheinen keineswegs zufällig – Trumps nächstes Fettnäpfchen

Zumal staatlicher Terror, angeblich legitimierte Kriege die Menschheit bis heute begleiten. Schon sind wir wieder beim Johannesevangelium. Wobei Religion keine Meßlatte sein sollte, erste recht wenn ein Islam für Terrorattentate herhalten muß, mit 9/11 ein gezielt inszeniertes Tor aufgestoßen wurde, dessen Folgen längst in Europa angekommen mit den zunehmenden Terroranschlägen.

Gänzlich ungeeignet, allerdings längst nicht mehr verwunderlich die Reaktion von Donald Trump, der mal wieder in ein Fettnäpfchen tritt als Folge seiner narzißtisch unbedachten Ergüsse, in dem er twitternd die Methoden von General John Pershing zitiert, die längst widerlegt wurden, um zu behaupten, es hätte 35 Jahre lang keinen radikal islamischen Terror gegeben.

Jeder weiterer Kommentar lenkt nur ab von der Anteilnahme den Opfern gegenüber, und Möglichkeiten Terror wieder zu verbannen, sollten wir ersinnen. Ein harter Weg, zumal Raffgier, Verteilungsengpässe und die perfiden Mittel fanatischer Manipulation, Krieg und Terror stets den Teppich ausrollen. Vor 30 Jahren entstand Freddie Mercurys & Montserrat Caballés Song Barcelona. Halten wir inne und gedenken der Opfer und Hinterbliebenen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Terror

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