Verfahren im Sprachdickicht

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Das Ding mit der modernen Literatur,
da darf man wechseln ständig die Spur,
fast zu vergleichen mit der Autobahn,
selbst rechts überholen kann man.

Mal Gedanken, mal erzählen,
dazwischen ohne Schweißperlen
im Text, die wörtliche Rede,
das lockert auf die Leseseele.

In Gedichten für Aufmerksamkeit,
Hinweisschilder zu sehen von weit,
dafür sorgen für Rast auf der Fahrt
GroßBuchstaben für der Augen Halt.

Fel bam, Rala-Phu, kitum rabedu,
da kommt, Blau-König, ohne Schuh.
Betreten schauen die Senkel von fern.
Vöremi afkabo Künöp assalbemen.

Kritik, Ehre, Verachtung, Gelächter,
auszuhalten wie nervige Geschwister,
Verbote, Vorschriften- , Gebotsschilder
sind Rahmen der Fahrer, Wortsatzbilder.

Gründelnde Augen beobachten dich,
wieviel saugende Wörter im Sprachdickicht.
Vergaß, Reime sind zu vermeiden,
dann bist du nicht mehr als ein Liniennetzplan.

Wer schreibt der Berühmtheit willen,
fährt Auto mit Amphetaminpillen,
sein Ego als erster stellt aufs Podest,
beachtet Publikum als unnötigen Rest.

Das Bedienen des Fahrzeugs der Worte,
um zu Erreichen phantastische Orte,
wird zum Erlebnis für Fahrer und Leser,
wenn Sprache unverfälscht der Taktgeber.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Umfragen: Demoskopen entlocken schräge Schlagzeilen

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Willkommenes Instrument der Manipulation

Der Günther Jauch macht’s dank des Fernsehens, immerhin moderiert er regelmäßig fünf Sendungen, allesamt beim RTL. Wer dermaßen eingebunden bei einem privatrechtlichen Sender, dem schenkt der arglose Zuschauer sein Vertrauen, ihn zur Nummer eins als Deutschlands größtes Vorbild zu wählen, so will es die Forschungsgruppe Forsa im Auftrag der „Hör zu“ herausgefunden haben.

Blickt man auf Platz zwei, zuckt so mancher zusammen. Ausgerechnet ein Joachim Gauck, der die Agenda 2010 hochhielt, den Atomausstieg gar als „Gefühlslage der Nation“ abtat, Thilo Sarrazin Mut zusprach? Demoskopen scheinen nicht nur schräge Schlagzeilen zu entlocken, sondern Umfragen mögen ebenso ein willkommenes Instrument der Manipulation darstellen.

Günther Jauch in die Fußstapfen eines Helmut Schmidt?

Fünf Jahre zuvor stellte dasselbe Institut im Auftrag des Stern gleichwohl die Frage, wer denn das größte Vorbild der Deutschen sein möge, allerdings mit einer klaren Vorgabe von zwölf Personen. In anderen Worten hinkt hier der Vergleich bereits mit der jüngsten. Nicht die Überschriften, die suggerieren eine Verzerrung sondergleichen.

Insofern löst kein Günther Jauch Helmut Schmidt ab, letzterer wurde gezielt angeboten, was ein himmelweiter Unterschied bedeutet. Dennoch darf man sich über das Ergebnis der Hör-zu-Umfrage nicht wundern, wenn auch 14-Jährige mit einbezogen wurden, dann kann schon mal ein Hape Kerkeling Platz fünf ergattern. Aber daß Schlagerstar Helene Fischer und Sahra Wagenknecht den gemeinsamen Platz 37 erreichen, soll uns was sagen? Je länger man sich die beiden Umfragen betrachtet, desto fragwürdiger der Ansatz, oder?

In der Politik schaut’s etwas anders aus

Da Meinungsforschungsinstitute mit eigener Fehlerquote hadern müssen, liegen sie manchesmal somit nicht richtig. Aber das gehört wohl zum Geschäft, der Wankelmut der Wähler läßt sich nicht unbedingt verläßlich vorausahnen.

Rund ein Jahr vor der jetzigen Bundestagswahl lagen noch andere Zahlen vor, zeichnete sich ein Aufwärtstrend jener AfD ab. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Allensbach bescheinigte ihr als drittgrößte Kraft im Plenum satte 12,5%. Laut Forsa und GMS von gestern sind es nur noch 8 bzw. 7%. Dafür legte die Union im Vergleich zu mit rund 7% mehr als 2016. Die Grünen mußten ebenso Federn lassen, verloren rund 3%. Das Duell zwischen der Linken und der FDP verbleibt konstant. Nun wird am 24. September gewählt, dann zeigt sich, wie falsch oder richtig die Demoskopen liegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Rassismus ein Verbrechen

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flickr.com/ strassenstriche.net/ (CC BY-NC 2.0)

Zeig mir die vielen Gemeinsamkeiten,
die uns täglich begegnen.
Sie werden bewußt unterdrückt
von ein paar trögen Rassisten.

Zeig mir die ungeschminkte Offenheit,
die weltweiten Frieden bedeutet.
Sie wird ganz gezielt verhindert
von ein ein paar stumpfen Nationalisten.

Zeig mir die Gesprächsbereitschaft,
die jeden Menschen betrifft.
Sie wird weggedrillt
von angepaßt geblendeten Eltern.

Zeig mir all die kreativen Ideen,
die Raum und Zeit der Entfaltung benötigen.
Sie werden nur wenigen gegönnt
von Herrschern voller Neid und Mißgunst.

Zeig mir Wege, das Leben zu bereichern,
welches in der Vielfalt aufblüht.
Verjagt all jene, die destruktiv Humanismus
zu verhindern wissen.
Niemand wird sie danach vermissen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Luisa Casati – I mag di!

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flickr.com/ tullio dainese/ (CC BY-NC-SA 2.0)

Knick in der Optik?
Kick im Kopf?
Sicht denken.
Fremd erst.
Dann ernst.
Fröhlich.
Glücklich.

Mund zu.
Ohren auf.
Serpentinen.
Rauf, runter.
Fahrtwind.
Kein
Windhauch.

Flügel schwingen.
Allerlei. Aller Leid.
Glocken klingen.
Sie befreit.
Leben.
Keine
Konventionen.

Luisa Casati,
i mag di!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Die Neue Rechte auf Erfolgskurs oder kurz vorm Kollaps

Drah‘ die net um, die Trumpomanie geht um – na und?!

Die Herren der Schöpfung geben sich die Ehre, sie trampeln alles nieder, was Menschen sich aneigneten im Zusammenleben, von Vormachtstellungen bishin zur Freiheit des Einzelnen, der Rücksicht allem und jedem gegenüber. Gerade die Neue Rechte, im Übrigen wie man äußerst hautnah und anschaulich in den Weiten der USA schon länger beobachten kann, erst recht dortigst, nachdem jener 45. Präsident in den mächtigen Sessel gehoben wurde von weißen Rassisten, die mal wieder sich orgiastisch tummeln, ihre Macht erneut ausleben.

Kein Klischee der Verunglimpfung wird ausgelassen, von Links-grün-versifften bishin zur etablierten Politik, die zwar von der großen Mehrheit des Volkes gewählt, aber das gilt natürlich nicht, da allesamt manipuliert von sogenannten Lügenmedien. Die Neue Rechte beansprucht alleinig für sich, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben per langfristig angelegter Strategie, sich in Eso- und Öko-Ecken einzuschleimen, um in geeigneten Momenten ihre Erkenntnisse unters Volk zu streuen, gar das Wörtchen „wir“ in den Mund zu nehmen, um alle an ihre Doktrin zu binden.

Das alles mit simpelsten Phrasen, die keinerlei wissenschaftlichen Erkenntnissen standhalten würden, aber das macht doch nichts, dem „einfachen, ungebildeten“ Bürger fällt die betrügerische Masche bisheriger Politik wie Schuppen von den Augen, um sofortigst am besten gar mit erhobenen Arm ein „Heil“ der Neuen Rechten entgegenzuschmettern als sicheres Indiz loyaler Unterwürfigkeit.

Es zählet nicht das Individuum, sondern vielmehr die Gruppe, das sich Einfügen in den wiederentdeckten Schmelztiegel einer alten Treue zum Staat, zur Heimat, patriotisch gewillt, jedweden Einfluß von außen brüsk von sich zu weisen. Multikulti, das schärfstens verurteilte Feindbild, welches bekämpft werden muß. Die Welt rückt in deren Köpfen nicht zusammen, sie mauert sich per Stacheldrahlt, Grenzen ein, wehe dem, der nicht folgt.

Drohgebährden suchen sich Ventile des Auslebens, während gar in der Justiz, beim Barras oder selbst bei der Polizei Sympathisanten der Neuen Rechten anzutreffen sind. Noch im Stillen. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten werden wach, was noch vor kurzem unmöglich erschien, sucht bereits wie ein Flächenbrand, Wege der Entfaltung zu finden. Mit Erfolg, wenn auch noch in Minderzahl. Das Stillhalten, Schweigen und schreckhafte Wegducken in Teilen der Bevölkerung dient dem neuen Status Quo, das rüde rassistische Leben auszubreiten. Mit zunehmender Brutalität, Terror und halbherziger Ahndung der Ermittlungsbehörden. Bestes Beispiel hierzulande der NSU-Prozeß.

Selbst linke Medien verfallen den trügerischen Phrasen, wenn einerseits Systemmedien angemahnt werden, weniger über den Trump zu schreiben, andererseits vorwurfsvoll diese es angeblich vermeiden, über andere wichtigere Probleme zu berichten. Falsch. Medien sollten immer die Freiheit haben, ihre Assoziationen zu äußern, selbst wenn tausendfach, fast wiederholend. Das gehört zum Innenleben der Pressefreiheit. Wer dabei eine Meßlatte zückt, macht sich und andere verrückt. Zumal man gerade zum Trotz diesem Donald Trump erst recht auf Schritt und Tritt beobachten und kommentieren sollte!

Ziel verfehlt, wer das weiterhin anmahnt. Obendrein exakt der Neuen Rechten nur genehm sein kann, wehe, man entdecke deren Taktik, die da lautet: Selber Fake News streuen, am bösartigen Kurs der Verunglimpfung festhalten, es bleibt genügend hängen in den Köpfen derer, die eben nicht differenzieren, ob ungewollt oder aus purer Absicht, weil’s so schön simpel, sich anzubiedern, um ein sicheres Pöstchen zu ergattern.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Geliebte Pachycereus pringlei

Nur wegen ihr
steh ich noch hier!

Steh fest auf meinem Platz,
keinen Schritt ich mach!

Soll ich, soll ich nicht,
blöd, wenn man unschlüssig ist!

Leisten kann ich es mir, Platz hab ich,
ihr Anblick, sie ist eine sie, exotisch.

Oder ist sie etwa doch ein Mann?
Mit einem Frauennamen er auch leben kann!

Passen Sie doch auf, Sie haben mich gestoßen!
Sie stehen doch versteinert hier, die Welt ist voll Idioten!

Ich kauf sie, ich zahle mit Karte, so viel hab ich nicht in bar.
Ich fühl mich erleichtert, schwebend, wunderbar!

Der Preis stattlich, fast 80 Tausend, aber einerlei,
bei mir bist du sicher, meine geliebte Pachycereus pringlei.

Du wirst bei mir im Vorgarten stehen, unter Glas.
Keiner wird dich berühren, nur ich dich pflegen darf.

Deine Dornen Zeichen der Verletzlichkeit,
deine Größe fast sieben Meter, zeige dich weit und breit.

Minttu, meine Minze, deine Haut zart wie Samt und Seid´,
mein Kaktus steht aufrecht für den Schutz der Weiblichkeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Bialowieza-Urwald weiterhin massiv gefährdet

Polens Politik völlig aus dem Ruder?

Der größte gemeinsame Nenner, den man unbedingt auch außerhalb der Mathematik als Metapher anwenden sollte, bedeutet bei unserem östlichen Nachbarn in der Republik Polen die fragwürdige Haltung der Justiz, die seit jüngstem insofern die Rechtsstaatlichkeit aushöhlt, im Verhältnis zur sich bestätigenden Willkür.

Ganz offensichtlich eine willkommene Gelegenheit für den polnischen Umweltminister Jan Szyszko die Gefährdung des Bialowieża-Urwaldes nonchalant fortzusetzen. Eine Klage Mitte Juli seitens der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof mit der einstweiligen Anordnung, die Abholzung zu stoppen, wird einfach mißachtet. Was interessiert Polen eine EU oder Naturschutz, selbst die Warnung der UNESCO zählt nicht, kurzfristige Profite verlocken die verantwortliche Regierung, deren Politik völlig aus dem Ruder zu laufen scheint.

Naturschutz geht uns alle etwas an – Medien werden angegriffen

Ausnahmslos, so daß wir selbst uns gefälligst einzumischen haben, falls einzelne Uneinsichtige den Naturschutz einfach mißachten wie in diesem Fall Polens Regierung. Insofern sind Proteste und Demos vor Ort wie im Bialowieża-Urwald absolut notwendig, das Protestcamp als auch die durchgeführten Sitzblockaden verdeutlichen den Ernst der Lage.

Daß es dabei nicht friedlich zugeht, durfte ein Fernsehjournalist am eigenen Leib erfahren, der am 29. Juli von Holzfällerarbeitern zusammengeschlagen wurde, als er einen Film über den verbotenen Holzeinschlag drehte. Kein Recht auf Berichterstattung in Polen? Völlige Ignoranz treibt Polens Umweltminister an, der zu Beginn des Augusts betonte, er wolle an der Rodung der Bäume in dem Biosphärenreservat festhalten.

Polens Justiz ein Tête-à-tête zur Willkür?

In diesem Kontext wirft das Verhalten des Umweltministers ein äußerst trübes Licht auf Machenschaften, die nicht nur die Rechtsstaatlichkeit innerhalb Polens in Frage stellt, obendrein zurecht die EU selbst auf den Plan ruft. Die jetzt in Kraft tretende umstrittene Justizreform erlaubt dem Justizminister Zbigniew Ziobro, willkürlich Gerichtsvorsitzende auszutauschen und durch neue ersetzen zu dürfen. Kein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Viel eher dienen solche Regierungsentscheidungen eben nationalkonservativen Kräften im Lande, ihre Macht rigoros auszubauen, selbst wenn internationale Abkommen und Verträge dabei untergraben werden. Eine merkwürdige Haltung, die obendrein eher zur Isolation führen mag. Nichtsdestotrotz leidet hier aktuell der Naturschutz, Erinnerungen an Doris Nefedovs Song, allen eher als Alexandra bekannt, „Mein Freund der Baum“, werden wach, wenn man das arglose Treiben im Bialowieża-Urwald verfolgt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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