Registriertes zurückbringen

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Von der Geburt bis zum Tod?

Es ist hinlänglich bekannt, mit dem ersten Schrei auf dieser Welt werden Menschen auf den Standesämtern registriert. Natürlich haben sich die Menschen schon im Mutterleib bemerkbar gemacht und wurden von ihrer Mutter registriert, aber die Registration in ein Register, der erste Eintrag in eine Liste erfolgt nach der Geburt.

In diesem Verzeichnis wird der Name, das Geschlecht eingetragen. Ja, im Krankenhaus oder auch durch die Hebamme sind die Größe, das Gewicht, die Uhrzeit, der Name, eventuelle Merkmale ebenso in einer Liste auf einer Datei bereits aufgeschrieben worden. Jedenfalls ab diesem Zeitpunkt hört das Registrieren nicht auf. Ob das Kind weint, ob es lächelt, wann es die ersten Worte sagt, wann es wie groß ist, wann die ersten Zähnchen zu sehen sind und vieles mehr wird so nebenbei oder gewissenhaft in ein Buch: Mein erstes Lebensjahr, eingetragen. Bei jedem Arztbesuch werden Symptome in das Kartenblatt im Dateikasten oder heutzutage direkt in die Datendatei auf dem PC aufgeführt.

Bis der Mensch dieses Erdenleben wieder verläßt, ist sein Leben in einer einzigen großen Registerdatei gespeichert und nicht nur da, ebenso in vielen kleinen, entweder amtlichen, behördlichen und privaten, beruflichen Listen, Tabellen. Verwunderlich dabei ist nicht die Registrierung, dazu gäbe es genügend für und wider zu beschreiben, aufzuzeigen, verwunderlich ist vielmehr das Zurückbringen.

Register, mittelhochdeutsch register, mittellateinisch registrum, Verzeichnis, lateinisch regerere, zurückbringen; eintragen, aus: re-, wieder, zurück und gerere, tragen, ausführen. Synonyme sind, Aufstellung, Index, Glossar, Übersicht, Tabelle, Liste, Datei.

Registrieren bedeutet, aufzeichnen, feststellen, gewahren, entdecken, bemerken, erfassen, notieren, buchen.

Wie kann „zurückbringen“ ein Ausdruck dafür sein, etwas zu notieren, sich einen Vermerk machen, eine Eintragung vornehmen? Oder wieder tragen, zurücktragen, wieder ausführen, zurück ausführen? Das ist doch nur möglich, wenn etwas bereits erfaßt wurde. Zurückbringen kann man nur etwas, das man vorher geholt hat oder sich hat bringen lassen. Genauso bei wieder ausführen, also nochmal etwas wiederholen, verwirrend?

Geht man davon aus, daß die ersten, das heißt ständigen, wiederholten Aufzeichnungen durch den Handel bedingt war, so wird die Erklärung für das Zurückbringen verständlich.

Die Registrierkassen beim Kaufmann notieren jede Ware, die verkauft wird. Der Vorgang des Verkaufs wird notiert. Der Händler kann aber nur verkaufen, wenn die Ware in seinem Laden steht oder in seinem Lager sich befindet. In der doppelten Buchführung kann man diesen Vorgang des Verkaufs durch Registrieren der Ware als Ausbuchung bezeichnen. Die Ware wurde quasi zurückgetragen, ausgebucht, gestrichen. Sie wurde registriert beim Einkauf im Lager und registriert beim Verkauf im Laden. Theoretisch könnte man dies auch mit einer doppelten Verneinung erklären. Denn obwohl die Ware durch diesen Vorgang nicht mehr im Besitz des Händlers ist, entsteht dem Kaufmann dennoch ein Plus an Kapitel.

In jeder Liste, Tabelle wird ständig, bis auf Ausnahmen, eingetragen, ausgetragen, verbessert, gelöscht, dazu notiert. Es ist ein zurück und wieder.

Der letzte Eintrag von unserem Leben wird das Sterbedatum beim Standesamt sein, behördlich gesehen. Unabhängig von möglichen anderen Daten, die in der Zwischenzeit von Geburt und Tod geführt wurden. Somit schließt sich der Kreis der Registrierung. Es ist einfach eine vereinfachte Form von einer Handlung „ausführen“. Anstatt Eintragung und Austragung, notieren und löschen, vermerken und ändern, reicht ein Wort, registrieren.

In diesem Sinne ist zu hoffen, daß die doppelte Verneinung für die Lebensspanne der Ein- Austragung ein Mehrwert für jeden Einzelnen darstellt. Möglicherweise könnten über den Sinn und Unsinn der vielen Daten, die gesammelt werden, ganze Ordner voll Argumenten aufgeführt werden, dennoch sei angemerkt (Randnotiz): Und darum kann kein Mensch nicht vergessen werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Offene Schnürsenkel mit Claptons „Cocaine“

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Haben Sie schon mal versucht, die Schnürsenkel Ihrer Schuhe zu binden, während Sie vorne als Fahrer im Auto sitzen? Na, dann wissen Sie ja, daß das kaum gelingen kann, egal wie schlank oder ein wenig füllig Sie sind, spielt eben keine Rolle dabei. Der enge Raum zwischen dem Lenkrad und dem Autositz bietet halt so gut wie keine Bewegungsfreiheit. Nach wenigen mühsamen Versuchen läßt man es halt.

Genauso erging es neulich Thea, die blöderweise äußerst hektisch in ihre gelben Turnschuhe schlüpfte, ohne Frühstück aus dem Haus stürzte, beinahe über ihre Schnürsenkel stolperte, dennoch in ihren Wagen stieg, um schließlich genervt festzustellen, daß sie besser noch schnell ihre Lieblingsschuhe binden sollte. Die zog sie zu beinahe allen Anlässen an, erst recht zu längeren Spaziergängen oder Besorgungen zu Fuß in der Stadt.

Bert hatte kurz zuvor sie angerufen, hatte um dringende Hilfe gebeten, sein Roller würde mal wieder streiken, er dürfe auf keinen Fall den Unitermin verpassen, es sei die letzte Chance, seine Nachklausur zu schreiben. Ihr Schulkollege aus alten Tagen studierte Architektur im vierten Semester, der Dozent in Statik hatte ihn auf dem Kieker, da dürfe er sich keinerlei Patzer mehr leisten, wie Bert Thea vorgestern bei einem Glas Wein erzählt hatte.

Und jetzt das noch, die gelben Turnschuhe ließen sich nicht im geringsten binden, die 26-Jährige fuhr völlig genervt los, konnte im letzten Moment scharf abbremsen, da ein jugendlicher Radfahrer ihr einfach die Vorfahrt nehmen wollte.

„Kannste nicht aufpassen, du Schnösel?!“, entfuhr es Thea ziemlich aufgebracht.

„Sorry, meene Schuld, hab dir nich jesehen“, entschuldigte sich der Junge und fuhr direkt weiter.

Sie zeigte ihm noch einen Vogel und setzte ihre Fahrt fort, schließlich wartete bestimmt schon Bert völlig ungeduldig. Um diese Zeit war der Berufsverkehr in vollem Gange, gerade in der Leibnizstraße floss der Verkehr eher zähflüssig. Ganz dahinten sah sie schon den Ku’damm, um die Ecke wollte Bert auf sie warten, als plötzlich ihre Beifahrertür aufgerissen wurde und Bert sich lachend neben sie setzte. Thea blieb fast vor Schreck das Herz stehen.

„Na, das ist aber eine Überraschung, mein Lieber. Umso besser, dann drehe ich mal da vorn, somit haben wir Zeit gespart, und du kommst nicht ganz zu abgehetzt zur Uni, oder“, begrüßte Thea ihn.

„Danke, klasse Idee. Was haste denn mit deinen Latschen gemacht, du solltest mal die Schnürsenkel zubinden, oder?“

„Mach ich, sobald ich dich abgeliefert habe. Deine Klausur hat jetzt oberste Priorität, der Herr“, erwiderte Thea lächelnd, „ und bist du aufgeregt und vor allem gut vorbereitet?“

„Natürlich, du weißt doch, meine letzte Chance. Hast du heute abend schon was vor? Ich würde dich gern zum Essen einladen“, sagte Bert.

„Nö, hab ich nicht. Gerne doch, wie wär’s beim Inder bei mir um die Ecke?“ Bert nickte mit einem Grinsen auf dem Gesicht, kramte eine CD hervor, die sich irgendwo im Handschuhfach befand, Theas Auto war nicht unbedingt das ordentlichste, überall das blühende Chaos. Wenigstens war sie Nichtraucherin, das hätte noch gefehlt, ein übervoller, stinkender Aschenbecher.

„Ah, was haben wir denn da? Eric Claptons „Story“, sehr schön, ich liebe den ersten Song „Cocaine“. Der Song selbst war 1976 erschienen. Ich weiß, interessiert dich nicht sonderlich, aber die Mucke von ihm schon“ , bemerkte Bert und wippte mit den Füßen und Beinen im Takt zum Song, Thea drehte die Lautstärke noch höher, bei offenem Fenster machte es den beiden sichtbaren Spaß, ebenso die anderen Verkehrsteilnehmer zu beschallen. Eine Alte im Rollator winkte ihnen zu und ließ ihre Hüften lachend kreisen.

Als der rote VW-Käfer die TU in der Straße des 17. Juni erreichte, bedankte sich Bert bei Thea mit einem liebevollen Kuß auf der rechten Wange und eilte zum Eingang, während die Brunette endlich ausstieg, um ihre Turnschuhe doch noch zu binden. Nie wieder, schwor sich die junge Lehrerin, stieg wieder ein und fuhr musikhörend weiter.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Weltfrieden: Sehenden Auges in die Katastrophe?

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Stell dir mal vor, niemand will Krieg, aber alle rüsten auf

Endzeitszenarien haben ohnehin keineswegs an Dramatik verloren, ganz im Gegenteil, je länger die bedrohlichen Komponenten vielmehr zunehmen, desto wahrscheinlicher bedrohen sie alles Leben auf Erden. Das wissen die meisten, spätestens seit den beiden Atombombenabwürfen auf Japan durch die USA wurde der Menschheit verdeutlicht, welch grausame Vernichtung, selbst Jahrzehnte später an Leid noch anhält.

In der Zeit des Kalten Krieges herrschte noch ein gewisses Gleichgewicht zwischen den beiden Supermächten. Inzwischen schaut es aber anders aus, schlittert der Weltfrieden etwa sehenden Auges in die Katastrophe? Stell dir mal vor, niemand will Krieg, aber alle rüsten auf. Wer dabei noch an Frieden glaubt, möge seinen politischen Verstand besser überdenken. Das kann mitnichten gutgehen.

Mit dem Maidan-Putsch begann der Handelskrieg zwischen den USA und Russland

Der in Wirklichkeit gar seinen Anfang mit der Osterweiterung durch die NATO nahm, aber das wird gern schöngeredet, gerade von einer EU, die viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt die USA stets gewähren ließ. Seitdem im Weißen Haus dieser 45. Präsident schaltet und waltet, herrscht viel Unsicherheit dort im Lande selbst als auch auf international politischer Bühne.

Die zunehmende Isolation des Hegemons, ein Donald Trump, der nunmehr die jüngsten Russland-Sanktionen unterschreiben will, verdeutlichen die ganze Problematik, die durch den im Jahre 2013 entstandenen Maidan-Putsch ihren Anfang nahm und längst in einen offenen Handelskrieg mündet. Keine guten Aussichten für den Weltfrieden, zumal ganz andere Konstellationen mitschwingen, denkt man an Nordkorea.

Kim Jong-un funktioniert im perfiden Spiel der Mächte

Nicht wie ein Aufziehmännchen, das wäre dann doch zu banal, aber von einer Deeskalation im Nordkorea-Konflikt kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil. Dabei verstärkt sich der Eindruck, daß die beteiligten Staaten im Hintergrund wie Russland und China Kim Jong-un zu lange schon gewähren lassen. Mit Absicht, wird er dem perfiden Spiel der Mächte etwa gerecht?

Eine Wiederholung der Kuba-Krise? Nur mit dem Unterschied, daß nicht russische Atomwaffen die USA bedrohen, sondern jetzt nordkoreanische? Und dabei soll ein Donald Trump seelenruhig und gelassen zuschauen, wird schon schiefgehen, der halte sich im Zaum? Das darf nicht nur, das sollte angezweifelt werden, die Konsequenzen könnten mit einmal eine erhebliche Eskalation hervorrufen, die alles andere als friedfertig sich verselbständigen vermag. Stell dir mal vor, niemand will Krieg, aber alle rüsten auf. Die Zeit der Drohgebährden hat eine kürzere Verweildauer, zu viele Interessen sind inzwischen beteiligt.

Solange Gewalt untereinander unsere Spezies beherrscht, werden auch Kriege auf Mutter Erde wüten. Erst wenn im kollektiven Gedächtnis haften geblieben, daß spirituelle Wege Verbindungen mit dem Kosmos ermöglichen, beginnt eine gänzlich andere Dimension, die man zurecht als Frieden bezeichnen darf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Nennt es Hingabe

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Die Edeltraut, die Edeltraut,
die ist mir sowas von vertraut,
nicht daß sie mein Liebchen wär,
das ist eine ungeheuerliche Mär.

Nur weil ich öfters mit ihr quatsche,
hab ich doch keinen an der Klatsche.
Ich fahr halt leidenschaftlich an ihr ab,
geb ihr mal einen tätschelnden Klaps.

Keine ist so lange mir treu geblieben,
und da soll ich sie dafür nicht lieben?
Nicht immer ist sie in Höchstform,
sie hat Macken, wer ist befreit davon?

Ich mag ihr Geschnurre, Geschnaufe,
drum Edeltraut ich den Oldtimer taufte.
Nennt es Liebe, ich nenn es Hingabe,
ihr Name vor dem Verschrotten bewahre.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Die Überwachung durch das Kapital als Chance betrachten

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Ansatz einer Utopie?

Vorab möchte ich erwähnen, das ich Gegner der unnötigen Überwachung der einzelnen Privatperson bin, möchte allerdings das Worst-Case-Szenario der Überwachung mit einem reellen, positiven Gedankengang untermalen. Dieser Text soll den Ansatz einer Utopie/ Ideologie liefern.

Aus dem System der kompletten Überwachung, der Spionage, der Verglasung des Individuums lässt sich faktisch deutlich mehr Negatives ersehen als Positives. Es wird dem Endverbraucher ein scheinheiliger praktischer Nutzen, beispielsweise des bargeldlosen Bezahlens, vorgegaukelt, um ihn ruhig zu halten und zufrieden zu stellen.

Der Bezahlvorgang soll somit vermeintlich vereinfacht werden, jedoch kriegen Banken letztendlich einen weiten Einblick in das Privatleben des Bürgers, wie ihn sonst vorher keiner hatte. Überwachung des privaten Bereiches, 24 Stunden am Tag von Montag bis Sonntag, wollen wir das?

Das bargeldose Bezahlen kann eine reale Bedrohung darstellen, wie Berichte aus einzelnen Dörfern zeigen, wo Kleinstunternehmen brachiale Gewinneinbußen verarbeiten und korrigieren mussten, um vorläufig den Betrieb zu halten und noch keine Insolvenz anmelden zu müssen, wie der Bericht „Wenn die einzige Bank samt Geldautomat aus dem Dorf verschwindet“ zeigte.

Beispielhafte Probleme, die auf jeden einzelnen zukommen, sind Einsicht in:

  • Essgewohnheiten
  • Trinkverhalten
  • Abendgestaltung
  • Freizeitgestaltung
  • Liebesleben
  • Pflege der sozialen Kontakte
  • Soziales Umfeld im Allgemeinen
  • Gesundheit
  • Psyche (u.a. auch am Konsumverhalten des Einzelnen ersichtlich)

Kurz zusammengefasst, ist die Wahrung der persönlichen, privaten Geheimnisse und Vorlieben nicht mehr gegeben, und wir sind nicht mal im privaten Bereich undurchsichtig. Selbst wenn einzelne Mitarbeiter der Banken keinen Einblick in den Privatbereich des Kunden haben werden, wovon ich ausgehe, da die Privatperson geschützt werden muss, hat die Bankleitung genug Einblick und begehrenswertes Material für Versicherungen etc. Der einzelne Kunde ist dann nur noch Kapitalobjekt, Spekulationsobjekt für Versicherung, Bank, Krankenkasse und schutzlos ausgeliefert.

Wie man bisher unklar vernehmen kann, überwiegt das Negative deutlich. Trotzdem lässt sich als Resultat dieser grauen Zeit ein utopischer Ansatz einer solidarischen Gesellschaft generieren, welcher nach einiger Zeit automatisch in Gang gesetzt wird aus Eigenschutz und als Kettenreaktion weiterverläuft.

Die Rede ist von einer parallel funktionierenden Gesellschaft, welche sozial und solidarisch wirtschaftet in einem anarchistischen, autonomen System. Eine erbrachte Hilfeleistung könnte eine hochwertigere Gegenleistung als Geld produzieren, sie könnte ein Stückweit Privatleben wiedergeben.

In dem Falle ist dies keine Versklavung des Arbeitnehmers, sondern ein rekonstruiertes Arbeitsverhältnis, in dem beide Parteien voneinander profitieren. Der Arbeitnehmer erbringt eine gewisse Leistung, dafür bekommt er anstatt Geld einen Sachwert vom Arbeitgeber, welcher ihn nicht gläsern werden lässt.

Als Beispiel zur genaueren Erläuterung des Ablaufes dient eine Kneipe:

Die Trinkgewohnheiten einer Privatperson sind Teil seiner Selbstbestimmung und zunächst ein schützenswertes Gut, solange kein Risiko vorliegt und ein Arzt zurate gezogen wird. Dieses möchte er so gut wie möglich schützen, kann dies aber nicht, da er nur noch mit seiner Geldkarte zahlen kann.

Nun kann er mit dem Wirt/Kneipier aushandeln, dass er als „Freund“ geldlos bei ihm aushilft und sich seine Getränke mit seiner Arbeitsleistung verdient. Sprich, er steigert die Wirtschaftsleistung des Unternehmens, wird evtl. nicht wertgleich zum Geld entlohnt (Stundenlohn 10 Euro pro gearbeitete Stunde kriegt er nicht die 10 Euro in Bier ausgezahlt, sondern nur 2 Bier), hat aber ein Stückweit Privatsphäre gewonnen.

Wenn das Angebot nicht passt, wechselt der Privatmann die Wirtschaft und fragt bei einer anderen an, bis ihm dieser ein passendes Angebot macht, ähnlich dem Urlaubsausgleich beim Überstundensystem in Großbetrieben. Dieses System funktioniert, ohne dass der Staat, bzw. Banken, Versicherungen etc. darauf einwirken können und beschreibt einen massiven Kontrollverlust.

Letztendlich könnte dieses anarchistische System ein Weg aus dem Kapitalismus sein, hinein in eine sozialistische Gesellschaft, in der jeder Mensch als gleichwertiger Geschäftsmann und Arbeiter angesehen wird. Man sollte eine Überwachung als Gegner, diese nicht zwangsläufig als ausweglose Niederlage, sondern als Chance wahrnehmen, immerhin kann man das Monopol des Kapitals massiv schädigen.

Nils Rudolph

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Welch kriegerischer Chor – von Einsicht keine Spur

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Satirischer Rückblick…

Mensch bleibt einfach stur? Dennoch sollte man nicht alle über einen Kamm scheren, ebenso nicht ständig sie belehren, ihr Los liegt somit in eigener Hand, selbst wenn am Ende von dieser Erde verschwand. Schreibt’s an jede Wand: Wir haben es noch rechtzeitig erkannt.

Sie ist das Traumland für Schlafwandler allenthalben? Fliegt des tags mit sämtlichen Schwalben? Ob Muse, das Niemals oder die Zeit – alles unterliegt der Ewigkeit! Trotzdem bleibt das UN-Atomwaffenverbot letztlich wirkungslos, der Hegemon meint, er sei der Boß – ein im Sterben liegendes Kind still weint.

Schwadronieren, wild und planlos um sich schlagen, einiges wird passieren, kaum zu ertragen. Das ist ja der Hohn, Mensch kennt das zu lange schon. Da hockt er nun, der Steinmeier, präsentiert sich trotz Krisen souverän, selbstgefälliges Tun, stets dieselbe Leier man erwähn’. Was schon meine Großeltern wußten, lassen jetzt zu all jene Bestußten.

Genau, seht her, ist keine Mär: Bei Aldi gibt’s bald keine Plastik- und Papiertüten mehr. Wow. Ein richtiger Schritt, den dieser Discounter damit betritt. Man darf auf Nachahmer hoffen, wo doch zu lange schon unsere Umwelt betroffen. Schaut besser hin, das ist der Sinn. Wetterkapriolen kein Zufall so kurz vorm großen Knall. Das kommt mitnichten von ungefähr, drum manch Prophezeiung ohne Anspruch auf Gewähr.

Was will man mehr? Entblößtes Denken kann manchem die Freiheit schenken, mal über den Tellerrand zu schauen, er sollte sich halt nur trauen. Nicht so wie jener Rechtsextremismus, das ist stuß. Zurecht wurde die identitär reaktionäre Schiffahrt jäh gestoppt. Die sind doch allesamt bekloppt, solch rassistisches Gedankengut zu verbreiten. Kein Zurück in alte Zeiten!

Die Dingens manch einer meint, wenn kein passender Ausdruck parat, oh wie schad, wie’s scheint. Meldungen das Sommerloch mögen füllen oder sich in Schweigen hüllen? Wenn Haie Angie veranlassen, Jean-Claude anzurufen, damit ist nun gar nicht zu spaßen, folgt inniges Fluchen. Zurück zum Ernst der Lage, gerad die Tage. Taufen, tief einsinken oder Einkehr nach innen, es heißt nicht umsonst besinnen.

Drum Mensch sein Handeln täglich überdenken sollte, was sein darf oder er eben nicht wollte, wenn Donner grollte. Ihn entsprechende Einsicht einholte. Die nutzt nicht viel, wenn verloren das hehre Ziel zum Wohle aller auf Erden. Das kann nichts werden. Und so schließt sich der Kreis, mal laut, mal leis, wer genauer hinschaut.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Taufen, tief einsinken oder Einkehr nach innen

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Eine Auseinandersetzung mit der Religion?

Es war üblich, ist es noch, möglichweise wird es nicht mehr so streng gehandhabt wie in früheren Zeiten, wie auch immer, Kinder wurden getauft, entweder ziemlich schnell nach der Geburt, das heißt innerhalb von ein paar Wochen oder in Ausnahmefällen, wenn das Kind selbständig bei der Taufzeremonie „ja“ sagen konnte.

Wer nicht getauft war und somit keiner Religionsgemeinschaft angehörte, hatte bisweilen einen schweren Stand in der Gesellschaft, vor allen Dingen im ländlichen Raum. Also ließ man die Kinder taufen, damit das Kind und die Familie nicht zum Außenseiter wurde. Selbst die Zugehörigkeit zu einer anderen Religionsgemeinschaft konnte im Kindergarten, Schule, Beruf zu Schwierigkeiten führen. Aber dies sei hier nur am Rande bemerkt. Es war eben nicht nur die Taufe an und für sich wichtig, sondern öfters auch wer die Taufe vorgenommen hatte und welche Religionszugehörigkeit damit angenommen wurde.

Taufen, mittelhochdeutsch toufen, althochdeutsch toufan, tief, wohl ursprünglich, tief machen (tief ins Wasser ein-, untertauchen) Andere Begriffe sind, benennen, das Taufsakrament spenden, mit einem Namen versehen.

Tief, althochdeutsch tiuf, eingesunken, hohl. Synonyme sind, bodenlos, abgrundtief, unten.

Nun könnte man sich damit zufriedengeben in der Erklärung des Wortes „taufen“, da ja hinlänglich Taufzeremonien bekannt sind, die Menschen bekommen Wasser über den Kopf oder werden untergetaucht. Aber das wäre schlicht zu einfach, warum man für eine wichtige Handlung in fast jeder Religion, die Menschen „untertaucht“. Es ist das hierfür ursprüngliche Wort „tief“, das vielmehr die eigentliche wichtige Aussage für das Taufen bedeutet.

Und zwar nicht das „tief“, das einen Höhenunterschied beschreibt, sondern die Tiefe, die gemeint ist, wenn jemand in etwas versunken ist. Oder mit den Ausdrücken, tief bewegt, tief gekränkt, zu tiefst beleidigt, tief empfundenes Mitgefühl, tieferer Sinn, tief blickend. All diese Ausdrücke erklären durch das „tief“ eine gesteigerte Form der Aussage. Die Vertiefung in eine Sache bedeutet nicht nur eine Versunkenheit, sondern auch eine gleichzeitige „Erhöhung“ des Wissens und kann einem Zustand der absoluten „Erkenntnis“ gleichkommen. Ob Sie, während Sie über etwas nachsinniert haben, in ein Buch vertieft waren oder während des Betrachtens einer Aussicht, Kunstwerkes oder was immer Sie fasziniert hat, abrupt unterbrochen werden, so kann es sein, daß Sie sich erstmal wieder „geistig“ neu sortieren müssen. Es scheint ein gedanklicher Ausflug bei Tage zu sein, der einer Erwachung von einem Traum ähnelt.

Diese Tiefe könnte auch Erhöhung genannt werden, oder? Erhöhung steht für Beflügelung, Stärkung, Belebung, Vergrößerung, Aktivierung, Steigerung. Die Tiefe steht für Abgrund, Hintersinn, Tiefsinn, Intensität, Schwere, Weite, Inneres.

Stille Wasser gründen tief, sagt man so allgemein für eine Beschreibung eines Menschen, der nicht viel Aufhebens um eine Sache macht, vielleicht auch nicht so viel spricht, aber wenn er sich äußert, eine Aussage trifft, die Hand und Fuß hat, also wohlüberlegt und tiefgründig ist. Die Taufe symbolisiert eine tiefe Auseinandersetzung mit der jeweiligen Religion, dies bereits im Vorfeld, also bevor das Kind selbst sich eigene Gedanken über den tieferen Sinn des jeweiligen Glaubens machen kann. Es ist eine Vorwegnahme für seine Beschäftigung mit dem Glauben. Natürlich ist dies nur eine der vielen anderen Beweggründe für eine Taufe.

In diese Tiefe kann man versinken, in ihr kann man ins Bodenlose fallen, sie hohl vorfinden, keinen Ausweg mehr sehen, verschüttet werden. Wäre es nicht angemessener gewesen, die Erhöhung, die Beflügelung für die Auseinandersetzung mit einer Religion zu benennen? Wahrscheinlich nicht, denn aus einer Höhe kann man abstürzen, durch Winde abgetrieben, an Felswände geschmettert, vom Blitz getroffen werden.

Eventuell steckt auch in der Namensgebung „taufen“, tiefmachen, die Erkenntnis, daß Beflügelungen eher zu Hochmut führen können als Abgründe. Im Bergbau ist „die Teufe“ das Wort für Abgrund und Bodenloses. Und wer meint, die Tiefe des Universums hätte einen Boden und keinen Abgrund, der möge noch einmal in sich versinken und über die Gefahren des Weltalls nachdenken.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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