Zwischen den Zeilen

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Auf dem kleinen runden Bistrotisch, so nennt man diese kleine Tische wohl, auf denen mit aller größer Mühe vier Kaffeetassen mit Unterteller, vier Kuchenteller, eine kleine Speisekarte in einer Steckvorrichtung, möglicherweise ein Aschenbecher oder eine schmale Blumenvase Platz haben, saßen sie nun. Es gab einen roten Aschenbecher, eine rote Vase, in der eine Kunstblume steckte. Weiß war sie. Die Kunstblume. Ihr Aussehen eine Mischung aus Margerite und Nelke. Zwischen den Margeritenblütenblättern formten sich leicht gepreßte oder eher verknitterte Nelkenblütenblätter hervor. Oder umgekehrt, zwischen den gequetschten Nelkenblütenblättern steckten Margeritenblütenblätter.

Da saßen sie nun. Vor ihnen ein Cappuccino und ein Michkaffee. Er Milchkaffee, sie Cappuccino. Ich habe es anscheinend verpaßt, jedenfalls kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob sie sich, seit ich sie bemerkte, angesehen haben, als sie die kleine Terrasse, die auf Holzbalken vor dem Restaurant, Café aufgebaut war, betreten haben. Beide haben zielstrebig den Tisch neben den Blumenkübeln ausgesucht, sich gesetzt, die Bedienung kam, sie bestellten, ohne in die Karte zu sehen. Sie kramte in ihrer Handtasche, er beobachtete den See. Auf dem See war nur Wasser, in dem See war nur Wasser. Es war warm. Nicht schwül, nicht heiß.

Sie trug ein Sommerkleid, er kurze Shorts, T-Shirt. Man hörte die Geräusche vom etwas entfernten Marktplatz, Stimmen, Verkehrslärm von der Umgehungsstraße, die hinter dem Restaurant vorbeiführte. Wir hatten Frühling. Es war Dienstag. Sie hörte auf, in ihrer Handtasche zu kramen. Er sah sie an, lange. Sie hielt dem Blick stand. Sie zog ihre Schuhe aus, strich mit ihren Füßen an seinen Waden lang. Keine Miene verzogen sie beide. Ihre Gesichter blieben fast starr. Sein Blick schweifte für einen kurzen Augenblick in Richtung Marktplatz.

Sie stand auf, betrat das Restaurant, kam wieder zurück. Hinter ihr die Bedienung mit zwei Weinbrandgläsern. Sie schwenkten die nach dünnen Schwarztee aussehende Flüssigkeit in den bauchförmigen Gläsern, lange, ziemlich lange, bevor sie den Weinbrand in einem Zug austranken.

Das Telefon klingelte. Das Telefon. Oh, jetzt nicht. Chiara. Chiara!

„Ey, hey, Chiara! – nach dem Kino bei Randis! – Weiß nicht, schreibe gerade an meinem Roman weiter. Ja, der Lovestory-Krimi. – Die ganze Clique wird da sein. –Wer?- Der Maler, der bei Susie ausstellt. – Ist das der Australier, dieser braungebrannte Bartmensch?- Okay, wann? – So gegen elf. Bis dann!“

„Schön dich zu sehen!“

Chiara umarmte mich, Küßchen links, Küßchen rechts. Sie schien wieder mal, in ihrem Element zu sein. Sie liebte es, wenn alle ihre Freunde und Bekannten um sie herum feierten. Chiara, das wuselige Wiesel.

Randis war voll, so voll, daß kaum ein DIN-A4-Blatt zwischen die vielen Menschenleiber paßte. Die Clique saß an dem einzigen runden Tisch, in der Nähe der kleinen Tanzfläche, die Musik war laut, der Gesprächskegel allerdings lauter.

„Und wie war der Film?“

„Oh, wir sind gar nicht im Kino gewesen. Wir sind direkt nach der Ausstellung essen gegangen und anschließend hierher.“

„Wo ist Susie abgeblieben?“

„Susie, die sitzt mit Jeff, dem Maler, doch dort drüben!“

„Na, glücklich sieht sie aber nicht aus.“

„Findest du?“

An dem kleinen Bistrotisch vor der Theke, da saßen sie. Vor ihnen ein Bier und ein Weinglas. Er Bier, sie Wein. Sie kramte in ihrer Handtasche, er beobachtete das Treiben auf der Tanzfläche. Menschen auf der Tanzfläche, Körper an Körper. Es war heiß. Nicht schwül, nicht warm. Sie trug ein Sommerkleid, er kurze Shorts, T-Shirt.

Sie hörte auf, in ihrer Handtasche zu kramen. Er sah sie an, lange. Sie hielt dem Blick stand. Sie zog ihre Schuhe aus, strich mit ihren Füßen an seinen Waden lang. Keine Miene verzogen sie beide. Ihre Gesichter blieben fast starr. Sein Blick schweifte für einen kurzen Augenblick in Richtung Eingang.

Sie stand auf, ging zur Theke, kam wieder zurück. Hinter ihr die Bedienung mit zwei Weinbrandgläsern. Sie schwenkten die nach dünnen Schwarztee aussehende Flüssigkeit in den bauchförmigen Gläsern, lange, ziemlich lange, bevor sie den Weinbrand in einem Zug austranken.

Ich fuhr zusammen, als Micha, Susies Mann, mit seinem festen Schlag mir auf die Schulter klopfte.

„Netter Anblick, was! Aber nicht mehr lange, dieses Flittchen!“

Schon knallten Schüsse. Obwohl ich laut schrie: „Die beiden sind doch nur ein unbeteiligtes Ehepaar, die Bedienung ist das Flittchen, das sich mit ihrem Chef amüsiert!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen – weiterhin Übergriffe

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Kaltherzigkeit begünstigt den Kreislauf von Gewaltexzessen

Eine schnellebige Welt hinterläßt ihre unübersehbaren Spuren, unter denen Mensch und Natur zu leiden haben, neben den Annehmlichkeiten, die ein gewisser Fortschritt mit sich bringt. Allerdings verbirgt sich in jener scheinbaren Erleichterung des Alltagslebens so manche Widrigkeit, die auf den ersten Blick nicht erkannt wird, aber uns dennoch intensiv beschäftigt, es sei denn, wir ignorieren etliche Anzeichen.

Inzwischen dürfte sich ebenso auch am World Elder Abuse Awareness Day (Welttag gegen die Mißhandlung älterer Menschen), den die WHO im Jahre 2006 ins Leben rief, herumgesprochen haben, daß da so manches schief läuft im Umgang mit älteren Menschen.

Sozialstaat zwischen Generationenvertrag und fataler Ausbeutung

Etliche, die wohlbehütet, völlig sorgenfrei ein Leben lang darauf hinarbeiteten, schließlich im Alter mit entsprechend guter Rente oder gar Pension ihren Ruhestand zu genießen, dürfen sich glücklich schätzen, einer Minderheit im Lande anzugehören. Doch darf man einfach so feststellen, daß eine zunehmende Altersarmut mit einer verkehrten Rentenpolitik zusammenhängt, der Griff in die Rentenkassen, keine private Vorsorge getroffen zu haben, bis hin zur Unbezahlbarkeit, diese selbst aufgrund der Niedriglöhne als Schuldige an den politischen Pranger zu stellen? Nein, damit kann es nicht getan sein.

Die eigentliche Kontroverse sollte nicht lauten, Jung gegen Alt, vielmehr Arm gegen Reich. Der ständige Versuch, den sogenannten Generationenvertrag als Lösung aller Lösungen hochzuhalten, erweist sich als fatale Argumentation, wenn der Sozialstaat dermaßen radikal abgebaut wird, wie alle verantwortlichen Regierungsparteien dies bisherig taten.

Kein Wunder, daß auch Rentner darunter leiden müssen. Wer den Jugendwahn hochhält, um gleichzeitig das Renteneintrittsalter sogar für 70-Jährige einzufordern, nur weil keine klaren Konzepte vorhanden, alten Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, der schiebt sie letztlich ins Abseits. Eine unübersehbare Ausbeutung darf ungeniert schalten und walten, Hauptsache die eigentliche Absicht wird bedient zugunsten einer nimmersatten Klientel der wirklich Reichen, nach der sich die Politik richtet.

Das ZQP mahnt an – Gewalt in der Pflege oft ein Zeichen von Überlastung

Anstatt einen völlig normalen, biologisch nachvollziehbaren Alterungsprozeß hinzunehmen, dem wir alle mehr oder weniger ausgesetzt sind, beugen sich die berufenen Macher dem Diktat der wirtschaftspolitischen Weichenstellung. Diejenigen, die dabei erkranken oder sich weigern, müssen mit entsprechenden Einschnitten rechnen, dahinvegetieren.

Insofern schaut es düster aus für die immer älter werdenden Menschen, denn der Beispiele gibt es längst genug, welche Mißstände anhalten, ob in Pflegheimen oder gar zu hause. Ob eine Reform des Pflege-TÜVs Besserung erbringen mag, bleibt mal dahingestellt. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) mahnt nicht nur an, sondern weist ausdrücklich über Aufklärungsbedarf zum Thema Gewalt hin, wie auch dessen Vorstandsvorsitzender, Dr. Ralf Suhr, besonders betont.

Selbstverständlichen Humanismus einfordern

In dem Moment, wo eine grenzenlose Ausbeutung in Hinblick zur Wirtschaftlichkeit verschwindet, ergibt sich auch eine größere Chance für ältere Menschen, sorglos am Leben teilhaben zu können. Das sich Kümmern um sie bis hin zum Pflegefall erfordert entsprechend geschultes Personal, welches wiederum gutbezahlt, – im Gegensatz zum nunmehr erreichten Mindestlohn, der dennoch keineswegs die harte Arbeit gerecht würdigt -, mit wesentlich mehr Elan, gutem Willen und Freude auf die Ängste und Sorgen dann eingehen wird.

Eine Gesellschaft, die Jung und Alt entsprechend sozial gutstellt, sich um deren Belange fürsorglich einsetzt, hat nicht nur den Vorteil eines gewissen friedfertigen Klimas, sondern sorgt für eine kreativere und fröhlichere Bereicherung im Sinne aller. Klingt utopisch? Muß so nicht sein, wenn wir alle diesen selbstverständlichen Humanismus einfordern!

Jede Gesellschaft kann nur dann friedlich zusammenleben, wenn ein sozial ausgewogenes Miteinander gepflegt wird. Bei Vernachlässigung setzt sich die Hierarchie der Gewalt durch, gilt keine Moral, Religion oder Humanismus mehr.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Gewonnen. Punkt!

„Er griff gerade nach dem letzten Stück Schokolade, als…“

„Simone, sieh in dein eigenes Heft.“

„Er griff gerade nach dem letzten Stück Schokolade, Komma, als Hanna mit gerötetem Gesicht und zerzausten Haaren in die Küche stürmte. Punkt.“

„Er griff gerade nach dem letzten Stück Schokolade, Komma, als Hanna…“

Dem Fitzl wäre jetzt die Hand ausgerutscht, hätte ohne Vorwarnung hinter sie getreten und mit Wucht auf ihren Hinterkopf geschlagen. Wäre sie eine seiner Lieblinge oder wie die Liesel, die Bürgermeistertochter, ein Kind aus gutem Hause, hätte er sanft an den Ohrläppchen gezogen, im Gegensatz zum Johannes, der regelmäßig von ihm Schläge bekam, selbst als der schon am Boden lag. Geschlagen, gezogen, geworfen hat der Fitzl in jeder Schulstunde, alle wußten das. Keiner hat etwas dagegen unternommen, er war halt so. Selbst als der Hubertus Brandblasen auf der rechten Handfläche hatte, weil der Fitzl ihm die Hand auf den Kohleofen hielt, da er sich durch sein Husten gestört fühlte und zum Doktor mußte, die wunden Stellen nicht verheilen wollten, hat keiner im Dorf sich gegen Fitzl gestellt. Herr Konrad von Fitzstetten. Guten Morgen Herr von Fitzstetten! Wir alle im Chor! Danach durften wir uns setzen und wehe einer von uns war zu schnell und die Bank oder der Holzboden knarrte, dann durften wir alle die Zeremonie wiederholen, bis wir akkurat gleichzeitig saßen.

„Er griff gerade nach dem letzten Stück Schokolade, Komma, als Hanna mit gerötetem Gesicht und zerzausten Haaren in die Küche stürmte. Punkt. Sie warf sich mit ihrem ganzen Körpergewicht in seine Arme, Komma. Sie warf sich mit ihrem ganzen Körpergewicht in seine Arme, Komma.“

„Julian, ich habe dein Handzeichen gesehen, aber wir schreiben ein Diktat und diskutieren nicht.“

„Ich, ich, meine Patrone ist alle.“ „Dann benütze einen Bleistift.“ „Ich habe mein Mäppchen vergessen.“ „Aha!“ „Der Füller ist vom Dominique, der hat zwei, einen mit breiter Mine und einen mit feiner Mine und ich hab…“ „Wer kann Julian einen Bleistift leihen?“ „Okay, das war jetzt lustig! Und jetzt geht´s ernst weiter. Sie warf sich mit ihrem ganzen Körpergewicht in seine Arme, Komma.“

Der Johannes ist nach der sechsten Klasse spurlos verschwunden. Seine Mutter hat wochenlang geflennt und ist dauernd durchs Dorf und zum Pfarrer gelaufen. Sein Vater hat jedem erzählt, wieviel Prügel Johannes bekommt, wenn er wieder auftaucht. Aber er ist nicht mehr aufgetaucht, solange er noch gelebt hat. Nach über zehn, oder waren es zwölf Jahre, fuhr er mit einem grünen Mercedes hupend durch sämtliche Dorfstraßen, bis das ganze Dorf auf den Beinen war. Dann stieg er vor dem Elternhaus aus, als gemachter Mann. Hat sich ein paar Jahre auf See verdingt und bei einem Landgang in Hamburg seine Frau kennengelernt. Sein Schwiegervater war gegen die Verbindung, aber da war der Johannes schon nicht nur der Liebling seiner Tochter, sondern auch seiner Frau. Was der jetzt wohl treibt? Hat jedenfalls, soweit ich weiß, später sogar die Firma vergrößert und Überseehandel betrieben.

„Sie warf sich mit ihrem ganzen Körpergewicht in seine Arme, Komma, brüllte, Komma, bis fast sein Trommelfell platzte in sein Ohr, gewonnen. Punkt, …brüllte, Komma, bis fast sein Trommelfell platzte in sein Ohr, gewonnen. Punkt.“

„Alexandra, das mit dem Flüstern üben wir noch ein bißchen, …brüllte, Komma, bis fast…“

„Herr Brand, ich muß mal!“ „Alexandra, falls du es nicht weißt, wir schreiben gerade ein Diktat und da…“

„Ich muß aber ganz dringend!“ „Dann gib dein Heft ab und warte vor dem Klassenzimmer!“

„Habt ihr euch wieder beruhigt? Till, Bastian, ihr habt nichts davon, wenn ihr von euch abschreibt!“

„Also, …brüllte, Komma, bis fast sein Trommelfell platzte in sein Ohr, gewonnen. Punkt. “

„Muß ich jetzt das „also“ auch schreiben?“

„Nein, Jenny, natürlich nicht!“

„Gewonnen? Fragezeichen. Ja, Komma, ich war die Schnellste von allen. Punkt.“

„Gewonnen? Fragezeichen. Ja, Komma, ich war die Schnellste von allen. Punkt.“

Ich war auch der Schnellste, allerdings im Wegrennen, als der Hubertus auf der Herbstkirmes, völlig betrunken, Fitzl aus heiterem Himmel ins Gesicht schlug. Er war nicht mehr zu bremsen, als Fitzl nach hinten fiel, schlug er nochmal zu und nochmal und nochmal. Vier Mann mußten ihn von Fitzl wegziehen. Jede Hilfe kam zu spät, Fitzl hatte sich das Genick gebrochen, durch den Sturz nach hinten, die Schlagverletzungen im Gesicht waren nicht die Todesursache. Der Sepp, Hubertus, Meinrad und ich hatten seit nachmittags im Zelt getrunken. Hubertus hatte immer wieder Schmerzen in seiner rechten Hand, den kleinen Finger und den Ringfinger konnte er seit dem Vorfall damals nicht mehr richtig bewegen, die Haut war an dieser Stelle gespannt, diese Finger waren für immer gekrümmt, deshalb sollte sein jüngerer Bruder die Schreinerei übernehmen. Wir haben uns richtig in Wut geredet über die ganzen Schandtaten von dem Fitzl, und als Hubertus ihn da sitzen sah, neben dem Bürgermeister, selbstgefällig grinsend, da ist ihm wohl die Sicherung durchgebrannt. Nach dem ersten Schlag haben Meinrad und ich ihn wegziehen wollen, aber Hubertus war zu stark, und als dann der Sepp schrie, der ist tot, da bin ich nur noch gerannt. Hubertus ist wegen Totschlags verurteilt worden, er hat sich aufgehängt, einen Tag nach dem Urteil.

„Hanna nahm ihm die Schokolade aus der Hand, Komma, steckte sie genüßlich in ihren Mund und… Hanna nahm ihm die Schokolade aus der Hand, Komma, steckte sie genüßlich in ihren Mund und…“

„Und Schluß für heute, Jenny, Julian, ihr sammelt die Hefte ein. Chantal, hol Alexandra.“

„Die Geschichte ist aber nicht zu Ende, oder?“

„Ja, das stimmt, sie ist nicht zu Ende, ich lese euch morgen den Rest vor. Jetzt bekommt Alexandra die Chance, die letzten beiden Sätze noch fertig zu schreiben, und ihr geht leise schon mal in die Pause.“

Die Geschichte ist zu Ende, und sie darf sich nicht wiederholen.

„Alexandra, bis hierhin hattest du mitgeschrieben, oder? …brüllte, Komma, bis fast sein Trommelfell platzte in sein Ohr, gewonnen. Punkt.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Des Menschen letzter Wille

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Verstoßen
ohne Gewissensbisse.
Stürme tosen,
sichtbare Risse.

Naturgewalten
Grenzen setzen.
Plakate entfalten,
auffordern zum Hetzen.

Freiheit
hat einen hohen Preis.
Kein Weg zur Einigkeit,
Menschen wimmern ganz leis.

Kriege
sichtbare Spuren hinterlassen.
Angebliche Siege
bedeuten ewigliches Prassen.

Mutter Erde
sich nicht mehr wundern kann.
Jede andere Herde
mal begreift, irgendwann.

Unendliche Stille
umgibt Gewässer und Land.
Des Menschen letzter Wille
gemeißelt auf blutiger Wand.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Erfolgreichster Präsident aller Zeiten und seine erste Kabinettssitzung

Donald Trump betont seine narzißtische Haltung

Satire oder doch eher eine Glosse, Realpolitik oder ein Albtraum sondergleichen? Der Unterschied zwischen einer Satire und einer Glosse darf getrost als hauchdünn bezeichnet werden. Ob dieser Donald Trump auf Dauer mit seiner narzißtischen Haltung die Bürger der USA oder gar die Welt überzeugen kann, bleibt mal dahingestellt.

In diesem Kontext darf man unbedingt von einem Albtraum sprechen, auch wenn gerade Rechtsradikale weiterhin an ihn glauben, um gleichzeitig ins selbe Horn zu blasen, daß die Medien ständig lügen oder ihn verunglimpfen würden. Das praktiziert dieser 45. US-Präsident von ganz allein, schließlich ist er eine Person der Öffentlichkeit, die selbstverständlich ein Recht darauf hat, ihn akribisch zu beobachten.

Eigenlob stinkt bekanntlich – nicht für The Donald?

Ganz offensichtlich lechzt er nach besonders viel Huldigung seiner eigenen Person, denn wer schon bei der ersten Kabinettssitzung es nötig hat, von sich zu behaupten, er sei der erfolgreichste Präsident aller Zeiten, der unterstreicht nicht nur sein Eigenlob, sondern scheint damit viel eher ablenken zu wollen. Jeder Psychologe wird bestätigen, wie simpel ein derartiges Verhalten dies entlarvt.

Aber Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn keine anderen Verhaltensmuster in Erscheinung treten. Scharfe Beobachter konnten spätestens im Wahlkampf seine cholerische und teilweise unbeholfene Art miterleben, wobei er ebenso durch Nichtwissen glänzte oder kurzerhand sein Gegenüber schlicht beleidigte. Hillary Clinton bewies in jener Zeit, was eine ehemalige First Lady auszeichnet.

Denken wir zurück an den Nato-Gipfel, wo die Forderungen seinem Regierungsstil entsprachen: nicht kleckern, besser klotzen – nach uns die Sintflut. Wie ein roter Faden zieht sich jene Einstellung sämtlichst bei Treffen, so auch zur ersten Kabinettssitzung. The Donalds Parallele an Huldigungen eines Kim Jong-Un, wie die New York Times mutmaßte, zeigen einmal mehr, wie dieser Präsident sich selbst reflektiert.

G20-Gipfel in Hamburg bedeutet den Ausnahmezustand für die Hansestadt

Mittendrin ein Donald Trump, der ebenso angesichts möglicher Terrorgefahren bestmöglich geschützt werden soll, ob scharf geschossen werden darf, bleibt mal dahingestellt. Die Frage hat durchaus ihre Berechtigung, schließlich erschoß ein italienischer Carabinieri am 20. Juli 2001 bei Gegenprotesten des G8-Gipfels in Genua den Anti-Globalisierungs-Demonstranten Carlo Giuliani.

Genug Gründe, die Hansestadt beim bevorstehenden G20-Gipfel vom 07. bis 08. Juli in einen Ausnahmezustand zu versetzen, schließlich mag gerade jener US-Präsident keine Widerreden, wenn es um seine eigenen Belange geht. Die Welt blickt in sofern gebannt gen Hamburg, während die Bürger sich auf viel Polizeipräsenz einstellen müssen. Hauptsache möglichst wenig Proteste, so die Botschaft der Staatsmacht, die selbstverständlich jenen US-amerikanischen Gast bestmöglich schützen wird. Die Tragweite derartiger Gipfel rechtfertigen Weltpolitiker gern als dringend notwendig, protestierende Gegner werden bestenfalls als lästig empfunden.

Inwieweit Donald Trump per Twitter sich äußert, gab er u.a. mal am 06. Februar dieses Jahres zum Besten:

„I call my own shots, largely based on an accumulation of data, and everyone knows it. Some FAKE NEWS media, in order to marginalize, lies!”

Dabei verrät er natürlich niemand, woher er die gesammelten Daten erhält – das bleibt sein eigenes Geheimnis, Hauptsache er unterstellt den Medien Fake News.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Es ist schwierig, kein Arschloch zu sein

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Und wenn es das Letzte ist, das ich sage,
hier auf dieser hölzernen Bahre,
so ist es nicht das absolut Bemerkenswerte,
noch das sprachliche Erhaltenswerte.
Es ist auch kein Schlußplädoyer,
das ist verdummendes Romanklischee.

Und wenn ich jetzt sprechen kann,
dann nur, weil ich bin nun weder Frau noch Mann.
Ich bin ein kleines verspieltes, trauriges Wesen,
das hoffte, liebte, fluchte, um daran zu genesen.
Was wollte ich nochmal sagen, im letzten Moment,
es ist noch keine Zeit, daß die Erde verbrennt.

Und wenn das Glück auf meiner Seite steht,
komme ich wieder, nie ist es für etwas zu spät.
Sorgen habe ich mir gemacht, Leid gespürt,
gebrüllt, manchmal war die Kehle zugeschnürt.
Getanzt habe ich gerne, gesungen, gelacht,
alleine, ab und an auch euch fröhlich gemacht.

Und wenn die Kraft schwindet, Sprache nur ein Hauch,
ihr mich nicht mehr versteht, fühlt mit eurem Bauch.
Ihr habt mich nicht alle kennen oder lieben können,
einigen von euch brachte mein Antlitz schon zum Flennen,
mein Wesen war euch ein Greuel, ihr konntet mich nicht sehen,
ich versuchte, euch trotzdem zu akzeptieren, zu verstehen.

Und wenn ich nun nicht mehr mein Wesen bin,
zerbrochen, kalt, verdorrt, gestorben ohne Sinn,
so war ich hier, habe gelebt auf diesem Erdenball,
war wie ihr, mal einsam, allein, mal fern, überall.
Verachtet, beachtet, erachtet mich nicht, Stille.
Es ist schwierig, kein Arschloch zu sein, sagt der Wille.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Berechtigte Aufregung um Rolf Peter Sieferles „Finis Germania“

Fanatisch verschrobene Bücher haben auf Leselisten nichts verloren

Wo beginnt und wo endet Zensur? Hat sie generell eine Berechtigung? Stets dort, wo Menschen zur Gewalt aufgerufen oder in Haßbotschaften regelrecht gezielt manipuliert werden, sollte sehr wohl die Gesellschaft selbst im eigenen Interesse eines friedlichen Zusammenlebens eingreifen.

Insofern kann man die berechtigte Aufregung um Rolf Sieferles „Finis Germania“ durchaus nachvollziehen, fanatisch verschrobene Bücher haben auf Leselisten nichts verloren. Die Konsequenz des NDRs, die Zusammenarbeit mit der Jury der „Sachbücher des Monats“   auszusetzen, ist somit zu begrüßen. Wer schon im Vorwort Auschwitz als einen „Mythos“ bezeichnet, welcher „der Diskussion entzogen werden soll“, den sollte man mitnichten empfehlen.

NS-Gedankengut durch die Hintertür

Nichts anderes gibt es bei Rolf Peter Sieferle zu deuten, der sich ziemlich offensichtlich mit seinem Buch „Finis Germania“ verrannt hat, eindrucksvoll seinen „Rechtsruck“ sowie seine „giftigen, rechtsradikalen Bücher“, wie die FAZ dies anmahnte, gegen Ende seines Lebens vor seinem Suizid unter Beweis stellte.

Man muß auch nicht den Spiegel-Journalisten Johannes Saltzwedel verstehen, der ganz „bewußt ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollte“. Obwohl er im Nachhinein sich für seinen Vorschlag entschuldigte, verbleiben offene Fragen, was ihn hierbei wohl geritten haben mag, zumal Sieferle etliche Grenzen überschritten hat.

Ohnehin warnt Andrea Röpke keineswegs zufällig vor rechtem Alltagsterror, der sich längst Wege der Entfaltung sucht, etliche Gruppierungen versuchen mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erhaschen, denkt man an die Identitären, eine Pegida, an etliche Blogs und Seiten im Internet, die mit ihren Haßtiraden unterwegs sind, meinen, sie könnten das Volk mit rassistisch verklärten Angstszenarien beeindrucken. NS-Gedankengut sucht sich auch noch nach über siebzig Jahren Wege durch die Hintertür.

Antifaschismus obsiegt weiterhin

Nie wieder Faschismus – schlimm genug, daß ein türkischer und ein weißrussischer Despot an europäischer Grenze ihr Unwesen treiben. Die Geschichte hat uns gelehrt, wohin solche Systeme führen. Natürlich darf ebenso kein EU-Diktat noch mehr Möglichkeiten der Gängelung erhalten, oder was hierzulande eine Agenda 2010 und deren menschenverachtende Hartz-IV-Gesetzgebung im Alltag für die Betroffenen bedeutet.

Wer sich jedoch im Fahrwasser einer AfD tummelt, den gilt es, vehement abzulehnen. Die Bundestagswahl wird im Herbst zeigen, in wie weit die große Mehrheit der Bürger verstanden hat, was Demokratie bedeutet. In diesem Kontext kann man nur dem NDR beipflichten, Rolf Sieferles Buch verpönt zu haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Systemhetze

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