Namen unbekannt

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Blüte erwacht
in der Nacht.
Erstaunt
um sich schaut.
Nichts zu erkennen,
wollte schon flennen.
Da glitzert was,
gleich wird’s naß.

Kein Regen fällt
aufs Blumenfeld.
Sonne sich aufhellt,
durch Wolken pellt.
Schickt fahles Licht
in der Blüte Gesicht.
Die ist klein geworden,
hat wohl viele Sorgen.

Zum Trösten, Blüte
lächelt voll Güte.
Funkelnder Staubregen
sprüht ihr entgegen.
Die Blüte, sacht
durch diese Pracht,
fällt wieder in Schlaf,
schlummert, ganz brav.

Keiner glaubt ihr,
sie sei womöglich irr,
raunt es weit, breit
übers Feld, die Heid.
Wären die Namen bekannt,
sie richtig benannt,
Sternschnuppen, Mond,
Sterne, dann hätten sie gejohlt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Europa Spielball übellauniger Versager in der Politik

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Satirischer Rückblick…

Das ist wohl ein starkes Stück. Zumal Chancen allemal vorhanden waren, nun gilt wohl, den Schaden möglichst begrenzt zu bewahren. Unter Kohl, nach deutscher Wiedervereinigung, die EU nochmals prosaisch zusammenrückte, bei all der vielen Enteignung so mancher erfreut entzückte, glaubte man im Kern an ein gesundes Europa. Jedoch ward schnell klar, welch Übel dabei real geschah.

Weltpolitik steht keinesfalls außen vor, läßt sich nun mal nicht einfach so verbannen, klopft vehement ans europäische Tor. Jagt sie von dannen, muß es lauten, und zwar jene Versager in der Politik, die einfach zuschauten, die schickten Flüchtende zurück. Europas Bewährungsprobe am Scheideweg alter Strukturen verweilt, da heißt’s handeln, es eilt, nicht weiterhin den Humanismus verschandeln!

Doch sind sie och bereit, beim Weichzeichnen der Wirklichkeit? Zweifel kommen auf allemal, was führt uns aus diesem Tränental? Mit Blick zur Frankreichwahl, welches dem Rechtsradikalismus ein klares Nein signalisiert, ist zunächst was passiert. Manch Schuft kein Schaffer, dennoch überall jene lästigen Gaffer?

Gefangen im Sisyphos-Effekt, obwohl Wege aus der Misere allenthalben vorhanden? Gute Ideen verreckt, weil Politik will nicht beim Volke landen? Bereits im Nationalismus wühlt? Weißt du wie es sich anfühlt, deutsch zu sein? Nein? Dann denk mal über diesen Wahnsinn nach, jene bescheuert unnötige Schmach!

Welch Schande – hinweg mit dieser Bande! Wenn es doch so simpel wär, stattdessen globen einige so manche Mär, sind janz verrückt und entzückt, denkt man an den Nordkorea-Konflikt: Von Deeskalation keine Spur. Was machen dort die Verantwortlichen nur? Allianzen, Bündnisse und fragliche Konstellationen wollen scheinbar niemand schonen.

Erinnerungen werden wach, mit Blick über dem See. Ach, nicht jefunden nen Glücksklee? Dat tut weh. Ham se dir nich den roten Teppich ausgerollt? Stattdessen sind gar jute Chancen davonjetrollt? Keen Grund zu Drogen zu greifen, damit wollen sie dir och nur einseifen. Tablettensucht wird unterschätzt, dennoch einfach weiter gehetzt.

Das ist kein alter Krempel, sondern ein uffjesetzter Stempel, den sie dir verpassen, sie selbst dabei nonchalant im Reichtum prassen. Woran das wohl lag? Verhält sich genauso im Bundestag: Politik ohne Anstand und Moral. Nix heiliger Gral, vielmehr Lug und Trug soweit das Auge reicht. Das funzt so leicht!

Jetzt weißt du Bescheid. Bist du bereit? Globst etwa an die Rückkehr der Weisheit, die schon lang abhandengekommen ist? So ein Mist, Mensch braucht noch viel mehr Not, um endlich aufzuwachen, manch eener dadurch tot, bevor sämtliche Sinne nen Sturm entfachen, der eines bewirken soll, ohne zuviel Groll: Frieden schaffen, nicht nur ohne Waffen, sondern mit gelebter Nächstenliebe.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Rückkehr der Weisheit

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Innehalten
in tiefen Gedanken.
Schalten und walten
nur nicht wie Banken.

Verharren
mit dem richtigen Gespür.
Lautstarkes Knarren
öffnet so manche Tür.

Beginnen,
gezielt und äußerst beherzt.
Besinnen und gewinnen,
dabei kein Vertrauen verscherzt.

Handeln
im Sinne der Humanität.
Mutter Erde nicht weiter verschandeln,
sonst ist’s tatsächlich zu spät.

Korrigieren
stets im richtigen Augenblick.
Stoppt jedes unnötige Profilieren,
jede Gier ist ohnehin ein perfider Tick.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Alter Krempel

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„Tschuldigung!“ Elisabeth drehte sich kurz um, nickte geistesabwesend. Sie wußte nicht recht, ob es ihr Mißgeschick war, direkt in die Arme von ihm gelaufen zu sein. Bevor ihr bewußt wurde, was geschehen war, hörte sie eine dunkle Baritonstimme. Attraktiv, dachte sie. Ein schöner Mann.

Auf dem Weg zu ihrem Mietauto kam es ihr so vor, als wäre sie registriert worden, obwohl sie noch gar nicht lebte. Vielleicht hinkte der Vergleich. Und nein, solche Gedanken wollte sie jetzt auf keinen Fall weiterverfolgen. Bemerkt, obwohl man Tod, nicht geboren, nicht mal ein Stern, kein Sternenstaub. Sie meinte zu wissen, daß man Kindern bei der Frage, wo war ich vor meiner Geburt, die Erklärung gab, du warst Sternenstaub. Sie konnte nicht mal Sternenstaub gewesen sein. Nichts. Nichts ist auch was. Schluß damit.

Die Einstellung für das Navi hatte sie im Handumdrehen eingetippt. Inzwischen kannte sie das Modell, das die Autovermietung in ihren Wagen installiert hat. Die letzten Monate nahm sie diese Möglichkeit öfters wahr, um einfach mal rauszukommen. Raus aus dem Trott. Ab in den nächsten. Bin ich eigentlich nie zufrieden? Wahrscheinlich.

Als sie kurz in den Rückspiegel blickte, bevor sie rechts abbog, um in Richtung Autobahn zu fahren, sah sie den dunkelhaarigen Mann von vorhin winken. Galt das ihr? Einbildung. Sicher galt das jemandem, der auf der gegenüberliegenden Straße läuft oder im Auto sitzt. Sie ist tot. Verwunderlich, wenn sie jemand sehen könnte. Elisabeth! Wenn du so schlechte Laune hast, dann fahr doch nach hause, leg dich ins Bett, Decke über den Kopf. Ich will aber nicht. Meine Stimmung ist okay. Alles okay. Konzentriere dich die nächsten zwei Stunden Fahrt, als Belohnung gibt’s um 18 Uhr eine Massage. Wellness pur. Danach relaxen, essen und ein kleiner Rundgang durch die Altstadt.

Sie saß auf der Bank des Wartehäuschens, der Bus würde erst in einer Stunde abfahren. Ihr sei schlecht, hat sie der Lehrerin erzählt, die ihr fest in die Augen sah, dennoch wohl ihre Lüge nicht erkannte, hätte sie sie sonst gehen lassen? Ihre Freundin war seit Tagen nicht zur Schule gekommen, lag zuhause mit einer Grippe. Das war ihr nur Recht, sie hatten gestritten und sie ärgerte sich, daß sie ihr die Grippe sozusagen als Strafe gönnte, andererseits würde sie am liebsten zu ihr rennen und sich wieder mit ihr vertragen. Vertragen ging aber nicht. Eine alte Frau setzte sich schwer atmend zu ihr. Zog ein Taschentuch aus der Manteltasche und verstaute es verschmutzt wieder in ihr. Bäh! Mit ihrer Kopfbewegung verfolgte sie jedes vorbeifahrende Auto, egal in welche Richtung es fuhr. Und fuhr mal keins, kramte sie in einer ihrer Taschen. Was schleppte sie denn da mit sich? Alle gefüllt, vollgepackt. Manchmal stierte sie ihrer suchenden Hand nach, als ob die Hand eine Taschenlampe wäre, trotzdem kam die Hand, ohne irgendetwas in den Fingern zu haben wieder aus der Tasche hervor.

Blöde Kuh! Wenn ich mal so alt bin, sowas werde ich nie machen! Bin ich wirklich anders als die Alte damals? Mache ich nicht täglich genau dasselbe? Drehe meinen Kopf hin und her, krame in Erinnerungstaschen, fische aber nie etwas heraus, betaste sie nur, vergewissere mich, daß sie da sind. Nichts verloren gegangen ist, die Tasche kein Loch hat, durch das etwas abhandenkommen könnte? Drehe den Kopf hin und her, damit ich alles, was um mich herum geschieht, ins Auge fassen kann, nichts verpasse, lebe? Die Alte stand damals auf, als sie ein Auto kommen sah und schwenkte ihren Arm mitsamt Taschen. Das Auto hielt, sie öffnete die Beifahrertür, die kannten sich, hörte wie der Fahrer sagte: Na, wieder mal auf Einkaufstour gewesen, Frau Senger! Oder so ähnlich hieß sie wohl. Ja, ja und beim Arzt.

Elisabeth, du konntest kein Sternenstaub gewesen sein, vergiß das, du warst eine Sternengeburt, ungewollt, dein Sternenstaub ist erst im Leben sichtbar. Sie war nicht nur zu jung, sie kannte noch nicht mal Liebe, sie kannte Vertrauen, sie wurde vergewaltigt, sie wurde in ein Leben gerissen, daß sich keiner vorstellen mag. Damals schon gar niemand. Die Familie und deren Unbeflecktheit waren die Themen, das mußte gehütet werden, nicht das Kind, mit 14 ist man noch Kind. Also zu Verwandten geschickt, bis das Kind geboren wurde, dann Adoption. Viel Geschrei, Prügel, keine Liebe. Muß man das verstehen?

Sie starb, Mitte 20, drogenabhängig, Familiengrab beigelegt, beigelegt und abgelegt. Mich wollen sie nicht haben bei der Familie, das sei alter Krempel, das nütze niemanden etwas, sie sei tot, ich sei tot. Verdammt, ich bin eure Enkelin. Seien sie vernünftig, wir kennen sie nicht, und Lore kannte sie auch nicht. Lore ist tot, Lore wollte sie nicht. Wir wollen nicht mehr daran erinnert werden. Sie haben Lores Leben zerstört, und zum Vererben gibt’s auch nichts, das wäre ja noch schöner. Erst die Familie in Verruf der Schande bringen und dann noch Forderungen stellen.

Ich bin sowas von tot. Wie lange schon? Kein Sternenstaub, ein Nichts. Es wird Zeit, daß ich aufstehe und nach einem Auto winke wie die alte Frau damals.

„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ „Ja, aber!“ „Ich tu ihnen schon nichts, bin auf der Flucht vor meiner Frau und meiner Tochter, die belagern das ganze Zimmer, schon seit Stunden. Wir wollen, nein, sie, also Tami, meine Tochter, feiert heute Verlobung, aber die beiden verhalten sich so, als ob es schon die Hochzeit wäre. Und Sie sind die einzige, die hier alleine sitzt, da dachte ich, ich leiste Ihnen Gesellschaft.“ „Oh, herzlichen Glückwunsch für Ihre Tochter!“ „Ja, ja, sie hat es gut getroffen, aber diese Übertreibungen, meine Frau und ich haben in einem VW-Käfer Verlobung gefeiert, wenn man das so sagen kann. Andere Zeiten damals. Heute, ach was, gönnen wir ihnen die Freude. Meine Tochter holt all den Kitsch nach, den wir nicht mitgemacht haben. So komme ich ein wenig in den Genuß, das, was ich anscheinend verpaßt habe, wenigstens bei meiner Tochter mitzuerleben.“ „Feiern Sie hier im Hotel?“ „Ja, ja, darauf habe ich bestanden, verstehen Sie, Flucht und so.“

Er lachte schallend auf und Elisabeth ließ sich anstecken, so daß sie sich fast verschluckt hätte. Das ist sicher ein Sternenstaubkind.

„Tami ist unsere einzige Tochter. Wir hatten nicht mehr daran geglaubt, jemals Eltern zu werden, deshalb wird sie von meiner Frau auch so verwöhnt. Auch von mir, das will ich gar nicht leugnen, aber diese beiden zusammen, die gebären mehr Sterne, als das Universum verkraften kann.“ „Sterne gebären?“ „ Ja, ja, das ist mein Ausdruck dafür, wenn die beiden und das sind sie beide, mit ihrem Temperament alles um sich herum anstecken mit ihrer fröhlichen Natur. Sie verstehen, sie verteilen Sternenstaub.“ „Aha!“

„Wissen Sie, meine Tochter, also, sie, sie war einfach eines Tages da. Meine Frau ahnte nichts von der Schwangerschaft, sie hatte Magenkrämpfe, ihr ging es schlecht, wir sind ins Krankenhaus gefahren und mit einer Tochter wieder nach hause. Sie ist unsere Sternengeburt.“ „Oh!“

„Ist Ihnen schlecht?“ „Nein, nein, das klingt interessant, ich glaube, ich bin auch sowas wie eine Sternengeburt.“ „Das war mir sofort klar, als ich Sie hier sitzen sah.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Bundestag: Politik ohne Anstand und Moral

Sahra Wagenknechts Konter perlt ab

Je abgebrühter und gleichgültiger desto höher die Stellung nach außen, im Bade der Menge man sich zu profilieren scheint, ginge es nach herrischem Gutdünken manch verantwortlicher Politiker wie gestern in der 231. Bundestagssitzung, bei der ausgerechnet der jüngst ins Amt erhobene Außenminister Sigmar Gabriel vor laufenden Kameras sich entsprechend gebährdet, wohl nicht die Kritik zum CETA-Abkommen wahrhaben will.

Sahra Wagenknecht kontert in jenen unübersehbaren Momenten vollkommen berechtigt, nimmt Stellung zur Eröffnungsrede der Bundeskanzlerin, kritisiert, Frau Merkel habe sich nicht zur jüngsten Verhaftungswelle in der Türkei geäußert, sie nicht verurteilt, während die EU als auch Deutschland weiterhin fleißig Waffengeschäfte mit Erdogan betreibe, dies sei eine Politik ohne Anstand und Moral, untragbar für die Linken. Doch Sahra Wagenknechts Konter perlt ab.

SPD verdeutlicht ihre arrogante Haltung

All diejenigen, die noch bei dieser SPD an eine Rückbesinnung halbwegs sozialverträglicher Positionen zusammen mit friedenssichernder Entspannungspolitik glauben, werden längst eines Besseren belehrt, in wie weit ein neoliberales Diktat neben Rüstungswünschen gezielte Forderungen und Realitäten schaffen. Genau eine derart arrogante Haltung verdeutlicht die SPD im Grunde bereits seit Helmut Schmidt.

Nur daß sie nach der Kohl-Ära, dem Scheitern unter Gerhard Schröder nunmehr als Steigbügelhalter der Union ergeben funktioniert. Ihr haltloses Taktieren in Wahlkampfzeiten, jetzt im Mai stehen gleich zwei Landtagswahlen an, kann nicht hinwegtäuschen, was zur Bundestagswahl folgen wird. Die Optionen liegen offen auf dem Tisch, wobei ein rot-rot-grünes Bündnis gänzlich in die Ferne rückt, nahezu ausgeschlossen werden kann.

EU-Erfolgsgeschichte alles andere als wahr

Sahra Wagenknecht spricht von einer „Verpulverisierung der SPD“ im Zusammenhang zur angeblichen EU-Erfolgsgeschichte, ein Seitenhieb der letzten Wahlergebnisse anderer sozialdemokratischer Parteien innerhalb Europas, mahnt obendrein die Einschüchterungsversuche zur Sicherung des europäischen Zusammenhalts im Hinblick zum Brexit an, bescheinigt einer solchen Haltung, man würde dadurch Europa eher aufgeben.

Recht hat sie. Denn von Erfolg kann keine Rede sein angesichts von Massenarbeitslosigkeit, Lohndumping, Zunahme kriegerischer Einmischungen etlicher Bündnisfälle, einem erneuten Aufkommen des Nationalismus wie zuletzt bei der Frankreichwahl, bis hin zur Steuergeschenkpolitik Konzernen gegenüber. Da darf sich die derzeitige Politik nicht wundern, wenn die EU-Kritik zunimmt, obendrein rechtsradikale Parteien dies zu ihren Gunsten ausschlachten.

„Fahre nicht aus der Haut, wenn du kein Rückgrat hast.“ (Stanislaw Sterzy Lec)

Daran sollten sich all die ein Beispiel nehmen, die an gewissen Schaltstellen sitzen, vor allem Politiker.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Roter Teppich

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Der rote Teppich ausgerollt.
Menschen warten im Spalier
mit Hoffnung auf Gold,
Anerkennung ist ihre Gier.

Sie würden Füße waschen,
um an Reichtum zu naschen.
Reich an Ehre, Hoheitsgehabe,
berühmt sein bis zum Grabe.

Denkmäler in Erinnerung
als ewigliche Wahrnehmung
einer imposanten Persönlichkeit
sollen überdauern alles, selbst die Zeit.

Ein Mensch, ein wirklich weiser reifer,
lehnt ab den Teppich, erst recht solch Geifer,
nur wer sich mit anderen auf eine Stufe stellt,
respektiert die Vielfalt, den Charakter der Welt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Drogenmissbrauch: Tablettensucht wird unterschätzt

Soziale Spannungen ein Hauptindiz

Es kann nicht zielführend sein, an Symptomen herumzudoktern, wie jedem bekannt sein sollte. Dennoch neigt Mensch leider schnell dazu, sich in vielerlei Hinsicht blenden zu lassen. Der Glamour einer heilen Welt, die ohnehin nur für die wenigsten Wirklichkeit wird, sorgt für die nötige Ablenkung vom wesentlichen.

Insofern nicht weiter verwunderlich, daß Tablettensucht sich dermaßen still und leise durchsetzt, stark unterschätzt wird. Es verbleibt die Frage, welche Ursachen zu einer solchen Sucht führen, die nicht unerheblich den Alltag belasten. Darf man gar unterstellen, daß soziale Spannungen in unserer Gesellschaft ein Hauptindiz für generellen Drogenmißbrauch sind?

Pharmalobby lockt mit bunten Pillen

Warum läuft unser Alltag streßig ab trotz erheblicher Erleichterung mittels etlicher Haushaltshilfen wie Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner etc. im Gegensatz zu alten Zeiten, wo es derart technischen Fortschritt eben nicht gab? Hatten die Menschen generell früher mehr Muße und Gelassenheit?

Trotz einer 46-Stunden-Arbeitswoche verhielt es sich so tatsächlich, reichte unter anderem das Gehalt eines Alleinverdieners oftmals aus zum Leben. Heutzutage müssen beide Elternteile arbeiten, aber der Preis dafür bedeutet sehr viel Streß, wenig Zeit und eine permanente Anforderung, mit der eben nicht jeder ohne weiteres klarkommt.

Exakt das hat sich die Pharmaindustrie zu Nutzen gemacht, verlockende bunte Pillen versprechen hilfreiche Linderung. Beruhigungs- und Schlafmittel sollen zunächst den geplagt überforderten Arbeitsalltag ins rechte Lot rücken. Wer diesen trügerischen Kreislauf durchbrechen will, muß sich zu einer Suchtberatung bemühen, bevor die eigene Gesundheit gänzlich ruiniert.

Die Wirtschaft trägt die Hauptverantwortung

Weil sie in erster Linie eine Zusammenarbeit mit der Politik anstreben muß, andere Modelle zu entwickeln, wo das gerechte Wohlergehen des Menschen im Vordergrund steht und nicht die sich seit Jahrhunderten entwickelt etablierte Ausbeutung, bei der stets der Profit einer gewissen kleinen Elite verhalf, ihren Überreichtum ins Unermeßliche zu steigern. Gerechte Verteilung auf alle Schultern sollte oberste Priorität sein.

Was dennoch in keinem gewaltigen großen Schritt vollzogen werden kann. Dazu bedarf es zunächst einer deutlichen Feststellung, wo die Ursachen für jede Form des Streßes im Alltag liegen. Solange Menschen gehetzt, äußerst schlecht entlohnt, obendrein vielfach chancenlos einem Arbeitsleben entgegenblicken, wo der Stärkere sich immer durchsetzt, während vermeintlich Schwächere schnell an den Rand der Gesellschaft bis hin zur Armuntsgrenze gedrängt werden, muß die verantwortliche Politik genau dort ansetzen.

Erst dann, wenn derartige Mißstände behoben, kann und wird die verlockende Welt der bunten Pillen ganz von selbst sich erübrigen. Unser Glück beginnt somit im Alltagsleben, gestaltet sich dies wesentlich sorgenloser, ohne Reibungspunkte des Mobbings, Bossings, einem ellenbogenartigen Konkurrenzgehabe, dann verschwinden Suchtmittel viel eher vom Markt, erreichen nicht mehr viele Menschen. Daher warten noch dringende Aufgaben auf uns, wollen wir den Fortgang einer depressiv kränkelnden Gesellschaft ständig zunehmender Gewaltexzesse und Süchtigen nicht tatenlos hinnehmen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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