Über dem See

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Sie standen an der Hafeneinfahrt. Obwohl die Sonne bereits ihre wärmende Kraft des fortgeschrittenen Frühlings hatte, war ihr kalt. Ihr leichter Mantel vermochte nicht ihr leichtes Zittern zu beenden. Er hatte seinen Pullover ausgezogen, den sie wie einen Schal um ihren Hals trug, ihr Kinn drückte sie fest an den wollenen Stoff. Der Duft schien sie zu beruhigen und zu wärmen, oder war es sein Arm, mit dem er sie ohne Druck ganz nah zu sich heranzog?

Er war seltsam geworden, fand sie, anders, ruhiger, gelassener, in sich gekehrter und doch nicht ohne Aufmerksamkeit. Vor ein paar Wochen noch hätte er sich über ihr Frösteln lustig gemacht, sie würde sich ja nie wetterbedingt anziehen, hätte nur mal wieder auf ihr Aussehen geachtet, wäre sie gestolpert, dann nur deshalb, weil sie die falschen Schuhe ausgesucht hätte, völlig gleichgültig wäre es ihm gewesen, was der eigentliche Grund für ihr Stolpern gewesen wäre.

Seit er den neuen Job angenommen hatte, der ihn die Karriereleiter höher steigen ließ, mehr Arbeit aber auch mehr Zeit für ihn bedeutete, war er hingegen ihrer Befürchtung noch weniger für sie da sein zu können, umso mehr bemüht um sie. Seine früheren sarkastischen Scherze wurden zunehmend ironisch, weniger beladen mit Bosheit. All dies bestärkte sie in dem Glauben, er hätte eine Liebschaft. Vielleicht sogar mit seiner neuen Chefin, von der er unentwegt, nein ständig, auch nicht ab und an, des öfteren, eigentlich nur wenn sie ihn mit ihren Fragen bohrte, erzählte, wie toll diese Frau sei.

Manchmal hätte er das Gefühl, durch seine Arbeit zu schweben, sie wären ein Team, insgesamt acht Angestellte und cirka, diese Zahl sei Schwankungen unterlegen, so an die zwanzig Personen, die im Versand, aber auch im Büro aushelfen würden. Sogar die Chefin, immer sagt er Chefin, oder überhörte sie absichtlich, wenn er Frau Deniser sagte. Beatrice heißt sie, er hat sogar von Beatrice gesprochen, das weiß sie genau. Beatrice, also Frau Deniser, sagte er, als sie sich wunderte, warum er ein wichtiges Kundengespräch in Berlin führen sollte, Beatrice, also Frau Deniser wird ebenfalls anwesend sein, allerdings erst später dazustoßen, weil sie davor noch einen wichtigeren Termin wahrnehmen muß.

Er flog bereits sonntags, damit er für diesen Termin am Montag ausgeruht sein sollte. Frau Deniser und er flogen gemeinsam. In einem Flugzeug. Ihr war wieder kalt. Am liebsten hätte sie seinen Arm von ihren Schultern weggestoßen, er lastete schwer auf ihr. Was hat er eben gesagt, die Landschaft gelobt, sie sollten vielleicht ein bißchen näher zur Anlegestelle vorgehen, das Schiff würde gleich anlegen und hier stünden immer mehr Menschen um sie herum. Er zeigte mit der Hand über den See zum gegenüberliegenden Ufer, dies müßte die Hotelanlage sein, hab mir sagen lassen, erste Adresse am Ort. Das Schiff wurde an der Hafenmauer mit Tauen befestigt, ein hölzernes breites Brett diente zum besseren Übergang vom Schiff zum befestigten aus Metall bestehenden Steg. Dieser war unterhalb der Hafenmauer angebracht und konnte je nach Wasserstand tiefer oder höher gelegt werden, erklärte er ihr.

Es dauerte nicht lange, bis alle ausgestiegen sind, die das Schiff benützen, um von einem Ufer zum andern zu gelangen, das Schiff war so etwas wie ein Bus, der ständig eine kleine Strecke fährt, mal hin, mal zurück. Alle Stunde Abfahrt. Alle Stunde Ankunft. Fahrstrecke keine zwei Kilometer. Er umarmte sie noch, als sie über das Brett die zwei Stufen ins Schiff stiegen. Sie gingen nach links durch eine Schiebetür, die nur einseitig zurückgeschoben war, als eine Frau auf sie zustürmte, und Angelika sich aus der Umarmung von ihrem Mann löste, weil sie annahm, die Frau möchte noch aussteigen, jedenfalls vermutete sie dies. Die Frau griff mit einer Geschwindigkeit ihre Hände, schüttelte sie und lachte freundlich, drehte sich zu Philipp, stellte sich zwischen sie beide und zog sie durch eine zweite Tür, die zu einem größeren Raum mit Sitzen führte.

„Happy Birthday“, schallte ihr entgegen. Philipp wurde heute 46. Dies ist kein Grund, gleich mit der gesamten Firma auf einem Schiff zu feiern. Wer sollte das bezahlen, soviel verdiente er nun auch nicht in seiner neuen Position. Und warum hat er ihr nicht gesagt, daß hier die halbe oder die ganze Firma versammelt ist? Es handelt sich nicht um ein gemeinsames Wochenende auf einer verdammten kleinen vorgelagerten Insel. Sie muß hier weg.

Jetzt ist ihr auch klar, warum ihre Koffer bereits nach ihrer Ankunft in dem kleinen Wartesaal am Hafen abgegeben wurden, ein Service des Hotels, sagte er. Wir müssen nicht gleich das nächste Schiff nehmen, komm, laß uns die Gegend hier noch ein wenig genießen. Alles ein abgekartetes Spiel, warum? Will er sie vorführen, bloß stellen, sie das kleine Dummchen, das nicht mal die richtige Kleidung anhat, nicht so salopp wie die andern hier, sondern im Kleid und leichtem Mantel frierend vor johlenden Fremden steht?

Selbst Philipp schien leicht verdutzt, fing sich aber sofort. Dankte allen mit einem breiten Grinsen. Die Frau, die sie in den Raum geführt hatte, bat um Ruhe, indem sie nur ihre Arme wie ein Dirigent hob.

Angelika weiß nicht mehr alle Einzelheiten dieser Schiffsfahrt, noch sind ihr die weiteren folgenden Stunden gänzlich im Gedächtnis. Als sie endlich alleine im Hotelzimmer war, wurde ihr erst richtig bewußt, daß ihr Mann ab heute Geschäftsführer der Firma wurde, offiziell, obwohl dies bereits beim Termin in Berlin besiegelt worden war. Weil dort der Notar ihres Vertrauens, der zukünftige Ehemann von Beatrice, ich soll sie doch Beatrice nennen, mit Philipp die Modalitäten abgesprochen hatte. Die Beiden wollen sich nicht komplett aus dem Geschäft zurückziehen, das Notariat in Berlin übernimmt der Teilhaber, die Firma von Beatrice führt Philipp mit ihr das nächste halbe Jahr gemeinsam und dann, dann wollen Beatrice und ihr Mann auf Reisen gehen und dann, dieses dann sei nicht geklärt. Und zufälligerweise sei der Geburtstag von Philipp und der jährliche Firmenausflug auf den gleichen Tag gefallen, da habe man sich überlegt, die Mitteilung der neuen Firmenverhältnisse erst an diesem Tage bekannt zu geben.

Er zog sie zärtlich zu sich ins überdimensionale Bett des Hotelzimmers, streichelte ihr eine Haarsträhne aus der Stirn, Angelika, du warst perfekt gekleidet, du bist perfekt, stell dir vor, du hättest gewußt, was auf dich zukommt, du hättest zig Stunden… Angelika griff nach seinem Bart.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Welch Schande – hinweg mit dieser Bande

Keine Fragen stellen,
lieber Vorurteile fällen.
Bloß nicht aufmucken,
besser wegducken.

Wer hat euch dies empfohlen,
so unverhohlen, oft gestohlen,
zu wiederholen jene Parolen?

Keine Antworten geben,
lieber Haß leben.
Bloß nicht hinschauen,
besser niemand trauen.

Wer hat euch dies gelehrt,
wovon Gewalt jetzt zehrt,
sie sich gar vermehrt?

Keine Ahnung haben,
am Leid der anderen laben.
Bloß nicht nachdenken,
besser kein Lächeln schenken.

Wer hat euch ins Hirn geschissen,
so gänzlich ohne jedwedes Gewissen
euch einfach zu verpissen?

Fangt endlich an,
nicht irgendwann,
den eigentlichen Sinn zu erkennen,
sonst werden bald erneut nicht nur Bücher brennen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Nordkorea-Konflikt: Von Deeskalation keine Spur

Krieg inzwischen unvermeidbar?

Das kleine Nordkorea konnte gut siebzehn Jahre lang seine militärische Raketentechnik nahezu ungestört entwickeln, alle schauten zu und ließen die Kim-Dynastie gewähren. Doch gerade Kim Jong-un zog es erst recht vor, die USA zu provozieren, seitdem Donald Trump neuer Präsident scheint erst recht Nordkoreas Oberster Führer sich dazu berufen zu fühlen. Von Deeskalation keine Spur.

Die Verlegung der „USS Carl Vinson“ vor die koreanische Küste beflügelte Kim wiederum mit der Androhung, den US-Flugzeugträger mit einem Schlag zu versenken. Müssen wir insofern davon ausgehen, daß ein Krieg inzwischen unvermeidbar kaum noch gestoppt werden kann?

Allianzen, Bündnisse und fragliche Konstellationen

Mittendrin Nordkorea, inzwischen ziemlich isoliert, obwohl kürzlich noch von der VR China in Zaum gehalten. Etwas weiter nördlich kann auch Russland nicht gleichgültig hinwegsehen, wenn sowohl Kim Jong-un massiv droht als auch die Weltpolitik unter der Fuchtel der USA steht, hatte doch zumindest der UN-Sicherheitsrat einstimmig Nordkoreas Raketentest verurteilt.

Wenn da nicht noch Japan und das direkt betroffene Südkorea wären, schließlich haben jetzt die USA mit dem Aufbau des umstrittenen THAAD-Raketenabwehrsystems begonnen. Die Zeit der Drohgebärden erreicht nunmehr wohl ihren Höhepunkt, verständlicherweise fühlt sich China ebenso bedroht, dies erinnert an Parallelen zum Raketensystem in Polen, welches gen Russland gerichtet. Stets wenn der Hegemon seine militärische Präsenz verstärkt, müssen zwangsläufig die Alarmglocken klingeln.

Einerseits besteht die reale Bedrohung seitens Nordkoreas, andererseits verhält sich Russland neutral und China setzt auf eigene Sicherheitsinteressen, schickt 100.000 Mann an die Grenze zu Nordkorea. Der Konflikt kann dramatischer kaum noch sich offenbaren, zumal längst Japan mit involviert, gleichwohl mit einem Krieg rechnet.

Ein Zündfunken löst Worst Case zum dritten Weltkrieg aus?

Nirgendwo auf der Welt stehen sich die Machtblöcke dermaßen dicht gegenüber wie um Nordkorea. Während die VR China vieles daran setzt, sich mit dem neuen Präsidenten im Weißen Haus zu arrangieren, die Spannungen zwischen den USA und Russland einem zweiten Kalten Krieg gleichen, provoziert das weltweit isolierte Nordkorea völlig bedenkenlos.

Manche interpretieren Kim Jong-uns Verhalten als Hilferuf, weil dessen Ängste vor China durchaus vorhanden, dennoch scheint Donald Trumps Androhung eines militärischen Alleingangs näher zu rücken, keineswegs zufällig ruft er jetzt alle Senatoren ins Weiße Haus.

Alles ebenso nur Drohgebärden ohne wirkliche Konsequenzen? Alle Beteiligten täten gut daran, erst recht den politisch diplomatischen Weg zu suchen, sich untereinander abzustimmen, ansonsten kann schnell ein Zündfunken den Worst Case zum dritten Weltkrieg auslösen, alldieweil genügend andere Konflikte und Kriege anhalten im Hinblick zum Nahen und Mittleren Osten oder der Ukraine.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Weißt du wie es sich anfühlt, deutsch zu sein?

© Doris Mock-Kamm

Weißt du wie es sich anfühlt,
beschimpft, bespuckt
zu werden, weil deine
Hautfarbe dunkler ist
als die der anderen?

Weißt du wie es sich anfühlt,
Deutsche unter Deutschen
zu sein, aber ständig
ignoriert zu werden?

Weißt du, was deutsch ist?
Verrate es mir!
Nein, sag lieber nichts!

Ich will nie so sein!
Es ist kein Vorteil!

Ich will auch nicht
französisch, englisch,
polnisch, spanisch,
chinesisch, iranisch,
russisch, amerikanisch
sein, oder sonst mit einem
nationalen
Eigenschaftswort
in Verbindung
gebracht werden.

Wie ich bin,
habe ich meinen
Eltern zu verdanken,
ihrer Liebe zu mir,
ihrem Verständnis
für meine Sorgen,
ihre Eigenschaften
formten mein
Wesen.

Eine Nation kann
keine Kinder zeugen
und gebären,
das sind Chimären,
Hirngespinste.
Meine Persönlichkeit
steht nicht in
einem Ausweis,
mein Charakter ist es,
der mich ausweist.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wege aus der Misere allenthalben vorhanden

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Mit 180 gegen eine Mauer – Rückbesinnung vonnöten

Das Meckergen, Besserwisserei greift mal wieder um sich, besonders wenn jemand eine Wahl für sich entscheidet wie jüngst Emmanuel Macron. Nach ihm soll es der Front National schaffen, weil bereits logisch ausgemacht, dem Neoliberalismus der Rechtsradikalismus folgen möge. Dies sei halt so, unumstößlich. Als ob es keine anderen Alternativen gäbe.

Wie auch. Die Grünen haben es verbockt, mit der SPD aufgezeigt, was Verrat am Volk heißt per Kriegsbefürwortung und Sozialabbau, siehe Agenda 2010 hierzulande. Dazwischen eine Piratenpartei, die sich mal versuchen durfte. Den Linken traut man ohnehin nichts zu, da der Kommunismus sich erledigt hat, sowieso keinerlei Chancen der Entfaltung hatte im weltweiten dominierenden Kapitalismus. Selbst jenen Linken, die wenigstens den Sozialismus hochhalten, mißtraut man, sie könnten ja klammheimlich die olle DDR und Marxismus wieder als Allheilmittel glorifizieren oder gar Maoismus.

Neid und Habgier – Menschheit verbannt keineswegs jenes Muster

Was verbleibt außer der Fortsetzung neoliberal vorherrschender Politik, einer Ausbeutung par excellence? Angeblich der Rechtsradikalismus. The worst case. Schon mal darüber nachgedacht, daß es eine gänzlich andere Politik geben könnte? Ohne das Hauptproblem überhaupt zuzulassen? Na, was wird dies wohl sein?

Genau. Überreichtum, den Fokus auf Habitus gerichtet. Eine vollkommen verkehrte Einstellung, die immer zu noch mehr Gier und entsprechende Gewalt führt, dieser Materie habhaft zu werden. Folglich zu Mißgunst, Neid und Habgier führt. Was aber kann Mensch real tun, um genau jene Muster zu verbannen? Immerhin übt er dies seit abertausenden von Jahren aus. Wirklich und überall? Nein. Es gibt auch heute noch Naturvölker, die im Einklang mit sich und Mutter Natur friedlich zusammenleben. Das ist allerdings die Ausnahme.

In anderen Worten, Menschheit dreht sich seit eh und je im Kreis, befindet sich nonstop am Scheideweg, ohne tatsächlich all jene von dannen zu jagen, die stets ihre Macht ausspielen. Dann lieber brav gehorchen, weil man von klein auf lernte, der Obrigkeit nicht zu widersprechen, lieber zu kuschen, anstatt Ungerechtigkeit zu trotzen. Das beginnt in jeder Gruppierung, der Dominante führt sie an, Mensch klammert sich ans Alphatier. Solange wir Menschen diesen Kreislauf nicht durchbrechen, ändert sich nichts.

Gefangen im Sisyphos-Effekt

Was nützen die hilfreichen Erkenntnisse, die philosophischen Zusammenhänge, denken wir gerade an Carl Gustav Jung oder Erich Fromm, wenn Mensch sie nicht umsetzt? Dann lieber den bequemen Weg der Ernüchterung, der Resignation geht? Als ob Mensch mit 180 km/h gegen eine Mauer zurasen würde, ungebremst, bedenkenlos? Mag übertrieben dargestellt wiedergegeben, aber letztendlich beinhaltet der Leidensweg ähnliche Parallelen. Rückbesinnung vonnöten?

Ganz so einfach scheint es nicht zu funktionieren. Solange Menschen nicht real ihre Politik, ihr Handeln hinterfragen, bleibt alles beim alten. Der Vergleich zu Sisyphos mag gar nicht so verkehrt sein, der bekanntlich ewiglich einen Felsblock einen Berg hinaufwälzen muß, allerdings dieser kurz vorm Gipfel ihm stets entgleitet, woraufhin jenes Martyrium sich ständig wiederholt. Auch die Menschheit scheint nicht ihr dramatisches Laster zu überwinden, endlich wahrhaftige Gerechtigkeit zu leben!

„Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie.“ (Ernst R. Hauschka)

Was sollten wir daraus lernen? Ganz einfach, Mensch ignoriert seine Sinne und den Verstand in dem Augenblick, wo bestimmte Mächte sich über ihn hinwegsetzen. Solange er weiterhin vor Obrigkeiten buckelt, die ihn tyrannisieren, ändert sich nichts.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Schuft kein Schaffer

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Ob als Antreiber lichtscheu im Dunkeln?

Wer schuftet, ist ein Schaffer, aber kein Schuft. Nicht selten sind die Schaffer zu keinem Reichtum gekommen, die Schufte aber schon, oder?

Was ist der Unterschied von schuften und schaffen, beides bedeutet arbeiten, schwer arbeiten. Wobei schuften noch mal eine Steigerung zu schaffen darstellt. Auch in der Sprache finden sich zu schaffen eher positive Merkmale, erschaffen, rechtschaffen, selbst beschaffen und verschaffen müssen nicht unbedingt negative Ausdrücke sein, hier kommt es auf den Zusammenhang an, bei dem die Wörter gebraucht werden.

Da schuften eine Steigerung von schaffen ist, müßte doch eigentlich in der Sprache das Wort als positiver gewertet werden, das ist aber nicht der Fall. Es gibt kein Wort, das „schuften“ durch Anhängen einer Silbe noch mehr hervorhebt.

Schaffen, mittelhochdeutsch schaffen, althochdeutsch scaffan und scaffōn, abgeleitet von scepfen, schöpfen, ursprünglich schnitzen, mit dem Schaber arbeiten, schaben. Ersatzwörter sind bilden, gestalten, herstellen, anstrengen, befördern, werkeln, rackern, schöpfen, vollbringen, bewerkstelligen.

Schuften, laut Duden, Herkunft ungeklärt, eventuell vom niederländischen schoft, älter noch schuft, das war ein Viertel Tagwerk, und besagte in einem Schub arbeiten, wurde im 19. Jahrhundert aus mitteldeutschen Dialekten in die Studentensprache übernommen.

Der Schaffer ist ein tüchtiger Arbeiter, in der Seemannssprache, der die Schiffsmahlzeit besorgt und anrichtet, in Österreich war es der Begriff für einen Aufseher auf einem Gutshof.

Den Schufter gibt es in der deutschen Sprache nicht, wohl aber die Schufterei und Schuft. Schufterei ist kurz erklärt, das Wort steht für dauerndes Schuften, Plackerei, Knochenarbeit.

Der Schuft, aus dem Niederdeutschen, möglicherweise zusammengezogen aus niederdeutsch Schufut, elender Mensch (eigentlich, Uhu, mittelniederdeutsch schūfūt, lautmalend); der Name des lichtscheuen Vogels wäre dann auf Menschen übertragen worden. (Duden) Synonyme sind Betrüger, Verbrecher, Ganove, Mistkerl, Lump, Schweinehund Bösewicht, Dreckskerl, Strauchdieb, Gauner, niederträchtiger Mensch und als weniger gefährlicher Ausdruck, Schelm

Schuhu, ruft der Uhu, schuhu, ruft die Kolumnistin. Vielleicht auch mancher Leser.

Wie bereits öfter erwähnt, schreibt hier keine ausgebildete Sprachwissenschaftlerin, somit kann die Texterin ihrer eigenen Interpretation freien Lauf lassen. Schuhu!

Sicherlich mag ein Schuft gerne sich im Dunkeln verstecken und äußerst lichtscheu sich verhalten, aber in der Regel arbeiten Schufte in aller Offensichtlichkeit, dies ist sehr oft ein besserer Schutz als sich zu tarnen. Die Charaktere der Eulen, Uhus werden unterschiedlich in Erzählungen und in der Geschichte dargestellt, so gilt die Eule als Unglücksbote genauso wie als Glücksbringer. Sie gelten als weise genauso wie als dumm. (Indien) Der Uhu ist ein Sinnbild für schlaraffischen Humor. Sie sind Hexen- und Teufelsvögel, dabei spielte es in vielen Kulturen oftmals keinen Unterschied bei all diesen Aufzählungen, ob es sich um eine Eule oder Uhu handelte. Man hat also die Wahl zwischen gut und böse, weise und dumm, zwischen Hexenhelfern oder trägen, leichtsinnigen Humor.

Vergleicht man die Wortherkunft von schaffen und schuften genauer, so kann nicht übersehen werden, daß schaffen ein Ausdruck von schöpferischer Tätigkeit, von Anstrengung, von Vollbringen beinhaltet, wohingegen schuften (lediglich) eine Einteilung von zu leistender Arbeit bedeutete. Vielleicht kann man sich die Schuft besser vorstellen, wenn man weiß, daß der Schuft, das Tagwerk, oftmals eine erforderliche Arbeitsleistung darstellte, die selbst beim fleißigsten Schaffen nicht immer geschafft werden konnte. Um es krass zu sagen, man hätte sie nicht geschafft, wäre im Hintergrund nicht ein „Schuft“ gestanden, der die Menschen zu überdimensionaler Kraftanstrengung getrieben hätte. Hier kann man ohne weiteres auch von Sklavenarbeit sprechen. Als harmlose Variante sind die Schaffer auf den Gutshöfen zu bezeichnen, nicht alle, das sei hier nicht unerwähnt.

Warum sollte also ein Antreiber lichtscheu sein und im Dunkeln seinem Wirken nachgehen? Sie galten, und hier wird es paradox, zumindest für einige Mitmenschen als rechtschaffene Personen. Warum sollte sich eine rechtschaffene Person verstecken, ging sie doch bloß ihrer Arbeit nach? Hingegen mußte der Arbeiter zum Schaffen angetrieben werden, war er nicht der, der ein Schuft war, weil arbeitsfaul?

Wenn nun also die Sprachwissenschaft den Begriff Schuft als eventuell von Uhu (Schuhu) abstammend erklärt, dann vielleicht darum, weil der offensichtliche Zusammenhang besser im Dunkeln bleiben sollte, obwohl gerade der Hinweis zu der Studentensprache genügend Beweis darstellen könnte, daß hier etwas nicht korrekt wiedergeben wurde. Denn Studentensprache sowie Vulgärsprache brachten sehr oft gezielt auf den Punkt, was eigentlich sonst niemand zur Sprache brachte.

Somit kann man sagen, der Schuft läßt schaffen, wohingegen der Schaffende schöpft, bewerkstelligt, herstellt. Wer von den beiden rechtschaffen ist, mag jeder selbst beurteilen, schließlich obliegt es jedem, weise oder dumm zu sein, böse oder gut, lichtscheu oder im Rampenlicht stehend, dahingehend ist der Uhu sinnbildlich stellvertretend.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Frankreich-Wahl: Klares Nein zum Rechtsradikalismus

Emmanuel Macrons Kurs letztlich eine Fortsetzung von Hollandes Politik?

Die Franzosen haben sich gegen das Rechts-Links-Muster entschieden, mit Emmanuel Macron und seiner im letzten Jahr gegründeten Partei „En Marche“ erreichte zum ersten Mal in Frankreich die politische Mitte den direkten Weg zur Stichwahl am 07. Mai.

Tragisch genug, daß eine Marine Le Pen den zweiten Platz mit rund zwei Prozentpunkten hinter Macron für sich verbuchen konnte, in knapp zwei Wochen die Stichwahl mit bestreitet. Dennoch darf man zurecht feststellen, daß eine überwältigende Mehrheit der französischen Wählerschaft ein klares Nein zum Rechtsradikalismus vertritt. Macrons Kurs letztlich eine Fortsetzung von Hollandes Politik?

„Der Schöne und das Biest“ – EU-Befürworter und EU-Gegnerin

Es könnte noch gegensätzlicher sein, wenn denn Jean-Luc Mélenchon, Kandidat der Linkspartei (Parti de Gauche) es in die Stichwahl geschafft hätte. Immerhin erreichte er 19,6% der Wählerstimmen, ziemlich knapp hinter François Fillon, dem Kandidaten der Republikanischen Partei (Les Républicains), dem ehemaligen Premierminister unter Präsident Nicolas Sarkozy.

Hinsichtlich der EU beherrscht die Stichwahl aber die Gegensätze beider jetzigen Kandidaten mit „dem Schönen und dem Biest“, um deren Außenwirkung ein wenig zu verdeutlichen. Während Macron alles daran setzt, die EU zu verglorifizieren, lehnt Le Pen sie vehement ab, will den Franc zurück, per Referendum möge der Europa-Ausstieg erfolgen, bei Niederlage wolle sie allerdings zurücktreten.

Kann man einem ehemaligen Investbanker trauen, der obendrein mit denselben Mitteln eintritt wie hierzulande, nämlich steuerliche Erleichterungen für die Unternehmen sowie Lockerung des Arbeitsrechts? Daß damit Lohndumping Wege findet, ist letztlich vorprogrammiert, auch wenn er in den Bereichen Arbeit, Außenpolitik, Bildung, Sicherheit, Wirtschaft und einer sogenannten Demokratischen Erneuerung die Revolution will. Seine Argumente und Standpunkte weichen allerdings unwesentlich von François Hollande ab, nur daß er halt mit seiner jungen, dynamischen Erscheinung wesentlich mehr Wähler zu beeindrucken scheint.

Emmanuel Macron wird achter Präsident in der Fünften Republik Frankreich

Es müßte schon ein Wunder geschehen, daß Marine Le Pen es wider Erwarten schaffen sollte, in der Stichwahl zu gewinnen. Laut Prognose zur 2. Wahl läge Emmanuel Macron mit 62% ganz deutlich vorn, während Marin Le Pen mit den verbleibenden 38% sich geschlagen geben müßte.

Da die Franzosen mehrheitlich sich gegen den Rechtsradikalismus positionieren, wird Emmanuel Macron achter Präsident in der Fünften Republik Frankreich. Siegerposen seitens Marine Le Pen werden dies keineswegs verhindern. Eine deutliche Signalwirkung auch gen Deutschland an dortige Rechtsradikale, daß sie schlicht unerwünscht sind.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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