Mysterium der Gedanken

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Silbrig schimmert
die Sichel des Mondes
am Firmament,
will er jeden Moment
die wie Dampf
wirkenden Wolken
zerschneiden?

Schal scheint
das Bier des Mannes
am Nachbartisch,
er hält es
gefühlte Stunden
zwischen den
Händen fest.

Schlag zwölf
mit dem Läuten
der Kirchturmuhr
heulen die Sirenen
Helfer herbei,
die Zeit kein
Erbarmen zeigt.

Selbst
die Erinnerung
flieht
vor dem Mysterium
der Gedanken,
die sammeln,
anstatt zu handeln.

Nafia

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Atombomben ein Garant der Supermächte

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Terror soweit das Auge reicht

Der Unfrieden beginnt in den Köpfen derer, die vor lauter Haß und Verachtung nur noch per Gewalteskalation sich zu helfen wissen. Kommunikation auf politischen Ebenen dienen bestenfalls jenen Organisationen wie der UN, den diplomatischen Gipfeln oder Treffen, um dortigst die ohnehin bekannten Grenzen abzustecken, wann welcher Krieg wo stattzufinden hat, Elend ganze Völker betrifft. Hauptsache Wirtschaftskreisläufe fruchten.

Eitel Einigkeit zwischen Trump und Putin verdeutlichen nur die eigentliche Verhöhnung wider der Menschheit: Atombomben ein Garant der Supermächte, was interessieren da schon Einwände friedliebender Bürger. Die werden gar nicht erst gefragt, Terror soweit das Auge reicht. Zuletzt in Berlin unter höchst fragwürdigen Umständen in Hinblick zum Täter und dessen Ende.

Während unsere Friedensbewegung ohnehin zerstritten, fanden sich vor 33 Jahren am 22. Oktober noch hierzulande an die 1,3 Millionen Menschen bundesweit zusammen, um gegen die Nachrüstung in jenem „Heißen Herbst“ zu demonstrieren. Davon ist heute nicht viel übrig geblieben, trotz dem Fall des Eisernen Vorhangs hält die atomare Bedrohung weiterhin an. Welch tragisch fatale Entwicklung zusammen mit der ohnehin zunehmenden Gewalt in der Gesellschaft.

Lotar Martin Kamm

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Gesellschaft – eine Welt der Normen und Abhängigkeiten

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Ein Blick hinter die Kulissen

Wer hat schon die Gelassenheit, die Dinge beim Namen zu nennen, möglichst objektiv, keinerlei gefaßten Meinungen ausgesetzt, daher völlig wertfrei, uneingeschränkt, nahezu mit derselben positiven Unbedarftheit eines kleinen Kindes ihnen zu begegnen, sie zuzulassen in einer Welt der Normen und Abhängigkeiten. Finden wir die Balance, hinter die Kulissen schauen zu wollen.

Dabei mag die neugierig berechtigte Frage auftauchen, welche Kulissen denn gemeint sein könnten. Nehmen Sie einfach irgendein tagespolitisches Thema, den Diskurs in Ihrer Firma oder tragische Familienangelegenheiten, in jedem Fall stellt es eine Reflektion zum Gesellschaftsgeschehen dar, weil wir alle uns mittendrin befinden in solchen Prozessen.

Politiker genießen ein hohes Maß an Unversehrtheit

In politischen Landschaften treffen immer mehr Interessen aufeinander bzw. wächst das dichte Netz von Korruption, wirtschaftlichen Einflüssen, an vorderster Front die Palette der Lobbyisten, nahezu unüberschaubar, somit gefährlich zusammen, entzieht sich oftmals der Kontrolle.

Natürlich versuchen dazwischen sämtliche Strategen, an machtpolitischen Schaltstellen den Anschein von systematischer Überschaubarkeit zu vermitteln, doch die entgleitet selbst noch so akribisch planerisch durchdachten Sicherheitsexperten, weil gerade menschliche Schwäche ein unkalkulierbares Restrisiko darstellt. Das wiederum wissen alle und richten sich mit gewissen Verlusten danach. Kein Wunder, daß geschickte Vermittler beruhigen, obwohl die Öffentlichkeit ständig nach Erklärungen sucht, dies ihr gutes Recht zu sein scheint.

Dies beinhaltet das Wesen der Politik, eine aufgebrachte Öffentlichkeit auszuhalten. Die einen ziehen sich zurück, denken wir an die ehemaligen Bundespräsidenten Köhler und Wulff, wenn auch unter völlig unterschiedlichen Beweggründen, ob nun berechtigt oder nicht, während die anderen reflexartig die Flucht nach vorn suchen, fast schon unverschämt, zunächst geradlinig erscheinend, eigentlich einer alten Taktik folgend: Angiff sei immer noch die beste Verteidigung.

Doch wehe deren wunder Punkt, manchmal soll dies sogar die Wahrheit sein, wird gefunden, entlarvt und ans Licht gezerrt. Dann wird es häßlich. Beispiele lassen wir mal weg, suchen Sie sich jemand aus. Eines sei noch erwähnt: Politiker genießen ein hohes Maß an Unversehrtheit ähnlich wie gewisse Pöstchen in der Justiz, so daß der Pranger glimpflich endet, wobei in anderen Berufen meist das soziale Aus bevorsteht.

Außenseiter schaffen Veränderung zum Positiven

Unverkennbar ist das Leben selbst Politik. Wenn nicht, befinden sich diejenigen, die sich ins Abseits stellen, außerhalb der Gesellschaft. Nicht zu verwechseln mit der Norm. Die wiederum geben viele sich selbst vor, passen sich halt an, um nicht aufzufallen, was einem typischen Gruppenverhalten entspricht. Gruppe somit eine Konstante der Norm vorgibt, frei nach dem Motto, wer sich nicht konform verhält, keine gewissen Regeln befolgt, unangenehm auffällt, abgestraft oder gar ausgestoßen werden kann. Das ist der Lauf der Welt, birgt jede Gesellschaft in sich, egal welche Kultur, Glauben oder andere Gemeinschaftsziele Menschen zusammenbringen.

Somit haben es Außenseiter immer schwerer wie die Angepaßten, was keineswegs das Leben als Außenseiter abwerten möge. Im Gegenteil, sie sind es, die aufgrund des Verlassens gewisser Normen den nötigen Abstand haben, um auch mal berechtigte Kritik anzubringen, daher viel eher eine Veränderung zum Positiven erschaffen können, als wenn sie im Korsett normgerechter Anpassung verweilen.

„Wer sich zu groß fühlt, um kleine Aufgaben zu erfüllen, ist zu klein, um mit großen Aufgaben betraut zu werden.“ (Jacques Tati)

Wieso habe ich das Gefühl, daß gerade in der Politik etliche darunter, die exakt dem entsprechen?

Lotar Martin Kamm

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Kulissen verbinden innen und außen miteinander

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Glücksempfinden dem Theater entlehnt

Menschen, die sozusagen in und mit ihrer Arbeit verbunden sind, erleben bisweilen kaum zu beschreibende Gefühle, wenn sie das richtige Blau gefunden haben, die Melodie den Rhythmus widerspiegelt, der den Ausdruck der Tonfolge perfekt trifft, der Tanzschritt gelungen ist, harmonisch fließend, einen Satz formuliert, der einen ganzen Abschnitt überflüssig macht.

Dies ist nicht nur auf der kunstschaffenden Ebene der Fall, sondern auch im handwerklichen, kaufmännischen, in den Sozialberufen, generell da, wo eine Identifikation mit der zu verrichtenden Arbeit stattfindet. Es sind dies die Momente, die manchmal nur für Sekunden wahrnehmbar, alle anderen eventuellen mißlichen oder weniger bedeutungsvollen Tätigkeiten, Handlungen überlagern und sehr oft ähnliche Wirkungen aufweisen, wie das innere Strahlen der Kinderaugen vor dem geschmückten Weihnachtsbaum.

Dieses innere Strahlen fließt durch den gesamten Körper und vermag sogar kurzzeitig ein schwereloses schwebendes Gefühl auslösen, es ist die Verkörperung von der Harmonisierung eines inneren und äußeren Geschehens. Im übertragenen Sinn, wenn innen und außen, oben und unten, vorne und hinten, sich überlappen, eins sind, obwohl sie völlige Gegensätze aufweisen können.

Im Bereich des Theaters benützt man Kulissen, um die Szene, die auf der Bühne dargestellt wird, zu unterstreichen, wobei die Kulisse nicht nur die abbaubaren Wände sind, sondern auch sich auf das Mobiliar beziehen kann. Die Rückseiten dieser Kulissen hingegen sind oftmals nur in ihrem „Naturzustand“, unterscheiden sich höchstens von Ziffern und Buchstaben, die der Orientierung des Aufbaus dienen, ansonsten wirkt der Hintergrund einer Kulisse oftmals trostlos und trist. Zudem sind im Theater oder bei Aufführungen Menschen für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund tätig, die die unterschiedlichsten Aufgaben ausführen als die auf der Bühne agierenden Schauspieler.

Ist eine Aufführung sehr gut gelungen, dann kann man wie oben erwähnt, zwischen den vorne und hinten Agierenden von einer Überlappung der beiden ansonsten nicht übereinstimmenden Arbeiten sprechen. Zusätzlich erleben wir hier auch die dritte Komponente, nämlich die Zuschauer, die sinnbildlich ebenfalls getrennt, durch den Vorhang auf der Bühne, von den auf und hinter der Bühne Agierenden. Auch mit dem Zuschauer kommt es zu einer Übereinstimmung, wenn das Stück, das aufgeführt wurde, kurz gesagt, die Gemüter angeregt hat.

Kulisse, aus dem französischen coulisse, Schiebewand, ursprünglich aber Rinne, zu coulis, zum Durchseihen, zum Durchfließen geeignet. Verwandt mit dem Wort kulant, großzügig, kompromißbereit, wohlwollend, entgegenkommend. Kulant, aus dem französischen coulant, fließend, flüssig, übernommen vom lateinischen colare, durchseihen. Die Kulisse ist die Rinne, die es schafft, durch Wegnahme des Geseihten, eine völlige Übereinstimmung von Gegensätzlichem, wie vorne und hinten, herzustellen. In dem Wort kulant, wohlwollend, großzügig, entgegenkommend, finden wir in den Begriffen, die sie ausdrücken und die für Übereinstimmungen, Vereinbarungen vonnöten sind, die Bedingungen, um eine vom Glücksgefühl erfaßte Stimmung zuzulassen, wenn keine Mißverständnisse oder sonstige Widrigkeiten im Wege stehen.

Anders ausgedrückt, wenn eine völlige oder besser, eine vollkommene Übereinstimmung zwischen zwei unterschiedlichen Seiten, Dingen, Menschen zustandekommt, die ansonsten nicht im Bereich des Möglichen, der Erwartung liegt, weil eine Kulisse, eine Rinne, eine unüberbrückbare Differenz dies verhindert, dann kann nur durch ein Seihen der Flüssigkeit, durch Aussprache der Differenzen oder durch eine plötzliche Eingebung, eine Situation eintreffen, die, wie anfangs erwähnt, ein unbeschreibliches Glücksempfinden auslösen kann.

Nicht immer ist es möglich, kulant, großzügig, entgegenkommend zu sein, viele Kulissen können die Sicht versperren, gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, daß Kulissen verschiebbar sind, daß die Flüssigkeiten in der Rinne geseiht, gesiebt werden können, um dadurch die Möglichkeit zu bekommen, seinen Standpunkt und Blickwinkel zu wechseln und durch Klärung, trotz Differenzen in den Strukturen, eine Identifizierung stattfindet, die man als Harmonisierung mit Innen und Außen beschreiben kann.

Doris Mock-Kamm

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Konzerne wie Nestlé dulden Kinderarbeit für Palmöl

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Modernes Sklaventum weltweit an der Tagesordnung

Hohe Betroffenheit breitet sich kurz vor Weihnachten aus, die Tage in Berlin nach dem Anschlag, obwohl es genügend Anlässe gibt, die den globalen Terror erst recht möglich machen. Dort wo Ausbeutung ungestraft und ungebremst ihr Unwesen treiben darf, entstehen gen Himmel stinkende Ungerechtigkeiten. Modernes Sklaventum weltweit an der Tagesordung!

Doch gerade die reichen Industrieländer profierten davon, Konzerne wie Nestlé, Kellog’s und Unilever dulden Kinderarbeit für Palmöl. Immer mehr Plantagen verdrängen wervolle Urwälder, der Verein „Rettet den Regenwald“ weist in einer Petition auf die unzumutbare Kinderarbeit im Auftrag des Konzerns Wilmar International Limited hin, richtet seinen Appell darauf, daß die Palmölindustrie und ihre Kunden Menschenrechtsverletzungen, Kinder- und Zwangsarbeit sofort unterbinden müssen.

Ignoranz bishin zu kriminellen Machenschaften

Gedenken wir Bruno Manser, der sich beherzt einsetzte, um betroffenen Völkern zu helfen, die dem Raubbau des Regenwaldes mit ansehen mußten, damit Palmöl-Plantagen gewinnbringend entstehen, seit dem 10. März 2005 als verschollen gilt. Hohe Profite fordern wohl auch Menschenleben, dieser Ignoranz kann man wohl nur mit entsprechend vermehrten Protesten begegnen.

Obwohl die Auswirkungen schrecklicher Arbeitsbedingungen vor Ort auf den Palmöl-Plantagen zu genüge recherchiert und dokumentiert wurden, halten jene Zustände an, ist Kinderarbeit an der Tagesordnung, herrscht gar Arbeitszwang. Während hierzulande Werbung von Frühstücks-Rama über die Bildschirme flackert, setzt sich auf Palmöl-Plantagen Indonesiens die Sklaven- und Kinderarbeit fort.

Wie in alten Zeiten des Sklavenhandels

Richtig bekannt wurde Sarah Lark mit der „Weiße-Wolke-Trilogie“, die deutsche Autorin Christiane Gohl schreibt auch mit an anderen Pseudonymen. Doch ihr Roman „Die Insel der Roten Mangroven“ beschreibt sehr anschaulich das Sklaventum des 18. Jahrhunderts in der Karibik, wo auf Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen die Sklaven der Willkür ihrer Herren ausgesetzt unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen ihr Leben fristen müssen.

Die Parallelen zu heute sind erschreckend ähnlich gelagert, man möchte behaupten, unsere so oftmals hochgelobte Zivilisation zeichnet sich eben durch ihre Verlierer aus, die dem Überreichtum entsprechend nutzen sollen. Wer dies aufdeckt, riskiert sein Leben, schließlich wollen jene Herrschaften nicht auf ihren Luxus verzichten, da müsse halt Kinderarbeit hingenommen werden.

„Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie.“ (Ernst R. Hauschka)

Was sollten wir daraus lernen? Ganz einfach, Mensch ignoriert seine Sinne und den Verstand in dem Augenblick, wo bestimmte Mächte sich über ihn hinwegsetzen. Solange er weiterhin vor Obrigkeiten buckelt, die ihn tyrannisieren, ändert sich nichts.

Lotar Martin Kamm

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Nie wieder Reconquista

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Zweckentfremdung im Sinne herrschaftssüchtiger Patrioten

Wenn Kleinkinder die ersten Laute oder sogar Worte sprechen, kann es ohne weiteres passieren, daß die Eltern vor lauter Freude Tränen in die Augen bekommen. Es gibt immer wieder nette Anekdoten über Wortverdrehungen, Ausdrücke, wenn die Kinder ein bißchen älter sind und beginnen, selbständig sich der Wörterwelt zu nähern, nicht immer treffen sie dann wirklich das passende Wort oder den passenden Ausdruck. Kinder sind einfallsreich und kreieren bisweilen neue Wortschöpfungen oder benennen manche Gegenstände mit selbst erfundenen Namen. Dies alles ist beim Erlernen einer Sprache nicht abwegig.

Wenn allerdings Erwachsene sich Begriffen, Wörtern bedienen, die in einem bestimmten Bezug zur Geschichte eines Landes stehen oder in ihrer Begrifflichkeit sich über Jahrzehnte verändert haben oder in ihrer Übersetzung einen völlig anderen Sinn ergeben als für die Aussage, für die sie stehen sollten, dann ist dies nicht nur peinlich, sondern zeugt auch von Unkenntnis, um nicht zu sagen Dummheit, dies führt dann ebenso zu Tränen in den Augen.

Erstaunlich, oder vielleicht doch nicht, werden diese Wortbegriffe gerade von Menschen benützt, die ihre völkischen Ansichten und Parolen unter die Leute streuen. Wörter wie Patriotismus, alternativ, identitär, Populismus, Loyalität, um nur einige zu nennen. Reconquista wird in diesem Sinne dem nationalistischen Zweck unterstellt.

Reconquista, (Rückeroberung), ein Begriff aus dem 8. Jahrhundert, der den Herrschaftsbereich der christlichen Reiche in Spanien durch Verdrängung der muslimischen Reiche bezeichnet. Diese Auseinandersetzung begann 722 und endete 1492, so die allgemeine Geschichtsschreibung. Wie so oft, so auch in diesem Zusammenhang wurde für diese Geschichtsepoche der Ausdruck erst in neuerer Zeit geprägt und gelangte über die französische Geschichtsforschung als Begriff in den spanischen Sprachraum. Der Begriff an und für sich unterliegt wegen seiner vermeintlichen Aussage, es handele sich hierbei um eine geschlossene Abwehr gegenüber den muslimischen Reichen, deshalb oftmals kritischen Anmerkungen.

Diesen Begriff zu übernehmen, um nationalistisches Gedankengut zu verbreiten, ist faktisch nicht hinnehmbar, denn Europa ist ein überwiegend „christlicher Kontinent“, oder?

Auch sollte es hinlänglich bekannt sein, daß es Wortverwandtschaften zwischen der lateinischen und spanischen Sprache gibt. Conquistor ist die Bezeichnung im lateinischen für Nachspürer, geheimer Aufpasser. Konquistador ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für Eroberer, als Sammelbegriff für die Seeleute, Soldaten, Entdecker, die im 16./17. Jahrhundert oft im Auftrage der Königshäuser dieser beiden Länder andere Länder in Besitz nahmen.

Die Inquisitoren, (Untersuchungsrichter), die im Auftrage der römisch-katholischen Kirche für die Verurteilung von Ketzern, „Hexen“ und Häretikern (Personen, die eine gegensätzliche oder andere Lebensanschauung vertreten, als die römisch-katholische Kirche), waren für tausende Hinrichtungen verantwortlich. Dies nur am Rande erwähnt, um die Begrifflichkeit des Nachspürers, geheimen Aufpassers zu unterstreichen.

Reconquista, wer oder was? Zurückeroberung, Wiedereroberung Europas?

Es mag sein, daß die Hintergründe für die Wahl dieses Begriffes sich nur wenigen Menschen erschließt. Tatsache ist allerdings, daß die „Begriffsnehmer“ die Zusammenhänge und die Auswirkungen, die sich geschichtlich hinter diesem Begriff zeigen, nicht verstanden haben. Hier wird eine Wortschöpfung zweckentfremdet, um nationalen Patriotismus hoffähig zu machen.

Conquistoren reconquisieren Inquisitoren oder Inquisitoren reconquisieren Conquistoren. Wortschöpfungen sind erlaubt, oder kommen Ihnen auch gleich die Tränen?

Doris Mock-Kamm

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Nach Anschlag in Berlin: Rechtspopulisten überschlagen sich

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Widerlich, bösartig und inhuman – so was will an die Regierungsmacht

Was muß noch alles geschehen, bis etliche endlich begreifen, daß man Terror niemals mit Krieg oder Gegengewalt lösen kann, sondern stets die Ursachen erkennen sollte, um diese abzubauen oder gar zu verhindern. Der Anschlag in Berlin war auch ohne selbstgefällige Kommentare aus der rechten Szene längst vorausschaubar, nachdem in Frankreich und Belgien bereits schreckliche Terroranschläge die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatten.

Der AfD fällt nichts besseres ein, als ihr Vorhaben zum bevorstehenden Wahlkampf direkt nach dem Berliner Anschlag in die Tat umzusetzen, um per Twitter-Kommentare herumzugiften, sie habe es doch schon immer gewußt, in erster Linie wird Frau Merkel eine Schuld angelastet, im Facebook äffen zahlreiche Anhänger den Shitstorm nach. Dermaßen simpel macht es sich die rechte Mischpoke: widerlich, bösartig und inhuman – so was will obendrein an die Regierungsmacht.

CSU bläst ins selbe Horn ohne jedwede Scham

Was nicht weiter verwunderlich, schließlich hat der Bundestagswahlkampf schon längst begonnen, da muß halt ein Anschlag in Berlin nützlich ausgeschlachtet werden, wenn Horst Seehofer an die Neujustierung der Einwanderungspolitik erinnert. Besonnene Reaktionen von den Linken und Liberalen werden mit Spott belächelt oder verhöhnt.

Selbst der designierte US-Präsident Donald Trump ließ es sich nicht nehmen, um ziemlich schnell gar von einem islamistischen Anschlag in Berlin zu sprechen, obwohl noch gar kein Täter klar überführt war. Das bedeutet nichts gutes, paßt zur kritischen Einschätzung unsererseits.

Apropos Scham. Auch der bekannte „Fettnäpfchentreter“ Niels Ruf bestätigt sein Können auf diesem Gebiet, in dem er per Twitter verkündete: „Dieses Jahr bin ich ja schon fast froh, den Weihnachtstruck verpasst zu haben“, das Ganze mit einem Photo eines Coca-Cola-LKWs inmitten einer Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor. Pietätlos ist noch eine freundliche Formulierung zu solch einer Entgleisung, die anschließende Empörungswelle gegen den Fernsehmoderator mehr als berechtigt!

Wieviel Terror verträgt unsere Gesellschaft ohne leidvolle Einbußen?

Reaktionen folgen nach dem Berliner Anschlag nicht nur bei den rechten Kräften, sondern garantiert in Regierungs-, Justiz- und Polizeikreisen. Das läßt sich nicht vermeiden. Dabei stellt sich in erster Linie die Frage, in wie weit nicht nur unsere Sicherheit stetig abhanden kommt, sondern auch in wie weit die Freiheit des Einzelnen beschnitten wird. Kontrollen mögen nützlich sein, doch bedeuten sie ebenso Einschränkung sowie ein wachsendes Mißtrauen.

Das Ende friedlichen Zusammenlebens somit auf lange Sicht gefährdet? Keine Entspannnung mehr möglich, um hinter der nächsten Ecke neuem Terror entgegen zu blicken? Genau das wollen nicht nur die Täter, sondern jene Rechtspopulisten setzen bereits alles daran, um möglichst viele Ängste zu schüren, Flüchtlingspolitik gänzlich zu negieren genauso wie eine multikultuerelle Gesellschaft, ein Zurück zum Nationalismus zu fordern. Dies gilt es unbedingt zu verhindern seitens demokratisch wacher Menschen hierzulande, europa- und weltweit.

Feindbild erschafft vom neu formierten rechten Rand, Hauptsache alles Fremde begafft, erhebt er erneut die strafende Hand. Schreibt es an jede Wand: Deutschland will sie nicht mehr, die Wiederholung solcher Schand!

Lotar Martin Kamm

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